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Veröffentlicht am 12.10.2019

Konnte mich leider nicht ganz begeistern

Ein Buchladen zum Verlieben
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Ich liebe Bücher – und ich liebe Bücher über Bücher, über Autoren, über Leser, über Buchhandlungen. Klar, dass ich daher auch nicht an “Ein Buchladen zum Verlieben” vorbei kam. Jedoch dient der Buchladen, ...

Ich liebe Bücher – und ich liebe Bücher über Bücher, über Autoren, über Leser, über Buchhandlungen. Klar, dass ich daher auch nicht an “Ein Buchladen zum Verlieben” vorbei kam. Jedoch dient der Buchladen, den die weibliche Hauptperson Sara im Laufe der Handlung eröffnet, hier nur als Aufhänger. Denn nur auf den ersten Blick geht es in diesem Debüt von Katarina Bivald um die Liebe zu den Büchern. Es werden viele Autoren und Buchtitel erwähnt und es hat immer wieder ein Lächeln auf meine Lippen gebracht, wenn ein Roman genannt und kurz vorgestellt wurde, den ich bereits gelesen habe. Und meine Neugier wurde geweckt auf Bücher, die ich noch nicht kenne, die jedoch von Sara in Kategorien wie “Warnung: Trauriges Ende” oder “Kein überflüssiges Wort” eingeordnet wurden. Und manchmal habe ich mich ein bisschen geärgert, wenn die Autorin den Inhalt oder sogar das Ende einiger Bücher verrät.

Aber viel wichtiger und auch die Handlung dominierender sind in diesem Roman die Figuren und ihre Beziehungen zueinander. Denn Sara wird von und in Broken Wheel nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Die Läden in diesem kleinen Örtchen stehen leer, Sara als Neuankömmling präsentieren sich zerbrochene Scheiben und mit Brettern zugenagelte Fenster. In Broken Wheel gab es noch nie einen Buchladen. Zwar besaß das Örtchen mal eine Bücherei, aber die hat nicht lange überlebt. Wie soll Sara, die Bücher den Menschen vorzieht und mit Geselligkeit nicht viel anfangen kann, sich hier wohlfühlen?

Und noch dazu wird sie von den Bewohnern des Örtchens kritisch beäugt und die Nachricht über ihre Ankunft verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Es gibt die Klatschtanten, es gibt die mürrischen Einzelgänger, es gibt die hilfsbereiten Kellnerinnen. So ziemlich jedes Klischee wird bedient. Die Figuren sind teilweise sehr skurril und überspitzt gezeichnet und ich habe keinen richtigen Zugang zu ihnen gefunden. Auch Sara hat bis auf ihrer Liebe zu den Büchern wegen nur wenige Sympathiepunkte bei mir gesammelt. Ich kann nicht genau sagen, woran es lag. Irgendwie blieb einfach immer eine gewisse Distanz zu ihr und auch den anderen Charakteren.

Neben dem allgemeinen erzählenden Teil des Buches, der aus der Sicht eines allwissenden Erzählers geschrieben ist, finden sich zwischen den Kapiteln Briefe, die Amy an Sara geschrieben hat. Diese ergänzen die Handlung und geben Hintergrundinformationen zu dem kleinen Örtchen Broken Wheel und dessen Bewohnern. Denn in den gut zwei Jahren von April 2009 bis August 2011, in denen Amy und Sara ihre Brieffreundschaft gepflegt haben, hat Amy viel über das Alltagsleben in Iowa berichtet. Die Handlung selbst spielt nun nach Amys letztem Brief im August 2011, die Briefe werden dennoch chronologisch zwischen die Kapitel eingefügt. Dadurch ist Amy trotz ihres Todes ein nachwievor aktiver Charakter in diesem Buch.

Grundsätzlich und vom Stil her war “Ein Buchladen zum Verlieben” ein angenehm zu lesendes Debüt, aber es hat einfach das gewisse Etwas gefehlt, das Begeisterung beim Lesen auslöst und dafür sorgt, dass man das Buch am liebsten nicht weglegen möchte, bis nicht die letzte Seite umgeblättert ist. Es gab vereinzelte Szenen, die ich wirklich schön fand, aber insgesamt blieb das Buch doch eher oberflächlich.

