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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2019

Sehr spannend, geheimnisvoll und fantastisch

Die Schule der Alyxa. Morvans Erbe
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Nach seinem aufregenden ersten Schuljahr auf Alyxa, einer geheimen Internatsschule auf einer versteckten Insel für Kinder und Jugendliche mit geerbten Supersinnen und besonderen Fähigkeiten, kehrt der ...

Nach seinem aufregenden ersten Schuljahr auf Alyxa, einer geheimen Internatsschule auf einer versteckten Insel für Kinder und Jugendliche mit geerbten Supersinnen und besonderen Fähigkeiten, kehrt der 13 jährige Finn mit seinem älteren Bruder Finn nach den Sommerferien auf Alyxa zurück. Den ganzen Sommer über haben ihn Albträume von dem legendären dunklen Druiden Morvan, des vor Jahrhunderten getöteten Vertreters des verbannten sechsten Sinns geplagt. Auch dem sonst so strahlenden, allseits beliebten John stecken die Erlebnisse des letzten Jahren noch in den Knochen. Doch auch die Schulleitung ist sich im Klaren darüber, dass sich dunkle Mächte zusammenbrauen und die Schule bedrohen. Sie haben sich Verstärkung vom Stiftungsrat geholt und Finn wird den Eindruck nicht los, daß er unter der besonderen Beobachtung des Dekans steht. Ob dieser ahnt, daß sich bei ihm Anzeichen des gefährlichen sechsten Sinns gezeigt haben? Ausgerechnet bei Finn, demjenigen bei dem sich bislang noch keine Gabe offenbart hatte und der daher bislang keinem Sinnesclan zugeordnet war? Wird er auch dieses Jahr wieder einer derer sein, die herablassend „Blindgänger“ genannt werden? Finn spürt die Gefahren zunehmen und beobachtet immer mehr unheilvolle Anzeichen einer ernsthaften Bedrohung.

Die düstere Stimmung steigt, so wie auch die Gefahr zunimmt. Während Finn sich letztes Jahr in der Blindgängergruppe gut aufgehoben fühlte, hat es die Freunde nun in verschiedene Clans verschlagen. Dafür ist ausgerechnet Finns Wiedersacher und ehemaliger Clanführer Xander in der Fördergruppe gelandet, weil er seine Fähigkeiten verloren hat. Das entspannt die Lage nicht unbedingt. Auch mit Lucy scheint sich eine Missstimmung eingeschlichen zu haben, die ihn belastet, aber gegen die er wohl scheinbar nichts tun kann, weil die aufziehenden Dunklen Mächte seiner gesamten Aufmerksamkeit bedürfen. Diese Folge knüpft an den ersten Teil „Morvans Erbe“ an, ist aber noch düsterer und bedrohlicher, allerdings mehr im Sinne von spannend und geheimnisvoll, als deprimierend und traurig. Die Verstrickungen, in die Finn verknüpft wird, ziehen den Hörer in den Bann. Von allen Seiten scheint ihm Gefahr zu drohen und nach und nach erfahren die Brüder auch mehr über ihren verstorbenen Vater. Denn nun tritt auch John in den Fokus des Dekans und die Brüder rücken enger zusammen. Auch wenn die Blindgängergemeinschaft nicht mehr die alte ist, werden bleiben sie einander nahe. Finn schwirrt der Kopf vor all den neuen Informationen und Beobachtungen und auch als Zuhörer ist Konzentration gefragt, damit man kein wichtiges Detail versäumt, das zum großen Ganzen ein wichtiges Puzzleteil zusteuern kann. Es lohnt sich wirklich die CDs nicht nur einmal zu hören, oder vor Beginn sich mit dem erneuten Anhören des ersten Bandes wieder auf Alyxa einzustimmen. Es ist garantiert nicht langweilig und bessere Detailkenntnis macht es um so spannender. Alexander Merbeth hat eine so warme und vielschichtige Stimme, daß ich ihm gerne mehr als einmal zugehört habe und nur nach Gelegenheiten zum Weiterhören gesucht habe. Er verleiht mit seiner Stimme den Personen Tiefe, ohne unnötig zu übertreiben. Er trägt die Geschichte mit seinem Wohlklang und dem nuancenreichen Vortrag, ohne die Geschichte zu erschlagen. Der 1981 geborene Schauspieler mit seiner jungen, sensiblen Stimme ist für mich eine gelungene Wahl für diese Interpretation. Man kennt ihn sowohl aus dem Fernsehen z.B. aus „Morden im Norden“ oder Schiller und kann ihn auch auf Hamburger Bühnen bewundern.

