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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.06.2019

Louise und Lavinia

So schöne Lügen
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Trotz ihrer fast 30 Jahre ist Louise noch nicht richtig im Leben angekommen. Sie steckt voller Minderwertigkeitskomplexe, hat ständig Angst, sich ihr Leben zu verbauen und muss jeden Tag hart mit drei ...

Trotz ihrer fast 30 Jahre ist Louise noch nicht richtig im Leben angekommen. Sie steckt voller Minderwertigkeitskomplexe, hat ständig Angst, sich ihr Leben zu verbauen und muss jeden Tag hart mit drei Teilzeitjobs das Geld für den Lebensunterhalt zusammen kratzen. Als sich die unglaublich reiche und schöne Lavinia für sie interessiert, beginnt ein neuer Lebensabschnitt im Glanze der High Society. Louises Leben wird komplett umgekrempelt, wird glamourös, abwechslungsreich und interessant. Doch die Sorgen ums Überleben nehmen nicht ab, sie ändern sich nur. Jetzt muss sie sich den Launen der kapriziösen Freundin beugen, wenn sie nicht plötzlich mittellos auf der Straße stehen will. Das geht auf Dauer nicht gut, aber Louises Lebensmotto ist: Ich schaffe das! Und nach dem großen Knall wird es für den Leser eigentlich noch interessanter, wie raffiniert die junge Frau ihr Leben organisiert. Klasse!
Im Mittelpunkt stehen Louise und ihre maliziös narzisstische Freundin Lavinia. Aber auch die dekadenten Freunde werden in ihrer Unreflektiertheit und Selbstüberschätzung spannend charakterisiert. Die Handlung erinnert natürlich über weite Phasen an einen Chicklit-Roman, aber die psychologische Komponente wertet das Ganze immer wieder auf.
Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig. Abgehackte, kurze Sätze mit gezielten Wortwiederholungen wirken sich hemmend auf den Lesefluss aus, aber das ist von der Autorin so gewollt und macht auch viel vom Charme des Buches aus.
Die Hörspielversion wird hervorragend gelesen von Britta Steffenhagen. Vom Lesen des Klappentextes hatte ich mir schon ein Bild der Protagonistinnen im Kopf entworfen, aber mit den ersten Sätzen wurde es auf den Kopf gestellt. Die Sprecherin versteht es wunderbar, die Gefühle im ganzen Spektrum von Naivität bis zur berechnenden Bosheit in das Timbre ihrer Stimme zu legen. Durch ihre Ausdruckskraft behält man als Hörer auch immer den Überblick.
Dieses Buch hat mir gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter. Meiner Meinung nach wird es allerdings in erster Linie Frauen ansprechen, aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Veröffentlicht am 25.05.2019

Furchtlose Reporterin

Lena Halberg: Der Cellist
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Lena Halberg ist eine engagierte und furchtlose Journalistin, die bei ihrer Recherche auf einen rätselhaften Todesfall stößt. Sie mag nicht glauben, dass dieser estnische Banker, der in die Affäre der ...

Lena Halberg ist eine engagierte und furchtlose Journalistin, die bei ihrer Recherche auf einen rätselhaften Todesfall stößt. Sie mag nicht glauben, dass dieser estnische Banker, der in die Affäre der Panama Papers verstrickt war, Selbstmord begangen hat.
Die Spur führt zu einem anderen Banker, Martin Kurkov, der sehr luxuriös in der Schweiz residiert. Er gibt sich nach aussen hin als Kunstmäzen, aber insgeheim hat er die Finger in allen dunklen internationalen Geschäften, die rentabel sind. Sein Protegé, ein junger Cellist, dient ihm dabei unwissentlich als Bote über die Landesgrenzen, denn sein Notenkoffer erweckt nie den Verdacht der Kontrolleure.
Aktuell geht es um bolivianische Schuldverschreibungen, die den jungen Politiker Almeda zwingen sollen, die Schürfrechte an neu entdeckten Lithium-Vorkommen an Kurkov zu verkaufen. Almeda dagegen will verhindern, dass sein Land weiterhin von internationalen Konzernen ausgeplündert wird.
Der Autor wechselt Sichtweisen und Schauplätze in gekonnter Reihenfolge. Nie wird es langweilig, vor allem weil Lena Halberg mit hohem Tempo und ohne Rücksicht auf Verluste ihrer Story hinterher jagt. 
Seine Hauptcharaktere hat Ernest Nyborg sorgfältig skizziert, so dass man sie sich gut vorstellen kann. Dass die Handlung an wahre Begebenheiten anlehnt, macht diesen Thriller umso interessanter. Gerne empfehle ich ihn weiter.

Veröffentlicht am 24.05.2019

Terror gegen den Papst

Vaticanum
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Eigentlich sucht der portugiesische Historiker Tomás Noronha in den Katakomben unter dem Petersdom nach dem Grab des hl. Petrus, als ihn der Papst höchstpersönlich um Hilfe bittet. Es gibt ein terroristisches ...

