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Veröffentlicht am 12.03.2021

Cooles Comicroman, aber leider zu klein gedruckt.

Und dann kam Juli
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Der 11 jährige Paul ist sauer! Bisher war alles normal und prima, doch nun stand plötzlich ein Pferd in ihrem schönen großen Garten und macht sich dort breit. Seine Eltern, die sich seit Ewigkeiten vehement ...

Der 11 jährige Paul ist sauer! Bisher war alles normal und prima, doch nun stand plötzlich ein Pferd in ihrem schönen großen Garten und macht sich dort breit. Seine Eltern, die sich seit Ewigkeiten vehement gegen seinen Hundewunsch wehren, schmelzen dahin! Sie sind völlig blind dafür, dass Pferd Juli (klar, es ist ja gerade Juli und das Pferd braucht ja einen Namen) den ganzen Garten ruiniert. Alles frisst Juli ab, egal ob Gemüse oder Blumen. Einen Hund durfte er nie haben, weil das ja im Urlaub so aufwendig ist, aber nun hat seine Mutter beschlossen, eh nicht in den Urlaub zu fahren, weil sie gerade angefangen hat Geschichten für eine Zeitung zu schreiben und es ihr solchen Spaß macht! Nun fährt sein bester Freund Max weg und er bleibt zurück mit Juli, die den Garten und die Bandenbude verwüstet und wegen der der Pool abgebaut werden musste. Juli nervt und muss ganz klar weg! Dabei entwickelt Paul eine solche Energie, dass es sogar Max nervt und Nachbarin Anna aus der Parallelklasse, die eigentlich ganz nett ist, für ein Mädchen.
Entschuldigung, aber Paul benimmt sich wie ein verzogenes Einzelkind, das erfährt, dass ein Geschwisterchen kommt. Er ist unglaublich egozentrisch und sauer auf Juli, während alle anderen über ihre Eigenheiten lachen können, weil Juli ja eigentlich von nix eine Ahnung hat und es nicht böse meint. Aber Max wollte halt immer einen Hund haben, das ist ja auch viel cooler und es bleiben auch nicht gleich alle Mädchen stehen und quietschen ganz begeistert! Denn hier taucht man in die Tiefen von Pauls Gedanken ein, völlig ungeschönt und ganz ehrlich. Sind wir in unseren Gedanken nicht alle kleine Egomanen? Es ist auf jeden Fall sehr lustig, was er sich so denkt und welche Pläne er schmiedet. Allerdings sind sie nicht alle so richtig gut durchdacht und mit 11 Jahren, sind einige Pläne nun mal in ihrer Ausführung begrenzt! Das ist witzig. Allerdings geben Max und Anna ihm richtig Contra und das finden wir super. Zum einen, weil echte Freunde einem auch die Meinung sagen, wenn man mal völlig daneben liegt und weil sie das Herz am rechten Fleck haben! Freunde zum Pferdestehlen, ach nee, Pferde loswerden. Tja, denn der Traum der meisten Mädchen ist Pauls persönlicher Albtraum, auch wenn er nicht so genau weiß warum. Aber braucht man immer einen Grund um dagegen zu sein, wenn man 11 Jahre alt ist? Sehr schön ist, wie Julis Bedürfnisse von Pauls Mitmenschen in Relation gerückt werden. Auch wenn Paul sich echt verrannt hat, ist er doch nicht verbohrt, auch wenn es so scheinen mag.
Warnung: Die meisten Kinder wohnen nicht so ländlich, dass sie ausreichend Platz für ein Pferd im Garten haben, für einen Hund mag es ja reichen, aber bitte nicht nachmachen mit einem Pferd. Pauls Garten ist wirklich groß, denn in der Eifel ist das möglich. Pferde werden nicht gerne von Kindern ohne Erfahrung besprungen und beritten und Eltern würden die Haare zu Berge stehen, wenn ihr Nachwuchs dies ohne Sattel und Helm täte! Also, diese Geschichte hat zwar ein wahres Vorbild, aber ich bin ganz sicher, dass Sohn Paul Eimer auch  nicht ohne Helm und Sattel reiten darf. Aber aus Gründen der Dramaturgie kommt es bisweilen besser, wenn es pädagogisch weniger wertvoll ist. Diese Episode ist aber auch offensichtlich nicht so ernst gemeint.
Schön ist auch, dass Paul sich zwar verrannt hat, es aber auch selber merkt und wieder umkehrt und es ihm keiner übel nimmt. Klar, er war ja stets ehrlich!
Dies ist das erste Kinderbuch der Kinderbuchillustratorin Petra Eimer, das auch autobiografische Züge trägt (deswegen sind die Eltern wohl auch so supernett ;)), weshalb es auch ein Comicroman geworden ist, also eine Geschichte aus der Perspektive des jungen Helden, mit ganz vielen Illustrationen, Gedanken- & Sprechblasen und überhaupt Gedanken und Gefühlen, die eine grafisch geradezu anspringen. Das ist sehr locker flockig gemacht und spricht optisch an, aber und das gefällt mir tatsächlich nicht: Comicromae sind für Lesemuffel optimal, also Kinder, die nicht gerne lesen. Da dieses Abenteuer ab 8 Jahren ist, finde ich die Schrift einen Tacken zu klein. Die Zeilenabstände sind sehr komfortabel, was die optische Lesbarkeit deutlich vereinfacht, aber Kindern ab 8 Jahren fällt es leichter, wenn die Schrift noch etwas größer ist, was der Baumhausverlag normalerweise auch immer optimal berücksichtigt. Dieser Comicroman ist witzig und optisch ansprechend, eigentlich optimal um Jungs zu überzeugen, dass Lesen, ebenso wie Juli, eigentlich cool ist, sollte aber nicht so anstrengend sein!
Ein witziger Comicromanspaß über die unverhoffte Liebe, zu seinem persönlichen Albtraum. Manchmal muss man das Leben einfach seinen Weg gehen lassen und sich auf Neues einlassen, egal ob Pferde oder Mädchen.

