Profilbild von Corsicana

Corsicana

Lesejury Profi
offline

Corsicana ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Corsicana über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2020

Sehr spannend - und immer wieder unerwartete Wendungen

Sturmwand
0

Nicolas Guerlain ist Personenschützer bei der französischen Regierung, derzeit ist er für die Sicherheit des französischen Präsidenten zuständig. Sozusagen ein Bodyguard der Sonderklasse. Und quasi "nebenher" ...

Nicolas Guerlain ist Personenschützer bei der französischen Regierung, derzeit ist er für die Sicherheit des französischen Präsidenten zuständig. Sozusagen ein Bodyguard der Sonderklasse. Und quasi "nebenher" löst er noch die seltsamsten Kriminalfälle. Handlungsorte sind immer Paris und die Normandie, die Heimat von Guerlain. Diesmal spielt die Handlung auf einer kleinen Insel vor der Küste der Normandie, Chausey. Dort ist es windig, rau und wunderschön. Als sich ein mysteriöser Todesfall ereignet, bekommt die scheinbare Idylle Risse - und es liegt anscheinend noch viel Mysteriöses verborgen. Guerlain beginnt zu ermitteln - mit Hilfe der örtlichen Polizei, die man als Leser*in schon aus den vorherigen Bänden kennt. Die ehemalige Praktikantin und jetzige Polizeischülerin Claire ist genauso wieder dabei wie der schrullige Kommissar aus Deauville. Und natürlich spielt Julie wieder eine Rolle, die Lebensgefährtin von Nicolas. Die beiden verbindet eine komplizierte Geschichte, die in den vorherigen Bänden ausgiebig Thema war. So langsam - muss ich zugeben - nervt mich diese Geschichte aber etwas. Endlich sind sie zusammen - Warum kommen sie nicht klar??

Aber abgesehen davon hat mich diese Serie von Anfang an in den Bann gezogen. Die Kriminalfälle sind sehr verwickelt, gut konstruiert. Immer, wenn ich denke, dass alles geklärt ist, kommt wieder etwas vollkommen Unerwartetes. Dazu mag ich die Beschreibung der französischen Lebensart, die Beschreibungen der Normandie und die leise Kritik am (fiktiven) französischen Präsidenten, die wohl eine Kritik an der Egozentrik solcher Machtinhaber allgemein ist.

Für mich sind die Normandie-Krimis von Benjamin Cors rund um Nicolas Guerlain jedesmal ein Lese-Genuss. Ich kaufe mir die Bücher immer sofort nach Erscheinen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.05.2020

Konnte mich nicht überzeugen

Der Freund
0

Eine Frau bekommt einen Hund vererbt. Von einem Freund, der Selbstmord verübt hat. Der Hund ist groß, sehr groß. Und die Frau hat nur ein kleines Appartment in Manhattan. Dort sind Hunde übrigens gar nicht ...

Eine Frau bekommt einen Hund vererbt. Von einem Freund, der Selbstmord verübt hat. Der Hund ist groß, sehr groß. Und die Frau hat nur ein kleines Appartment in Manhattan. Dort sind Hunde übrigens gar nicht erlaubt. Aber erst mal nimmt sie den Hund mit. Und dann trauern beide um den Verstorbenen.

