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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.01.2017

Gelungener und treffender Blick auf die Flüchtlingsproblematk - spannend und vielschichtig zugleich

Berlin Gangstas
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Die Berliner Gangster Kemal und Kolja haben mit KOKE ein florierendes Unternehmen gegründet, das sich auf das Schleusen von Flüchtlingen nach Deutschland spezialisiert hat. Dabei sind sie gewissermaßen ...

Die Berliner Gangster Kemal und Kolja haben mit KOKE ein florierendes Unternehmen gegründet, das sich auf das Schleusen von Flüchtlingen nach Deutschland spezialisiert hat. Dabei sind sie gewissermaßen die Luxusschleuser, die sich mit ihren Methoden deutlich von den Machenschaften anderer Schleuser absetzen und ihre Kunden auch über den reinen Transport hinaus betreuen. Dadurch geraten sie aber ins Visier des brutalen und gnadenlosen Clanchefs Arafat, der KOKE in seine Organisation eingliedern will. Der Auftakt eines gnadenlosen Machtkampfes, der mit harten Bandagen geführt wird und bei dem schnell mehr auf dem Spiel steht, als nur ein gut geführtes Wirtschaftsunternehmen ...

Stefan Schweizer gelingt hier ein äußerst gelungener und vor allem treffender Blick auf die Flüchtlingsproblematik unserer Zeit.
Das Buch punktet in erster Linie mit einer sehr gut konstruierten Geschichte, die immer wieder durch unerwartete Wendungen zu überraschen weiß, und mit hervorragend charakterisierten Protagonisten, die durch die Bank sehr vielschichtig angelegt sind. Der Schreibstil ist sehr direkt und dabei alles andere als jugendfrei. Dies ist am Anfang schon sehr gewöhnungsbedürftig, passt aber absolut zur Geschichte und seinen Handlungsträgern. Das Ganze ist zudem immer wieder mit bissigen Bemerkungen und Kommentaren zu den aktuellen politischen Verhältnissen in Deutschland bzw. Europa versehen, die einem manchmal ein Schmunzeln oder sogar ein Lachen entlocken, das einem dann aber schnell wieder im Halse stecken bleibt.
Der Autor bezeichnet sein Buch selbst als modernen Großstadt- und Gesellschaftsroman, eine Bezeichnung, der ich absolut zustimmen kann.

Absolut lesenswert, aber definitiv nichts für zarte Gemüter.

Veröffentlicht am 06.01.2017

Spannender Thriller für Hamburg-Liebhaber und solche, die es noch werden wollen

Die Hyäne von Hamburg
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Im Trauns-Park in Hamburg liegen die Leichen von zwei Kleindealern, die sich scheinbar gegenseitig erschossen haben, zudem wurde eine junge Frau dabei angeschossen. Bernd Kastrup und sein Team übernehmen ...

Im Trauns-Park in Hamburg liegen die Leichen von zwei Kleindealern, die sich scheinbar gegenseitig erschossen haben, zudem wurde eine junge Frau dabei angeschossen. Bernd Kastrup und sein Team übernehmen die Ermittlungen und merken schnell, das mehr hinter der Sache steckt. Ein mysteriöser Täter, der sich selbst "Die Hyäne" nennt, hat die Taten vorher in einer E-Mail an Kastrup angekündigt. Und so bekommen es die Ermittler mit einem Gegner zu tun, der einen finsteren Plan verfolgt, vor nichts zurückschreckt und den Ermittlern dabei die eine oder andere böse Überraschung bereitet.

In diesem Hamburg-Thriller ermitteln Kommissar Bernd Kastrup und sein Team in ihrem zweiten Fall, den man aber problemlos lesen kann, auch ohne das erste Buch der Reihe zu kennen. Neben einer gut konstruierten Story, überzeugenden Charakteren und einem hohem Erzähltempo weist das Buch darüber hinaus noch viel Hamburger Lokalkolorit auf und entführt die Leser dabei an viele bekannte und auch weniger bekannte Orte in der Stadt an der Elbe. Bei den präzisen Beschreibungen dieser Orte merkt man jederzeit, das der Autor weiß, worüber er schreibt.

Ein Ermittlungsteam mit Ecken, Kanten und viel Potential für weitere Fälle.

Veröffentlicht am 06.01.2017

Wenn Dich die Schatten der Vergangenheit wieder einholen ...

unbekannt verfahren
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Kurz nachdem Julian seiner Frau Sophie den Vorschlag gemacht hat, das Kind ihrer alten Bekannten Maddy bei sich aufzunehmen, verschwindet diese spurlos.
Nina Hansen, gerade erst aus Niedersachsen in das ...

Kurz nachdem Julian seiner Frau Sophie den Vorschlag gemacht hat, das Kind ihrer alten Bekannten Maddy bei sich aufzunehmen, verschwindet diese spurlos.
Nina Hansen, gerade erst aus Niedersachsen in das eigentlich so beschauliche Steinfurt versetzt und daher noch mitten im Umzugsstress, lässt ihren Mann Jens und die gemeinsame Tochter Mara ohne Zögern im Chaos zurück, als man sie bittet, ihren Dienst vorzeitig aufzunehmen und die Suche nach der Vermissten zu unterstützen. Sie stösst dabei auf den 7 Jahre zurückliegenden Fall einer verschwundenen Reisegruppe, zu der neben Sophie, Julian und Maddy auch noch ihr neuer Kollege Paul Singer gehörte. Liegt in dieser alten Geschichte der Schlüssel für den aktuellen Vermisstenfall ?

