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Veröffentlicht am 08.11.2019

Für einen Thriller nicht spannend genug

Schwarze Schwäne
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Das Buch basiert auf einem sehr interessanten Grundgedanken: Inwieweit beeinflussen sich Risikofaktoren wie Umweltkatastrophen, steigende Krebserkrankungen, sinkende Geburtenraten, Seuchen, Allergien, ...

Das Buch basiert auf einem sehr interessanten Grundgedanken: Inwieweit beeinflussen sich Risikofaktoren wie Umweltkatastrophen, steigende Krebserkrankungen, sinkende Geburtenraten, Seuchen, Allergien, oder Autounfälle und welche Konsequenzen haben diese auf das Überleben der Menschheit? Lässt sich ausrechnen, welche Lebenserwartung jeder Einzelne hat? Lässt sich vorhersagen, in welchem Alter man an einem unheilbaren Leiden erkranken wird?

Der Aufhänger ist echt gut und total spannend, aber leider hat mir die Umsetzung nicht so gut gefallen. Das Buch umfasst mehrere Handlungsstränge, die spätestens mit jedem neuen Kapitel, teilweise aber auch von Abschnitt zu Abschnitt wechseln. Wirklich interessiert hat mich nur einer der Handlungsstränge, nämlich der um die weibliche Hauptfigur Jennifer, die an einer schweren und unheilbaren Krankheit leidet. Meiner Meinung nach hätte diese Tatsache nicht mal Bestandteil des Buches sein müssen, da sie auf ziemlich konstruierte Art und Weise für Dramatik sorgt. Aber gut, das Buch beschäftigt sich ja sowieso mit den Themen Krankheit und Tod – irgendwie passt es dadurch doch ganz gut ins Bild. Jennifer ist auch der einzige Charakter, der mir wirklich sympathisch geworden ist. Alle anderen Figuren bleiben einfach zu blass. Für Spannung sorgt dabei nur, dass man manche Charaktere nicht auf Anhieb in die Kategorie „gut“ oder „böse“ einordnen kann und das Verhalten mancher Figuren für Überraschung sorgt.

Die anderen Handlungsstränge beschäftigen sich hautpsächlich mit Jennifers Gegnern, die ihr aufgrund von Tatsachen, die ich an dieser Stelle nicht verraten möchte, auf den Fersen sind, da sie Jennifer als eine Bedrohung ansehen. Hier erwarten den Leser einige Verfolgungs- und Kampfszenen, die aufgrund von Jennifers Erkrankung stellenweise doch recht unauthentisch wirken. Manchmal habe ich mich schon gefragt, wie Jennifer noch so kämpfen kann, wo ihr Körper doch eigentlich geschwächt ist. Die Verfolgungsszenen, haben bei mir kurzzeitig für Spannung gesorgt, für einen Thriller ist das Buch aber insgesamt nicht spannend genug. Die Handlung plätschert eher vor sich hin und durch die vielen Wechsel zwischen den Handlungssträngen hat man auch kaum Zeit, sich wirklich in sie hineinzulesen.

Das Buch beschäftigt sich mit menschlichen Versuchskaninchen, die egoistischen Konzernen bei der Entwicklung von Medikamenten helfen sollen und mit Gendefekten. Daniel Westland betrachtet nicht nur die Opfer, sondern auch die Täter, die rücksichtslos nach Macht und Gewinn streben. Wie gesagt, die Hintergrundideen sind total interessant, die Umsetzung bleibt jedoch etwas hinter diesen Ideen zurück.

Trotz einiger Fachbegriffe aus dem Bereich der Biomathematik und der Chemie liest sich das Buch doch recht angenehm. Für ein Jugendbuch ist der Stil des Autors angemessen und das Buch liest sich leicht und flüssig. Für das Verständnis des Buches erforderliche Fachkenntnisse werden dem Leser vom Autor anschaulich und nachvollziehbar vermittelt.

Übrigens finde ich es interessant, wie sich der Titel des Buches erklärt, aber dazu verrate ich natürlich nichts.

Mein Fazit:

Ein Buch, dem es für einen Thriller zu offensichtlich an Spannung fehlt und dessen Grundideen leider nicht überzeugend umgesetzt wurden.

