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Veröffentlicht am 02.11.2019

Emotional, offen und ehrlich - Mark Owen gewährt lebendige Einblicke in das Leben eines Navy Seals.

Mission erfüllt
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"Mission erfüllt. Navy Seals im Einsatz: Wie wir Osama bin Laden aufspürten und zur Strecke brachten" ist ein sehr emotionales Buch. Man merkt, dass Mark Owen nicht nur viel Herzblut in dieses Werk gesteckt ...

"Mission erfüllt. Navy Seals im Einsatz: Wie wir Osama bin Laden aufspürten und zur Strecke brachten" ist ein sehr emotionales Buch. Man merkt, dass Mark Owen nicht nur viel Herzblut in dieses Werk gesteckt hat, sondern auch mit Leib und Seele ein Navy Seal ist. Er lebt für seinen Beruf und er sagt klipp und klar, dass er seit den Angriffen des 11. Septembers 2001 diesen einen Wunsch verspürt hat: Jagd auf die Al-Qaida-Kämpfer zu machen und es ihnen heimzuzahlen. Klar, das klingt pathetisch und typisch amerikanisch, aber so ist dieses Buch eben: offen, ehrlich, direkt. Mark Owen schreibt, was er denkt und fühlt und lässt seinen Emotionen freien Lauf. Und genau deshalb wirkt das Buch so lebendig und vor allem echt.

Allein wenn es um technische Details und Abläufe geht, ist der Stil von Mark Owen sehr sachlich und nüchtern. Besonders die verschiedenen Einsätze sind in diesem objektiven Stil geschrieben. Dann konzentriert sich der Autor sehr auf technische und taktische Einzelheiten und lässt jegliches Gefühl außen vor. Dann ist er ganz Navy Seal mit dem entsprechenden Blick für Details, der alles analysiert und logisch durchdenkt.

Mark Watson berichtet nicht nur von dem Einsatz, der schließlich zum Tod von Osama bin Laden führte, sondern bezieht den Leser in seine gesamte Laufbahn ein. Er erzählt von Übungseinsätzen und lässt den Leser an der Ausbildung zum Navy Seal teilhaben. Erst im letzten Drittel des Buches konzentriert sich Mark Owen auf den Einsatz in Pakistan.

Das Buch ist sehr vielschichtig. Es beschreibt den Alltag eines Navy Seals umfassend: Mark Owen berichtet von Streichen, die sich die Soldaten gegenseitig spielen, erzählt, wie es ist, von der Familie getrennt zu sein. Er lässt den Leser teilhaben an der körperlichen und auch geistigen Anstrengung, die die Einsätze mit sich bringen. Und er berichtet von Ängsten, Gefahren, unvorhergesehenen Planänderungen, die alles auf den Kopf stellen. Und dadurch wirkt das Buch so authentisch, denn hier läuft nicht alles nach Plan. Hier gehen Sachen gewaltig schief und Mark Owen ist ehrlich genug, Fehler zuzugeben.

Häufig schmeißt der Autor mit Abkürzungen um sich, die zwar beim ersten Erwähnen erklärt werden, beim zweiten und dritten mal dann aber nicht mehr. Dadurch erhält das Buch sehr schnell den Charme eines Sachbuches und ein Glossar wäre ganz hilfreich gewesen.

Ein besonderes Extra sind die Fotos, die auf Hochglanzpapier in das Buch eingebracht wurden. Sie ermöglichen es dem Leser, sich das Leben eines Navy Seals noch genauer vorzustellen und zeigen mit Hilfe von Computergrafiken sehr detailliert, wie der Einsatz in Pakistan abgelaufen ist. Zusammen mit den Beschreibungen des Autors erhält der Leser somit einen lebendigen und nachvollziehbaren Einblick und erfährt Einzelheiten, die über das hinausgehen, was in der Presse berichtet wird.

Mein Fazit:

Emotional, offen und ehrlich - Mark Owen gewährt lebendige Einblicke in das Leben eines Navy Seals.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Ein düsterer, gleichzeitig aber auch sehr emotionaler Roman mit einem überaus sympathischen Ich-Erzähler.

Anna im blutroten Kleid
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"Anna im blutroten" Kleid ist ein Roman, der perfekt in die Herbst- / Winterzeit passt, denn ebenso wie den oft kalten und grauen Herbst bzw. Winter umgibt auch dieses Buch eine düstere und undurchsichtige, ...