Mein Fazit

Die Liebe zu den Büchern dient leider nur als Aufhänger. Den größten Teil der Handlung macht doch das Kleinstadtleben im Örtchen Broken Wheel aus, das mich leider nicht begeistern konnte.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Ein echtes Wohlfühl-Buch!

Bevor die Nacht geht
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Ein Satz reicht aus, und ich weiß, dass ich ein Buch von Patrycja Spychalski in den Händen halte. Es fühlt sich an wie Nach-Hause-Kommen, ich fühle mich sofort wohl und prickelnde Vorfreude erfasst mich. ...

Ein Satz reicht aus, und ich weiß, dass ich ein Buch von Patrycja Spychalski in den Händen halte. Es fühlt sich an wie Nach-Hause-Kommen, ich fühle mich sofort wohl und prickelnde Vorfreude erfasst mich. Viel zu lange ist es her, seit ich “Der eine Kuss von dir” beendet habe. Und so habe ich Patrycja Spychalskis neuestes Buch mit großer Freude und Spannung erwartet. Und schon der erste Satz gibt mir die Gewissheit: Dieses Buch kann nur gut werden!

Und das wurde es auch! Mal aus Kims, mal aus Jacobs Perspektive erzählt, folge ich den beiden Jugendlichen kreuz und quer durch Berlin, lerne durch ihre Augen die Lieblingsplätze der Autorin kennen und verfolge die mal komische, mal ernste, mal berührende und mal anstrengende Geschichte der beiden Protagonisten, die ich einfach sofort in mein Herz schließen musste, weil sie so echt und lebendig und einfach sympathisch gezeichnet sind.

“Bevor die Nacht geht” ist ein absolutes Wohlfühlbuch, das ich mit einem Lächeln auf den Lippen gelesen habe. Patrycja Spychalski trifft einfach den Ton der jungen Generation, ihr Erzählstil ist extrem authentisch, auch wenn sie vielleicht gar nichts anderes macht, als ihre beiden Ich-Erzähler einfach drauflos plaudern zu lassen. Patrycja Spychalski hat einfach den besonderen Blick für Details und schreibt mit viel Leidenschaft, auch wenn es gerade nur ein Hundehaufen ist, über den sie berichtet.

“Bevor die Nacht geht” ist eine Liebeserklärung an Berlin, aber gleichzeitig schafft die Autorin es auf den nur knapp 300 Seiten des Buches, ihren beiden Protagonisten Kim und Jacob jeweils eine Lebensgeschichte zu verpassen, die nicht auf Dramatik setzt, aber dennoch berührt. Dadurch ist das Buch kein reiner persönlicher Reiseführer, sondern die Schicksale von Kim und Jacob sorgen für Tiefgang. Schnell stellt sich in den Gesprächen heraus, dass beide kein unbeschwertes Teenager-Leben führen. Und so sind es teilweise sehr erwachsene und fast philosophische Gedanken, die Kim und Jacob austauschen. Es geht um Selbstwahrnehmung und die damit verbundenen Selbstzweifel, es geht um zwischenmenschliche Beziehungen. Es geht um Verantwortung und darum, einfach mal keine Verantwortung tragen zu wollen. Und man kauft den beiden total ab, dass sie sich mit diesen erwachsenen Gedanken beschäftigen.

Einige Lieblingsplätze von Patrycja Spychalski kannte ich bereits, andere werde ich beim nächsten Berlin-Besuch genauer unter die Lupe nehmen. Und das Besondere ist: Auf den letzten zwei Seiten des Buches ist ein hübsch gezeichneter Stadtplan von Berlin zu finden, der alle Orte des Buches aufzeigt.

Am Ende findet Jacob Berlin nachwievor nicht besonders toll, aber mit Kim an seiner Seite wird die Großstadt erträglich. :love: Das Ende hätte ich mir nicht anders gewüscht, es ist so richtig, wie es da steht. Und die Tränen, die mir beim Lesen der letzten Zeilen über die Wangen laufen, sind zum Teil Freudentränen, zum Teil aber auch Tränen aufgrund dieser melancholischen Stimmung, die mich unweigerlich beim Beenden des Buches erfasst.

