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Veröffentlicht am 06.04.2025

Toleranz und Rücksichtnahme

Der Dinosaurier von nebenan
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Die kleine Liz ist sich ganz sicher, dass ihr Nachbar Herr Wilson, von nebenan ein Geheimnis hat: er ist kein Mensch, sondern ein Dinosaurier. Ein Dinofan wie sie, merkt das natürlich sofort, aber wieso ...

Die kleine Liz ist sich ganz sicher, dass ihr Nachbar Herr Wilson, von nebenan ein Geheimnis hat: er ist kein Mensch, sondern ein Dinosaurier. Ein Dinofan wie sie, merkt das natürlich sofort, aber wieso fällt das sonst niemandem auf, dass sein Hals so lang und seine Haut so grün ist? Außerdem hören die Erwachsenen nicht wirklich zu und glauben ihr schon gar nicht. Da entschließt sich Liz ins Museum zu gehen und es dort einer berühmten Paläotologin zu erzählen. Doch auch die scheint es nur für eine Kinderspinnerei zu halten, oder doch nicht? Die Folgen sind auf jeden Fall erschreckend und doch ganz anders, als die Wissenschaftler es sich gedacht hatten....

Ich hatte mal im Studium eine Freundin, die fest davon überzeugt war, dass unser Kommilitone ein Alien sei! Das fand ich etwas fies, aber auch etwas bizarr. Da kann ich mir sehr gut vorstellen, dass Liz mit ihrer Überzeugung nicht immer auf viel Verständnis stößt, sondern bestensfalls belächelt wird. Aber sie hat eine Mission und gibt nicht auf. Sie beobachtet Herrn Wilson ganz genau und der ist sehr freundlich und ein ganz hervorragender Bäcker! Er stört eigentlich niemanden und gefährlich ist er auch nicht, dafür sind seine Backkünste äußerst beliebt. Warum kann es Liz dann nicht einfach dabei belassen? Die Geschichte wird angeprisen als herzerwärmende Geschichte: Bleib dir selbst treu, egal welcher Spezies du angehörtst. Ich finde sie wirklich herzerwärmend und sie hinterlässt ein wunderbar warmes Gefühl, wenn man sie beendet hat, aber es steckt noch viel mehr dahinter. Einmal: hört den Kindern zu und außerdem: Lasst Eure Mitmenschen doch in Ruhe, wenn sie Euch nichts getan haben und immer freundlich sind, seid freundlich zurück! Außerdem zeigt es auch, dass manchen Geheimnisse besser nicht öffentlich gemacht werden sollten. Also eine kurze Geschichte, mit so vielen Botschafen. Was macht einen eigentlich aus? Was kennzeichnet mein „Ich“?

Der Illustrationsstil ist typisch für den Autor, mit aquarellartigem Hintergrund und Lichtakzenten, wenn es wundbar/wundersam wird. Die Gesichter sind auf das Wesentliche konzentriert, auf ihren Ausdruck. Und so kann man richtig mit Mr. Wilson mitfühlen, dass die Dinge ganz anders kommen, als Liz es sich gedacht hatte und wenn sie ehrlich ist, hat sie es so auch nicht gewollt. Aber zum Glück, sind die meisten Menschen viel besser als ihr Ruf und so geht diese Geschichte auch ganz wunderbar für Mr. Wilson aus und alle sind hochzufrieden damit! So verstehen auch schon Kinder ab 4 Jahren worauf es angekommt. Die Sprache ist dabei gut verständlich, aber dennoch lebendig und ausdrucksstark.

David Litchfield ist ein preisgekrönter Illustrator und Kinderbuchautor, ganz zurecht, wie dieses kleine Meisterwerk ab 4 Jahren verdeutlicht.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Magischer Reihenauftakt!

Impossible Creatures – Das Geheimnis der unglaublichen Wesen
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Christopher soll die Sommerferien bei seinem Opa in der schottischen Pampa verbringen. Klar gibt es kein Netz und sein Vater hat ihm auch noch streng verboten zum See hinter dem Hügel im Garten zu gehen.... ...