R.L. Ferguson ist ein englischer Fantasyautor, der unter wechselnden Pseudonymen schreibt, u.a. auch J.D. Rhinehart „Die Chroniken von Toronia“.

Eine wirklich packende junge Fantasyreihe ab 11 Jahren. Auch wenn das dunkle, ein wenig martialische Cover wohl mehr Jungs als Mädchen ansprechen wird, ist es durch die tragenden Rollen von Lucy, Zoe und Kylie, für alle Liebhaber spannender Internatsfantasy fesselnd. Sehr spannend und geheimnisvoll, ist es schwer sich ihrem Bann zu entziehen. Das könnte auch an dem fiesen Cliffhanger zum Ende jedes Bandes liegen ;) Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil der Reihe.
Dies ist eine gekürzte Lesung auf 3 CDs mit rund 270 Minuten Spielzeit.

Veröffentlicht am 29.04.2019

Sympathisches Team, aber leider zu vorhersehbar

Perfekte Rache
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Dies ist Lukas Zieringers zweiter Fall nach „Tiefe Stille“. KHK Zieringer war der Shootingstar der Münchner Mordkommission, ehe ihn ein traumatisches Erlebnis völlig aus der Bahn warf und er ein Jahr komplett ...

Dies ist Lukas Zieringers zweiter Fall nach „Tiefe Stille“. KHK Zieringer war der Shootingstar der Münchner Mordkommission, ehe ihn ein traumatisches Erlebnis völlig aus der Bahn warf und er ein Jahr komplett dienstunfähig war. Anschließend ließ er sich in die oberbayrische Provinz versetzen, in der Annahme, dort vor Kapitalverbrechen sicher zu sein. Dies stellt sich auch dieses Mal als Irrtum da. Ein Bergwanderer wird abgestürzt, eingenässt und mit auf dem Rücken gefesselten Händen an einem schwer zugänglichen Abhang gefunden. Seine fröhliche Witwe hat zumindest keine offensichtlich finanziellen Motive, da sie durch ihre bewegte Vergangenheit selbst wohlhabend ist. Doch dann stirbt ein Versicherungsagent, der ebenfalls ein leidenschaftlicher Golfer ist, wie die Witwe des ersten Opfers. Lukas setzt seine wohlhabende Tante Maria als Geheimwaffe ein und lässt sie einen Golfkurs buchen, um Kontakt zur lustigen Witwe aufzunehmen. Er hofft so an verborgene Hintergründe zu gelangen. Eigentlich scheinen die Opfer nichts gemeinsam zu haben, aber der Modus Operandi ist schon auffallend ähnlich und Lukas Zieringer wird von seinem Bauchgefühl getrieben.

Ich bin eigentlich ein großer Fan von zweiten Bänden, da einem die mühselige Einführung erspart bleibt. In diesem Falle leider nicht, aus verschiedenen Gründen: 1. war mir eigentlich schon nach 40 % des Buches klar, wer der Täter war und warum 2. hat mich immer wieder gestört, daß der Psychologe als Arzt bezeichnet wurde. Ein Psychologe mit Approbation ist ein Psychotherapeut, aber kein Arzt. Der entsprechende Arzt ist der Psychiater. Beide fallen unter die Schweigepflicht, wie auch Anwälte und Pastöre in ihrer seelsorgerischen Funktion. Das zieht sich so stark durch den Fall, daß es kein einmaliges Versehen ist, sondern schlecht recherchiert. 3. Strafprozessual kräuseln sich meine Fußnägel vor Beweisverwertungsverboten. 4. Ja, es ist ein Amazonprodukt, damit habe ich kein Problem, aber die Schleichwerbung im Krimi, wenn Tante Maria als Primekundin kostenlose exklusive Prime-Serien schaut, hat mich schon genervt. Es hätte völlig gereicht zu sagen, welche Serie sie schaut, immerhin kommt in anderen Büchern auch Netflix vor, aber nicht dessen Preis ;)