"Anna im blutroten" Kleid ist ein Roman, der perfekt in die Herbst- / Winterzeit passt, denn ebenso wie den oft kalten und grauen Herbst bzw. Winter umgibt auch dieses Buch eine düstere und undurchsichtige, ja fast unheimliche Stimmung. Es ist ein Buch, das dem Leser wohlige Schauer über den Rücken laufen lässt und das durch seine besondere Atmosphäre gefangennimmt. "Anna im blutroten Kleid" ist in erster Linie ein Fantasy- und Gruselroman, beinhaltet gleichzeitig aber auch bodenständigere Szenen einer Freundschaft und einer unschuldigen Liebe. Dabei ist und bleibt das Buch aber völlig frei von jeglichem Kitsch und jeglicher Gefühlsduselei.

Der Ich-Erzähler Cas wird dem Leser durch seine unkomplizierte und lockere Art sofort sympathisch. Sein Erzählstil ist leichtlebig und an so mancher Stelle selbstironisch. Dazu kommt eine Prise schwarzer Humor und fertig ist ein Charakter, der schnell das Herz des Lesers gewinnt. Man hört ihm einfach gerne zu, diesem Cas, und nimmt ihm seine Berufung sofort ab. Da braucht es keine Erklärungen, dass es Geister wirklich gibt. Nein, das nimmt man als Leser einfach hin und begibt sich zusammen mit Cas auf die nächste Geisterjagd. Dass der Leser stellenweise direkt von Cas angesprochen wird, intensiviert das Gefühl, an der Handlung des Buches teilzuhaben.

Die Handlung des Romans ist sehr abwechslungsreich. Man begleitet Cas nicht nur auf seinen Geisterjagden, sondern erfährt auch einiges über den Tod seines Vaters, der ebenfalls ein Geisterjäger war, und die Tatsache, dass Cas es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Tod seines Vaters zu rächen. Gerade dieser Aspekt rückt zum Ende des Buches hin immer mehr in den Vordergrund und nimmt dem Buch irgendwie das Besondere, das es bis dahin ausgestrahlt hat. Denn hauptsächlich ist es die Beziehung zwischen Cas und Anna in ihrem blutroten Kleid, die dem Buch das gewisse Etwas verleiht und es einzigartig macht.

Die Hauptfiguren Anna und Cas sind sehr lebendig und greifbar gezeichnet, soweit man das von einem Geist behaupten kann, der Anna nun mal ist. Aber im Ernst: Es fällt leicht, sich als Leser in die beiden Charaktere hineinzuversetzen und ihre Handlungen nachzuvollziehen. Beide haben schwere Schicksalsschläge verdauen müssen und nicht über jeden sind sie letztlich auch hinweggekommen. Das Buch wird dadurch sehr tragisch und stellenweise auch wirklich traurig und wie auch die gruselige Atmosphäre oder die witzigen Momente sind diese Szenen sehr eindringlich und lebendig beschrieben.

Die Nebencharaktere sind leider nicht ganz so gut herausgearbeitet. Das liegt aber einfach daran, dass Cas als Ich-Erzähler natürlich im Vordergrund steht und Anna als die Figur, die dem Buch seinen Titel gegeben hat. Das heißt nicht, dass die Nebencharaktere nicht auch wichtig wären, aber das Hauptaugenmerk liegt einfach auf anderen Dingen.

Stellenweise geht es in diesem Buch sehr blutig zu und Kendare Blake scheut sich nicht davor, hier etwas genauer ins Detail zu gehen. Aber es bleibt erträglich.

Mein Fazit:

Ein düsterer, gleichzeitig aber auch sehr emotionaler Roman mit einem überaus sympathischen Ich-Erzähler.

Veröffentlicht am 02.11.2019

"Everlight" hat nur einen einzigen Fehler: Die letzte Seite ist viel zu schnell umgeblättert.

Everlight
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Es ist schon erstaunlich, wie es dieses kleine, dünne Büchlein geschafft hat, sich so einen großen Platz im Herzen seiner Leserin zu sichern. Denn eines muss ich gleich loswerden: Dieses Buch hat mich ...

Es ist schon erstaunlich, wie es dieses kleine, dünne Büchlein geschafft hat, sich so einen großen Platz im Herzen seiner Leserin zu sichern. Denn eines muss ich gleich loswerden: Dieses Buch hat mich bezaubert, es hat mich tief berührt und mich, einmal angefangen, nicht mehr losgelassen. Es ist eines dieser Bücher, das ich sicherlich noch ein zweites, drittes und viertes Mal lesen werde, denn es ist ganz besonders.

