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Veröffentlicht am 29.08.2022

Mutige Frauen braucht das Land ...

Die Hafenärztin. Ein Leben für die Freiheit der Frauen (Hafenärztin 1)
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Ich gestehe, das zwar hübsche aber doch leicht überzogen wirkende Cover und dazu der Titel „Ein Leben für die Freiheit der Frauen“ hatte mich eigentlich abgeschreckt dieses Buch zu lesen. Ich versprach ...

Ich gestehe, das zwar hübsche aber doch leicht überzogen wirkende Cover und dazu der Titel „Ein Leben für die Freiheit der Frauen“ hatte mich eigentlich abgeschreckt dieses Buch zu lesen. Ich versprach mit davon allenfalls eine leicht ins Kitschige abdriftende Geschichte. Doch dann überzeugte mich eine liebe Buchfreundin, dass genau dieses Buch exakt in mein Beuteschema passen würde. Na gut, überredet und inzwischen – oh Wunder – absolut überzeugt!
Der Roman rankt sich um besagte Hafenärztin, einen ehrgeizigen aber nicht ganz taufrischen Kommissar und eine junge Frau namens Helene, die sich zu Größerem bestimmt sieht als Ehefrau und Mutter zu werden.
Drei starke Protagonisten und ihre kleinen und großen Kämpfe bilden eine wunderbar flüssige, in Teilen richtig spannende Story. Es gehörte schon Mut dazu sich vor über 100 Jahren für die Rechte der Frauen einzusetzen und dann noch Frauenhäuser zu gründen. Das verdient meinen absoluten Respekt. Die beiden Frauen aber auch der Kommissar waren in meinen Augen sehr authentisch und der Zeit angepasst dargestellt, so dass mich mein eigenes kleines Kopfkino beim Lesen begleitete.
Ich freue mich schon auf Band zwei und vergebe für diesen ersten Teil der Saga um die Hafenärztin doch mal glatt die volle Punktzahl. Gut gemacht, Frau Engel!

Veröffentlicht am 29.08.2022

Als die Weber aufbegehrten ...

Zwischen zwei Welten
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Ich habe in den letzten Monaten so viel um den ersten und zweiten Weltkrieg gelesen, dass ich mich sehr freute, als mir Izabelle Jardin mit ihrem Roman „Zwischen zwei Welten“ eine interessante Alternative ...

Ich habe in den letzten Monaten so viel um den ersten und zweiten Weltkrieg gelesen, dass ich mich sehr freute, als mir Izabelle Jardin mit ihrem Roman „Zwischen zwei Welten“ eine interessante Alternative anbot. Ich reiste mit ihr zurück ins 19. Jahrhundert nach Schlesien, eine Zeit, in der die Uhren noch anders tickten. Fast schien es als würden die Reichen reicher und die Armen sanken noch unter jedwede Armutsgrenze vorstellbar. So war es dann auch für Elise ein großer Schock mit ansehen zu müssen, wie ihre Familie angegriffen wird und die Weber aufbegehren. Fast scheint es, als wache sie aus einem Dornröschenschlaf und sah zum ersten Mal die Ungerechtigkeit, die sie umgab …
Sehr gut gefallen hat mir, dass auch ihr Umfeld, vor allem ihre Eltern endlich die Augen öffnen und versuchen zu helfen und die desolaten Zustände zu ändern. Ganz anders als der feige Großvater, der sich bei Nacht und Nebel davonschleicht. Der Ausflug nach Schlesien und auch nach London war ganz nach meinem Geschmack und so freue ich mich heute schon auf den nächsten Band der Achenthal Saga. Die Geschichte gibt noch viel her, ist gut recherchiert und stimmig ausgearbeitet. Vielen Dank für dieses Lesevergnügen, für das ich gerne vier satte Sterne vergebe verbunden mit einer Leseempfehlung. Nun freue ich mich übrigens doppelt auf die Warthenberg Saga der Autorin, die noch zu Hause auf meinem SUB schlummert.

Veröffentlicht am 29.08.2022

"Wenn wir laut klatschen, verschwinden sie in ihren Höhlen, die Anhänger der braunen Hasenpartei ..."

Die Aufrechte
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Man hat ja immer ein wenig Sorge, dass biografische Romane etwas trocken sein könnten. Dass sie vielleicht eher nur eine Aufzählung der Stationen im Leben einer Person sein könnten, die darin beschrieben ...

Man hat ja immer ein wenig Sorge, dass biografische Romane etwas trocken sein könnten. Dass sie vielleicht eher nur eine Aufzählung der Stationen im Leben einer Person sein könnten, die darin beschrieben wird. Wenn das eure Sorgen sind, dann lehnt euch entspannt zurück und taucht ein in die spannende Geschichte der Journalistin und Schriftstellerin Felicitas von Reznicek. Ihr habt noch nie von ihr gehört? Dann befindet ihr euch in guter Gesellschaft, denn auch mir war die Dame bis dato unbekannt. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ihr der sympathische Journalist und Autor Claudius Crönert – quasi ein Kollege der Protagonistin - mit seinem Buch „Die Aufrechte“ postmortal eine Stimme verliehen hat und ihre Geschichte bis zum Jahr 1945 wieder aufleben lässt.
In flüssigem und ausdrucksvollem Schreibstil darf man als Leser eintauchen in das oft unkonventionelle Leben von Fee, die aus einer Künstlerfamilie stammt. Ihr Vater, der Lehrer und Komponist Emil Nikolaus von Resnicek – kurz EN genannt – unterstützt sie von jungen Jahren an, ein selbstständiges Leben zu führen, verlässt sich aber auch sein Leben lang auf ihre Unterstützung für seine eigenen Belange. So gelangt sie schließlich durch ihre Arbeit aber auch den steigenden Judenhass in den Widerstand und fungiert als Nachrichtenüberbringer u. a. in die Schweiz, dem eigentlichen Tummelplatz der Nachrichtendienste. Doch dann verliebt sie sich ausgerechnet in einen hohen Nazioffizier, den Adjutanten Fritz Wiedemann, der direkt Adolf Hitler zur Seite gestellt ist …
In „Die Aufrechte“ lesen wir von den Höhen und Tiefen im Leben Felicitas von Resniceks. Betrauern mit ihr den Verlust geliebter Menschen und zittern jedes Mal mit ihr, wenn sie wieder „menschliche Brieftaube“ spielt. Mir ist sie im Laufe der Seiten ans Herz gewachsen, wenn ich auch nicht mit allen ihren Entscheidungen pari ging. Ich vergebe für dieses besondere Buch gerne mit fünf Sternen die Höchstpunktzahl und spreche eine Leseempfehlung an alle Leser aus, die wie ich gegen das Vergessen sind.

