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Veröffentlicht am 13.03.2019

Das Bienlein, das ich liebe...

Der Gesang der Bienen
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Der Gesang der Bienen ein historischer Roman von Ralf H. Dorweiler, erschienen im Bastei Lübbe Taschenbuch Verlag
1152: Seyfried der Zeidler lebt mit seiner Familie ein beschauliches und friedvolles Dasein. ...

Der Gesang der Bienen ein historischer Roman von Ralf H. Dorweiler, erschienen im Bastei Lübbe Taschenbuch Verlag
1152: Seyfried der Zeidler lebt mit seiner Familie ein beschauliches und friedvolles Dasein. Sein Einkommen sichert ihm die Zeidlerei, wobei er Wachs und Honig wilder Bienen erntet. Doch das Schicksal beendet das geborgene Zusammensein. Seyfrieds Frau, Elsbeth bekommt die hartherzige, kalte Hand der Rechtssprechung der damaligen Zeit zu spüren und wird zum Tode verurteilt. Durch eine weitsichtige Idee gelingt es ihrem Mann, einen zeitlichen Aufschub bis zur Vollstreckung des grausamen Urteils zu erwirken. Zähneknirschend gewährt ihm die Obrigkeit das knappe Ultimatum. Der Zeidler bekommt somit die Möglichkeit, Führsprache bei Hildegard von Bingen zu erlangen. Seyfried macht sich auf den Weg entlang des Rheins und landet, durch immer neue Auflagen der Äbtissin, persönlich beim neu gekrönten König Barbarossa. ...
Ralf H. Dorweiler hat mit diesem historischen Roman eine fesselnde Geschichte vor der Kulisse der bedeutenden Hildegard von Bingen, ebenso abenteuerlich wie ehrlich zu Papier gebracht. Neben der Äbtissin, Heilkundigen, Komponisten und Dichterin, sind die Bienen die faszinierenden Protagonisten. Der Autor bereichert sein Buch mit informativen Wissen rund um das einstmalige Leben und die naturnahe Arbeit mit den Wildbienen. Durch den bildhaften, lebendigen Schreibstil entfaltet sich ein eindrucksvolles Panorama dieser Zeit. Das tägliche Leben, die Wanderungen und Gegebenheiten der klösterlichen Gemeinschaft werden in diesem politisch brisanten Historienroman farbenprächtig geschildert. Eine umfangreiche Recherchearbeit ist mit jeder Zeile erlebbar. In den Charakteren spiegelt sich Dramatik, Freude, Schmerz und Leidenschaft. Alle Figuren spielen ihre Rollen hervorragend und verknüpfen die Handlung, den Hindernissen zum Trotz, zu einer überragenden, spannenden Geschichte. Im weiteren Verlauf nimmt die Beklemung durch die zeitliche Angabe bis zur Vollstreckung des Urteils erheblich zu. Das Finale ist überzeugend und plausibel.
Das Buch ist sehr liebevoll gestaltet. Auch hier sind die Bienen allseits wahrnehmbar. Auf dem Cover und zum jeweiligen Kapitelanfang finden sich die geflügelten Insekten. Ein Zitat zu Beginn des Abschnitts, eine farbige Landkarte vom Rhein-Gebiet zu jener Zeit und der Handlungsorte sowie ein Rezept aus Hildegards Physica rahmen die Erzählung ein. Die aufschlussreiche Danksagung und interessanten Anmerkungen sowie das umfassende Personenregister schließen diese Literatur ab.
Fazit: Genau, so könnte es gewesen sein! Der Gesang der Bienen hat mir eine aufregende Lesezeit beschert. Lange Zeit habe ich keinen so aufwühlenden und lehrreichen historischen Roman gelesen. Dieses Buch ist mitreißender als mancher Krimi. Hildegard erschien mir anfangs kühl und konnte durch ihre besonnen Taten mein Herz gewinnen. Die agierenden Personen haben mich ganz nah an sich herangelassen. Dank den konträren, teils unliebsamen Charakteren hat mich der Roman vollkommen überzeugt. Danke, Ralf H. Dorweiler für dieses herausragende Buch voller Herzblut! Ein absolutes Highlight!

Veröffentlicht am 03.03.2019

Für mich zu wenig Farbe

Die Spiegelreisende 1 - Die Verlobten des Winters
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Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters der Auftakt einer Serie, ein Fantasyroman von Christelle Dabos aus dem Französischen übersetzt von Amelie Thoma, erschienen im Insel Verlag
Die Erde zerschlagen ...

Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters der Auftakt einer Serie, ein Fantasyroman von Christelle Dabos aus dem Französischen übersetzt von Amelie Thoma, erschienen im Insel Verlag
Die Erde zerschlagen in 21 Archen, wie Inseln schweben sie im Himmel, eine fantastische Welt. Eine dieser Archen ist Anima. Dort lebt Ophelia, die scheue, unscheinbare, farblose Hauptprotagonistin mit den abgetragenen Klamotten, einer Brille, hinter der sie sich gern versteckt und ihrem dreifarbigen, schlafenden Schal. Ophelia kann durch Spiegel "reisen" und die Geschichte von Gegenständen mit ihren Händen "lesen". Sie lebt zusammen mit ihrer Familie auf dieser friedlichen Arche, wo Gebäude und Möbel ein Eigenleben führen und ihre Launen lautstark kundtun. Mit der bevorstehenden Verlobung eines ihr fremden, adeligen Mannes, Monsieur Thorn, vom eisigen Pol, endet ihre geliebte Aufgabe im hiesigen Museum und ihr Leben auf Anima. ...
Ich habe die rund 50ig seitige Leseprobe verschlungen und war fasziniert von dem unglaublichen Ideenreichtum der Autorin. Der flüssige, spannende Schreibstil erweckte eine fantastische Welt zum Leben, die ich mir ein ums andere Mal noch bildhafter gewünscht hätte. Im Mittelpunkt steht eine durchweg sympatische Protagonistin, an eine graue Maus errinnernd und doch interessant mit reichlich Potential zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Doch mit der Ankunft und Auftauchen des Luftschiffs der Arche Pol und des eisigen Thorns, zieht eine gewisse Düsternis in die Geschichte ein. Thorn als unnahbarer, herrischer und unangenehmer Charakter steht im größtmöglichen Gegensatz zu Ophelia. Im Laufe der Geschichte ist keine Entwicklung der Beziehung der beiden Verlobten zu verzeichnen und plätschert so vor sich hin. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Auch wird die Auserwählte, Ophelia hinsichtlich ihres neuen Leben und ihrer Aufgabe im Regen stehen gelassen. Ihr wird Angst gemacht und das Leben wird ihr durch feindselige Intrigen und Lügen ihrer zukünftigen Familie schwer gemacht. So weiß sie nach kurzer Zeit nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Die Nebenfiguren sind fantasievoll erdacht und doch recht einfach gehalten. Im Ganzen wirken die Konflikte der Protagonisten teils unrealistisch und konstruiert. Manche Passagen sind einfach zu kurz und es fehlt der nötige Esprit, andere, wenige Situationen wirken künstlich in die Länge gezogen.
Fazit: Das Buch kommt mit einem wunderschönen, passenden Cover daher. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und die Zeilen von Christelle Dabos lesen sich angenehm und schnell. Meine Erwartungshaltung nach der Leseprobe war sehr hoch und konnte leider nicht durchweg gehalten werden. Die Autorin hat mit diesem Auftakt eine magisch düstere Welt erschaffen. Leider bin ich mit den Protagonisten, vor allem Thorn nicht warm geworden. In der Geschichte zeichnet sich keine positive Entwicklung ab, einzig Ophelia, nachdem sie immer wieder einsteckt, findet ihren Weg in der intriganten Welt. Spannung baut sich durchaus auf, doch fehlt es mir an Tiefe und einleuchtenden Erklärungen für Verhalten und bestimmte Sitiationen. Vielleicht erschließt sich das in den Nachfolgebänden (siehe Covervorschau im Anhang)? Den Bezug laut Werbung zu Harry Potter finde ich mehr als fehl am Platz. Die Erwartungshaltung kann hier nicht erfüllt werden. Die Autorin hat etwas ganz Neues, Anderes erschaffen und dies sollte auch gewürdigt werden. Ich vergebe 3 sehr gute Punkte und wünsche mir im 2. Band mehr Helligkeit.

