Profilbild von danielamariaursula

danielamariaursula

Lesejury Star
offline

danielamariaursula ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit danielamariaursula über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2020

Magisches Aschenputtel

Magic Tales - Verhext um Mitternacht
0

Eine moderne, magischere Form des Aschenputtelmärchens, erzählt aus zwei Perspektiven:
Der junge Tristian ist der Sohn eines mächtigen Hexenmeisters gewesen, die Identität seiner Mutter nicht bekannt. ...

Eine moderne, magischere Form des Aschenputtelmärchens, erzählt aus zwei Perspektiven:
Der junge Tristian ist der Sohn eines mächtigen Hexenmeisters gewesen, die Identität seiner Mutter nicht bekannt. Als sein Vater als dunkler Magier der Blutmagie bezichtigt, im Schnellverfahren verurteilt und hingerichtet wird, ändert sich alles für ihn. Seine Stiefmutter und Stiefbrüder Chris und Noah verspotten ihn und demütigen ihn regelmäßig mit verbotenen magischen Streichen sogar in der Schule. Nur sein Hund Roger, der ihm noch von seinem Vater blieb und seine beste Freundin Mara, geben ihm Halt und Trost. Eines Tages taucht die schöne Austauschschülerin Ela aus Rom auf ihrer Schule auf und erstaunlicherweise erliegt sie nicht Chris und Noahs Charme, sondern interessiert sich für die schlaue Aussenseiterin Alex und den misstrauischen Tristan. Was er nicht weiß: Ela ist die Tochter einer mächtigen römischen Hexenfamilie, unterwegs in geheimer Mission, auf der Suche nach Dunkelhexen, die das anstehende Ritual, das die Einigkeit zwischen Menschen und Hexen garantiert, gefährden. Wie sehr wünschte sich Ela, dass in Tristan auch nur ein Funke Magie stecken würde, um ihr als Auserwählter als Partner beim Ritual beistehen zu können, doch er praktiziert nur Kampfkünste und verabscheut Magie!

Mitternacht ist der Moment, an dem die Kräfte der Magie schwinden und nur sehr mächtige Hexen es vermögen ihre Illusionen aufrecht zu erhalten. Nein, Aschenputtel ist nicht um Mitternacht in Gefahr, Mitternacht betrifft alle Hexen und sofern diese magische Kleidung tragen, könnte dies peinlich für sie werden....

Klassische Märchen neu zu erzählen, in einem anderen Kontext ist gerade sehr populär und Aschenputtel/Cinderella/Cendrillion ist eines der bekanntesten und beliebtesten Märchen, so daß man seine Strukturen schnell wieder erkennt. Daher liegt dann der Spaß im Wiedererkennen und in einer guten Erzählung und interessanten neuen Varianten, sofern sie geboten werden.

Hier sind z. B. die Rollen vertauscht: Tristan ist nicht der Prinz in der schimmernden Rüstung, sondern der verstoßene Sohn, des verstorbenen Hausherren, der von seiner Stiefmutter und seinen Stiefbrüdern regelmäßig gedemütigt wird. Er wurde aus seinem Zimmer verbannt, in den Keller. Da er über keinerlei Magie zu verfügen scheint, wird er verspottet und durch verbotene magische „Streiche“ in der Schule lächerlich gemacht... Ela ist keine Prinzessin, aber die Tochter einer mächtigen römischen Hexenfamilie und die für das Ritual Auserwählte. Das ist vor allem ein böses Omen, denn diese große Ehre, könnte sie auch leicht das Leben kosten, weshalb sie zu ihrem eigenen Schutz bislang vor der Öffentlichkeit ferngehalten wurde und erst beim großen Hexentreffen zur Erneuerung des Bannes in die Hexengesellschaft eingeführt werden soll.
Es gibt hier keine Schichtunterschiede wie Adel und Gesindel, es geht um Hexen, Wissende (Menschen, die Magie immerhin sehen können) und Unwissende (die meisten Menschen).

