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Veröffentlicht am 02.11.2019

Einzigartig!

Das Schneemädchen
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Jack und Mabel sind in die Einsamkeit Alaskas aufgebrochen, um ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Ein Leben, das begleitet war von Trauer über den Verlust eines neugeborenen Kindes und bestimmt von ...

Jack und Mabel sind in die Einsamkeit Alaskas aufgebrochen, um ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Ein Leben, das begleitet war von Trauer über den Verlust eines neugeborenen Kindes und bestimmt von den Blicken der Nachbarn, der Freunde, der Familie, aus denen sich vor allem Mitleid lesen ließ. In der Ferne und Stille des fremden Landes hoffen Jack und Mabel auf einen Neubeginn und auf das Vergessen.

Doch das Leben in diesem rauen Land ist nicht einfach und schnell von Eintönigkeit bestimmt. Jack kümmert sich um das Holzhacken und das Jagen, Mabel sorgt für ein warmes Heim und Essen auf dem Tisch. Schnell legt sich der Alltag über das einst so glückliche Paar, das immer noch voller Liebe zueinander ist, aber verlernt hat, diese zum Ausdruck zu bringen.

Schon seit Tagen liegt Schnee in der Luft, der von den Bewohnern Alaskas sehnsüchtig erwartet wird. Und tatsächlich: Eines Abends rieseln leise die ersten Flocken. Schnell wächst ein Schauer heran, der Flocke um Flocke auf die Erde segeln lässt. Und bald ist alles in weißes Pulver gehüllt. Entzückt beobachtet Mabel das bunte Flockentreiben, schlüpft in ihren Mantel und zieht ihre wärmsten Stiefel an. Sie verlässt das Haus und wartet in der Kälte auf ihren Mann. Als sie ihn erblickt, formt sie mit ihren Händen einen Schneeball und wirft diesen vorwitzig nach Jack. Fast schämt sie sich und würde den Wurf am liebsten ungeschehen machen. Auch Jack ist im ersten Moment wie erstarrt. So etwas hätte er von seiner ruhigen und genügsamen Mabel nicht erwartet. Doch die Überraschung ist schnell überwunden und Jack und Mabel starten eine Schneeballschlacht. Und diese wirkt Wunder: Endlich haben die beiden wieder Spaß zusammen, lachen gemeinsam, verbringen Zeit miteinander. Und aus einer Laune heraus bauen sie eine Schneefigur. Ein Mädchen, mit einem Schal um den Hals und einem freundlichen Gesicht.

Am nächsten Morgen hat sich der Sturm beruhigt. Und die Schneefigur ist verschwunden. Zurück geblieben ist nur ein kleines Häuflein Schnee. Doch zwischen den Bäumen erkennt Jack ein kleines Mädchen. Es hat den Schal umgebunden, den vorher das Schneemädchen trug. Immer wieder taucht es auf, meist in Begleitung eines Fuchses. Wer ist das Mädchen? Wo kommt es so plötzlich her? Wo sind seine Eltern?

Das Leben von Jack und Mabel gerät völlig aus dem Tritt, denn von nun an dreht es sich nur noch um das kleine Mädchen. Und Mabel erinnert sich an ein Märchenbuch, das sie in ihrer Kindheit geliebt hat. Darin ging es um ein Mädchen, das ganz aus Schnee besteht. Aber das ist schließlich nur eine Geschichte. Oder nicht? Das Schneemädchen verbringt den Winter bei Jack und Mabel, doch sobald es wärmer wird und der Schnee zu schmelzen beginnt, verlässt sie das Ehepaar, um in die Berge zu ziehen. Dorthin, wo es kälter ist.

