Ungefällige Erinnerungen, für Wanda-Fans
Dass es uns überhaupt gegeben hatWarum schreibt jemand ein Buch? Weil man etwas zu sagen hat, wäre meine erste Antwort. Nun gibt es freilich Bücher, bei denen das nicht ohne weiteres zutrifft. Marco 'Wandas Buch "Dass es uns überhaupt ...
Warum schreibt jemand ein Buch? Weil man etwas zu sagen hat, wäre meine erste Antwort. Nun gibt es freilich Bücher, bei denen das nicht ohne weiteres zutrifft. Marco 'Wandas Buch "Dass es uns überhaupt gegeben hat" gehört dazu.
Die Schwierigkeit beginnt schon damit, zu bestimmen, was "Dass es uns überhaupt gegeben hat" überhaupt ist. Ein Roman ist es nicht. Eine Bandgeschichte genausowenig. Eine Biographie? Mitnichten. Geständnisse eines Alkoholikers? Kaum.
Das Buch wirkt wie der Abruf von Erinnerungen. Unbearbeitet, ohne Filter. Wie die Vorstufe zu einem Buch. Der Sänger der erfolgreichen österreichischen Band Wanda, der sich Marco Wanda nennt, beginnt seine Erinnerungen mit den Anfängen von Wanda, bis zur erfolgreichen Band der Gegenwart.
Die Entstehung von manchen Liedtiteln und Musikvideos wird etwas beleuchtet, der Zusammenhalt in der Band, der Alltag auf Tour. Über allem aber steht der Alkohol. Er gehört immer dazu. Kein Konzert, schreibt er, habe er nüchtern gespielt. Selbst im Urlaub in Paris wird der Wein nicht gläser-, sondern flaschenweise getrunken. Zerlegte Hotelzimmer und Dörfer (naja, Bushaltestellen, Blumenkübel, ...) lässt Wanda nicht aus.
Auf den letzten Seiten endet dann der Drogenrausch - fast spielend leicht scheint ihm der Ausstieg aus Alkohol, Kokain & Co. zu gelingen.
Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, für wen das Buch denn geschrieben ist. Literarisch hat es nicht viel zu bieten, und wenn ist es metaphorisch abgedreht, wenn etwa "die Zelte in der Mitte der Wüste der Unwissenheit" aufgeschlagen werden. Die Bandgeschichte ist reduziert auf Alkoholexzesse. Für einen Ausstiegs-Bericht ist die Abkehr von den Drogen viel zu knapp erzählt.
Wanda-Fans mögen Gefallen an diesem Buch haben. Für alle anderen gilt: Muss man nicht gelesen haben.