Beide fühlen sich auf Anhieb zu einander hingezogen und durch ihre Herkunft aber auch durch scheinbar unüberwindbare Gräben getrennt. Aber nein, wir wechseln nicht zu Romeo und Julia, immerhin ist dies ein modernes Märchen ab 13 Jahren. Beide umgibt ein Geheimnis, doch nicht beide wissen davon.... Das finde ich sehr interessant gemacht, wobei die Neugierde auch immer wieder geschickt gesteigert wird. Wer ist Tristans Mutter und warum ist sie geheim und warum ist er nicht magisch? Zum Teil werden die Rätsel gelöst, aber zum Teil auch nicht. Ein „Warum“ lässt mich noch immer grübeln, da finde ich die Erklärung nicht so logisch.

Ela und Tristan sind sehr sympathisch, interessanter fand ich aber fast die zwiespältigeren Personen Alex und Chris. Ela hat aufgrund ihrer Bestimmung kein ganz unbelastetes Verhältnis zu ihrer Schwester Gloria, die auch immer wieder ins Zentrum dieser Geschichte drängt. Durch die zahlreichen Personen, sollte man also durchaus genau hinhören. Fanny Bechert mag ich als Sprecherin für Ela sehr gerne. Sie klingt jung, dynamisch und bisweilen verletzlich. Allerdings hätte ich mir einen zweiten, männlichen Sprecher für Tristan gewünscht. Da ich Hörbücher immer nebenbei höre, brauche ich einen deutlichen akustischen Reiz und nur die Erwähnung des Perspektivwechsel kann leicht mal überhört werden, so dass ich dann etwas verwirrt war, weil Ela und Tristan gleich klingen. Das ist nicht unangenehm und mir deutlich lieber, als jemand der mit schlecht verstellter Stimme spricht, aber gerade für Hörer, die zum Einschlafen oder nebenbei hören, nicht wirklich deutlich genug.

Dennoch hat mir das Hörbuch gut gefallen. Es war abwechslungsreich, mit erfrischenden Ideen, spannenden Zwischenereignissen und einem großen Showdown mit anschließender glücklicher Auflösung. Was will der magische Märchenfan ab 13 mehr? Seufz!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.10.2020

Irre witzig!

Luis und Lena - Die Zahnlücke des Grauens
0

Luis (12) besuchte in Berlin eine naturwissenschaftliche Schule, wo er als Nachwuchsforscher glücklich unter befreundeten Nerds war. Doch dann beschließt seine Mutter, für eine neue Stelle als Zahnarzthelferin ...

Luis (12) besuchte in Berlin eine naturwissenschaftliche Schule, wo er als Nachwuchsforscher glücklich unter befreundeten Nerds war. Doch dann beschließt seine Mutter, für eine neue Stelle als Zahnarzthelferin nach Bayern zu ziehen, in einen kleinen Ort, mit nur einem Gymnasium. Dort werden sich alle schon seit dem Kindergarten kennen, da muss er gleich einen guten Eindruck machen und so plant er diesen perfekt. Doch seine überbesorgte Mutter macht ihm einen Strich durch die Rechnung, da das Outfit nicht warm genug ist und ohne Helm zu fahren ist viel zu gefährlich. Durch das Umziehen kommt er noch zu spät und alle starren ihn an. Als es kaum noch schlimmer geht, wird er auf den letzten freien Platz neben Lena gesetzt, die alle für etwas irre halten, weil sie behauptet Kobolde sehen zu können. Um diesen miesen ersten Eindruck los zu werden, kauft er sich Eishockeyschlittschuhe und -schläger und marschiert zum Weiher. Beim gemeinsamen Training mit den Jungs wird er binnen Rekordzeit berühmt, als ihm ein Schneidezahn ausgeschlagen wird. Eine Trophäe, die ihm die sofortige Aufnahme in das Team sichert und die wie ein Schatz im Schrank des Vereinsheims aufbewahrt wird. Alles scheint bestens, bis nachts eine Zahnfee durch sein Zimmer schleicht und die Herausgabe des Zahns fordert! Das geht natürlich nicht, drum verfolgt sie ihn auf Schritt und Tritt und außer ihm und Lena, kann niemand sie sehen. Nun wird es oberpeinlich und echt brenzlig!