Veröffentlicht am 08.11.2019

Ein ganz besonderes Buch

Everlasting
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Irgendwie hat mich „Everlasting“ aufgrund seines Klappentextes sofort angesprochen. Ich bin ja immer auf der Suche nach besonderen Geschichten, nach Ideen, die es so noch in keinem Buch gab. Nun gibt es ...

Irgendwie hat mich „Everlasting“ aufgrund seines Klappentextes sofort angesprochen. Ich bin ja immer auf der Suche nach besonderen Geschichten, nach Ideen, die es so noch in keinem Buch gab. Nun gibt es ja schon einige Zeitreiseromane auf dem Büchermarkt, aber dennoch strahlte „Everlasting. Der Mann, der aus der Zeit fiel“ auf den ersten Blick etwas Besonderes aus und ich konnte dem Buch einfach nicht widerstehen. Und ich bin mehr als froh, es auch gelesen zu haben.

In dem Buch steckt nämlich viel mehr als „nur“ ein Zeitreiseroman. Natürlich steht die Zeitreisegeschichte im Vordergrund, aber das Buch ist so detailreich und fantasievoll, dass man es kaum beschreiben kann. Das Buch spielt 250 Jahre in der Zukunft und der Autorin ist es gelungen, das Leben im Jahr 2264 auf eine sehr anschauliche und verständliche Weise zu beschreiben. Natürlich hat sich die Technik weiterentwickelt und es wurden rasante Fortbewegungsmittel erfunden. Begriffe wie „Space-Racer“, Moon Zoomer“ oder „Brain Button“ wirken am Anfang etwas befremdlich, aber ihre Bedeutung ergibt sich irgendwann von selbst und man gewöhnt sich einfach an diese technischen Fachbegriffe. Sie kommen auch nicht in übermäßiger Zahl vor, sondern sind wohl dosiert und werden nur an passenden Stellen erwähnt.

Aber es gibt auch Entwicklungen, die nicht so erfreulich sind. Zum Beispiel ist die Liebe so gut wie ausgestorben, da sie in der Vergangenheit für gebrochene Herzen und Kriege geführt hat. Die Idee mag dem einen oder anderen von euch aus „Delirium“ von Lauren Oliver bekannt vorkommen. Deutsch ist inzwischen eine tote Sprache, kein Wunder, nachdem Europa in einem Großen Feuersturm so gut wie vernichtet wurde. Dazu ist das kleine Wörtchen und Pronomen „Ich“ total verpöhnt und wird nicht mehr verwendet. Gesprochen wird von sich selbst in der dritten Person. Ich würde von mir gerade als „diese Rezensions-Schreiberin“ reden. Klingt das nicht total abgefahren? Aber es passt perfekt zum Buch!

Die Autorin hat sich einfach unheimlich viel Mühe damit gegeben, die Welt in der Zukunft zu beschreiben. Und dabei geht sie genügend ins Detail, um als Leser alles zu verstehen und der Handlung problemlos folgen zu können. Was die Zeitreisen betrifft, muss man schon ein gewisses Maß an Fantasie aufbringen, um nachvollziehen zu können, wie diese möglich sind. Aber man fühlt sich wirklich von der Autorin an die Hand genommen, so anschaulich beschreibt sie das Leben im Jahr 2264.

Ein großer Teil des Buches spielt in Berlin und Leser, die diese Stadt schon einmal besichtigt haben, werden die Handlung besonders gut nachvollziehen können, da bekannte Straßennamen und Sehenswürdigkeiten erwähnt und beschrieben werden und Berlin selbst dadurch schon fast zu einer Hauptfigur des Buches wird. Leser, die Berlin noch nicht kennen, werden sicherlich neugierig auf diese Stadt gemacht. Ich selbst war schon mehrere Male in Berlin und es hat mir großen Spaß gemacht, die Stadt mittels dieses Buches erneut zu besuchen. Berlin hat einige Eigenheiten und Besonderheiten, welche die Autorin als Anlass für so manche interessante Begebenheit genommen hat.

