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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2026

Kindheit in Westpommern in der Nazizeit

Vergiss nicht zu tanzen, Hanna
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Das Cover von "Vergiss nicht zu tanzen, Hanna" von Mareike Busch, einem richtig dicken Buch, zeigt ein einfaches Mädchen mit einem abgewetzten Koffer, vermutlich Hanna auf der Flucht. Die Farbgebung ist ...

Das Cover von "Vergiss nicht zu tanzen, Hanna" von Mareike Busch, einem richtig dicken Buch, zeigt ein einfaches Mädchen mit einem abgewetzten Koffer, vermutlich Hanna auf der Flucht. Die Farbgebung ist sehr schön und passt gut zur Stimmung der Geschichte.

Hanna wächst als kleines Mädchen behütet auf einem Hof in Westpommern auf, bis die Zeit des Nationalsozialismus beginnt. Einer ihrer Brüder wird ein strammer Nazi, während der Rest der Familie am katholischen Glauben festhält. Dadurch geraten sie immer wieder unter Druck und erleben verschiedene Repressionen durch das Regime. Gegen Ende des Krieges kommen die Russen ins Dorf, die Familie muss fliehen und verliert fast alles. Besonders tragisch ist der Verlust der jüngsten Schwester von Hanna, die zudem körperlich beeinträchtigt ist.

Eine zweite Handlungsebene spielt in der Gegenwart. Hanna hat ihr Leben lang Tagebuch geschrieben. Erst auf ihrem Sterbebett findet ihre Tochter Anna diese Aufzeichnungen und versucht anhand der Erinnerungen die verschollene Tante noch vor der Beerdigung aufzuspüren.

Interessant ist auch der Bezug zur Realität. Hinter dem Namen Mareike Busch steht ein männlicher Krimi-Autor, der unter einem weiblichen Pseudonym schreibt und in diesem Buch die Erinnerungen seiner eigenen Mutter verarbeitet hat.

Meiner Meinung nach gelingt es ihm allerdings nicht immer gut, sich in die Psyche eines kleinen Mädchens hineinzuversetzen. Mit etwa zwölf Jahren wirkt Hanna noch sehr naiv, sie spricht zum Beispiel noch mit ihrer Puppe und scheint als Einzige im ganzen Buch wenig von den politischen Vorgängen zu verstehen.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Allerdings fehlt der Geschichte etwas Spannung. Die Jugendjahre von Hanna werden eher nacheinander erzählt, ohne größere dramatische Höhepunkte. Dadurch plätschert die Handlung stellenweise etwas dahin.

Trotzdem vermittelt das Buch einen eindrucksvollen Eindruck vom Leben unter einem nationalsozialistischen Regime und vom Schicksal einer Familie in dieser schweren Zeit. Insgesamt ein lesenswerter Roman mit berührendem Hintergrund, auch wenn ich mir stellenweise mehr Spannung gewünscht hätte.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Eine bedeutsame Warnung

Das kalte Moor
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Das kalte Moor von Marklund ist der zweite Band einer Trilogie und für mich wieder eine klare fünf Sterne Leseempfehlung. Schon das Cover hat mich neugierig gemacht, es wirkt geheimnisvoll und passt sehr ...

Das kalte Moor von Marklund ist der zweite Band einer Trilogie und für mich wieder eine klare fünf Sterne Leseempfehlung. Schon das Cover hat mich neugierig gemacht, es wirkt geheimnisvoll und passt sehr gut zur düsteren Atmosphäre der Geschichte.

In diesem Band wird es deutlich persönlicher als im ersten Teil, vor allem für Polizeichef Wiking. Gleich zu Beginn erhält er eine niederschmetternde Krebsdiagnose, mit der er erst einmal umgehen muss. Trotzdem versucht er weiterzuarbeiten und sich nicht von der Krankheit bestimmen zu lassen. Parallel dazu tauchen neue rätselhafte Entwicklungen auf, die ihn sowohl beruflich als auch privat betreffen.