Sprachlich gefällt mir der Stil von Susanne Rößner, von der ich bereits mehrere Krimis mit Begeisterung gelesen habe, aber der Fall war mir diesmal nicht spannend genug und zu vorhersehbar und nicht immer schlüssig. Warum, mag ich wegen einer Spoilergefahr nicht offenlegen. Es gibt zwar manchmal spannende Szenen, aber ich mag es lieber, wenn die Spannung aus dem Fall als solches erwächst und nicht aufgrund einer riskanten Autofahrt durch unwegsames Gelände. So autoafin bin ich einfach nicht. Leider ist mir die Auflösung, auch wenn ich sie erahnt habe, in einem Punkt nicht plausibel, aber dass hieße spoilern.

Auch die Charaktere gefielen mir im ersten Band besser. Es konzentriert sich für meinen Geschmack zu viel auf Super-Lukas. Das kurze Aufblitzen von guten Reaktionen von Tante Maria und der jungen Uniformierten Kira ist mir da einfach zu wenig. Chef-Fiedler lässt seinem neuen Star-Ermittler zu sehr freie Hand. Sehr gut gefiel mir jedoch Tante Marias Einstellung Menschen nach Charakter und nicht nach ihrem Status zu beurteilen. Mir ist Lukas Zieringer nicht plötzlich unsympathisch geworden, aber die Verschiebung des Fokus hat mir nicht so gefallen. Dafür habe ich mich gefreut, viele bekannte Personen aus dem Vorgängerband wieder zu lesen, auch wenn z.B. die Pathologin diesmal etwas kurz kam und der dritte Hobbyermittler aus dem Auftaktband ganz fehlte. Tante Maria erinnert mich immer ein wenig an „Mord ist ihr Hobby“ und gibt den ansonsten nicht auf gemütlich gemachten Fällen einen cosy-touch.

Auch wenn mich dieser Band nicht überzeugen konnte, mag ich die Personen und die bisherigen Bücher der Autorin doch so gerne, daß ich einem 3. Fall noch eine Chance geben würde.

Veröffentlicht am 29.04.2019

Sehr witziger Krimi aus dem Märchenreich

Holunder Trotz
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In der Märchenwelt sind Trolle den meisten Bewohnern suspekt. Doch der große starke Troll mit Tolle Holunder Trotz arbeitet daran, daß zu ändern. Er ist staatlich anerkannter und vom staatlichen KonTrollAmt ...

In der Märchenwelt sind Trolle den meisten Bewohnern suspekt. Doch der große starke Troll mit Tolle Holunder Trotz arbeitet daran, daß zu ändern. Er ist staatlich anerkannter und vom staatlichen KonTrollAmt zertifizierter Privatdetektiv. Bislang konnte er schon einige wirklich knifflige Fälle lösen (auch wenn seine Rolle in den Märchenbüchern einfach verkannt wird), doch der neue Auftrag hat es in sich! König Leopold der Unersättlich beauftragt ihn, seinen verschwundenen goldenen Reichsapfel zu finden. Meine Güte, was für ein Monarch! Als ob er nicht genügend Gold für einen neuen hätte. Aber so einfach ist es nicht, informiert ihn seine NIPA (netzbasierte, intelligente, persönliche Assistentin) Amanda, eine hochmoderne Kristallkugel, für alle Fälle: ein Reichsapfel ist das Symbol der königlichen Macht, wer ihn besitzt, darf regieren.

Kaum dass er die Ermittlungen aufgenommen hat, mischt sich die Tochter des Herrschers ein: Prinzessin Estrildis will den Ermittler unterstützen und begleiten. Das gefällt dem schnieken Jungtroll so gar nicht, aber wenn man in den feinsten Kreisen ermittelt, kann so eine Prinzessin an der Seite sehr praktisch sein.