Es gibt viele tolle und interessante Anspielungen auf unsere heutige Zeit, die für die Charaktere des Buches natürlich weit, weit entfernte Vergangenheit ist. So wird zum Beispiel um den Hubba-Bubba-Kaugummi ein großes Phänomen aufgebaut, während die Bücher von J. K. Rowling als britische Klassiker im gleichen Atemzug mit denen von Charles Dickens genannt werden. Ein Quelle-Katalog spielt übrigens auch eine kleine Nebenrolle. Und es wird auch auf ernste Themen unserer Zeit Bezug genommen, nämlich zum Beispiel auf die Diskussion um die negativen Einflüsse von PC-Spielen. Auch in der Zukunft hat sich im Hinblick auf diese Problematik noch nicht viel getan... Und auch die Diskussion Buch – E.Book wird erwähnt. :wink:

Die Handlung des Buches ist einfach total tiefgründig und vielschichtig und in ihr stecken so viele Details, die es zu entdecken gilt. Die Handlung macht einfach Spaß! Dazu kommt, dass die Autorin einige überraschende Wendungen eingebaut hat, die mich total verblüfft haben. Ich hatte während des Lesens ein paar Aha-Effekte und so manches Puzzleteil hat sich erst nach und nach in das Gesamtbild eingefügt. Die Handlung ist total logisch konstruiert und überzeugt problemlos. Das Buch ist fesselnd und spannend und – ich kann es nur noch einmal wiederholen – macht einfach Spaß!

Besonders ist aber nicht nur die Handlung, sondern auch der Schreibstil der Autorin. Man merkt dem Buch an, dass Holly-Jane Rahlens es mit einem Augenzwinkern geschrieben haben muss. Denn es gibt so viele humorvolle oder ironische Szenen und Dialoge, die mich oft genug zum Lachen gebracht haben. Dabei wirken diese Lacher aber keinesfalls gestellt oder konstruiert, sondern passen einfach perfekt zur Handlung und den Charakteren. Man nimmt dem Buch seinen Humor mit Leichtigkeit ab. Dadurch war das Lesevergnügen natürlich ein ganz Besonderes und „Everlasting“ gehört auf alle Fälle zu den Büchern, die man immer wieder lesen kann und bei denen man mit jedem erneuten Lesen weitere Details entdeckt, die man vorher vielleicht überlesen hat. Und auch was die Erzählperspektive betrifft, hat sich die Autorin etwas ganz Besonderes einfallen lasse. Das habe ich so noch in keinem Buch gelesen und im ersten Moment war ich etwas verwirrt, aber dann sehr schnell einfach nur total begeistert! Großartig, wie kreativ dieses Buch insgesamt ist!

Lasst euch übrigens nicht von dem in Rosa- und Pinktönen gehaltenen Cover abschrecken! Das Buch ist definitiv kein Buch für Mädchen! Im Gegenteil: Erwachsene Leser und auch solche des männlichen Geschlechts werden mit diesem Buch ihren Spaß haben. Natürlich deuten die Farben des Covers zusammen mit dem Klappentext aber auf etwas hin, wozu ich auch noch ein paar Worte verlieren möchte: Eine Liebesgeschichte! Ich verrate sicherlich nicht zu viel, wenn ich sage, dass eine solche in diesem Buch vorkommt. Ich muss ja nicht sagen, zwischen welchen Charakteren sie sich entwickelt! :wink: Auf jeden Fall ist diese Liebesgeschichte einfach nur schöööön! Zum Dahinschmelzen! Auch wenn sie natürlich nicht ganz einfach ist! Und: Sie ist völlig kitschfrei! Gefühlvoll und romantisch – ja! Kitschig – nein!

Jetzt habe ich schon den Schreibstil und die Handlung gelobt, fehlen noch die Charaktere. Diese sind allesamt lebendig und greifbar beschrieben und jeder von ihnen hat liebenswerte Eigenheiten. Finn wächst dem Leser am schnellsten ans Herz. Als männliche Hauptfigur steht er natürlich im Vordergrund, aber auch alle anderen Figuren werden dem Leser schnell sympathisch. Einige von ihnen sind nicht leicht zu durchschauen, spielen dem Leser und Finn etwas vor. Und einige von ihnen durchschaut man auf Anhieb.

Zusammen mit Finn lernt man als Leser die Tagebuch-Schreiberin kennen und das auf eine ganz besondere Art. Sie taucht am Anfang des Buches nur durch ihre Einträge auf und dennoch wirkt sie von Beginn an lebendig und greifbar und wird schnell zur besten Freundin. Sie charakterisiert sich im Prinzip selbst durch ihre Tagebucheinträge und gemeinsam mit Finn habe ich mich auf jeden weiteren Eintrag gefreut.

