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Veröffentlicht am 31.08.2025

Zwischen Wahrheit und Wahnsinn

Madwoman
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Dieses Buch hält, was es verspricht: es ist ein starker feministischer Pageturner. Der Leser taucht in die chaotische Gedankenwelt von Clove ein, die von aussen betrachtet ein perfektes Leben mit Ehemann ...

Dieses Buch hält, was es verspricht: es ist ein starker feministischer Pageturner. Der Leser taucht in die chaotische Gedankenwelt von Clove ein, die von aussen betrachtet ein perfektes Leben mit Ehemann und Kindern zu führen scheint - wäre da nicht ihre geheime Vergangenheit, die plötzlich an ihrer Haustüre klopft. Clove hatte keine einfache Kindheit, sie kam aus einem gewalttätigen Haushalt. Sie hat ein neues Leben begonnen und all diese dunklen Jahre hinter sich gelassen - und diese sogar vor ihrem Ehemann verschwiegen.

Ich war ab der ersten Seite in der Geschichte gefangen. Chelsea Bieker schreibt so ehrlich und realitätsnah über Mutterschaft, Perfektionismus, Traumabewältigung bzw. -unterdrückung und Obsession aus der Perspektive einer Frau. Ich konnte mich so gut in Cloves Sorgen und Ängste bezogen auf ihre Kinder hineinversetzen. Die Handlung liest sich für mich wie ein fesselnder Psychothriller. Während Clove sich immer weiter in ihre eigenen Lügen verstrickt, holen ihre Geheimnisse sie Stück für Stück ein. Die Handlung entwickelt sich öfter in unvorhersehbare Richtungen, was die Lektüre umso spannender macht. Bieker nimmt kein Blatt vor dem Mund. Dementsprechend sind die expliziten Passagen über Gewalterfahrungen an ihre Mutter durch ihren Vater nicht leicht zu lesen. Dennoch zeigen sie die Realität vieler (Ehe)frauen auf und auch, wie schwierig es ist, sich vom gewalttätigen Partner zu trennen. Es ist ausserdem eindrücklich, wie Trauma das eigene Leben beeinflusst und über Generationen hinweg vererbt wird.

Der Erzählstil ist einzigartig. Clove wechselt in ihren Schilderungen zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit (in der Anrede „Du“, welche direkt an ihre Mutter gerichtet ist). An diese abrupten und unangekündigten Wechsel musste ich mich zuerst gewöhnen, aber im Verlauf der Handlung verleihen diese zeitlichen Sprünge der Geschichte noch mehr Spannung. Die sprunghaften Gedanken widerspiegeln das Chaos, das in Cloves Kopf herrscht. Die Autorin hat dies raffiniert als Stilmittel eingesetzt.

Dieser Roman hat mich schockiert zurückgelassen. Er zeigt ungefiltert, wie weit menschliche Abgründe gehen können. Es ist ein absolut lesenswerter Roman, den ich allen wärmstens empfehlen kann, die sich gerne mit der menschlichen Psyche auseinandersetzen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Poetischer und herzergreifender Roman übers Erwachsenwerden

Himmel ohne Ende
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Dieser Coming-of-Age-Roman ist so viel mehr als das. Er zeigt in einem realistischen Bild, wie schwierig und einsam sich das Erwachsenwerden anfühlen kann. Charlie fühlt sich nirgends vollständig zugehörig. ...

Dieser Coming-of-Age-Roman ist so viel mehr als das. Er zeigt in einem realistischen Bild, wie schwierig und einsam sich das Erwachsenwerden anfühlen kann. Charlie fühlt sich nirgends vollständig zugehörig. Ihre beste Freundin sowie ihre Mitschüler distanzieren sich schrittweise von ihr. Sie versteht die Welt nicht mehr und isoliert sich zunehmend von der Welt. Diese Ablehnung, die der Leser miterlebt, trifft mitten ins Herz. Als man denkt, dass es nicht mehr auszuhalten ist, taucht Pommes/Kornelius auf und freundet sich schnell und unkompliziert mit Charlie an.
Langsam schafft Charlie es, eine andere Perspektive auf das Leben einzunehmen. Sie lernt, dass sie Teil der Gesellschaft ist und nicht durch eine Glaswand von der restlichen Welt abgetrennt ist.

Die Handlung bringt zum Ausdruck, wie es möglich ist, mit den Tiefen und Rückschlägen des Lebens umzugehen. Charlie ist schon in jungen Jahren ein sehr intelligentes und reflektiertes Mädchen. Sie sieht sich mit vielen dunklen und selbstsabotierenden Gedanken konfrontiert. Und doch findet sie einen positiven Ausweg aus dem Ganzen.