Dass Luis in die 6c geht, wie meine Jüngste, fand diese prima. Wir haben uns gemeinsam aufgeregt, wie man denn als Mutter einfach so, wegen eines völlig normalen Jobs so weit wegziehen kann und dann noch von seinem Kind verlangen, dass es das in Ordnung und schnell Freunde findet!
Die Geschichte ist allerdings so lustig geschrieben, dass wir darüber schnell hinwegsehen konnten. Es hat mir großen Spaß gemacht sie meiner Tochter laut vorzulesen und wir mussten immer wieder lachen! Daher können wir uns gut vorstellen, dass diese Geschichte auch sehr gut als Hörbuch funktioniert! Wir haben allerdings auch mit Luis und Lena gelitten. Mit Luis, weil er doch eigentlich ein Nerd ist und aufgrund des Umzugs gezwungen wird, sich mit einer gefährlichen Sportart zu beschäftigen, die die übrigen Jungs praktizieren, seit sie laufen können. Luis ist halt eher der Denker, als der Sportler, rein rational. Ganz anders als Lena, die eher fühlt, als wissenschaftlich vorzugehen. Daher wird sie auch für eine Spinnerin gehalten, allerdings zu Unrecht, wie Luis feststellen muss, außerdem ist sie eine prima Freundin. Wir mochten beide auf Anhieb, was ganz klar macht, dass Außenseiter auch eigentlich richtig klasse sein können und man ihnen unbedingt eine Chance geben sollte. Das gilt allerdings auch für Zahnfeen in Not, auch für diese sollte man immer ein Herz und ein Stück Schokolade bereithalten!
Diese Geschichte ist aber auch eine Liebeserklärung an die bayrische Provinz. Der Großstädter fühlt sich anfangs völlig verloren, gerade angesichts seiner wilden Mitschüler mit den eigenartigen Spitznamen. Als er sie näher kennenlernt, merkt er, dass diese wilden Typen echte Freunde, mit dem Herzen am rechten Fleck sind und das beste aus dem machen, was ihnen die Gegend so bietet.

Dieses Abenteuer ist irre witzig, voller Pointen und Wendungen, aber auch in sich abgeschlossen, obwohl sich schon die nächsten Schwierigkeiten am Schulhofhorizont bemerkbar machen. Alle Zeichen deuten auf Fortsetzung (so rein im analytischen Sinne!), wir würden uns darüber auf jeden Fall freuen!

Ach ja, natürlich ist dieses Buch wahrscheinlich offiziell ein Comicroman, da er erfreulicherweise von Daniel Stieglitz reich illustriert ist, manchmal mit Sprechblasen und manchmal mit Bilderfolgen... aber an alle Eltern: es ist vor allem ein Buch, mit vollständigen, grammatikalisch korrekten Sätzen. Die zahlreichen Illustrationen, die nur die Schmankerl, die das lästige Lesen versüßen, mit spitzer Feder.

Thomas Winkler arbeitet übrigens in Bayern als Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik, wenn er nicht gerade Kinderbücher schreibt. Daher ist ihm wahrscheinlich nicht aufgefallen, dass in Berlin das Gymnasium erst mit der 7. beginnt ;) Allerdings beherrscht er etwas, was gute Lehrer auszeichnet und was mich von Lehrern geschriebene Bücher so schätzen lässt: er weiß, was Kinder in dem Alter verstehen und was nicht. Alle Begriffe, die meine Tochter nicht kannte (es waren nicht viele) wurden umgehend erklärt und das auch noch verständlich. Was will man mehr!?

Ein witziges Buch für Jungs und Mädchen ab 10 Jahren, um Freundschaft und die verrückten Unerklärlichkeiten des Universums, mit Lachgarantie.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.10.2020

Konzept mit Potenzial

Rund um die Welt mit Fuchs und Schaf. Konichiwa
0

Das erste Bilderbuch basierend auf der erfolgreichen Fox & Sheep-App und dem Spotify-Podcasts:
Fox und Sheep leben auf dem Land, in einem gemütlichen Bauernhaus, mit Bauerngarten und fruchtbaren Apfelbäumen. ...

