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Veröffentlicht am 12.10.2019

Ich mochte weder die Charaktere noch den Erzählstil

Die Achse meiner Welt
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Ich bin immer wieder auf der Suche nach besonderen Büchern, die Geschichten erzählen, die es in dieser Form noch nie gab. “Die Achse meiner Welt” klang nach so einem einzigartigen Buch. Und auch die ersten ...

Ich bin immer wieder auf der Suche nach besonderen Büchern, die Geschichten erzählen, die es in dieser Form noch nie gab. “Die Achse meiner Welt” klang nach so einem einzigartigen Buch. Und auch die ersten Rezensionen, die ich dazu gelesen habe, klangen vielversprechend. Leider konnte das Buch meine Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Die Idee hinter dem Buch ist nicht ganz neu. Es gibt einige Bücher, bei denen die Charaktere plötzlich in der Vergangenheit aufwachen und die Gelegenheit bekommen, ihr Leben noch einmal zu leben. Bei “Die Achse meiner Welt” wacht die weibliche Hauptperson zwar nicht in der Vergangenheit, sondern “nur” in einer anderen Gegenwart auf, aber das Prinzip ist das gleiche: Plötzlich ist das Leben so, wie es hätte sein können. Und nun gilt es, mit dem Wissen, das man den Menschen um sich herum voraus hat, umzugehen und das Beste aus der zweiten Chance, die man geboten bekommt, zu machen.

Ich finde es nicht schlimm, dass die Idee der Autorin hinter dem Buch nicht völlig neu und einzigartig ist, sondern es ist vielmehr die Umsetzung, die mich stört. Denn Rachel zum Beispiel war eine Hauptfigur, mit der ich mich nicht gut identifizieren konnte. Zwar ist sie ungefähr in meinem Alter und ich hatte auch absolutes Verständnis für ihre Situation, aber ich bin mit ihr überhaupt nicht warm geworden. Ich konnte keine Sympathie für sie aufbauen, ihr Schicksal hat mich nicht berührt. Und auch zu den anderen Charakteren des Buches konnte ich keine richtige Verbindung herstellen. Dadurch habe ich beim Lesen immer eine gewisse Distanz empfunden und konnte mich nicht völlig auf das Buch einlassen.

Dabei hat es so gut angefangen, denn den Prolog und auch das erste Kapitel, das im Jahr 2008 und damit fünf Jahre vor der eigentlichen Handlung des Buches spielt, empfand ich als sehr eindringlich und fesselnd geschrieben und die ersten Seiten machten definitiv neugierig auf den Rest des Buches. Ich war mir sicher, einen Roman in Händen zu halten, der es schaffen würde, mich so richtig zu fesseln und mitzureißen. Aber leider ließ meine Begeisterung dann doch recht schnell nach, denn auf den folgenden Seiten plätschert die Handlung nur noch vor sich hin. Nachdem Rachel aufgewacht ist, ihr bester Freund plötzlich an ihrer Seite und sie mit ihrer ersten großen Liebe verlobt ist, wird sie völlig panisch und versteht die Welt nicht mehr. Natürlich wird versucht, eine natürliche Erklärung zu finden. Von Amnesie ist schnell die Rede. Aber Rachel lässt sich nicht so einfach überzeugen und forscht in ihrem zweiten Leben nach Spuren ihres ersten Lebens. Natürlich kommt sie dabei ihrem (eigentlich totgeglaubten) besten Freund näher und die Handlung ist insgesamt nicht überraschend. Am Ende erscheint sie mir sogar etwas übertrieben, aber dazu kann ich an dieser Stelle nicht mehr verraten…

Dazu geht die Handlung teilweise zu schnell voran bzw. ist der Schreibstil der Autorin zu oberflächlich. Sie geht meiner Meinung nach nicht umfassend genug auf die Gefühlswelt der Charaktere ein. Das Buch ist ziemlich nüchtern geschrieben, irgendwie kamen bei mir keine Emotionen an. Dadurch konnte ich nicht richtig abtauchen in die Geschichte, bin immer nur an der Oberfläche geschwommen. Ich kam einfach nicht richtig rein in das Buch.

