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Veröffentlicht am 16.11.2020

Tollwut wütet

Wildspitz
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Der zweite Fall für Sara Jung und Natalie Krieger: Just nach dem Ausstand von Harri Krieger beim Forschungslabor Rivoli wird dort eingebrochen. Die drei Täter richten großen Schaden an. Sie schlagen die ...

Der zweite Fall für Sara Jung und Natalie Krieger: Just nach dem Ausstand von Harri Krieger beim Forschungslabor Rivoli wird dort eingebrochen. Die drei Täter richten großen Schaden an. Sie schlagen die Einrichtung und Geräte kurz und klein, befreien die Labortiere, öffnen den Schrank mit den gefährlichen Forschungserregern und erschlagen den Nachtwächter. Alle Spuren scheinen ganz klar auf Natalies Vater Harri zu deuten, doch Sara Jung, Leiterin der Kripo in Zug kann es nicht glauben. Dennoch ist sie gezwungen ihn festzunehmen, gegen ihre Überzeugung und ihr Bauchgefühl. Natalie ruft sofort ihren ehemaligen Bodyguard Tom um Hilfe, der die Vorwürfe ebenfalls nicht glauben kann. Der Fall tritt auf der Stelle, ein Motiv für diesen Vandalismus ist nicht nachvollziehbar, doch da überstürzen sich die Ereignisse. Ein tollwütiger Hund torkelt aus dem Wald auf einen Golfplatz und wird gerade noch rechtzeitig von einem golfenden Jäger erschlagen, ehe er jemanden verletzten kann. Dabei gilt die Tollwut seit Jahren in der Schweiz als ausgerottet. Es bleibt aber nicht bei diesem einen Fall, immer mehr verendende Tiere oder Kadaver werden gefunden und alles scheint auf einen Zusammenhang mit dem Laboreinbruch hinzudeuten.

Mit Sara Jung und Natalie Krieger sind Monika Mansour zwei sehr komplementäre Protagonistinnen gelungen. Während Sara eiskalt und kalkulierend scheint, ist Natalie ebenso emotional, wie auch als Schmetterlingskind verletzlich. So gerne würde sie als Superheldin gegen das Böse kämpfen, doch ein Gendefekt hält sie in ihrem Körper gefangen und alles was ihr zum Kämpfen bleibt, ist es die Tiefen des Darknets nach Verbrechern zu durchforsten. Klar ist dieser Fall für Natalie persönlich, immerhin hat Sara ihren Vater verhaftet, kaum, dass sie ihr gegenüber positiver eingestellt wurde, nach dem großen Showdown von „Höllgrotten“. Doch auch Sara scheint darin verwickelt, auch wenn sie keine Ahnung hat, weshalb man ausgerechnet sie bedrohen sollte. Neben all diesen Rückschlägen gibt es für Natalie einen Lichtblick: durch Tom lernt sie einen Kumpel von ihm kennen und Ricco scheint Sara ebenso feindselig gegenüberzustehen wie sie selbst und er nimmt Natalie wahr wie sie ist. Endlich fühlt Natalie sich als Frau und nicht nur als Objekt von Mitleid.

Den Gedanken des Bioterrorismus finde ich ebenso interessant, wie die inneren Kämpfe der Protagonistinnen mit ihren Dämonen. Tatsächlich findet sogar Covid 19 hier seine Erwähnung, auch wenn dies hier kein Corona-Krimi ist. Doch die Gefahr, die von Krankheitserregern in skrupellosen Händen ausgeht, wird hier eindrücklich vor Augen geführt, geschickt kombiniert mit den persönlichen Besonderheiten der Ermittler und der zu Unrecht ins Licht gezogenen Unschuldigen. Da diese Beziehungen durchaus sehr eigenwillig und komplex sind, werden diese persönlichen Abschnitte niemals langweilig, selbst wenn die Ermittlungen zu stagnieren scheinen. Allerdings finde ich diesen Fall nicht einfach nur komplex, sondern bisweilen einfach zu sehr konstruiert, was das Motiv und die Umsetzung des Rachefeldzugs anbelangt. Dennoch habe ich mich keinen Moment lang gelangweilt, auch wenn ich den großen Knaller zum Schluss schon lange vorher ahnte. Die Stärke liegt einfach in den persönlichen Beziehungen und die bleiben bis zum Schluss besonders. Ebenso besonders ist natürlich auch die Schweizer Landschaft in welcher sich die Verbrechen ereignen. Rau und wild, ist sie abstoßend und anziehend zugleich, ebenso widerstreitend, wie seine Protagonistinnen. Ach, wenn man mit Band 2 beginnt, kann man Band 1 noch immer lesen, es wird nicht zu viel verraten!