Das gemeinsame Leben von Jack, Mabel und später auch Faina - dem Schneemädchen - wird von Eowyn Ivey sehr anschaulich und lebendig erzählt. Als Leser fühlt man sich sofort in die Weite und Kälte Alaskas versetzt. Die Landschaft mit seinem reißenden Fluss und der Vielzahl an Tieren breitet sich vor dem geistigen Auge des Lesers aus. Die Autorin hat einen geschulten Blick für Details und lässt ihre Leser an der Atmosphäre der atemberaubenden Wildnis teilhaben. Sie fängt die Stimmung ihrer Charaktere und der Umgebung ein und gibt sie durch ihre detaillierten Beschreibungen an die Leser weiter. Besonders gut gelungen ist ihr dabei, die Stimmungswechsel zu beschreiben. Am Anfang liegt eine sehr deprimierte und melancholische Stimmung über dem Buch, die mit dem ersten Schneefall und vor allem dem Auftauchen von Faina lebendig und insbesondere fröhlich und hoffnungsvoll wird. Auch die Bewohner einer benachbarten Farm, mit denen sich Jack und Mabel im Verlauf des Buches anfreunden, bringen Leben und Schwung in die kleine Holzhütte.

Doch die ganze Zeit liegt etwas in der Luft. Etwas, was man nicht so richtig greifen kann. Etwas Märchenhaftes, etwas Zauberhaftes. Und ständig droht die Stimmung umzuschlagen. Es gibt einige Rückschläge zu verkraften und neuen Mut zu beweisen. "Das Schneemädchen" ist nicht nur ein sehr bewegter, sondern auch ein sehr bewegender Roman. Es trifft mitten ins Herz und überzeugt durch seine Lebendigkeit, seine liebevoll gezeichneten Charaktere und seine Detailfülle. Trotz seines Umfangs und der Eintönigkeit der Wildnis Alaskas ist das Buch stets abwechslungsreich und auf eine sehr subtile Art spannend. Es lässt den Leser nicht mehr los.

Das ganze Buch hindurch erfährt man nicht, ob das Schneemädchen nun real ist oder nicht. Zwar wird im Laufe des Buches klar, dass nicht nur Jack und Mabel das Schneemädchen sehen können, sondern auch die anderen Charaktere. Aber der Leser wird völlig im Unklaren darüber gelassen, ob Faina ein Mensch aus Fleisch und Blut ist, oder ob sie eben doch ein mystisches Wesen ist, das direkt dem russischen Märchen über das Schneemädchen entsprungen ist. Es gibt immer wieder Andeutungen, aus denen sich ableiten ließe, dass das Schneemädchen aus der Figur entstanden ist, die Jack und Mabel an dem Abend gebaut haben, als sie sich noch einmal so jung fühlten. Denn wieso fängt sie an zu schwitzen, sobald sie sich in der beheizten Hütte aufhält? Und wieso scheint es immer stärker zu schneien, sobald Faina in der Nähe ist? Aber dann gibt es wieder Szenen, in denen Faina so überaus menschlich erscheint. In denen sie so natürlich und lebhaft wie ein kleines Kind oder eine junge Frau auftritt. Durch das gesamte Buch zieht sich so eine ungewisse und traumhafte Stimmung, die den Leser völlig in ihren Bann nimmt.

Und am Ende? Am Ende wird es Schnee geben!

Mein Fazit:

"Das Schneemädchen" ist ein Roman von der ganz besonderen Sorte: stimmungsvoll, bezaubernd, einzigartig!

Veröffentlicht am 02.11.2019

Stellenweise etwas übertrieben

Spiel des Lebens
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Nach dem Prolog, mit dem man als Leser zu Beginn des Buches noch nicht besonders viel anfangen kann, fängt "Spiel des Lebens" in einem gemäßigtem Tempo an. Der Leser lernt Emily, die weibliche Hauptperson, ...

Nach dem Prolog, mit dem man als Leser zu Beginn des Buches noch nicht besonders viel anfangen kann, fängt "Spiel des Lebens" in einem gemäßigtem Tempo an. Der Leser lernt Emily, die weibliche Hauptperson, kennen, die gerade ihr Leben als Studentin am King's College von London beginnt. Der Leser erfährt, wie schwer es vor allem ihrer Mutter fällt, ihr Kind loszulassen. Und der Leser erkundet zusammen mit Emily das College und stürzt sich in das studentische Nachtleben.