Christopher soll die Sommerferien bei seinem Opa in der schottischen Pampa verbringen. Klar gibt es kein Netz und sein Vater hat ihm auch noch streng verboten zum See hinter dem Hügel im Garten zu gehen.... Als er aus Angst vor einem unheimlichen Angreifer dorthin flüchtet, traut er seinen Augen nicht: ein Baby-Greiff schwimmt dort und er rettet ihn. Sein Opa erklärt ihm auch, dass dieser Greiff in Gefahr ist. Er kommt aus dem Archipel einer versteckten Welt voller magischer Wesen, zu denen man durch den dunklen See am Ende des Gartens gelangt. Genau wie Christopher hat auch er schon immer Tiere magisch angezogen, genau wie auch seine Tochter, Christophers verstorbene Mutter. Es liegt in der Familie, sie sind die auserkorenen Hüter des geheimen Zwischenweges. Auf der Suche nach dem Greiff taucht dann auch noch Mal auf, ein mutiges Mädchen namens Mal mit einem Flugmantel, direkt aus dem Archipel. Sie verdonnert Christopher ihnen zu helfen zurück in das Archipel zu gelangen, um dort den Greiff in Sicherheit zu bringen und all die anderen vom neuen Herrscher zur Ausrottung verdammten magischen Wesen zu schützen. Christopher ist etwas überfordert, erhält von seinem Großvater jedoch zur Hilfe sein Bestiarium des Hüters. Ein Nachschlagewerk über alle magischen Wesen des Archipels, denn dort leben viel mehr als nur Einhörner und Drachen....

Zu Beginn des Buches gewährt uns Tomislav Tomic einen Blick ins Bestiarium der Hüter und das ist ganz schön umfangreich und sehr praktisch. Im Archipel leben so viele unterschiedliche magische Tiere, dass auch ich sie noch nicht alle kannte und es hilft ungemein, wenn man beim Lesen oder Hören immer mal wieder nachschlagen kann, was das denn für Wesen genau waren, die gerade Christopher, Mal und ihren Begleitern das Leben schwer machen. Ich hätte mir allerdings sehr gewünscht, wenn hinter den jeweiligen Wesen in Klammern der Name des jeweiligen Begleiters gestanden hätte, der auch zu diesen Wesen gehört. Christopher und Mal sind sehr sympathisch und man wünscht ihnen gleich viel Glück auf ihrer Flucht, vor ihren (noch) unbekannten Verfolgern.

Markus J. Bachmann liest sehr lebendig und abwechslungsreich, da ich aber bisweilen viele Figuren bisweilen durcheinander warf, konnte es mich nicht so fesseln wie erwartet. Hier wäre ein Booklet echt hilfreich gewesen, weil die Charaktere teilweise auch recht komplizierte, zumindest aber ungewöhnliche Namen haben. Als ich allerdings mal in der Geschichte und ihren magischen Herausforderungen angekommen bin, war es nicht nur magisch, sondern auch aufregend und sehr viel tiefgründiger als gedacht. Ich war übrigens endlich mal froh, ein Jahr Latein gelernt zu haben, damit hatte ich den jungen Helden was voraus ;) Die Geschichte ist eigentlich abgeschlossen und doch eröffnet sie die Möglichkeit für weitere Abenteuer für den künftigen Hüter des Zwischenweges.

Magisch, tiefgründig, sehr komplex ab 10 Jahren. Ein aufregender Reihenauftakt mit vielen Fans weltweit.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Sehr umfangreich, Life-Hacks gewünscht

Das große Gemüse- und Obstgartenbuch
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Die Sonne scheint und es wird milder, der Garten ruft! Und wer sich bewusst gesund ernähren will und einen eigenen Garten hat, baut Gemüse, Obst und Beeren selbst an. Dabei kann man intuitiv vorgehen, ...

