Einforderung von Frauenrechten findet hier kein Echo
Das Haus in der Gasse1921 veröffentlicht, entfaltet dieser Roman eine Ödnis, Leere, Hass und Traurigkeit im Leben der jungen Frauen Antonietta und der jüngeren Schwester Nicolina. Die bedrückende Szenerie spielt in einem unscheinbaren ...
1921 veröffentlicht, entfaltet dieser Roman eine Ödnis, Leere, Hass und Traurigkeit im Leben der jungen Frauen Antonietta und der jüngeren Schwester Nicolina. Die bedrückende Szenerie spielt in einem unscheinbaren Haus in einer dunklen Gasse einer sizilianischen Kleinstadt. Der strenge Patriarch Don Lucio Carmine hält starrsinnig an seinen egoistischen Gewohnheiten fest, dabei seine Ehefrau und deren jüngere Schwester quasi wie Dienstmägde behandelt und sie abschottet. Neben Nicolina als unglückliche, vergewaltigte Geliebte des Schwagers entkommt auch der Sohn Alessio kaum dem Hass, der Gefühlskälte des Vaters und den heimlichen Streitereien im Haus. Am Meer nur findet er seine Freiheit, seinen inneren Frieden. Das hier vorgestellte Frauenbild ist weder kämpferisch noch selbstbewusst, sondern fügsam, unterdrückt, eingeschüchtert und unter Angst in der Eintönigkeit in ihrem Alltag, mit Flucht in den Irrsinn, vom Leben betrogen. Die Rolle der Männer ist hier zwiegespalten: der wortkarge Patriarch als Tyrann, der auch seine Töchter nach seinem Gutdünken formen will und daneben sein sensibler, feinsinniger, mädchenhafte Sohn ein Schwächling. Der handlungsarme Roman lebt besonders von den inneren Monologen der Frauen. Thematisiert werden auch Verarmung, die Wahrung des Scheins in diesem kleinbürgerlichen Milieu , Schuld und Sühne, mit nur angerissenen Überlegungen zu Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen am Ende des 19. Jahrhunderts. Die Beschreibung von Identitätskrisen nach dem Tod des Sohnes ist eindringlich: Antonietta überlässt sich dem Wahn, Nicolina leidet unter den Vergewaltigungen und Don Lucio geht zur Tagesordnung über, jeder in seiner Einsamkeit im schwelenden Nebel im Haus. Diese bedrückende Welt, in der sich alle Konflikte nach innen entladen, ist sprachlich überzeugend gelungen.
Das Leid der Frauen, zaghaft und leise karikiert, berührt.