Das erste Bilderbuch basierend auf der erfolgreichen Fox & Sheep-App und dem Spotify-Podcasts:
Fox und Sheep leben auf dem Land, in einem gemütlichen Bauernhaus, mit Bauerngarten und fruchtbaren Apfelbäumen. Von dort aus beliefern sie mit ihrer eigenen kleinen Eisenbahn die ganze Welt mit ihren Hofprodukten: Marmelade, Wollsocken, Gürkchen, Apfelkompott und -saft... Eines Tages erhalten sie einen Großauftrag Apfelpunsch aus Osaka, der drittgrößten Stadt Japans. Wie aufregend! Eifrig begeben sie sich an die Arbeit, um rechtzeitig vor Weihnacht wieder zurück in ihrem gemütlichen Häuschen sein zu können. Doch bis dahin liegt noch eine abenteuerliche Reise durch fremde Länder, mit fremden Sprachen vor ihnen.

Meine Tochter (11) liebt Bilderbücher und ihr hat die Geschichte sehr gut gefallen. Besonders die Versprecher vom Fuchs fand sie sehr witzig, sowie das Apfelpunsch-Rezept, das bei uns genau zur Apfelernte kommt. Außerdem meinte ihre Freundin letztens „Ich kann ein Wort Chinesisch: „Konichiwa!“ - „Konichiwa, ist doch Japanisch“. Tja, Lesen bildet ;) Sowohl die Postkarte, als auch die Weltkarte in der „Schatz-Tasche“ am Ende fand sie prima, allerdings fehlten ihr die Landesbezeichnungen: „Wo ist denn nun Japan?“ - „Meinst Du echt? So klein!?“, tja, ich denke, das war Japan, aber kann ich sicher sein? - Die Illustrationen sind aber schön!

Ich bin etwas zwiegespalten. Ich habe das Gefühl, dass etwas zu viel auf einmal gewollt wird, der Fokus schwenkt mir zu oft. Erst der Bauernhof, wahrscheinlich für Neulinge der Reihe, so wie wir und die Eisenbahn, die aber später kaum noch Erwähnung findet, wohl aber ein zentraler Bestandteil der Reihe ist und die wunderbare Ausstattung, die aber den Inhalt nicht so wirklich widerspiegelt. Superschön finden wir die Weltkarte, die hinten eingelegt ist und ein eigenes Staufach hat, eine wunderbare Idee, aber noch schöner hätten wir es gefunden, wenn zumindest Japan benannt worden wäre. So waren wir uns etwas unschlüssig, als wir Osaka suchten, da sie ja wirklich nicht kartografisch korrekt ist. Die Reise wird angerissen, aber irgendwie Potenzial ungenutzt gelassen, wahrscheinlich um die Zielgruppe nicht zu überfordern. Es hätte mir dennoch gefallen, wenn dann etwas mehr Wissen mit der Reise vermittelt worden wäre, oder diese ganz gestrichen. Es ist für Dreijährige z.T. echt relativ viel Text. Die meisten Kinder in diesem Alter können sich nicht so lange am Stück konzentrieren. Die Illustrationen sind hinreißend und sprechen sowohl Jungs und Mädchen an und bieten jede Menge zu entdecken.
Das Apfelpunschrezept ist eigentlich eine tolle Mitmach-Idee, aber nicht unbedingt mit Dreijährigen, selbst wenn sie motorisch in der Lage sein sollten, Äpfel klein zu schneiden, dürfte ihnen das Durchhaltevermögen für 2 kg Äpfel gemeinsam mit einem Elternteil fehlen...
Die Geschichte ist zwar schön, lustig und unterhaltsam, aber irgendwie bleibt bei mir das schale Gefühl zurück, dass da noch mehr ginge. Denn, was antwortet man auf „Konichiwa“? Oder wie verabschiedet man sich? So hatte ich die Erwartung, dass man etwas mehr Einblick in japanische Besonderheiten bekommt, aber es sind vor allem die grellen Lichter der Stadt. Meine Tochter fragte mich sehr erstaunt: ist das wirklich so, gibt es da sonst nichts? Doch ein Schloss wird noch erwähnt... ich musste aber einräumen, dass die grellen Neonlichter bei Nacht, nicht nur für Osaka typisch sind, sondern auch für Tokio und andere japanische Großstädte. Es ist schön Bewusstsein bei den Kindern zu schaffen, dass fremde Länder mehr als eine bedeutende Stadt besitzen, aber so ganz wird die Bedeutung hier nicht deutlich. Sie hätten genauso gut nach Tokio fahren können.
Für 3 Jährige ist es mir einfach zu umfangreich und für Ältere hätte ich mir ausgereiftere Infos gewünscht – aus Elternsicht, denn meiner Tochter gefällt die Geschichte ja uneingeschränkt, mit Ausnahme der fehlenden Bezeichnung in der Karte.

