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Veröffentlicht am 15.11.2019

Das traurige Schicksal der einst so majestätischen Drachen

Drachenhüter
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Obwohl „Drachenhüter“ der erste Teil eines eigenständigen Zyklus ist, ist es doch hilfreich, wenn man sich als Leser bereits ein wenig in der Welt der Autorin Robin Hobb auskennt. Denn Drachenhüter spielt ...

Obwohl „Drachenhüter“ der erste Teil eines eigenständigen Zyklus ist, ist es doch hilfreich, wenn man sich als Leser bereits ein wenig in der Welt der Autorin Robin Hobb auskennt. Denn Drachenhüter spielt in derselben Welt wie andere ihrer Zyklen, „Die Zauberschiffe“ und „Die Weitseher“-Bücher. Man kann die Handlung sicherlich auch nachvollziehen, wenn „Drachenhüter“ das erste Werk der Autorin ist, das man liest. Wichtige Zusammenhänge werden von Robin Hobb hergestellt und der Leser erhält genügend Hintergrundinformationen, um der Handlung folgen zu können. Aber es macht einfach mehr Spaß, Zusammenhänge selbst herzustellen und an Ereignisse aus älteren Büchern erinnert zu werden. Und letztlich kann man dadurch auch viel tiefer in die Welt von Robin Hobb eintauchen.

Der Autorin ist es gelungen, eine tolle fantastische Welt zu gestalten. Diese entspricht zum größten Teil den gängigen fantastischen Welten mit mystischen Wesen und magischen Figuren, enthält aber auch einige Besonderheiten. Da ist zum Beispiel die Tatsache, dass sehr begehrtes magisches Holz in den Wäldern zu finden ist, aus dem fahrende Händler ihre Schiffe bauen, die unter ganz bestimmten Umständen dann sogar lebendig werden können. Die Grundlage dieses Holzes hängt mit der Entwicklung der Drachen zusammen, die aus diesem Holz schlüpfen.

Diese Informationen bilden die Grundlage des Buches und mit entsprechenden Szenen wird der Leser gleich zu Beginn des Buches konfrontiert. Aber er erlebt auch, dass die Drachen schon längst nicht mehr die majestätischen und prachtvollen Tiere sind, die sie einst waren. Sie werden gejagt und haben natürliche Feinde bekommen. Die Entwicklung von einer Schlange zu einem Drachen wird erheblich von Natureinflüssen beeinträchtigt und es gibt nur noch wenige Drachen, die stark genug sind, den Geburtsprozess zu überstehen. Den Leser erwarten hier sehr eindrucksvolle, aber auch sehr verzweifelte Szenen im Kampf um das Leben und Überleben der Drachen. Ihr Leid wird förmlich greifbar und ebenso wird deutlich, dass sie auf Hilfe angewiesen sind, um ihr Überleben zu sichern.

Das Buch enthält eine Handvoll Handlungsstränge mit vielen Charakteren, die abwechselnd verfolgt werden, sich im Verlauf des Buches berühren und verbinden. Dadurch, dass die Kapitel so umfangreich sind, erfolgen Sprünge zwischen den Handlungssträngen nicht zu oft und es fällt leicht, den Überblick zu behalten. Am Anfang ergeben die Handlungsstränge noch kein rundes Bild, da der Leser nicht nur von Figur zu Figur springt, sondern auch Ort und Zeit wechseln. Aber im Verlauf des Buches legt sich dieses kleine Durcheinander, wenn sich die Handlungsstränge nach und nach verbinden. Gleichzeitig bleibt die Handlung durch die unterschiedlichen Stränge sehr abwechslungsreich – im Prinzip passiert ständig etwas, wenn auch nicht in jedem Handlungsstrang.

Dafür wird jeder von ihnen ausgiebig verfolgt und dem Leser werden die Figuren, die Einzelschicksale und die Handlungsumgebung bildhaft nahegebracht. Robin Hobb versteht es, ihre Charaktere lebendig zu zeichnen und sie dem Leser nahezubringen. Freud und Leid der Figuren werden greifbar, sie werden umfassend beschrieben und wirken allesamt authentisch. Selbst der griesgrämigste Schiffskapitän wirkt durch die tolle Zeichnung der Autorin sympathisch.