Besonders spannend ist die Situation um seinen Sohn Markus. Dieser wird anonym, aber sehr eindringlich davor gewarnt, eine bevorstehende Beförderung anzunehmen. Die Botschaft wirkt so persönlich und gezielt, dass schnell der Verdacht entsteht, sie könne nur von einer Person stammen, die eigentlich gar nicht mehr existieren dürfte, nämlich von Wikings Ehefrau und Markus Mutter, die seit über zwanzig Jahren vermisst wird. Allein dieser Gedanke bringt viele alte Fragen wieder an die Oberfläche.

Während Wiking versucht herauszufinden, wer hinter der Warnung steckt, arbeitet er gleichzeitig an einem anderen Fall. Ein mysteriöser Waffendiebstahl sorgt für Unruhe und könnte weitreichendere Folgen haben, als zunächst angenommen. Wie man es von ihm kennt, kombiniert Wiking wieder ruhig, logisch und sehr präzise. Schritt für Schritt setzt er die einzelnen Puzzleteile zusammen.

Dabei wird er immer wieder mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Dinge, die lange ungeklärt geblieben sind, tauchen erneut auf und werfen ein neues Licht auf frühere Ereignisse. Nach und nach lösen sich einige der offenen Fragen, während gleichzeitig neue Zweifel entstehen.

Der Roman ist durchgehend sehr spannend geschrieben. Marklund erzählt wie immer in einem klaren, schnörkellosen Stil, der sich sehr flüssig lesen lässt und trotzdem eine starke Spannung aufbaut. Gerade diese ruhige, präzise Erzählweise passt hervorragend zu der eher düsteren und nachdenklichen Geschichte.

Das Ende ist diesmal vergleichsweise ruhig, wirkt aber wie ein bewusst gesetzter Übergang. Es deutet bereits an, dass im letzten Band der Trilogie noch einige wichtige Dinge ans Licht kommen werden. Für mich auf jeden Fall ein sehr gelungener zweiter Teil, der die Geschichte stark weiterentwickelt und neugierig auf das Finale macht.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Ehe am Abgrund

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
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Erika hatte in jungen Jahren eine außereheliche Affäre, die ihr Mann Jan entdeckte. Schon damals stand die Ehe auf der Kippe. Wie tief dieser Fehltritt jedoch nachwirkt, zeigt sich erst Jahrzehnte später, ...

Erika hatte in jungen Jahren eine außereheliche Affäre, die ihr Mann Jan entdeckte. Schon damals stand die Ehe auf der Kippe. Wie tief dieser Fehltritt jedoch nachwirkt, zeigt sich erst Jahrzehnte später, als Jan selbst ein sexuelles Verhältnis zu einer jüngeren Frau gesteht. Jan und Erika sind inzwischen über sechzig. Ihre Ehe ist seit vielen Jahren sexlos, weil Jan jedes Interesse verloren hat, im Gegensatz zu Erika, die nicht weiß, wohin mit ihrem Begehren.

Nach Jans Geständnis gerät Erikas Welt aus den Fugen. Sie steigert sich in ihre Wut hinein, wird zur gehässigen Furie, verliert jedes Maß. Nicht nur Jan beginnt, um ihre seelische Stabilität zu fürchten. Erika verliert sich in Hasstiraden und Rachefantasien, spinnt frei erfundene Szenarien weiter, bis Jan nur noch aus Angst vor einem möglichen Selbstmord bei ihr bleibt.

Erika ist eine Figur, die mir Angst macht. Ihre ausufernde Emotionalität, ihre hemmungslose Verbitterung, all das ist für mich kaum greifbar und doch erschreckend nachvollziehbar geschildert.

Die Autorin spricht Klartext. Sie scheut weder drastische Ausdrücke noch schonungslose Beschreibungen. Das tut beim Lesen weh, wirkt aber konsequent und ehrlich.

Der saloppe Titel und das fröhlich bunte Cover wecken zunächst eine ganz andere Erwartung. Man rechnet mit Leichtigkeit, vielleicht mit einem augenzwinkernden Blick auf das Älterwerden. Stattdessen bekommt man eine beklemmende, intensive Studie über verletzten Stolz, unerfülltes Begehren und eine Gedankenspirale, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt.

