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Veröffentlicht am 28.02.2019

Helden kämpfen sagenhaft

Deutsche Heldensagen. Teil 1
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Dieser erste Teil enthält die Sagen von Siegfried dem Drachentöter, seiner rachsüchtigen Ehefrau Kriemhild, die den Mord an ihrem Ehemann nicht verwinden kann und eine Blutsfehde anzettelt und des tapferen, ...

Dieser erste Teil enthält die Sagen von Siegfried dem Drachentöter, seiner rachsüchtigen Ehefrau Kriemhild, die den Mord an ihrem Ehemann nicht verwinden kann und eine Blutsfehde anzettelt und des tapferen, loyalen und zugleich weisen Dietrich von Bern, der stets erst nachdachte, ehe er handelte und der seinen Waffenbrüdern zuliebe sogar sein Königreich bis auf die Stadt Bern aufgab.

Meine 11 jährige Tochter ist ein großer Niebelungenfan, doch so genau war uns die Geschichte von Siegfried, dem Königssohn aus Xanten, der es vorzog in die Welt hinaus zu ziehen und Abenteuer zu erleben, statt sich auf die Nachfolge im Reich der Burgunder vorzubereiten nicht bewußt. Dass die Burgunder überhaupt irgendwas mit Siegfried zu schaffen hatten, war uns überhaupt neu. Das war umso erstaunlicher, als meine Tochter mal eine Klassenfahrt nach Xanten machte und seine Drachenhöhle quasi bei uns vor der Haustür liegt.

Die Sagen sind eigentlich recht verständlich erzählt, allerdings so komplex und gespickt mit Personen mit heutzutage völlig ungebräuchlichen Namen, das es echt schwierig ist, den Überblick zu behalten. Dabei ist das dringend erforderlich, da alle drei Sagen miteinander verknüpft sind und die Hauptfiguren immer wieder vorkommen. Aber die Waffenmeister, Berater und Brüder, Schwäger, Söhne, Neffen.... auch wenn man aus einer weitverzweigten Familie stammt wie ich, wären hier Stammbäume der Familien von Siegfried, Kriemhild, Etzel und Dietrich Booklet ausgesprochen hilfreich gewesen. Sie waren alle weit davon entfernt Einzelkinder zu sein, wobei Könige damals wohl hauptsächlich Söhne hatten und Töchter echte Raritäten, die die es aber gab, waren von atemberaubender Schönheit, Mut, Intriganz, Rachsucht und Loyalität (vielleicht waren Frauen ohne diese Eigenschaften für die Erzähler auch ohne Interesse, wer weiß). Die Söhne hatten aber leider oft Namen, die dem des Vaters ähnelten Dietrich, Dietmar, Diet.... In Seifenopern den Überblick zu behalten ist dagegen ein Kinderspiel. Denn ehrlich, bei der Intriganz, die die edlen Damen und Herren hier an den Tag legen, sind Fernsehdynastien Kasperltheater dagegen. Daher auch der Kommentar meiner Tochter: Ja, es interessant, aber so blutrünstig, daß ich es nicht zum Einschlafen hören kann. Das kann ich verstehen, das ging mir genauso, dabei höre ich bisweilen Thriller zum Einschlafen, die aber weit weniger komplex sind. Man muß ganz genau zu hören und das am Besten mehrfach. Mit jeder Wiederholung entdeckt man mehr und merkt sich mehr Zusammenhänge. Sehr beeindruckt hat mich Dietrich von Bern, den ich nun als den Ur-Schweizer-Diplomaten betrachte, stets um Neutralität bemüht.
Das Booklet bildet die Ritterrüstung des 13. Jahrhunderts ab und erklärt sie. Warum ist mir allerdings nicht ganz klar, da die hier wiedergegebenen Sagen alle grob um 500 n Chr. spielen. Da hätte ich mir auch einen genaueren zeitlichen Überblick gewünscht. Ganz stark tritt hier immer wieder König Etzel auf, ein Kerl von dem ich noch nie gehört habe und doch muß er wohl der mächtigste Mann seiner Zeit gewesen sein und über ein riesiges Reich geherrscht haben. Wie kann es sein, das wir so jemanden denn nicht kennen? Ganz einfach, im Booklet wird erklärt, daß es sich bei König Etzel wohl um den legendären Hunnenkönig Attila handeln dürfte. Zu diesem gibt es ebenso weitere Informationen im Booklet, wie zu Dietrich von Bern bei dessen Eintrag sogar Auszüge aus dem mittelhochdeutschen Niebelungenlied stehen. Für Kinder sicherlich sehr interessant, daß das heutzutage kaum verständlich ist, so sehr hat sich die Sprache im Laufe der Zeit verändert. Sprachlich gibt es trotz der Schilderungen der Morde und Schlachten Zugeständnisse an das Alter der potenziellen Zuhörer wenn es um Sex bzw. Vergewaltigung geht. Auch wenn auf dem Schlachtfeld die Köpfe rollen, ist hier die Schilderung sehr zurückhaltend. Im Übrigen klingt in der Wortwahl bisweilen der Charme vergangener Zeiten an, was für Kinder zwar etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber zum Thema sehr passend.
Peter Kaempfe hat meiner Tochter als Sprecher nicht zugesagt. Ihre Freundin Rebecca (11) fand ihn aber gut. Ich persönlich finde ihn eine sehr passende Wahl zum Thema, da es sich um Sagen handelt und er durchaus eine warme, wohlklingende Märchenonkel mit klarer Aussprache und sehr passender Betonung hat. Bei Sagen erwarte ich keine stimmliche Schauspielerei. Leider empfinde ich die Tonaufnahme als sehr leise. Wenn ich von CD-Spieler auf Radio wechsle, brüllt es mir entgegen! Die Aufnahme selbst hat aber keine Lautstärkeschwankungen und ist gut verständlich.

