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Veröffentlicht am 26.06.2025

Einforderung von Frauenrechten findet hier kein Echo

Das Haus in der Gasse
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1921 veröffentlicht, entfaltet dieser Roman eine Ödnis, Leere, Hass und Traurigkeit im Leben der jungen Frauen Antonietta und der jüngeren Schwester Nicolina. Die bedrückende Szenerie spielt in einem unscheinbaren ...

1921 veröffentlicht, entfaltet dieser Roman eine Ödnis, Leere, Hass und Traurigkeit im Leben der jungen Frauen Antonietta und der jüngeren Schwester Nicolina. Die bedrückende Szenerie spielt in einem unscheinbaren Haus in einer dunklen Gasse einer sizilianischen Kleinstadt. Der strenge Patriarch Don Lucio Carmine hält starrsinnig an seinen egoistischen Gewohnheiten fest, dabei seine Ehefrau und deren jüngere Schwester quasi wie Dienstmägde behandelt und sie abschottet. Neben Nicolina als unglückliche, vergewaltigte Geliebte des Schwagers entkommt auch der Sohn Alessio kaum dem Hass, der Gefühlskälte des Vaters und den heimlichen Streitereien im Haus. Am Meer nur findet er seine Freiheit, seinen inneren Frieden. Das hier vorgestellte Frauenbild ist weder kämpferisch noch selbstbewusst, sondern fügsam, unterdrückt, eingeschüchtert und unter Angst in der Eintönigkeit in ihrem Alltag, mit Flucht in den Irrsinn, vom Leben betrogen. Die Rolle der Männer ist hier zwiegespalten: der wortkarge Patriarch als Tyrann, der auch seine Töchter nach seinem Gutdünken formen will und daneben sein sensibler, feinsinniger, mädchenhafte Sohn ein Schwächling. Der handlungsarme Roman lebt besonders von den inneren Monologen der Frauen. Thematisiert werden auch Verarmung, die Wahrung des Scheins in diesem kleinbürgerlichen Milieu , Schuld und Sühne, mit nur angerissenen Überlegungen zu Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen am Ende des 19. Jahrhunderts. Die Beschreibung von Identitätskrisen nach dem Tod des Sohnes ist eindringlich: Antonietta überlässt sich dem Wahn, Nicolina leidet unter den Vergewaltigungen und Don Lucio geht zur Tagesordnung über, jeder in seiner Einsamkeit im schwelenden Nebel im Haus. Diese bedrückende Welt, in der sich alle Konflikte nach innen entladen, ist sprachlich überzeugend gelungen.
Das Leid der Frauen, zaghaft und leise karikiert, berührt.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Man entwickelt viel Mitgefühl für die Hauptfigur Lise Mundus.

Vilhelms Zimmer
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Um eine stürmische, unausgeglichene, ungesunde Beziehung von Eheleuten geht es in diesem Roman, der in der ersten Hälfte etwas wirr wirkt. Beide Hauptfiguren Lise und Vilhelm führen starke emotionale Kämpfe ...

Um eine stürmische, unausgeglichene, ungesunde Beziehung von Eheleuten geht es in diesem Roman, der in der ersten Hälfte etwas wirr wirkt. Beide Hauptfiguren Lise und Vilhelm führen starke emotionale Kämpfe miteinander selbst nach der Trennung aus. Die anhaltende Härte und Bitterkeit in deren Dialogen machen Ängste und Verwirrung der Künstlerin Lise verständlich, zeigen beider Leidensfähigkeit und ihren Hang zu Alkohol und Tabletten. Während Vilhelm als Narziss mit dranghaftem Sexbedarf beschrieben wird, verliert sich die Figur Lise Mundus teils in der Rolle der Ich-Erzählerin, teils in der dritten Person – vielleicht als schweren, inneren Kampf mit sich selbst zu werten. Nicht nur Lises Suizid scheint den eigenen Tod der Autorin vorwegzunehmen, Ihr literarischer Schreibstil beschreibt erschreckend eindeutig ihre tödliche Entscheidung aus Lebensmüdigkeit, aus Einsamkeit. Auch andere fiktionale Ereignisse im Roman scheinen ihrer belastenden Realität entlehnt zu sein.
Der letzte, autofiktionale Roman, den die erfolgreiche dänische Autorin 1975 veröffentlichte.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Komplexe multikulturelle Zusammenhänge und eine Legende aus Somalia – tiefgründig!

Der Kommandant des Flusses
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Die Szenarien spielen in Rom und London. Die zentrale Figur ist der junge Somalier Yabar, der frustriert seine Identität während seiner Suche nach Informationen über seinen Vater und die Familiengeschichte ...

Die Szenarien spielen in Rom und London. Die zentrale Figur ist der junge Somalier Yabar, der frustriert seine Identität während seiner Suche nach Informationen über seinen Vater und die Familiengeschichte findet. Passagen über sein Aufwachsen in Rom zusammen mit seiner alleinerziehenden Mutter und engen Freunden werden unterbrochen von Episoden aus der Legende über den Kommandanten des Flusses. Diese Erzählstränge greifen ohne großartige Kennzeichnung ineinander über, meist in Dialogform zwischen ihm, seiner Mutter und der Tante. Vielleicht soll dies als Metapher auch die politische Bürgerkriegssituation ab 1990 in Somalia beleuchten mit den korrupten Machtverhältnissen zwischen den sich rivalisierenden Clans. Thematisiert werden auch Rassismus, ehemalige italienische Kolonien, das Zugehörigkeitsgefühl im Land der Migration und starke Frauen. Diese komplexe Gegenwart- und Vergangenheitsbewältigung und das zunehmende Gefühl der Desorientierung von Yabar konzentriert sich sehr auf politische, familiäre Zusammenhänge in Somalia, vernachlässigt dabei das besondere italienische bzw. britische Ambiente in deren Alltag.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Der harte Alltag als Pferdetrainerin – lebendig und klar umrissen

Boxenstart
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Wie im Nachwort erklärt, basiert dieses Buch auf über drei Jahre aufgenommenen Telefongesprächen mit der Hauptfigur Sonia. Auf dieser Grundlage bewegt sich das fiktionale Werk über deren gefährliches, ...

Wie im Nachwort erklärt, basiert dieses Buch auf über drei Jahre aufgenommenen Telefongesprächen mit der Hauptfigur Sonia. Auf dieser Grundlage bewegt sich das fiktionale Werk über deren gefährliches, raues Leben vor allem als Pferdetrainerin. In 12 Kapiteln entwickelt die aus ärmlichen Verhältnissen kommende Ich-Erzählerin Sonia ein lebendiges Bild ihrer hartnäckigen Tierliebe zu Pferden von frühester Jugend an. Die teils katastrophalen Zustände für Mensch und Tier im Pferderennsport in den USA erschüttern. Informatives über den Umgang und die Pflege ihrer teils sehr wertvollen Schützlinge wird bereichert durch Erläuterungen über karge Arbeits- und Lebensbedingungen der sie betreuenden Menschen, was gesellschaftskritische Fragen auch zur Tierquälerei , zu Alkoholmissbrauch und Doping aufwirft. Wie Sonia als Frau im männerdominierten Reitrennsport klarkommt, wird in kurzen Kapiteln in direktem, schnörkellosem, klarem Sprachstil wiedergegeben. Neben einer Vergewaltigung trotz sie auch den späteren tätlichen Angriffen ihres gewalttätigen Mannes, betont ihre rechtliche Machtlosigkeit. Dieser Mikrokosmos des Rennsports mit positiven wie negativen Momenten fasziniert trotz der ganzen Härte, aber auch Menschlichkeit im Leben dieser starken Frau.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Ein erfolgreicher Autor gibt einen guten Alltagsüberblick

Frauenroman
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Die Lesereisen durch Örtlichkeiten verschiedenster Güte in europäischen Ländern, aber auch in New York werden aufgeführt neben politischen Ereignissen aus Vergangenheit und Gegenwart. Neben solchen Verquickungen ...

Die Lesereisen durch Örtlichkeiten verschiedenster Güte in europäischen Ländern, aber auch in New York werden aufgeführt neben politischen Ereignissen aus Vergangenheit und Gegenwart. Neben solchen Verquickungen der Zeitgeschichte geht es auch um die Rechtschreibreform mit seinen Argumenten dagegen. Seine geliebte Serie Für alle Fälle Fitz fließt mit ein sowie seine Frauenliebschaften und Männerfreundschaften. So wandert der Autor mit gewisser Nachdenklichkeit von Thema zu Thema..

Unsortiertes aus gestriger Politik und erfolgreichem Künstlerleben,

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