Für Jungs, Mädchen und Lesemuffel ab 8 Jahren!

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Veröffentlicht am 11.03.2021

Es wird immer düsterer

Amulett #5
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Emily hat knapp die Prüfungen der Akademie überlebt und sie und ihre Freunde konnten Cielis verlassen. Doch Max Griffin hat den Mutterstein gestohlen, mit dessen Hilfe der Elfenkönig immer neue Amulette ...

Emily hat knapp die Prüfungen der Akademie überlebt und sie und ihre Freunde konnten Cielis verlassen. Doch Max Griffin hat den Mutterstein gestohlen, mit dessen Hilfe der Elfenkönig immer neue Amulette schmieden und sich eine überwältigende Armee an Steinhütern erschaffen kann, mit der er in Windsor eindringen und es zerstören kann. Emily und ihren Getreuen ist die Ernst der Lage klar und sie machen sich bereit zum unausweichlichen Kampf. So muss sogar ihr kleiner Bruder Navin aufgrund seiner Erfahrung das Kommando über einen Kampfflieger übernehmen. Elfenprinz Trellis scheint apathisch und so sucht Emily Antworten bei ihrem Stein. Doch seine Antworten und Einblicke sind viel finsterer als ihr lieb ist. Eine furchtbare Erkenntnis dämmert ihr.

Dieser Band ist noch bildgewaltiger als seine Vorgänger! Das ist wirklich beeindruckend, dieser Rausch an Farben und Strukturen! Allerdings hätten mir bisweilen ein paar mehr Worte sehr gut gefallen und hätten mir mehr Klarheit verschafft. Gut, dass sehen meine Zielgruppenkids Franziska (11) und Jonathan (10) anders. Gerade die technischen Finessen der Raumfahrzeuge, Androiden u.ä. finden sie richtig beeindruckend. Jonathan kann ausgesprochen schnell und gut lesen, allerdings achtet er meistens nicht so auf Illustrationen. Hier ist es tatsächlich anders. Er hält wirklich inne, um sich die Feinheiten genau anzusehen, so dass die Reihe sein Auge schult. Eigentlich sind beide zart besaitet, aber merkwürdigerweise stört sie die Martialität der Reihe überhaupt nicht. Es läuft ganz klar auf einen kriegerischen Konflikt hin und der wird aufs Ganze gehen, denn der Elfenkönig kennt kein Erbarmen. Während sein Sohn Trellis scheinbar ohnmächtig ist, befindet er sich im Nimmer. Um ihn zurückzuholen, muss Emily es wagen und ihm folgen, um ihn zurück zu holen. Dabei erfährt man endlich mehr über Trellis Vergangenheit. Das hilft ihn besser zu verstehe und in ihm einen potenziellen Verbündeten zu sehen, trotz seiner Herkunft. Da wird es dann etwas komplex, weshalb ich mir mehr Text gewünscht hätte. Aber da bin ich ja alleine und wahrscheinlich ist das Tempo einfach zu hoch für viele Worte. Denn es ist wieder sehr aufregend und spannend. Die ersten Angriffe müssen geflogen und pariert werden. Dabei geht es jedoch nicht nur um Macht, sondern auch um Verantwortung und darum, dass man nie verlernen darf zu hinterfragen und sich eigene Gedanken zu machen. Zu leicht kann man ansonsten in die falschen Fänge geraten, oder den Falschen vertrauen. Der scheinbar leichte Weg kann durchaus der gefährlichere sein, daher ist Vorsicht immer und überall geboten.