Die erste Hälfte des Buches nimmt ungefähr die Vorgeschichte auf, in der zweiten Hälfte des Buches haben sich dann die meisten Handlungsstränge miteinander verbunden und die Handlung nimmt richtig an Fahrt auf. Robin Hobb hat ein Auge für Details, dennoch wirkt die Handlung nicht überladen. Alles, was für die Geschichte wichtig ist, wird umfangreich erklärt, aber auch mit Nebeninformationen wird der Leser versorgt. Dadurch kann man als Leser richtig schön in die Welt von Robin Hobb eintauchen. Man erfährt Vieles über die Eigenheiten der Menschen, ihre Kultur und Lebensweise. Aber auch ihr Verhältnis zu den Drachen und die Probleme dieser Kreaturen werden verdeutlicht. Über die Handlung lässt sich nicht viel mehr sagen, als im Klappentext steht, ohne zu viel zu verraten. Am besten lasst ihr euch einfach auf die Geschichte ein und erlebt sie selbst.

Der Stil der Autorin ist sehr bildhaft und anschaulich. Robin Hobb beschreibt die Handlungsumgebung und die Figuren sehr lebendig und detailliert, sodass es leicht fällt, ein Kopfkino vor dem geistigen Auge ablaufen zu lassen. Kurzweilige Dialoge erleichtern zudem den Lesefluss und treiben die Handlung voran.

Das Ende des Buches ist kein echter Cliffhanger, aber es ist definitiv ein offenes Ende, das gespannt auf die Fortsetzung macht, die voraussichtlich im Juli 2012 im Heyne Verlag erscheinen wird.

Mein Fazit:

Robin Hobb entführt ihre Leser mit „Drachenhüter“ in ihre eigene, besondere fantastische Welt und berichtet ihnen vom traurigen Schicksal der einst so majestätischen Drachen.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Tretet ein und lasst euch vom Nachtzirkus verzaubern!

Der Nachtzirkus
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Ein Zirkus übt auf seine Besucher stets eine besondere Wirkung aus. Man tritt ein in eine andere Welt, die voller Freude und Magie ist, die so völlig anders ist als das Normale und Gewöhnliche und die ...

Ein Zirkus übt auf seine Besucher stets eine besondere Wirkung aus. Man tritt ein in eine andere Welt, die voller Freude und Magie ist, die so völlig anders ist als das Normale und Gewöhnliche und die man am liebsten nie mehr verlassen möchte. Und so ist es auch mit diesem Buch. Es ist ein magisches Buch, ein stimmungsvolles Buch, ein atmosphärisches Buch, das nie enden sollte. Doch leider fliegen die Seiten nur so dahin und viel zu schnell hat man die letzte Seite umgeblättert, die letzte Zeile gelesen und muss den Nachtzirkus verlassen.

„Der Nachtzirkus“ lebt von seinen Artisten, Zauberern und Künstlern, dem Duft nach Popcorn und Zuckerwatte. Viele, viele Zelte, deren Planen allesamt schwarz-weiß gestreift sind, versammeln sich auf einer Wiese und hinter jedem Eingang verbirgt sich eine andere Attraktion, die ihre Besucher in Staunen versetzt, sie zum Lachen bringt oder gruseln lässt. Aber hinter der Fassade steckt noch viel mehr und das Maß an Fantasie, das Erin Morgenstern bewiesen hat, ist unfassbar und grenzenlos. Die Autorin erzählt eine noch nie dagewesene Geschichte und entführt ihre Leser damit in eine andere Welt, in der man alles um sich herum vergisst und sich nur noch nach dem Nachtzirkus sehnt. Von Anfang an gelingt es Erin Morgenstern, eine faszinierende Atmosphäre zu verbreiten, die sofort gefangen nimmt. Dazu sind die Charaktere so einmalig und lebendig, dass es als Leser so einfach fällt, einen Zugang zu ihnen zu finden. Im Handumdrehen gewinnen die Figuren die Sympathie des Lesers und es macht enorm viel Spaß, sie durch das Buch hindurch zu begleiten. Jede Figur ist anders, jeder Charakter überzeugt mit individuellen Eigenheiten, die liebenswert und einmalig, einfach besonders sind. Sie wirken allesamt lebendig und greifbar und es scheint fast so, als würde man sie schon ein Leben lang kennen. Es gibt in diesem Buch keine Hauptfigur. Vielmehr spielt jede von ihnen eine entscheidende Rolle und das Buch wäre nicht halb so schön, würde auch nur einer der Charaktere fehlen.