Nach dieser gemächlichen Einführung nimmt das Buch aber schnell an Fahrt auf. Denn ein Unbekannter hat an Emilys Schließfach einen Luftballon geklebt, vor denen sie sich aus Gründen, die der Leser später erfährt, schrecklich fürchtet. Dazu hat der Unbekannte ein Foto sowie eine Nachricht hinterlassen. Der Text lautet: "Du hast mir mein Leben gestohlen. Und ich hole es mir zurück."

So beginnt für Emily das "Spiel des Lebens" indem sie immer wieder von einem Unbekannten kontaktiert wird, der ihr verschiedenste Aufgaben stellt. Gelingt es Emily, diese innerhalb einer bestimmten Zeit zu lösen, könnte alles gut ausgehen. Gelingt es ihr nicht, werden Menschen sterben.

"Spiel des Lebens" ist insgesamt authentisch und stimmig aufgebaut und konstruiert. Veit Etzold versteht es, die Spannung immer mehr zu steigern, sodass sich das Buch praktisch wie von selbst liest. Als Leser will man einfach wissen, wie das Buch weiter geht. Man muss einfach erfahren, was es mit dem Fremden auf sich hat, der Emily immer wieder vor schwierige und tödliche Aufgaben stellt. Man will wissen, wieso Emilys Eltern so komisch auf die Ereignisse reagieren. Als wüssten sie etwas. Und man will wissen, ob man den Leuten, denen Emily verzweifelt ihr Herz ausschüttet, auch wirklich vertrauen kann. Veit Etzold baut ein enormes Tempo auf und gestaltet die Handlung gleichzeitig abwechslungsreich und immer wieder überraschend.

Stellenweise wirkt die Handlung aber etwas übertrieben. Emily hat Aufgaben zu erledigen, von denen manche doch etwas zu konstruiert erscheinen. Stellenweise meint es der Autor da etwas zu gut. Dazu kommt, dass das Motiv des Täters zwar in sich stimmig ist, gleichzeitig aber auch etwas zu konstruiert wirkt. Man weiß zwar nie, wie manche Menschen ticken. Aber im Vergleich zu der Wirkung ist der Auslöser etwas zu harmlos und dadurch unglaubwürdig. Sehr interessant ist dagegen aber, dass sich immer wieder Kapitel finden, die aus der Sicht des Täters geschrieben sind. Dadurch erlangt der Leser Einblicke in dessen Gedanken- und Gefühlswelt, auch wenn er erst am Ende des Buches erfährt, wer der Täter ist.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass das Buch stellenweise schon sehr brutal und blutig ist. Veit Etzold scheut sich auch bei solchen Szenen nicht davor, die Handlung anschaulich und bildhaft zu beschreiben. Zum größten Teil ist dieser plastische Schreibstil von Vorteil. In solchen Szenen wiederum eignet er sich schon fast dazu, den Magen des Lesers umdrehen zu lassen.

Mein Fazit:

Ein authenthisch und nachvollziehbar konstruierter Jugendthriller, der stellenweise etwas übertrieben erscheint, aber durch seine stetig anwachsende Spannung überzeugt.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Ein sehr ernster und nüchterner Roman, der von der ersten Seite an spannend ist.

Schmetterlingsjagd
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Lope kann einfach nicht anders. Sie muss zählen. Die Stufen zu ihrem Zimmer, die Cornflakes in ihrer Müsli-Schale.

Lope kann einfach nicht anders. Sie muss tippen. Mit ihren linken Hand auf ihr rechtes ...

Lope kann einfach nicht anders. Sie muss zählen. Die Stufen zu ihrem Zimmer, die Cornflakes in ihrer Müsli-Schale.