Mein Fazit

“Bevor die Nacht geht” ist nicht nur für Berlin-Fans ein echtes Wohlfühl-Buch. :)

Veröffentlicht am 12.10.2019

Konnte mich nicht überzeugen

Wild Cards - Das Spiel der Spiele
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Die Überschrift meiner Rezension macht es deutlich: George R.R. Martin ist nicht (alleiniger) Autor von “Wild Cards. Das Spiel der Spiele”. Zwar hat er auch schriftstellerisch an diesem Buch mitgewirkt, ...

Die Überschrift meiner Rezension macht es deutlich: George R.R. Martin ist nicht (alleiniger) Autor von “Wild Cards. Das Spiel der Spiele”. Zwar hat er auch schriftstellerisch an diesem Buch mitgewirkt, jedoch muss unbedingt erwähnt werden, dass insgesamt 11 Autoren, von denen 9 in diesem ersten Band der Reihe zu Wort kommen, ihren Teil zu diesem Werk beigetragen haben. Unter anderem war das der Grund dafür, warum dieses Buch mein Interesse geweckt hat, auch wenn ich die anderen 10 Autoren neben George R.R. Martin nicht mal dem Namen nach kannte. Aber ich war gespannt darauf, wie es dieser Vielzahl an Autoren gelingen würde, ein einheitliches Gesamtwerk zu erschaffen. Und auch der Klappentext klang so interessant und originell, dass ich an dem Buch einfach nicht vorbei kam.

Man merkt dem Buch nicht an, dass so viele Autoren an ihm mitgewirkt haben. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass man nicht mal merkt, dass die einzelnen Kapitel jeweils von einem anderen Autor / einer anderen Autorin verfasst wurden. Der Erzälstil ist durchweg sehr einheitlich, was eventuell auch an der Übersetzung liegen könnte. Aber ich möchte die Einheitlichkeit nicht kritisieren. Im Gegenteil: Ich finde es gut, dass “Wild Cards. Das Spiel der Spiele” wie ein einheitliches Werk wirkt, das auch nur von einem Autor geschrieben sein könnte. Denn die andere Alternative wäre gewesen, dass sich die einzelnen Kapitel vom Erzählstil her so unterscheiden, dass das Buch am Ende eher wie eine Sammlung von Kurzgeschichten verschiedener Autoren wirkt. Aber so fügt sich alles ganz wunderbar zusammen und ergibt ein passendes Gesamtwerk.

Inhaltlich bietet das Buch enorm viel Abwechslung. Neben der großen Casting Show, in der 28 Asse gegeneinander antreten, um den größten Helden unter ihnen zu küren, erzählt das Buch unter anderem auch von einem Mordanschlag auf den aktuellen Herrscher des Kalifats, zu dem sich der Großteil der islamischen Länder Arabiens zusammengeschlossen hat. Dieser Anschlag wird den Jokerterroristen in die Schuhe geschoben, die den Islamisten schon lange ein Dorn im Auge sind. Dieser Teil der Handlung war mir persönlich allerdings zu politisch und ich konnte damit leider nicht viel anfangen.

Begeistern konnte ich mich dafür umso mehr für das Fernsehformat “American Hero”. Vier Teams, den Spielfarben eines Kartendecks nachempfunden, treten in diversen Challenges gegeneinander an und versuchen dabei, ihre besonderen Fähigkeiten gewinnbringend einzusetzen. Diese Idee fand ich einfach nur klasse und die Autoren haben in der Ausgestaltung der Challenges und der Entwicklung der besonderen Fähigkeiten, die die Asse haben, ihre Fantasie unter Beweis gestellt.

Es fällt schwer, einen Überblick über alle 28 Teilnehmer der Casting Show zu behalten. Als recht hilfreich erweist sich dabei eine Auflistung der Teammitglieder, die sich im Buch findet. Und schnell zeigt sich auch, dass manche Figuren mehr im Vordergrund stehen als andere. Schnell hatte ich die ein oder andere Lieblingsfigur für mich entdeckt, und interessanterweise erfährt man zu manchen Figuren auch mehr Hintergrundinformationen als zu anderen. Aber ich habe auch schnell Asse kennengelernt, die mir gar nicht sympathisch waren, auf denen aber leider ein Hauptaugenmerk des Buches liegt. Die entsprechenden Kapitel, die sich mit diesen unliebsamen Figuren beschäftigen, konnten mich leider nicht begeistern.