Über die Handlung des Buches lässt sich gar nicht mehr sagen, als der Klappentext bereits verrät. Man muss diesen Roman einfach selbst erleben und den Nachtzirkus betreten. In jedem Fall ist die Handlung hervorragend durchdacht, logisch und nachvollziehbar konstruiert und dabei doch überraschend. Es gibt eine Handvoll Handlungsstränge, die teilweise parallel verlaufen, sich aber an vielen Stellen berühren und verbinden. Es macht Spaß, zu rätseln, wie die Figuren und Handlungsstränge zusammenhängen könnten und dann zu erfahren, welche Lösung sich die Autorin ausgedacht hat. Sie schafft es, ihre Leser zu erstaunen und für den ein oder anderen Aha-Effekt zu sorgen. Allein das Ende passt nicht ganz zum Rest des Romans, da die Autorin hier zu viel Magie ins Spiel bringt und die Handlung etwas zu sehr auf die Spitze treibt. Nichtsdestotrotz war es ein großartiges Vergnügen, den Nachtzirkus zu betreten und ein Teil von ihm zu werden.

Verstärkt wird dieses Vergnügen dadurch, dass der Leser selbst mit in die Handlung einbezogen wird. Es gibt einige Zwischenkapitel, die sich direkt an den Leser wenden, ihn mit „Du“ ansprechen und ihn mitnehmen auf einen Rundgang durch den Zirkus. In diesen Zwischenkapiteln wird beschrieben, was den Leser erwartet, wenn er den Nachtzirkus betritt, welche Sehenswürdigkeiten und Attraktionen er bestaunen kann, was sein Auge alles wahrnehmen wird und welche Geräusche an sein Ohr dringen werden.

Der Stil von Erin Morgenstern ist direkt und recht schnörkellos, aber von Anfang an einnehmend und begeisternd. Das Buch liest sich praktisch von selbst und dabei läuft ein so bildreicher Film vor dem geistigen Auge des Lesers, dass es eine wahre Freude ist.

Veröffentlicht am 15.11.2019

ungewöhnlich

Schwesterherz
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Einen Roman allein in Email-Form zu schreiben, ist eine sehr kreative Idee. Aufgrund der außergewöhnlichen Erzählperspektive ist es allerdings auch nicht so einfach, dem Leser Informationen über die Figuren ...

Einen Roman allein in Email-Form zu schreiben, ist eine sehr kreative Idee. Aufgrund der außergewöhnlichen Erzählperspektive ist es allerdings auch nicht so einfach, dem Leser Informationen über die Figuren und die Handlung zu liefern, da es keinen Erzähler gibt, der den Leser an die Hand nimmt und ihn durch das Buch führt. Dadurch wirken die ersten Mails sehr gestellt, da sie hauptsächlich dazu dienen, Hintergrundinformationen zu liefern. Die Schwestern Lotta und Lu betonen sehr stark, in welcher Lebenssituation sie gerade stecken, wo sie arbeiten, mit wem sie zusammenleben. Im normalen Leben würden diese Informationen vermutlich nicht ausgetauscht werden, zumindest nicht so betont.

