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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.11.2022

Die Macht der Worte ...

Die Buchhändlerin: Die Macht der Worte
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Wer den ersten Teil um die Buchhändlerin Christa gelesen hat – was ich übrigens unbedingt empfehle – der wird erkennen, dass Christa noch immer innerlich leidet und oft zwiegespalten ist, was die übrige ...

Wer den ersten Teil um die Buchhändlerin Christa gelesen hat – was ich übrigens unbedingt empfehle – der wird erkennen, dass Christa noch immer innerlich leidet und oft zwiegespalten ist, was die übrige Gestaltung ihres weiteren Lebens anbelangt. Endlich hat sie ihre große Liebe Jago wiedergefunden und auch er scheint ihre Gefühle zu erwidern. Doch Jago ist Künstler und mit Künstlern ist das Leben zwar selten langweilig aber oft auch sehr konfliktbeladen. Nebenher hängt Christas Herz auch an ihrem eigenen Weiterkommen und ihrem Wunsch, ihre Doktorarbeit abschließen zu dürfen. Zudem ist sie ja noch „scheinverheirat“, die Zukunft sieht also alles andere als einfach aus, doch aufgeben steht für Christa nicht zur Debatte …

Mit ihrem eher ruhigen aber dennoch niemals langweiligen Schreibstil lässt uns die in Leipzig geborene Autorin Ines Thorn am Leben der Protagonisten teilhaben. Hautnah begleiten wir sie durch Höhen und Tiefen und erleiden mit ihnen Rückschläge, feiern aber auch Erfolge. Sie scheut sich nie heikle Themen wie die gleichgeschlechtliche Liebe, alte Konventionen gegenüber Frauen, die Bildung suchen aber auch die Nazivergangenheit anzusprechen. Durch „Die Buchhändlerin“ bin ich auf Ines Thorn aufmerksam geworden und ich könnte mir durchaus vorstellen, noch weitere Bücher der Autorin in die Hand zu nehmen. Für die Macht der Worte vergebe ich sehr verdiente vier Sterne.

Veröffentlicht am 07.11.2022

War für mich eine schöne Einstimmung auf Wien ...

Das Sacher
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Einen Zeitraum von knapp dreißig Jahren deckt der Roman „Das Sacher“ ab, ein Zeitraum, in dem sich einiges entwickelt hat und der einfach keine Langeweile aufkommen lässt. Der frühe Tod von Eduard Sacher ...

Einen Zeitraum von knapp dreißig Jahren deckt der Roman „Das Sacher“ ab, ein Zeitraum, in dem sich einiges entwickelt hat und der einfach keine Langeweile aufkommen lässt. Der frühe Tod von Eduard Sacher lässt seine Frau Anna 1892 als Witwe mit drei kleinen Kindern zurück. Ihr Schwiegervater, Franz Sacher – der Erfinder der heute noch berühmten Torte, die seinen Namen trägt – will das Hotel verkaufen, denn er selbst möchte nicht mehr und eine Frau kann doch unmöglich ein Hotel führen! Doch die selbstbewusste Anna gibt nicht auf und erkämpft sich schließlich das Recht, das Hotel weiterzuführen. Wer nun glaubt, eine Geschichte rund um das Sacher und seine Entwicklung zu lesen, wird vielleicht enttäuscht werden bezüglich der Entwicklung des Romans, denn das Sacher und auch Anna treten schnell ein wenig in den Hintergrund. Meiner Ansicht nach sind die eigentlichen Protagonisten die Eheleute von Traunstein und die Aderholds, ein junges Verlegerpaar aus Berlin, die durch Zufall nach und nach im Hotel Sacher aufeinandertreffen und schließlich eine Beziehung ganz eigener Art eingehen werden. Als dann schließlich auch die vermisste Marie Stadler wieder auftaucht, beginnt einspannender Wirbel der Gefühle wie ein Tornado durch den Roman zu pusten …

Während des Lesens dieses etwas eigenwilligen Romans frage ich mich, ob mir der Schreibstil gefällt oder nicht. Die Antwort war schnell ein eindeutiges „Ja“ und so möchte ich dann auch aus meiner Sicht verdiente 4,5 von 5 Sternen vergeben. Die Mischung aus realen und fiktiven Personen ließ mir genug Gelegenheit selbst noch ein wenig dazu im Internet zu stöbern aber auch mich entspannt zurückzulehnen und einfach nur zu genießen. Nachdem ich „Der Palast“ aus der Feder der Autorin Rodica Doehnert bereits kenne, werde ich nun auch „Das Adlon“ auf meine Wunschliste setzen.

Veröffentlicht am 07.11.2022

Wie wäre man heute, 60 Jahre später, mit Silvias Depressionen umgegangen?

Euphorie
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Mit ihrer Romanbiografie „Euphorie“ hat die schwedische Autorin Elin Cullhead das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Sie hat sich beim Schreiben aktiv in die Gedankenwelt der Autorin Sylvia Plath versetzt ...

Mit ihrer Romanbiografie „Euphorie“ hat die schwedische Autorin Elin Cullhead das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Sie hat sich beim Schreiben aktiv in die Gedankenwelt der Autorin Sylvia Plath versetzt und versucht anhand verschiedener Informationsquellen aber sicher auch mit viel Vorstellungsvermögen das letzte Jahr im Leben der unglücklichen Künstlerin nachzustellen. Sylvia ist deprimiert und fühlt sich verlassen von ihrem Mann, dem Dichter und Schriftsteller Ted Hughes, der sich schwer damit tut, ihr den nötigen künstlerischen Freiraum zu geben, den sie für sich beanspruchen möchte. Sie fühlt sich überfordert mit den zwei kleinen Kindern, ihrem distanzierten Verhältnis zu ihrer Mutter und der Einsamkeit, die sie in England, fern ihrer eigentlichen Heimat, verspürt. Sie fällt in rasender Geschwindigkeit von einem Hoch ins nächste Tief und ihr bevorstehender Freitod scheint das ganze letzte Jahr schon eine ausgemachte Sache zu sein. Er zieht sich wie ein düsterer Schatten durch die gesamten Kapitel und drohte mich schließlich selbst in eine Art Schwermut zu drücken.