Das hätte eine sehr gute, tiefgründige Geschichte werden können. Wird es aber nicht. Denn der Großteil des Buches besteht aus Zitaten, was der und die Schriftstellerin mal jemals zu Hunden, zu Trauer, zu Selbstmorden und vor allem zum Schreiben gesagt hat. Die Protagonistin ist Dozentin für Creative Writing. Und das Buch wirkt so, als hätte sie ihren gesamten Unterrichtsstoff bunt durcheinander gewirbelt in dieses Buch geschüttet. Sprachlich ist das durchaus gut gemacht. Die Autorin ist nicht umsonst preisgekrönt. Aber inhaltlich war das für mich nix. Ich mag Geschichten lesen, wenn ich Bücher lese. Und nicht Bücher, die fast nur davon handeln, wie man oder frau am besten Bücher schreibt. Und dazu noch dieses unsägliche Klischee (a la Roth) von dem alternden Dozenten, der irgendwann nicht mehr attraktiv für junge Frauen ist, jedoch nicht davon ablassen kann, Affären mit seinen jungen Studentinnen zu beginnen. Die lassen sich nur noch darauf ein, weil sie sich Vorteile erhoffen. Als er das nicht mehr ignorieren kann, bringt er sich um. Ehrlich, das Thema ist seit "me-too" dermaßen durch. Ich konnte keinerlei Mitgefühl mit dem Selbstmörder entwickeln. Und auch seine Beziehung zu der Protagonistin, die ihn wohl doch geliebt hat (aber er wollte doch lieber nur die Freundschaft) wurde für mich nicht klar genug herausgearbeitet. Sobald es einmal in die Tiefe ging, kamen immer wieder seitenlange Zitate, was der und die dazu geschrieben hat....Ich fühlte mich wie in einem Proseminar.

Also, kein Buch für mich. Ich mag wohl keine Bücher übers Schreiben. Ich mochte schon dieses berühmte Buch von Delphine de Vigan dazu nicht.

Ich habe das Buch in einem Lesekreis gelesen. Die Resonanz war auch eher verhalten. Es waren aber nicht alle so kritisch wie ich.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.04.2020

Wehmütig - die Sehnsucht nach den Sommern der Jugend

Unsere glücklichen Tage
0

" Es gibt Menschen, bei denen alles so ist, als hätte man den Raum vor fünf Minuten verlassen, um sich etwas zu trinken zu holen, und kommt rein und greift das Gespräch wieder auf, greift den Moment wieder ...

" Es gibt Menschen, bei denen alles so ist, als hätte man den Raum vor fünf Minuten verlassen, um sich etwas zu trinken zu holen, und kommt rein und greift das Gespräch wieder auf, greift den Moment wieder auf, greift das ganze Leben wieder auf und dabei sind 30 Jahre vergangen." S.312

Dieses wunderbare Buch von Julia Holbe handelt von Freundschaft. Und von Liebe. Von einer Liebe, die viel zerstören kann. Und von Freundschaft, die bleibt.

Elsa, Fanny, Marie und Lenica verbringen die Sommer ihrer Jugend in einem Ferienhaus an der französischen Atlantikküste. Lenica wohnt in diesem Ort, ist also eine Einheimische. Die anderen reisen Sommer für Sommer an. Drei sorglose Studentinnen. Das Leben liegt vor ihnen. Aber nach ihrem letzten gemeinsamen Sommer werden die vier sich voneinander entfernen. Und sich nicht mehr wiedersehen. Erst 30 Jahre später treffen sich Elsa, Fanny und Marie wieder. Lenica ist inzwischen gestorben. Was ist damals geschehen? Und welche Rolle spielte Sean, der plötzlich im letzten Sommer auftauchte und alles veränderte? Und was ist mit Lenica geschehen?

Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen. Denn es beschreibt sehr schön und atmosphärisch die Geschichte dieser Sommer, die man als Jugendliche oder junge Erwachsene erlebt. Die unvergesslich sind. Die das Leben verändert haben. Jedenfalls bei mir.

Falls das jemand nicht erlebt hat: Schade. Viel verpasst. Allerdings auch viel Leid verpasst. Wer die Höhen im Leben erleben will, muss eben auch die Tiefen in Kauf nehmen. Das ist eine Entscheidung, die in diesen Sommern fällt.

Das Buch handelt davon. Von den Höhen und Tiefen. Von der Liebe. Und von lebenslanger Freundschaft. Und von lebenslanger Sehnsucht. Nach diesen besonderen Sommern damals. Als alles noch möglich war.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.04.2020

Schönes Setting - ansonsten ein wenig zu viele Verwicklungen

Schweigende See
0

Dieser inzwischen siebte Band der Reihe um Kommissar John (gesprochen: Joon) Benthien spielt auf Sylt. Eine fast verbrannte Leiche wird am Südende der Insel gefunden. Und der Kommissar und sein Team machen ...

