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Veröffentlicht am 29.02.2020

Die Ungeliebten in der Stadt der Liebe

Lacroix und die Toten vom Pont Neuf. Sein erster Fall
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Lacroix und die Toten vom Pont Neuf, Alex Lépic, gelesen von Felix von Manteuffel, DAV, 5 CDs 6 h 18 min. ungekürzt

Commissaire Lacroix ist der wohl bekannteste Ermittler von Paris und seine Schrullen ...

Lacroix und die Toten vom Pont Neuf, Alex Lépic, gelesen von Felix von Manteuffel, DAV, 5 CDs 6 h 18 min. ungekürzt

Commissaire Lacroix ist der wohl bekannteste Ermittler von Paris und seine Schrullen sind legendär, ebenso wie sein Spitzname Maigret. Ja, er liebt seinen Mantel, seinen Hut und seine Pfeife, gutes Essen und seine Frau, die Bürgermeisterin des 7. Arrondissement. Vor allem liebt er es sich in die Fälle hineinzuspüren und sie mit Köpfchen, statt mit Technik zu lösen. Von Technik hält er wenig, allen voran von Handys, sie nehmen einem die Ruhe zum Nachdenken, wenn man immer und überall erreichbar ist, handelt oder redet man auch bisweilen ein wenig vorschnell. So sind seine Eigenheiten und Routinen bekannt und wer ihm etwas mitteilen möchte hinterlässt eine Nachricht in den Bistros und Bars in denen er regelmäßig verkehrt. Dabei kann er Informanten auch gleich mit einem guten Essen auf Kosten der Préfecture bezahlen. In diesem Fall gibt es eine Menge von ihnen, die schon lange nichts Gutes mehr auf einen Teller bekommen haben. Denn ein Clochard Mörder scheint unter Pont Neuf umzugehen, so wie damals vor 30 Jahren. Doch Lacroix hat auch dann noch Zweifel an der These, als ein weiterer Clochard und ein versoffener Handwerker am Ufer der Seine ermordet werden.

Lacroix vertraut auf sein Bauchgefühl und damit dieses ihn nicht trügt, muss er es regelmäßig füttern, meistens in stilvollen oder urigen Pariser Lokalen, denn seine Frau kann bei weitem nicht so gut Kochen, wie die von Maigret, aber selbst Dominique ist nicht perfekt. Während ganz Paris in Hysterie verfällt, behält Lacroix einen kühlen Kopf. Er wägt die Gemeinsamkeiten der Toten und die Unterschiede ab, die der Presse zu entgehen scheinen. Bis zur Lösung des Falles, will er sich nicht festlegen, sondern bleibt für alle Möglichkeiten offen, insbesondere, da sich so kleine Ideen in seinem Gehirn verbeißen, sich aber für lange Zeit nicht so recht zeigen möchten. Mit Entschleunigung lassen sich solche Gedankenblitze besser packen, daher ist er ein leidenschaftlicher Fußgänger, der beim Fahrstil seiner Mitarbeiter regelmäßig zu beten beginnt, auch wenn das eigentlich der Job seines Zwillingsbruder Pierre Richard, einem Priester ist. Da Lacroix die Métro meidet und meist zu Fuß oder mit dem Bus unterwegs ist, bekommt man eine Menge des Pariser Flairs und seiner schönsten Ecken mit. Man taucht mit ihm mitten ins Pariser Leben ab, nicht nur Bistros und Restaurants, auch die Kirche, die Pont Neuf, unter der sich nachts die von der Gesellschaft verstoßenen versammeln, das noch immer nach einem Brand geschlossene Nobelkaufhaus Samaritaine, die Seine... es vermittelt einem das Gefühl von Urlaub für die Ohren. Auch wenn Lacroix mit moderner Technik nichts anfangen kann und er nicht gerne Auto fährt, ist dies kein Cosy Crime und auch nicht altmodisch. Es ist ein Krimi im klassischen Stil, aber mit modernen Problemen und Verbrechen, tradiert und doch auch zeitgemäß. So wird immer wieder auf Aufnahmen von Überwachungskameras zurückgegriffen, die allerdings nachts in dunklen Ecken die fehlenden Augenzeugen nicht ersetzen können. Da passt Sprecher Felix von Manteuffel prima als Sprecher. Wie Lacroix ist er nicht mehr ganz jung, aber alles andere als tatterig, flexibel und immer für eine Überraschung gut. So klingt der erfahrene Schauspieler ganz nach einem französischen Bon Vivant mit Esprit, oder eben nach einem kasachischen Ganoven, einem eingewanderten Mechaniker, einem Priester.... Er ist ausgesprochen vielseitig, ohne zu übertreiben, sondern trifft genau den Ton. Dabei klingt er lebendig und vermag die Stimmung einzufangen und das Kniffelige und kaum Lösbare hörbar zu machen. Ein richtig interessanter Fall mit mindestens ebenso interessanten Charakteren und jeder Menge Pariser Flair. Es hilft sicherlich, wenn man wenigstens ein bißchen Französische spricht, um sich die Namen und Orte besser merken zu können.
Autor Alex Lépic wurde 1980 in Paris geboren, wuchs in Deutschland auf und fährt so oft wie möglich nach Paris, wo stets ein Zimmerchen auf ihn wartet. An seinen neuen Fällen arbeitet er dann aber doch lieber in den dortigen Cafés.