Auch dieses Mal gibt es am Ende einen Cliffhanger, allerdings ganz anderer Natur als bisher, für Emily eröffnet sich eine Partie, deren Risiko sie vielleicht nicht überblicken kann. Sehr spannend, aber zu Glück geht es ja bald schon wieder weiter!

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Veröffentlicht am 11.03.2021

Der Moby Dick der Nordsee

Der weiße Heilbutt. Ein Inselkrimi
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Es ist Sommer und was für einer! Ein Grund für halb Fredenbüll Urlaub oder Praktikum auf Amrum zu machen. Kriminalkommissarin Nicole lässt ihren kleinen Sohn Finn unter der Aufsicht von Antje, von „De ...

Es ist Sommer und was für einer! Ein Grund für halb Fredenbüll Urlaub oder Praktikum auf Amrum zu machen. Kriminalkommissarin Nicole lässt ihren kleinen Sohn Finn unter der Aufsicht von Antje, von „De Hidden Kist“ am Strand Sandburgen mit seinen neuen Urlaubsfreunden bauen. Doch ist bei den Kids die Aufregung groß, als sie plötzlich einen abgetrennten Damenfuß mit lackierten Fußnägeln ausbuddeln. Beherzt sichert Antje das Beweisstück in ihrer Kühltasche mit Kirschenaufdruck! Als dann noch ein sensationell großer weißer Heilbutt vor der Küste gesichtet wird, überschlagen sich die Schlagzeilen vom „Mörder-Heilbutt von Amrum“. Doch Nicole Stappenbek hat keine Lust sich den Urlaub mit Ermittlungen zu versauen, immerhin weilt auch der Vater ihres Sohnes auf der Insel, was Polizeihauptmeister Thies Detlefsen mit Argusaugen beäugt. Seine Tochter Tadje macht ein Praktikum in der Tourismuszentrale und will unbedingt einen erfolgreichen Amrumblog starten. Immerhin ist gerade auch eine erfolgreiche Influencerin auf der Insel unterwegs, das Kinderheim, in dem Finns Freunde leben ist das begehrte Ziel von Spekulanten und ein geheimnisvoller dänischer Koch sorgt mit seinem neuen Lokal für Furore, während die Tierschützer von „Dorsche am Dienstag“ für mächtig Ärger sorgen, einer ganz besonders.... Geschmückt wird das Potpurri an Verwirrung von jeder Menge Kühltaschen, die Antje mit ihrer beherzten Aktion in Mode brachte. Doch auch sonst setzt die Fredenbüller-Truppe der Insel ihren Stempel auf!