Veröffentlicht am 17.02.2019

3. Fall auf der verschneiten Höri am Bodensee

Der Wolf vom Bodensee
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Der Wolf vom Bodensee ein Kriminalroman von Tina Schlegel aus dem Emons Verlag

Kommissar Sito folgt der Einladung von Rosa Eckert, der Sekretärin von Sitos Dienststelle und ihrem Mann Herbert, ein paar ...

Der Wolf vom Bodensee ein Kriminalroman von Tina Schlegel aus dem Emons Verlag

Kommissar Sito folgt der Einladung von Rosa Eckert, der Sekretärin von Sitos Dienststelle und ihrem Mann Herbert, ein paar Tage in ihrer Pension auf der Halbinsel Höri in Gaienhofen am Bodensee auszuspannen. Schon die gemeinsame Anfahrt mit Freundin Miriam fühlt sich abenteuerlich und krotesk an. Immer wieder manövriert sich der Ermittler, wie auch schon in den beiden Vorgängerbänden, ungewollt in unwegsame Situationen. Kommissar Paul Sito scheint tragische, vom Schicksal bestimmte Begebenheiten anzuziehen. Auf diesem steinigen Weg entwickelt er eine gewisse Vorsicht um nicht zu viel von sich und seinem Leben verraten zu müssen. Daher scheint Sito auch in dem 3. Teil geheimnisvoll und für manchen "Neuleser" leicht schwierig und die Story verwirrend. Da ich den Kommissar von Anfang an begleiten durfte, fällt es mir vielleicht leichter, Sito und seine in sich gekehrte Gefühlswelt einzuordnen. Denn hier auf der verschneiten Halbinsel Höri gibt er sich zum ersten Mal gelöst, ja befreit und leise. Mag sein, dass es an dem weißen Wolf liegt, der scheinbar Sito und sein Inneres versinnbildlicht. Sie ähneln sich und der Wolf tritt eher als eine Metapher, als reale Gestalt auf die Bildfläche. Ein friedvoller, ja verhaltener Sito, anders als in den beiden vorangegangenen Kriminalfällen präsentiert die Autorin hier ihren Hauptprotagonisten. Er rückt neben den beiden Verantwortlichen auf der Höri, dem ehemaligen LKA-Beamten Kommissar Wint und seiner jungen, charismatischen Partnerin Christine Fane´, ermittlertechnisch fast ein wenig in den Hintergrund.
Der annähernd lyrische, bildhafte Schreibstil der Autorin wird durch die spürbare Anwesenheit von Hermann Hesse unterstrichen. In die Geschichte eingebauten Gedichte und lyrischen Aussagen, historisch sehr gut rechergierten Hintergründe und Örtlichkeiten geben diesem Kriminallfall den passenden Rahmen und machen ihn zu einer brillanten Erzählung. Neben den Ermittlungen um eine tote Schriftstellerin und ein verschwundenes Kind spielen Sitos Emotionen und Miriams Zweifel eine Rolle. Auch in diesem Band bleiben manche Dinge im Verborgenen und Sito verschwindet für den Leser symbolisch im undurchdringbaren Schneegestöber. Den Kontrast dazu bieten die handfesten Charaktere und deren nachvollziehbare Aktionen sowie die klare Auflösung der tödlichen Begebenheiten auf der Höri.
Fazit: Tina Schlegel hat einen anspruchsvollen, einfach völlig anderen 3. Fall von Paul Sito vorgelegt. Trotz der auklärenden Ermittlungsarbeit der interessanten, teils neuen Protagonisten lassen die Zeilen der Autorin Spielraum in mehrere Richtungen. Ich habe ihn gern gelesen, den sanften Sito, der ein Stück weit seine Vergangenheit hinter sich lassen kann und freue mich auf kommende Ermittlungen und Befragungen. Ich hoffe, er kommt irgendwann zur Ruhe und vollkommen ins Reine mit sich!? Ich spreche eine klare Lesempfehlung aus für Leser, die gern einen niveauvollen Kriminalroman lesen.

Veröffentlicht am 04.02.2019

Schicksalsstrasse einer mutigen Architektin

Allee unserer Träume
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Allee unserer Täume geschrieben von Ulrike Gerold und Wolfram Hänel erschienen im Ullstein Verlag
Ilses Geschichte beginnt 1932 in Mühlhausen, Thüringen. Sie ist ein aufgewecktes Kind geschiedener Eltern. ...

Allee unserer Täume geschrieben von Ulrike Gerold und Wolfram Hänel erschienen im Ullstein Verlag
Ilses Geschichte beginnt 1932 in Mühlhausen, Thüringen. Sie ist ein aufgewecktes Kind geschiedener Eltern. Das Mädchen wächst bei ihrer Mutter und den Großeltern des Vaters auf. Sie genießt besonders die Zeit, die sie mit ihrem Vater verbringt. Er holt sie von der Schule ab, nimmt sie mit zu Kunden ins Eichsfeld und in sein Baugeschäft Schellhaas, welches er zusammen mit Ilses Großvater leitet. Am Zeichentisch ihres Papas fühlt sie sich wohl und weiß schon früh, dass sie einmal Architektin, wie ihr Vorbild, ihr Vater werden möchte. Der kaisertreue Großvater möchte dies aber gern verhindern und sieht seine Enkelin lieber in der klassischen Frauenrolle. Auch ihr geliebter Vater, der Ilse sonst in all ihrem Tun bestärkt, beugt sich der Entscheidung des Familienoberhauptes. Dank Ilses Mutter, die sie gern unabhängig sehen möchte, legt sie die Abiturprüfung ab und besucht die Hochschule für Baukunst in Weimar. 1950 geht die junge Architektin in eine vom Krieg gezeichnete, notdürftig reparierte Stadt - Berlin. Leichte Zweifel keimen in ihr, als sie sich mit ihrer Bewerbungsmappe mit der Aufschrift "Architekturbüro Schellhaas, Mühlhausen in Thür." auf dem Weg ins Zentralkomitee der SED nach Ostberlin begibt. Diese Bedenken verfliegen schlagartig, als ihre modernen Pläne auf Annerkennung und auch Neid stoßen. ...
Die beiden Autoren erzählen in einer direkten, detailreichen Sprache und schaffen dadurch glaubhafte Protagonisten sowie ein reales Milieau. Ilse ist eine sympatische Hauptfigur, der es durch kluge Schachzüge gelingt, ihre Interessen durchzusetzen. Die Steine, die ihr meist von den männlichen Mitstreitern und Begleitern in den Weg gelegt werden, versucht sie selbstbewußt bei Seite zu räumen. Wenige Frauen dieser Zeit hatten Ilses Mut und erfüllten daher eher die Erwartungen, die an sie gestellt wurden. Dem typische Klischee beugten sich eine Vielzahl der weiblichen Bevölkerung unter dem eingeengten räumlichen, politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die Stimmung und die Lebensumstände werden hier intensiv und bildhaft dargestellt. So bereichern den Roman eine überschaubare Zahl an verschiedenen Protagonisten. Diese erscheinen alle glaubhaft, vom schwulen Kindheitsfreund über den aufstrebenden, aufgeblasenen Architekten bis zum kleine Parteisekretär.
Ulrike Gerold und Wolfram Hänel formen die Geschichte durch Kapitel mit einer überschaubaren Länge, denen zuoberst jeweils der Handlungsort, die Zeitangabe und eine Kurzzusammenfassung dieser Zeit und der Handlung vorangestellt sind. Das funktioniert sehr gut und hilft die Zusammenhänge leicht zu verstehen. Die 555 Seiten beginnen mit einer Vorbemerkung und dem Prolog und schließen mit dem Epilog und der Danksagung. Der Zeitabriss wird durch das anziehende, passende Cover sehr gut umrahmt.
Die Geschichte um Ilse und die Prachtstrasse Ostberlins hat mich sehr bewegt und ist mir nachdrücklich in Erinnerung geblieben. Gerade, weil das Erlebte auf wahren Begebenheiten beruht. Daher finde ich die Zeilen des Autorenpaares sehr couragiert und empfinde Respekt, dass sie zusammen diesen wichtigen historischen Roman realisiert und umgesetzt haben. Eine gelungene Mischung, die ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

Veröffentlicht am 03.02.2019

Spurensuche in Köln und Umgebung

Der Hunger der Lebenden (Friederike Matthée ermittelt 2)
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"Der Hunger der Lebenden" der zweite Kriminalfall für Friederike Matthee, geschrieben von Beate Sauer (Ullstein Verlag)
Nach dem ersten Fall: "Echo der Toten", welcher im eiskalten Januar 1947 spielt, ...