Dass „Euphorie“ kein einfaches Buch werden würde, war mir von Anfang an klar. Ich freute mich jedoch darauf an der Kombination aus Elins eigener Erfahrung kombiniert mit den vermutlichen Erlebnissen Sylvias teilhaben zu dürfen. Worauf ich nicht vorbereitet war, war die harsche Ausdrucksweise und die schonungslose Offenlegung von Sylvias Gemütszuständen, die mich oft volle Breitseite erwischten und mir das Weiterlesen schwer machten. Sicher wird diese Art zu Schreiben Sylvia auf ihre eigene Art gerecht und entspricht der Künstlerbeziehung zwischen Sylvia und Ted und ihrem Umfeld, dennoch muss ich für mich persönlich Abstriche bei der Bewertung machen. Das Buch und ich wurden beim Lesen keine Freunde. Von mir gibt es noch gut gemeinte drei von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 07.11.2022

Man darf die alten Klassiker nicht unterschätzen ... diesen empfehle ich !!

Vor Rehen wird gewarnt
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„… und deren Bann man sich bis zur letzten Seite nicht entziehen kann.“ Mit diesen Worten beschreibt der Klappentext dir Hauptfigur Ann Ambros, die von Männern gerne auch Angelina, die Engelsgleiche genannt ...

„… und deren Bann man sich bis zur letzten Seite nicht entziehen kann.“ Mit diesen Worten beschreibt der Klappentext dir Hauptfigur Ann Ambros, die von Männern gerne auch Angelina, die Engelsgleiche genannt wird. Was für eine Ironie, denn mit Engeln hat sie genauso viel gemein wie die warme Sommerbrise mit einem schneidenden Eissturm. Seit sie ihr kleines Köpfchen zum Denken einsetzt schafft sie es, sich geschickt die Rosinen aus dem Leben zu picken, das für sie bestimmt ist. Auf heimtückische Weise spielt sie sich in den Vordergrund, lässt von den Eltern, der Schwester bis zu Nachbarn, Freunden und anderen Anverwandten nicht nur alle nach ihrer Pfeife tanzen, sondern gibt ihnen auch noch das Gefühl, dass sie ihnen damit etwas Gutes tut und sie ihr dankbar sein sollten. Doch man sollte sie nicht unterschätzen, denn Menschen in ihrem Dunstkreis, derer sie überdrüssig geworden, ist verschwinden oder sterben sogar. Auch ihre Ziehtochter Joy kann sich Anns Klauen nicht entziehen, bis eine große Tragödie passiert … oder etwa doch nicht?

Mir ging es beim Lesen tatsächlich so, dass ich das Buch gar nicht zur Seite legen wollte und immer wieder aufs Neue überrascht war, was für Grausamkeiten sich die Protagonistin ausgedacht hatte und wen sie damit alles ins Verderben stürzte. Mehr als einmal wollte ich ihr persönlich das Handwerk legen oder Betroffene vorwarnen, doch mir waren die Hände gebunden. Ich konnte nichts tun als die Geschichte atemlos zu verfolgen, was wegen der äußerst kleinen Schrift meines beinahe siebzig Jahre alten Exemplars fast ein wenig mühsam aber nicht minder unterhaltsam war. Ich vergebe für diesen Klassiker die volle Punktzahl. Mit Vicki Baum habe ich mich gerne in Vergangenheit zurückversetzen lassen. „Vor Rehen wird gewarnt“ wird bestimmt nicht mein letztes Buch der Autorin bleiben.

Veröffentlicht am 07.11.2022

Ich bin noch nicht überzeugt ...

Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
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„Der Donnerstagsmordclub“ setzt sich zusammen aus Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim, vier Senioren, die unterschiedlicher kaum sein können und sich doch zu einem Quartett zusammengefunden haben, das es ...

„Der Donnerstagsmordclub“ setzt sich zusammen aus Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim, vier Senioren, die unterschiedlicher kaum sein können und sich doch zu einem Quartett zusammengefunden haben, das es sich, eher im Scherz, auf die Fahne geschrieben hat, Kriminalfälle aufzuklären. Immer donnerstags im Gemeinschaftsraum der Seniorendifferenz treffen sie aufeinander und hoffen, dass ihnen spannende Fälle zugespielt werden, deren Aufklärung lohnenswert erscheint. Doch dann passiert auf einmal ein Mord vor der eigenen Haustür und das vierblättrige Kleeblatt kommt schnell in Erklärungsnot …

So weit, so gut, hatte also auch mich mir diesen an vielen Stellen hochgelobten Softkrimi vorgenommen um mir die Fahrzeit im Auto zu versüßen. Ich weiß nicht, lag es an mir, dass ich nicht aufmerksam genug war, oder war es tatsächlich nicht ganz einfach die Story in Hörbuchform nachzuvollziehen? Immer wieder hatte ich Schwierigkeiten zu verstehen, wer gerade wo war und sprach. Schade, dadurch konnte ich weder richtig genießen noch dem Fall entsprechend folgen. Aber ich geben den Vier noch eine Chance in Teil zwei. Wird bestimmt besser, da ich ja inzwischen mit den Charakteren vertraut bin. Diesmal vergebe ich leider nur drei von fünf Sternen.