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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2017

Perfekt für graue Schmuddelwettertage auf der Couch

Ins Glück gebloggt
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Ninas Leben zu Beginn der Geschichte ist typisch für viele Nur-Hausfrauen: Ihr Lebensinhalt besteht darin, die Kinder zu kutschieren, Essen zu kochen, das Haus in Ordnung zu halten usw. Max, Ninas Mann, ...

Ninas Leben zu Beginn der Geschichte ist typisch für viele Nur-Hausfrauen: Ihr Lebensinhalt besteht darin, die Kinder zu kutschieren, Essen zu kochen, das Haus in Ordnung zu halten usw. Max, Ninas Mann, ist erfolgreicher Inhaber einer Werbeagentur und verdient das Geld für die Familie. Als Max eine dreimonatige Auszeit von September bis Weihnachten fordert, um Abstand von allem zu gewinnen, ist Nina zunächst sehr überrascht. Doch dann will sie das Beste daraus machen, ganz nach "braver Hausfrauen-Art", beginnt sie bereits im September, das perfekte Weihnachtsfest vorzubereiten. Auf typische Nina-Art lässt sie dabei kein Fettnäpfchen aus. Außerdem kommt sie nach und nach dahinter, dass Max ihr nicht die Wahrheit gesagt hat. Zum Glück hat sie gerade ein paar alte Schulfreundinnen wiedergetroffen und entdeckt plötzlich ganz neue Ziele und Fähigkeiten ...

Ninas Leben wird zwar satirisch überspitzt dargestellt, doch verbirgt sich unter all dem Humor ein sehr realer Kern. Ninas bezog ihr Selbstbewusstsein jahrelang einzig daraus, sich für Mann und Kinder aufzuopfern. Nun gehen die Teenager eigenen Wege, der Mann ist bei seiner Auszeit und Nina zweifelt an sich. Was so traurig klingt, wurde von der Autorin wunderbar lustig beschrieben. Wir stolpern mit Nina von einer kleinen Katastrophe in die nächste. Aber je näher Nina der Wahrheit über Max kommt, desto mehr Eigeninitiative entwickelt sie. Und am Ende kommt alles ganz anders ...

Die Geschichte spielt zwar in der Schweiz, gilt aber für Deutschland ebenso. Wie viele Frauen opfern sich hier jahrelang auf, kümmern sich nur um Mann und Kinder, stellen ihre eigene Karriere zurück. Und dann - Kinder aus dem Gröbsten raus, der Mann sucht sich eine neue, jüngere und schlankere Frau. Und die Ehefrau steht da - hat nix und kann nix. Glaubt sie zumindest. Denn in JEDER schlummern Talente. Mir hat gefallen, dass ein ernstes und irgendwie auch trauriges Thema mit so viel Humor betrachtet wird. Statt einer Jammergruppe beizutreten und alle Männer zu verfluchen, findet Nina mit Hilfe ihrer Freundinnen ihren ganz eigenen Weg. Die komischen Szenen gaben größtenteils herrliches Kopfkino, aber zum Ende hin wurde es mir dann doch etwas zu übertrieben.

Fazit: Ein wunderbar leichtes und lustiges Buch. Perfekt für graue Schmuddelwettertage auf der Couch. 4****

Veröffentlicht am 31.08.2017

Zu düster für Sommergefühle

Mittsommer
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Mittsommer = glitzerndes Wasser, Boote, Sonnenschein, Kinder, die im Wasser plantschen, Fahrradfahren, luftige Kleider, die im Wind flattern, Duft frisch gemähter Wiesen ... Von diesem leichten Sommergefühl ...

Mittsommer = glitzerndes Wasser, Boote, Sonnenschein, Kinder, die im Wasser plantschen, Fahrradfahren, luftige Kleider, die im Wind flattern, Duft frisch gemähter Wiesen ... Von diesem leichten Sommergefühl ist im Buch kaum etwas zu finden. Eher wirken die meisten Geschichten düster und depressiv. Und nur, weil jemand im Sommer vertrieben oder ermordet wird, ist das für mich keine Mittsommergeschichte. Schade. Das Cover versprach Sommerglück. Das Buch hielt es nicht. 2,5 Sterne

Veröffentlicht am 29.08.2017

Mir fehlte auch etwas beim Lesen

Sonntags fehlst du am meisten
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Dieses Buch durfte ich vorab lesen. Das Thema Vater-Tochter-Konflikt hat mich persönlich interessiert. Caro, 44, ist wohlbehütet aufgewachsen als Lieblingskind ihres Vaters. Der hat sich vom Maurerlehrling ...