Ein großes Lob an den Verlag für die Gestaltung des Buches! Auch wenn es für Leser ab 10 Jahren empfohlen wird, ist es illustriert und Schriftgröße und Zeilenabstand sind sehr komfortabel. Da macht das Lesen gleich noch mehr Spaß, vor allem Kindern, die sich mit dem Lesen noch schwertun. Dabei kommt der Spaß hier wirklich nicht zu kurz. Denn hier werden eigentlich sämtliche Märchenklischees auf den Kopf gestellt! Zur Demonstration seiner Ermittlerqualitäten nennt Holunder zunächst seine bereits erfolgreich gelösten Fälle und irgendwie hatten wir diese Märchen anders in Erinnerung. Das ist sehr witzig und es macht echt Spaß, aus seinen Erzählungen die Märchentitel zu erraten.

Die Herzen eventuell mitlesender Eltern gewinnt der sympathische Jungtroll, mit den nicht immer ganz korrekten Umgangsformen, mit seiner unverhohlenen Leidenschaft für einen kräftigen Trollofee zur Stärkung. Das genaue Rezept gibt er zwar nicht preis, aber so ein Muckefuck mit Cayennepfeffer ist wirklich nur für ganz Ausgeschlafene.

Der König hat zu Beginn keine Ahnung, wer hinter der schändlichen Tat stecken könnte. Auch Holunders Ermittlungen bringen ihn zu Beginn nicht weiter. Aber zum Glück bekommt er ja ungewollte Verstärkung. Die Prinzessin ist sehr resolut und das Geplänkel zwischen diesen Partnern wider Willen ist wirklich amüsant. Außerdem gibt es ja noch die hochmoderne Amanda, die sich auch gerne zu Wort meldet und auf deren vielfältigen Funktionen wir auch nur zu gerne zugreifen könnten. Zum Glück sind die Ermittlungen witzig und nicht klamaukig, denn es geht immerhin um ein ernstes Thema. Das Reich ist bedroht! Irgendein hundsgemeiner Schurke könnte jederzeit die Macht für sich beanspruchen. Das darf natürlich niemand wissen, weswegen die Ermittlungen streng geheim und auch wirklich knifflig sind. Autorin Antje Leser hat sich wirklich eine ungewöhnliche Auflösung ausgedacht und auch ein sehr modernes Ende. Diese Geschichte endet nicht mit „Und wenn sie nicht gestorben sind...“ denn die Helden sind jung und haben noch eine Menge vor.

Das Buch wird ab 10 Jahren empfohlen, weil dieser Humor von jüngeren Kindern oft noch nicht verstanden wird, ebenso wie einige Anspielungen. Begriffe, die eventuell noch nicht bekannt sind, werden im Laufe der Geschichte erklärt, denn auch Holunder kennt sich im höfischen Vokabular noch nicht so gut aus. Antje Leser hat Germanistik und Romanistik studiert, ehe sie sich als Lektorin und Journalistin selbstständig machte. Das erklärt ihr gutes Gefühl dafür, welche Begriffe als bekannt vorausgesetzt werden können und welche nicht. Sie geht wirklich wunderbar auf den Denk- und Erlebenshorizont der Zielgruppe ein, was sich auch darin zeigt, daß meine Mitleserinnen, das Ende richtig klasse fanden.

Auch die Illustrationen von Thomas Hussong haben es ihnen angetan. Die Gesichtsausdrücke, die der junge Illustrator und Autor mit nur wenigen Strichen auf Papier bannt, sind aber auch wirklich herrlich.

Ein märchenhafter Kriminalfall mit einem ganz starken Ermittler-Team. Wir hoffen, daß sich fortan nicht alle Bewohner des Märchenreichs rechtschaffend verhalten und sie weiter ermitteln werden.

Veröffentlicht am 24.04.2019

Ein ganz besonderes Hörbuch mit Schwächen

Der Wal und das Ende der Welt
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In dem abgelegenen kleinen Fischerdorf St. Piran in Cornwall herrscht Aufregung: Mit der Flut wurden ein Wal und ein nackter junger Mann angespült. Mit vereinten Kräften beleben die 307 Dorfbewohner den ...