Diese Krimireihe ist nicht nur nordisch by nature, sondern wunderbar unterhaltsam und voller Wortwitz und scharfzüngiger Beobachtungen. Kein Wunder, dass die Reihe so erfolgreich ist, dass nach Bjarne Mädel und Hinnerk Schönemann inzwischen der dritte Sprecher erfolgreich etabliert ist, nämlich der Autor selbst! Oft bin ich ja von so einem Wechsel nicht begeistert, wenn dann aus Not am Mann der Autor selbst liest. Hier ist das anders. Die ersten zwei Sprecher habe ich nicht gehört, kann ich mir jedoch gut vorstellen, doch Krischan Koch kann es ganz unbestreitbar auch. Allerdings ist er auch nicht einfach Autor, der an seinem Schreibtisch sitzt und Drehbücher und Krimis schreibt, nein, er tritt im Sommer auf Amrum auch als Kabarettist auf. Er klingt absolut nordisch, lakonisch, bisweilen trocken das es staubt und nicht aus der Ruhe zu bringen, ohne dass es eintönig wird. So tiefenentspannt der Autor und Sprecher bisweilen auch klingen mag, beim Showdown ist er es dann nicht mehr, trotz wahrscheinlich mehrmaligen Kartoffelschäl- und Langeweile-Seminar bei Birte. Dieses Fredenbüller Original bietet in diesem Jahrhundertsommer seine neuesten Entspannungs- und Entschleunigungstrends nun auch in Amrum an und ist stets ausgebucht. Auch wenn sie die kreative Wirkung von Langeweile predigt, hält Krischan Koch sich selbst nicht daran. Seine Figuren sind echte Typen, wie sie das Leben schrieb und wie kleine eingeschworene Gemeinschaften sie zu schätzen und zu lieben weiß. Ohne viel Getöse springen sie dort ein, wo gerade Not am Mann ist, egal ob Bounty die musikalische Kneipenunterhaltung übernimmt, Antje beherzt Beweisstücke in ihrer Kühltasche schützt, Nicole und Thies den Tatort sichern, der Schimmelreiter im Hotel die Auslegware verlegt, Piet mit Antje Finn hütet, oder Tadje und Tetje ihre Ausbildung voranbringen, stets mit Tadjes Freund Lasse im Schlepptau. Ohne Fredenbüller dreht sich die Welt wohl nicht im Norden!

Allerdings sind diese Charaktere das Salz in der Suppe, aber nicht die Substanz. So beschaulich Amrum auch sein mag, so sehr braut sich hier was zusammen. An der Nordseeküste werden langsam Landstücke zur touristischen Entwicklung rar und so kommen die Investoren sogar aus Dänemark und Bauunternehmer aus Sylt, um die beschaulich Familieninsel nach tauglichen Entwicklungsmöglichkeiten für den Massentourismus zu überprüfen. Außerdem ist ein Kochwettbewerb angekündigt, bei dem sich der Chef des angesagten neuen nordischen Restaurants Hoffnungen macht, auch wenn sich alle fragen, wo der denn so plötzlich herkommt. Die Umweltschützer von „Dienstag für Dorsche“ beunruhigen nicht nur Einheimische, sondern auch die Tourismusbranche mit ihren z.T. spontanen Aktionen und Bibi Baracuda und Tadje geben Einblick in aufstrebende Social Media Sterne. Bibi im klassisch platten Marketing mit viel Haut und wenig Message, Tadje mit echten Orignalen und frischen Krabben! Daher verrät Antje im Innern des Klappcovers auch ihre geheimen Rezepte für Krabbencocktail, Ceviche vom Kabeljau mit Rhabarber und Meersalz vom Amrumer Fischkutter, sowie Gebratene Schollen mit Kartoffelsalat. Da ich nichts esse, was aus dem Wasser kommt, kann ich Euch leider nicht verraten, wie es schmeckt, nur, dass es einer gewissen Kocherfahrung bedarf, um sie nach zu kochen. Antje kocht mit Erfahrung, Herz und Bauch, da gibt es nicht so genaue Angaben mit TL und Gramm, das muss schon aus dem Gefühl kommen. Für geübte Köche kein Problem, für Anfänger Panik pur. Leider gibt es aber keinen Bestelllink für Antjes Kühltaschen mit fruchtigem Kirschendruck, die zum absoluten Must-have der Insel werden und sicherlich auch die Herzen der Hörerinnen höherschlagen lassen. Krischan Koch lässt sich immer kleine Slapstick-Einlagen und running-gags einfallen, die haften bleiben und auch noch lange nach dem Hören zum Schmunzeln bringen. Diese Taschen kann man auf jeden Fall nicht überhören.

Die Küstenkrimis sind herrliche Unterhaltung, doch finde ich den Fall diesmal kniffeliger und ich habe lange gerätselt, was es mit den abgetrennten, lackierten Damenfüße so auf sich hat (ob die Damen wohl überlebt hätten, wären ihre Füße weniger gepflegt?). Herrlich wie die Masse bei solchen brutalen Mordfällen sich bisweilen an nichtigen Details festbeißt, dennoch mag sich da manch einer beim Hören ertappt fühlen.

