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Veröffentlicht am 02.02.2026

Authentischer Coming-of-Age Roman aus Westafrika

Diese glühenden Sonnen
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Die Côte d´Ivoire, in Deutschland oft auch noch Elfenbeinküste genannt, ist literarisch gesehen noch ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte. Ungefähr 40 % der Einwohner (mehr Frauen als Männer) ...

Die Côte d´Ivoire, in Deutschland oft auch noch Elfenbeinküste genannt, ist literarisch gesehen noch ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte. Ungefähr 40 % der Einwohner (mehr Frauen als Männer) sind Analphabeten und entsprechend selten erscheinen Bücher aus diesem Land in deutscher Übersetzung. Dies ist eine solche Ausnahme. Der Autor ist noch jung, erst 23, und schreibt derzeit in Berlin-Wannsee mithilfe eines Stipendiums seinen zweiten Roman. Leider ist so zu erwarten, dass der neue Roman eventuell weniger authentisch ausfällt als dieses Debüt, das uns mitten hineinwirft in das Leben im heißen, hektischen und patriarchalischen Abidjan. Hierher kommt Iro vom Land um Literaturwissenschaften zu studieren. Er will erfolgreich sein und damit wohl den schlechten Ruf seines Vaters als "Versager" wiedergutmachen (wobei das so nicht erklärt wird - reine Interpretation). Doch seine hochfliegenden Träume verfliegen schnell: Er verliert seine Unterkunft und muss, wie viele andere Studenten auch, die Nächte im Hörsaal verbringen. Gerettet wird er aus dieser Situation von Thierry, dem zweiten Protagonisten in diesem Roman. Dieser hat ein Zimmer im Studentenwohnheim, das er dann mit Iro und zweitweise weiteren zwei Personen teilt. Den Lebensunterhalt bestreiten die Freunde mit dem Verkauf von gebrauchten T-Shirts. Doch sind sie wirklich Freunde? Über ihre Probleme und ihre Herkunft schweigen sie weitgehend, was zu einigen Missverständnissen und Problemen führt. Die familiären Hintergründe sind teilweise auch recht schwierig, wobei es mir als Europäerin schwerfiel, alles richtig zu verstehen. So wie auch manche Handlungen. Ich habe mich oft gefragt: "Wieso macht er das jetzt?", "Warum wird jetzt nicht mehr in die Tiefe gegangen? und "Wo ist der genannte ivorischen Humor?". Ich habe das Buch in einem Leseclub besprochen und wir hatten fast alle diese Probleme mit Tiefe und Verständnis und vielen fehlte etwas. Aber irgendwie fanden wir auch, dass der Roman so doch ein wahrscheinlich sehr authentisches Bild einer Jugend an der Côte d´Ivoire zeigt. Und irgendwann finden Iro und Thierry auch ihren Weg (Coming-of-Age eben). Wobei das Ende mir persönlich ein wenig zu kitschig war und es dann auch ein paar Zufälle zu viel waren.... Aber egal: Trotzdem eine Empfehlung für einen wirklich einmal etwas anderen "Coming-of-Age-Roman".

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Feinfühliger Roman über Mütter und Töchter

Niemands Töchter
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Dieser Roman war für mich ein unerwartetes Highlight! Ich hatte nicht erwartet, so einen feinfühligen, bewegenden und gleichzeitig anspruchsvollen Roman zu lesen, der sich dennoch als gut lesbar ...

Dieser Roman war für mich ein unerwartetes Highlight! Ich hatte nicht erwartet, so einen feinfühligen, bewegenden und gleichzeitig anspruchsvollen Roman zu lesen, der sich dennoch als gut lesbar und spannend erwies.
Es geht um Mütter und Töchter. Um Mütter, die ihre Kinder abgeben und um Mütter, die Kinder annehmen. Um narzisstische und um über-behütende Mütter. Und um Mütter, die aufgrund ihrer persönlichen Geschichte überfordert sind mit der Mutterrolle. Denn gleichzeitig geht es auch um Töchter. Um vernachlässigte, über-behütete, verlassene und liebevoll umsorgte Töchter. All diese Dinge ergeben Prägungen, die das Leben bestimmen. Und die nur durch Aufarbeitung, Gespräche und Klärung aufgelöst werden können.