Ein interessantes Konzept mit Ausbaupotenzial. Hier sollen Kinder beim Lesen durch eigene Handlungen mit einbezogen werden. Es wurde mit Eltern gemeinsam entwickelt, aber vielleicht hätte man noch Erzieherinnen einbeziehen können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.10.2020

Eine geheimnisvolle Druidin

Lucas und der Zaubertrank
0

Lucas wacht nach dem Abenteuer mit seinen Freunden und den Zauberschatten auf und traut seinen Augen kaum: Eine Elster klopft an sein Fenster, am Fuß ist eine verschlüsselte Botschaft befestigt. Sie enthält ...

Lucas wacht nach dem Abenteuer mit seinen Freunden und den Zauberschatten auf und traut seinen Augen kaum: Eine Elster klopft an sein Fenster, am Fuß ist eine verschlüsselte Botschaft befestigt. Sie enthält eine Warnung, aber wovor? In der Schule kann er seine neuen Freund Li-Feng und Ole nicht finden, dafür finden Mobber Noah und Konsorten ihn, die ihm nicht verziehen haben, dass er sich ihnen widersetzt hat. Später sucht er daher Nathanael in der alten Fabrikhalle auf und entdeckt seine Mitwisser, die auf ihn warten. Nathanael schickt sie wieder mit Hilfe der Zauberschatten durch Zeit und Raum. Bei der Gelegenheit können sie nicht nur die Knubbelgeister Knick und Knack aus der Gewalt Shalamars befreien, sondern auch seinen teuflischen Plan belauschen, den es zu verhindern gilt: mithilfe eines Zaubertranks der Druidin Vika will Shalamar alle Menschen seinem Willen unterwerfen und die Welt ins Chaos stürzen! Das müssen sie unbedingt verhindern, da jedoch nicht klar ist, ob es die sagenumwobene Druidin wirklich gab, ist dieser Auftrag noch schwieriger, als der vorige.
Dieser zweite Band knüpft unmittelbar an seinen Vorgänger an, da gibt es keine langatmigen Erklärungen oder Einleitung, nur das Nötigste, um im Zweifel ohne Vorkenntnisse einsteigen zu können. Besser ist es dennoch Lucas und der Zauberschatten zu kennen. Hat man im ersten Band Lucas noch dafür bewundert, den Schulmobbern die Stirn geboten zu haben, kommt nun die Ernüchterung: die Fieslinge haben leider nicht daraus gelernt und fühlen sich provoziert. Leider wie im echten Leben! Was danach kommt, ist allerdings alles andere als alltäglich! Uns bringt keine Elster verschlüsselte Botschaften! Diese Runenbotschaft, dann man übrigens mithilfe des Runenalphabets im Anhang auch selbst entschlüsseln, so wie all die anderen, die im Laufe dieses Abenteuers noch von einer Elster gebracht werden. Eine Elster die was bringt, statt was zu nehmen ist auch einmal eine schöne neue Idee. Zeitreisen in Kinderbüchern sind nicht ganz so neu, aber hier gefällt uns sehr gut, die Rolle der Druidinnen, die gerne mal verschwiegen wird, denn eigentlich sind Frauen ja Hexen und nicht weise, oder? So wird verschwiegen, was anders ist, wovon man sich bedroht fühlt. Das war damals zu Zeiten von König Arthus schon so und ist es heute auch noch. Ein schöner Denkansatz, den wir gerne aufgegriffen haben, der aber auch die Zeitreise so aufregend macht. Wenn das Ziel so unbekannt ist, wie kann man es dann finden?
Der schlaue Knobelmeister Lucas findet natürlich gemeinsam mit seinen Freunden, egal ob Menschen oder Knubbelgeister einen Weg. Da dies den Lesern natürlich nicht möglich ist, können sich diese mit Hilfe des Runencodes die Nachrichten entschlüsseln, aber auch den Buchstabencode von Illustrator Timo Grubing knacken, den dieser in den Vignetten zu Kapitelbeginn versteckt hat. Die Illustrationen sind sehr lebendig und ausdrucksstark und passen genau zum Alter der Zielgruppe ab 10 Jahren und werden von dieser auch dankend bestaunt.
Lucas, Ole, Li-Feng und die Knubbelgeister wachsen zu einem immer besseren Team zusammen. Li-Feng ist dabei ganz klar die Favoritin meiner Tochter, mit ihren allzeit bereiten Super-Gimmicks, die diese in ihrem Zopf versteckt. Diese Abenteuerreihe richtet sich wirklich gleichermaßen an Jungen wie Mädchen. Hier steht ganz klar die Spannung und das Interesse am Kombinieren und Code-Knacken, aber eben auch der Umgang mit Schurken, egal ob Shalamar oder die Schulmobber rund um Noah im Vordergrund. Es ist keine neue Kinderbuchreihe, um Kindern Geschichtswissen zu vermitteln, sondern Freude am Lesen. Deswegen gibt es auch im Anhang wieder Mitmachseiten mit Quiz zum Leseverständnis und Koderätseln. Da werden Bücher doch gleich interessanter! Meine Tochter hat sich sofort darauf gestürzt und alle Codes im Buch gesucht.
Einige Wendungen sind für erwachsene Krimifans vorhersehbar, aber nicht für die lesenden Kinder. Das macht es aber nicht weniger spannend, weil das Ende selbst abgebrühte Vielleser zu überraschen vermag!