Spritzig und trocken zugleich, als Wein sicher ein Hit, mag ich diese Reihe immer lieber und höre sie bewusst, statt sie zu lesen. So genau würde ich es beim selbst Lesen, nie auf den Punkt bringen, wie der Autor selbst!

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Veröffentlicht am 09.03.2021

Trau, schau wem...

Internat der bösen Tiere
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Noel und Taiyo haben es geschafft! Beide dürfen auf die Insel der Jäger ziehen! Allerdings dürfen auf keiner Insel mehr als 2 Menschen leben, was bedeutet, dass Katokwe die Insel der Jäger verlassen und ...

Noel und Taiyo haben es geschafft! Beide dürfen auf die Insel der Jäger ziehen! Allerdings dürfen auf keiner Insel mehr als 2 Menschen leben, was bedeutet, dass Katokwe die Insel der Jäger verlassen und auf eine andere ziehen muss. Die Hoffnung sie nun regelmäßig zu sehen, wird daher für beide Jungen enttäuscht. Allerdings haben sie auch nicht viel Zeit traurig zu sein, denn der Unterricht hat es voll in sich. Da Tiere nicht schreiben können, müssen sie sich den ganzen Stoff ins Gedächtnis einprägen und bei so unbekannten neuen Fächern wie Tiergiften oder Heilmethoden ist das eine echte Herausforderung. Hinzu kommen die verstörenden Stunden mit ihrem Begleittier dem Leoparden Kumo und der Gedankensprachunterricht. Noel hat stets den Eindruck sich besonders ungeschickt anzustellen, da er das Tosen seiner Gedanken nicht in den Griff bekommt. Ach ja, da sind ja noch die Paviane, die es auf ihn abgesehen haben, da sie Menschen nicht leiden können und ihn ganz besonders verabscheuen. Ein Lichtblick scheint der Tauchlehrgang zu sein, bis er erfährt, dass er zu seiner Sicherheit ausgeschlossen werden soll, damit sein Erzfeind der Bär Uko und seine Verbündeten ihn nicht im Meer angreifen können. Doch Noel unterschätzt die Gefahr und will Katokwe unbedingt wiedersehen!

Ja, Noel ist der Sohn einer der zwei Schulgründerinnen, aber das heißt nicht dass es ihm besonders leichtfällt sich im Unterricht zurecht zu finden oder ihm die Herzen der Mitschüler zufliegen. Ganz klar zeigt sich bei ihm, wie sehr zu hohe Erwartungen Kinder und Jugendliche auch belasten und hemmen können. Noel hat ständig das Gefühl zu versagen, auch wenn niemand so etwas zu ihm sagt. Das setzt ihn noch mehr unter Druck und ein regelrechter Teufelskreis scheint sich in Gang zu setzten. Dabei könnte alles so gut sein, denn zum ersten Mal in seinem Leben hat er einen Freund gefunden! Das fühlt sich wirklich gut an, allerdings sind sie auch Konkurrenten um die Gunst von Katokwe und ja, Taiyo scheint viel weniger Schwierigkeiten zu haben, als er, obwohl er nicht viel länger auf den Inseln der bösen Tiere lebt. Dieser Erwartungsdruck und die Versagensängste sind vielen Schülern vertraut, so dass sie sich ganz schnell mit Noel identifizieren können. Auch das Problem, mit der Konkurrenz unter Freunden ist sicherlich vielen jungen Hörern nur allzu vertraut, sei es im Sport, in der Schule, oder weil Freunde nun mal einen ähnlichen Geschmack haben. Neben diesen für die Zielgruppe nur allzu bekannten Problemen gibt es aber auch ganz viel aufregend Neues. Der Unterricht unterscheidet ganz erheblich von unserem Präsenzunterricht! Die Fächer sind ganz andere, aber auch die Lehrmethoden und natürlich die Mitschüler. Tiere in der Schule sind bei uns ein absolutes No-Go, von gefährlichen Raubtieren oder giftigen Exemplaren ganz zu schweigen. So wird das Vertraute mit Abenteuer und Spannung geschickt verknüpft! Denn spannend wird es auch diesmal wieder. Langsam baut sie sich auf, da Noel schon früh vor dem unzureichenden Schutz auf dem Meer gewarnt wird, doch ist seine Sehnsucht nach Katokwe größer als seine Vernunft! Man spürt erste zarte Gefühle, aber nicht übermäßig, noch nicht in einem Maße, dass es den jungen Hörern unangenehm oder peinlich würde, sondern aufregend, prickelnd und neu!