Da ist Isabell, die bei einer liebevollen aber über-behütenden Mutter aufwuchs, die sie dann früh verlor. Jetzt ist sie selbst Mutter und kommt mit dieser Rolle gar nicht zurecht. Da ist Alma, die in liebevollen aber auch strikten Verhältnissen in der Eifel aufwuchs und die irgendwann herausfand, dass es ein Geheimnis um ihre Herkunft gibt. Da ist Marie, die früh vor ihrer narzisstischen Mutter floh und Gabriele, die ihr langersehntes erstes Baby früh verloren hat. Sie alle lernen wir in diesem Roman kennen. Gleichzeitig gibt es einen Einblick in das Leben in Westberlin Ende der 19700er bis in die 1980er Jahren, inklusive Rückblicke in das Lebensgefühl im "Dschungel" einer einst berühmten Disco in Berlin. Das alles wird sprachlich fein erzählt auf wechselnden Zeit- und Handlungsebenen. wobei vieles auch nur zwischen den Zeilen herauszufinden ist, zum Beispiel die Vaterschaft bei einer viel zu frühen Schwangerschaft... ich als Leserin wollte immer weiter lesen und unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt und wie sich alles weiterentwickelt. Deshalb habe ich das Buch innerhalb von zwei Tagen "durchgesuchtet" und war danach: Einfach nur begeistert!

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Veröffentlicht am 19.12.2025

St immungsvoller Kykladen-Krimi

DER SCHWARZE OKTOPUS
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Dies ist der zweite Krimi über Christina Stratou, die als Kriminalkommissarin auf der wunderschönen KykladenInsel Paros ihren Dienst versieht. Dort wird ein Toter mit einem geheimnisvollen Tatoo gefunden ...

Dies ist der zweite Krimi über Christina Stratou, die als Kriminalkommissarin auf der wunderschönen KykladenInsel Paros ihren Dienst versieht. Dort wird ein Toter mit einem geheimnisvollen Tatoo gefunden und es folgt eine vielfältige und verwickelte Ermittlung, die sich ziemlich in die Länge zieht. Nicht an Zeit, sondern in Bezug auf die Beschreibung. Das war etwas schade, so ging mir zwischendurch ein wenig die Lust am Lesen verloren. Aber im Endeffekt passte es doch irgendwie und überhaupt mag ich die Kykladen und Einblicke ins authentische Inselleben und den Vibe der Kykladen gab es zum Glück reichlich.

Als Leser:in weiß man von Anfang an etwas mehr als die Polizei, allerdings nicht, wer der Täter denn nun genau ist. Das ist ein interessanter Kniff und ich konnte ein wenig rätseln, vor allem, da sich Christina und der Täter zwischendurch unbemerkt irgendwo begegnen... und später noch einmal, zum Showdown.....

Es geht um geheime Pläne, um Druck und Absprachen im kriminellen Milieu, um eine geheime Liebe und um einiges mehr. Zusätzlich muss Christina ihr etwas außergewöhnliches Familienleben organisieren. Ihre beiden Kinder studieren in Deutschland, dort hat sie auch lange gelebt und ist erst vor kurzem nach Griechenland zurückgekehrt, während ihr Mann für einige Jahre beruflich nach Saudi Arabien gegangen ist. Eigentlich wollte Christina nach Athen zurück, aber nur auf Paros gab es eine Planstelle. So wohnt sie nun auf der Insel ihrer Großeltern, wo sie viele wunderschöne Sommer verbracht hat und immer noch eine Freundin aus Kindertagen hat. Und dann kümmert sie sich noch um zwei Esel, das war ein schöner Sidekick.

Zwischen immer neuen Ermittlungen, Berichten von einem neuen Mord und Telefonaten mit der Familie zieht sich alles ein wenig, mein E-Book-Reader zeigt mehr als 600 Seiten an, mir persönlich etwas zu viel für die Geschichte. Aber im Endeffekt macht das Buch einfach vor allem Spaß wegen der Kykladen-Vibes, die Kriminalgeschichte ist hingegen recht verzwickt und grausam, das fand ich eher belastend. Aber natürlich wird alles aufgeklärt werden und wenn ich mal viel Zeit und Muße habe, lese ich den ersten Band "Ein letzter Ouzo".

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Charmanter Ostfriesland-Krimi mit sehr vielen Spuren in der Vergangenheit

Flutrache
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Ostfriesland und vor allem das Rheiderland, das westlich der Ems liegt und bis in die Niederlande reicht, ist der Schauplatz dieses Kriminalromans von Heike Hoorn. Flutrache ist bereits der vierte Band ...

Ostfriesland und vor allem das Rheiderland, das westlich der Ems liegt und bis in die Niederlande reicht, ist der Schauplatz dieses Kriminalromans von Heike Hoorn. Flutrache ist bereits der vierte Band über die Ermittler Stephan Möllenkamp von der Kripo Leer und Gertrud Boekhoff vom lokalen Nachrichtenblatt, daher fiel es mir zunächst schwer, die vielen Personen und Ermittler und deren Privatleben richtig einzuordnen. Doch nach einer Weile ging es immer besser und ich fühlte mich gut unterhalten. Es gibt recht viele eigenwillige Ermittler: Möllenkamp ist der Typ smarter Kriminalkommissar, aber privat hat er gerade mit vollkommen neuen Herausforderungen zu kämpfen. Boekhoff ist eher der Typ robust und burschikos, aber auch sie ist privat in einen neuen Lebensabschnitt gestartet, an den sie sich noch ein wenig gewöhnen muss. Keine Hilfe bei den Ermittlungen ist der stellvertretende Chef der Polizei in Leer - er heißt Hinterkötter (welch ein Name) und ist eher so nach dem Typ "unfähiger Vorgesetzter" angelegt, vergleiche mit dem Chef von "Hubert & Staller" liegen mehr als nahe... aber irgendwie schafft es Hinterkötter dann doch in die Handlung, wenn auch anders, als gedacht. So ein wenig Humor kann nicht schaden, denn der Fall ist verzwickt: Zunächst lernen wir einen Mann kennen, der sich in sonnige Gefilde absetzen will, dann aber gekidnappt wird. Als nächstes wird ein erschossener Mann an einem Lenin-Denkmal gefunden. Seltsamerweise trauert kaum jemand um ihn, er scheint ein unangenehmer Zeitgenosse gewesen zu sein. Und außerdem wohl nicht der, der er vorgab zu sein..... sein Lebenslauf ist eine glatte Lüge und seine Firma lief alles andere als gut. So geraten wir in eine wilde Story aus Briefkastenfirmen in der Karibik, verschwundenen Geldern aus der DDR und Fährten hin zu Gangs und außerdem gibt es einen Spionageverdacht und Flucht und Nazizeit kommen auch vor. Ein wenig zu viel. Die Autorin hat sich hier einiges vorgenommen, sie hält die Geschichte zwar zusammen - aber es ist ein wenig tooo much. Insgesamt habe ich den Krimi jedoch sehr gerne gelesen, ich mochte den regionalen Touch, die oft eigenwilligen Personen, die eingestreuten kleinen Geschichten aus dem Privatleben der Beteiligten und will mehr darüber erfahren. Daher habe ich mir jetzt die ersten drei Bände auf den Tolino geladen und fange an, die Geschichte von Möllenkamp und Boekhoff von Anfang an zu lesen.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Schöne Beschreibungen von Ostpreussen - aber ansonsten viel zu viele Zufälle

Bernsteintränen
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-Winter in Ostpreussen. Alles versinkt im Schnee und auch Nicola muss sich in den 2000er Jahren mit einem nur mäßig geeigneten Leihwagen ihren Weg noch Schmolainen bahnen, der Phaeton ihrer Firma hat schon ...

-Winter in Ostpreussen. Alles versinkt im Schnee und auch Nicola muss sich in den 2000er Jahren mit einem nur mäßig geeigneten Leihwagen ihren Weg noch Schmolainen bahnen, der Phaeton ihrer Firma hat schon längst den Geist aufgegeben. Sie soll einen neuen Gewerbestandort anschauen und bewerten, aber wie soll das gehen, unter diesen Umständen. Als dann auch noch der Gasthof geschlossen ist, sieht es nicht nach einem Happy End aus. Doch der Immobilienmakler, der unbedingt das alte Gutshaus und die dazugehörenden Ländereien vermarkten will, vermittelt privaten Aufenthalt bei einem Arzt, der im ehemaligen Gästehaus des Gutes wohnt und praktiziert. Den weiteren Verlauf kann man sich jetzt fast denken.... aber das wäre nicht soooo schlimm. immerhin ist es ein Unterhaltungsroman. Aber die vielen vielen Zufälle, die jetzt folgen, sind doch ein wenig zu viel. Da hätte sich die Autorin durchaus etwas mehr Mühe geben können. Daher: Eher mittelmäßig, auch wenn ich die Beschreibungen der Landschaft und die Erzählung aus den letzten Kriegstagen 1945 gelungen fand.

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