Authentischer Coming-of-Age Roman aus Westafrika
Diese glühenden SonnenDie Côte d´Ivoire, in Deutschland oft auch noch Elfenbeinküste genannt, ist literarisch gesehen noch ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte. Ungefähr 40 % der Einwohner (mehr Frauen als Männer) ...
Die Côte d´Ivoire, in Deutschland oft auch noch Elfenbeinküste genannt, ist literarisch gesehen noch ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte. Ungefähr 40 % der Einwohner (mehr Frauen als Männer) sind Analphabeten und entsprechend selten erscheinen Bücher aus diesem Land in deutscher Übersetzung. Dies ist eine solche Ausnahme. Der Autor ist noch jung, erst 23, und schreibt derzeit in Berlin-Wannsee mithilfe eines Stipendiums seinen zweiten Roman. Leider ist so zu erwarten, dass der neue Roman eventuell weniger authentisch ausfällt als dieses Debüt, das uns mitten hineinwirft in das Leben im heißen, hektischen und patriarchalischen Abidjan. Hierher kommt Iro vom Land um Literaturwissenschaften zu studieren. Er will erfolgreich sein und damit wohl den schlechten Ruf seines Vaters als "Versager" wiedergutmachen (wobei das so nicht erklärt wird - reine Interpretation). Doch seine hochfliegenden Träume verfliegen schnell: Er verliert seine Unterkunft und muss, wie viele andere Studenten auch, die Nächte im Hörsaal verbringen. Gerettet wird er aus dieser Situation von Thierry, dem zweiten Protagonisten in diesem Roman. Dieser hat ein Zimmer im Studentenwohnheim, das er dann mit Iro und zweitweise weiteren zwei Personen teilt. Den Lebensunterhalt bestreiten die Freunde mit dem Verkauf von gebrauchten T-Shirts. Doch sind sie wirklich Freunde? Über ihre Probleme und ihre Herkunft schweigen sie weitgehend, was zu einigen Missverständnissen und Problemen führt. Die familiären Hintergründe sind teilweise auch recht schwierig, wobei es mir als Europäerin schwerfiel, alles richtig zu verstehen. So wie auch manche Handlungen. Ich habe mich oft gefragt: "Wieso macht er das jetzt?", "Warum wird jetzt nicht mehr in die Tiefe gegangen? und "Wo ist der genannte ivorischen Humor?". Ich habe das Buch in einem Leseclub besprochen und wir hatten fast alle diese Probleme mit Tiefe und Verständnis und vielen fehlte etwas. Aber irgendwie fanden wir auch, dass der Roman so doch ein wahrscheinlich sehr authentisches Bild einer Jugend an der Côte d´Ivoire zeigt. Und irgendwann finden Iro und Thierry auch ihren Weg (Coming-of-Age eben). Wobei das Ende mir persönlich ein wenig zu kitschig war und es dann auch ein paar Zufälle zu viel waren.... Aber egal: Trotzdem eine Empfehlung für einen wirklich einmal etwas anderen "Coming-of-Age-Roman".