Gut gelöst fand ich, wie sich die beiden Leben von Rachel mehr und mehr verbinden und vermischen. Auch die Auflösung am Ende fand ich zwar nicht besonders spektakulär, aber doch überraschend. Ich hatte mich natürlich während des Lesens gefragt, wie die Autorin am Ende alles auflösen würde. Mit ihrer Lösung kann ich durchaus leben.

Einen Pluspunkt bekommt das Buch für die Anmerkung der Autorin ganz am Ende. Hier beschreibt Dani Atkins, wie sie auf die Idee zu diesem Buch gekommen ist. Fast fand ich diese zwei Seiten noch spektakulärer als den Rest des Buches…

Mein Fazit

Leider wurden meine Erwartungen an dieses Debüt nicht erfüllt. Weder kam ich mit den Charakteren, der Handlung noch dem Schreibstil zurecht.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Überzeugt durch den Anti-Helden

Perfekt ist jetzt
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Nachdem ich bereits “Glücksdrachenzeit” von Katrin Zipse aus dem Magellan Verlag gelesen habe, das von einem etwas anderen Road-Trip berichtet, habe ich mit “Perfekt ist jetzt” ein Buch eines Autors gelesen, ...

Nachdem ich bereits “Glücksdrachenzeit” von Katrin Zipse aus dem Magellan Verlag gelesen habe, das von einem etwas anderen Road-Trip berichtet, habe ich mit “Perfekt ist jetzt” ein Buch eines Autors gelesen, der in seinen wilden Jahren als Tramper durch die USA gereist ist. Die Serie setzt sich also fort. :wink: Aber “Perfekt ist jetzt” erzählt selbst nicht von den Erfahrungen des Autors auf dem Gebiet des Trampens. Stattdessen stellt uns dieses deutschsprachige Debüt den unperfekten Helden Sutter Keely vor, den Godfather of the Party, Gottes persönlichen Betrunkenen. Aber nicht, dass Sutter den Alkohol wirklich braucht zum Leben. Er hilft ihm einfach dabei, besser durch den Tag zu kommen. Denn das wäre ansonsten manchmal gar nicht so einfach. Besonders, weil Sutter ein Geheimnis hat. Nicht mal seinem besten Kumpel hat er davon erzählt. Und dann trifft Sutter auf die schüchterne, nerdige Aimee. Und plötzlich findet er in ihr einen Menschen, dem er selbst sein größtes Geheimnis anvertrauen würde.

Sutter ist einfach nur toll. Auch wenn er echt der typische Anti-Held ist, ist er einfach eine gute Seele mit einem riesigen Herzen. Von der ganzen Welt wird er missverstanden. Zwar ist er sehr beliebt und auf Partys gerne gesehen, aber niemand weiß, was er denkt und was er fühlt. Und dadurch, dass er das Wort ganz oft an den Leser richtet, bekommt man das Gefühl vermittelt, dass man selbst der einzige ist, der ihn wirklich versteht. Dabei ist es jedoch kein Mitleid, das man für ihn empfindet, sondern einfach Mitgefühl. Irgendwie ist da sofort eine Verbindung zu ihm, da ist sofort Sympathie. Klar, das heißt nicht, dass man das Verhalten von Sutter toll findet. Es gibt einige Szenen in diesem Buch, bei denen man als Leser den Drang verspürt, Sutter ein bisschen auf die Sprünge zu helfen. Aber generell ist er echt ein liebenswerter Kerl, der einfach etwas vom Weg abgekommen ist.