Einen Effekt hat dieser übertriebene Informationsaustausch aber: Man lernt die Charaktere schnell sehr gut kennen. Insbesondere die Unterschiede zwischen den beiden Zwillingsschwestern werden sehr schnell deutlich. Das führt aber nicht dazu, dass man eine der beiden Schwestern mehr mag als die andere. Im Ergebnis mag man entweder beide oder man mag beide nicht. Denn trotz ihrer Unterschiedlichkeit sind sie sich doch sehr ähnlich. Vermutlich wollen sie das einfach nicht wahrhaben. Die übrigen Charaktere bleiben sehr blass und oberflächlich. Zwar kommen auch sie teilweise per Mail zu Wort, doch als Leser kann man einfach keinen Zugang zu ihnen aufbauen – was ebenfalls an der Erzählperspektive liegen mag.

Der Erzählstil der Figuren ist sehr umgangssprachlich und stellenweise scheint es so, als würden sie versuchen, sich mit Phrasen und Sprüchen zu überbieten. Es mag durchaus Menschen geben, die im Alltag ständig mit schlauen Kommentaren und Alltagsweisheiten um sich werfen, aber eventuell wird sich nicht jeder Leser mit einem solchen Charakter identifizieren können. Teilweise wirken die Kommentare einfach zu gestellt und auf die Dauer wird es sehr anstrengend, immer wieder mit Phrasen, Sprichwörtern oder komischen Sprüchen konfrontiert zu werden.

Obwohl der Aufhänger des Buches die Hochzeit der kleinen Schwester Lilly ist, rücken die Hochzeitsvorbereitungen im Verlauf des Romans sehr stark in den Hintergrund. Stattdessen werden die Alltagsprobleme der Zwillinge ausführlich beleuchtet: Probleme in der Ehe, Probleme im Job, Probleme mit den Eltern usw. Lediglich am Ende wird noch einmal auf die Hochzeit Bezug genommen, aber auch das nur sehr oberflächlich. Im Großen und Ganzen ist die Handlung vorhersehbar. Liebe, Verwirrspiele, Missverständnisse, Streit – all das kommt nicht überraschend. Anna Licht hat sich zwar Einiges einfallen lassen, um der Handlung Tiefe zu verleihen, aber meist plätschert diese trotzdem nur so vor sich hin und schafft es nicht vollumfänglich, für Interesse zu sorgen.

Mein Fazit:

Ein in ungewöhnlicher Weise aufgebauter Roman mit einer weniger ungewöhnlichen Handlung.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Hat mich überzeugt

TimeRiders, Band 1: TimeRiders, Wächter der Zeit
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Zunächst möchte ich erst einmal loswerden, dass dieses Buch mich total überrascht hat. Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut sein würde. Ich bin mit sehr geringen Erwartungen an den Roman herangegangen, ...

Zunächst möchte ich erst einmal loswerden, dass dieses Buch mich total überrascht hat. Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut sein würde. Ich bin mit sehr geringen Erwartungen an den Roman herangegangen, habe mir nicht allzu viel davon versprochen. Aber ich wurde positiv überrascht! „TimeRiders 01. Wächter der Zeit“ hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Größtenteils liegt dies daran, dass das Buch sehr unkompliziert geschrieben ist. Es liest sich leicht und flüssig – ist eben ein Jugendbuch. Es beinhaltet eine Vielzahl an Dialogen, die den Lesefluss erleichtern und zugleich durch ihren feinen Humor für eine gute Unterhaltung sorgen. Dazu überzeugen auch die Charaktere vollends. Liam, Maddy, Sal, Bob, Foster – sie alle sind sehr unterschiedlich, aber allesamt bildhaft und echt heraus gearbeitet. Jeder Charakter hat seine Eigenheiten, Schwächen und Stärken. Mit jeder Figur hat sich der Autor Mühe gegeben und sie wachsen dem Leser schnell ans Herz. Sie bleiben nicht nur oberflächlich, sondern ihnen wurde Tiefe verliehen. Es sind oft Kleinigkeiten, die sie zu etwas Besonderem machen. Und es macht vor allem Spaß, zu beobachten, wie sich ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zueinander entwickeln und verändern. Zu Beginn des Buches sind sie sich alle fremd, was unter anderem daran liegt, dass sie alle aus verschiedenen Zeiten stammen. Im weiteren Verlauf des Romans werden sie aber zu Freunden. Es ist sehr schön, das zu verfolgen.