"Everlight. Das Buch der Unsterblichen" hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Es war der berührende und sanfte Schreibstil der Autorin, mit dem ich mich direkt angefreundet habe und der mir schon nach wenigen Seiten deutlich gemacht hat, dass ich dieses Buch lieben werde. Mir ist nicht ganz klar geworden, ob sich das Buch nun an jugendliche oder erwachsene Leser richtet. Egal, für beide Lesergruppen ist das Buch geeignet, da der Schreibstil der Autorin so klar und deutlich ist.

Ich bin immer noch gefangen von der Handlung und den warmen Worten der Autorin. Ich stehe noch etwas neben mir und traue mich gar nicht an ein neues Buch heran, aus Angst, enttäuscht zu werden, wenn es nicht so ist wie "Everlight".

Das mag jetzt alles sehr hochtrabend klingen, aber es sind genau die Gedanken, die mir bei der Erinnerung an das Lesevergnügen durch den Kopf gehen.

Die Handlung des Buches ist schnell erzählt. Mehr, als der Klappentext bereits erwähnt, möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten. Das Buch beinhaltet eine mehr als gelungen Mischung aus Fantasy- und Thrillerelementen und die Handlung ist so vielseitig wie abwechslungsreich. Vor allem im letzten Drittel warten einige Überraschungen auf den Leser, die mir stellenweise wirklich den Atem geraubt haben. Und das Buch ist keinesfalls nur "schön". Denn es ist ein stellenweise beängstigendes Buch, ein spannendes Buch, das meinen Herzschlag erhöht hat. Es ist ein Buch, bei dem man mit der weiblichen Hauptperson mitfiebert, mit ihr zusammen in Panik gerät, mit ihr zusammen flüchtet vor einem Mann, der besitzergreifend ist, der gewalttätig wird, wenn etwas nicht nach seinem Willen läuft.

Aber nichtsdestotrotz ließ sich dieses Buch einfach so gut lesen. Ich habe jedes Wort der Autorin genossen. Hier stimmt einfach alles. Das Buch ist weder plump noch kitschig, sondern irgendwie einfach perfekt.

In Seraphina habe ich sofort eine Freundin gefunden, sie war mir auf Anhieb sympathisch und hat sich in mein Herz geschlichen. Ich konnte jede Gefühlsregung und Handlung von ihr nachempfinden und habe sie innerlich angefeuert, endlich zu handeln. Endlich aufzuhören, die Demütigungen von Cyrus hinzunehmen. Zum Glück erfährt man darüber nicht viel. Es sind nur einzelne Sätze, aus denen sich herauslesen lässt, wie Cyrus seine Mitmenschen behandelt. Aber die haben schon gereicht, um meine Wut auf ihn zu schüren.

Und dann, als man endlich denkt, Seraphina hat ihren wohlverdienten Frieden gefunden, wartet die nächste Überraschung auf sie und den Leser.

Ich will nicht verschweigen, dass auch in diesem Buch NATÜRLICH eine Liebesgeschichte vorkommt. Aber hey, diese hier ist endlich mal authentisch, echt und absolut nachvollziehbar. Hier wird nichts überstürzt, hier wird ganz gefühlvoll miteinander umgegangen. Und auch diese Szenen haben sich tief in mein Herz gegraben, denn sie wurden einfach nur wunderschön von der Autorin wiedergegeben.

Für einige Stunden war ich wirklich in einer anderen Welt, habe nichts um mich herum mehr wahrgenommen, war nur noch gefangen von Seraphinas Leben und Schicksal. Es gibt nicht viele Bücher, die mich auf diese Weise berühren können. Ich bin froh, in "Everlight" endlich wieder eines dieser Sorte gefunden zu haben.

Mein Fazit:

"Everlight" hat nur einen einzigen Fehler: Die letzte Seite ist viel zu schnell umgeblättert.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Wirkt nicht ganz ausgereift, vermag aber dennoch zu fesseln

BETA
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Demesne ist eine Inselgruppe mitten im Meer, entstanden nach einem Vulkanausbruch. Sie befindet sich tausende von Meilen von der Küste des Mainlands entfernt. Über das Mainland erfährt man nicht viel. ...