Ein kniffliger Krimi mit viel französischem Flair, hervorragend gelesen, den ich sehr gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 27.02.2020

Ein magisches Familiengeheimnis

Die Wunderfabrik – Keiner darf es wissen!
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Die Eltern von Winnie (12), Cecilia und Henry (5) sind Forscher und immer viel unterwegs und ständig am Umziehen. Logisch, dass die Geschwister richtig gut zusammenhalten, wenn immer wieder neue Nannys ...

Die Eltern von Winnie (12), Cecilia und Henry (5) sind Forscher und immer viel unterwegs und ständig am Umziehen. Logisch, dass die Geschwister richtig gut zusammenhalten, wenn immer wieder neue Nannys auf sie aufpassen, während ihre Eltern unterwegs sind. Doch dieser neue Forschungsauftrag in Brasilien kommt so überraschend, dass auf die Schnelle keine Nanny in London aufzutreiben ist und die Kinder erstmals zu ihren Großeltern nach Wales gebracht werden. Dieses Kaff am Meer ist wirklich das Letzte! Ohne Internet und fast ohne Bewohner, weil die meisten bereits weggezogen sind, doch könnte es dennoch ganz nett werden, wenn sie nicht ständig unter Bewachung, zu ihrem eigenen Schutz stünden! Wovor bitte schön, sollen sie denn hier geschützt werden, da verirrt sich doch nun wirklich niemand hin! Außerdem ist alles, was interessant erscheint, in der riesigen Villa verboten: der 1. Stock, der 3. Stock, der 4. Stock, der Schuppen, der Taubenschlag, der Garten….. Natürlich lassen sich die drei nicht so einfach von ihren Erkundungen abbringen und als sie erwischt werden, müssen sie fortan in der großelterlichen Lakritzfabrik schuften, stets unter dreifacher Aufsicht, durch die eigenwilligen Hausangestellten, von denen eine blind, einer kleinwüchsig und eine taub und stumm ist. Bei diesen Arbeiten bekommt Winnie plötzlich das unwiderstehliche Bedürfnis selbst Süßigkeiten zu kreieren, mit einem überraschenden Ergebnis!
Man lernt eine außergewöhnliche Familie kennen und stellt fest, dass deren drei Kinder so oft auf sich allein gestellt sind, dass sie schon sehr früh selbstständig und äußerst pfiffig geworden sind. Wie sie selbst so treffend feststellen: Sie haben sich selbst ausgesprochen gut erzogen!
Die alte Villa ihrer Großeltern ist riesig und die meisten Räume sind extrem verboten. Doch nicht nur das, jeglicher Spaß scheint ihnen verboten zu sein, nur Regeln, keine Freuden und noch nicht einmal gutes Essen oder herzliche Worte oder Gesten. Es ist schlichtweg unerträglich! Daher ist es umso erstaunlicher, dass ausgerechnet Henry der Jüngste anfangs nicht zurück nach London möchte. Er scheint das Urvertrauen in Oma und Opa noch nicht verloren zu haben. Anders steht es mit seinen älteren Schwestern, die sich die Einschränkungen nicht gefallen lassen wollen und so den Zuhörer mit auf eine spannende Reise durch die verbotenen Gänge und Räume des Anwesens nehmen. Jeder Versuch ihre Situation zu verbessern, scheint sie nur noch schlimmer zu machen, bis eines der Kinder eine ungeahnte Fähigkeit an sich entdeckt. Mittels dieses Talents können sie alles an ihrem Aufenthalt ändern, aber dafür dürfen die Großeltern nichts davon wissen! Denn das Familiengeheimnis hat den Kindern bislang niemand verraten und komplett erfahren sie es auch in diesem Auftaktband noch nicht. Offengelegt wird lediglich das besondere Talent, das einige Familienmitglieder auszeichnet, aber bis zum Schluss bleibt es spannend, wer die Familie bedroht und warum. So scheint sich dieser Band zu schließen und alles in Wohlgefallen aufzulösen, doch so einfach ist es nicht, die unbekannte Bedrohung bleibt, auch wenn die Identität offenbart wird und mit ihr das Warten auf eine Fortsetzung.