Ein Hörbuch, daß man wirklich genau und am Besten mehrmals hören sollte. Aufgrund seines Anspruchs ist es nicht zum nebenbei Hören oder sich berieseln lassen geeignet. Ab 10 Jahren nur sehr bedingt, für Kinder, die sich für Schlachten interessieren. Es bedarf unbedingt der Bereitschaft zum mehrmaligen und genauen Hinhören, es lohnt sich aber.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Es gibt auch sagenhafte Heldinnen!

Deutsche Heldensagen. Teil 2
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Teil 2 der Deutschen Heldensagen bilden die Sagen von Elsa und dem Schwanenritter Lohengrin, Gudrun und Wieland dem Schmied.
Elsa sagte mir irgendwas, aber bei Lohengrin regte sich mein Gedächtnis noch ...

Teil 2 der Deutschen Heldensagen bilden die Sagen von Elsa und dem Schwanenritter Lohengrin, Gudrun und Wieland dem Schmied.
Elsa sagte mir irgendwas, aber bei Lohengrin regte sich mein Gedächtnis noch mehr. Nach dem Tod ihrer Mutter wird Elsas Vater von unsäglicher Melancholie heimgesucht und sucht sein Glück im Heiligen Land mittels eines Kreuzzuges. Der Verwalter soll solange die Geschicke des Reiches lenken. Als der Vater stirbt, zeigt der Verwalter sein wahres Gesicht und will sie zur Ehe zwingen, doch auch ihr Onkel erhebt Ansprüche auf das Reich. Elsa ist verzweifelt, sie will weder den Verwalter heiraten, noch das Reich an den Onkel abgeben. In ihrer Not ruft sie Gott um Hilfe an und über den Fluss kommt Lohengrin, auf einem von Schwänen gezogenen Schiff.
Die Schönheit der zeeländischen Königstochter Gudrun ist so legendär, daß der Sohn des Königs der Normannen sich unsterblich in sie verliebt und um ihre Hand anhält (ohne sie je gesehen zu haben). Doch Gudrun lehnt ab, liebt sie doch schon einen anderen, den Freund ihres Bruders Ortfried (oder Ortwin? Die damaligen Namen innerhalb der Clans werfe ich gerne durcheinander), dem sie die Ehe versprochen hat. Die Normannen entführen daraufhin Gudrun, ihre Hofdame und 60 weitere Frauen….
Wieland der Schmied findet bereits in Teil 1 immer wieder Erwähnung, als Schmiedelehrling mit Siegfried und dessen Feind, als Schmied des einzig wahren Wunderschwertes außer des vom Zwergenkönig Alberich und auch bei Dietrich von Bern taucht Wieland auf. Willi Fährmanns Deutsche Heldensagen basieren sowohl auf dem Nibelungenlied, als auch auf der Edda. Beide haben Überschneidungen, als auch Unterschiede, das macht die Wiederbegegnung mit Wieland und der Ungerechtigkeit, die diesem Enkel des schwedischen Königs widerfährt, so faszinierend.
Dieses Hörbuch erklärt für mich, was mich bei Teil 1 verwirrte. Das Booklet erklärt die Rüstung der Ritter im 13. Jahrhundert. Die Nibelungen spielten aber bereits zu Zeiten der Völkerwanderung also rund 500 n. Chr. Allerdings wurde das Nibelungenlied ebenso wie die Edda erst später im 13. Jahrhundert aufgeschrieben, damals, als die Rüstungen wie abgebildet aussahen. In der Geschichte Gudruns, die tatsächlich auch später, erst im 13. Jahrhundert spielt, wird auf immer wieder auf die Brünne Bezug genommen. Da wären wohl nicht nur Kinder beim Zuhören überfordert, auch ich hätte nicht gewusst was es ist. Auch wenn ich es interessant finde, daß sich mit Wieland dem Schmied der Heldenkreis zu schließen scheint, so sind mir persönlich Elsa und Gudrun die