Lope kann einfach nicht anders. Sie muss tippen. Mit ihren linken Hand auf ihr rechtes Bein. Mit ihrer rechten Hand auf ihr linkes Bein. Drei Mal. Weil drei eine gute Zahl ist. Tip, Tip, Tip.

Lope kann einfach nicht anders. Sie muss flüstern. Banane. Weil Banane ein gutes Wort ist.

Und genauso, wie sie zählen, tippen und flüstern muss, muss Lope Dinge einstecken. Kleine Figuren, nutzlosen Kram. Sie kann einfach nicht anders.

Durch ihren Drang, fremde Dinge einzustecken, den sie seit einiger Zeit auslebt - seit ihr Bruder gestorben ist - gerät Lope zum ersten Mal so richtig in Schwierigkeiten. Bislang ist alles gut gegangen. Nicht mal ihre Eltern merken, wie sich in ihrem Zimmer die kleinen Figuren in den Schränken stapeln. Aber Lopes Eltern merken sowieso nicht mehr viel. Doch als Lope diese kleine Schmetterlingsfigur auf dem Flohmarkt einsteckt, weil sie in diesem Moment wirklich nicht anders kann, gerät sie mitten hinein in ein Abenteuer um Drogen, Lügen, die ganz große Liebe und den Wert echter Freundschaft.

Lope ist wie besessen von dem Mordfall, dessen Zeugin sie zufällig geworden ist und über den sie anschließend in den Zeitungsmeldungen liest. Sie kannte das Opfer nicht, aber sie verspürt den inneren Drang, mehr herauszufinden. Über das Opfer. Über den Täter. Und sein Motiv.

So gelangt Lope nach Neverland. An einen Ort, an dem alles möglich ist. Hinter dem Vorhang warten Leute mit Mülleimerdeckeln, Töpfen und Pfannen bewaffnet auf ihren Einsatz, um die schönste Musik zu spielen, die je gehört wurde. Mülltonnen werden aufeinander gestapelt und mit Stühlen nach ihnen geworfen. Das ergibt dann das kreative Spiel "Mülltonnenbowling". Die Menschen sind ausgelassen, fröhlich, drehen sich zur Musik wild im Kreis. Doch hinter der nächsten Ecke sitzen die Süchtigen, die sich mit Glasscherben die Haut aufritzen, die auf den nächsten Schuss warten. Ja, Neverland ist ein Ort mit zwei Gesichtern.

Doch zum Glück hat Lope ja Flynt. Der sie an die Hand nimmt, sie sicher durch Neverland führt, an ihrer Seite bleibt. Doch Flynt schein etwas zu verbergen. Kannte er das Mordopfer? Weiß er Einzelheiten über die schreckliche Tat? Ist er ehrlich oder macht er Lope etwas vor? Und wie hängt der plötzliche Tod ihres Bruders mit alldem zusammen?

"Schmetterlingsjagd" ist ein Buch über das Erwachsenwerden, über Trauerbewältigung, über Freundschaft und Vertrauen. Es ist ein Jugendbuch mit ernstem Hintergrund und Inhalt und daher eher für ältere Jugendliche ab 16 Jahren geeignet. Auch der Schreibstil der Autorin ist recht anspruchsvoll. Kate Ellison spielt mit Wörtern und Metaphern. Sie schreibt zwischen den Zeilen und oft ist gerade das wichtig, was sie nicht ausspricht. Durch den realistischen Schreibstil wird der Leser völlig in Lopes Welt hineingezogen und bewegt sich mit ihr durch Neverland. Kate Ellison schreibt jedoch völlig nüchtern. Manchmal fehlt es dann doch sehr an Gefühlen.

Das Buch ist von der ersten Seite an spannend. Aber Lopes Zwangserkrankung steht die ganze Zeit genauso im Vordergrund wie die Aufklärung des Mordfalls und die Beantwortung der vielen offenen Fragen. Auf den ersten Blick mag die Handlung stellenweise etwas überzogen und unrealistisch wirken. Aber im Gesamtbild betrachtet ist sie doch stimmig und authentisch konstruiert.