Demesne ist eine Inselgruppe mitten im Meer, entstanden nach einem Vulkanausbruch. Sie befindet sich tausende von Meilen von der Küste des Mainlands entfernt. Über das Mainland erfährt man nicht viel. Nur, dass es als politischer Zusammenschluss nach den sogenannten "Water Wars" entstand, über die auch nicht viele Informationen geliefert werden. Die schönste und größte Insel des Archipels wurde von den reichsten und bedeutendsten Männern des Mainlands gekauft und zu einem wahren Luxus-Paradies ausgebaut. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Das Wasser des Ozeans hat heilende Kräfte. Zusätzlich wurde ein Pumpensystem entwickelt, das Premium-Sauerstoff in die Atmosphäre von Demesne bläst. Wer diese Luft atmet, fühlt sich gleich wie neugeboren. Logisch, dass bei einem so entspannenden und lockeren Leben auf der Insel niemand mehr Lust dazu verspürt, zu arbeiten. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Klone. Sie übernehmen ohne Widerwillen jegliche Arten von Arbeit.

Elysia, der weibliche Hauptcharakter, ist einer dieser glücklichen Klone, der den Menschen auf der Insel seine Dienste anbieten darf. Aber Elysia hat auch eine Besonderheit, die sie von den anderen Klonen unterscheidet: Elysia ist eine Beta, ein Klon eines Teenagers. Und diese Version ist noch nicht ganz ausgereift, ist eben nur eine Beta-Version. Bei einigen dieser Beta-Modelle wurden Defekte festgestellt: Die Klone beginnen, sich merkwürdig zu benehmen. Sie werden aggressiv, verhalten sich emotional. Es scheint fast so, als würden sie in die Pubertät kommen, wie ihre Firsts, den Menschen, von denen sie geklont wurden.

Elysias Aufgabe auf der Insel besteht darin, der Familie Bratton Gesellschaft zu leisten. Seit die große Tochter Astrid auf dem Mainland studiert, leidet die Familie unter der Lücke, die sie hinterlassen hat. Vor allem die kleine Liesel sehnt sich nach einer Freundin, mit der sie spielen kann. Doch Ivan, der große Sohn der Brattons, erhebt zuerst Besitzansprüche auf Elysia und ist vor allem von ihrem Aussehen begeistert. Elysia gelingt es, sich in die Familie zu integrieren. Natürlich, denn ihr wurde ein Chip eingesetzt, der in jeder Situation das richtige Verhalten vorgibt und auf jede Frage die passende Antwort weiß. Doch Elysia merkt, dass irgendetwas nicht mit ihr stimmt. Wieso tauchen vor ihrem geistigen Auge plötzlich Bilder auf, die der Erinnerung ihrer First entstammen müssen? Und wieso kann sie den unwiderstehlichen Geschmack von Schokolade wahrnehmen, obwohl Klone doch völlig gefühlskalt sein müssten? Ist sie etwa auch defekt?

Elysia begibt sich auf eine Reise, bei der sie nicht nur Wahrheiten über sich selbst, sondern auch über das System auf Demesne und die gefürchteten Rebellen erfahren wird. Sie ist ein ser authentisch gezeichneter Charakter. Am Anfang führt sie die ihr zugewiesenen Aufgaben wie ein gewöhnlicher Klon aus. Doch sobald sie die Veränderungen an sich bemerkt, beginnt sie, über die Klone und die Insel nachzudenken. Sie nimmt nicht mehr alles hin, sondern setzt sich mit der Realität auseinander. Auch wenn dadurch alles immer mehr darauf hinweist, dass sie ebenfalls defekt ist.

Die Handlung des Buches ist sehr vielschichtig. Es treten viele Charaktere auf, die für Abwechslung sorgen. Doch es fehlt stellenweise an Spannung. Rachel Cohn gelingt es zwar durchaus, ihre Leser zu überraschen. Aber dieses "Ich muss unbedingt wissen, wie es weiter geht"-Gefühl stellt sich nicht ein. Vielleicht liegt das aber auch am Schreibstil, der zwar sehr angenehm ist, dem aber das gewisse Etwas fehlt, um den Leser wirklich zu fesseln. Auch werden manche Szenen oder Dialoge wiederholt, was den Lesefluss etwas stört.

