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Veröffentlicht am 01.11.2024

Wie viel Leben verträgt die Liebe?

Okaye Tage
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Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – Liebe kann eine Achterbahnfahrt sein. Sie kann Endorphine und ungeahnte Höhen bereithalten und einen dann wieder ins Bodenlose stürzen und alles um einen herum ...

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – Liebe kann eine Achterbahnfahrt sein. Sie kann Endorphine und ungeahnte Höhen bereithalten und einen dann wieder ins Bodenlose stürzen und alles um einen herum grau und farblos werden lassen. Und den einen Menschen zum Mittelpunkt der eigenen Welt machen.
So geschieht es Sam mit Luc und Luc mit Sam. Was mit einer Begegnung, einem flüchtigen Gespräch begann, findet nun nach über zehn Jahren seine überraschende Fortsetzung. Und wird sofort zu etwas ganz Großem, etwas, was Kopf, Herz und den Sommer in London einnimmt. Denn eines steht fest: Nach nur wenigen Monaten muss Sam die Stadt und damit auch Luc wieder verlassen. Und ihre Beziehung ist beendet. Ein kalter, sauberer Schnitt, so ist es geplant. So soll es für Sam sein.
Das Ultimatum vor Augen, verlieren sich Sam und Luc ganz ineinander und ihrem gemeinsamen Leben. Gehen gemeinsam über Grenzen, sind zügellos, trunken vor Liebe und Alkohol. Und sind mit dem Abschied voneinander mit einer Leere konfrontiert, die sich auch systematisch, mit Plan und Disziplin nicht füllen lässt. Und sie zu einem großen Schritt veranlasst.
Doch ist Liebe allein genug? Ist sie für ein gemeinsames Leben erprobt, belastbar? Trägt sie durch Kompromisse und über Herausforderungen, Schwierigkeiten hinweg?
Bei allem, was sie eint, so verschieden sind Sam und Luc – und so ist auch ihre Sicht auf sich, ihr Gemeinsames und das, was sie trennt. Wir als Leser*innen können eben diese Sichtweisen erleben, wird die Geschichte doch in einem Wechsel mal aus der einen, mal aus der anderen Perspektive erzählt. Ergibt dadurch ein Ganzes, füllt Leerstellen, gibt Klärung. Und vor allem hält es Spannung und Lesefreude durchgehend auf einem hohen Niveau – der Roman macht Spaß! Wenn auch die Handlung das eine oder andere Mal erwartbar scheint.

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Veröffentlicht am 27.10.2024

Ein Wunderwerk – eine große Leseempfehlung

Antichristie
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Wenn Ihr in den verbliebenen Wochen dieses Jahres nur noch ein Buch lesen könnt: Greift zu „Antichristie“! Legt es Freunden unter den Weihnachtsbaum, und lasst sie mit diesem Wunderwerk ins neue Jahr starten!
Warum ...

Wenn Ihr in den verbliebenen Wochen dieses Jahres nur noch ein Buch lesen könnt: Greift zu „Antichristie“! Legt es Freunden unter den Weihnachtsbaum, und lasst sie mit diesem Wunderwerk ins neue Jahr starten!
Warum ich so euphorisch bin? Es liegt nicht an der goldenen Herbstsonne in meinem Gesicht und den bunten Blättern vor meinen Füßen – okay, vielleicht ein wenig. Doch vor allem ist es dieses grandiose Gesamtpaket von Roman, das mich die vergangenen Tage und Wochen in seinen Bann gezogen hat, eine Geschichte vor meinen Augen und in meinem Kopf hat abspielen lassen und mir so viel neues Wissen, Einsichten und Denkanstöße vermittelt hat.
Und ganz wichtig und nicht zu vergessen: Die Sprache hat Witz, die Handlung Humor. Und das, obwohl das Sujet ein ernstes ist, ein grausames Kapitel der britischen Geschichte und des Leids der Menschen Indiens in der Kolonialzeit des Empires. Historische Figuren und Ereignisse vermischen sich mit Fiktion und einer Lebendigkeit, die sie die Jahrzehnte überbrücken und in der Gegenwart wieder auferstehen lässt.
Durga ist Teil dieser Fiktion und zugleich Mittelpunkt und verbindendes Element zwischen einem Heute im Jahre 2022 – zum Zeitpunkt des Todes Queen Elisabeth II. – und den indischen Revolutionären im Londoner India House des beginnenden 20. Jahrhunderts. Und neben dem fantastischen Motiv der Zeitreise, allerlei Skurrilem wie einem Locked Room-Mord und Doctor Who als Zitategeber und Referenz geht es doch und vor allem um den Widerstand junger Inder im Herzen des Königreichs gegen ihre Unterdrücker und die Heterogenität und Trennung innerhalb des großen Subkontinents Indien in Form von Religionen, Abstammung, Kasten.
Mithu Sanyal vollbringt das Kunststück, aus dieser Vielzahl an Themen, Einflüssen und einem reichen Figurenensemble ein großartiges Ganzes zu erschaffen, das beim Lesen ebenso viel Vergnügen wie Nachdenklichkeit erzeugt. Und Zugang zu Geschichte und Ereignissen vermittelt, die aus eurozentristischer Sicht oftmals verborgen scheinen.