Mein Fazit:

Ein sehr ernster und nüchterner Roman, der von der ersten Seite an spannend ist.

Veröffentlicht am 02.11.2019

überzeugende Fortsetzung

Winter der Welt
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Zwischen Ende des ersten Bandes "Sturz der Titanen" und dem Beginn von "Winter der Welt" liegen gut neun Jahre. Was in der Zwischenzeit passiert ist, erfährt der Leser in Rückblenden. Aber auch nur in ...

Zwischen Ende des ersten Bandes "Sturz der Titanen" und dem Beginn von "Winter der Welt" liegen gut neun Jahre. Was in der Zwischenzeit passiert ist, erfährt der Leser in Rückblenden. Aber auch nur in Form eines groben Überblicks, denn Ken Follett konzentriert sich lieber auf das Hier und Jetzt.

Denn da hat er über genügend Ereignisse zu berichten. Den Schwerpunkt des Buches nimmt die Machtergreifung Adolf Hitlers mit all seinen Folgen ein. Ken Follett nimmt sich Zeit für seine Charaktere und die Handlung und beschreibt in aller Eindringlichkeit das Schicksal von Juden, behinderten Kindern, Anti-Faschisten, Soldaten. Er verfolgt einzelne Figuren auf ihrem Lebensweg und berichtet von Freud und Leid. "Winter der Welt" ist aber zugleich ein sehr politischer Roman. Hervorragend recherchiert gibt Ken Follett wieder, wie zur Zeit des Zweiten Weltkrieges Intrigen gesponnen wurden und Spionage-Agenten ihr Leben riskiert haben, um an wichtige Informationen heranzukommen. Bedeutende historische Ereignisse wie den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, den Angriff der Japaner auf Pearl Harbor oder den Abwurf der Atombombe über Hiroshima und Nagasaki greift er auf, um daran die Schrecken des Krieges zu verdeutlichen und rundherum ein Gefüge aus Einzelschicksalen, die mit diesen Ereignissen verknüpft sind, zu spinnen.

Es ist nicht unbedingt notwendig, auch den ersten Band der Reihe gelesen zu haben, bevor man sich an "Winter der Welt" heranwagt. Die Figuren aus "Sturz der Titanen", die auch hier in der Fortsetzung auftauchen, werden kurz vorgestellt und ihr bisheriges Leben in knappen Worten zusammengefasst. Aber es macht natürlich einfach mehr Freude, wenn man alte Bekannte aus dem ersten Band auch in der Fortsetzung wiedertrifft und dabei weiß, welcher Weg bereits hinter ihnen liegt. Auch sie spielen in diesem zweiten Band oft eine besondere Rolle, wenngleich das Hauptaugenmerk auf der Folgegeneration liegt. Mit ihr wird eine Vielzahl an neuen Charakteren in die Trilogie eingeführt.

"Winter der Welt" ist ein bewegendes Buch. Es ist stellenweise sehr blutig, brutal und erschreckend, in anderen Szenen sehr rührend und überwältigend. Aufgrund des lebendigen Schreibstils des Autors fühlt man sich als Leser vollkommen in der Geschichte gefangen. Und auch die einzelnen Charaktere sind allesamt so bildhaft gezeichnet, dass es eine wahre Freude ist, an ihrem Leben Anteil zu haben und sie durch das Buch hindurch zu begleiten. Ken Follett versteht es einfach, fesselnde und authentische Handlungsstränge zu zeichnen. Er schafft es mühelos, seine Leser für das Schicksal der Figuren zu begeistern. Und so liest sich dieser dicke Wälzer leicht und flüssig und ist nur schwer aus der Hand zu legen.

Mein Fazit:

Eine überaus gelungene und überzeugende Fortsetzung - Ken Follett versteht es einfach, seine Leser zu begeistern.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Ein sehr mystisches und intelligentes Buch, das von seinen Lesern höchste Konzentration und Aufmerksamkeit verlangt.