Am Ende ziehe ich leider, leider einen halben Einstein in meiner Bewertung ab. Und zwar wegen der Auflösung des Buches! Gerade auf den letzten Seiten bietet die Handlung ein ziemlich hohes Konfliktpotential, aber irgendwie geht am Ende dann doch alles zu einfach und zu schnell. Hier hätte ich mir einfach ein paar mehr Seiten und ein paar mehr Informationen gewünscht.

Mein Fazit:

Ein ganz besonderes Buch, das viel mehr als nur ein Zeitreiseroman ist und einfach komplett begeistert!

Veröffentlicht am 08.11.2019

Konnte mich nicht überzeugen

Ein ungezähmtes Mädchen
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„Ein ungezähmtes Mädchen“ ist ein Buch, das mich völlig überrascht hat, weil ich etwas ganz Anderes davon erwartet hatte. Ich dachte, ein Jugendbuch zu lesen, aber tatsächlich enthält der Roman so viele ...

„Ein ungezähmtes Mädchen“ ist ein Buch, das mich völlig überrascht hat, weil ich etwas ganz Anderes davon erwartet hatte. Ich dachte, ein Jugendbuch zu lesen, aber tatsächlich enthält der Roman so viele räusper-Szenen, die teilweise auch ziemlich unangenehm - weil gewalttätig - sind, dass es sich eigentlich gar nicht so richtig für jugendliche Leser eignet. Es geht in manchen Szenen um Prostituierte oder Frauen, die als solche bezeichnet werden, um gezwungenen Sex, aber auch um gewollten Sex. Die Autorin beschreibt dabei zwar nicht sonderlich detailliert und genau, was vor sich geht, aber es fallen doch einige intime Begriffe und das hatte ich in diesem Ausmaß doch nun wirklich nicht erwartet. Und es hat mir auch nicht sonderlich gefallen.

Wer mir dagegen aber gefallen hat, ist Beatrice. Sie ist ein fröhliches, ehrliches und direktes Mädchen. Dazu kommt, dass sie viel zu emanzipiert ist, was Ende des 19. Jahrhunderts nicht von jedem Mann gerne gesehen wird. Sie sagt, was sie denkt, pfeift auf Konventionen oder Anstand. Und so legt sie sich mit einigen Herrschaften an und halst sich den Ärger ihres Onkels auf. Von anderen Männern wiederum erntet sie bewundernde Blicke. Unter anderem und ganz besonders natürlich auch von dem attraktiven und interessanten Seth Hammerstaal, welcher der jungen Frau sofort verfällt, obwohl er um Einiges älter ist als sie und sich zudem vor Frauen kaum retten kann.

Sofort liegt zwischen den beiden etwas in der Luft: eine Spannung, ein Prickeln. Beatrice und Seth fühlen sich zueinander hingezogen und es dauert nicht lange, bis sie sich ihren Gefühlen hingeben. Dies geschieht natürlich alles heimlich und im Verborgenen. Der weitere Verlauf des Buches beschäftigt sich dann sehr ausführlich mit der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, die von Missverständissen und Meinungsverschiedenheiten geprägt ist. Im Prinzip können die beiden nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander und die Handlung gleicht einem Katz-und-Maus-Spiel. Sie kriegen sich, um sich wieder zu verlieren, um sich wieder zu kriegen. Mich haben diese ständigen Wiederholungen ziemlich gestört und konnten mich auch nicht fesseln.

Ansonsten ist die Handlung recht facetten- und abwechslungsreich. Die Zeit des 19. Jahrhunderts wird interessant dargestellt. Aber wirklich fesseln konnte sie mich dennoch nicht. Die Autorin gibt sich sehr viel Mühe damit, die Charaktere und die Handlungsumgebung anschaulich und bildhaft zu beschreiben. Als Leser wird man dadurch förmlich in das 19. Jahrhundert hineinversetzt, erlebt Bälle, Gesellschaften und Jagden und fühlt sich als Teil davon. Der Schreibstl von Simona Ahrnstedt ist überaus angenehm und das Buch liest sich trotz seines Umfangs innerhalb kurzer Zeit.