Hier kommt der hervorragend gewählte Sprecher Jonas Minthe ins Spiel, der zwar mit Jahrgang 1989 deutlich älter als die Zielgruppe ist, er aber zum Glück nicht so klingt. Man nimmt ihm den 13 jährigen Noel absolut ab. Man spürt seine Unsicherheit, sein Sehnen, aber auch vor allem seine Wut. Die Wut auf die Regeln, die er einfach ungerecht findet, weil er sich seine Mutter ja nicht ausgesucht hat und sie noch nicht einmal kennengelernt hat und die Wut auf den unbekannten Gegner! Außerdem kommt er mit einigen seiner Klassenkameraden überhaupt nicht klar und Jonas Minthe gelingt es spielend dieses Gefühl der unterdrückten Wut und Hilflosigkeit in seiner Stimme anklingen zu lassen. Aber nicht nur den Menschen verleiht er eine Stimme, auch die Tiere bekommen von ihm eine jeweils individuelle Stimme, egal ob Pavian, Leopard oder Krokodil. Da wird gekrächzt, geknurrt und gefiept. Absolut lebendig, ausdrucksstark und spannend!
Am Ende wird es so unerträglich spannend, dass ich den Atem angehalten habe. Die Lage scheint schier aussichtslos, doch die Gewissheit, dass bereits die Fortsetzung angekündigt ist, hat mich zuversichtlich weiter hören lassen! Eine Reihe mit sympathischen jungen Helden und Tieren, um Freundschaft und Verrat, den ewigen Kampf zwischen Mensch und Tier um Lebensraum, die in den Bann zieht und mich mitfiebern lässt!

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Veröffentlicht am 07.03.2021

Not und Elend schüren Hass und Skrupellosigkeit

Fräulein Gold: Scheunenkinder
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Berlin Herbst 1923: Die Hyperinflation ist in vollem Gange. Das Geld wird schneller entwertet, als man es ausgeben kann. Die Armut wird immer erdrückender, doch einige haben von dem letzten Krieg profitiert ...

Berlin Herbst 1923: Die Hyperinflation ist in vollem Gange. Das Geld wird schneller entwertet, als man es ausgeben kann. Die Armut wird immer erdrückender, doch einige haben von dem letzten Krieg profitiert und finden auch jetzt ihr Auskommen, als Opportunisten. Die freiberufliche Hebamme Hulda Gold ist immer noch rund um den Winterfeldplatz aktiv, locker verbandelt mit Kriminalkommissar Karl North und immer bestens informiert von Zeitungsverkäufer Bert. Ihr jüdischer Vater hat ihr einen Auftrag bei einer bitter armen, jüdisch-orthodoxen Familie im Scheunenviertel besorgt. Hulda spürt sofort, dass in dieser Familie irgendwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Als das Neugeborene kurz nach der Geburt verschwindet, scheint die harte Schwiegermutter erleichtert und die ungeliebte Schwiegertochter am Boden zerstört. Auch Karl zieht es beruflich ins Scheunenviertel, als auf einem abgestellten Anhänger eine ganze Wagenladung toter, ausgemergelter Kinder entdeckt wird. Stecken skrupellose Menschenhändler dahinter? Hulda würde Karl gerne unterstützen, der ist aber wenig angetan. Als sie jedoch endlich gemeinsam das Viertel aufsuchen, entlädt sich der stetig anschwellende Judenhass über dem Elendsviertel.

