Profilbild von darkola77

darkola77

Lesejury Star
offline

darkola77 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit darkola77 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2025

Was die Welt besonders macht

Die seltsamste aller Zahlen
0

Jamies Welt ist besonders. Abläufe, Rituale und Muster bestimmen seine Tage und geben ihnen Struktur, Rot ist seine Lieblingsfarbe, und Menschen sind ihm fremd und unheimlich. Doch vor allem ist es seine ...

Jamies Welt ist besonders. Abläufe, Rituale und Muster bestimmen seine Tage und geben ihnen Struktur, Rot ist seine Lieblingsfarbe, und Menschen sind ihm fremd und unheimlich. Doch vor allem ist es seine Welt. In die nur wenige Zugang finden.
Ausgenommen sind hier sein Vater Eoin und seine Großmutter Marie. Seine Mutter Noelle, die bei Jamies Geburt unter tragischen Umständen zu Tode kam, hat eine nicht zu füllende Lücke in dem Leben ihres Sohnes hinterlassen. Eine Lücke, welche jener in Hoffnung und Verzweiflung mit dem Bau eines Perpetuum mobile zu überbrücken versucht, einer Maschine, die in ihrer unendlichen Bwegung seine tote Mutter wieder zum Leben erwecken soll.
Der Schulwechsel bringt Jamies fein austarierte Welt ins Schwanken. Sicherheit und Unterstützung findet er überraschend in seiner Lehrerin Tess, die sich des sensiblen Neuzugangs annimmt. Und dabei doch ihre ganz eigenen eigenen Sorgen und Nöte zu tragen hat. Der neue Werklehrer Tadgh macht das Trio komplett und bringt mit seiner Unvoreingenommenheit und unkonventionellem Auftreten Dynamik und Veränderung in das Leben der Drei und der gesamten Dorfgemeinde.
Die Geschichte hat mit Jamie einen Protagonisten, der mit seinem offenen, unverstellten Blick auf Menschen und Dinge und zugleich seiner Fragilität und scheinbaren Schutzlosigkeit das eigene Herz rührt. Und auch Tess und Tagh sprechen durch ihr auf Menschlichkeit beruhendem Handeln die Leser*innen auf einer emotionalen Ebene direkt an. Doch zugleich lässt dies die Geschichte für mich in großen Teilen wenig überraschend und neu erscheinen, in ihrem Fortgang vorhersehbar sein. Gut unterhalten fühlte ich mich dennoch, bei einer heißen Tasse und winterlichen Keksen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.01.2025

Ein Roman, der bleibt

Über dem Tal
0

Mit einem neuen Lieblingsbuch gleich in das neue Jahr gestartet. Das passt! Und ganz unerwartet hat mich die Geschichte tief ins Herz getroffen, mich so sehr berührt, mitgerissen, mir Schauer über den ...

Mit einem neuen Lieblingsbuch gleich in das neue Jahr gestartet. Das passt! Und ganz unerwartet hat mich die Geschichte tief ins Herz getroffen, mich so sehr berührt, mitgerissen, mir Schauer über den Rücken gejagt. Und mich vor allem zu einer großen Schafsliebhaberin gemacht. Und vielleicht auch ein wenig zu einer Kennerin.
Das klingt wild, ist es auch. Und vor allem die Landschaft, in welcher „Über dem Tal“ angesiedelt ist. Wenn „Siedlung“ denn überhaupt der richtige Ausdruck für die Einsamkeit, Wildheit und die ursprüngliche Landschaft der Fells ganz im Norden Englands ist. Und eben hier, mitten in und mit der Natur, sind die Höfe der Schafbauern in die rauhen, kargen Hügel und Felsen geschmiegt. Williams Anwesen Caldhithe ist mit Größe der Ländereien und Schafsherde Montgarth überlegen, dem Hof, welchen Steve gemeinsam mit seinem Vater bewirtschaftet. Als die Maul- und Klauenseuche den eigenen Tierbestand befällt, findet er den Weg auf das benachbarte Anwesen und erliegt dort der Faszination des älteren Mannes, seiner Grausamkeit, Brutalität, Geradlinigkeit. Und auch der Warmherzigkeit Helens, Williams Frau, welche ihm das erste Mal ein Gefühl von zu Hause gibt.
Steve ist William und Caldhithe verfallen. Und damit beginnen sein Glück und Unglück. Seine Kriminalität, ein Leben an den eigenen Grenzen und darüber hinaus. Doch vor allem führt er ein Leben, das er mit jeder Faser seines Körpers und jeder Minute des Tages den Schafen, ihrer Zucht und Aufzucht, dem Fortbestand der Herde widmet. Und das er im Einklang mit der rauhen Natur, der kargen Landschaft und schier endlosen Weite der Fells verbringt. Das ihm alles abverlangt. Und ihn doch erfüllt.
Ebenso ging es mir mit diesem Roman. Ja, die Geschichte ist hart und grausam, zugleich aber wunderschön mit Bildern von einem beeindruckendem Land und mit poetischer, sanfter Sprache. Und mit einer Sehnsucht nach einem einfachen, ursprünglichen Leben und ebenso dem Respekt vor diesem und seinen Entbehrungen. Und vor allem schreibt sie sich tief in das Herz. Und bleibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2024