Die Charaktere dieser überzeugend konstruierten Geschichte haben alle ihre Ecken und Kanten, einen Symphatieträger sucht man hier lange Zeit vergebens. Dennoch konnte mich das Buch auf ganzer Linie überzeugen, mit jeder Seite wird man tiefer in den Sog, den die Story entwickelt, hineingezogen. Auch in Sachen Schreibstil kann das Buch punkten, die präzisen Orts- und Personenbeschreibungen lassen das Kopfkino beim Lesen auf Hochtouren laufen.
Geschickt wird die aktuelle Geschichte der verschwundenen Sophie mit Rückblenden zur verschwundenen Reisegruppe verknüpft, so das sich das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen den Protagonisten erst nach und nach entblättert, bis dann das erschütternde Gesamtbild vor einem liegt.

Eine überaus gelungene Mischung aus Krimi und Drama, die beweist, das man auch mit wenig Blut große Spannung erzeugen kann.

Veröffentlicht am 05.01.2017

Spannder und überzeugender Moselkrimi zu einem wichtigen Thema

Feuer über der Mosel
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Die Ermordung von Michael Witzmann, einem charismatischen Landtagsabgeordnetem der rechtspopulistischen Partei "Deutsche Alternative Liste", direkt vor einem Aylantenheim in Trier ist der Auslöser für ...

Die Ermordung von Michael Witzmann, einem charismatischen Landtagsabgeordnetem der rechtspopulistischen Partei "Deutsche Alternative Liste", direkt vor einem Aylantenheim in Trier ist der Auslöser für eine Kette von Ereignissen, die die altehrwürdige Stadt an der Mosel in einen Hexenkessel verwandeln. Inmitten dieses Chaos versuchen die Ermittler Vanessa Müller-Laskowski und Gunter Hermesdorf den Überblick zu behalten und die Tat aufzuklären.

Das Autoren-Duo Moni und Simon Reinsch haben sich in diesem Krimi die aktuellen politischen Ereignisse in Deutschland bzw. Europa zum Anlaß genommen und sie in einem spannenden Krimi verarbeitet.
Die Jagd nach dem Täter gerät dabei nach meinem Geschmack zwar etwas zu vorhersehbar (ist aber dennoch schlüssig und auch durchgängig nachvollziehbar beschrieben), umso überzeugender sind dafür aber die Beschreibungen der Spirale an Gewalt, die sich durch den Mord in Gang setzt und immer weitere Kreise zieht. In diesen Passagen ist das Buch dann auch eher ein Thriller und weniger ein klassischer Kriminalroman.

Neben einer überzeugend konstruierten und temporeichen Story überzeugt das Buch noch durch seinen flotten Schreibstil, glaubwürdig gezeichnete Charaktere und ein hohes Maß an Lokalkolorit.
Zudem merkt man dem Buch die umfangreiche Recherchearbeit der Autoren deutlich an.

Wer an der Mischung aus spannender Krimiunterhaltung und der Auseinandersetzung mit politischen und tagesaktuellen Themen Gefallen findet, wird hier bestens bedient.

Veröffentlicht am 20.12.2016

Zeitzeugenberichte aus dem 2. Weltkrieg - gelungen umgesetzt als Graphic Novel

Großväterland
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Der Historiker Christian Hardinghaus und der Zeichner Markus Freise haben hier ein ehrgeiziges Projekt auf gelungene Art und Weise auf den Weg gebracht.

In unzähligen Einzelgesprächen haben sie mit Betroffenen ...

Der Historiker Christian Hardinghaus und der Zeichner Markus Freise haben hier ein ehrgeiziges Projekt auf gelungene Art und Weise auf den Weg gebracht.

In unzähligen Einzelgesprächen haben sie mit Betroffenen und Zeitzeugen gesprochen und Erinnerungen aus der Zeit des 2. Weltkrieges zusammengetragen und in Form einer Graphic Novel umgesetzt. Der Zeichenstil ist dabei wenig comichaft, sondern sehr realistisch gehalten unf transportiert dabei auch die Emotionen, die in den einzelnen Geschichten stecken, sehr gut.

Zu jeder Episode gibt es noch einen Begleittext, der die historischen Hintergründe und Zusammenhänge erläutert und so verhindert, das hier das Gesmtbild hinter den Einzelschicksalen verschwindet.
Bei Erinnerungen besteht ja immer die Gefahr oder es kommt schnell der Vorwurf auf, das nach so langer Zeit der Krieg und seine Hintergründe ein wenig verklärt oder sogar verharmlost wird. Dies wird durch die Texte in gelungener Form verhindert.

Ein beindruckendes Gesamtwerk, das einem diese schreckliche Zeit ein wenig mehr begreifbar macht.