Die Sonne scheint und es wird milder, der Garten ruft! Und wer sich bewusst gesund ernähren will und einen eigenen Garten hat, baut Gemüse, Obst und Beeren selbst an. Dabei kann man intuitiv vorgehen, auf die Anleitungen der neu gekauften Produkte vertrauen, oder planvoll vorgehen. Tatsächlich bin ich ja eine SchönWetterGärtnerin und lasse meinen Garten im Winter ruhen, aber auch dieses Buch weist mich schon mittels des Arbeitskalenders in der Buchklappe, der aufzählt welche Arbeiten in welchen Monaten zu erledigen sind, dass die Arbeit nicht erst mit dem Sonnenschein beginnt, sondern im Januar und Februar wegen der Schonzeit der brütenden Vögel noch schnell der Baum- und Heckenrückschnitt zu erfolgen hat, führt Allgemeines auf, was nun gesät und gepflanzt werden sollte, welche Pflege- und Versorgungsmaßnahmen nun anstehen und was man nun ernten und genießen kann (dieser Punkt fällt erwartungsgemäß übersichtlich aus). So werden stets 2 Monate zusammengefasst und ein Plan für den richtigen Zeitpunkt für erforderliche und begehrte Arbeiten erstellt, denn beim Gärtnern kommt es nicht nur auf die richtigen Pflanzen für das richtige Klima, sondern auch die Bodenbeschaffenheit, den Standort und natürlich den richtigen Zeitpunkt an....

Im übrigen gliedert sich das Buch grob wie folgt:
-Inhaltsverzeichnis
-Planung, Einrichtung, Zubehör
-Vorbereiten und Anlegen
-Gemüse und Kräuterpraxis
-Obstgartenpraxis
-Pflanzenschutz im Nutzgarten
-Gemüse- und Kräuterporträts
-Obstporträts
-Register

Da das Buch mit 336 Seiten sehr umfangreich ist, habe ich mich auf die Grobgliederung beschränkt, wobei das Inhaltsverzeichnis natürlich auch mit der deutlich feineren Unterteilung einen besseren Überblick gewährt, wenn man einen speziellen Punkt sucht. Ganz spezielle Begriffe kann man natürlich im Register nachschlagen.

Neben den Gemüse-, Kräuter- und Obstporträts finde ich den Pflanzenschutz im Nutzgarten sehr praxisnah und hilfreich. Wirklich umfassend und sorgfältig werden hier die jeweiligen Pflanzen bzw. Früchte mit Bild vorgestellt. Wobei ich erstaunt war, Feigen bei Beerenobst statt bei Früchten zu finden. Darüber habe ich bislang tatsächlich nicht nachgedacht. Wenn man guten Gewissens genießen will, was man selbst angebaut hat, dann sollte man Schädlingen so sanft wie möglich zu Leibe rücken, wobei natürlich auch die heimischen Nützlinge gepflegt werden sollten. Das Kapitel zu den Schädlingen und Krankheiten ist sehr umfangreich und wirklich hilfreich in der Bestimmung des Schädlings oder der Art des Schadens. Neben dem Hinweis auf resistente Sorten und die negativen Folgen des Klimawandels hätte ich mir hier allerdings auch ein paar mehr alte Hausmittelrezepte gewünscht. Hier finde ich die Abhilfehinweise doch sehr allgemein gefasst.

Auch wusste ich nicht, dass es für einigen Befall tatsächlich eine Meldepflicht gibt, vor allem in Österreich und der Schweiz. Mangels Kenntnis hätte ich dieser gar nicht nachkommen können.

Joachim Mayer schreibt gut verständlich und sachkundig. Seine jahrelange Erfahrung von rund 50 Jahren merkt man diesem neuen Standardwerk des Gartenjournalisten und Gärtners deutlich an.