Liebsten. Elsa, die Aufrechte, die nicht den einfachen Weg wählt, sondern an ihrer Überzeugung festhält. Elsa, die für ihre Rechte als Frau und Königstochter einsteht und sich nicht einfach als Heiratsgut betrachten lassen will, ist ebenso eine Heldin wie ihr Lohengrin. Der edle Ritter unbekannter Herkunft, der nicht nach dieser befragt werden darf. Immer wieder kommen in diesen Heldensagen biblische Themen vor, so erinnert mich Elsa an die Frau Lots. Sie kennt die Regeln, doch vermag sie sie nicht einzuhalten, um ihrer Söhne Willen. Es regt zum Nachdenken an über die Frage, was macht einen Menschen aus, seine Herkunft oder seine Person?
Gudrun hingegen ist treu und standhaft und nicht bereit ihr Eheversprechen zu brechen, um in Gefangenschaft ein einfacheres Leben zu haben. Bei ihr musste ich immer an die heilige Ursula und ihre 80 Jungfrauen von Köln denken, wobei ja auch die Sabinerinnen geraubt wurden, oder die schöne Helena… Während mich nicht nur ihre Standhaftigkeit anrührt gefällt mir auch, daß die Schwester des Räubers stets gut zu ihr war.
Die Sagen von Teil 2 empfinde ich als weniger kriegerisch und dafür milder. Es werden sie Schwerter gezückt, aber es rollen nicht so viele Köpfe. Auch sind die weiblichen Helden einfach sympathischer als die rachsüchtige Kriemhild. Elsa und Gudrun sind deutlich gerechter. Doch sie sind sehr modern in ihren Ansichten, besonders Elsa. Bei Wieland hat mich fasziniert, daß ein Königssohn eigentlich keine Alternative hatte als Ritter und somit Krieger zu werden. Die Idee nicht in den Krieg ziehen zu wollen, schien absurd zu sein. Auch dass der Beruf des Schmiedes so hochangesehen war, war mir neu…
Ein wirklich vielschichtiges Hörbuch, daß man unbedingt mehrfach hören sollte.
Mittlerweile habe ich festgestellt, daß Willi Fährmanns Werk immer noch das Standardwerk der deutschen Sagen ist, auch wenn der Autor schon längst verstorben ist. So kam es, daß die ehemalige Klassenlehrerin meiner Tochter nach einer Klassenfahrt nach Xanten, die Kindern der 4. Klasse anschließend Siegfried und Kriemhild aus dem zugrunde liegenden Buch vorlas. Die Viertklässler fanden es nicht zu brutal, sondern haben gebannt gelauscht.
Vielleicht mag meine Tochter deshalb den Sprecher Peter Kaempfe nicht so gerne, er klingt nicht wie die Ursprecherin (aus ihrer Sicht) Frau Müller, bei Sprecherwechseln ist sie sehr eigen. Ihrer Freundin, die nicht mit ihr in der Grundschule war, findet Peter Kaempfe als Sprecher gut. Allerdings versucht er auf diesem Hörbuch Gudrun und Elsa eine weibliche Stimme zu verleihen. Das ist nicht ganz so gelungen, mir wäre weiterhin sein Sagenonkelvortrag lieber. Er hat in der Tat die passende Stimme zum Vortrag von Sagen und Märchen, die ja bisweilen miteinander verschmelzen. Er spricht sehr klar und deutlich.
Auf diesem Hörbuch sind die Clans nicht ganz so weit verzweigt wie bei den Nibelungen, Burgundern, Hunnen, …. in Teil 1, das erhöht das Verständnis beim erstmaligen Hören ungemein.
Auch wenn meine Tochter immer noch ein großer Siegfried-Fan ist, hat mir der 2. Teil der deutschen Heldensagen deutlich besser gefallen. Er verdient das mehrmalige Hören ebenso wie Teil 1, ist aber leichter verständlich für Ersthörer.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Mord im Paradies

Die Richterin und die tote Archäologin
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Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt erholt sich langsam von den Schrecken des Anschlags auf ihr Leben, als sie sonntags an einen neuen Tatort gerufen wird. Ihre alte Schulfreundin, zu der der Kontakt ...

Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt erholt sich langsam von den Schrecken des Anschlags auf ihr Leben, als sie sonntags an einen neuen Tatort gerufen wird. Ihre alte Schulfreundin, zu der der Kontakt abgebrochen war, die Archäologin Flavia Leone, wurde erstickt auf einer Grabungsstätte in der Nähe von Montpellier aufgefunden. Nachträglich wurde ihr die Replik einer antiken Totenmaske auf ihr Gesicht gelegt. Mathilde entdeckt ein Nest des Ehrgeizes, der Missgunst und der geheimen Liebschaften. Keines der augenscheinlichen Motive vermag Mathilde und ihr Team zu überzeugen. Außerdem ist ihr junger Cousin Sébastien mit Downsyndrom verschwunden. Weil anscheinend keiner für ihn Zeit hatte, hat er sich auf den Weg nach Deutschland gemacht. Commandant Rachid Bouraada plagen ganz eigene Dämonen, die ihn in einen tiefen Gewissenskonflikt zwischen seiner Familie und seinem Beruf stürzen. Nur der junge Lieutenant Felix Tourrain schwebt im 7. Himmel, er ist verliebt, wie nie zuvor.

Ein Krimi mit ganz viel Südfrankreich-Feeling, wobei sich diesmal der geographische Schwerpunkt vom Hinterland von Nimes die Küste entlang Richtung Montpellier, La Grande Motte und Sète verlagert. Das sonnige Feriengefühl wird hier wirklich um sehr interessante Infos und Fakten zu der Gegend, die wunderbar beschrieben ist, bereichert. Gerade durch das Setting der archäologischen Grabungen gibt es immer wieder Anlass, in die Geschichte des Landes Einblick zu nehmen. Ich empfinde es als sehr schönen Rahmen für diesen Krimi, der durch die persönlichen Probleme der Protagonisten zusätzlich gewürzt wird. Auch der erste Fall der Reihe, der nicht vollständig abgeschlossen werden konnte, da die Reichen und Mächtigen sich gegenseitig zu schützen wissen, wird wieder in Erinnerung gerufen. Es ist offensichtlich, daß Mathilde und ihr Team so schnell nicht aufgeben werden, aber derzeit gibt es keine neuen Spuren und als ein zweiter Toter aufgefunden wird, wird die Situation noch verwirrender. Die Autorin streut immer wieder Fragmente von Motiven und Möglichkeiten ein, doch keine mag recht zu passen und mancher anfangs verheißungsvoll erscheinende Ermittlungsansatz verläuft dann doch im staubigen Sande der Grabungen. Genügend unsympathische Gestalten, denen man eine Enttarnung als Täter wünschen könnte, sind auf jeden Fall vorhanden. Dennoch ist dies, trotz des sehr ernsthaften Themas, daß der Tat zugrunde liegt, eher ein Wohlfühlkrimi. Er ist mehr vom Sonnenschein, Weingenuss und der Landschaft, als von Grausamkeiten und Blutströmen geprägt. Selbst der Showdown erinnert mehr an Agatha Christie, und kommt gänzlich ohne Verfolgungsjagden und quietschende Reifen aus. Die Lösung steckt im Detail, wobei ich den entscheidenden Hinweis, im Eifer um Aufklärung überlesen habe. Diesen Fall konnte ich nicht lösen, ich hatte nur so ein merkwürdiges Bauchgefühl. Die Lösung führt allerdings die Brisanz des Falles wieder vor Augen und bindet den Prolog irgendwie in die Geschichte mit ein, auch wenn man ihn sich meiner Meinung nach hätte sparen können. Für mein Empfinden hat er mehr atmosphärischen Nutzen und regt zum Nachdenken über viel zu wenig beachtete Verbrechen an, ist für den eigentlichen Krimi allerdings ohne Belang.