Eigentlich sucht der portugiesische Historiker Tomás Noronha in den Katakomben unter dem Petersdom nach dem Grab des hl. Petrus, als ihn der Papst höchstpersönlich um Hilfe bittet. Es gibt ein terroristisches Drohszenario gegen das Oberhaupt der Katholiken, das die Weissagungen des hl. Malachias und die geheimen Visionen aus Fatima zu erfüllen scheint. Tatsächlich wird kurz darauf der Papst entführt. Um Mitternacht soll seine öffentliche Hinrichtung stattfinden, wie er selbst in einer Videobotschaft verkünden muss. Tomás Noronha entdeckt in diesem Video verschlüsselte Botschaften, die ihn tief in die schmutzigen Bankgeschäfte des Vatikans eintauchen lassen. Die Zeit drängt, doch ausgerechnet der cholerische Polizeichef erweist sich als sein größter Gegenspieler, der zwar ausgiebig fluchen kann, aber völlig planlos handelt. Man kann sich denken, dass zum Schluss Sekunden über Leben und Tod entscheiden.
"Vaticanum" ist ein Wirtschaftsthriller. Der Autor hat sich intensiv mit den tatsächlichen Machenschaften der Vatikanbank auseinander gesetzt,und gekonnt Wahrheit und Fiktion zu einem Thriller verarbeitet, der noch durch historische Fakten ergänzt wird.
Manche Stellen hätte ich gerne etwas weniger ausführlich gehabt, aber insgesamt ist es ein sehr wichtiges Buch, das einem die Augen öffnet über Dinge, die der Vatikan gern im Dunklen belassen würde.

Veröffentlicht am 21.05.2019

Oberflächlich

Die Blätter der Eiche
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"Die Blätter der Eiche" ist der zweite Band einer Trilogie über drei Londoner Geheimbünde, die um die Vorherrschaft ringen. Jedes Jahr werden junge begabte Studenten ausgewählt und schweren Prüfungen unterzogen. ...

"Die Blätter der Eiche" ist der zweite Band einer Trilogie über drei Londoner Geheimbünde, die um die Vorherrschaft ringen. Jedes Jahr werden junge begabte Studenten ausgewählt und schweren Prüfungen unterzogen. Wer sie besteht, verpflichtet sein Leben auf seinen Geheimbund. Den jungen Leuten ist nicht klar, dass die Anführer nur nach grenzenloser Macht streben und ihre Mitglieder nach Gutdünken einsetzen, um durch Erpressung, körperliche Repressalien, ja sogar durch Mord, ihre eigennützigen Ziele zu erzwingen.

Die Studentin Nola ist irgendwie in die ganze Szene hineingerutscht, obwohl sie nichts damit zu tun haben will. Man erpresst sie mit dem Leben ihres Bruders, damit sie ein schwieriges Rätsel für den Bund der Adler löst. An ihrer Seite stehen Shane und Blue, die anfänglich noch voll hinter den Zielen der Adler stehen.

Während sie Zeile für Zeile das Rätsel dechiffrieren, erkennen auch sie allmählich die dunklen Machenschaften.

Mir hat dieses Buch nicht gefallen, weil es vieles vereinfacht darstellt. Es gelingt der Autorin nicht so recht, Spannung aufzubauen. Das ganz Setting ist unrealistisch, es wird zuviel gekämpft und die Charaktere bleiben für mich blass.

Veröffentlicht am 21.05.2019

Zwischen Glauben und Wahn

Sündenkammer
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Das kleine linksrheinische Städtchen Zons bildet hier den Schauplatz von gleich zwei Kriminalfällen in weit auseinander liegenden Zeitebenen.
Im Jahr 1500 n.Chr. werden innerhalb weniger Tage mehrere ...

Das kleine linksrheinische Städtchen Zons bildet hier den Schauplatz von gleich zwei Kriminalfällen in weit auseinander liegenden Zeitebenen.
Im Jahr 1500 n.Chr. werden innerhalb weniger Tage mehrere Klosternovizen ermordet. Der Stadtsoldat Bastian Mühlenberg darf mit der Erlaubnis des Abts innerhalb der Kostermauern ermitteln. Unter dem Deckmantel der Frömmigkeit tun sich wahre Abgründe auf, doch Bastian schafft es, eine Spur zu finden. Dieser Erzählstrang ist eigentlich spannender als die Gegenwart, was vielleicht durch die eindringlichen Schilderungen des kargen Lebens in dieser Zeit bewirkt wird. Viele junge Männer treibt die blanke Not in die Klöster. Hier gibt es praktisch eine Rundumversorgung, während sie auf der Straße täglich ums Überleben kämpfen müßten. Doch der Preis ist hoch: Verzicht auf persönliche Entfaltung und der Willkür der Ordenbrüder ausgeliefert zu sein.
Auch in der Gegenwart treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Menschen werden auf Scheiterhaufen verbrannt und die Polizei erhält Pakete mit Sexspielzeug. Kommissar Oliver Bergmann ermittelt in einer obskuren satanistischen Gruppierung, die auch die Freundin seiner Verlobten bedroht.
Zwischen dieser Anna in der Gegenwart und Bastian in der Vergangenheit gibt es ein tiefes, unerklärliches Band der Liebe, das sich immer wieder durch Träume und Visionen zeigt.

Vielleicht will die Autorin so eine mystische Verbindung zwischen den beiden Zeitebenen schaffen, aber ich finde es nur verwirrend und unglaubhaft.

Ich hab den Roman als Hörbuch gehört. Der Sprecher Erich Wittenberg ist eine ausgezeichnete Wahl. Mit seiner Stimme moduliert er gekonnt die Gefühlslage der Akteure und es wirkt auch so, als wären es verschiedene Personen.

"Sündenkammer" ist auf eine Art recht unterhaltsam, aber so richtig konnte der Funke nicht überspringen.