Mit zahlreichen Fotos, Illustrationen und Übersichten ist dieses Buch wirklich ein hilfreicher und unentbehrlicher Begleiter durchs Gartenjahr, nicht nur wenn man seinen Garten gerade neu anlegt.

Das Buch ist prall gefüllt mit nützlichen Tipps, Übersichten, Infos, Planungskalendern und alles was das Gärtnerherz begehrt. Ich bin schon sehr gespannt, ob meine Ernte dieses Jahr reicher ausfällt. Das Gemüse wird zumindest schon mal an einem sonnigen Ort vorgezogen.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Ich liebe es!

Everything We Never Said – Liebe lässt uns böse Dinge tun
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Ella (17) ist am Boden zerstört: vor 4 Monaten starb ihre beste Freundin Hayley bei einem Autounfall, bei dem sie am Steuer saß. Sie kann sich an nichts mehr aus dieser Nacht erinnern und fühlt sich nun ...

Ella (17) ist am Boden zerstört: vor 4 Monaten starb ihre beste Freundin Hayley bei einem Autounfall, bei dem sie am Steuer saß. Sie kann sich an nichts mehr aus dieser Nacht erinnern und fühlt sich nun ohne ihre treueste Verbündete völlig allein und zerfressen von Schulgefühlen. Ausgerechnet Swayer, Hayleys Freund ist ihr nun die größte Stütze, er kann ihren Verlust und ihre Verzweiflung am besten verstehen. Nach und nach verliebt sie sich ausgerechnet in ihn und bekommt nur noch mehr Schuldgefühle. Doch irgendetwas stimmt nicht und sie sucht in Hayleys geheimen Tagebuch nach Antworten, auch wenn es für sie ein Tabubruch ist, ausgerechnet das Tagebuch ihrer besten Freundin zu lesen. Aber es bringt ihr nicht die erhoffte Erlösung, denn was sie dort über S., wie Hayley ihn nur nannte, liest lässt sie mehr als nur zweifeln, es versetzt sie geradezu in Panik. Wäre Swayer dazu wirklich fähig? Alles was sie nun sieht, verwirrt sie noch mehr. Wem kann sie sich nun anvertrauen?

Drei Perspektiven, drei Sprecher. Rebecca Veil übernimmt den Part der verzweifelten Ella, die bislang Little Miss Perfekt war, doch nun aus ihrem alten Muster ausbricht, wohl auch, weil ihre ansonsten überbehütende Mutter in ihrem Unvermögen mit Ellas purer Verzweiflung umzugehen, erstmals, die Zügel lockerer lässt. Sie klingt jung, verletztlich, manchmal zerrissen und bisweilen von ihren Gefühlen überwältigt. Das passt perfekt und dennoch hebt sich ihre Stimme ganz deutlich von der ebenso jungen von Christiane Marx ab, die Hayleys Gedanken in ihrem Tagebuch preisgibt. Die völlig ungleiche Freundin, die aus ganz anderen Verhältnisses kommt, eine Naturgewalt ist und Ella stets mit sich riss. Bis zum Schluss, als sie irgendetwas aufzufressen schien, dass sie noch nicht mal Ella anvertraute, dafür aber ihrem geheimen Tagebuch, von dessen Existenz Ella noch nicht einmal was ahnte. Ob Ella darin Antworten findet? Es fühlt sich falsch an, ein fremdes Tagebuch zu lesen, aber sie ist sich sicher, dass Hayley es bei ihr in Sicherheit wüsste, Hauptsache, ihre Mutter Phoebe liest es nicht. Irgendwie ist es tröstlich auch nach dem Tod ihrer besten Freundin so nochmal deren Stimme in ihrem Kopf zu hören. Es soll ihr auch helfen, Swayer besser zu verstehen, der sie absolut anzieht, aber dessen Verhalten sie auch immer wieder voller Fragen zurücklässt, Fragen, die ihr nur Hayley beantworten könnte. Die dritte Perspektive ist daher Swayers, der nach dem tödlichen Unfall nun ebenfalls ohne seine engste Vertraute dasteht. Er spürt die Leere und wird doch magisch von der zerbrechlichen Ella angezogen, mit der er zuvor schon so viel Zeit verbracht hatte. Elmar Börger verkörpert gekonnt den ebenso einfühlsamen, wie irritierenden, als auch sexy Swayer und schickt uns in ein Wechselbad der Gefühle. Richtig gekonnt lenkt er gemeinsam mit Autorin Sloan Harlow unsere Gedanken und Gefühle von Sympathie und Mitgefühl zu... das will ich nicht verraten, aber die drei sind wirklich ein wirklich super eingespieltes Team.