Liliane Fontaine, die auch als Liliane Skalecki Krimis mit historisch-kritischem Bezug veröffentlicht, schreibt die Südfrankreich Krimis unter ihrem Mädchennamen. Aufgrund ihrer französischen und deutschen Wurzeln kennt sie sich in beiden Welten sehr gut aus und lässt ihre Beobachtungen immer wieder in den Roman mit einfließen. Da ich diese Gegend ebenfalls sehr liebe, empfinde ich es als wirkliche Bereicherung, die mich immer mal wieder schmunzeln lässt. Der Stil ist angenehm fließend und dabei sehr bildlich. Die Beschreibungen von Land und Leuten finde ich sehr treffend.

Ein guter Krimi mit sympathischen Ermittlern in einer traumhaften Gegend. Ich hoffe, ich werde der Reihe noch lange folgen können, denn der Schluss lässt Großes erwarten!

Veröffentlicht am 26.02.2019

Wieder sehr witzig und wunderschön illustriert

Zombert und die Zahnfee Pupsinella
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Zombert, der kleine Zombie, der seine Arme, Beine, Kopf und Nase abnehmen kann, ist gerade in seiner Gruft und jongliert. Da fliegen schon mal die Gliedmaßen, als sein Freund Konrad zu Besuch kommt. Der ...

Zombert, der kleine Zombie, der seine Arme, Beine, Kopf und Nase abnehmen kann, ist gerade in seiner Gruft und jongliert. Da fliegen schon mal die Gliedmaßen, als sein Freund Konrad zu Besuch kommt. Der hat gerade einen Wackelzahn, der trotz aller Bemühungen von Konrad, einfach nicht ausfallen will. Kein Problem für Zombert und seine Zahnziehmaschine! Die hilft sofort und schon taucht ein kleines stinkendes Etwas auf: Zahnfee Pupsinella! Die ist eigentlich eine Rosenfee, aber weil sie unerlaubten Schabernack getrieben hat, muss sie nun Milchzähne einsammeln. Mit Konrads verlorenem Zahn, ist ihr Beutel nun aber so schwer, daß sie nicht mehr fliegen kann. Was nun? Die zwei können sie nicht riechen und wollen sie nur loswerden!

Nein, keine Sorgen, hier geht es nicht um Feenmobbing, es ist einfach eine sehr lustige Leseanfängergeschichte, die mit alten Klischees aufräumt! Die Zahnfee ist nicht niedlich, sie stinkt, weil sie ständig pupsen muss. So sehr, daß es noch nicht mal ein kleiner Zombie erträgt! Pupsinella ist natürlich rosa und niedlich, aber sie müffelt eben auch und findet Konrad zu alt für Geschenke von der Zahnfee! (hihi, ein tolles Argument für die Eltern, sollten sie mal eins vergessen haben. Steht ja sogar im Buch, dann muß es ja auch stimmen!) Leider ist Pupsinella nicht so lustig, wie Fußballspiele oder Verstecken auf dem Friedhof. Da müssen die zwei mal ganz kräftig nachdenken, was sie da machen können. Hier kommen nun auch die übrigen üblichen Zombert Mitspieler zum Zug. Papagei Plapperkai und Hund Waldi machen sich gemeinsam mit ihnen auf zum Friedhofswächter Ignaz, möglichst weit weg mit den Püpsen von Zomberts Gruft....

Meine Tochter liest auch mit 9 Jahren total gerne Zombert, dann aber in einem Rutsch, auch wenn diese Leseanfängergeschichte in mehrere Kapitel unterteilt ist, damit die Anfänger nicht überfordert werden. Wer aber schon gut lesen kann, kann natürlich auch mal ganz schnell ein ganzes Buch lesen. Die Geschichte ist wirklich lustig. Sie greift altbekannte Kindermythen und Gruselgeschichten (klar, ein Zombie) auf und stellt die Klischees mal locker flockig auf den Kopf! Eine rosa pupsende Fee, die für eine dicke Libelle gehalten wird... Solche Scherze lieben Kinder, da merkt man vor lauter Kichern gar nicht, daß man ja immer weiterliest und empfindet es gar nicht so anstrengend. Klar, daß auf Anglizismen und wirklich schwierige Wörter hier verzichtet wird. Dennoch klingt es sprachlich nicht platt, sondern kindgerecht. Dieses Buch ist durchgängig farbig illustriert und zwar auf jeder Seite! Dabei sind die Bilder nicht nur farbig sondern auch fröhlich und bisweilen witzig, wenn z.B. Zombert beim Jonglieren aus Versehen seine Arme mit durch die Luft wirbelt oder die Zahnfee die Luft in der Gruft vernebelt. Plapperkai reisst wieder reimende Scherze, die nicht nur Spass machen, sondern auch das Sprachgefühl schulen. Dabei ist die Schrift schöne deutliche Fibelschrift in einem größeren Schrifttypus und mit nur wenig Textanteil pro Seite. So bleibt schon viel Raum für die herrlichen Illustrationen des Autors, der Malerei und Film in Köln studierte. Heute arbeitet er als Autor, Illustrator und Trickfilmer. Wem Zombert gefällt, es aber zu kurz findet, dem legen wir gerne die Reihe um Spinne Karl-Heinz und Stubenfliege Bisi ans Herz, beginnend mit „Du spinnst wohl!“.

Ach so, auch wenn hier eine rosa Zahnfee mitspielt, es ist kein Mädchenbuch, sondern definitiv für beide, aber wenn schon, dann eher Jungs als Mädchen, denn die Fee ist alles andere als kitschig süß ;) Dies ist bereits das 3. Zombert-Abenteuer, aber durchaus auch eigenständig lesbar.

Eine ganz tolle Reihe für Leseanfänger, auf die sich meine lesemuffelige jüngste Tochter immer wieder bei jedem neuen Band stürzt. Dicke Leseempfehlung von der Jüngsten mit 5 Sternen.

Veröffentlicht am 21.02.2019

Mary Poppins trifft den Krieg der Knöpfe

Miss Braitwhistle 5. Klassenreise mit Miss Braitwhistle
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Dies ist der 5 Band mit Abenteuern der 4a wie Albtraum, der Klasse der englischen Grundschullehrerin Miss Braitwhistle, die zwar keine Umlaute beherrscht und bisweilen noch andere Kämpfe mit der deutschen ...

Dies ist der 5 Band mit Abenteuern der 4a wie Albtraum, der Klasse der englischen Grundschullehrerin Miss Braitwhistle, die zwar keine Umlaute beherrscht und bisweilen noch andere Kämpfe mit der deutschen Grammatik verliert, die aber auch immer ein Hauch von Magie umgibt. Miss Braitwhistle hat nämlich nicht nur einen Sonnenschirm, sondern auch eine Handtasche, aus der sie zu gegebenen Zeiten die wundersamsten Dinge hervorzaubern kann.
Inzwischen hat die Klasse die Schule verlassen und ist über die Stadt in unterschiedliche Schulen zerstreut. Doch Aki und sein Freund Franz, der Ich-Erzähler, treffen sich immer noch. Diesmal erinnern sie sich aus gegebenen Anlass, an ihre Abschlußfahrt, die eigentlich gar nicht hätte stattfinden sollen. Im Gegensatz zur 4b von Frau Sauermann, hat Miss Braitwhistles Klasse nicht schon das ganze Jahr für eine Klassenfahrt gespart. Doch die nette Hausmeisterin hat Erbarmen mit den im Hochsommer schwitzenden Schülern und lädt sie ein. Nun dürfen sie auch auf Ekis Erlebnishof, gemeinsam mit der 4b fahren. Die hatte ihnen schon mit den Hochglanzprospekten die Nase lang gemacht. Doch Eki ist seiner Bäuerin davon gelaufen und diese hat das Konzept nun auf Arbeiten im Einklang mit der Natur umgestellt. Leider ist auch das Essen angeblich im Einklang mit der Natur und muss erst geerntet oder sonst wie erarbeitet werden, wie gut, daß Miss Braitwhistle ihre Handtasche mitgebracht hat!