Die Geschichte mutet etwas märchenhaft mystisch an. Es werden Elemente des Fantasyromans geschickt mit Märchen verknüpft, so dachte ich sogleich an Hänsel und Gretel, als die Kinder zu den kaum bekannten Großeltern geschickt wurden, ohne Möglichkeit zur Flucht. Mit leichter Hand erzählt Stefanie Gerstenberger diese Fantasy für Kinder, so dass die Spannung zwar aufgebaut wird, aber ohne Brutalität, so dass Kinder es gut aushalten können. Gut, der Hunger ist schwer zu ertragen und die Großeltern sind so barsch und hart zu Beginn, dass ich ihnen als Kind sicher nicht verziehen hätte, aber schnell finden die Kinder Abhilfe. Die junge, stets freundliche Stimme von Carolin Sophie Göbel hat es etwas Magisches, Traumhaftes, das einen für sie einnimmt. Sie ist wunderbar wandelbar und passt sich den Charakteren an, die durchaus sehr verschieden sind. So gelingen ihr die emotionale Winnie, der zurückhaltende, süße Henry, die verkniffene Großmutter und die spanische, blinde Hausangestellte/Bewacherin gleichermaßen gut. Sie fühlt sich stimmlich in sie hinein, mit dem richtigen Maß, ohne sie zu überzeichnen.
Ein geheimnisvoll magischer Auftakt, der neugierig auf die Fortsetzung macht!

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Veröffentlicht am 26.02.2020

Cooler, magischer Mädchenspaß

Vier zauberhafte Schwestern. Das Original-Hörspiel zum Film
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Cantrip Towers ist kein gewöhnliches altes Haus, nein in seinem Keller wohnt die Quelle der Magie, die Quelle des Elbenstaubs, die Macht über die vier Elemente hat. Sobald vier Geschwister dieses Haus ...

Cantrip Towers ist kein gewöhnliches altes Haus, nein in seinem Keller wohnt die Quelle der Magie, die Quelle des Elbenstaubs, die Macht über die vier Elemente hat. Sobald vier Geschwister dieses Haus bewohnen und das jüngste Kind 9 Jahre alt wird, ist die Kraft vollständig erwacht, sofern die vier Geschwister zusammen halten. In der Vergangenheit wohnte dort die pinkhaarige Brenda, die stärkere Kräfte hatte, als die anderen der Familie und alle Macht an sich reißen wollte. So funktioniert Magie nicht und die Quelle versiegte, bis eine neue Familie dort ihr Heim einrichtete. Die Schwestern Flame, Marina, Flora und Sky verstehen sich super und harmonieren auch beim Singen bestens zusammen, weshalb sie ihre Acappella Formation Sista Magic nennen. Am 9. Geburtstag der Jüngsten haben sie einen Auftritt bei einem Gesangswettbewerb und Sky entdeckt ihre Magie. Doch auch Brenda bleibt das Wiedererwachen des Zaubers nicht verborgen und sie versucht mit allem, was in ihrer Macht steht, bzw. worüber sie Magie hat, Cantrip Towers und die Elbenstaub Quelle in ihren Besitz zu bekommen. Hierfür ist ihr jedes Mittel recht und sie streut Zwietracht....