Sutter hat seine ganz eigene Sicht auf die Dinge, seine ganz eigenen Erklärungen für alles. Und man kauft es ihm ab. Sutter ist einfach total überzeugend, wenn es darum geht, seinen Alkoholkonsum zu rechtfertigen oder zu erklären, warum er lieber blau macht, anstatt Algebra zu pauken. Für die Mysterien des Lebens findet Sutter Erklärungen und stellt Zusammenhänge her, auf die man selbst nie gekommen wäre, die plötzlich aber total einleuchtend sind. Sutter ist einfach Sutter. Und das ist gut so. Er lebt total im Hier und Jetzt, denkt nicht an die Zukunft, denkt nicht an die Folgen seines Handelns. Und das wird so eindringlich beschrieben, dass man als Leser das Gefühl bekommt, dass diese Lebenseinstellung die einzig richtige ist.

Bis Sutter auf Aimee trifft, die als weibliche Hauptfigur ebenso intensiv gezeichnet ist wie Sutter selbst. Aimee ist das genaue Gegenteil von Sutter: Sie plant ihre Zukunft im Voraus, hat ganz konkrete Pläne, die sie umsetzen will und auch wird. Und irgendwas fasziniert Sutter an ihr. Und umgekehrt. Und so entwickelt sich eine ganz besondere Freundschaft, die sich kaum mit Worten beschreiben lässt. Plötzlich merken beide, worauf es im Leben wirklich ankommt. Und jetzt kommt Sutters größtes Geheimnis ins Spiel, das vielleicht nicht besonders spektakulär ist, aber dennoch nicht weniger unbedeutend.

Die Handlung des Buches ist eher ruhig, neben dem Alltag von Sutter passieren nur wenige erwähnenswerte Dinge, wodurch beim Lesen ein paar Längen auftreten – gerade auch wegen der Dialoge, die sich teilweise im Kreis drehen. Wichtig ist in diesem Buch vor allem die zwischenmenschliche Ebene. Denn hier tut sich so einiges. Und dabei wird besonders gut und ohne erhobenen Zeigefinger deutlich, dass Party und Alkohol nicht alles im Leben sind. Sutter lernt im Laufe des Buches, was es heißt, Verantwortung für sich selbst und auch für andere zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen.

“Perfekt ist jetzt” ist als Jugendbuch für Leser ab 14 Jahren ein recht anspruchsvolles Buch. Sutter ist zwar kein Ich-Erzähler, der sich besonders gewählt ausdrückt, aber es gibt in diesem Buch viel zwischen den Zeilen heraus zu lesen. Gerade dadurch, dass Sutter als Ich-Erzähler auftritt, gibt es niemanden, der den Leser an die Hand nimmt und ein paar ergänzende Erklärungen liefert.

Wieder hat sich der Magellan Verlag etwas ganz Besonderes für die Gestaltung des Buches ausgedacht. Das Hardcover kommt ohne Schutzumschlag daher und macht dadurch auf alt. Das Vorsatzpapier passt perfekt zum Cover und insgesamt macht dieses Buch einfach nur gute Laune.

Mein Fazit

“Perfekt ist jetzt” ist ein Buch voller kleiner Weisheiten und überzeugt durch einen Anti-Helden, der heldenhafter nicht sein könnte.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Interessantes Debüt

Liebe passiert einfach
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“Liebe passiert einfach” hat es mir nicht leicht gemacht, denn den Einstieg in das Buch empfand ich als sehr holprig. Das Buch beginnt damit, dass Eve ihren zukünftigen Ex-Freund mit einer anderen erwischt, ...