In dem abgelegenen kleinen Fischerdorf St. Piran in Cornwall herrscht Aufregung: Mit der Flut wurden ein Wal und ein nackter junger Mann angespült. Mit vereinten Kräften beleben die 307 Dorfbewohner den jungen Joe, der auf die Rettung des gestrandeten Wals drängt. Das Schicksal des Wals erscheint diesem untrennbar mit seinem verknüpft. Doch was hat den jungen, erfolgreichen Analysten aus der City ins Wasser getrieben? Nach und nach gibt er Preis, daß er an der Entwicklung eines Analyseprogramms namens Cassandra, kurz Cassie, mitgewirkt hat, daß absolut sichere Zukunftsprognosen für die nächsten Tage treffen kann. Doch es wurde manipuliert und kann nun nicht mehr gestoppt werden. Auf die Menschheit rollt die Apokalypse zu und er fühlt sich schuldig und benutzt. Joe warnt die Bewohner, fühlt sich aber selbst wie die Antike Seherin, der niemand Glauben schenken wollte. Die Dorfbewohner sind ihm mittlerweile ans Herz gewachsen, viel mehr, als sonst jemand, seit dem Tod seiner Mutter. Also beschließt er seine Retter zu retten und selbst Vorkehrungen für die nahende Katastrophe zu treffen. Erst wird er skeptisch und ein wenig mitleidig beäugt, aber dann...

Ich hatte keine klare Vorstellung von dem, was mich erwarten würde, aber ich mag die Stimme von Johann von Bülow und seine Wandelbarkeit, auch die Aufmachung sprach mich auch an. Zumindest würde es mal was anderes sein. Das war es auch, auch wenn ich nichts erwartet habe, war ich nicht auf das gefasst was kommen würde. Zuerst war ich akustisch erschlagen, von der unglaublichen Personenvielzahl z.T. mit cornischen Namen, Familienmitglieder und Mitarbeiter der Londoner City. Beim Hören eine Überforderung, bei der es wirklich hilft das beiliegende Booklet mit Personenverzeichnis vor dem ersten Hören und nach oder während der ersten CD zu hören. Es sind so viele, da lohnt es sich, die Liste mal schnell mehrfach durchzugehen. Nachdem ich das Personenkonsortium für mich sortiert hatte, packte mich die Geschichte mit ihren doch bisweilen sehr eigenen Charakteren. Was ich von Joe halten sollte war mir anfangs nicht so klar, aber in diesem Dorf ist wie auch sonst im Leben. Es lassen sich nicht immer alle in Schubladen von Gut und Böse einteilen, die einen sind mal so, mal so, wie es das Leben halt gerade mit sich bringt. Gerade in ihrer Ausgestaltung liegt für mich die absolute Stärke der Geschichte.