Dieser inzwischen siebte Band der Reihe um Kommissar John (gesprochen: Joon) Benthien spielt auf Sylt. Eine fast verbrannte Leiche wird am Südende der Insel gefunden. Und der Kommissar und sein Team machen das alte Kapitänshaus der Familie Benthien am Nordende der Insel, in den Dünen von List, zu ihrer Kommandozentrale.

Die unbekannte Tote wird bald identifiziert. Aber dann beginnen die Probleme erst. Die Dame war zwar als ziemlich schwierig und streitlustig bekannt - aber war das ein Grund, sie zu töten? Die Sache wird immer verwickelter, es kommen eine Menge Menschen ins Spiel, die alle irgendwie verdächtig sind. Und es sterben noch mehr Menschen - letzteres konnte ich dann nicht mehr nachvollziehen. Und dann spielt auch der Vater des Kommissars eine wichtige Rolle. Das ist wohl immer so in dieser Krimireihe - Vater Benthien und sein altes Kapitänshaus spielen eine Rolle. Und es wird auch immer etwas über das Privatleben der Ermittler erzählt. Obwohl mich dieser Fall nicht ganz so überzeugt hat (zu viele Tote, zu viele Verwicklungen und außerdem hat der Klappentext mal wieder zu viel vorweggenommen), habe ich dann angefangen, die Reihe von vorne an zu lesen. Und schon der erste Fall von John Benthien (spielt auf Amrum) hat mir dann weitaus besser gefallen als dieser Fall.

Fazit: Verwickelte Geschichte (fast zu verwickelt) mit (für mich) zu vielen unnützen Todesfällen mit viel Inselflair aus Sylt und interessanten Tagebucheinträgen zwischendurch, die die Handlung spannender machten. Mich hat dieses Buch dazu animiert, die ganze Reihe zu lesen - damit habe ich schon angefangen.

  • Cover
  • Spannung
  • Figuren
  • Geschichte
Veröffentlicht am 29.03.2020

Wohlfühlbuch über eine Auszeit in Spanien

Das Haus am Orangenhain
0

Juno flüchtet in eine alte, malerische Villa in Spanien, unweit der Costa Blanca, um durch eine Auszeit wieder ihr seelisches Gleichgewicht zu finden.

Aber was ist passiert? Eben war Juno noch glücklich. ...

Juno flüchtet in eine alte, malerische Villa in Spanien, unweit der Costa Blanca, um durch eine Auszeit wieder ihr seelisches Gleichgewicht zu finden.

Aber was ist passiert? Eben war Juno noch glücklich. Sie lebt in Dublin, ist glücklich in ihrem Beruf als Radiologieassistentin, hat gute Freundinnen und sie hat in Brad die große Liebe gefunden. Aber dann bricht alles zusammen. Brad stirbt. Und es stellt sich heraus, dass er verheiratet war und ein Kind hatte. Für Juno bricht die Welt zusammen. Als sie auch im Beruf nicht mehr zurecht kommt, wird ihr eine dreimonatige Auszeit verordnet. Diese kann sie in einer alten Villa in Spanien verbringen, unweit von Benidorm. Die Villa gehört den Eltern einer Kollegin und sie kann dort günstig wohnen, bis die Villa verkauft wird.

Juno reist also nach Spanien. Und sie wird diese Villa nicht nur nach und nach renovieren - sie wird auch neue Freunde finden. Und den Spaß am Leben wieder finden. Und dann gibt es da noch den attraktiven Pep, der den Pool reinigt. Eine neue Liebe? Ist Juno dazu schon bereit?

Dieses Buch ist genau das richtige, wenn man gut unterhalten werden will und sich ein wenig in sonnigere Gefilde träumen will. Und drei Monate Auszeit wären doch auch mal nett....

Für mich ein Buch, dass mich gut unterhalten hat. Zwar fiel der Schluss für mich etwas ab - die letztendliche Liebesgeschichte konnte mich nicht so ganz überzeugen - aber insgesamt ein Wohlfühlbuch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere