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Veröffentlicht am 27.05.2021

Bewegender historischer Roman, der sich eng an die tatsächlichen Ereignisse der Jahre 1943 bis 1945 hält

Zorn der Lämmer
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In diesem bewegenden historischen Roman erzählt der Autor Daniel Wehnhardt die Geschichte der Dam Yehudi Nakam, einer jüdischen Untergrundorganisation, die sich im Jahre 1945 gegründet und zum Ziel gesetzt ...

In diesem bewegenden historischen Roman erzählt der Autor Daniel Wehnhardt die Geschichte der Dam Yehudi Nakam, einer jüdischen Untergrundorganisation, die sich im Jahre 1945 gegründet und zum Ziel gesetzt hat, Vergeltung für die Gräuel des Holocaust zu üben. Dabei richten sich die Rachepläne nicht nur gegen die tatsächlichen Täter, sondern gegen das gesamte deutsche Volk. Doch dieses Vorhaben gefährdet zugleich die Verhandlungen und Gespräche zur geplanten Gründung des Staates Israel. Und so kommt der Widerstand gegen die Pläne auch aus den eigenen Reihen.

Anders als der Klappentext suggeriert, stehen hier allerdings nicht die Taten und Pläne der Nakam im Mittelpunkt, sondern die Entstehung und die Vorgeschichte ihrer Gründer. Und so startet die Geschichte dann auch bereits 1943 im Ghetto der Stadt Wilna und wirft uns gleich mitten hinein in das dort herrschende Grauen.

Mit einem packenden Schreibstil und bildhaften Beschreibungen, die das Kopfkino beim Lesen auf Hochtouren laufen lassen, treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran und hält sich dabei eng an die tatsächlichen Ereignisse der Jahre 1943 bis 1945, ohne dabei in Richtung eines Sachbuches abzudriften. Getragen wird das Ganze von gut und gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Bei der Menge der hier auftretenden Personen wäre allerdings ein entsprechendes Register an der einen oder anderen Stelle ganz hilfreich gewesen. Zudem hätte das Buch auch ein Nachwort verdient gehabt, das ergänzende Auskünfte über die Fakten und die künstlerische Freiheit des Autoren gibt. Den glänzenden Eindruck, den die rundherum überzeugende Geschichte bei mir hinterlassen hat, kann dies am Ende aber nicht trüben.

Wer auf historische Romane steht, die sich eng an die tatsächlichen Ereignisse halten und dabei dennoch spannend und emotional rüberkommen, wird hier bestens bedient und unterhalten.

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Veröffentlicht am 26.05.2021

Packende Fortsetzung mit einem erschreckenden Szenario, das beängstigend realitätsnah rüberkommt

Countdown zum Untergang
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Mit diesem Techno-Thriller legt der Autor Michael Hirtzy den zweiten Band seiner Reihe "Bilder der Apokalypse" vor und kann sich dabei gegenüber dem Auftakt noch einmal deutlich steigern.

Man kann das ...

Mit diesem Techno-Thriller legt der Autor Michael Hirtzy den zweiten Band seiner Reihe "Bilder der Apokalypse" vor und kann sich dabei gegenüber dem Auftakt noch einmal deutlich steigern.

Man kann das Buch dabei grundsätzlich auch ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Band lesen und verstehen. Alle dafür erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne dabei den Lesefluss zu stören. Seine volle Wirkung entfacht die Geschichte aber erst, wenn man die Bücher in der richtigen Reihenfolge liest.

Während wir im Auftaktband die Gründung der Firma Fastlane und die Entwicklung des Computersystems ANCOS, das die Nanotechnologie revolutionieren soll, erleben durften, schließen wir hier nun direkt an den Punkt im Jahr 2042 an, an dem ein fataler Fehler eine Katastrophe mit Tausenden von Toten am Berliner Flughafen ausgelöst hat. Während die Firmengründer Stephanie, Ralph, Steven, Ayaz und Miriam nun vor den Trümmern ihrer Existenz stehen und sich mit Schuldgefühlen herumplagen, ob sie das Verhängnis vielleicht noch hätten aufhalten können, übernehmen die Behörden das Ruder und beschließen, das System endgültig abzuschalten. Doch lässt sich ANCOS wirklich noch so einfach stoppen ?

Mit einem packenden Schreibstil und einigen überraschenden Wendungen treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte konsequent voran und steuert sie schnurstracks in Richtung Untergang. Kurze Kapitel mit ständig wechselnden Erzählperspektiven sorgen dabei für ein hohes Erzähltempo, das einem beim Lesen kaum zum Luftholen lässt. Die umfangreichen technischen Beschreibungen, die hier für das Verständnis der Hintergründe zwangsläufig erforderlich sind und von einer sorgfältigen Recherchearbeit zeugen, fallen nicht allzu trocken aus und fügen sich so gut in die Geschichte ein, ohne dabei den Spannungsbogen zu unterbrechen. Und man muss dabei auch nicht jedes Detail bis ins Letzte verstehen, um der Geschichte folgen zu können.

Hatte ich beim Auftaktband noch so ein wenig die Figurenzeichnung bemängelt, gibt es in dieser Hinsicht diesmal nichts mehr zu meckern. Die Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen sind durchgehend gut gezeichnet und vielschichtig angelegt. Und auch wenn so mancher Charakter als Chronist des Untergangs nur einen sehr kleinen Auftritt hat, schafft es der Autor dennoch, auch diesen Figuren ein Gesicht zu geben.

Eine mehr als gelungene Fortsetzung, die mich nicht nur gut und spannend unterhalten, sondern zugleich auch die Neugierde auf weitere Bände wecken konnte.

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Veröffentlicht am 19.05.2021

Überzeugender Kriminalroman um einen alten Vermisstenfall, der plötzlich weite Kreise zieht

Der Lohn des Verrats
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In diesem Buch schickt der Autor Mathias Berg die junge forensische Psychologin Lupe Svensson und den erfahrenen Ermittler Otto Hagedorn vom LKA Düsseldorf in ihren zweiten Cold-Case-Fall, der mich gut ...

In diesem Buch schickt der Autor Mathias Berg die junge forensische Psychologin Lupe Svensson und den erfahrenen Ermittler Otto Hagedorn vom LKA Düsseldorf in ihren zweiten Cold-Case-Fall, der mich gut und spannend unterhalten konnte.

Grundsätzlich kann man das Buch auch dann problemlos lesen und verstehen, wenn man, so wie ich, den ersten Band noch nicht kennt. Alle dafür erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne dabei den Lesefluss zu stören. Um die Entwicklung der Figuren mit ihrem nicht ganz unkomplizierten Hintergrund in Gänze genießen und nachvollziehen zu können, empfiehlt es sich aber schon, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Im April 1993 ist der junge Abiturient Fabian Küster spurlos aus seinem Elternhaus verschwunden. 10 Jahre später entdeckt die Mutter während der Beerdigung ihres Mannes seine seltsame Botschaft am Grab, die von Fabian stammen könnte, und schaltet die Polizei ein. Als Lupe und Otto die Ermittlungen aufnehmen, stoßen sie schnell auf einen ungeklärten Mord an einer Mitschülerin von Fabian und auf die Mordserie des sogenannten Anhalter-Killers. Ist Fabian tatsächlich noch am Leben und gibt es etwa einen Zusammenhang zwischen diesen Taten ?

Mit einem packenden Schreibstil treibt der Autor seine gut aufgebaute und atmosphärisch dichte Geschichte voran und bietet am Ende eine verblüffende und zugleich schlüssige Auflösung. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, die immer wieder für Überraschungen gut sind. Besonders die Ich-Erzählerin Lupe lässt uns hier tief in ihr ziemlich zerrissenes Innenleben eintauchen und macht es einem mit ihrer etwas speziellen Art auch nicht immer leicht, sie zu mögen. Im Laufe der Geschichte ist sie mir dann aber doch immer mehr ans Herz gewachsen. Und zusammen mit Otto und dem Mordermittler Erkan ergibt sich zudem ein gut aufeinander abgestimmtes Ermittlerteam, das sich wunderbar ergänzt und aus dem jeder seinen Teil zur Lösung des Falles beiträgt.

Wer auf spannende und tiefgründige Kriminalromane mit außergewöhnlichen Ermittlern steht, wird mit diesem Buch bestens bedient und unterhalten.

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Veröffentlicht am 18.05.2021

Packender historischer Roman um einen geplanten Putsch der Wehrmacht im Jahre 1938

Die Clique der Ehrlosen
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Den Widerstand gegen den Nationalsozialismus verbindet man ja in erster Linie mit Einzelpersonen wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg oder Gruppen wie der „Weißen Rose“. Das es aber bereits im Jahr 1938 ...

Den Widerstand gegen den Nationalsozialismus verbindet man ja in erster Linie mit Einzelpersonen wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg oder Gruppen wie der „Weißen Rose“. Das es aber bereits im Jahr 1938 ernsthafte Pläne einer kleinen Gruppe innerhalb der Wehrmacht gab, Adolf Hitler zur Not auch gewaltsam abzusetzen, ist eher weniger bekannt. Als die Engländer dem „Münchener Abkommen“ überraschend doch zugestimmt und Hitler somit einen großen Prestigeerfolg geschenkt hatten, durch den sein Ansehen und der Rückhalt in der Bevölkerung erheblich gesteigert wurde, war die Septemberverschwörung jedoch schon gescheitert, bevor sie richtig begonnen hatte.