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Veröffentlicht am 05.10.2024

Wirklich und die Wahrheit: Nervenkitzel, Spannung und voller Rätsel

Scandor
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Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit – das ist, was Philipp, Tessa und die weiteren Mitspielerinnen sprechen müssen, wollen sie die fünf Millionen Preisgeld gewinnen. Und sich nicht ihren schlimmsten ...

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit – das ist, was Philipp, Tessa und die weiteren Mitspielerinnen sprechen müssen, wollen sie die fünf Millionen Preisgeld gewinnen. Und sich nicht ihren schlimmsten Albträumen stellen müssen. Klingt einfach? Nicht aber, wenn Scandor Deinen Arm umschließt. Denn Scandor hört, spürt und bewertet alles. Und lässt Deinen Alltag damit zum Spießrutenlauf werden.
Doch diese Konsequenz wird Philipp und Tessa erst nach und nach bewusst. Wenn sie ihre Freund
innen vor den Kopf stoßen, Kund*innen mit schonungsloser Ehrlichkeit verärgern und sich zunehmend sozial isolieren. Und wäre das allein nicht schon genug, um die eigene Spielteilnahme wieder und wieder in Frage zu stellen und Nerven und Kräfte mehr und mehr schwinden zu lassen, häufen sich auch die merkwürdigen Zufälle und rätselhaften Begegnungen und Verbindungen. Was steckt wirklich hinter dem Wettbewerb? Und verfolgen die Spielmaster möglicherweise ein ganz eigenes Ziel?
Wer Poznanski und ihre Jugendbücher kennt, weiß: Bis zum Schluss, bis zur allerletzten Zeile bleibt es spannend und rätselhaft. Nimmt die Autorin uns mit auf Irrwege, führt uns in Sackgassen und setzt uns Verschwörungen, Staunen und ganz viel Überraschung und Nervenkitzel aus. Und weiß einfach großartig zu unterhalten! Und all das finden wir auch in „Scandor“ – verbunden mit der erschreckenden Vorstellung, dass jemand Drittes tiefen Einblick in unser Innerstes, in unser Selbst nehmen kann.
Wäre das bei mir möglich: Der Wahrheitsgehalt dieser Besprechung ist 100 %. Scandor würde es bestätigen.

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Veröffentlicht am 21.09.2024

So schön, klug und witzig – ein Pageturner

Pi mal Daumen
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Lieblingsbuch! Und zwar auf ganzer Linie.
Die Geschichte hat mich ins Herz getroffen, ohne dabei rührselig zu sein. Hat mich zum Lachen gebracht mit einem Witz und Humor, der punktgenau und passend ist. ...

Lieblingsbuch! Und zwar auf ganzer Linie.
Die Geschichte hat mich ins Herz getroffen, ohne dabei rührselig zu sein. Hat mich zum Lachen gebracht mit einem Witz und Humor, der punktgenau und passend ist. Und hat mich an das Buch gefesselt, die Nacht zum Tag gemacht.
Doch vor allem lässt sie mich nun wehmütig zurück, denn scheinbar bin ich noch nicht bereit, Moni und Oscar ziehen zu lassen. Mich von den Marotten und Besonderheiten des jungen Mathematikgenies zu verabschieden und auch Moni ein hoffnungsvolles „Auf Wiedersehen“ zu sagen, der lebenserfahrenen und patenten Mutter, Großmutter und Studentin, deren Herz so groß wie ihre Handtasche ist. Und auch die Mathematik werde ich vermissen, die vage Vorstellung von einer Wissenschaft, die das Leben, unsere Welt, das gesamte Universum zu erklären vermag und dabei für diejenigen, die sie zu durchdringen vermögen, Klarheit, Ordnung und den Blick in die tiefsten Tiefen und höchsten Höhen verspricht. Während alle anderen nur Zahlen, Symbole und Formeln sehen.
Doch, was mich wirklich überrascht, ist, wie sehr mir die Geschichte gefallen hat! Das Cover ist wunderschön, ein Eyecatcher, hat mich aber auch auf eine gänzlich andere Fährte geführt. Und wird samt Inhalt nun meinem Mann in die Hand gedrückt, der sich schon über mein verzücktes Lächeln und lautes Lachen gewundert hat. Und die brennende Nachttischlampe zur Schlafenszeit.
Wenn die Tage nun kürzer werden, darf „Pi mal Daumen“ für ein wenig wärmenden Sonnenschein zwischen den Seiten auf keinen Fall fehlen! Kombiniert mit einer Tasse Kamillentee – Oscars Lieblings- und einzigem Getränk in der Unimensa.

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Veröffentlicht am 15.09.2024

Alltag und Poesie

Halbnah
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Die Stadt als Ort der Begegnungen, des sozialen Miteinanders aber auch eines Vakuums, das von den Menschen mit ihren unterschiedlichen Geschichten, Bedürfnissen und Wünschen gefüllt wird – „Halbnah“ bietet ...

Die Stadt als Ort der Begegnungen, des sozialen Miteinanders aber auch eines Vakuums, das von den Menschen mit ihren unterschiedlichen Geschichten, Bedürfnissen und Wünschen gefüllt wird – „Halbnah“ bietet für all dies einen Raum, Auffangbecken und Projektionsfläche. Und gleich Perlen an einer Kette reihen sich Ausschnitte der einzelnen Leben und Handlungsfragmente aneinander.
Drei Frauen sind es, die wir begleiten in einer zeitlich klar begrenzten Gegenwart und einer Vergangenheit, die weit und breit ist. Kata und Mira verbindet eine gemeinsame Kindheit, ein Aufwachsen als Schwester und Pflegekind und ein Verhältnis der räumlichen Distanz und emotionalen Nähe. Sarah erscheint dagegen in einem Prozess des Loslassen und des Infragestellens ihrer sozialen Bindungen und Beziehungen. Mit Blick auf ihren Lebensgefährten Elias folgt auf ihre emotionale Entfremdung ein Weggang aus der gemeinsamen Wohnung und damit eine Trennung. Stück für Stück. Karton für Karton. Ein Zueinanderfinden mit Benjamin, auf welchen sie Sehnsüchte und die Hoffnung auf eine erfüllte Partnerschaft projiziert, findet anders als von ihr erhofft jedoch nur in kleinen Schritten statt.
„Halbnah“ ist viel und sperrt sich gegen eine Zuordnung in Genres und Kategorisierungen, die eigenen literarischen An- und Zielsetzungen nur wenig Raum lassen. Es ist die Beschreibung des Alltags der jungen Frauen, die uns Einblicke in Denken und Handeln einer Generation und doch dreier Individuen gewährt. Zugleich sind es die poetischen Elemente und die Klugheit in Aussagen und Betrachtungen, die ein Verweilen in Kopf und Gedanken schaffen – und eine Fortsetzung im Bezug zu eigenen Ansichten und Leben.
Nur die Perlen auf der Kette reihen sich in Teilen in Abständen, die lose und in ihrer Verbindung nicht eindeutig sind. Bevor sie abreißen – so wie auch der beschriebene Tag so plötzlich zu enden vermag.

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