Für uns war es das erste Miss Braitwhistle Abenteuer, auch wenn es bereits der 5. Band ist. Auch wenn wir die Protagonisten aus der 4a und 4b und ihre Lehrerinnen bislang nicht kannten, war dies völlig unproblematisch. Sabine Ludwig erzählt immer nur von einigen wenigen Kindern aus den jeweiligen Klassen, also deutlich weniger als Klassenstärke. Anfangs waren wir etwas enttäuscht, daß Miss Braitwhistle so selten auftaucht. Sie scheint sowohl ihrer Kollegin, als auch der Bäuerin gezielt aus dem Weg zu gehen. Dabei fand meine Tochter (9) ihre Sprache sehr lustig. Dass andere Nationen unsere Umlaute nicht aussprechen können, ist für Kinder bisweilen unvorstellbar. Auch die Grammatikfehler fand sie lustig. Ein prima Sprachtraining übrigens, weil sie mir stets verkündete, wie es richtig hätte heißen sollen. Auch mit dem Vokabular hat die englische Miss bisweilen Schwierigkeiten, weshalb sie dann englische Begriffe einfließen lässt, die dann sofort erklärt werden wie z.B. fire fly für Glühwürmchen oder shooting star für Sternschnuppe. So lernt man zwischen all dem Unsinn, den diese zwei Schulklassen anstellen, ein paar englische Begriffe und auch ein paar Fakten über das Landleben. Das finde ich als Mutter sehr geschickt gelöst und die Kinder fanden es spannend. Eigentlich wollte ich nur mit der jüngsten Tochter lesen, doch die Große (11) schien von der Geschichte magisch angezogen zu werden und spitzte stets die Ohren. Auch sie fand die Geschichte lustig und hätte gerne von Anfang an mitgehört (auch wenn sie sich für das Cover von Susanne Göhlich zu alt fand, weswegen ich es nur der Jüngeren vorlas). Meine jüngere Tochter mochte sowohl das Cover, als auch die Illustrationen im Buchinneren sehr gerne und fand sie witzig.
Die zwei Parallelklassen stehen in ständiger Konkurrenz zu einander. Die 4b mag wohl ihre Frau Sauermann auch nicht wirklich, aber immerhin ist sie „normal“. Die 4a findet ihre Lehrerin überhaupt nicht normal, liebt dafür aber ihre lustige und zauberhafte englische Miss. Durch die ewigen Reibereien lassen sich gerade die „schlimmen Jungs“ Aki und Franz immer wieder neue Streiche und Herausforderungen einfallen. Manchmal gehen die Aktionen nach hinten los, aber solange man selbst nicht betroffen ist, kann man herzhaft darüber lachen. Es ist eine moderne Mischung aus Mary Poppins und dem Krieg der Knöpfe. Sowohl für Jungen als auch für Mädchen sehr unterhaltsam. Nicht immer zum Nachmachen geeignet, aber wehr hat schon eine Lehrerin mit solch speziellen Fähigkeiten?

Sabine Ludwig verfasst seit Jahren erfolgreich Kinderbücher, die z.T. („Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft!“, „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft!“) auch bereits fürs Kino verfilmt wurden. Außerdem übersetzt sie Werke andere Autoren vom Englischen ins Deutsche. Auf ihre kleinen eingebauten Englischlektionen ist also Verlass. Neben dem Spaß verpackt sie auch gerne noch eine Botschaft mit in ihre Geschichten. So ist die 4a kein wirklicher Albtraum und keinen Deut schlimmer als die gelobt 4b.

Wir fanden es etwas schade, daß die namensgebende Miss Braitwhistle anfangs fast gar nicht auftauchte. Gelangweilt haben wir uns aber auch in diesen Kapiteln nicht, doch kam mit Miss Braitwhistle einfach mehr Magie in die Geschichte und noch mehr Humor.

Eine wirklich schöne Geschichte, von der wir allerdings befürchten, daß sie tatsächlich der Abschlußband der Reihe ist. Nun sind wir auf die Vorgänger neugierig!