Der letzte Engel
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Zu dem Inhalt des Buches lässt sich gar nicht mehr sagen, als der Klappentext schon verrät. Denn dafür ist "Der letzte Engel" einfach ein zu dichter Roman, bei dem alles mit allem zusammenhängt und sich ...

Zu dem Inhalt des Buches lässt sich gar nicht mehr sagen, als der Klappentext schon verrät. Denn dafür ist "Der letzte Engel" einfach ein zu dichter Roman, bei dem alles mit allem zusammenhängt und sich nichts so richtig erklären lässt. Die Tatsache, dass Motte plötzlich mit Flügeln auf dem Rücken aufwacht und keinen Herzschlag mehr spürt, ist nur ein winzig kleiner Teil dieses komplexen Buches, das sich kaum beschreiben lässt. Man muss es einfach erleben.

"Der letzte Engel" ist ein sehr anspruchsvolles Jugendbuch. Es entführt seine Leser auf sehr intelligente Art und Weise in die Welt der Engel und Mythen. Dabei springt der Leser regelmäßig nicht nur zwischen den Zeiten - der Gegenwart und der Vergangenheit - sondern vor allem auch von Charakter zu Charakter. Motte, sein Vater, sein bester Freund, tote Mädchen, Söldner, die Gebrüder Grimm, jeder hat hier seine Rolle zu spielen und trägt zu dem Gesamtwerk bei.

Nicht jede der Figuren wird greifbar. Zwar erfährt man als Leser sehr viel über ihr Leben, insbesondere ihre Vergangenheit. Doch es bleibt eine Distanz, die vor allem durch unbeantwortete Fragen bestehen bleibt. Es wird stellenweise einfach nicht klar, was die Figuren antreibt, wie sie in das Gesamtgefüge passen und was ihre Aufgabe ist.

Man muss sich definitiv auf dieses Buch einlassen können. Und vor allem muss man sehr aufmerksam und konzentriert lesen. Denn Zoran Drvenkar nimmt seine Leser nicht an die Hand und führt sie erklärend durch das Buch. Das kennt man von ihm so ja auch gar nicht. Sondern er lässt seine Charaktere einfach los, lässt sie leben und handeln. Was der Leser daraus macht, ist am Ende sein ganz eigenes Problem. Das Buch kann schnell überfordern und verwirren, schnell kann es an hilfreichen Erklärungen mangeln. Aber so ist Zoran Drvenkar eben.

Realität und Fantasie vermischen sich in diesem Buch auf eine sehr gekonnte Art und Weise - der Übergang ist oft fließend. Gerade noch befand man sich zusammen mit Motte in der Gegenwart, schon kämpft man plötzlich Seite an Seite mit einer mächtigen Königin. "Der letzte Engel" lebt von den Sprüngen in die Vergangenheit, bei denen der Leser von einer Sekunde auf die andere an den Erinnerungen der Charaktere teilhat, sie ausfüllt und erlebt.

Die Engel in diesem Buch haben nichts mit den biblischen Figuren gemein. Im Gegenteil: Sie kämpfen mit Schwertern und lassen Blut fließen. An ihnen ist nichts Kitschiges oder Erhabenes zu finden. Und nicht alle von ihnen haben Flügel.

Bei aller Dramatik und Ernsthaftigkeit mangelt es dem Buch jedoch nicht an einem gesunden Humor. Zum Gück, denn der führt an so mancher Stelle aus der bedrückenden Düsternis, die das Buch umgibt. Zoran Drvenkar spielt nicht nur mit Worten, sondern auch mit seinen Lesern. Als solcher bleibt man nach Beenden des Buches etwas hilflos und überfordert zurück und kann nur hoffen, dass sich in einem nächsten Band endlich Antworten finden lassen.

Mein Fazit:

Ein sehr mystisches und intelligentes Buch, das von seinen Lesern höchste Konzentration und Aufmerksamkeit verlangt.