In seinem Buch „Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels“ von Dr. Stephan Barth steckt viel Wissen über Mitochondrien. Diese Zellkraftwerke steuern Nerven, Hormone, Gene und Immunsystem – und sie entscheiden ...
In seinem Buch „Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels“ von Dr. Stephan Barth steckt viel Wissen über Mitochondrien. Diese Zellkraftwerke steuern Nerven, Hormone, Gene und Immunsystem – und sie entscheiden damit über unsere Energie, Resilienz und eine lange, gesunde Lebensspanne.
Der Mediziner erklärt, wie es zu Leistungsabfall, chronischer Müdigkeit, Heißhunger, Energiemangel oder sogar Krankheiten kommen kann, wenn diese Zellstrukturen nicht optimal funkionieren.
Der Autor ist Mediziner, Zell- und Molekularbiologe, Ernährungswissenschaftler und Toxikologe Stephan Barth forschte über 20 Jahre lang am Max-Planck- und Rubner-Institut – das merkt man dem Buch sowohl positiv als auch negativ an:
Die ersten beiden Kapitel lasen sich sehr theoretisch; als Laie musste man hier hochkonzentriert sein und manches mehrmals lesen. Das war teilweise etwas zäh. Ab dem dritten Kapitel gefiel mir das Buch besser; besonders stark fand ich die Selbsteinschätzungs-Tests, den konkreten Wochenplan sowie die Tipps zu zu mitochondrienfreundlicher Ernährung, Bewegung, Stressmanagement und Schlaf.
Ein Buch, das man sicher mehr als einmal zur Hand nehmen sollte, um seiner Gesundheit (und den heldINNENhaften Mitochondrien) etwas Gutes zu tun.
Vielen Dank an den Kneipp Verlag und an Lovelybooks.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
Die 28jährige Sara ist schwanger, aber sie und ihr Partner Elias wollen das Kind nicht behalten; sie hat bereits einen Abtreibungstermin. Dennoch reist sie kurzfristig gemeinsam mit ihrem Onkel Mats und ...
Die 28jährige Sara ist schwanger, aber sie und ihr Partner Elias wollen das Kind nicht behalten; sie hat bereits einen Abtreibungstermin. Dennoch reist sie kurzfristig gemeinsam mit ihrem Onkel Mats und ihrer 16jährigen Cousine Evi für ein Wochenende nach Berlin. Dort wollen sie den neu verlegten Stolperstein mit ihrem Familiennamen besuchen. Doch auf der Reise werden sie nicht nur mit ihrer jüdischen Vergangenheit, sondern auch mit persönlichen Lebenskrisen konfrontiert.
„Wenn man geboren wird, ist alles, wie es sein soll, dann wird es langsam immer schlechter. Gegen Ende des Frühlings waren die Dinge noch zu einem gewissen Grad, wie sie sein sollten, die Sonne schien gleißend vom Himmel, als wäre bereits Sommer. Alles, wovon Sara spürte, dass es geschehen würde, trug sie bereits in sich, all die kleinen und großen Katastrophen, deren Konsequenzen sie nicht exakt absehen konnte, deren Konturen sie aber bereits zwischen den Handflächen zu spüren glaubte.“
Die kürzlich verstorbene Großmutter von Sara und Evi war damals zusammen mit ihrer Schwester mit einem Kindertransport aus Berlin nach Schweden gerettet worden. Ihre Briefe möchte Mats nun dem Jüdischen Museum übergeben; Evi ist davon nicht begeistert. Und Mats weiß nicht, wie er ihr beibringen soll, dass er sich von ihrer Mutter trennen wird.
„So vieles während der Tage in Berlin ließ Sara an den Marsch der Lebenden in Auschwitz denken, [...] an andere Reisen, die sie im Laufe der Zeit im Zeichen des Judentums unternommen hatte und deren Konturen bereits verschwammen. Reisen, die sie auf unterschiedliche Weise beeinflusst hatten – wenn auch nicht immer so, wie eigentlich angedacht.
[...]
Zum ersten Mal war sie gegen Ende der Schulzeit in Berlin gewesen, und das nicht aus freien Stücken, sondern im Rahmen einer Klassenfahrt. In Deutschland ist die Asche immer noch warm, ein Satz, den sie irgendwo gelesen hatte und der ihr nicht mehr aus dem Sinn ging. Sie versuchte, Berlin wie London oder Paris zu sehen, wie eine x-beliebige Stadt.
Sie war [...] die einzige Jüdin in ihrer Klasse gewesen, und als sie mit den Händen über die eckigen Blöcke des Holocaust-Mahnmals strich, hatte sie an niemanden aus ihrer Familie gedacht, es gehörte in keiner Weise zu ihr. Die Geschichte steckte nicht in dem dämlichen, toten Mahnmal, die Geschichte steckte in ihren Eltern, ihren Geschwistern, in Anne, in Mats und Evi, nicht im Marsch der Lebenden, nicht im Stockholmer Forum für lebendige Geschichte, nicht im Holocaust-Gedenktag, der im Übrigen zu einer Art Black Friday für die Woke-Generation geworden war, während sich gleichzeitig niemand nennenswert dafür interessierte, wenn jemand Hakenkreuze auf den Spind einer jüdischen Gymnasiastin schmierte.“
„Und Sara würde mit etwas matter Stimme antworten müssen, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun hatte, dass alles bloß Zufall ist. Dass man früh dem Irrglauben erliegt, im Leben gäbe es eine Form von Symmetrie, alles Schiefe werde geradegerückt, von fest gespannten magischen Bändern gelenkt.
Vielleicht hätte Evi ihr beigepflichtet. Nur langsam gezwinkert, in dem Ton erwidert, den sie immer hatte, wenn sie etwas selbstverständlich fand: Natürlich haben Alt und Neu nichts miteinander zu tun. Sonst wäre es ja nichts Neues, sondern bloß eine Fortsetzung. Das Neue ist etwas Eigenes, genau wie alles andere: Das Neue beginnt damit, dass ein Moment sich an einen anderen fügt.“
„Die glücklichste Familie der Welt“ ist ein leiser, berührender und tiefgründiger Roman, der sich vor allem mit der schwierigen und persönlichen Frage beschäftigt, wie man mit einer Vergangenheit, einem Erbe umgeht, das man nicht selbst gewählt hat. Mich hat das Buch sehr berührt, vor allem die Rückblenden in die Vergangenheit waren unfassbar intensiv.
Vielen Dank an den Fischer Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
Das Sachbuch „Personal Intelligence Book. Wie Du mit Stift und Notizbuch Deine Kreativität zurückeroberst“ von Andrea Weichand ist ein hilfreiches Praxishandbuch zum Festhalten der eigenen Gedanken.
Wer ...
Das Sachbuch „Personal Intelligence Book. Wie Du mit Stift und Notizbuch Deine Kreativität zurückeroberst“ von Andrea Weichand ist ein hilfreiches Praxishandbuch zum Festhalten der eigenen Gedanken.
Wer wie ich Notizbücher liebt, wird sich hier gleich angesprochen fühlen:
Anstatt permanent am Handy oder PC zu hängen, bin ich froh über Auszeiten, in denen ich mich analog beschäftige, mit Lesen oder handschriftlichem Schreiben auf Papier.
Im Zentrum des Buches steht die von der Autorin entwickelte Denktabellen-Technik. Diese einfache visuelle Struktur soll helfen, lose Gedanken handschriftlich festzuhalten, logisch zu ordnen, neu miteinander zu kombinieren und systematisch weiterzuentwickeln. Das Aufschreiben von Hand soll den Fokus schärfen, die Konzentration stärken und mentale Klarheit erzeugen.
Anhand von zwölf Effekten zeigt die Autorin und Datenanalystin auf, wie sich durch das analoge, strukturierte Arbeiten zentrale Fähigkeiten entwickeln: eine bessere Wahrnehmung, klarere Entscheidungen, mehr Struktur und Überblick sowie kreative Problemlösungen und nachhaltiges Lernen.
Das Buch hat ein paar durchaus interessante Ansätze und ich konnte hier einiges für mich mitnehmen (z.B. auf S. 103 ff. „Entscheidungs-Effekt“ und S. 155 ff. „Denkraum-Effekt“ sowie S. 173 ff. „Entlastungs-Effekt“)
Am Ende konnte mich die Technik des Personal Intelligence Books nur bedingt überzeugen.
Dazu muss ich sagen, dass ich seit einigen Jahren mit der „Bullet Journal Methode“ nach Ryder Carroll arbeite (sein Buch war ein Augenöffner für mich und ich kann es nur weiterempfehlen!); damit habe ich mir ein persönliches, für meine Bedürfnisse angepasstes „Bullet Journal“ angelegt, mit dem ich meine Termine, ToDo’s, Tracking Lists, Leselisten und anderes organisiere.
Da ich aber zusätzlich zum Bullet Journal noch weitere Notizbücher führe bzw. noch anlegen möchte, bin ich weiterhin offen für das „Personal Intelligence Book“. Ich werde es für mich nochmal in Ruhe ausprobieren!
Vielen Dank an den Murmann Publishers Verlag und an Lovelybooks.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
„Ich möchte lieber nicht“ von Juliane Marie Schreiber ist so ein Buch, bei dem ich sehr froh bin, dass es seinen Weg zu mir gefunden hat – für mich war es ein echtes Highlight!
Das Sachbuch setzt sich ...
„Ich möchte lieber nicht“ von Juliane Marie Schreiber ist so ein Buch, bei dem ich sehr froh bin, dass es seinen Weg zu mir gefunden hat – für mich war es ein echtes Highlight!
Das Sachbuch setzt sich kritisch und kompromisslos mit dem zeitgenössischen Diktat der Selbstoptimierung und des „Dauerglücks“ auseinander:
„Die einzige sinnvolle Antwort auf einen Zeitgeist, der dem Terror des Positiven unterworfen ist, lautet Verweigerung. In einer Welt, in der man aus jedem Problem und jeder Krankheit etwas lernen muss, in der die exzessive Nabelschau alle in den Wahnsinn treibt, kann es nur eine richtige Haltung geben: die Haltung des nein. Nein, wir können nicht alles sein, wenn wir nur fest genug daran glauben. Und nein, nicht jeder ist seines Glückes Schmied. Es gibt viele Ungerechtigkeiten und Tragödien, für die der Einzelne nicht verantwortlich ist. Nur wer das erkennt, kann überhaupt die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern.“
Die Autorin nimmt den berühmten Satz „Ich möchte lieber nicht“ (von Herman Melvilles Figur Bartleby) als Leitmotiv für die bewusste Verweigerung einer toxischen Wohlfühlkultur.
Der „Terror des Positiven“ begegnet uns überall: Selbst Tee und Duschbäder fordern uns zu Fröhlichkeit und Selbstoptimierung auf.
„Wir leben in einer Kultur des Kommandos, die und sagt: Du musst glücklich sein! Selbst das Duschbad und der Tee im Supermarkt fordern uns getreu der Kultur des Kommandos auf, voll guter Laune spritzig in den Tag zu starten. Glück ist zum Statussymbol geworden, daher wollen wir uns selbst und allen anderen ständig unser hohes Glückprestige zeigen, am besten mit Fotos vom Traumurlaub und der Traumhochzeit. Wir wollen überall das Beste herausholen und gleichzeitig unser echtes, wahres, wirkliches Selbst finden. Mithilfe von Therapeuten und Coaches ändern wir unser "Mindset", um jede Niederlage als Chance zu begreifen und aus jedem Schnupfen etwas zu lernen. Doch man kann in unserer spätkapitalistischen Gesellschaft nicht alles schaffen, wenn man nur genug an sich glaubt.“
Die Ideologie der „Positiven Psychologie“ suggeriert, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Politische, wirtschaftliche oder strukturelle Krisen wie Jobverlust oder Krankheit werden dadurch oft zu einem persönlichen Versagen umgedeutet.
Der Druck der Positivität erzeugt eine dreifache Belastung. Man fühlt sich schlecht, schämt sich für die negativen Gefühle und muss gleichzeitig eine künstliche Glücksfassade für das Umfeld und soziale Medien aufrechterhalten.
Die Autorin plädiert für den „depressiven Realismus“ sowie das Schimpfen. Für sie sind negative Gefühle, Wut und schonungslose Ehrlichkeit keine Schwächen, sondern gesund und realistisch. Mehr noch: Nur mit dem Mut, „Nein“ zu sagen, ist es überhaupt möglich, ungerechte gesellschaftliche Strukturen aufzubrechen.
„Wer in dieser Zeit des sozialen Zwangs, des erdrückenden Überangebots von Konsumgütern und des ewigen Stroms von Ablenkungen ein selbstbestimmtes Leben führen will, muss viel öfter "Nein" als "Ja" sagen. Denn ohne "Nein" kann es keine individuelle Freiheit geben. Nein zu sagen und sich zu verweigern ist eine grundlegende Voraussetzung für unsere menschliche Autonomie und Unabhängigkeit.
[....]
Wir brauchen viel mehr Akzeptanz für Negativität statt kuscheligen Neobiedermeier, bei dem man sich selbst Harmonie vorgaukelt, ins Private zurückzieht und einfach wartet, bis alles vorbei ist. Zum authentischen Leben gehört Negativität immer dazu. Die dunkle Seite der menschlichen Existenz ist wichtig. Sie macht uns autonom und selbstbestimmt. Die Dunkelheit bildet uns.“
„Ich möchte lieber nicht“ ist ein Buch, das mir direkt aus der Seele gesprochen hat; ich habe unendlich viele Stellen markiert und habe mich SO SEHR verstanden gefühlt!
Juliane Marie Schreiber schreibt einzigartig: Oft wirklich herrlich amüsant („Haben Sie sich auch schon etwas wegcoachen lassen, ihren Blinddarm oder ihre unpassende Meinung?“), dabei jedoch auch herzlich, mit viel Tiefgang und immer genau auf den Punkt.
„Zum Leben gehört Negativität immer dazu. Negatives ist der Motor der Geschichte. Den Fortschritt verdanken die Menschen den unzufriedenen. Ohne nein kann es keine Freiheit geben. In unserer Kultur des Ja ist das Nein eine wohltuende Entzauberung. Weil das Nein den berühmten Vorhang der Selbsttäuschung aufreißt und auch das dreckige Fenster ans Licht bringt. Und nur, wer einen unerschrockenen, klaren Blick hat, kann seine Lebenszeit selbst bestimmt nutzen, nach den eigenen Überzeugungen. In anderen Worten: Nein - oder Nichtsein.
[...]
Am besten, indem man sich dabei in aller Ruhe sagt: Ich möchte lieber nicht!“
Von mir bekommt dieses Buch 5 Sterne & eine unbedingte Leseempfehlung, denn:
„Die Welt wurde nicht von den Glücklichen verändert, sondern von den Unzufriedenen.“
„Feine Risse“ ist das zweite Buch von Elisa Hoven. Wie schon in ihrem Vorgängerroman „Dunkle Momente“ geht es hier wieder um die erfahrene Strafverteidigerin Eva Herbergen. Eigentlich wollte sie ihre ...
„Feine Risse“ ist das zweite Buch von Elisa Hoven. Wie schon in ihrem Vorgängerroman „Dunkle Momente“ geht es hier wieder um die erfahrene Strafverteidigerin Eva Herbergen. Eigentlich wollte sie ihre Anwaltszulassung zurückgeben, doch ein neuer dramatischer Fall stimmte sie um. Wir begleiten sie wieder durch acht spektakuläre Fälle, unter anderem geht es um Fahrerflucht, Selbstjustiz, eine Bergtour mit einem tödlichen Unfall, eine Kindesentführung mit Lösegeldforderung und einen tödlichen Schuss bei Filmdreharbeiten. Hierbei werden die moralischen Grauzonen von Schuld, Recht und Gerechtigkeit perfekt aufgezeigt.
„Männlich, sechsundfünfzig Jahre alt, geboren in Falkensee, arbeitslos, vorbestraft wegen Trunkenheit im Straßenverkehr. Fünf Informationen, und ist entsteht das Porträt eines Menschen Punkt unsere Stärken und Schwächen, Leidenschaften und Abgründe, all das, was uns ausmacht, reduziert auf Geschlecht und Alter, Nutzen und Nachteil für die Gesellschaft.“
Sehr gut gelungen fand ich, dass sich wie ein roter Faden ein privates Familiengeheimnis in der Familie von Evas Mann Peter durch das gesamte Buch zog. Auch die einzelnen Fälle sind lose miteinander verbunden bzw. sie kommt in späteren Kapiteln darauf zurück.
Elisa Hovens Schreibstil gefiel mir auch bei diesem Roman sehr gut. Sie hat eine feine Beobachtungsgabe und schreibt mit Tiefgang.
"‘Gehst du davon aus? Davon, dass jedem Menschen alles zuzutrauen ist?‘, fragte Peter.
Ich glaube, dass in jedem von uns Dunkelheit ist. Dass wir zu vielem fähig sind, wenn wir in Not geraten, dass wir düstere Gedanken haben, die niemand wissen darf, dass uns Wut oder Angst rücksichtslos, Neid und Hass mitleidlos machen können. Ein Mörder ist bis zu der Sekunde seiner Tat kein Mörder gewesen. Er war der Busfahrer, der immer so freundlich die nächste Station angesagt hat, der Pfleger, der sich rührend um die Großmutter kümmerte, der Mathelehrer, den drei Schüler aus seiner Klasse ihren Lieblingslehrer genannt haben. Es gibt sie natürlich, die berechnenden, sadistischen, narzisstischen Täter, oder Menschen die nicht gelernt haben, auf eine Provokation anders zu reagieren als mit Gewalt. Aber ich habe in meinem Beruf einige Mörder getroffen, und es ist mir nur selten gelungen, den Unterschied auszumachen zwischen Ihnen und uns, den Bösen und den Guten, sie waren nicht weniger freundlich oder interessiert, die meisten von ihnen haben jemanden oder etwas geliebt.“
Dass Elisa Hoven als Strafrechtsprofessorin vom Fach ist, verleiht der Handlung eine enorme Tiefe und Authentizität. Das Buch überzeugt jedoch nicht nur inhaltlich, sondern auch durch sein schriftstellerisches Handwerk. Ich vergebe hier 4 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den S. Fischer Verlag und an Lovelybooks.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