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Veröffentlicht am 17.03.2019

Tolle Vertonung des kanadischen Klassikers

Das Dorf in den roten Wäldern. Der erste Fall für Gamache
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Three Pines ist ein kleines Dorf in Québec, Kanada, tief versteckt in den Wäldern und so unbedeutend, daß es nicht in den Landkarten verzeichnet ist. Wer dort lebt genießt den Indian Summer, die Ruhe ...

Three Pines ist ein kleines Dorf in Québec, Kanada, tief versteckt in den Wäldern und so unbedeutend, daß es nicht in den Landkarten verzeichnet ist. Wer dort lebt genießt den Indian Summer, die Ruhe und die kleine verschworene Dorfgemeinschaft, in der jeder jeden kennt und das quasi schon seit immer. Man kennt sich, man schätzt sich und ist eigentlich auch tolerant, egal welche Muttersprache man eigentlich hat. Unvorstellbar, daß dort die 76 jährige pensionierte Dorfschullehrerin Jane Neal unter ungeklärten Umständen tot aufgefunden wurde. Kommissar Armand Gamache, Leiter der Mordkommission der Sûreté du Québec, der gerade auf dem Weg zur Thanksgiving Feier mit seiner Frau ist, geht daher erst einmal von einem Jagdunfall aus. Doch vor Ort stellt er fest, daß es auch in solch engen Gemeinschaften eine Menge Geheimnisse und Animositäten und mindestens ebenso viele Künstler und Bogenschützen gibt. Doch wenn es ein Jagdunfall war, wo ist dann der Pfeil, der Jane versehentlich traf und warum wurde der Unfall nicht gemeldet? Während er die Familienfeier absagen muss, nimmt die Dorfgemeinschaft ihn und sein Team erstaunlich selbstverständlich auf.

Armand Gamache ist 55, er ruht in sich selbst, ist seit 35 Jahren glücklich verheiratet, erzählt seiner Frau alles und hat kein Alkoholproblem und keine Profilneurose. Über jeden Toten staunt er noch immer, wie am ersten Tag, was wohl der Grund dafür sein dürfte, daß seine Karriere derzeit stagniert. Dennoch ist seine Aufklärungsquote unschlagbar, dank seines feinen Spürsinns und seiner Menschlichkeit. Diese lernen die Bewohner von Three Pines auch bald kennen. Die Dorfgemeinschaft ist ein bunt gewürfelter Haufen von echten Originalen, denen Hans-Werner Meyer jedem seine eigene Stimme leiht, egal ob dem tuntig-exaltierten Bistrobesitzern, der rauchig-whiskeygewohnten Dichterin Ruth oder dem verträumt-antriebslosen Erben Ben, als stimmlich auffälligste Beispiele. Wäre jeder Charakter so stimmlich ausgeprägt, wäre es wohl eher anstrengend, als ausdrucksstark, so bewundere ich ihn dafür, daß er bei den rauchigen Passagen von Dichterin Ruth nicht husten muss. Aber Hans-Werner Meyer, Jahrgang 1964 ist ein echter Profi. Wem der Name dieses bekannten Film- und Theaterschauspielers nichts sagt, kann ihn aktuell in der neuen Staffel von „Letzte Spur Berlin“ als besonnen Leiter der Vermisstenstelle freitags abends um 21.15h im ZDF bewundern. Während Gamache sehr bodenständig ist, sind es die meisten Dorfbewohner eher nicht, aber dennoch ebenfalls sympathisch, was einen interessanten Kontrast bildet. Nicht zuletzt ist dies wohl auch der Grund für den Erfolg dieser kanadischen Krimreihe in seiner Heimat, denn dieser Reihenauftakt hat schon einige Jahre auf dem Buckel, weshalb hier mit Herz und Köpfchen statt mit Technik und Handy ermittelt wird. Zum idyllischen Indian Summer in den kanadischen Wäldern inmitten von Künstlern und Bogenschützen passt es auch viel besser. Da dies die zweite kanadische Krimireihe ist, die ich lese (mehr kenne ich auch gar nicht), in der man im Québec Bogen schießt, drängt sich mir der Verdacht auf, daß auch dies typisch kanadisch ist, oder Autorin Louise Penny ist wie ich, ein großer Fan der kanadischen Altmeisterin Charlotte Macleod/Alissa Craig. Louise Penny wurde 1958 in Toronto geboren, arbeitete als Rundfunkjournalistin und Moderatorin. Ihr erster Gamache-Krimi wurde weltweit als Entdeckung gefeiert und seither erobern die Folgebände die Bestsellerlisten.

Louise Penny gibt ihren Charakteren viel Raum sich zu entwickeln, so daß man wirklich die Qual der Wahl hinsichtlich Motiv und Gelegenheit hat. Wie der Kommissar und die beste Freundin der Verstorbenen kommt man bei der großen Auswahl an möglichen Tätern ganz schön ins Grübeln. Ich habe das Original mal vor vielen Jahren mit Begeisterung gelesen, dennoch kam ich erst ganz am Ende wieder auf den Täter. Die Atmosphäre und die Sympathie für die bisweilen sehr exzentrischen Protagonisten, lenken beim Hören herrlich ab und führen auf die falsche Fährte. Die Kürzungen sind mir beim Hören gar nicht aufgefallen, so sensibel wurden sie vorgenommen. Neben der Eigenheiten der Dörfler, für deren Exzentrik Louise Penny viel Respekt zeigt, nimmt sie auch immer wieder kanadische Eigenheiten liebevoll aufs Korn. So leben in Three Pines durchaus kanadische Stars der Kunst- und Lyrikszene, doch ist diese weltmarkttechnisch relativ unbedeutend, so daß sie sich ein Leben in der Großstadt nicht leisten könnten.

Das Klappcover wird von wunderbaren kanadischen Herbstlandschaften geziert, die bestens die Stimmung des Krimis zu vermitteln vermögen. Trotz aller Idylle gelingt es der Autorin die Fantasie des Zuhörers beim Showdown zu überlisten und ihn das Gruseln zu lehren. Denn es ist gerade die Vorstellungskraft des Hörers, angeleitet von der Autorin, die mit den Möglichkeiten des Grauens im Dunkeln spielt, daß die Spannung ins kaum Erträgliche steigert. Beim Lesen würde man durch die Seiten flitzen, aber Hans-Werner Meyer lässt sich nicht hetzen, er kostet die Spannung voll aus. So entgeht einem Nichts, auch wenn zum Schluss alles genau aufgeklärt und keine Frage offen gelassen wird. Eine wirklich runde Sache! Ich hoffe sehr, daß die Reihe nun auch in Deutschland fortgesetzt wird. Für Freunde gepflegter Krimiunterhaltung, mit echten Originalen.

Veröffentlicht am 17.03.2019

Ein schönes Ponymädchenhörbuch

Ponyhof Apfelblüte. Ein eigenes Pony für Mia
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Endlich wieder Ferien und genügend Zeit für die Tiere von Ponyhof Apfelblüte und die Freundinnen. Doch Lena (9) hat noch ganz andere aufregende Neuigkeiten von ihrer Mutter erfahren. Ein Talentwettbewerb ...

Endlich wieder Ferien und genügend Zeit für die Tiere von Ponyhof Apfelblüte und die Freundinnen. Doch Lena (9) hat noch ganz andere aufregende Neuigkeiten von ihrer Mutter erfahren. Ein Talentwettbewerb zum Thema Freundschaft ist ausgeschrieben worden und da könnten Sie und ihre Freundinnen Mia, Paulina, Lotte und Hannah doch mit Bildern von ihren geliebten Ponys teilnehmen! Als Tochter einer Tiermalerin ist das für sie die naheliegendste Idee. Ihre Freundinnen sind Feuer und Flamme, nur Paulina reagiert sehr zurückhaltend. Allerdings hat Mia noch aufregendere Neuigkeiten: sie bekommt ein eigenes Pony namens Prinz! Es war eine einmalige Gelegenheit und so vielversprechend, daß ihre Eltern gleich zugeschlagen haben, ohne das Pony auch nur Probe zu reiten. Als der große Tag von Prinz Einzug endlich da ist, sind alle ganz beeindruckt von seiner Schönheit und Sanftmut. Er scheint perfekt zu sein und so gut erzogen! Doch dann offenbart sich ein Problem und zwar ein nicht unerhebliches. Können Mia und Prinz die Schwierigkeiten gemeinsam überwinden?

Auf dem Ponyhof Apfelblüte ist die Welt noch in Ordnung. Die Mädchen sind echte Freundinnen und verstehen sich nicht nur mit den Tieren bestens, sondern auch mit der Inhaberin Mrs. Marle und ihren Töchtern Julia und Isabel, die ihnen stets mit Rat und Tat zur Seite stehen, ebenso wie Stallbursche Kurt. So erhalten die jungen Hörerinnen auch immer wieder gute Tipps im Umgang mit Tieren oder zum Reiten. Vor allem aber merken sie, daß der Umgang miteinander ohne Zickereien und Eifersüchteleien doch viel schöner und entspannter ist, als in manchen Schulklassen.
Dies soweit zum Setting, denn natürlich plätschert die Geschichte auch in der 13. Folge nicht einfach so vor sich hin. Neben den Arbeiten am Talentwettbewerb, müssen die Freundinnen hinter das Geheimnis von Prinz kommen und natürlich wollen sie es nicht nur gemeinsam lüften, sondern auch lösen. Als Erwachsene wird man bei der Schilderung der Vorgänge sofort misstrauisch, aber Kinder nehmen es viel unbefangener und sind daher auch viel überraschter. Aber auch für sie ist es einsichtig, daß es nicht für jedes Problem eine schnelle und einfach Lösung finden lässt, sondern mancher guter Rat nicht nur teuer ist, sondern auch Gut Ding Weile haben wird. So wird ein zentraler Punkt der Geschichte wunderbar und zu aller Überraschung glücklich gelöst, während sich der Rest mit der Zeit wohl zeigen wird und man auf weitere Folgen gespannt sein darf. Die Sprache ist für das Alter angemessen und gut verständlich. Ich musste meiner Tochter nichts erklären, sie hat alles verstanden. Allerdings war sie wie ich verblüfft, daß diese Folge mit Jule Hupfeld mit einer viel jüngeren Sprecherin, als bei der Sammelbox zu den ersten Bänden gesprochen wird. Ich bin etwas unentschlossen, ob ich Christiane Leuchtmann oder Jule Hupfeld besser finde. Meine Tochter (9) findet, daß Jule Hupfeld zu jung für die großen Mädchen klingt. Ihr ist wohl gar nicht bewußt, daß Lena, Mia und Co. genauso alt sind wie sie und daher genauso jung klingen dürfen. Ihr Argument: normale Kinder in dem Alter haben keine so hellen Stimmen, die muss doch jünger sein. Dieses Kind hat eine hohe zarte Stimme und wird daher oft für jünger gehalten. Daher ist sie sehr sensibilisiert bei dem Thema. Allerdings klingt Jule Hupfeld jung und fröhlich und nicht piepsig oder quietschig. Sie ist klar und deutlich zu verstehen und klingt tatsächlich so jung, wie die Heldinnen dieser Geschichte. .
Es ist eine schöne Ponygeschichte, mit der Ponymädchen sich gut identifizieren können. Pädagogisch besonders wertvoll finde ich, daß Lena extra betont, daß sie mit Samson, ihrem Pflegepony völlig glücklich ist und sie kein eigenes Pferd benötigt. Außerdem hat sie die Trennung ihrer Eltern gut verkraftet und freut sich, daß ihre Mutter mit ihrem neuen Freund glücklich ist. Sie kann sich nicht mehr vorstellen mit ihrem Vater wieder in der Stadt zu leben. Meine Tochter hat sich nicht daran gestört, daß die Eltern getrennt sind, aber Trennungskinder werden sich vielleicht durch Lenas Situation getröstet fühlen. Sehr schön finde ich herausgearbeitet, daß ein Pony vor allem ein Lebewesen ist und kein Erwartungserfüller oder Leistungserbringer. Ein Tier hat Gefühle und ist gerne bereit diese zu teilen.
Da sowohl Menschen als auch Tiere wichtig sind, werden die wichtigsten Personen und Tiere im Booklet extra vorstellt, für all diejenigen die mit dieser 13. Folge in die erfolgreiche Reihe einsteigen.

Ein Hörbuch das Kinder immer wieder hören können und auch wenn es nicht der große Hörbuchwunsch von Eltern ist, kann man es auch auch getrost mithören. Es hat bei mir kein Autoverbot, es nervt nicht. Meiner Tochter hat auch dieses neue Ponyabenteuer gut gefallen.

Veröffentlicht am 17.03.2019

Ein außergewöhnliches Kinderfantasyabenteuermärchen

Das Wunschbüro der Lilith Faramay
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Der 14-jährige Rupert kommt eigentlich aus einer wohlhabenden Familie und war glücklich und zufrieden, bis zum plötzlichen Tod seiner Eltern. Seither ist sein raffgieriger und hartherziger Onkel Hartmut ...

Der 14-jährige Rupert kommt eigentlich aus einer wohlhabenden Familie und war glücklich und zufrieden, bis zum plötzlichen Tod seiner Eltern. Seither ist sein raffgieriger und hartherziger Onkel Hartmut Klauberstein sein Vormund und macht ihm das Leben zur Hölle. So sehr, daß als unerwartet ein neues Häuschen in der Gegend auftaucht und eine Anzeige in der Zeitung die Erfüllung des sehnlichsten Wunsches durch das Wunschbüro der Lilith Faramay verspricht, steht für Rupert fest, daß dies die einzige Lösung seines Problems sein kann. Doch die mächtige Dschinna die er antrifft ist entsetzt über seinen Wunsch, der so bislang noch nie vorgetragen wurde! Sie warnt, daß kein Wunschvertrag ohne negative Nebenwirkungen bleibt und der Wunsch mit Bedacht und Sorgfalt formuliert werden sollte. Sie mag seinen Wunsch nicht abschlagen, denn er erfüllt alle Voraussetzungen, aber erfüllen möchte sie ihn auch nicht sofort. Stattdessen bietet sie ihm an, erst mal ein Praktikum als ihr Butler zu absolvieren, damit er sich der Gefahren eines Dschinnenwunsches so richtig bewußt wird und er die Regeln bis ins letzte Detail begreift.

Das Buch beginnt mit einer Einführung durch den mächtigen Samir Abadin Hanadi der Dritte, Dschinnenfürst und Subdämon, der als Zeuge dieser Ereignisse von diesen berichtet und sie zwischendurch auch immer wieder kommentiert. Wer genau er ist und welche Rolle er spielt ist vorerst unklar und damit wunderbar geheimnisvoll.
Wann und wo die Geschichte spielt wird nicht erwähnt, denn es ist völlig egal. Dafür betritt man gleich nach den einführenden Worten von Samir das bemerkenswerte Wunschbüro gemeinsam mit Rupert. Der ist sich gar nicht so bewußt, daß er ebenso ungewöhnlich ist, wie Lilith es scheint und sein Wunsch es ohnehin ist. Mit eloquent elegantem Schreibstil lernt man nach und nach über Ruperts trauriges Schicksal und merkt schnell, daß Lilith eine außergewöhnliche Dschinna mit Herz ist. Dieser fantastisch-märchenhafte Roman wird ab 10 Jahren empfohlen, wobei Kinder dieses Alters bei einigen Begriffen nachfragen werden, da sie in dem Alter nicht gebräuchlich oder wie z.B. „Mörser“ noch nicht bekannt sind. Diese Begriffe werden auch nicht im Text erklärt, aber nachfragen lohnt sich, das Wort „vergeuden“ z.B. kommt mehrfach vor und nun kennt meine Tochter eine sprachliche Alternative zu „verschwenden“. Es sind Begriffe, die für Erwachsene selbstverständlich sind, aber noch nicht unbedingt für 10 jährige. Doch verstärkt dies den Hauch des Exotischen, ein wenig aus der Zeit gefallenen. Rupert trägt auch im Alltag einen Anzug, da passt sie wohlgesetzte Ausdrucksweise sehr gut zu ihm. Das Schriftbild ist hingegen sehr angenehm durch recht große Zeilenabstände, so daß man beim Lesen mit den Augen nicht so sehr verrutscht und sich mehr auf den Inhalt, statt auf das Lesen konzentrieren kann. Denn mit Rupert und Lilith wird man ein echtes Dilemma entdecken, das zu Lösen gar nicht so leicht ist, die Versuchung dafür aber umso größer. Daraus bezieht die Geschichte ihre Spannung, die immer weiter wächst, je mehr einem im Laufe von Ruperts Butler Zeit bewußt wird, welche Gefahren auf ihn lauern und wie gräßlich sein Vormund tatsächlich ist. Doch gibt es zwischendurch auch schöne Momente z.B. während Rupert sich alleine im Dschinnenhaus umsieht, oder während Lilith versucht Onkel Hartmut näher auf den Zahn zu fühlen, gibt es auch Schmunzelaugenblicke.
Die Geschichte ist absolut ungewöhnlich und man es macht Spaß sich in sie hineinzudenken und zu fühlen. Wie kann Rupert seinen Wunsch nur formulieren, damit er keinen Schaden nimmt? Ist es möglich Lilith zu befreien. Sehr reizvoll und märchenhaft, jenseits der üblichen Kinderliteratur, mit liebenswerten und leicht schrulligen Helden, ist es ein Buch, das man nicht so schnell vergisst. Die Lösung des Dilemmas erfolgt wirklich überraschend aber in sich stimmig und rundet alles wunderbar ab. Trotz Ruperts anfangs so düsterer Gedanken gelingt es, eine tolle Lösung zu finden mit einer sehr positiven Aussage für die Leser.

Die Aufmachung ist sehr schön, mit kleinen Schmetterlingsvignetten und geheimnisvoll umrankten Kapitelanfängen, deren Untertext die Richtung des kommenden Abschnitts vorgibt, ohne jedoch zu viel Preis zu geben.

Ein wirklich außergewöhnliches Kinderfantasyabenteuermärchen.

Veröffentlicht am 14.03.2019

Eine Kinderbuchperle

Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte
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Während eines Gewitters schlägt der Blitz in einen Baum ein und schon steht ein kleines Wäldchen in Flammen. Die Tiere fliehen und bringen sich in Sicherheit. Dabei verliert der kleine Fuchs jedoch seine ...

Während eines Gewitters schlägt der Blitz in einen Baum ein und schon steht ein kleines Wäldchen in Flammen. Die Tiere fliehen und bringen sich in Sicherheit. Dabei verliert der kleine Fuchs jedoch seine Familie. Unglücklich hockt er unter einer Hecke am Feldrand neben dem abgebrannten Wald und schluchzt. Die umstehenden Tiere sind verwirrt. Was kann das kleine graue puschelige Wesen wohl sein? So genau weiß das erst mal keiner, bis Papa Dachs einschreitet, der sich mit Füchsen schon den Bau geteilt hat. Nun haben die anderen Tiere Angst vor ihm, denn sie sind ja die Beute von Füchsen, auch wenn dieser noch ganz klein und grau ist. Letztendlich erbarmt sich Mama Reh vorerst und nimmt ihn und ihre 3 Jungtiere Langbein, Vielpunkt und Glanzfell mit aufs Feld, um sich eine neue Schlafstätte zu suchen. Das ist sehr ungewohnt für das kleine Tier, daß sonst immer im Dunkeln schläft. Aber er ist froh nicht mehr allein zu sein und strengt sich mächtig an, um alles so zu machen wie sie. Doch ein Fuchs ist ein Fuchs und kein Reh, daher klappt es nicht so ganz. Der liebenswerte Vielpunkt bewundert seine Anstrengungen und schon bald sind sie beste Freunde. Aber das Misstrauen der anderen gegenüber dem Findelkind bleibt, so wie auch dessen Sehnsucht nach seiner Familie.

Kirsten Boie ist wieder ein Buch für die Ewigkeit gelungen. Sprachlich wunderschön und voller Wahrheit, ist es gespickt mit zitierenswerten Aussprüchen wie: „Es gibt immer verschiedene Wege, um ans Ziel zu kommen.... Man muss nur herausfinden, welcher Weg für einen selbst der richtige ist“. So ausgedrückt verstehen es auch schon Kinder, und das ist gut so, denn es ist eigentlich ein Vorlesebuch ab 6 Jahren. Zum Selbstlesen ist es für diese Altersklasse zu klein gedruckt und zu viel Text pro Seite, aber zum Vorlesen ist es optimal. All die vielen Tiere eigenen sich hervorragend um mit eigenen Stimmen gelesen zu werden. Sprachlich ist es flüssig, so daß man beim Vorlesen nicht ins Stocken kommt und es ist meist zu Beginn jeder wörtlichen Rede klar, wer denn nun sprechen wird. Die Brillianz von Sprache zeigt sich oft erst beim Vorlesen und da bewährt sich dieses Buch eindeutig. Für Kinder unbekannte Begriffe oder Zusammenhänge werden, von älteren oder erfahreneren Tieren den Jungtieren erklärt und so erweitert sich nicht nur der Wortschatz der Zuhörer, sondern auch das Wissen der Vorlesenden über das Leben in Wald und Feld. Wir wussten z.B. alle nicht, daß Jungfüchse noch nicht rot, sondern grau gefärbt sind.
Die Geschichte kombiniert die kindliche Urangst vor dem Verlust der Familie mit ihrer größten Sehnsucht, der nach echten Freunden und Abenteuern. Das wird wunderbar thematisiert, ganz nach dem Motto des Uhus, der Kirsten Boie diese Geschichte erzählt hat: So muss eine gute Geschichte mindestens 1.000 Wörter haben, spannend sein, lustig und an einigen wenigen Stellen ein kleines bisschen traurig, wobei am Ende alle wieder fröhlich sein müssen.
Das ist hier ausgezeichnet gelungen. Gerade wenn der kleine Fuchs mal wieder merkt, daß er ein Fuchs ist und niemals wie seine Rehfamilie sein wird, ist es ein wenig traurig. Aber dann erinnert die Erzählerin daran, was eine gute Geschichte ausmacht und stellt das Happy End in Aussicht, ebenso wie einen tröstenden Freund, der schon hinter dem nächsten Gebüsch auf ihn wartet.
Es geht um Andersartigkeit, Neugierde den Andersartigen gegenüber, Zusammengehörigkeit, Vorsicht und das Annehmen von Ratschlägen.
Aus ihrem Wald vertrieben, wagen sich die Tiere in den Garten eines einsamen Hauses, das ist für die Rehe nicht nur eine Delikatesse, es ist für den kleinen Fuchs auch ein echtes Abenteuer, was er dort so alles über die Menschen und ihre Welt erfährt. Die Sichtweise der Tiere auf die Menschen ist einfach lustig, zeigt aber auch kritische Einblicke in unser Verhalten und es macht den Zuhörern einfach Spaß aus den Umschreibungen der Tiere, das jeweilige Verhalten oder Objekt aus der Menschenwelt zu erraten. Dieser immer währende Perspektivwechsel der Einblicke in die verschiedenen Tiereigenheiten und die Distanz zur Menschenwelt zeigt, zeugt von großer Empathie.

Da es sich um ein Vorlesebuch handelt, ist es natürlich auch farbig illustriert. Barbara Scholz schafft es mit ihren freundlichen, großflächigen Illustrationen die Stimmung einzufangen und die Handlung noch zu unterstreichen. Schon als meine Jüngste die Abbildung mit der Hörbuchankündigung sah, war ihr klar, dass sie diese Geschichte hören wollte, so sehr sprach sie das Cover an
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Autorin Kirsten Boie ist selbst Mutter, erfahrene Lehrerin und promovierte Literaturwissenschaftlerin. Daher schafft sie es auch hier gekonnt, sowohl sprachlich, als auch inhaltlich auf den kindlichen Wahrnehmungs- und Verständnishorizont einzugehen. Emotional spricht sie an, ohne den Kindern zu viel zuzumuten und auch sprachlich erklärt sie, ohne belehrend zu wirken oder den Zuhörern den Eindruck zu vermitteln, sie wären noch zu klein um etwas zu wissen. Egal für welche Altersgruppe sie schreibt, ist ihre Sprache dieser angemessen und ihr Schreibstil einfach wunderschön. Es liest sich fast von allein.

Eine echte Kinderbuchperle, die es wert ist, mehr als einmal gelesen bzw. gehört zu werden. Absolut empfehlenswert!

Veröffentlicht am 11.03.2019

Die Lage wird ernster, die Spannung steigt...

Der magische 8. Tag (Band 2)
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Laura (13), Shirin und Anouk leisten gemeinsam Lauras Strafdienst in der Feenküche in der Welt des achten Tages ab, während Merle ihre Strafe einfach ignoriert. Doch als Anouks Äffchen tot aufgefunden ...

