Kindheit in Westpommern in der Nazizeit
Vergiss nicht zu tanzen, HannaDas Cover von "Vergiss nicht zu tanzen, Hanna" von Mareike Busch, einem richtig dicken Buch, zeigt ein einfaches Mädchen mit einem abgewetzten Koffer, vermutlich Hanna auf der Flucht. Die Farbgebung ist ...
Das Cover von "Vergiss nicht zu tanzen, Hanna" von Mareike Busch, einem richtig dicken Buch, zeigt ein einfaches Mädchen mit einem abgewetzten Koffer, vermutlich Hanna auf der Flucht. Die Farbgebung ist sehr schön und passt gut zur Stimmung der Geschichte.
Hanna wächst als kleines Mädchen behütet auf einem Hof in Westpommern auf, bis die Zeit des Nationalsozialismus beginnt. Einer ihrer Brüder wird ein strammer Nazi, während der Rest der Familie am katholischen Glauben festhält. Dadurch geraten sie immer wieder unter Druck und erleben verschiedene Repressionen durch das Regime. Gegen Ende des Krieges kommen die Russen ins Dorf, die Familie muss fliehen und verliert fast alles. Besonders tragisch ist der Verlust der jüngsten Schwester von Hanna, die zudem körperlich beeinträchtigt ist.
Eine zweite Handlungsebene spielt in der Gegenwart. Hanna hat ihr Leben lang Tagebuch geschrieben. Erst auf ihrem Sterbebett findet ihre Tochter Anna diese Aufzeichnungen und versucht anhand der Erinnerungen die verschollene Tante noch vor der Beerdigung aufzuspüren.
Interessant ist auch der Bezug zur Realität. Hinter dem Namen Mareike Busch steht ein männlicher Krimi-Autor, der unter einem weiblichen Pseudonym schreibt und in diesem Buch die Erinnerungen seiner eigenen Mutter verarbeitet hat.
Meiner Meinung nach gelingt es ihm allerdings nicht immer gut, sich in die Psyche eines kleinen Mädchens hineinzuversetzen. Mit etwa zwölf Jahren wirkt Hanna noch sehr naiv, sie spricht zum Beispiel noch mit ihrer Puppe und scheint als Einzige im ganzen Buch wenig von den politischen Vorgängen zu verstehen.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Allerdings fehlt der Geschichte etwas Spannung. Die Jugendjahre von Hanna werden eher nacheinander erzählt, ohne größere dramatische Höhepunkte. Dadurch plätschert die Handlung stellenweise etwas dahin.
Trotzdem vermittelt das Buch einen eindrucksvollen Eindruck vom Leben unter einem nationalsozialistischen Regime und vom Schicksal einer Familie in dieser schweren Zeit. Insgesamt ein lesenswerter Roman mit berührendem Hintergrund, auch wenn ich mir stellenweise mehr Spannung gewünscht hätte.