Die Hyperinflation sorgt für Not und Elend, der perfekte Nährboden um Hass und Missgunst gegenüber Minderheiten zu säen. So fällt Hitlers judenfeindliche Propaganda schon früh auf fruchtbaren Boden, auch wenn Stresemann und die junge Weimarer Republik das nicht unterstützen. Hulda hat sich nie viel um ihr jüdisches Erbe gekümmert, doch scheint der Glaube ihres Vaters, in dem sie nie erzogen wurde, allmählich immer wichtiger zu werden. Die Stimmung wird immer aufgeheizter und Anna Thalbach lässt ihre Stimme drängender werden. Der Angst die Hulda bisweilen bei Angriffen völlig Fremder empfindet, verleiht sie ebenso Ausdruck wie ihrem Entsetzen, als sie erfährt, dass ein Neugeborenes verschwunden ist und niemand etwas unternimmt. Hulda ist eine moderne Frau, sie kann das Unrecht nicht einfach so stehen lassen, sie muss etwas unternehmen und ihre Neugierde kommt ihr dabei sehr zu gute! Die politische Situation und die Verzweiflung durch die Geldentwertung wird hier sehr eindrücklich und drängend mit Huldas Alltag verwoben, obwohl Hulda sich gar nicht für Politik interessiert und diese am liebsten einfach ignorieren würde. Doch so einfach ist es nicht, denn das aktuelle Geschehen und der Zeitgeist treffen sie unmittelbar.

Es hat mir sehr gefallen Hulda und ihre Freunde, Bekannten ebenso wie ihre schöne Rivalin Helene wiederzutreffen. Anne Stern schafft es, atmosphärisch dicht, Not und Elend, sowie Überfluss dieser Zeit vor dem inneren Hörerauge heraufzubeschwören. Doch neben Not und Elend steigen Hass und Missgunst und sämtliche moralischen Hemmungen und Skrupel fallen. Eine Atmosphäre aus Angst und Gewalt entsteht, die zeigt, wie dünn die zivilisierte Lackschicht der Gesellschaft bei manchen ist, und wie leicht in der Not jegliche Solidarität vergessen wird. Ein Gefühl das sich aktuell bisweilen erahnen lässt und erschreckt und hoffentlich deutlich macht, wie wichtig die Demokratie ist. So wird es gegen Ende des Hörbuches wirtschaftlich deutlich besser und auch die Gesellschaft wird auf den ersten Blick wieder friedlicher und toleranter, aber leider wissen wir alle, dass dies nur von kurzer Dauer war. Eine dringend benötigte, unaufdringliche, aber unmissverständliche Warnung aus der deutschen Geschichte, die noch gar nicht allzu lange her ist. Dabei taucht man mit Hulda auch in die nicht nur ihr, unbekannte Welt des orthodoxen Judentums ein. Noch ist Religion und religiöse Herkunft für sie nicht wichtig, aber es macht sich langsam bemerkbar, dass Hulda auf Dauer nicht mehr alle unliebsamen Gedanken weiter ausblenden kann und einen Plan B für die Zukunft benötigt, wie ihre Freunde sie drängen. Ihre Freunde? Eigentlich hatte Hulda bislang keine Freunde, mehr Gönner, doch endlich ändert sich das für sie, denn gerade wenn die Zeiten schwierig werden, ist eine gute Freundin unerlässlich und ich freue mich, demnächst mehr über diese Freundschaft zu erfahren. Das Schicksal der getöteten Kinder macht uns hoffentlich allen deutlich, wie glücklich wir über unseren Sozialstaat sein können. Wenn Kinder zur Ware werden, ist die Menschlichkeit verloren.

Den historisch, persönlichen Teil finde ich in diesem Band sehr stark. Der Kriminalfall kommt mir allerdings etwas zu kurz, das Ende etwas zu abrupt. Die Problematik des Menschenhandels aus Elend spielt leider eine etwas untergeordnete Roll. Auch wenn Hulda über das gute Ende sicherlich erleichtert ist, so hat es doch für Karl einen bitteren Beigeschmack. Wieder eine Entwicklung die neugierig macht.

Ich bin sehr erleichtert, dass Hulda dieses mal die Finger von den Drogen lässt, wenn auch Karl in diesen schweren Zeiten mit wenig Vergnügen immer häufiger Trost im Gin sucht.

Anna Thalbach ist für mich die perfekte Wahl für die forsche, moderne Hulda, die selbst hin- und hergerissen ist. Mal klingt sie ganz weich, mal kratzbürstig oder entschlossen. Nie hat sie mich gelangweilt, ich hätte ihr noch stundenlang weiter zuhören können. Als waschechte Berlinerin vermag sie von jetzt auf gleich von Hochdeutsch ins Berlinerische zu wechseln und ihre Stimme den sozialen Klassen und Herkünften anpassen. So wird Huldas Ermittlung noch lebendiger.

Eine Reihe die ich sehr empfehlen kann und der ich auf jeden Fall weiter folgen werde.

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