Ein spannendes Lesevergnügen, dass uns diesmal in die Welt der Sagen und Druiden entführte und uns fröhlich Codes knacken ließ!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.10.2020

Kann ein Mensch einfach verschwinden?

Wenn die Blätter sich rot färben. Der fünfte Fall für Gamache
0

Armand Gamache ist Chiefinspector der Sûreté in Montréal und ein kultivierter Schöngeist, dessen einzige Laster seine Aufrichtigkeit und penible Wahrheitssuche sind. Das wissen auch die Einwohner des kleinen, ...

Armand Gamache ist Chiefinspector der Sûreté in Montréal und ein kultivierter Schöngeist, dessen einzige Laster seine Aufrichtigkeit und penible Wahrheitssuche sind. Das wissen auch die Einwohner des kleinen, idyllischen Örtchens Three Pines, in den tiefen Wäldern des Québec zu schätzen. Als Myrna, die schrullige Buchhändlerin morgens eine Leiche im Bistro von Gabri und Olivier entdeckt, fordert sie gleich beim Absetzen des Notrufs Inspecteur Gamache an, denn vor Ort gibt es ja keine Kripo. Gamache und sein Team machen sich gleich auf den Weg und treffen auf alte Bekannte, die nun mal wieder Verdächtige für den Mord an dem Namenlosen sind. Der Tote hat keine Papiere bei sich, niemand gibt an, ihn zu erkennen und seine Kleidung scheint ihn als Obdachlosen auszuweisen. Alle Indizien scheinen auf den liebenswürdigen Olivier zu deuten, doch warum sollte er einen Mann umbringen, den er nicht kennt und warum sollte er ihn in seinem eigenen Bistro liegen lassen? Um diese Fragen zu klären, müssen die Kriminalisten tief graben, tief in die Vergangenheit Kanadas und hinter den eisernen Vorhang... denn der Tote hütete zu Lebzeiten nicht nur einen Schatz, sondern auch ein Geheimnis.

Der letzte Band endete mit der spektakulären Aufdeckung der Intrigen gegen Gamache von oberster Stelle, aus den eigenen Reihen. Sein Team hat sich seither gelichtet, doch auch wenn es nun kleiner ist, kann er nun allen trauen und er muss keinen Dolchstoß in den Rücken mehr befürchten. Das erleichtert seine Arbeit enorm, nimmt für mich aber tatsächlich auch einen Teil der Spannung, denn es gibt nur einen Fall auf den es sich zu konzentrieren gilt. Ja, auch wenn diese Reihe eher beschaulich ist, bedarf es der Konzentration, da die Autorin immer wieder kleine Hinweise, die am Ende wie Puzzleteile zusammen gesetzt werden, über die gesamte Geschichte verstreut. Da ist stete Wachsamkeit gefragt, weshalb es sich gerade bei dem Hörbuch lohnt, die ersten 7 CDs vielleicht mehr als einmal zu hören, ehe man sich an die Auflösung auf dem letzten Tonträger begibt. Das ist mit ein Grund, weshalb ich es liebe, dass diese Reihe nicht auf MP3 erscheint. So kann man es gezielt vermeiden, zu früh aus Versehen das Ende zu hören, ehe man bereits alle Hinweise für sich gesammelt hat.