Ich mag diese eigenwilligen Einzelgängerinnen und bin gespannt, wie es mit ihnen weitergehen wird.

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Veröffentlicht am 14.11.2020

Ich hätte mir eine Sprecherin gewünscht...

Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende
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Portia verbringt ihre Ferien erstmals dort, wo sie auch ihre Mutter verbrachte. Bei den Tanten Rose und Bramble in Conwy, Wales. Ihr Anwesen ist traumhaft, verwunschen, umgeben von einer Brombeerhecke ...

Portia verbringt ihre Ferien erstmals dort, wo sie auch ihre Mutter verbrachte. Bei den Tanten Rose und Bramble in Conwy, Wales. Ihr Anwesen ist traumhaft, verwunschen, umgeben von einer Brombeerhecke und die Tanten sind alt aber cool und herzlich. Sie wundert sich nur über den Fuchs, dem sie immer wieder begegnet. Im Örtchen lernt sie im Buchladen den gleichaltrigen Ben kennen, mit dem sie ein Picknick machen soll. Doch Ben taucht nicht auf, er hat einen Fahrradunfall, während er einen verletzten Vogel versorgen will. Also nehmen ihn Rose und Bramble, die den Unfall beobachtet haben mit nach Hause. Portia ist allerdings nirgends zu finden. Denn sie hat einen versteckten Schlüssel im Arbeitszimmer gefunden und der Fuchs führt sie schnurstracks zu einer geheimen Tür in der Brombeerhecke. Der Schlüssel passt und Portia betritt eine fremde Welt, ohne die Tür hinter sich zu schließen. Eine Tür, die niemals hätte geöffnet werden dürfen und deren Bedeutung Rose nur allzu schmerzlich bewusst ist. Mit Ben, dem Vogel und dem Fuchs, folgt sie Portia in die Zwischenwelt, um zu verhindern, dass der Graue König erwacht und sie alle in den Nebel des Vergessens hüllt. Dieser darf niemals in die Menschenwelt oder in die Anderswelt gelangen, zum Schutz der Seelen und Erinnerungen. Doch Portia hat die Tür geöffnet und sie zu verschließen und das Unheil wieder zu begraben wird gefährlich und aufregend!

Die Gestaltung des Covers sprang meiner Jüngsten (11) sofort ins Auge und ihr war klar, dass sie diese Geschichte unbedingt kennenlernen will!

Die Geschichte ist sehr rasant und gleichzeitig komplex, da ist es von Vorteil gut zuzuhören. Denn vieles ist nicht das, was es zu sein scheint. Außerdem ist es sehr spannend, aufregend und bisweilen gruselig, so dass sich diese Geschichte nur bedingt als Gute-Nacht-Hörbuch eignet. Die Welt oder vielleicht besser Welten, in die Portia und Ben eintauchen, sind sehr vielschichtig und bis ins Detail ersonnen. Gerade bei einem Hörbuch entgeht einem schnell ein wichtiges Detail, sofern man nebenher hört, aber da finde ich es von großem Vorteil, dass es einzelne Tonträger sind, die man dann einfach mit Vergnügen noch einmal hört. Beim Lesen entgehen einem nicht so schnell entscheidende Details.
Interessant finde ich, dass es hier nicht nur Gut und Böse gibt, sondern gerade auch Facetten dazwischen und jede Menge Zweifel, die gerade Spannung aufkommen lassen. Neben der Anderswelt gibt es auch die Totenwelt und die bietet wirklich sanfte und interessante Möglichkeiten über die Endlichkeit und den Tod nachzudenken. Keine Sorge, es geschieht schon in einem angemessenen Rahmen, aber es geht um Akzeptanz und Loslassen und nicht Hokuspokus. Es werden Kindern auch wenn es sich um ein Fantasyabenteuer handelt, keine unsinnigen Hoffnungen gemacht. Es gefällt mir gut, dass hier die Kinder nicht nur zum Mitfiebern und Mitdenken, sondern eben auch zum Nachdenken aufgefordert werden.

Nicht ganz glücklich war ich bei dieser Aufnahme mit Christian Rudolf. Gut, eine weibliche Stimme wäre mir passender erschienen, da für mich Portia die Hauptperson ist und ich daher eine weibliche Stimme angemessen gefunden hätte, aber das ist es eigentlich nicht. Ich empfinde seine Performance als qualitativ unausgewogen. Da ich nicht ungerecht sein möchte, habe ich mir alle Tonträger mehrfach angehört und tatsächlich, empfinde ich seine Ausdrucksweise zu Beginn als sehr schwach. Seine Stimme ist sehr angenehm und freundlich, sie schmeichelt sich geradezu ein, aber sie differenziert sehr wenig zwischen den einzelnen Charakteren. Das bin ich von seiner Interpretation von Scary Harry nicht gewohnt und das hat mich zu Beginn sehr aus dem Konzept gebracht. Sobald sich die geheime Tür in die Zwischenwelt öffnet, scheint auch der Interpret sich für mehr Facettenreichtum zu öffnen. Gerade die magischen Wesen und Gestaltwandler arbeitet er liebevoll und individuell heraus. Die Weichheit seiner Stimme empfinde ich im Hinblick auf die Altersempfehlung ab 10 Jahren bei den gruseligen und kämpferischen Szenen als großes Plus, da es so zwar spannend, für Kinder aber weniger belastend ist, weil die Stimme signalisiert, dass alles gut werden wird.

Meine Jüngste (11) findet es super, dass sie diese Geschichte als richtig in sich abgeschlossen empfindet. Cliffhanger mag sie nämlich gar nicht. Hier merkt sie richtig, dass die Geschichte beendet ist und so kann sie sich auch innerlich von ihr verabschieden. Das ist ihr sehr wichtig.

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Veröffentlicht am 13.11.2020

Total cool, findet meine Tochter!

Das Vermächtnis des Erfinders - Timmi Tobbsons zweites Rätselabenteuer
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Timmi Tobbson und seine Freunde Lilli und Marvin haben gerade ein spannendes Abenteuer hinter sich, in welchen sie die unliebsame Bekanntschaft der Wächter der dunklen Macht gemacht haben.
Zur Erholung ...

Timmi Tobbson und seine Freunde Lilli und Marvin haben gerade ein spannendes Abenteuer hinter sich, in welchen sie die unliebsame Bekanntschaft der Wächter der dunklen Macht gemacht haben.
Zur Erholung liest Timmi gerade sein neuestes Abenteuerbuch, als Lilli aufgeregt mit der Zeitung in sein Zimmer stürmt: der weltberühmte Erfinder James Eckles hat eine Anzeige mit dem Aufruf zu einer Schatzsuche gestartet, um ein geheimes Elixir zu finden. Seither ist er verschwunden! Die Freunde ahnen sofort, dass auch die Wächter der dunklen Macht hinter diesem Geheimnis her sein werden und machen sich gemeinsam mit ihrem Freund Marvin auf den Weg zum Museum, in welchem offensichtlich die Suche startet! Noch während sie sich umschauen, wird der Alarm ausgelöst. Da Marvin alles gezeichnet hat, was er sah, ist ihnen ziemlich schnell klar, wer dahinter steckt. Sie nehmen sofort die Verfolgung auf und folgen den Spuren, die sie entdecken. Mit Walkie-Talkies, Lupe, Spiegel, Taschenlampe und Co. gehen sie allen Hinweisen nach.

Dies ist das zweite Timmi Tobbson Rätselabenteuer und für uns das erste! Unbedingt erforderlich: eine gute Lupe und gutes Licht! Hilfreich: ein Spiegel! Wenn man den ersten Band nicht kennt, macht das nichts, allerdings wird für unseren Geschmack auch nicht so viel über diesen verraten, dass es keinen Sinn mehr macht, anschließend mit diesem zu beginnen. Die Lesereihenfolge ist somit unerheblich.

Bereits beim Betrachten des Klappentextes fiel uns eine kleine weiße Schrift auf und tatsächlich, mit einem Spiegel und von oben nach unten gelesen, wurde ihre Botschaft klar! Das fand meine Tochter (11) schon mal richtig cool gemacht! Letztes Jahr habe ich ihr einen Escape-Room-Adventskalender geschenkt, den sie anfangs auch total cool fand, dessen Rätsel wir dann aber irgendwann so abgedreht fanden, dass uns die Lust verging. Hier war das anders. Der Schwierigkeitsgrad ist mittels einer Lupenanzahl gekennzeichnet und dem Hinweis, dass diese Wahrnehmung aber auch individuell variieren kann. Sollte man die Hinweise trotz Lupe auf den Suchbildern nicht entdecken können, gibt es hinten im Buch kleine Hilfen, die in Spiegelschrift verfasst sind. Meistens hat meine Tochter die gesuchten Merkmale gefunden, wobei man teilweise auch zurückblättern muss, um das aktuelle Bild mit vorherigen zu vergleichen. Die Lösung findet sich dann sofort im Anschluss, zu Beginn des nächsten Kapitels. Sollte man es also mal nicht geschafft haben, macht es nichts, denn die geheimnisvolle Suche ist damit noch nicht zu Ende. Hat der junge Leser richtig gelegen, dann ist das natürlich ein super Erfolgserlebnis, dass Lust macht gleich weiter zu lesen.

Die Geschichte ist witzig und frech geschrieben und schön spannend und kniffelig. Charakterliche Tiefe ist nicht zu erwarten, aber darum geht es ja auch gar nicht! Empfohlen wird dieses Abenteuer Kindern von 9 – 11 Jahren, was wir absolut passend finden. Dafür finde ich die Schrift wirklich sehr klein, aber den Zeilenabstand sehr angenehm. Immerhin haben die Leser ja immer eine Lupe parat für dieses Abenteuer, sollten sie Probleme mit der Schriftgröße haben.

Meine Tochter war vom Cover nicht ganz so angetan, aber das Buch fand sie super. Sie konnte sich mit der Lupe richtig in die Aufgaben verbeißen. Als es am Ende richtig schwierig wurde, hatte sie aber auch keine Hemmungen, die Hilfestellungen in Anspruch zu nehmen, um alle Hinweise aufzufinden. Die Illustrationen sind recht dunkel, da sich viel in Schattenbereichen versteckt, daher ist es wichtig, diese während der Suche gut auszuleuchten, damit die Schatten ihre Geheimnisse leichter preis geben. Sie sind absolut altersgerecht und sowohl für Jungen, als auch Mädchen gleichermaßen ansprechend.

Für junge Detektive richtig aufregend und spannend, aber nicht frustrierend! Damit kann man auch Lesemuffel locken, die aber schon richtig gut lesen können müssen.

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Veröffentlicht am 11.11.2020

Ein früher Visionär!

Fernando Magellan
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Band 3 aus der Reihe: Kinder entdecken berühmte Leute, dieses Mal Fernando Magellan, der vor 501 Jahren als erster Mensch eine erfolgreiche Weltumseglung initiierte und somit bewies, dass die Erde doch ...

Band 3 aus der Reihe: Kinder entdecken berühmte Leute, dieses Mal Fernando Magellan, der vor 501 Jahren als erster Mensch eine erfolgreiche Weltumseglung initiierte und somit bewies, dass die Erde doch keine Scheibe ist! Das alles auf der Suche nach einem Handelsweg zu den fernen Gewürzmärkten. Obwohl er damit die päpstlichen Lehren widerlegte, war er ein überzeugter Christ, der in seinen Seefahrten auch einen Weg zur Christianisierung sah und darin seine Pflicht. Dies wurde ihm letztendlich zum Verhängnis. Doch bis dahin hat er viel erlebt: Demütigen, Hunger, Kälte, Angst, Ruhm und Ehre, Missachtung, Meuterei, Krankheit, glorreiche Siege, Auswanderung nach Spanien, Abenteuer, neue Länder... Einige dieser Länder und Inselgruppen, sowie der Pazifik tragen noch heute die Namen, die dieser portugiesische Landedelmann ihnen gab.