Wir kennen die Buchvorlage nicht, so dass wir nicht beurteilen können, inwiefern der Film mit dem Buch korrespondiert. Aber alle Mädels die bei mir im Auto mithörten (12, 11 und 10) fanden es cool und wollten es gleich ausleihen... Das Hörbuch zum Film enthält auch alle Filmsongs, wobei diese bis auf den Schlusssong gekürzt sind. Sie kommen aber dennoch bei der Zielgruppe gut an und ich konnte auch mit ihnen leben: kein Autoverbot! Gefällig harmonischer Pop mit deutschen Texten zu Themen von Kindern an der Schwelle zur Pubertät.

Die Mitschnitte vom Film mit den Originalstimmen u.a. von Katja Riemann als Brenda und Justus von Dohanyi als ihr verhexter Chauffeur wider Willen, sowie Anna Thalbach als der ehemaligen Haushälterin von Cantrip Towers Mrs. Duggery sind lebendig, können einem aber nur den Film vor Augen führen, dank Erzählerin Inga Reuters, die für die Ohren die Lücken dessen füllt, was man ihm Film sehen, aber nicht hören kann. Das macht sie sehr geschickt, so dass man den Film zu sehen scheint, ohne dass sie sich ins Bewusstsein drängt.

Neben der Magie und der Spannung sorgt ein wenig Slapstick für Aufheiterung, ohne allzusehr ins Klamaukfach abzudriften. Es ist eine sehr Youngster-gerechte Dosis, damit das Kichern die Spannung lockert. Diese Schwestern sind einfach magisch, aber das ist gar nicht mal so sehr das Besondere an ihnen, sondern vielmehr, dass sie so gut miteinander harmonieren, nicht nur stimmlich. Sie streiten sich kaum, haben sie selben Ziele und streben so einen Sieg mit selbstkomponierten Songs im Talentwettbewerb an. Ja, Schwestern, die nicht streiten sind schon eine Seltenheit. Allerdings kann Brenda das so nicht lassen, doch letztlich wissen die vier was sie aneinander haben und was ihre Prioritäten sind. Das ist schon beeindruckend, wie sie sich letztendlich entscheiden.

Hörkino für Kids mit eingängiger Musik und einer magischen Geschichte um Zusammenhalt.

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Veröffentlicht am 26.02.2020

Spannender, gruseliger Einstieg in die Bestsellerreihe

Amulett #1
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Dieser #1 New York Times Bestseller ist bereits mit sechs Bänden in den USA in den Bestsellerlisten vertreten, nun ist der Auftaktband dieser Graphic Novel Reihe ab 10 Jahren auch in Deutschland erhältlich.

In ...

Dieser #1 New York Times Bestseller ist bereits mit sechs Bänden in den USA in den Bestsellerlisten vertreten, nun ist der Auftaktband dieser Graphic Novel Reihe ab 10 Jahren auch in Deutschland erhältlich.

In einer frostigen Winternacht verunglückt das Auto mit Emily und ihren Eltern, der Vater stirbt. Ohne ihn, hat die Mutter es schwer sich und die Kinder Emily und Navin alleine durchzubringen. Die Mieten in der Stadt sind einfach zu hoch. Als Ausweg ziehen sie in das seit Jahren verlassene Haus von Emilys Urgroßvater Silas, der nach dem Tod seiner Frau spurlos verschwand. Als sie in der Kleinstadt ankommen, stellen sie fest, dass das Haus nicht nur unglaublich dreckig, sondern auch echt unheimlich ist. Sie fühlen sich irgendwie beobachtet. In der Bibliothek des Hauses findet Emily in einem Geheimversteck ein geheimnisvolles Amulett, das sie sich gleich umhängt. Navin schwankt zwischen Neid und Grusel. Als sie gemeinsam in den Keller des Hauses gehen, wird ihre Mutter von einem ekeligen Monster entführt. Das Amulett spricht nun Emily an, dass sie und ihr Bruder unbedingt zusammen bleiben müssen und ihr folgen, wenn sie ihre Mutter noch mal wieder sehen wollen. Völlig überfordert nehmen die zwei die Verfolgung auf und landen in einer unbekannten Welt voller Gefahren und unheimlicher Wesen.