Ich hätte dieses Buch vermutlich nicht gelesen, wenn ich gewusst hätte, wie sehr sich alles um diese eine Tatsache von Jans Seitensprung dreht. Doch gerade diese radikale Fokussierung macht den Reiz aus. Die Geschichte reißt einen mit in Erikas Abgrund und lässt einen nicht unberührt zurück.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Unterhaltsamer Jugendkrimi

Liars all around me
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Vom Cover her hätte ich dieses Buch vermutlich nicht gekauft, die Farbkombination wirkt etwas unschön und das Bild insgesamt eher erratisch. Auch ein Zusammenhang mit dem Inhalt erschließt sich mir nicht.

Im ...

Vom Cover her hätte ich dieses Buch vermutlich nicht gekauft, die Farbkombination wirkt etwas unschön und das Bild insgesamt eher erratisch. Auch ein Zusammenhang mit dem Inhalt erschließt sich mir nicht.

Im Mittelpunkt stehen zwei Hauptfiguren, Ryle, der Bad Boy der Schule. Er gibt allerdings wenig auf seinen Ruf, sondern tut vor allem das, was getan werden muss, um zum Unterhalt seiner Familie beizutragen. Er lebt mit seinem Vater und seinem kleinen Bruder an der Armutsgrenze in einem eigentlich reichen Viertel. Die meisten Mitschüler sind das genaue Gegenteil, wohlhabend, oberflächlich und ziemlich blasiert.

Als ihn seine Mitschülerin Avery um eine Waffe bittet, nimmt die Geschichte Fahrt auf. Kurz darauf wird ihre stärkste Konkurrentin erschossen. Ryle und Avery beginnen daraufhin gemeinsam nach dem Täter zu suchen. Dabei wird schnell klar, dass auch Averys Leben alles andere als einfach ist, ihre Eltern haben übertriebene Erwartungen an sie und setzen sie stark unter Druck, eine Art Wohlstandsverwahrlosung.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und lässt sich schnell lesen. Die Spannung liegt im mittleren Bereich, man bleibt zwar dran, die Auflösung ist allerdings recht vorhersehbar. Positiv ist, dass der jugendliche Charakter der Protagonisten gut getroffen wurde.

Der Roman ist insgesamt nicht besonders anspruchsvoll, eignet sich aber gut als leichte, spannende Lektüre und ist auch für Young Adult geeignet.

Fazit, trotz eines wenig ansprechenden Covers und einer vorhersehbaren Auflösung ein unterhaltsamer Jugendthriller mit glaubwürdigen Figuren und angenehmem Schreibstil.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Trügerische Idylle

Mord & Breakfast
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Manchmal passieren Gutes und Schlechtes an einem Tag. So einen Tag erlebt Melody Moss, als sie fristlos ihren Journalistenjob verliert und kurze Zeit später von ihrem Erbe erfährt. Ein hübsches, rentables ...

Manchmal passieren Gutes und Schlechtes an einem Tag. So einen Tag erlebt Melody Moss, als sie fristlos ihren Journalistenjob verliert und kurze Zeit später von ihrem Erbe erfährt. Ein hübsches, rentables Frühstückshotel wartet auf sie in Schottland. Man achte auf das aussagekräftige Cover, dass auch die mitgeerbte Bulldogge zeigt. Eigentlich will sie das kleine Hotel schnell zu Geld machen, aber irgendwie bleibt sie doch dort hängen, vor allem weil sie die Angelegenheiten ihrer verstorbenen Tante ins Reine bringen will.
Für eingefleischte Krimifans ist dieser Roman zu simpel. Doch Fans von englischer Cosy Crime werden sich hier richtig wohlfühlen, denn neben typisch englischer Atmosphäre kommt auch der trockene, britische Humor nicht zu kurz. Man findet schnell in die Handlung hinein, und wird auch nicht mit zu vielen Personen überfrachtet. Das spielt gerade bei Hörbüchern eine große Rolle. Dieses Hörbuch wird ganz hervorragend von Sandrine Mittelstädt vorgelesen.

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