Mein Fazit:

Der Schreibstil der Autorin sorgt eindeutig für Pluspunkte, aber die Handlung konnte mich nicht überzeugen.

Veröffentlicht am 08.11.2019

Mittelmäßig

Alera
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Ich fand den zweiten Band wesentlich schwächer als den ersten. Irgendwie bin ich nicht so richtig in die Handlung reingekommen, obwohl ich mich sehr auf diese Fortsetzung gefreut hatte. Aber mir hat das ...

Ich fand den zweiten Band wesentlich schwächer als den ersten. Irgendwie bin ich nicht so richtig in die Handlung reingekommen, obwohl ich mich sehr auf diese Fortsetzung gefreut hatte. Aber mir hat das Gefühl gefehlt, das ich beim Lesen des ersten Bandes hatte. Auf einmal waren mir die Figuren fremd, ich habe keinen Zugang mehr zu ihnen gefunden und konnte mich nicht so richtig für ihr Schicksal begeistern. Dazu kam, dass die Handlung wirklich sehr lange nur vor sich hin plätschert. Nach 150 oder 200 Seiten kam für mich dann endlich mal Spannung auf, aber die blieb auch nicht konstant aufrechterhalten, sonder hat zwischendurch auch wieder ganz schön nachgelassen.

Ich muss sagen, dass ich Alera in diesem Band auch weniger sympathisch fand als im ersten. Aber für mich lag das genau an ihrer Dickköpfigkeit. Sie macht es ihrem Ehemann wirklich nicht leicht und ihre ständigen Aufmüpfigkeiten haben mich tierisch genervt.

Ich frage mich, was wohl im dritten Band passieren wird, da ich das Ende dieses zweiten Bandes doch ziemlich abgeschlossen fand. Naja, lassen wir uns überraschen.

Veröffentlicht am 08.11.2019

Etwas konstruiert

Halo
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„Halo“ beginnt sehr ruhig und bedächtig. Auf den ersten 40 Seiten wird anschaulich beschrieben, wie die drei Engel Bethany, Gabriel und Ivy im kleinen Örtchen Venus Cove ankommen und sich langsam an ihre ...

„Halo“ beginnt sehr ruhig und bedächtig. Auf den ersten 40 Seiten wird anschaulich beschrieben, wie die drei Engel Bethany, Gabriel und Ivy im kleinen Örtchen Venus Cove ankommen und sich langsam an ihre Menschengestalt gewöhnen. Dabei wird deutlich, worin sich Engel und Mensch unterscheiden, wobei es für die drei das größte Problem ist, dass sie nun verletzbar sind und sich um den Erhalt ihres Körpers kümmern müssen. Durch den ruhigen Einstieg in die Handlung bekommt der Leser Gelegenheit, die Figuren kennenzulernen und sich an die auf den ersten Blick ungewöhnliche Handlung zu gewöhnen. Ivy, Gabriel und Beth sind sehr anschaulich und bildhaft beschrieben und wirken auf Anhieb sympathisch. Besonders Bethany ist mir schnell ans Herz gewachsen, weil sie oft so unüberlegt und chaotisch handelt und dadurch so „normal“ wirkt. Ivy und Gabriel erscheinen dagegen viel reifer und erwachsener, irgendwie erhaben über die Probleme und Belanglosigkeiten der Menschen. Sie wurden mir zwar auch sympathisch, aber mit Beth konnte ich mich viel leichter und vor allem schneller identifizieren und anfreunden.

Im weiteren Verlauf des Buches konzentriert sich die Handlung vor allem auf Beth, deren Verhalten und dessen Auswirkungen nun in den Mittelpunkt des Romans rücken. Beth besucht als ganz normale Schülerin die High School von Venus Cove und mischt sich unter die anderen Mädchen, die sich vor allem Sorgen um den Abschlussball, das perfekte Kleid und natürlich die perfekte männliche Bekleidung machen. Während Beth zunächst kaum etwas mit dem neusten Schulklatsch anfangen kann und sich wenig aus Kosmetik macht, integriert sie sich doch recht schnell in ihre Umgebung und entwickelt ein Gespür dafür, wie sich ein normaler weiblicher Teenager verhält. Sie findet Freundinnen, bei denen sie sich wohl fühlt und mit denen sie gerne Zeit verbringt. Beth muss lernen, wie sich weibliche Teenager verhalten, und es gibt einige witzige Szenen, in denen die Unterschiede zwischen Engeln und Menschen deutlich werden und Beth in die ein oder andere merkwürdige Situation gerät.