Dieses Mal kommen Clara und Peter Morrow nur am Rande vor, während dem vermaledeiten Hedley Anwesen mal wieder eine größere Rolle zukommt. Die Geister der Vergangenheit lassen weder Gamache, noch das Haus los. Doch wird es in diesem Band mit neuem Leben angefüllt. Neuankömmlinge aus der City haben es gekauft, um es in ein Wellnesshotel zu verwandeln. Gamache kann sich nicht vorstellen, dass ein bisschen neue Farbe den boshaften Geist des Hauses zu vertreiben vermag und ist somit gleichermaßen fasziniert, wie abgestoßen. Neben diesem Paar, lernt er noch weitere Bewohner kennen, die ihm aufgrund ihres selbstgenügsamen und ruhigen Lebenswandels bislang noch nicht begegnet waren. So erweitert sich der Kreis der Verdächtigen, doch was fehlt ist nach wie vor ein Motiv und die Identität des Toten. Warum sollte ein Mann, den niemand kennt und gegen den daher auch niemand einen Groll hegen kann, ausgerechnet im ruhigen Three Pines ermordet werden? Auf der Suche nach der Identität, von der er sich Klarheit erhofft, zieht es Gamache weit in die Vergangenheit, auch der Geschichte seines eigenen Landes. Um diese zu verstehen, reist er ans andere Ende des Landes, was für den Hörer in vielerlei Hinsicht interessant ist und tatsächlich dem Verständnis der vorliegenden Rätsels dient.

Der Einstieg in diesen Krimi ist ungewöhnlich. Die Autorin wählt eine beobachtende Perspektive, mit einem Unbekannten. Man erlebt einige seiner letzten Momente mit, doch nicht den finalen. Das ist unheimlich und weckt die Neugierde. Auch dieses Mal schreibt sie unaufgeregt, aber durchdacht, reif und mit viel liebe für stimmige Details. Die Personen sind in sich schlüssig, ebenso wie ihre Entwicklung. Es geht eine düstere Faszination von diesem Dorf aus, in dem nie etwas Böses passiert, außer den gelegentlichen Morden. Es ist ein Krimi für all jene, die die leisen Töne, normale, bisweilen aber auch schrullige Charaktere mögen (die Dorfbewohner) und die sich daran erfreuen können, innerhalb einer Reihe immer wieder auf vertraute Personen zu treffen; kultivierte Unterhaltung mit Niveau, Action geladener Spannung vorziehen. Hier liegt die Spannung im Ungewissen und einem leisen Schauer durch die jeweils eingenommene Perspektive, so wie der Schatten der Vergangenheit. Dennoch ist dies nicht mein Lieblingsband der Reihe, ich finde ihn etwas schwächer, wobei es sich lediglich um ein Bauchgefühl handelt, das ich nicht zu begründen vermag.

Hans-Werner Mayer leiht dem unaufgeregten, besonnen Gamache wieder seine Stimme und ebenso den übrigen Figuren. Da es immer wieder eine Vielzahl unterschiedlicher Persönlichkeiten sind, die er intoniert, gelingen ihm für meinen Geschmack einige besser als andere. Insgesamt mag ich aber nicht nur seine angenehme Stimme und seine ruhige und gleichzeitig modulierte Art, sondern auch seine Interpretation der Beteiligten. Dieses Mal scheint aber die Lautstärkebalance nicht ganz so ausgewogen zu sein, da ich nicht alles gleich gut verstanden habe, weil es manchmal, wenn es geheim werden soll, zu leise wurde. Der Ausdruck ist jedoch glasklar.

Eine Reihe, die es immer wieder ein Genuss ist zu hören und der ich hoffe, noch lange folgen zu können!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere