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Veröffentlicht am 10.02.2025

Ein ganz großer Roman und Pageturner zugleich

In ihrem Haus
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Lieblingsbuch! Ein neuer all time favourite! So viel, intensiv, so stark habe ich „In ihrem Haus“ niemals erwarten können. Und wurde dann so überrascht und belohnt. Mit 24 Stunden Dauerlesen. Mehreren ...

Lieblingsbuch! Ein neuer all time favourite! So viel, intensiv, so stark habe ich „In ihrem Haus“ niemals erwarten können. Und wurde dann so überrascht und belohnt. Mit 24 Stunden Dauerlesen. Mehreren für mich vollkommen unerwarteten Wendungen. Und einer Geschichte ebenso stark wie ihre Aussagen. Ich mag es gar nicht aus der Hand legen.
Um meine Emotionen aber zu zügeln und damit in Worte zu fassen: Die Geschichte hat alles, was sie unvergesslich macht. Sie mit Bedeutung auflädt und doch zugleich flüssig und so willig zu lesen macht. Und sie tatsächlich einen Pageturner sein lässt. Mit dieser wunderbaren Sprache, dieser Tiefe und auch der Schwere und Traurigkeit, die in ihr stecken. Und die sich in all ihrer Tragik und Dramatik unaufhaltsam entwickeln.
Wie eine Knospe, die sich nach und nach öffnet, zeigen sich auch die verschiedenen Ebenen, Schattierungen, die Vielschichtigkeit in Handlung und Sujet. Wir befinden uns in den Niederlanden der 60er-Jahre, auf dem Land, in einem abgelegenen Haus. Isabel lebt seit dem Tode ihrer Mutter hier allein, zurückgezogen, sich selbst, ihren Abläufen und Eigenheiten genügend. Zu ihren beiden Brüdern hat sie lockeren Kontakt, jeder mit seinem eigenen Leben beschäftigt. Doch all dies ändert sich, als Leo seine Kurzzeitfreundin Eva für mehrere Wochen bei ihr einquartiert. Denn Eva ist nicht, was sie scheint, setzt Dinge in Gang, legt Wurzeln frei. Und lässt alte und neue Geheimnisse ans Tageslicht kommen.
Und was wir dann als Leser erblicken, ist groß, gewaltig und von einer Tragweite, die eine gesamte Nation umspannt. Und es ist so raffiniert in der Geschichte verwoben, in dieser angelegt und doch ein großes Staunen als es sich aus dieser entwickelt, dass es eine große Meisterschaft darstellt. Und bei aller Trauer, Ohnmacht und Wut auf jeder Seite, in jeder Zeile eine Freude des Entdeckens, des Entfaltens der einzelnen Blütenblätter. Und der Grund, warum „In ihrem Haus“ nun der neue große Roman für mich ist.

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Veröffentlicht am 08.02.2025

Gegen das Vergessen – und für einen großen Autor

Daniel Kehlmann über Leo Perutz
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Eine Schatztruhe! Eine Wunderbox. Eine Entdeckungsreise. All dies ist das kleine Büchlein für mich, dessen Seiten Kehlmann mit so viel Reichtum zu füllen vermag. Denn es ist Leo Perutz , den uns der Bestsellerautor ...