Zum Anderen konnte mich vor aber auch die Handlung überzeugen. Vor allem deshalb, weil sie hervorragend konstruiert ist. Über Zeitreisen zu schreiben, ist vermutlich nicht einfach, da man dem Leser viele Hintergrundinformationen liefern muss. Zum Beispiel darüber, wie Zeitreisen möglich geworden sind, wie sie vonstatten gehen, welche Auswirkungen sie haben. Und hier hat der Autor Alex Scarrow wirklich ganze Arbeit geleistet! Die Handlung ist durchweg logisch konstruiert und bleibt dabei nachvollziehbar. Die Zusammenhänge werden verständlich beschrieben und so bleibt beim Leser keine Frage offen. Alles passt und ergibt Sinn. Vor allem hat mir gefallen, wie authentisch der Autor die verschiedenen Zeiten beschrieben hat. Das Buch umfasst ja eine Zeitspanne von über hundert Jahren, aber Alex Scarrow hat die Besonderheit eines jeden Jahrzehnts herausgearbeitet und zeigt Möglichkeiten auf, wie die Zukunft aussehen könnte.

Es ist aber keine sehr schöne Zukunft, die den Leser erwartet. Der Autor hat die Geschichte völlig neu erfunden und so kommt es, dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat und die Weltherrschaft komplett an sich gerissen hat. Es ist nicht sehr schön, davon zu lesen, aber natürlich bieten diese geschichtlichen Hintergründe einfach viel Potential und so verwundert es nicht, dass sich der Autor diesen Aufhänger für sein Buch gewählt hat. Aber auch andere historische Ereignisse kommen zur Sprache, unter anderem die Angriffe auf das World Trade Center oder das Attentat auf John F. Kennedy.

Eine Gruppe von Menschen, die in den Tod geblickt haben, wird rekrutiert zu Wächtern der Zeit. Sie leben in einer Zeitschleife und achten auf Veränderungen, die in winzigen Kleinigkeiten bestehen können oder auch in großen Ausmaßen stattfinden können. So beginnt das Buch und eine Handlung nimmt ihren Lauf, die mit einigen überraschenden Ereignissen aufwartet.

Die Handlung spielt zu einem sehr großen Teil während der Zeit des Zweiten Weltkrieges und dementsprechend grausam sind manche Szenen. Es fliegen durchaus schon mal Körperteile durch die Luft und auch an spritzendem Blut mangelt es nicht. Dem Autor ist aber zugute zu halten, dass entsprechende Szene sehr kurz gehalten sind und nicht zu sehr ins Detail gegangen wird. Ein Schwerpunkt der Handlung liegt auf Kampfszenen, die mir nicht so gut gefallen haben. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges werden anschaulich dargestellt, aber mir war es teilweise zu viel des Guten. Unter anderem spielt das Buch sogar in einem Gefangenenlager. Natürlich sorgt das für Authentizität, aber ich mag davon nicht so gerne lesen. Dazu werden Kriegstaktiken und Kampfstrategien erörtert, die für mich eher ermüdend waren. Hierin liegt aber auch mein einziger Kritikpunkt und das ist sicherlich Geschmackssache.

Mein Fazit:

Ein sehr guter Reihen-Auftakt, der vor allem durch seine sympathischen Charaktere und die authentische Handlung überzeugt.

Veröffentlicht am 15.11.2019

spannendes Jugendbuch auch für erwachsene Leser

Die einzige Zeugin
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Mir ist es relativ schwer gefallen, einen Einstieg in das Buch zu finden. Der Leser erfährt am Anfang nämlich nur bruchstückhaft, wovon das Buch handelt. Dadurch findet man keinen rechten Zugang zu den ...

Mir ist es relativ schwer gefallen, einen Einstieg in das Buch zu finden. Der Leser erfährt am Anfang nämlich nur bruchstückhaft, wovon das Buch handelt. Dadurch findet man keinen rechten Zugang zu den Personen und der Handlung, das ändert sich aber im Verlauf des Buches.

Lauren wächst bei ihrer Tante und deren Lebensgefährten auf und es ist zunächst nicht klar, was aus ihren Eltern geworden ist. Und ihrer kleinen Schwester. Man ahnt nur, dass etwas Schreckliches geschehen sein muss, denn Lauren hat im Alter von sieben Jahren ihre Heimat London Hals über Kopf hinter sich gelassen. Nun muss sie aber aufgrund von beruflichen Entwicklungen ihrer Tante und deren Lebensgefährten zurückkehren nach London, zu dem Ort, wo vor zehn Jahren etwas passiert ist, das ihr Leben von Grund auf verändert hat.

Auf dieses Geschehen hat Lauren mit Verdrängung reagiert. In ihren Träumen und ausgelöst durch bestimmte Gegenstände erinnert sie sich nach und nach zurück und zusammen mit dem Leser macht sie sich auf zu einer Entdeckungsreise in die Vergangenheit. Sie fängt an, sich zu erinnern, sich den Ereignissen der Vergangenheit zu stellen. Nach und nach ergeben sich immer mehr Informationen, die sich wie Puzzleteile zusammensetzen und anfangen, ein Bild zu ergeben. Ein erschreckendes und beängstigendes Bild, denn Lauren hat als sehr junges Mädchen etwas mitansehen müssen, was man niemandem wünscht. Ich verrate an dieser Stelle natürlich nicht, was vor zehn Jahren geschehen ist. Das müsst ihr schon selbst lesen. Auf jeden Fall aber ist es kein Wunder, dass Lauren darauf mit Verdrängung reagiert hat.

Nach den anfänglichen Startschwierigkeiten entwickelt das Buch einen enormen Sog und ich konnte gar nicht schnell genug lesen, um endlich zu erfahren, wie das Buch enden würde. Denn die Autorin hat ein Rätsel eingebaut, ein großes Fragezeichen, auf das es eine Antwort zu finden gilt. Das ganze Buch hindurch dachte ich, ich wüsste, wie es enden würde. Aber am Ende wurde ich total überrascht. Anne Cassidy hat sich eine Auflösung einfallen lassen, die völlig unerwartet kommt, aber zugleich authentisch und nachvollziehbar ist. Ich bin gespannt, was ihr zu dem Ende sagen werdet, wenn ihr das Buch auch mal lest.

Das Buch trägt zurecht die Bezeichnung „Thriller“, denn es ist durchweg spannend und fesselnd. Da es mit seinen knapp 280 Seiten relativ dünn ist, lässt es sich in einem Rutsch verschlingen. Der angenehme und leichte Schreibstil der Autorin tragen auch dazu bei. Dazu sind die Charaktere alle sehr greifbar und werden dem Leser schnell sympathisch, sodass es Spaß macht, von ihnen zu lesen.

Zwei kleine Kritikpunkte habe ich allerdings: Lauren lernt in London NATÜRLICH einen Jungen kennen. Das stört mich ja nicht weiter, ich lese ja gerne Bücher, die auch von zwischenmenschlichen Beziehungen erzählen. Aber: Die beiden kennen sich kaum und es dauert nicht lange, da verlieben sie sich Hals über Kopf ineinander und auch der erste Kuss kommt nach wenigen Tagen. Das fand ich etwas übertrieben und hätte es schöner gefunden, wenn sich zunächst nur eine Freundschaft zwischen den beiden entwickelt hätte. Es geht einfach etwas zu schnell und wirkt dadurch unglaubwürdig.

Außerdem erzählt das Buch auch von den Problemen in der Beziehung zwischen Laurens Tante und deren Lebensgefährten. Hier war mir der Schwerpunkt teilweise etwas falsch gesetzt, da für mich fast schon zu viel über die beiden erzählt wird. Ich hätte lieber mehr von Lauren und ihrer Problembewältigung gelesen als von den Strategien ihrer Tante, wie sie ihre große Liebe zurückerobern kann. Aber das nur am Rande.

Mein Fazit:

Ein spannendes Jugendbuch, das mit einer überraschenden Wendung aufwartet und es schafft, auch erwachsene Leser zu überzeugen.