Dieses Buch durfte ich vorab lesen. Das Thema Vater-Tochter-Konflikt hat mich persönlich interessiert. Caro, 44, ist wohlbehütet aufgewachsen als Lieblingskind ihres Vaters. Der hat sich vom Maurerlehrling hochgearbeitet, ist nun erfolgreicher Bauunternehmer. Nachdem Caro im Suff einen Unfall baute und ihren Vater anschließend übelst beschimpfte, haben beide seit über einem Jahr keinen Kontakt mehr. Der Aufbau des Buches ist so, dass es viele Rückblenden gibt, sowohl in Caros Vergangenheit, als auch in die ihres Vaters. Da jeweils die Jahreszahl dabeisteht, fällt die zeitliche Einordnung nicht schwer. Gut fand ich, dass thematisch Caros und Karls Erlebnisse irgendwie zueinander passen. Sie erinnert sich an eine Situation, fragt sich, warum ihr Vater sich damals wohl so verhalten hat ihr gegenüber. Und dann kommt als Rückblende viel weiter zurück in Karls Leben, die Erklärung. Diese Art der Gegenüberstellung fördert das Verständnis zumindest für Karls Verhalten. Andererseits wissen wir als Leser um diese Ursachen, nicht aber Caro. Trotzdem wächst im Laufe der Geschichte ihr Verständnis für den Vater.

Caro konnte ich nicht so richtig einordnen. Sie wirkt auf mich nicht wie 44 sondern viel unreifer, keine 30. Die Erklärung wird im Buch zwar geliefert, trotzdem wurde ich mit Caro nicht recht warm. Demgegenüber ist ihr neunjähriger Sohn viel zu weit für sein Alter. Frag mal einen Neunjährigen, was er vom Zweiten Weltkrieg weiß. Ganz sicher nicht das, was Cornelius auf Seite 246 von sich gibt. Überhaupt ist das Thema 2. Weltkrieg meiner Meinung nach überpresent in diesem Buch. Sicher hat es die Generation der in dieser Zeit geborenen Kinder geprägt und teilweise auch traumatisiert. Sicher hat sich das auf ihre Einstellung ihren eigenen Kindern gegenüber ausgewirkt. Aber dass alle hier im Buch immer wieder vom Krieg und den Trümmern und den schweren Zeiten reden, 70 Jahre später, geht für mich an der Realität vorbei. Insofern liefert Caros wachsendes Verständnis für ihren Vater für mich auch keinen allgemeingültigen Ansatz.

Die Figuren wirken größtenteils funktional, d.h. sie haben eine Aufgabe in dem Buch, und nur die dafür notwendigen Eigenschaften werden gezeigt. Die verständnisvolle Frau Schneider, der Caro guttuende Jakob, die Caro in ihrer Rolle bestärkenden Brüder.
Zeitlich läuft das Buch auf die Goldhochzeit der Eltern hin, bei der die Familie die Versöhnung von Caro und Karl erwartet. Von Karl erfahren wir zwar Vieles aus der Vergangenheit, das Caro gar nicht wissen kann. Aber wie es ihm in diesem einen Jahr ohne Kontakt zu seiner Tochter ging, bleibt offen. Dabei wären gerade die Fragen, die er sich garantiert gestellt hat, interessant gewesen.
Am Ende des Buches bleibt das Gefühl, mehr Verständnis für diese Elterngeneration aufbringen zu müssen und trotzdem nicht zu wissen, wie. Nur der Krieg ist mir als Erklärung zu wenig.
Fazit: 3***

Veröffentlicht am 28.08.2017

Ziemlich viel Minimalismus

Einfach leben
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Ein Guide für einen minimalistischen Lebensstil will dieses Buch sein. Ich sehe es eher als eine Sammlung von Beispielen, wie andere Menschen Minimalismus leben. Weil ich es mag, anderen Leuten in die ...

Ein Guide für einen minimalistischen Lebensstil will dieses Buch sein. Ich sehe es eher als eine Sammlung von Beispielen, wie andere Menschen Minimalismus leben. Weil ich es mag, anderen Leuten in die Wohnungen oder sogar in die Kleiderschränke zu schauen, gefielen mir die vielen Bilder im Buch. Einige Interviews waren mehr Selbstdarstellung der vorgestellten Personen als hilfreiche Tipps. Platte Sprüche wie »Kinder brauchen Zeit statt Zeug« schrecken mich eher ab.