Willkommen in einer Gefühlsachterbahn, die wirklich keine Gefühlsregung auslässt und uns bisweilen ebenso irritiert und verwirrt zurücklässt wie Ella. Wem kann sie eigentlich trauen? Selbst an ihrem eigenen Urteilsvermögen zweifelt sie immerhin, auch wenn langsam Erinnerungsfetzen an die Unfallnacht zurückkommen.

Sehr spannend, sehr dramatisch und sehr gefühlvoll, hat mich dieser Jugendroman echt gepackt. Die Liebesszenen waren gut dosiert, spicy aber nicht zu spicy für die Altersgruppe ab 14 Jahren. Dafür braucht man aber auch ganz gute Nerven, denn hier gibt es einige nicht ganz einfache Themen, neben all den Richtungswechseln und der emotionalen Achterbahnfahrt zu verdauen.

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Tödlicher Corps-Geist!

Wer mit den Wölfen heult. Die Canterbury-Fälle
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Lillys Kollege Matt hat gerade einen neuen Krankheitsschub und gibt ihr einen lukrativen Auftrag als beratende Pschotherapeutin ab: Sie soll in maximal 10 Sitzungen ein Gutachten über die mögliche Diensttauglichkeit ...

Lillys Kollege Matt hat gerade einen neuen Krankheitsschub und gibt ihr einen lukrativen Auftrag als beratende Pschotherapeutin ab: Sie soll in maximal 10 Sitzungen ein Gutachten über die mögliche Diensttauglichkeit des PS Martin Gordon erstellen, der im Einsatz einen Kollegen angeschossen hat. Da er nicht zum ersten Mal innerhalb der letzten 6 Monate auffiel, steht für ihn nun alles auf dem Spiel. Während ihrer Sitzungen, wird er ihr immer sympathischer, dort sie spürt auch, dass er etwas verheimlicht, vielmehr als seine extremen Konflikte mit Jeff Clark, den er anschoss. Doch ehe sie ihren Auftrag erfüllen kann, nimmt Martin sich das Leben und fordert in seinem Abschliedsbrief auf, Lilly Brown die Umstände seines Todes zu ermitteln. Ein Auftrag, dem Lilly nur allzu gerne nachkommt und dabei auf eine entsetzliche Entdeckung stößt. Doch auch Sozialarbeiterin Mabel hat ihr einen neue Fall verschafft. Sie soll sich der 22 jährigen Gerry annehmen, die kurz nach dem Verlust ihres ersten Babys durch plötzlichen Kindstod, erneut schwanger ist und von Sorgen geplagt wird, dass es sich wiederholen könnte. Diese Therapie fällt ihr sehr schwer, gerade jetzt wo Jocelyn, die Noch-Ehefreund ihres Partners, des Profilers Dan schwanger ist und ihre Spielchen mit ihm treibt.

