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Veröffentlicht am 14.06.2021

Ein Sommer in der Provence und ein Neubeginn

Liebe, lavendelblau
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Sarah wohnt in einer kleinen gemütlichen Wohnung in Hamburg und ist glücklich in ihrem Beruf als Buchhändlerin und mit ihrem Freund.
Aber plötzlich bricht dieses schöne Leben wie ein Kartenhaus ...

Sarah wohnt in einer kleinen gemütlichen Wohnung in Hamburg und ist glücklich in ihrem Beruf als Buchhändlerin und mit ihrem Freund.
Aber plötzlich bricht dieses schöne Leben wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Der Freund zieht nach Los Angeles, die Buchhandlung schließt und Sarah muss ich komplett umorientieren.
Um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, besucht sie kurzentschlossen (nach mehreren Verwicklungen) ihre alte Freundin in der Provence.
Inmitten von Weinbergen und Lavendelfeldern kommt sie zur Ruhe, lernt neue Freunde und eine neue Sicht auf das Leben kennen. Und da ist noch der junge Winzer mit den tiefblauen Augen....
Dies ist ein sehr unterhaltsamer Roman. Viel Provence-Flair, viel Lavendel, viel Freundschaft und natürlich auch eine Liebesgeschichte. Einfach gut geschriebene Unterhaltung, die aber nicht kitschig ist. Probleme und Tiefgang gibt es auch und die Erkenntnis, dass jede Änderung im Leben auch eine Chance sein kann.
Ein schönes Buch für den Sommerurlaub - und für alle, die die Provence lieben sowieso.

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 29.04.2021

Gut geschriebene Unterhaltung mit viel Liebe und Tragik

Das Mädchen im Nordwind
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Dieses Buch hat mich wirklich gefesselt! Erzählt wird auf zwei Zeitebenen (was ich sowieso sehr gerne mag) und in zwei Ländern - Deutschland und Island. Weder tragische historische Ereignisse (Judenverfolgung ...

Dieses Buch hat mich wirklich gefesselt! Erzählt wird auf zwei Zeitebenen (was ich sowieso sehr gerne mag) und in zwei Ländern - Deutschland und Island. Weder tragische historische Ereignisse (Judenverfolgung im Dritten Reich) noch die Liebe oder Einblicke in das Alltagsleben in Island kommen zu kurz.
2019 kommt Sofie Berger als Tischlerin für einen Auftrag nach Island. Sie hat in Deutschland ihren Job verloren und auch sonst gibt es einiges, das sie gerne hinter sich lassen möchte. Also hat sie gerne angenommen, als eine Hausrenovierung auf Island für drei Monate gegen Kost, Logis und Taschengeld angeboten wurde. Beim Renovieren findet sie ein altes Notizbuch, dass auf Deutsch geschrieben ist und an einen gewissen Hannes adressiert ist....
Die andere Geschichte spielt zwischen 1936 und 1946 in Deutschland und erzählt von der jungen Luise, die in wohlhabenden Verhältnisse als Tochter eines jüdischen Kaufmanns in Lüneburg aufwächst. Als sie den Isländer Jonás kennenlernt, entwickelt sich eine große Liebe. Aber die Zeiten sind den beiden nicht wohlgesonnen....

Geschickt gelingt es der Autorin, durch recht schnelle Wechsel der Erzählebenen, Spannung zu erzeugen und zu berühren. Besonders die Geschichte von Luise ist sehr tragisch, zieht sich die Schlinge um ihre Familie doch immer mehr zu - man möchte sie am liebsten schütteln und sagen: Nun flieht doch endlich! Aber wir wissen heute, wie die ganze Sache ausging. Damals konnte man das nicht wissen. Es war teilweise schwer auszuhalten - so tragisch und berührend. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich an Luises Stelle wohl gehandelt hätte - und solche Gedanken sind das, was Literatur bewirken kann und sollte.
Auch die Geschichte in der Gegenwart fand ich sehr gelungen. Eine Frau Mitte 30, die sich neu orientieren muss. Dazu lernt sie neue Leute kennen und bekommt Einblicke in das Alltagsleben in Island (... bei einer Einladung für sieben Uhr nie vor halb neun erscheinen....). Das war humorvoll und spannend. Und natürlich durfte auch hier die Liebe nicht fehlen.

Insgesamt sehr gut geschriebene Unterhaltung, die nicht zu seicht war und mir in der jetzigen Zeit richtig gut getan hat.

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Veröffentlicht am 20.04.2021

Unsagbar traurig und unsagbar schön

Hard Land
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"In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb". Mit diesem ersten Satz in seinem neuen Roman "Hard Land" steckt Benedict Wells den Rahmen für die Handlung. Das Buch erzählt genau ...

"In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb". Mit diesem ersten Satz in seinem neuen Roman "Hard Land" steckt Benedict Wells den Rahmen für die Handlung. Das Buch erzählt genau das, was in dem ersten Satz steht. Und noch vieles mehr. Und alles in einer sehr einfühlsamen, schönen Sprache, die ganz nah am Protagonisten ist. Der Erzähler ist Sam, fast 16 Jahre alt. Er wohnt im (fiktiven) Grady, einer Kleinstadt in Missouri in den 80er Jahren. Die Stadt ist im Niedergang, die Textilfabrik hat zugemacht, viele sind weggezogen und auch der Vater von Sam wurde arbeitslos. Aber das ist nicht das einzige Problem der Familie. Die Mutter ist nämlich unheilbar an Krebs erkrankt und es geht ihr zunehmend schlechter, der Krebs kommt immer wieder zurück. Schon seit Jahren liegt dieses Unheil auf der Familie - und Sam kann es manchmal kaum ertragen. Auf der anderen Seite hat er auch noch andere Probleme. Typische Probleme eines Heranwachsenden eben. Er ist zu klein, hat noch keinen Bartwuchs. Und - das Schlimmste - er ist ein Außenseiter und hat keine Freunde, seitdem sein einziger Freund weggezogen ist. Das Ganze ändert sich, als Sam einen Ferienjob im einzigen Kino der Stadt annimmt. Zunächst, um der Situation Zuhause zu entfliehen. Aber dann findet er nach und nach immer mehr Anschluss an die Clique, die auch im Kino jobbt. Da ist Kristie, die hübsche Tochter des Kinobesitzers (in die sich Sam natürlich verliebt), da ist Cameron, der schwule Filmliebhaber und Brand, der großgewachsene schwarze Baseballstar der Schule. Alle sind älter als Sam, sie werden nach den Ferien aufs College gehen, das Kino wird schließen - die vier haben also eigentlich nur diesen Sommer. Aber den werden sie ausnutzen. Mit kleinen Mutproben, Partys und Sommerabenden am See oder im Kino - was man eben so machen kann im Mittleren Westen - mitten auf dem platten Land. Es ist nicht viel - aber für Sam ist es ein ganz besonderer Sommer.
Es war schön zu lesen, wie dieser Sommer vorbeiging, die Erinnerungen an die 80er (damals war ich jung) kamen wieder und die Musik und und und... aber immer hing das drohende Unheil über der Geschichte. Die Mutter wird sterben. Und das hat mir als Leserin fast das Herz gebrochen und mich persönlich lange daran gehindert, überhaupt weiter zu lesen. Die Mutter wird - wie alle Personen im Buch - sehr gut beschrieben. Sie ist so eine herzensgute, lebendige, intelligente Frau. Es war kaum auszuhalten. Und zu seinem Vater hat Sam kaum einen Draht - wie soll das alles enden?
Irgendwann musste ich dann doch weiterlesen. Und wurde angenehm überrascht. Natürlich stirbt die Mutter - aber die Geschichte endet nicht damit. Und sie endet auch nicht mit dem Ende des Sommers. Auch der folgende Winter wird erzählt und es wird sehr realistisch und hoffnungsfroh geschildert, wie Sam und seine Familie versuchen, mit dem Verlust zu leben. Das alles wirkt sehr warmherzig, sehr realistisch und überhaupt ist es so nah an den Personen beschrieben, dass ich wieder ganz wehmütig wurde.....und das Ende ... einfach gut gelöst... da geht es nämlich wieder um das (fiktive) Gedicht "Hard Land" des (fiktiven) einzigen Dichters aus der Stadt....

Benedict Wells ist wieder ein Buch über Verlust und Trauer gelungen, das einzigartig ist und einen Wechsel aus Trauer und Schönheit für den Leser bereithält. Es gibt sogar eine Wortschöpfung dafür: Euphancholie - eine Mischung aus Euphorie und Melancholie. Passt.

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Veröffentlicht am 03.04.2021

Hoffentlich geht diese Krimireihe weiter!

Doggerland. Fester Grund
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Jetzt bin ich zum dritten Mal nach Doggerland gereist - und war wieder gefesselt. Eine Nachmittag und Abend und den nächsten Vormittag habe ich (fast) durchgelesen und spannende Kriminalfälle nachverfolgt. ...

Jetzt bin ich zum dritten Mal nach Doggerland gereist - und war wieder gefesselt. Eine Nachmittag und Abend und den nächsten Vormittag habe ich (fast) durchgelesen und spannende Kriminalfälle nachverfolgt. Und viel über persönliche Probleme von Ermittlern und über Doggerland gelesen.

Wer skandinavische Krimis mit ihrer Mischung aus Privatleben der Ermittler, Kriminalfall und ein wenig Sozialkritik mag, der wird - wie ich - diese Doggerland Krimis lieben.

Aber was bedeutet Doggerland eigentlich? Es ist eine Inselgruppe zwischen England und Dänemark in der Nordsee. Von den Namen her skandinavisch geprägt - aber mit Einflüssen aus England und aus Frankreich. Nordisch-herbe Inseln mitten in der Nordsee - ein wenig wie Shetland oder die Orkneys.

Ob ich schon da war? Natürlich nicht. Geht nämlich nicht. Die Inselgruppe ist fiktiv - die Autorin hat sie erfunden - und kann so in Ruhe soziale Probleme erläutern und eine Landschaft und seine Bevölkerung erfinden. Allerdings gab es vor ungefähr 8.000 Jahren einmal einen Landstrich in dieser Gegend. Dieser wurde von der Nordsee überschwemmt und ist heute noch als "Doggerbank" vorhanden.



Ich hoffe sehr, dass die Krimi-Serie weitergeht. Denn gerade hat die Kommissarin angefangen, wieder Halt in ihrem Leben zu finden. Sie hat Freunde gefunden, eine WG hat sich gegründet und irgendwie findet auch ein wenig die Liebe zu ihr - in einer sehr spröden Art. Denn viel Zeit hat sie nicht. Schließlich muss sie einen üblen Vergewaltiger finden. Und dann ist noch eine berühmte Sängerin verschwunden......

Aber lest selbst! Ich hoffe, Ihr seid auch begeistert!

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Veröffentlicht am 03.04.2021

Ein ganz besonderes Buch über die Sehnsucht nach Inseln

Inseln
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Dies ist ein sehr besonderes und ein sehr hochwertiges Buch. Wunderschön gestaltet - mit Lesebändchen und Abbildungen von alten Karten.

Und es ist eine Geschichte - die Geschichte eines Arztes, der sein ...

Dies ist ein sehr besonderes und ein sehr hochwertiges Buch. Wunderschön gestaltet - mit Lesebändchen und Abbildungen von alten Karten.

Und es ist eine Geschichte - die Geschichte eines Arztes, der sein Leben anhand der Inseln erzählt, die er besucht hat. Und der damit zugleich eine Sehnsucht ergründet, die viele Menschen haben: Die Sehnsucht nach einer Insel. Oder nach Inseln allgemein.

Warum zieht es Menschen auf Inseln? Ist es die "Isolation", die Abkehr von der Welt? Die Sehnsucht nach einer überschaubaren Welt? Die Sehnsucht nach einer versunkenen Welt? Die Sehnsucht nach einem archaischen Leben?

Es gibt viele Gründe - und jeder Mensch, der Inseln liebt, wird seine eigenen Gründe haben.

Dieses Buch ist ein Genuss. Ein Werk, das ich nicht in einem Zug durchlesen konnte und wollte. Dazu ist es zu schön. Und zu gehaltvoll. Ich könnte auf jeder Seite einen Satz anstreichen - aber das tue ich nicht - ich möchte dieses schöne und hochwertig gestaltete Buch nicht verunstalten. Also genieße ich immer wieder einzelne Kapitel und folge dem Autor so durch die Zeiten und durch die Welt der Inseln. Und lerne, warum mich Inseln und Bücher so faszinieren:

"Mir fällt auf, dass ich, seit ich erwachsen bin, Bücher häufig als tragbare Inseln betrachte. Indem sie uns von unserer Umgebung isolieren, bieten sie eine Entlastung von aktuellen Aufgaben und Raum für Kontemplation" (S. 90).

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