Und draußen geht die Welt unter

Es sind nur wir
0

Wenn die eigene Welt in Scherben bricht – der Protagonist in „Es sind nur wir“ hat genau das erlebt. Und daraus seine Konsequenzen gezogen, Schritt für Schritt, dann zunehmend drastisch und ohne einen ...

Wenn die eigene Welt in Scherben bricht – der Protagonist in „Es sind nur wir“ hat genau das erlebt. Und daraus seine Konsequenzen gezogen, Schritt für Schritt, dann zunehmend drastisch und ohne einen Weg zurück in sein altes Leben.
Denn dieses Leben hat ihn schwer verwundet zurückgelassen. Als Lehrer, der seinen Beruf ohne Profession und nur mit halben Herzen ausgeübt hat, wurde er von dem tragischen Schicksal seines Schülers aus seiner instabilen Bahn geworfen – und direkt zu Mascha katapultiert. Mascha ist Prepperin und damit bestens und mit großer Ernsthaftigkeit auf das vorbereitet, was der Ich-Erzähler im Privaten bereits erlebt hat: den Untergang der Welt.
Maschas Bunker ist ihr gemeinsamer Zufluchts- und Rückzugsort, ihr Schutz vor Bedrohungen und Anforderungen einer Außenwelt, er ist aber auch der Ort, an welchem Zivilisation und Natur aufeinandertreffen und sich begegnen – und dies in geradezu mystischer oder auch mythologischer Gestalt einer Füchsin. Nicht nur, dass das Tier die Nähe zu den beiden Eremiten in seinem Revier sucht, es wagt sich zunehmend auch in deren Behausung vor, scheint dort ein- und auszugehen und so zu einem festen Bestandteil des Lebens im Rückzug zu werden. Einem Leben, das auf das Ende ausgerichtet ist.
Martin Peichl vermag in klarer Sprache und mit poetischen Worten eine Geschichte zu erschaffen, die einen Rausch an Emotionen freisetzt und dabei ebenso fasziniert wie verstörend wirkt in Denken und Ausrichtung der Figuren. Dass der Roman mich gerade zwischen den Jahren gefunden hat, sehe ich dabei als großes Glück und wunderbare Fügung – denn kaum treffender hätte diese Zeit des Abschlusses und Neubeginns für mich begleitet werden können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.12.2024

Fantasy mit Magie und Hexenkunst

Tage einer Hexe
0

Hexen, Monster und eine geteilte Stadt voll Magie und Zauberei – „Tage einer Hexe“ ist all das, was Fantasy spannend, fantasievoll und zu einem großen Lesevergnügen macht. Und für mich ist es der Roman, ...