Insgesamt vermittelt das Buch den Eindruck, dass Minimalismus gerade hipp ist und es chick ist, diesen Trend mitzumachen. Angesprochen werden meiner Meinung nach hauptsächlich die Besserverdienenden, die eh schon alles haben und nun eben mal auf Vieles verzichten können. So wird zum Beispiel niemand vorgestellt, der minimalistisch lebt, weil er sich mehr nicht leisten kann und aus dieser Not eine Tugend gemacht hat.

Positiv finde ich die Tipps und Links zu Websites bzw. Onlineshops, die dem Thema dienen, sowie die DIY-Anleitungen. Das ließe allerdings alles auch über google finden, und man hätte die 25 Euro für das Buch gespart, was ja wirklich minimalistisch wäre.

Fazit: Wer minimalistisch leben und dies auch in seinem Bücherregal ausdrücken möchte, braucht dieses Buch nicht. 3***

Veröffentlicht am 27.08.2017

Hält nicht, was das Cover verspricht

Friesenherzen und Winterzauber
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Dieser Roman weckte mein Interesse durch das wirklich bezaubernde Cover. Eine Liebesgeschichte in winterlicher Gemütlichkeit an der Nordsee, das schien genau der Lesestoff für kuschelige Abende auf der ...

Dieser Roman weckte mein Interesse durch das wirklich bezaubernde Cover. Eine Liebesgeschichte in winterlicher Gemütlichkeit an der Nordsee, das schien genau der Lesestoff für kuschelige Abende auf der Couch zu sein.

Ellen, die Heldin der Geschichte, ist eine erfolgreiche Krimiautorin, die vom Verlag gebeten wird, einen Liebesroman zu schreiben. Zur Inspiration und auch, um sich über ihre Beziehung zu Laurits klar zu werden, fährt sie nach St. Peter-Ording, wo ihre Mutter und deren beste Freundin kuren. In der Teeladenbesitzerin Martina findet Ellen sofort eine neue Freundin, einem verwitterten alten Briefkasten am Leuchtturm vertraut sie als "Silbermöwe" ihre aufgeschriebenen Gedanken an und erhält tatsächlich Antwort vom geheimnisvollen "Leuchtturmwärter". Das alles klingt sehr romantisch und trotzdem konnte mich die Geschichte nicht packen.

Zunächst einmal ist da Ellen, mit der ich nicht warm wurde. Die Mittdreißigerin erinnerte mich in ihren Gedankengängen, die sie ständig wiederholen durfte, eher an einen unreifen Teenager. Kaum sieht ein Mann halbwegs gut aus, spielt sie im Geiste durch, ob er als potentieller Partner in Frage kommt und überlegt, wie sie am besten an ihn herankommt. Dabei ist ihre Beziehung zu Laurits noch gar nicht beendet, sie selbst hat sich nur eine Auszeit genommen, nachdem sie Laurits ziemlich überfallen hatte und er nicht gleich Hurra schrie. So passen für mich Ellens Gedanken und ihre Zeilen, die sie dem Leuchtturmwärter schreibt, überhaupt nicht zusammen.

Dass die Geschichte in der Adventszeit spielt, erfahren wir erst nach etlichen Seiten und eher nebenbei. Viel verschenkte Atmosphäre, finde ich. Das vom Cover des Buches verheißene kuschelige Wohlgefühl konnte ich beim Lesen nicht finden. Das Happy End kam viel zu konstruiert und unlogisch daher. Es wiederholten sich nicht nur ständig Ellens Gedanken, auch die Wortwahl ist recht einfach und voller Wiederholungen. Wenn bei dem nächtlichen Unfall das Wort "Schneewehe" noch einmal mehr aufgetaucht wäre, hätte ich wahrscheinlich laut geschrien. Fehlende Logik fiel mir mehrfach auf: Wer jedes Jahr nach St. Peter kommt, weiß nicht, wo man hier gut frühstücken kann? Wie können Kunden "jedes Jahr" zur Weihnachtszeit die gleichen Fragen stellen und die Besitzerin daraus "irgendwann" Schlussfolgerungen ziehen, wenn es den Laden erst seit eineinhalb Jahren gibt? Und ein ansonsten ungenutzter Raum oben im alten Leuchtturm müsste bei einem Schneesturm doch Minusgrade haben, oder? usw.

Es gab auch Stellen, die mir sehr gut gefallen haben, wo das mögliche, aber verschenkte, Potential dieses Buches sichtbar wurde. So zum Beispiel bei der ersten Beschreibung des Teeladens, oder als der Buchhändler begeistert von seiner Arbeit spricht und auch das Labskausessen.

Fazit: Das Buch hält leider nicht, was das Cover verspricht. 3***