Für Kinder sehr interessant ist, wie früh Fernando, der damals noch Fernao hieß, mit seinem Freund Antonio in die königliche Pagenschule eintrat, um dem König von Portugal zu dienen. Als Kinder der besseren Gesellschaft lernten sie Lesen, Schreiben, aber auch die Seefahrts- und Kampfkunst. Doch wer in jungen Jahren den Dienst auf einem Schiff der königlichen Flotte antrat, muss ganz unten anfangen und gemeinsam mit Landstreichern, Sträflingen und Bettlern die Planken schrubben und das war noch nicht mal das Schlimmste. Allerdings hatten sie auch die Aussicht auf einen Aufstieg und so konnten sie schon auf ihrer ersten Fahrt die Aufgabe des Stundenglas Umdrehens und Zeitansagens übernehmen und vom Krähennest aus die Umgebung im Blick behalten.
So bekommen die Zuhörer einen guten Einblick in den Ablauf einer Jugend vor 500 Jahren und wie viel reifer man in jungen Jahren schon sein musste. Die Lebenserwartung war aber auch deutlich niedriger, vor allem, wenn man zur See fuhr. Dabei finde ich besonders eindringlich die Probleme von Hunger und Skorbut geschildert. Ob da wohl einige Zuhörer sich gleich mal schnell etwas Obst gönnen, wenn sie von diesen Qualen hören? Es werden nicht einfach nur Fakten aneinandergereiht, oder ein aufregendes Entdeckerabenteuer erzählt, sondern auch durchaus kritisch hinterfragt. Zusammenhänge werden hergestellt, so dass man durchaus für einiges ein anderes Verständnis bekommt, z.B. die noch heute bestehende Rivalität zwischen Portugal und Spanien. Wie der christliche Glaube nach Malaysia oder Südamerika kam (nein, es lag nicht alles an Kolumbus!) und eben auch Vergleiche zwischen den Landsleuten Magellan und Kolumbus hergestellt, die beide aus Enttäuschung in den Dienst des spanischen Königs traten und unter seiner Flagge, zu seiner Ehre, das Bild der damals bekannten Welt erweiterten.

Unglaublich hilfreich und anschaulich finden wir die Karten, die im Umschlag den Seeweg Magellans nachzeichnen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Magellanstraße legen. Die Illustrationen von Klaus Ensikat sind für viele Bücher des Verlages ein Markenzeichen. Sie sind nicht nur preisgekrönt, sie zeichnen sich auch durch Reife und Tiefe aus. Das finde ich gerade für ein Kinderbuch mit historischem Thema sehr atmosphärisch und die heute modernen bisweilen „verniedlichenden“ Illustrationsstile für das Thema und das Alter unpassend. Es gibt auf jeden Fall auf den farbigen, oft ganzseitigen Bildern viel zu entdecken und sie erinnern an kolorierte Stiche von alten Entdeckerreisen. Für mich erweckt es einen liebevollen, einheitlich ganzen Eindruck, der Geschichte zum Leben erweckt und dabei sehr hochwertig wirkt.

So wird Geschichte für Kinder lebendig, Interesse geweckt und vor allem ein Verständnis für die Bedeutung von geschichtlichen Ereignissen auch für die heutige Zeit begründet. Von uns erhält dieses reich illustrierte Buch für Kinder ab 8 Jahren, das Prädikat empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 10.11.2020

Der Geist der Weihnacht

Lacroix und die stille Nacht von Montmartre. Sein dritter Fall
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Die hektische Vorweihnachtszeit in Paris scheint zum Erliegen gekommen zu sein, durch ein Wunder: es schneit erstmals seit rund 10 Jahren in Paris! Der dichte Schneefall und die Kälte lassen Plätze und ...

Die hektische Vorweihnachtszeit in Paris scheint zum Erliegen gekommen zu sein, durch ein Wunder: es schneit erstmals seit rund 10 Jahren in Paris! Der dichte Schneefall und die Kälte lassen Plätze und Straßen verwaisen. Lacroix ist langweilig, denn wenn niemand das Haus verlässt, passieren auch keine Verbrechen, die er aufklären kann. Doch dann liest er eine kleine merkwürdige Notiz in der Zeitung: In Montmartre ist die neue, funkelnde und von einem Stromkonzern gesponserte Weihnachtsbeleuchtung des Place du Tertre gestohlen worden! Eigentlich eine Bagatelle, doch sein Bauchgefühl warnt ihn, dass da mehr hinter steckt und als am nächsten Tag die große Weihnachtstanne unterhalb von Sacre Coeur von Unbekannten gefällt wird, bietet er der dortigen, schwer erkälteten Kollegin seine Mithilfe an. Inzwischen interessieren sich auch die großen Zeitungen für diesen vermeintlichen Weihnachtshasser, allen voran die von ihm gefürchtete Reporterin Romy Schneider. Dieser Fall führt den Revierleiter des edlen 7. Arrondissement ins Herz der einstigen Hochburg der Bohème.