Laura (13), Shirin und Anouk leisten gemeinsam Lauras Strafdienst in der Feenküche in der Welt des achten Tages ab, während Merle ihre Strafe einfach ignoriert. Doch als Anouks Äffchen tot aufgefunden wird, vermag sie es nicht deren Kummer ebenso zu ignorieren und sie wendet ihre geheimen Kräfte an. Doch auch sonst scheint die wunderbare Welt des Achttags zu bröckeln und in ernsthafter Gefahr zu sein. In der „normalen“ Welt geht es Laura nicht besser. Ihre einzige Freundin Olivia ist eifersüchtig, weil ihr Schwarm Severin (15) und Laura offensichtlich ein Geheimnis teilen. Auch die bevorstehenden Ferien verheißen nichts Gutes, da ihre Mutter Laura zu einem Praktikum bei ihrem Chef und neuem Freund in der Firma TEMP angemeldet hat. Natürlich ganz ohne Laura vorher zu fragen. Immerhin findet Laura so heraus, daß jemand ihre Familie ausspioniert. Doch warum? Als Laura und Severin an einem normalen Wochentag einen Mann beobachten, der ihrem Lehrer Darius ähnlich sieht, werden sie neugierig und spionieren nun ihrerseits. Die zwei Welten scheint mehr zu verbinden, als sie bisher geahnt haben.

Während Band 1 vorwiegend in der magischen Welt spielte, ist es in diesem Band umgekehrt. Auch an den normalen Wochentagen gehen merkwürdige Dinge vor sich, in denen Laura und Severin eine Bedrohung für die magische Welt sehen. Dieses Ineinandergreifen der zwei Welten gefällt mir ausgesprochen gut. Man lernt die Charaktere immer besser kennen und sie zeigen Seiten, die man nicht an ihnen vermutet hätte. In diesem Band rücken Severin, Dr. Bernd Asshoff, Geschäftsführer von TEMP und neuer Freund von Lauras Mutter und auch deren jüngerer Bruder Elias mehr in den Vordergrund, so daß die Geschichte auch für Jungen immer interessanter wird. Dabei zieht ganz eindeutig das Tempo an und die Spannung steigt. Laura nutzt die Abwesenheit von Dr. A. um in dessen Büro ein wenig zu schnüffeln, wichtige Personen verschwinden, geheimnisvolle Übergaben finden statt und auch Lauras kleiner Bruder scheint eine besondere Begabung zu haben und ihre Mutter geheime Verstecke, während Haushaltsroboter Amy... ja, es passiert eine Menge. Es baut aber logisch aufeinander auf und greift in einander. Die Idee der Zeit als unbegreifliches und doch magisches Element gefällt mir ebenso gut, wie zwei Welten, in denen Laura als Trennungskind schon in der „normalen“ Welt lebt. Sie ist daher aber auch bereits gut darauf vorbereitet sich an verschiedene Realitäten anzupassen.
Auch wenn es ein Fantasyroman ist, spielt es noch zusätzlich ein wenig in der Zukunft. Es ist einfach alles ein bißchen futuristischer und technischer als bei uns, sofern man nicht mit Laura ihren Vater besucht, bei dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, oder vielmehr, dessen Leben unserer eigenen Realität am ähnlichsten ist. Die futuristischen Elemente lassen einen jedoch grübeln, ob man wirklich jeden Fortschritt braucht, oder ob es nicht bisher auch ganz charmant ist. Ein schönes Gedankenspiel für die Leser. Und doch sind alle Realitäten bedroht, es wird immer ernster und es wird deutlich, dass sie nur gemeinsam, wenn überhaupt, aufhalten können, was da auf sie zukommt. Daher endet auch der zweite Band total spannend und ich fiebere Band 3 Anfang Mai 2019 entgegen.

Auch Band 2 hat wieder ein wunderschönes Cover, das diesmal jedoch dunkler ist, als bei Band 1. Die Blumenranken sind nun schwarzglänzend statt silbrig schimmernd. Ein echter Hingucker für weibliche Leser, den männlichen ist es allerdings peinlich. Denn auch dieser Band kam bei den jungen männlichen Mitlesern der Leserunde sehr gut an. Mit dem angenehmen Zeilenabstand und der relativ großen Schrift ist das Lesen sehr entspannt und man fliegt nur so durch die Zeilen. Ab 10 Jahren.