Für meine Tochter (10) und mich, war es unsere erste Graphic Novel, aber da sie nicht gerne liest, dachte ich mir, probieren wir es mal. Tatsächlich hat sie Amulett ohne zu Mnurren binnen zwei Tagen beendet. Da war ich dann doch auch neugierig. Es ist wirklich eine Graphic Novel, das heißt, dass ein Großteil der Geschichte nur über die Bilder und ohne Text erzählt wird. Dafür sind die Illustrationen auch wirklich ausdrucksstark und ausgearbeitet, nicht unbedingt die Gesichter, aber die Umgebung, mit all seinem Grusel. Die düstere Stimmung wird unglaublich eindrücklich eingefangen und auch sonst merkt man, dass auf die Illustration viel Wert gelegt wird. Viele Comic-Romane finde ich etwas lieblos illustriert, hier merkt man, dass diese gerade im Vordergrund steht und die Gefühle erzeugen soll.
Die Geschichte ist richtig unheimlich, geheimnisvoll und gruselig. Empfohlen wird sie ab 8 Jahren, das finde ich doch etwas früh, 10 Jahre fände ich besser. Meine Tochter, die Bilderbücher liebt und auch sonst recht schreckhaft ist, hatte allerdings erstaunlicherweise keinerlei Probleme mit den zum Teil recht grausamen Szenen. Das rosa Kaninchen auf dem Cover führt einen da vielleicht etwas in die Irre, die Tentakel die sich ihren Weg durch die sich öffnende Tür bahnen, unterhalb des Titels, treffen die Stimmung der Geschichte besser. Übrigens handelt es sich bei dem rosa Wesen nicht um das Plüschtier eines der Kinder, sondern um einen hochkomplexen Computerassistenten: sehr hilfreich, aber nicht niedlich.

Mit diesem Band beginnt das Abenteuer in der unbekannten Welt von Alledia und es endet mit einem Cliffhanger, der alles offen lässt, für die Folgen der Entscheidung, die Emily als die neue Hüterin des Steins gerade getroffen hat.

Meine Tochter fand es super. Sie klappte den Deckel zu und meinte gleich: Und jetzt Band 2. Der erscheint aber erst Ende März. Den darf sie auch lesen, ein richtiges Buch mit mehr Text wäre mir aber lieber. Die Sätze sind recht kurz, oft werden nur Geräusche dargestellt und die Rahmenerzählung wird komplett von der Grafik übernommen. Sehr spannend, sehr gruselig, ein guter Einstieg in die Welt der Graphic Novels, aber ich persönlich mag Bücher mit komplexerer Sprache lieber. Dennoch war ich sehr beeindruckt, wie konzentriert meine Tochter vor dem Buch sitzen blieb, die Seiten betrachtete und der Geschichte folgte.

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Veröffentlicht am 21.02.2020

Magisch, rasant, intrigant mit Wortwitz

Spellslinger – Karten des Schicksals, Teil 1
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Kellen gehört einem mächtigen, magischen Volk an und sein Vater ist einer der Clanlords und höchsten Magiermeister mit Hoffnung Nachfolger des kinderlosen Fürsten zu werden. Doch Kellen hat ein Problem, ...