Auf jeden Fall erzählt "Beta" eine andere und neue Geschichte, mit der man so oder so ähnlich bislang nicht im Jugendbuch-Bereich überhäuft wird. Rachel Cohn hat eine gut konstruierte Handlung entwickelt, die logisch und nachvollziehbar ist. Auch die Liebesgeschichte in diesem Buch ist anders und speziell. Es tauchen einige Fragen während des Lesens auf, die den Lesefluss aufrecht erhalten. Nicht auf jede Frage gibt es eine Antwort. Besonders das Ende des Buches ist ein echter Cliffhanger und macht neugierig auf Band 2.

Mein Fazit:

"BETA" ist wie seine weibliche Hauptfigur nicht ganz ausgereift, vermag aber durchaus zu fesseln.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Ein Hoch auf den Geist im blutgetränkten Nachthemd - er rettet das Buch und lässt es nicht zu einem reinen Teenie-Ratgeber verkommen.

Shadow Falls Camp – Erwacht im Morgengrauen
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"Erwacht im Morgengrauen" sollte man nur lesen, wenn man auch den ersten Band der Reihe "Geboren um Mitternacht" bereits gelesen hat. Auch diese Rezi sollte man daher nur lesen, wenn man Teil 1 bereits ...

"Erwacht im Morgengrauen" sollte man nur lesen, wenn man auch den ersten Band der Reihe "Geboren um Mitternacht" bereits gelesen hat. Auch diese Rezi sollte man daher nur lesen, wenn man Teil 1 bereits kennt, um sich nicht selbst zu spoilern.

Kylie ist immer noch auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Was ist sie? Werwolf? Vampir? Gestaltwandler? Hexe? Oder gar eine Mischung aus verschiedenen Kreaturen? Während sie sich langsam immer mehr im Shadow Falls Camp einlebt und sich dort auch langsam so richtig wohl fühlt, erlebt sie Entwicklungen an sich selbst, die sie dem Ziel ihrer Suche langsam näher bringen. Denn auf einmal gefällt ihr der Geschmack von Blut, auf einmal verändert sich ihr Wahrnehmungssinn, sie hört besser und entwickelt übernatürliche Kräfte. Damit ist zwar immer noch nicht geklärt, WAS sie nun ist, aber immerhin gibt es erste Anzeichen, die auf ihre Identität hindeuten könnten. Kylies Verlangen danach, endlich mehr über sich selbst, aber auch ihren Vater zu erfahren, wird immer stärker. Abschließende Antworten gibt es aber, wie gesagt, in diesem Band noch nicht.

Erneut steht auch der Schulalltag und Kylies Leben mit ihren Freunden und Freundinnen im Camp im Vordergrund. Dieser Handlungsstrang nimmt fast noch mehr Raum ein als der, der sich mit Kylies Identitätssuche beschäftigt. Besonders das Liebesleben der jugendlichen Charaktere wird von der Autorin sehr intensiv beschrieben. Dabei wird nicht nur thematisiert, wie sich Kylies Beziehung zu Derek entwickelt, während sie immer noch an Lucas denkt. Sondern auch Kylies Freundinnen Miranda und Della erliegen dem Liebeschaos und dem männlichen Geschlecht. Es entsteht einiger Wirrwarr, der auf Dauer ziemlich anstrengend wird, da sich auch die Dialoge immer nur um das Eine drehen und dem Buch dadurch zu viel Banalität verleihen. Das Buch entwickelt sich dadurch zu sehr zu einem Teenie-Ratgeber, anstatt sich auf die eigentlich interessante Handlung zu konzentrieren.

Gott sei Dank kommt durch den Geist einer Frau mit langen dunklen Haaren und bekleidet mit einem weißen Nachthemd, das blutgetränkt ist, Spannung auf. Dieser Geist ist es auch, dem das Buch seinen Titel verdankt, denn Kylie erwacht regelmäßig im Morgengrauen, wenn sie wieder von dem Geist geträumt hat, der sie vor irgendetwas zu warnen versucht. Zum Ende des Buches hin wird diese Warnung immer bestimmter und deutlicher und steuert auf den Showdown hin.

Diese Szenen sind es, die an das Lesevergnügen des ersten Bandes erinnern. Der Rest des Buches, der sich mit dem Liebeschaos der weiblichen Personen beschäftigt, ist eher ermüdend und zu banal.

Mein Fazit:

Ein Hoch auf den Geist im blutgetränkten Nachthemd - er rettet das Buch und lässt es nicht zu einem reinen Teenie-Ratgeber verkommen.