Da kommt wieder einiges auf die junge Psychotherapeutin und forensische Fallanalytikerin Lilly Brown zu, sowohl privat, als auch beruflich. Denn Lilly war ja einst selbst Teil der MET und kennt den dortigen Corps-Geist und die Schikanen weiblicher Polizistinnen, die von viel zu vielen ihrer männlichen Kollegen nur verächtlich Flintenweiber genannt werden, nur zu gut. Da kommen wirklich unangenehme Erinnerungen hoch, die Lilly mit ihren neuen Patienten nicht so recht in Einklang bringen kann. Je näher sie den Hintergründen zu Martin Gordons Schüssen auf seinen Kollegen kommt, desto überzeugter ist Lilly, dass da eine ganz große Schweinerei vertuscht wurde und Martins das nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte. Die Einblicke in die Strukturen innerhalb der Polizeibelegschaft sind ebenso erschütternd wie erschreckend. Wer allerdings Presseberichte über den Zustand der MET und anderer Dienststellen in England verfolgt hat (und ich will damit nicht sagen, dass bei uns immer alles perfekt ist), der weiß, dass die Autorin dies nicht an den Haaren herbei gezogen hat, sondern es sich leider an realen Vorfällen orientiert. Das macht diese Thematik aber vielleicht nur umso interessanter!

Ihr Partner Dan ist da ganz anders und sehr viel respektvoller und einfühlsamer. Ehrlich, Lilly? Es gibt einies, woran sie zu knabbern hat, aber irgendwie scheint es sie nie zu stören, dass Dans Ehefrau, von der er sich angeblich getrennt hat, 2 mal von ihm schwanger wird, obwohl er behauptet, da sei nichts mehr und er habe sich nur für sie entschieden.... Also, unter uns... ich wurde nicht durch Windbestäubung schwanger, ich war daran durchaus beteiligt. Ich finde die Charaktere wirklich gut ausgearbeitet (kein Wunder, immerhin ist die Autorin ja selbst Psychologin), aber dass sich Lilly daran nicht stört, ist mir unbegreiflich. Natürlich ist niemand perfekt, aber Dan ist nicht nur deswegen weit davon entfernt, ein akzeptabler Partner zu sein.

Ansonsten gefällt mir diese Reihe allerdings ausgesprochen gut, gerade wegen der psychologischen Komplexität. Gerade das Thema des plötzlichen Kindstods finde ich interessant, weil ich in meiner Zeit im Jugendamt von Brighton & Hove einen recht ähnlichen Fall hatte. Aber da möchte ich nicht spoilern, ich finde es aber auch jenseits der Schwangerschaft interessant. Dans familiäre Situation ist heftig und ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, dass das Familienrecht in England auch im Sorgerecht so völlig anders ist, als bei uns: bei uns ist es für einen ehelichen Vater schier unmöglich, kein gemeinsames Sorgerecht zu haben. Das muss ihm schon gerichtlich entzogen werden, aufgrund ganz gravierender Umstände zugunsten des Kindeswohls (nee nee, Haft und Sucht reichen da nicht aus, selbst Gewalt nicht zwangsläufig). Die Familienrichter können dort aber wirklich ziemlich frei über Hab und Gut der Eheleute entscheiden.

Nach und nach kommt Lilly einer teuflischen Verbrüderung, die sogar Kapitalverbrechen vertuscht auf die Spur. Dabei geht sie gründlich und detailliert vor, so dass man nie den Faden ihrer Gedanken verliert und alles logisch ist, selbst ganz am Schluss, als Lilly Martins letzten Willen mehr als nur erfüllt.

Sehr geschickt finde ich den perspektivischen Einstieg in Tessa Duncans Erzählweise gewählt, da sie mit den Erwartungen und Vorurteilen der Zuhörenden spielt... Ich bin da echt aufs Glatteis gefhrt worden.

Heike Warmuth übernimmt Lillys Ermittlungen wieder voller Wärme und Entschlossenheit. Man hört ihr aber auch bisweilen ihre Entschlossenheit und ihre Sorge, auch um ihre Katze an. Insgesamt finde ich ihre Interpretation sehr lebendig und absolut überzeugend.

Für Fans anspruchsvoller Krimiunterhaltung mit Brit-Flair und psychologischen Einblicken sehr zu empfehlen.

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