Das Dilemma in welchem Joe sich befindet, mutet aber erschreckend real an. Die Macht und den Einfluss von Prognoseprogrammen auf den Weltmarkt mag ich mir nicht vorstellen. Doch bei nahender Apokalypse, denken die meisten eher an Atomkatastrophen, Krieg, Klimakatastrophe, aber so was alljährliches wie die Grippe? Und doch sterben jedes Jahr Millionen Menschen weltweit an ihren Folgen.... und es gibt nie genügend Schutzimpfungen für alle und auch hier kann die Prognose, wie sich der diesjährige Erregerstamm entwickeln wird, irren. Dann gibt es keinen Schutz. Oder doch? Was wäre, wenn man in einem Dorf am Ende der Welt leben würde, ist das heute noch möglich? Was wäre bei völliger Isolation und Quarantäne das größte Problem? Die Nahrung, mangelnder Strom, fehlendes fließendes Wasser, Dorfkoller? Die Hürden und Schwierigkeiten sind mannigfaltig. Welche dieser Probleme sind lösbar und welche eigentlich eher unbedeutend und wie spielt der menschliche Faktor eine Rolle? Immerhin kennt in einem Dorf jeder jeden und das auch schon seit Ewigkeiten. Die menschliche Komponente des gestrandeten Fremden in einer festen, alteingesessenen Gemeinschaft inmitten einer Katastrophe ungekannten Ausmaßes und unvorhersehbarer Dauer macht diese Geschichte so fesselnd. Wie würde man selbst reagieren? Würde man über sich hinauswachsen oder zum absoluten Egoisten mutieren? Welche Rolle spielt der Wal, der immer wieder mahnend in der Bucht auftaucht? Nicht nur der streng logische Analyst verändert sich und erstaunt sich selbst. Die Dorfgemeinschaft überrascht den Trader und den Hörer und gibt Hoffnung auf die Menschlichkeit der Menschheit, in Zeiten, in denen es nicht selbstverständlich ist. Doch ist Joe nicht einfach eine strahlende Gestalt, er ist bisweilen auch etwas naiv. Man lernt aber auch seine Hintergründe kennen und die Analystin des Dorfes, durchschaut ihn besser als er die Märkte und sich selbst. Das macht sie unglaublich sympathisch auf schmunzelnde Art und Weise und dennoch lässt mich das Ende ein wenig ratlos zurück. Es ist wirklich ein hoffnungsfrohes Ende. Aber sind die Menschen tatsächlich so? Schön wäre es, ich bin da ein wenig unschlüssig. Während mich nach einem etwas überforderten Anfang das nahende Ende der Welt und seine möglichen einzigen Überlebenden wirklich fesselten und bannten, so machte mich das Ende etwas ratlos. Ist es das Ende, dass ich mir gewünscht hätte? Ich weiß es nicht, es macht mich zumindest nachdenklich und wird mich diese Geschichte nicht so schnell vergessen lassen, Cornwall und sein Wal werden noch eine Weile durch meine Hirnwindungen spuken. Dennoch dämpft es meine zwischenzeitliche absolute Begeisterung für diese mahnende Vision.

Johann von Bülow liest absolut fesselnd und wandelbar. In seiner Unaufgeregtheit spürt man die erdende Ruhe Cornwalls, mit seinen tiefen Wurzeln und noch tieferen Gefühlen, die überraschen und vor allen Unwägbarkeiten Halt bieten. Seine Stimme klingt diesmal erstaunlich mild und weich und gar nicht so tief und gebieterisch bestimmend, wie man es von ihm bisweilen kennt. Kein Hauch von Sherlock Holmes ist in der Stimme zu hören, sondern Mitgefühl und Ratlosigkeit. Es ist überraschend und dennoch glaubhaft zu hören.

Die Aufmachung in einer soliden Pappbox mit 3 MP3 und einem Booklet finde ich sehr ansprechend, haptisch angenehm und sehr edel.

Ein wirklich besonderes Hörbuch mit kleinen Schwächen.

Veröffentlicht am 24.04.2019

Katz und Maus

Die Alpen sehen und sterben
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Maria Konstanze Schlager (29) korrigiert freiberuflich Texte jedweder Art. Sie hat schon früh ihre Familie verloren und ist seitdem verschlossen und bleibt gerne für sich. Als sie sich einen Urlaub in ...

Maria Konstanze Schlager (29) korrigiert freiberuflich Texte jedweder Art. Sie hat schon früh ihre Familie verloren und ist seitdem verschlossen und bleibt gerne für sich. Als sie sich einen Urlaub in Kitzbühl gönnt und nachts schlaflos am Fluss entlang spaziert, wird sie Zeugin eines Mordes. Doch der Mörder trägt einen Cowboyhut und sie kann sein Gesicht nicht sehen. Lediglich seine Abschiedsworte „Servus“ bleiben ihr im Ohr. Als sie die Polizei verständigt, ist diese zunächst skeptisch. Es gibt keine Spuren, ihre Aussagen sind wirr und alle die ein Motiv haben könnten, haben ein Alibi. Schnell übernimmt die Kripo Innsbruck. Allerdings sieht die junge Kommissarin Agnes in diesem Fall ihre Chance sich innerhalb des Teams zu beweisen. Sie kann den Fall nicht vergessen. Auch ein anderer hat die Nachrichten über diesen Mord mit Interesse gelesen. Der zuletzt in Frankfurt a.M. tätige Kriminalkommissar Heinz Baldur, wittert eine Serie von Auftragsmorden zu welchen auch dieser Fall zu gehören scheint. Allerdings nimmt seine Bedenken niemand wirklich ernst, denn seit einer persönlichen Tragödie leidet er unter Halluzinationen. Dank der Beurlaubung aus gesundheitlichen Gründen, hat er aber Zeit zu ermitteln, ganz ohne Zeit- und Erfolgsdruck. Und sein Spürsinn juckt gewaltig!