Eine Schatztruhe! Eine Wunderbox. Eine Entdeckungsreise. All dies ist das kleine Büchlein für mich, dessen Seiten Kehlmann mit so viel Reichtum zu füllen vermag. Denn es ist Leo Perutz , den uns der Bestsellerautor hier vorstellt, dessen Werk für ihn prägend und wegbereitend war. Und der zu den größten Romanciers seiner Zeit gehörte. Gehören sollte.
Weltruhm haben Leo Perutz und seine Erzählungen, Novellen und Romane nicht erlangt. Und nicht nur das: Bekanntheit, Anerkennung und Auseinandersetzung mit seinem umfangreichen Werk haben weder zu Lebzeiten des jüdischen Autors noch nach seinem Tode in dem Maße stattgefunden, wie es verdient, ja folgerichtig gewesen wäre. Davon ist Kehlmann überzeugt und in bester Gesellschaft zahlreicher Perutz-Verehrerinnen. Den Wunsch, dies zu ändern, können wir aus jedem Wort, auf jeder Seite und zwischen den Zeilen seiner intelligenten und unterhaltsam aufbereiteten Betrachtung herauslesen. Und uns von seiner Begeisterungen mitreißen lassen.
Mit Kehlmann entdecken wir Erzählungen wie „Herr, erbarme dich meiner“, „Der Tag ohne Abend“ und den Roman „St. Petri – Schnee“. Doch Kernstück seiner Zusammenstellung bildet nach Kehlmanns eigener Aussage Perutz‘ bester Roman „Nachts unter der steinernen Brücke“. Und ja, Kehlmanns Zusammenfassung, Interpretationen und vor allem Verknüpfungen machen sprach- und atemlos, lassen staunen und den Wunsch entstehen, selbst sofort zu diesem Werk ungewöhnlichen Aufbaus und komplexer, raffinierter und hoch durchdachter Struktur zu greifen.
Ich selbst hatte das Glück, im Rahmen meines Studiums Perutz, sein Schreiben und Werk kennenlernen zu dürfen. Und leider auch den Umstand, in wieweit und bis heute die Rezeptionsgeschichte jüdischer Autor
innen eine Geschichte voller Repressalien, Diskriminierungen und Negierungen war und ist. Großer Dank gebührt daher Kehlmann für dieses Buch gegen das Vergessen und für das Sichtbarmachen eines großen Schriftstellers und seines Werks.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Spuk, rachsüchtige Geister und ein Haus, das niemals schläft

Geister in Blackwood House
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Gänsehaut. Atemlose Spannung und meine Kuscheldecke, die ich bis zum Kinn hochgezogen habe. Das Buch hat alles, was es braucht, um mich glücklich zu machen! Und mich über viele, viele Stunden am Stück ...

Gänsehaut. Atemlose Spannung und meine Kuscheldecke, die ich bis zum Kinn hochgezogen habe. Das Buch hat alles, was es braucht, um mich glücklich zu machen! Und mich über viele, viele Stunden am Stück in sich hineinzusaugen. Zu verschlingen. Gefangen zu nehmen. So wie es Mara mit Blackwood House ergangen ist…
Und dabei war das heruntergekommene, herrschaftliche Haus für Mara Liebe auf den ersten Blick. Trotz all der Stimmen, die sie vor dem Anwesen gewarnt haben. Denn Morde sind in diesem geschehen. Blutige, bestialische, scheinbar unzählige Todesfälle. Und diese haben ihre Spuren in den zahlreichen Zimmern, Fluren, in den Wänden und im Boden hinterlassen – und Blackwood House zu einem Spukhaus gemacht. Das hungrig ist. Und auf sein nächstes Opfer wartet.
Doch Mara ist als Tochter aus einem spiritistischen Elternhaus inzwischen Rationalistin. Abgehärtet und unerschrocken. Und aufgeklärt, wie sie glaubt. Auf das Gerede der Leute gibt sie keinen Deut und vertraut lieber auf ihr Bauchgefühl und ihre Zuneigung, die sie sofort dem alten Gemäuer gegenüber empfunden hat. Ihr Freund Neil ist dabei nicht ganz so abgeklärt und vor allem besorgt um seine Freundin. Aus welchem Grunde Mara die ersten unheimlichen Geschehnisse auch vor ihm geheim zu halten versucht. Doch schon bald sind es nicht mehr nur der Schaukelstuhl, der sich wie von selbst bewegt, und die Schritte auf dem Dachboden, die sich nicht erklären lassen…
Und was dann folgt ist eine sich schnell steigernde Abfolge von Spuk, rachsüchtigen Geistern und sehr realen Bedrohungen. Und vor allem: ganz großartiges Horrorkino! Für den Kopf und für meine Gänsehaut. In einem sehr klassischen Genreaufbau. Ganz so wie ich es liebe und schätze. Und es süchtig macht.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Was die Welt besonders macht

Die seltsamste aller Zahlen
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Jamies Welt ist besonders. Abläufe, Rituale und Muster bestimmen seine Tage und geben ihnen Struktur, Rot ist seine Lieblingsfarbe, und Menschen sind ihm fremd und unheimlich. Doch vor allem ist es seine ...