“Liebe passiert einfach” hat es mir nicht leicht gemacht, denn den Einstieg in das Buch empfand ich als sehr holprig. Das Buch beginnt damit, dass Eve ihren zukünftigen Ex-Freund mit einer anderen erwischt, und ihre Ausdrucksweise und damit den Schreibstil der Autorin empfand ich vor allem in diesem Moment als recht derb. Worte wie “Arsch” oder “blöde Kuh” fallen hier zwar zu Recht, aber auch im weiteren Verlauf des Buches drückt sich die Protagonisten häufiger auf diese Weise aus. Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, wenn Protagonisten reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Aber gleich auf den ersten Seiten mit dieser derben Ausdrucksweise konfrontiert zu werden, hat mich doch etwas abgeschreckt. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. Ebenso wie an die Floskeln, mit denen Sophie Cole häufiger um sich wirft. Immer wieder tauchen diese lückenfüllenden Sprichworte auf, die die Handlung nicht wirklich vorantreiben und auch in Dialogen keinen wirklich Inhalt beisteuern. Am Anfang habe ich hier teilweise noch genervt die Augen verdreht, aber entweder lässt die Häufigkeit dieser Redewendungen im Laufe des Buches nach, oder ich habe mich wirklich einfach nur daran gewöhnt. Durchweg fällt jedoch auf, dass das Buch so geschrieben wurde, wie man die Geschichte auch erzählt hätte. Dadurch sind ein paar umgangssprachliche Schlenker dabei, über die man beim Lesen etwas stolpert.

Das Buch ist nicht nur aus der Sicht der weiblichen Hauptperson Eve geschrieben, sondern auch Finn, die männliche Hauptfigur, kommt zu Wort. Dabei wechseln sich die Charaktere mit jedem Kapitel ab. Die Seiten, die aus Finns Perspektive geschrieben sind, haben mir richtig gut gefallen. Sophie Cole schafft es hervorragend, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer männlichen Hauptperson hineinzuversetzen und lässt Finn auf realistisch männliche Art und Weise zu Wort kommen. Das hat mich wirklich überzeugt, denn man merkt einen Unterschied in der Erzählweise der beiden Hauptfiguren und das macht dieses Debüt authentisch.

Die Handlung selbst empfand ich als wenig überraschend. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Eve und Finn lässt sich vorausahnen, natürlich fehlt es dabei nicht an den üblichen Missverständnissen, und am Ende übertreibt es die Autorin meiner Meinung nach etwas zu sehr. Einen überzeugenden Part erhält die Handlung aber wiederum durch Finn, der aufgrund einer schrecklichen Erfahrung, die er in der Vergangenheit machen musste, eine gewisse Ernsthaftigkeit in das Buch bringt. Dieser Teil der Handlung tut dem Buch trotz seiner Dramatik wirklich gut, denn er sorgt für Abwechslung und bringt andere Seiten der Charaktere zum Vorschein, die ihnen mehr Tiefgang verleihen. Würde dieser ernste Teil fehlen, wäre das Buch einfach zu eintönig und würde zu sehr nach Schema F verlaufen.

Wichtig zu wissen ist, dass “Liebe passiert einfach” viele erotische Szenen beinhaltet. Das hatte ich so anhand des Klappentextes nicht unbedingt erwartet. Mir war es anfangs etwas zu viel, denn fast in jedem Kapitel wird zwar sehr niveauvoll, aber meiner Meinung nach etwas zu ausschweifend, vom Liebesleben der Protagonisten berichtet. Das lässt in der zweiten Hälfte des Buches aber nach und die erotischen Szenen weichen den oben genannten ernsteren Szenen, die dem Buch so gut tun.

“Liebe passiert einfach” bietet gute Unterhaltung für zwischendurch und lässt sich leicht an einem verregneten Sonntagnachmittag weglesen. Wer Geschichten über das Liebes-Wirrwarr junger Menschen gespickt mit Erotik mag, wird hier fündig. :)

Mein Fazit

Besonders überzeugend schafft es Sophie Cole mit ihrem Debüt “Liebe passiert einfach”, sich sowohl in die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer weiblichen als auch ihrer männlichen Hauptfigur hineinzuversetzen. Die Handlung ist dagegen wenig überraschend, lediglich der dramatische Teil bezüglich Finns Vergangenheit sorgt für positive Abwechslung.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Passt in keine Schublade

Wo ein bisschen Zeit ist ...
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Meine Rezension zu “Wo ein bisschen Zeit ist…” fällt vergleichsweise kurz und knapp aus, denn dieses Debüt lässt sich schwer beschreiben, man muss es einfach selbst erleben. Oder vielmehr erlesen. Dieser ...