Dies ist ein etwas anderer Krimi, denn er hat einen ungewöhnlichen Fokus: Auf die Zeugin des Verbrechens, die den Mörder zwar sieht, aber dank des Cowboyhuts, der nachts sein Gesicht verschattet, diesen nicht beschreiben kann, sie nimmt ihn vielmehr wahr - als Gesamtpräsenz. Diese Beobachtung prägt sie, denn es ist nicht der erste Todesfall, schon als Kind, mit 7 Jahren, musste sie tragische Todeskämpfe beobachten, was ihr den Spottnamen Mörder-Mitzi einbrachte. Diese traumatischen Erlebnisse haben sie geprägt und halten sie gefangen. Als sie dem Täter wieder begegnet und ihn an der Stimme erkennt, entwickelt ich eine merkwürdige Beziehung aus Faszination, Anziehung und Abstoßung. Wie Katz und Maus umkreisen sie einander, während die Polizei im Dunkeln tappt. Wirklich alle Ermittler? Naja die junge österreichische Kommissarin Agnes will sich beweisen und spürt, daß Mitzi nicht alle Eindrücke preis gibt. Sie kommt aus einer Intellektuellenfamilie und will es nicht nur ihrem Team beweisen, was alles in ihr steckt, sondern auch ihrer Familie. Heinz Baldur kämpft mit seinem inneren Dämon namens Luis und seiner Überzeugung, daß ein Auftragskiller am Werk ist, seit Jahren. Eine Überzeugung, die leider niemand hören will. Killer Sam hingegen scheint ebenfalls aus der Bahn geworfen zu sein. Noch nie ist ihm ein Fehler unterlaufen, noch nie hat er auch nur eine einzige Spur hinterlassen. So ist das Schicksal dieser vier untrennbar miteinander verwoben. Mal schlägt das Pendel mehr in die eine, mal in andere Richtung aus. Nicht alle können gewinnen. Sollte der Fall gelöst werden, ist Sam enttarnt. Sollte Sam entkommen, treibt es Heinz in noch tiefere Abgründe und Agnes steckt fest. Mitzi hingegen kann nicht gewinnen. Sie steckt in einem Dilemma. Was sie braucht ist Halt, doch der scheint nirgends in Sicht. Es ist nicht klar wie es ausgehen wird. Es menschelt, selbst beim Täter, denn man bekommt tiefe Einblicke in die Gedanken und seelischen Abgründe der Beteiligten. Das Dilemma entspinnt sich mehr und mehr und keine Lösung ist in Sicht. Dabei sind die Charaktere ein Genuss in all ihrer Verschrobenheit, denn sie sind so nachvollziehbar, so krank und doch so tapfer. Sie versuchen es, ihre Ziele zu erreichen, auch wenn es unmöglich scheint.

Isabella Archan ist selbst Österreicherin und gelernt Schauspielerin. Mittlerweile lebt sie schon seit einigen Jahren in Köln, so wie ihre beliebte ermittelnde Zahnärztin Dr. Leocardia Kardiff, die mit ihrer neugierigen Nase immer wieder dem attraktiven Kriminalhauptkommissar Jakob Zimmer in die Quere kommt. Ihre Livelesungen sind ein echtes Schmankerl, daß man sich nicht entgehen lassen sollte!

Ein Krimi, der unter die Haut geht, dankt der tiefen Einblicke in die verstörten Seelen der Beteiligten und weil man sich immer wieder selbst dabei ertappt, daß man den Mörder selbst auch ein wenig faszinierend findet, obwohl seinen Taten abstoßen. Kann man das voneinander trennen? Kann ein Mörder sympathisch sein, oder ist er einfach nur ein Monster? Die innere Zerrissenheit vor traumhafter Kulisse fasziniert, es ist einfach kein alltäglicher Krimi, sondern schon in seiner Erzählweise eine Überraschung für sich.