Veröffentlicht am 29.08.2022

Norwegens Deutschenkinder und die Entschuldigung, die viel zu spät kam ...

Das Haus der verlorenen Kinder
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Man kann seinem Herz nicht befehlen, wen es zu lieben hat. Wenn es sich dazu entscheidet, für einen Mann schneller zu schlagen, ist man einfach macht machtlos. Diese Erfahrung machen auch Lisbet und ihre ...

Man kann seinem Herz nicht befehlen, wen es zu lieben hat. Wenn es sich dazu entscheidet, für einen Mann schneller zu schlagen, ist man einfach macht machtlos. Diese Erfahrung machen auch Lisbet und ihre Freundin Oda, die sich in „den Feind“ verliebten. „Wer soll denn hier in Norwegen schon etwas von uns wollen?“ dachten damals die Bewohner und schon waren sie da, die deutschen Soldaten, die sich genau dort niederließen, um die arische Rasse zu stärken. „Lebensborn“ nannte sich die Organisation der SS, die sich um den „erbgesunden“ Nachwuchs für das deutsche Volk kümmerte. Doch solch ein Schicksal hat niemand verdient, auch die beiden Freundinnen nicht. Sechzig Jahre später macht sich eine kleine Gruppe auf die Reise nach Norwegen zur Wahrheitsfindung auf …
Schnell hat man sich, dank des flüssigen und bildhaften Schreibstils, eingelesen in die Geschichte und auch die Perspektivenwechsel fügten sich gut in die Story ein. Erschütternd war mal wieder der Rückblick auf Deutschlands braune Vergangenheit, doch anschaulich wurde auch klar gemacht, dass nicht alle schlecht waren. Ein rund herum gelungener Roman also, dessen einzige Kritikpunkte die vielen Zufälle, die immer wieder ineinandergreifen, sind. Das Buch wirkte stellenweise etwas konstruiert, was ich ein wenig schade fand. Dennoch habe ich mich – na, gut unterhalten ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck – sagen wir, wohlgefühlt und vergebe überzeugte vier von fünf Sternen verbunden mit einer Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 29.08.2022

Man muss immer ein Ziel vor Augen haben ...

Sturmvögel
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Ein Highlight! Als ich den Klappentext las, dachte ich, hört sich ein wenig nach Einheitsbrei an: Geschichte auf zwei Zeitebenen, Aufdecken eines Geheimnisses etc. … alles schon mal dagewesen. Umso mehr ...

Ein Highlight! Als ich den Klappentext las, dachte ich, hört sich ein wenig nach Einheitsbrei an: Geschichte auf zwei Zeitebenen, Aufdecken eines Geheimnisses etc. … alles schon mal dagewesen. Umso mehr freute ich mich, dass die Geschichte um die durchsetzungsstarke Emmy mitnichten dieses Klischee erfüllte. Es stimmt, wir reisen in die Vergangenheit in die Zeit noch vor dem ersten Weltkrieg auf eine kleine Insel, auf der das Leben alles andere als einfach ist. Früh verliert Emmy ihre Mutter und muss erwachsen werden. Als in ihrer Heimat kein Platz mehr für sie ist, wird sie nach Berlin verschippert, wo sie eine Stelle als Hausmädchen antritt. Hier trifft sie auf Hauke, ihren zukünftigen Ehemann aus gutem Hause und muss bald lernen, wie es sich anfühlt trotz ihres Status als Ehefrau und Mutter, wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden.
Im zweiten Erzählstrang ist Emmy am voraussichtlichen Ende ihres Lebens angelangt, doch einen Trumpf hat sie noch im Ärmel und den plant sie geschickt auszuspielen …
Den subtilen Wortwitz und großartigen Schreibstil der Autorin Manuela Golz kannte ich schon aus einigen ihrer älteren Bücher, doch mit „Sturmvögel“ setzt sie dem Ganzen noch ein Krönchen auf. Da die Geschichte um Emmy, die Protagonistin ihres Romans, tatsächlich auf dem Leben ihrer eigenen Großmutter basiert, lässt sie nicht nur ihr Talent, sondern auch noch eine großzügige Portion Herzblut mit einfließen und präsentiert ihren Lesern somit eine Story, die zugleich warmherzig und an so manchen Stellen traurig ist. Eine Story, in der man lachen und gleichzeitig weinen muss. Sie ist fürs Herz und doch zu keinem Zeitpunkt kitschig. Von mir gibt es hierfür mit fünf Sternen die volle Punktzahl und eine begeisterte Leseempfehlung.