Julia Engelmann hat mich mit ihrer poetischen Sprache vollkommen verzaubert. Viele Sätze hallen noch in mir nach. Insbesondere die bildhaften Beschreibungen des Himmels: so einzigartig wie jeder Sonnenuntergang!

S. 131: „Was nützte einem der schönste Himmel, wenn man ihn niemandem zeigte? Und was der schönste Gedanke, wenn man ihn niemandem erzählte?“

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Rettungsschwimmer-Romanze voller Geheimnisse

The summer that broke us (Lifeguard 1)
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Diese Story schreit regelrecht nach Sommer - nach einer warmen Brise, salziger Luft und vielen Lifeguards! Das wunderschöne Cover mit den Wellen hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt, aber zum Buch gegriffen ...

Diese Story schreit regelrecht nach Sommer - nach einer warmen Brise, salziger Luft und vielen Lifeguards! Das wunderschöne Cover mit den Wellen hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt, aber zum Buch gegriffen habe ich schlussendlich wegen der spannenden Handlung.

Das einzigartige Setting hält grösstenteils das, was es verspricht. Der Leser taucht in die Welt der Rettungsschwimmer in Malibu ein. Dadurch habe ich einiges über den Alltag und die Ausbildung von Rettungsschwimmern gelernt. Die Hauptfiguren sind Layla und ihre beste Freundin Sutton, die ihren dritten Sommer in Malibu verbringt und ein Geheimnis mit sich trägt, und Ben, der ebenso als Lifeguard in Malibu ist und gleichzeitig Laylas Ex ist. Wie von unsichtbarer Hand gelenkt, müssen Ben und Sutton zusammenziehen, obwohl sie sich auf den ersten Blick nicht leiden können.
Alles dreht sich um das grosse Geheimnis von Sutton, jedoch wird dieses erst relativ spät in der Handlung gelüftet. Bis dahin ist es unverständlich, wieso Sutton Ben eine so starke Abneigung hegt. Da wurde fast schon etwas zu sehr auf die Folter gespannt. Auch wenn ich insgesamt an den Seiten klebte, nimmt die Spannung in der Mitte des Buches etwas ab, steigt dann gegen Ende aber wieder stark an. Vor der Lektüre dachte ich, dass die Story noch düster und nervenaufreibender sein würde - da hatte ich etwas falsche Erwartungen.

Der Schreibstil ist ansprechend und teils mystisch. Ich habe sofort in die Geschichte hineingefunden. Insbesondere die intensive Beschreibung eines schwierigen Rettungseinsatzes hat mir sehr gut gefallen. Solche Szenen hätten im Buch gerne mehr Platz einnehmen können.

Mit der Zeichnung der Charaktere bin ich nicht vollständig zufrieden. Obwohl auch Layla eine wichtige Rolle spielt, konnte ich zu ihr nicht wirklich einen Draht aufbauen, da sie nicht so oft vorkommt. Auch Sutton war mir lange unsympathisch und zu kalt. Positiv anzumerken ist jedoch, dass sich Ben und Sutton beide charakterlich weiterentwickeln und sich ihren inneren Konflikten stellen.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die eine Lovestory mit Spannung suchen, bei der aber auch ernste Themen behandelt werden.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Raffinierte Kritik an die Politik in Form eines Gedankenexperiments

Das Geschenk
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Die niederländische Autorin Schoeters begibt sich in dem Roman auf ein skurriles Gedankenexperiment. Der botswanische Präsident „schenkt“ Deutschland 20’000 Elefanten als Reaktion zum Einfuhrverbot von ...

Die niederländische Autorin Schoeters begibt sich in dem Roman auf ein skurriles Gedankenexperiment. Der botswanische Präsident „schenkt“ Deutschland 20’000 Elefanten als Reaktion zum Einfuhrverbot von Jagdtrophäen. Die Elefanten vereinnahmen in Deutschland Strassen, Städte und sogar Ernten. Sie stellen für die Bevölkerung eine ernst zu nehmende Bedrohung dar.

(Während einer kurzer Recherche war ich überrascht zu erfahren, dass Botswana dies unter Herrschaft von Mokgweetsi Masisi 2024 tatsächlich angedroht hatte, nachdem Deutschland das Gesetz rund um Jagdtrophäen anpassen wollte.)

Im Mittelpunkt der Handlung steht die folgende Frage: Was macht die deutsche Politik, wenn der Elefant buchstäblich im Raum ist? Und wie geht die Regierung mit den Elefanten um? Da das Buch 144 Seiten hat, geht die Handlung zügig voran, ohne dass die Spannung zu kurz kommt. Es gelingt der Autorin, in eher wenigen Seiten viel Kritik an unsere Gesellschaft auszuüben, sodass nichts ungesagt bleibt.

Der Roman zeigt plakativ auf, was wir als Bürger oft im echten Leben beobachten. Dass hochrangige Politiker kurzfristige Entscheidungen treffen, die ihre Position im Parlament sichern, statt das Problem nachhaltig anzugehen. Schoeters kritisiert auch die Rechten, welche alles, was die jetzige Regierung verabschiedet, scharf kritisiert, um sich so Wählerschaft zu sichern. Ich musste auch darüber schmunzeln, dass sich zu Beginn der Handlung kein Ministerium in der Verantwortung sah, die Führung zur Lösung des Elefantenproblems zu übernehmen. Die Geschichte hält uns Europäern einen Spiegel vor, welcher verdeutlicht, dass Kolonialismus noch heute eine bedeutende Rolle spielt und dass wir über die Köpfe der Betroffenen hinweg entscheiden. Die Tiere werden im Roman als Druckmittel für Machtspiele verwendet.

Der Schreibstil hat mich absolut überzeugt. Die bildhafte Sprache, die Schoeters einsetzt, um die aussergewöhnlichen Szenen, in denen die Elefanten sich in industrialisierten Städten verbreiten, ist einfach genial. Als Leser hatte ich das Gefühl, die durch die Elefanten ausgelöste Massenkarambolage auf der Autobahn selbst beobachtet zu haben. Mit einer Prise Humor rundet Schoeters ihre politischen Anspielungen gelungen ab.

Für mich ist dieser Roman lesenswert. Alle, die sich für Bücher mit gesellschaftskritischem Inhalt interessieren, werden das Buch lieben. Ich kann mir gut vorstellen, dass Liebhaber von Animal Farm von George Orwell auch an diesem Werk Freude haben würden.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Enttäuschende Entwicklung

Der Schlaf der Anderen
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Sina und Janis sind wortwörtlich so verschieden wie Tag und Nacht. Sie führen beide gegensätzliche Lebensstile, kämpfen aber beide mit Schlafproblemen. In einem Schlaflabor treffen sie aufeinander. Diese ...

Sina und Janis sind wortwörtlich so verschieden wie Tag und Nacht. Sie führen beide gegensätzliche Lebensstile, kämpfen aber beide mit Schlafproblemen. In einem Schlaflabor treffen sie aufeinander. Diese Bekanntschaft stellt für beide einen Neubeginn dar, was der Kern der Handlung darstellt.

Die ersten Kapitel fand ich sehr spannend, ich bin sofort in die Geschichte eingetaucht. Der Anfang der Geschichte ist der Autorin somit gelungen - damit wurde der Leser erfolgreich abgeholt. Durch die meist kurzen Kapitel liest sich das Buch schnell, trotzdem lässt die Spannung in der zweiten Hälfte nach. Vom Klappentext her habe ich mir eine handlungsgetriebene Geschichte erhofft, was sich nicht bewahrheitet hat. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass in der Mitte des Buches nicht wirklich viel passiert ist.
Die Geschichte entwickelt sich oft in ganz ausgefallene Richtungen, welche immer unrealistischer erscheinen und zu konstruiert wirken. Gegen Ende habe ich den Zugang zur Geschichte verloren. Auch die letzten Kapitel sowie das Ende haben mich unzufrieden zurückgelassen. Das vielverheissende Thema „Schlaf“ wurde meiner Meinung nach nicht gut umgesetzt.

Die zwei Protagonistinnen wurden in ihren Problemen realistisch gezeichnet. Sie brechen aus ihren Komfortzonen aus und entwickeln sich im Laufe der Story weiter und hinterfragen ihre Lebensweise. Jedoch hätte ich mir trotzdem mehr Tiefe gewünscht, besonders wenn es um so viele Umbrüche geht wie in dieser Geschichte. Beide Figuren verhalten sich oft impulsiv, ohne dass der Leser erfährt, wie es zu dieser Handlung kam. Ich konnte mich daher nicht vollständig in sie hineinversetzen.

Der Schreibstil hat mir wiederum gefallen. Noort schreibt äusserst atmosphärisch, sodass man das Gefühl hat, die nächtliche Brise zu spüren.

Abschliessend lässt sich festhalten, dass dieser Roman mich nicht überzeugen konnte und ich ihn deshalb nur eingeschränkt weiterempfehlen kann.

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