Doch was wäre gewesen, wenn man die Pläne weiter vorangetrieben und letztlich auch umgesetzt hätte ? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Autor Thomas Majhen in diesem atmosphärisch dichten historischen Roman, der sich in weiten Teilen an die tatsächlichen Ereignisse des Jahres 1938 hält, bevor dann zum Ende hin die Fiktion endgültig das Zepter übernimmt. Im Bemühen, die Abläufe und die historisch verbürgten Protagonisten möglichst realitätsnah wiederzugeben, bleiben hier aber ab und an die Emotionen etwas zu sehr auf der Strecke.

Dies wird aber durch einen zweiten Erzählstrang mehr als ausgeglichen, der uns nach Augsburg führt, wo der 17-jährige Christoph und seine Freunde Jan, Peter und Michel in ihr letztes Schuljahr vor dem Abitur gehen. Doch statt sich mit den normalen Tücken des Erwachsenwerdens herumzuschlagen, dringt die NS-Ideologie immer tiefer in ihr Leben ein und sorgt für jede Menge zusätzlicher Probleme und Konflikte. Das Wissen, es bei den Jungen und ihren Mitschülern mit Vertretern der Generation zu tun zu haben, die bei einem normalen Verlauf der Geschichte in ein paar Jahren auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges verheizt wird, sorgt beim Lesen immer wieder für zusätzliche Beklemmung.

Mit einem packenden Schreibstil und bildhaften Beschreibungen, die das Kopfkino beim Lesen auf Hochtouren laufen lassen, treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran und bestückt sie mit einer ganzen Riege gut gezeichneter und vielschichtig angelegter Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Die beiden Erzählstränge ergänzen sich perfekt und sorgen so für ein sattes Lesevergnügen, das noch lange über sein Ende nachhallt.

Ein mehr als gelungener historischer Roman, der mich auf ganzer Linie überzeugen und begeistern konnte. Da das Ende die Möglichkeit einer Fortsetzung offenlässt, hoffe ich auf ein Wiederlesen mit Christoph und seinen Freunden.

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Veröffentlicht am 17.05.2021

Abwechslungsreiche Sammlung mit skurrilen Geschichten und trockenem Humor

Tot bist du noch lange nicht, sag mir erst wie alt du bist.
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Mit diesem Buch legen die Autoren Klaus Märkert und Myk Jung eine abwechslungsreiche Sammlung von Geschichten vor, die durch skurrile Momente und trockenen, bisweilen auch ziemlich schwarzen Humor gekennzeichnet ...

Mit diesem Buch legen die Autoren Klaus Märkert und Myk Jung eine abwechslungsreiche Sammlung von Geschichten vor, die durch skurrile Momente und trockenen, bisweilen auch ziemlich schwarzen Humor gekennzeichnet sind.

Während mir Klaus Märkert schon vorher bekannt war und ich bei ihm somit schon wusste, was mich erwartet, war Myk Jung für mich eine echte Neuentdeckung, die ich auf jeden Fall im Auge behalten werde. Doch auch die Geschichten von Klaus Märkert weichen hier so ein wenig vom üblichen Schema ab. Waren die Geschichten, die ich bisher von ihm gelesen habe, ziemlich autobiographisch angehaucht, schlüpft er diesmal als Ich-Erzähler in andere Rollen, überzeugt aber auch dabei durch seine große Erzählkunst.

Mein absolutes Highlight im Buch stammt aber von Myk Jung. In seiner Story „Unruhe im Kühlschrank“ erfahren wir endlich, wie es dort hinter geschlossener Tür wirklich zugeht. Absolut erschreckend und zugleich zum Brüllen komisch. Nach der Lektüre wird man das eine oder andere Lebensmittel ab sofort mit ganz anderen Augen sehen.

Wie immer können in einer solchen Sammlung nicht alle Beiträge den persönlichen Lesegeschmack in vollem Umfang treffen, hier war die Trefferquote aber doch erstaunlich hoch. Echte Ausreißer nach unten gab es zudem für mich überhaupt nicht. Irgendwie hatte jede Geschichte ihren besonderen Reiz und zudem einen hohen Unterhaltungswert.

Im Vorwort geben die beiden Autoren den Rat, das Buch in nicht allzu großen Portionen auf einmal zu genießen. Diesem Ratschlag kann ich mich nur anschließen, da einem ansonsten durchaus das eine oder andere der kleinen Details, mit denen die Geschichten gespickt sind, entgehen könnte. Und das wäre echt schade, denn gerade diese Details machen die Geschichten aus.

Wer Spaß an skurrilen und schwarzhumorigen Kurzgeschichten hat, wird hier auf jeden Fall den einen oder anderen Beitrag ganz nach seinem Geschmack finden.

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