Jamies Welt ist besonders. Abläufe, Rituale und Muster bestimmen seine Tage und geben ihnen Struktur, Rot ist seine Lieblingsfarbe, und Menschen sind ihm fremd und unheimlich. Doch vor allem ist es seine Welt. In die nur wenige Zugang finden.
Ausgenommen sind hier sein Vater Eoin und seine Großmutter Marie. Seine Mutter Noelle, die bei Jamies Geburt unter tragischen Umständen zu Tode kam, hat eine nicht zu füllende Lücke in dem Leben ihres Sohnes hinterlassen. Eine Lücke, welche jener in Hoffnung und Verzweiflung mit dem Bau eines Perpetuum mobile zu überbrücken versucht, einer Maschine, die in ihrer unendlichen Bwegung seine tote Mutter wieder zum Leben erwecken soll.
Der Schulwechsel bringt Jamies fein austarierte Welt ins Schwanken. Sicherheit und Unterstützung findet er überraschend in seiner Lehrerin Tess, die sich des sensiblen Neuzugangs annimmt. Und dabei doch ihre ganz eigenen eigenen Sorgen und Nöte zu tragen hat. Der neue Werklehrer Tadgh macht das Trio komplett und bringt mit seiner Unvoreingenommenheit und unkonventionellem Auftreten Dynamik und Veränderung in das Leben der Drei und der gesamten Dorfgemeinde.
Die Geschichte hat mit Jamie einen Protagonisten, der mit seinem offenen, unverstellten Blick auf Menschen und Dinge und zugleich seiner Fragilität und scheinbaren Schutzlosigkeit das eigene Herz rührt. Und auch Tess und Tagh sprechen durch ihr auf Menschlichkeit beruhendem Handeln die Leser*innen auf einer emotionalen Ebene direkt an. Doch zugleich lässt dies die Geschichte für mich in großen Teilen wenig überraschend und neu erscheinen, in ihrem Fortgang vorhersehbar sein. Gut unterhalten fühlte ich mich dennoch, bei einer heißen Tasse und winterlichen Keksen.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Ein Roman, der bleibt

Über dem Tal
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Mit einem neuen Lieblingsbuch gleich in das neue Jahr gestartet. Das passt! Und ganz unerwartet hat mich die Geschichte tief ins Herz getroffen, mich so sehr berührt, mitgerissen, mir Schauer über den ...

Mit einem neuen Lieblingsbuch gleich in das neue Jahr gestartet. Das passt! Und ganz unerwartet hat mich die Geschichte tief ins Herz getroffen, mich so sehr berührt, mitgerissen, mir Schauer über den Rücken gejagt. Und mich vor allem zu einer großen Schafsliebhaberin gemacht. Und vielleicht auch ein wenig zu einer Kennerin.
Das klingt wild, ist es auch. Und vor allem die Landschaft, in welcher „Über dem Tal“ angesiedelt ist. Wenn „Siedlung“ denn überhaupt der richtige Ausdruck für die Einsamkeit, Wildheit und die ursprüngliche Landschaft der Fells ganz im Norden Englands ist. Und eben hier, mitten in und mit der Natur, sind die Höfe der Schafbauern in die rauhen, kargen Hügel und Felsen geschmiegt. Williams Anwesen Caldhithe ist mit Größe der Ländereien und Schafsherde Montgarth überlegen, dem Hof, welchen Steve gemeinsam mit seinem Vater bewirtschaftet. Als die Maul- und Klauenseuche den eigenen Tierbestand befällt, findet er den Weg auf das benachbarte Anwesen und erliegt dort der Faszination des älteren Mannes, seiner Grausamkeit, Brutalität, Geradlinigkeit. Und auch der Warmherzigkeit Helens, Williams Frau, welche ihm das erste Mal ein Gefühl von zu Hause gibt.
Steve ist William und Caldhithe verfallen. Und damit beginnen sein Glück und Unglück. Seine Kriminalität, ein Leben an den eigenen Grenzen und darüber hinaus. Doch vor allem führt er ein Leben, das er mit jeder Faser seines Körpers und jeder Minute des Tages den Schafen, ihrer Zucht und Aufzucht, dem Fortbestand der Herde widmet. Und das er im Einklang mit der rauhen Natur, der kargen Landschaft und schier endlosen Weite der Fells verbringt. Das ihm alles abverlangt. Und ihn doch erfüllt.
Ebenso ging es mir mit diesem Roman. Ja, die Geschichte ist hart und grausam, zugleich aber wunderschön mit Bildern von einem beeindruckendem Land und mit poetischer, sanfter Sprache. Und mit einer Sehnsucht nach einem einfachen, ursprünglichen Leben und ebenso dem Respekt vor diesem und seinen Entbehrungen. Und vor allem schreibt sie sich tief in das Herz. Und bleibt.

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