Kellen gehört einem mächtigen, magischen Volk an und sein Vater ist einer der Clanlords und höchsten Magiermeister mit Hoffnung Nachfolger des kinderlosen Fürsten zu werden. Doch Kellen hat ein Problem, er ist clever und wortgewandt, schafft es immer sich überall durchzumogeln, doch seine magischen Kräfte schwinden, statt zu wachsen. Er hat keine Ahnung woran das liegt. Er weiß nur, wenn er nicht bald die Magierprüfungen besteht, wird er zu seinem 16. Geburtstag in wenigen Tagen nicht seinen Magiernamen bekommen, sondern aller Magie beraubt werden und fortan dem Dienervolk angehören und niedere, unwürdige Aufgaben übernehmen müssen. Mit List und ohne Magie besteht er seine erste Prüfung, doch seine hochbegabte, jüngere Schwester Schalla entlarvt ihn und in ihrem irregeleiteten Vertrauen auf seine vermeintlichen magischen Fähigkeiten bringt sie ihn an den Rand des Todes. Keiner der umstehenden Magier und Magierinnen/Heilerinnen vermag es ihn zurück ins Leben zu holen. Da taucht auf einmal Ferius Parfax, eine Kartenspielerin mit roter Wallemähne und ohne jegliche Magie auf und schafft, was allen anderen nicht gelingt. Dennoch sind alle außer Kallen misstrauisch ihr gegenüber und halten sie für eine Spionin. Als sich die Lage für Kellen immer mehr zuspitzt, schließt er sich Ferius und der gefürchteten Baumkatze Reichis an, um den ihn bedrohenden Geheimnissen auf den Grund zu gehen.
Dies ist der Auftakt zu einer Fantasyreihe, die im Englischen bereits mit allen 6 Bänden vollständig erschienen ist. Sie entführt in eine Welt der Magie, der Intriegen, des Verrats, der Stände und der Volksdünkel. Toleranz gegenüber scheinbar unterlegenen Völkern oder Ständen ist nicht vorgesehen. Es ist der Nährboden für Krieg und Untergang. Aber erst einmal lernt man diese Welt kennen, Kellen, den Unglücksraben innerhalb eines der mächtigsten Clans, seine Familie, seine Freunde seine Feinde und lernt damit auch indirekt die Eigenheiten dieser Welt kennen. Auch wenn seine Magie zu wünschen übrig lässt, so doch nicht sein Geschick mit Worten und seine Fingerfertigkeit. Es lässt schmunzeln, dass ausgerechnet ein Volk, dass der Magie vertraut, Karten gegenüber so misstrauisch ist. Kellens Geschick mit seiner Zunge sind daher auch mit die besten Pointen zu verdanken, wobei ich Feirius trockene Art auch immer wieder einfach cool finde. Kellens Schwester Shalla ist da ganz anders, als ihr verunsicherter Bruder. Sie ist so überzeugt von sich und ihrer außerordentlichen Begabung, dass sie es nicht schafft, sich die Probleme ihres Bruders auch nur ansatzweise vorzustellen. In dieser Hinsicht ist Kellen ihr weit überlegen und so lernt man mit ihm viele mächtige Persönlichkeiten kennen, die allein der Kraft seines Verstandes vertrauen und ihm die Macht dieser seiner Gabe zeigen. Das macht ihn unglaublich sympathisch, auch wenn viele ihnen als Loser verachten. Doch sein Mut lernt sie das Fürchten. Wenn man sich ganz auf die Geschichte einlässt, merkt man, dass sie auch eine Menge Gesellschaftskritik über Privilegierung, Gleichheit und Toleranz enthält, denn es geht um Macht und Unterdrückung. Eine interessante Kombination aus Spannung, Action, Charakter- & Weltenstudie und Wortwitz prägt diesen Auftaktband, ab 12 Jahren.
Dirk Petrick klingt jung und hat eine emotional ausdrucksstarke und wunderbar wandelbare Stimme. Mal klingt er erstaunt, verunsichert, verängstigt oder entschlossen. Man hört es ihm an und nicht nur den von ihm erzählten Worten, besonders den trockenen Humor vermag er geschickt zu vermitteln.
Die schlanke Pappklapphülle ist ein echter Hingucker. Die Spielkarte auf dem Cover zeigt die beiden Protagonisten dieses Bandes und durch ihre Anordnung auf dem Blatt, erkennt man, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Kartenspiel handelt. Natürlich hat es mir ganz besonders das abgedruckte Zitat von Ferius Parfax angetan „Ich bin eine Frau, mein Junge. Wahrscheinlich bist Du in diesem zurückgebliebenen Kaff noch nie einer begegnet. Aber eine Frau ist genauso wie ein Mann, bloss schlauer und mit mehr Mumm.“ Auf diese besondere Frau trifft es absolut zu, eine starke Heldin und Antiheldin zugleich.
Ein spannendes Abenteuer in einer fremden Welt, voller Magie, Ungleichheit und Verrat. Spannend und wortwitzig, nicht nur für Kartenspieler.

 

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