Meine Rezension zu “Wo ein bisschen Zeit ist…” fällt vergleichsweise kurz und knapp aus, denn dieses Debüt lässt sich schwer beschreiben, man muss es einfach selbst erleben. Oder vielmehr erlesen. Dieser Roman passt in keine Schublade, er ist weder ein klassisches Buch über einen Road-Trip noch ein typisches Jugendbuch. Dafür ist Jack Polovsky als Ich-Erzähler einfach ein zu spezieller Charakter. Ein zu echtes Unikat. Dazu kommt, dass dem Klappentext inhaltlich kaum etwas hinzuzufügen ist. Klar, das ein oder andere Abenteuer erlebt Jack zusammen mit seinem Sohn, der Kindesmutter und seinem besten Freund. Aber im Wesentlichen sagt der Klappentext aus, was es über den Inhalt des Buches zu sagen gibt.

Vorbereitet sein sollte man jedoch darauf, dass dieses Buch neben dem erzählenden und unterhaltsamen Teil auch einen großen philosphischen Teil enthält. Der Klappentext verrät es schon: Jack ist der geborene Philosoph und führt in Gedanken philosophische Gespräche mit seinem neugeborenen Sohn, dem er den Namen Sokrates verpasst. Wirklich begeistern konnten mich diese gedanklichen Dialoge nicht, auch wenn sie absolut zum Buch und zu Jack passen. Aber wie so häufig führen diese Gespräche zu keinem Ziel, drehen sich größtenteils im Kreis. Leider fehlte mir dafür das nötige Interesse, aber ich kann mir vorstellen, dass andere Leser gerade in diesen Grundthemen den Pluspunkt des Buches sehen.

Die Geschichte, wie Jacks Sohn zu seinem vorläufigen Namen Sokrates kommt, ist so dramatisch wie berührend. Hier steckt viel mehr dahinter als Jacks Neigung zum Philosophieren. Überhaupt ist “Wo ein bisschen Zeit ist…” neben all der Situationskomik ein unterschwellig ernstes Buch. Besonders überzeugen konnte mich dabei, wie verantwortungsvoll Jack sich trotz der offensichtlichen Verantwortungslosigkeit, seinen neugeborenen Sohn aus dem Krankenhaus zu entführen, verhält.

“Wo ein bisschen Zeit ist…” erzählt von den wirklich wichtigen Dingen im Leben: Liebe, Familie, Zusammenhalt, gemeinsame Zeit. Zwar trifft der Autor mit seiner Umsetzung dieser Grundidee nicht ganz meinen Geschmack, dennoch bietet dieses Debüt ein locker-luftiges Lesevergnügen. Und vor allem Philosophie-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten.

Mein Fazit

“Wo ein bisschen Zeit ist…” passt in keine Schublade und enthält neben all den philosphischen Ansätzen die wichtige Erkenntnis, dass es nie schaden kann, sich ein bisschen Zeit zu nehmen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Toller Ideenreichtum!

Der Wald der träumenden Geschichten
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Optisch ist „Der Wald der träumenden Geschichten“ ein wahrer Hingucker. Beim Stöbern im Buchladen wäre mir das Buch auch als Kind – denn im Kinderbuch-Programm des Fischer Verlages ist dieses Debüt schließlich ...

Optisch ist „Der Wald der träumenden Geschichten“ ein wahrer Hingucker. Beim Stöbern im Buchladen wäre mir das Buch auch als Kind – denn im Kinderbuch-Programm des Fischer Verlages ist dieses Debüt schließlich erschienen – definitiv aufgefallen. Es ist so ein schöner dicker Schmöker, solche Bücher haben mich schon immer magisch angezogen. Und die Aufmachung des Covers und des Buchrückens fällt einfach sofort ins Auge und macht neugierig. Auch im Inneren des Buches setzt sich die wunderschöne Gestaltung fort: Das Vorsatzpapier zeigt die Abbildung des Covers erneut, jedoch in schlichtem Grau-Weiß; jedes Kapitel wird durch die Abbildung einer auf einem Ast sitzenden Eule eingeleitet, die übrigens auch auf dem Cover zu finden ist; im laufenden Text finden sich Abbildungen von Zetteln oder Schildern, die für die Handlung von Bedeutung sind; lautmalerisch werden Geräusche in Fettdruck, Kursivschrift oder einer größeren Schrift verdeutlicht. Dadurch wird das Buch interaktiv, und ich liebe so etwas einfach.