Hexen, Monster und eine geteilte Stadt voll Magie und Zauberei – „Tage einer Hexe“ ist all das, was Fantasy spannend, fantasievoll und zu einem großen Lesevergnügen macht. Und für mich ist es der Roman, der mich durch Stunden voll Kerzenschein und Keksen in der Adventszeit begleitet hat.
Doch besinnlich ist die Geschichte dabei wirklich nicht – ganz im Gegenteil! Denn Kosaras Kampf um ihren eigenen Hexenschatten und damit auch um die Zukunft Chernograds, der verfluchten Stadt hinter der Mauer, hat ihren Ausgangspunkt in den „Schmutzigen Tagen“. Und das ist genau die Zeit im Jahr, in welcher Upire, Rusalken und Samodiven die Straßen unsicher machen und sich ihrem Blutdurst und ihrer Freude an Spiel und Schabernack mit den Lebenden hingeben.
Und leider sind diese ungeweihten Tage auch die Jagdsaison des Zmey, des Königs der Monster, in welcher er eine junge Frau zur Braut wählt und sie nach und nach ihrer Kräfte beraubt – wie Kosara schmerzlich am eigenen Leib erfahren musste. Doch auf der Suche nach ihrem Hexenschatten muss sie sich nicht nur ihren alten Wunden und Ängsten stellen, sondern sich auch in einem magischen Duell beweisen, in welchem nichts weniger als der Fortbestand ihrer Welt auf dem Spiel steht. Und nicht zuletzt wartet eine noch größere Herausforderung auf die junge Hexe: wieder Vertrauen zu fassen und Nähe zuzulassen – auch, wenn er buchstäblich aus einer anderen Welt zu stammen scheint.
Als die Tage kürzer und die Nächte kälter und länger wurden, hat „Tage einer Hexe“ mein Leseherz erwärmt und mir Leuchten in die Augen und Gänsehaut überhaupt und überall gezaubert. Und mich vor allem in eine Geschichte voll Fantasie und Magie eintauchen lassen, die mich ganz wunderbar begeistert und meinen Kopf mit Bildern und Figuren gefüllt hat. Und mich mit Mondwein und verzauberten Früchten auf den ersten Schnee und die „Schmutzigen Tage“ hoffen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.11.2024

Nehmt die rosarote Brille ab!

Women Living Deliciously
0

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, das ist doch klar!
Das könnte man(n) denken – und Frau ebenso. Doch ganz so einfach ist es nicht. Und er erst recht nicht so eindeutig. Denn Auswirkungen und Einfluss ...

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, das ist doch klar!
Das könnte man(n) denken – und Frau ebenso. Doch ganz so einfach ist es nicht. Und er erst recht nicht so eindeutig. Denn Auswirkungen und Einfluss des Patriachats sind verändert und subtil und damit häufig erst auf den zweiten, sensibilisierten Blick zu erkennen.
Und genau diese geschärfte Sichtweise legt Florence Given an den Tag, wenn sie den weiblichen Körper, Schönheitsideale und (Selbst-) Beschränkungen von Frauen kritisch unter die Lupe nimmt und gleich einer Chirurgin freien Willen und Entscheidungsautonomie von patriarchalen Denkmustern und Grenzziehungen trennt. Und dabei Erstaunliches zu Tage befördert.
Für Given steht fest: Es ist Zeit, die rosarote Brille abzunehmen! Denn „der patriarchalische Käfig, der uns zurückhält, befindet sich jetzt in unseren eigenen Köpfen“. Hört sich nicht nur erschreckend an, hat auch Hand und Fuß und unzählige Anknüpfungspunkte an die doch so unterschiedlichen Lebenswelten und -modelle der Leser*innen. Oder anders gesagt: Auch ich selbst habe mich in zahlreichen Ausführungen und Beispielen wiedererkennt. Schmerzhaft. Aber auch notwendig.
Doch wie sagt Given weiter: Wir können nichts ändern, was uns nicht bewusst ist! Und das ist auch der Ausgangspunkt für ihren Drei-Punkte-Plan. Jäten, Pflanzen, Blühen! Denn nach dem Aufdecken von Glaubenssätzen und Gewohnheiten gibt sie lebensnahe und ganz praktische Impulse und Anleitungen, um die Samen für all die Ideen und Ziele zu pflanzen, die Frau für sich selbst will, und deren Früchte sie in der Phase des Blühens erntet.
Tatsächlich hat mich das Buch über viele Kapitel eiskalt erwischt. Warum? Weil ich mich für selbstreflektiert und aufgeklärt halte. Und trotzdem zahlreiche Fallen ausfindig gemacht habe, in die ich nur zu gern tappe, immer wieder. Und selbst nicht mal als solche wahrgenommen habe. Aus diesem Grunde: Das Buch ist Pflichtlektüre, Konfrontationstherapie und Ideengeber für Reflektionen und Wünsche. Und Seelenstreichler und Herzenswärmer gleich dazu.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung