Roman über den Widerstand der "Wäldler" in Litauen gegen die Nazis
Europäische Erziehung"Europäische Erziehung" heißt Romain Garys Roman über den litauischen Widerstand, die "Waldler". Geschrieben hat er ihn bereits im Jahr 1944. Nun ist er auf Deutsch erschienen.
Der Roman beginnt fast ...
"Europäische Erziehung" heißt Romain Garys Roman über den litauischen Widerstand, die "Waldler". Geschrieben hat er ihn bereits im Jahr 1944. Nun ist er auf Deutsch erschienen.
Der Roman beginnt fast wie eine Abenteuergeschichte: Doktor Twardowski gräbt mit seinem Sohn Janek im Wald eine Höhle aus, ein Versteck. "Old Shatterhand" nennt er ihn, den 14-Jährigen. Einen Schlafplatz hat die Höhle, eine Feuerstelle (mit Abzug) und einen großen Kartoffelvorrat.
Doch bald schon wird deutlich, dass es mehr ist als ein Abenteuer - oder besser gesagt: etwas ganz anderes. Die beiden Brüder von Janek sind tot, sein Vater ist ein Widerstandskämpfer - und bald schon kommt er nicht mehr zum Versteck. Janek ist auf sich allein gestellt.
Nach und nach beginnt er, die Umgebung zu erkunden, trifft auf Widerstandskämpfer, die sich im Wald verstecken - die sogenannten "Waldler". Für sie wird Janek Kundschafter und Bote und trifft eines Tages auf Zosia, die ähnliche Aufgaben im Widerstand erfüllt, vor allem spioniert sie die Deutschen aus. Gemeinsam überstehen sie den Winter, warten auf Nachrichten von der Front, von Stalingrad. Nicht nur einmal fragt man sich beim Lesen, wie sie denn unter diesen Umständen überleben konnten.
Janek nimmt sich vor, über das, was er erlebt hat, ein Buch zu schreiben. "Europäische Erziehung soll es heißen und von Freiheit und Würde handeln, von der Ehre, ein Mensch zu sein. Das schließlich seien die europäischen Werte und nicht das, was die Nazis nach Litauen brachten. Dass Janek selbst im Krieg zum Mörder wird und einen deutschen Soldaten erschießt - für die Partisanen ist es eine Notwendigkeit, ein notwendiges Übel. Für Janek ist es der Moment, der ihn vom Kind zum Mann werden lässt. Ein Mann allerdings, der bitterlich weint. Und er entschließt sich, dem Hass etwas entgegenzusetzen. Dem Kreislauf, der immer triftige Gründe findet, "um einen Menschen zu töten, der einem nichts getan hat" im Namen einer Sache.
Er fasst den Entschluss: "Ich will Musiker werden. Ich will Musik spielen und Musik hören, mein Leben lang". Musik als Versuch, der "zu Eis erstarrten Welt um sich herum" einen Sinn abzutrotzen. Der Welt, in der man "verdammt ist zum Töten und zum Sterben" einen Hoffnungsschimmer entgegenzuhalten.
Romain Gary hat keinen Roman über Helden des Widerstands geschrieben. Vielmehr ein Buch darüber, was für Leid Krieg und Gewalt mit sich bringt. Und dass das Töten von Menschen nie zu einer Selbstverständlichkeit werden kann.