Der Kommissar mit Hut, Pfeife und ohne Handy ermittelt wieder, diesmal aus Langeweile und noch dazu in einem fremden Revier. Doch nicht nur die mangelnden Fälle setzen ihm zu, seine Pfeife ist auch irgendwie verschwunden und so ganz ohne, fehlt ihm was. Da er die Métro ablehnt und die Autos auf den verschneiten Straßen ob quer stehen, muss er halt zu Fuß laufen, sehr zum Leidwesen seiner Füße, aber mit viel Muße zum Nachdenken. Während er darüber nachdenkt, wer sich denn an der Beleuchtung oder einem Weihnachtsbaum stören könnte, hört er sich unter den Künstlern um. Der berühmteste und beliebteste unter ihnen ist empört über diese Kommerzialisierung und Verkitschung seines Viertels. Doch reicht diese Wut aus, um auch noch die folgenden, teilweise brutalen Taten zu begehen? Lacroix hat da so seine Zweifel und keine Beweise und nur bedingt Zeugen. Er fühlt sich aufgeschmissen, lässt sich treiben, hört sich in Bistros um und trifft sich mit seiner Frau Dominique, der Bürgermeisterin ihres Quartiers und deren Kollegen von Montmartre auf dem Weihnachtsmarkt auf den Champs Elysées. Wenn man keine Fakten findet, dann hilft es, gut zu zuhören und langsam meldet sich sein Unterbewusstsein, das über Anomalien stolpert....

Auch dieses Mal hat mir der Teilzeit-Wahl-Pariser Autor Alex Lépic wieder einige interessante Infos über Paris geliefert. Ich hatte keine Ahnung, dass die Parischer Bezirksbürgermeister ihr Amt auf Lebenszeit verliehen bekommen oder dass es für das Flair des Viertels von der Stadt besondere Konditionen für die dortigen Künstler gibt. So lebt dieser Krimi wieder sehr von dem geruhsamen Flair dieser eigentlich hektischen Stadt. Er ist atmosphärisch und verzichtet diesmal komplett auf hektische Verfolgungsjagden. Es geht um den Geist der Weihnacht, trotz aller Kriminalfälle und Brutalität gibt es in diesem Fall ein leuchtendes Vorbild, das an die ursprüngliche Bestimmung dieses Festes erinnert und mit Güte und Glauben vergangene Gräueltaten zwar nicht ungeschehen machen kann, aber den Menschen, denen sie begegnet es Vorbild ist für eine bessere Zukunft. Zwischen all der Missgunst und Intrigen, gibt es auch aufrechte Menschen, die die Welt ein bisschen besser machen, jeden Tag, nicht nur zu Weihnachten. So kommt es wohl auch, dass dies der ruhigste der bislang 3 Fälle des neuen Maigret von Paris ist. Aber Vorsicht: Lacroix ist ein Genießer und so könnte es sein, das der Genuss dieses Hörbuchs den Appetit anregt und vielleicht am Besten bei Kaffee oder Rotwein genossen wird.

Felix von Manteuffel verkörpert perfekt den Bonvivant. Er klingt wie der Kommissar nicht mehr ganz jung, aber dafür reif und bloß nicht zu unterschätzen. Den mangelnden Pfeifenrauch, der ihm bisweilen die Freude an der weißen Pracht verdampfen lässt, scheint man seiner Stimme geradezu anzuhören. Seiner angenehm tiefen Stimme zu lauschen ist gefährlich entspannend.

Ein Weihnachtskrimi für Genießer und Parisfans, Thrillerfans werden nicht auf ihre Kosten kommen. Dafür versteckt sich hinter den Taten eine Erinnerung an vergangene Gräuel, an die man nicht oft genug erinnern kann. Dennoch verströmt dieser Krimi den Geist der Weihnacht.

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