Inhaltlich überzeugt „Der Wald der träumenden Geschichten“ durch ein sehr hohes Maß an Fantasie. Nicht nur ist die Handlung an sich wunderbar durchdacht und besticht durch ihre Vielseitigkeit, ihren Abwechslungsreichtum und ihre Ideenvielfalt. Auch ist den einzelnen Charakteren des Buches anzumerken, wie viel Liebe der Autor ihnen bei der Entwicklung und Zeichnung gewidmet hat. Vor allem die fantastischen Kreaturen sind einzigartig und mit so viel Blick fürs Detail gezeichnet, dass es eine wahre Freude ist. Neben bereits bekannten Figuren wie Drachen oder Kobolden – die hier jedoch besondere Eigenschaften haben, die sie von den Fantasy-Wesen anderer Bücher unterscheiden – begegnet man zusätzlich einer Wespenhexe, einem Dutzendwolf oder einem Weltler. Malcolm McNeill hat mit seinen kreativen Ideen wirklich eine ganz eigene Welt gesponnen.

Wir Bücherwürmer kommen in dem Buch voll auf unsere Kosten, denn sehr umfassend wird die Liebe zu den Büchern thematisiert. Der Waisenjunge Max nutzt die Macht der Geschichten, um der Realität zu entfliehen und in den Büchern seinen leiblichen Eltern näher zu kommen. Und es gibt einen ganz wunderbaren Buchladen, in dem ich selbst gerne einmal stöbern würde. Doch auch ernste Themen werden angesprochen, wenn die Regierung zum Beispiel das Lesen verbietet, um die Macht der Fantasie einzugrenzen, und dabei Bücherberge anzündet.

Allgemein ist „Der Wald der träumenden Geschichte“ ein teilweise brutales und ernstes Buch. Das zeigt sich nicht nur im Verbrennen von Büchern, sondern zum Beispiel auch in Max’ Umgang mit seinen Adoptiveltern, die er im Laufe des Heranwachsens nicht mehr akzeptiert und ihnen dementsprechend schlimme Dinge an den Kopf wirft. Neben all den fantastischen Elementen geben diese Szenen dem Buch eine gewisse Bodenständigkeit und Authentizität.

Der Schreibstil von Malcolm McNeill erinnert an die Bücher von Lemony Snicket oder Colin Meloys „Wildwood“. Ich würde ihn als nicht gerade anspruchslos bezeichnen. Es gibt einige Wortspielereien, Dinge, die sich zwischen den Zeilen nur herauslesen lassen, der Ausdruck von Malcolm McNeill ist sehr ausgefeilt, dadurch an manchen Stellen aber auch etwas umständlich, wenn der Autor sich zu sehr verheddert und die Sätze dadurch etwas länger werden. Ich kann mir vorstellen, dass dies gerade jüngeren Lesern Schwierigkeiten bereiten könnte. Dazu kommt, dass die Handlung zu einem Teil in Frankreich spielt und dementsprechend die Charaktere auch Französisch sprechen. Zwar findet sich sofort auch die deutsche Übersetzung dazu, aber als Leser, der die französische Sprache nicht beherrscht, stolpert man beim Lesen doch darüber.

Mein Fazit

„Der Wald der träumenden Geschichten“ besticht durch den Ideenreichtum des Autors und die Vielseitigkeit der Handlung, ist für jüngere Leser aber eine doch eher anspruchsvolle Lektüre.