Und schließlich lernt Beth Xavier kennen, den tollen Typen mit den strahlenden Augen und dem umwerfenden Lächeln. Auch er wird sehr anschaulich beschrieben und es verwundert kaum, dass Beth sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Eigentlich dürfte sie dieses Gefühl gar nicht spüren, aber nach einiger Zeit lässt es sich doch nicht mehr leugnen und Beth muss sich ihre Zuneigung zu Xavier eingestehen. Im Folgenden wird der Beziehung zwischen den beiden sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet. Es macht Spaß, die beiden zu erleben und Zeit mit ihnen zu verbringen. Es gibt einige romantische und zärtliche Szenen, die einfach schön zu lesen sind. Die beiden geben ein tolles Paar ab und passen sehr gut zueinander.

Doch natürlich ist die Beziehung zwischen Beth und Xavier nicht unkompliziert. Im Gegenteil! Nicht nur, dass Beth ein Engel ist, steht zwischen den beiden. Nein, auch Gabriel sieht es gar nicht gerne, dass die beiden ständig Zeit miteinander verbringen und Beth sich sogar heimlich aus dem Haus schleicht, um in Xaviers Nähe zu sein. Dass Gabriel sich nur Sorgen darüber macht, dass der Autrag, wegen dem die Engel auf die Erde geschickt wurden, gefährdet werden könnte, liegt auf der Hand. Aber Beth ist mittlerweile so sehr Teenager geworden, dass sie dafür kaum Verständnis hat. So kommt es immer wieder zu kleinen Streitereien und Meinungsverschiedenheiten und die Reaktionen der Charaktere darauf sind sehr authentisch und nachvollziehbar entworfen.

Im Großen und Ganzen passiert in den ersten beiden Dritteln des Buches nichts Spannendes – das Buch liest sich wie ein Teenager-Liebesroman. Aber dennoch schafft es die Autorin, den Leser zu fesseln. Einfach deshalb, weil die Charaktere so toll gezeichnet sind und es Spaß macht, sie zu erleben. Die Handlung ist abwechslungsreich, die Dialoge sind humorvoll, locker und leicht und das Buch liest sich gut weg.

Während der eigentliche Auftrag der Engel, in Venus Cove für Ordnung zu sorgen und das Böse, das in diesen Ort eindringt, zu verdrängen, zunächst in den Hintergrund gerückt ist, kommt es auf den letzten 100 Seiten des Buches plötzlich zu Entwicklungen, die ein Einschreiten der Engel notwendig machen. Ein Showdown kündigt sich an, bei dem sich die Ereignisse überschlagen und teilweise auch etwas überzogen und abgedreht wirken. So ruhig die Handlung in den ersten zwei Dritteln des Buches war, so temporeich und spannungsgeladen wird sie im letzten Drittel. Für mich waren die Ereignisse stellenweise zu übertrieben und konstruiert. Vermutlich liegt dieser Eindruck gerade daran, dass auf den ersten 450 Seiten so wenig Aufregendes passiert ist. Natürlich kann ich hier nicht verraten, was genau passiert, aber so viel sei schon mal gesagt: Das Böse fährt einige Geschütze auf.

In einigen anderen Rezensionen habe ich Kritik dahingehend gelesen, dass das Buch zu religiös wäre. Das kann ich nicht bestätigen. Sicherlich wird an einigen Stellen das Himmelreich, Gott oder eben die Besonderheit der Engel erwähnt. Aber alles in Maßen und stets passend. Ich habe selbst nur sehr wenig mit Religiosität am Hut und mich haben diese kleinen Details nicht gestört.

Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger und macht total neugierig auf die Fortsetzung. Das erste Kapitel von „Hades“ ist ja bereits mit in diesem ersten Band abgedruckt, aber das macht es nur noch schlimmer. Denn da passiert schon so viel, dass ich nun wirklich gespannt auf die Fortsetzung bin.

Mein Fazit:

„Halo“ besticht vor allem durch seine toll konstruierten Charaktere und die abwechslungsreiche Handlung – allerdings wirkt diese im letzten Drittel etwas zu konstruiert und überladen.