"Der Hunger der Lebenden" der zweite Kriminalfall für Friederike Matthee, geschrieben von Beate Sauer (Ullstein Verlag)
Nach dem ersten Fall: "Echo der Toten", welcher im eiskalten Januar 1947 spielt, konstruiert die Autorin nun einen Kriminalfall im heißen Sommer des gleichen Jahres. Die junge Mitarbeiterin der Weiblichen Polizei, Friederike Matthee ermittelt in dem von Hunger und Zerstörung gezeichneten Köln und im naheliegenden, ländlichen Umland. Sie unterstützt die Polizei bei der Aufklärung eines Mordes an einer früheren Kollegin. Schnell verdichten sich die Beweise gegen die junge Ida Gerwing, die am Tatort aufgegriffen wurde. Das Mädchen ist polizeilich bekannt und war während der Zeit des Nationalsotialismus in einem Polizeilichen Jugendschutzlager inhaftiert. Zu einfach und praktisch scheint für Friedericke die Lösung, eine von den unzumutbaren Zuständen gezeichnetes Naturell dingfest zu machen. Sie zweifelt an der Glaubwürdigkeit der endgültigen Beweislage. Angetrieben durch ihre Neugierde deckt Friedericke Dinge auf, die so mancher Sympathisant nicht wahr haben will.
Auch Lieutenant Richard Davies von der Royal Military Police ermittelt in einem zurückliegenden Fall dreier ermordeter englischer Soldaten im Auftrag der Engländer. Sein vermutlich letzter Fall führt ihn aus England zurück nach Deutschland, bevor er seinen Dienst quittieren will. Ein erneutes Zusammentreffen der smarten Friederike und dem wortkargen englischen Lieutenant ist unausweichlich, da beide Kriminalfälle miteinander verbunden sind. ...
Beate Sauers Heldin beweist starke Nerven, unerschütterlichen Mut, und verfolgt beharrlich ihr Ziel mit dem nötigen Einfühlungsvermögen. Gereift an den Aufgaben der täglichen Arbeit bei der Weiblichen Polizei, ist sie entgegen Band 1 weder ängstlich noch unsicher. Sie lässt sich nicht durch Anweisungen abschrecken und umgeht diese zwar mit Gewissensbissen, doch äußerst geschickt. Sie ist entschlossen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und vertraut ihrer Intuition und ihrem Bauchgefühl. Friedericke ist eine überaus reife Protagonistin, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten agiert und durch die Zusammenarbeit mit der Royal Military Police Täuschung und Verlust hinter sich lässt. Richard Davies steht Friederike zur Seite und besticht durch kühle Gedankengänge. Er ist ein sympatischer Weggefährte, der immer noch mit seiner Vergangenheit hadert. Diese beiden Hauptprotagonisten sind sehr überzeugend und die Kriminalgeschichte plausibel mit breit gefächerten Emotionen erzählt. Neben den Mordfällen besticht die Erzählung durch Friederickes und Richards unentschlossene und von der Vergangenheit gezeichnete Gefühlswelt. Stimmig folgt man den Beiden bis zum dramatischen und zugleich beruhigenden Finale. Die Handlung umrahmt am Anfang ein Prolog sowie ein Personenverzeichnis, ein ergänzendes Nachwort und eine Karte der Handlungsorte am Ende. Auf den 429 Seiten entsteht ein eindrucksvolles Panorama jener Zeit voll mit alltäglichen Kleinigkeiten zwischen Trümmern und Hunger, Ängsten, Tabus und Gefühlen.
Fazit: Einmal eingetaucht in den Roman rund um Friederike und Richard, haben mich die Zeilen tief in der Vergangenheit der deutschen Geschichte nicht mehr losgelassen. Ein historischer Kriminalroman, der nach Band 1: "Echo der Toten" (der mir ebenfalls sehr gut gefallen hat) gelesen werden sollte. 5 Sterne und gern mehr für diese vielseitige, spannende Lektüre.