Sehr kritisch setzen sich die Autoren mit der Frage auseinander, was einen wahren Helden ausmacht. Dabei wird unter anderem auch thematisiert, dass einige Asse ihre besonderen Fähigkeiten als Fluch auffassen oder dass sie während des Castings feststellen, dass ihre Fähigkeiten noch lange nicht perfektioniert, sonderm im Gegenteil noch stark ausbaufähig sind. Und natürlich wird sich auch kritisch mit dem Konzept einer Casting Show oder der Gier nach öffentlicher Anerkennung auseinandergesetzt. Wahrscheinlich muss man das Buch gerade in diesen Szenen mit einem gewissen Augenzwinkern lesen.

Ab der zweiten Hälfte des Buches gerät die Casting Show immer mehr in den Hintergrund und stattdessen dominiert unter anderem Lohengrin die Handlung, der auch auf dem Cover des Buches zu sehen ist. Die Handlung wird nun noch ausschweifender und für diesen Handlungsstrang konnte ich mich leider genau so wenig begeistern wie für den oben erwähnten politischen Teil des Buches. Es lag einfach daran, dass ich die Charaktere, die nun im Vordergrund des Buches stehen, nicht sonderlich mochte. Ich hätte lieber gerne noch mehr von meinen Lieblings-Assen der Casting Show gelesen, aber entsprechende Seitenblicke waren eher selten bzw. standen andere Figuren im Fokus der Autoren.

“Wild Cards. Das Spiel der Spiele” wird nicht chronolisch erzählt, sondern es gibt Zeitsprünge und dadurch auch Wechsel in der Zeitform, in der erzählt wird. Teilweise wird ein Ereignis auch aus verschiedenen Sichtweisen wiedergegeben. Insgesamt ist dieses Buch schon etwas anspruchsvoller geschrieben. Es liest sich zwar flüssig, aber man muss dem Buch doch eine gewisse Aufmerksamkeit widmen, um den Überblick zu behalten.

Mein Fazit

Einer Vielzahl an Autoren gelingt es, ein einheitliches Werk zu konstruieren, das ein hohes Maß an Fantasie unter Beweis stellt, mich jedoch nicht durchweg begeistern und überzeugen konnte.

Veröffentlicht am 12.10.2019

In diesem dünnen Büchlein steckt so viel Handlung und Gefühl – unbedingt lesen!

Wo immer du bist
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Dem Klappentext kann ich, was den Inhalt des Buches betrifft, nichts hinzufügen, da hier die Gefahr sehr groß ist, zu viel zu verraten. Um Interesse an diesem Debüt zu wecken, sollte er aber in Kombination ...

Dem Klappentext kann ich, was den Inhalt des Buches betrifft, nichts hinzufügen, da hier die Gefahr sehr groß ist, zu viel zu verraten. Um Interesse an diesem Debüt zu wecken, sollte er aber in Kombination mit dem wundervollen Cover ausreichen. (Bei mir hat es die Kombination aus beidem jedenfalls geschafft.) Und vielleicht überzeugt euch ja auch meine Rezi, dieses Buch zu lesen.

Wobei ich mich auch mit meiner eigenen Meinung etwas zurückhalten muss, um nicht zu viel zu verraten. Ich kann euch nur versichern, dass “Wo immer du bist” ein unglaublich tiefgründiges und vielschichtiges Buch ist. Trotz seiner nur geringen Seitenzahl beinhaltet es so viel an Handlung und Gefühl, denn Cylin Busby versteht es, mit ihren Worten extrem viel auszudrücken. Teilweise ist die Handlung dabei etwas undurchsichtig und vieles versteht man vielleicht erst rückblickend. Aber dennoch hat dieses Buch eine unglaubliche Faszination auf mich ausgeübt, die ich nur schwer in Worte fassen kann.

West ist ein sehr sympathischer Ich-Erzähler, der mir sehr schnell ans Herz gewachsen ist. Da das Buch aus seiner Perspektive geschrieben ist, bekommt man als Leser sehr intensiv zu spüren, wie es sich für ihn anfühlt, nach seinem Unfall an das Krankenhausbett gefesselt zu sein, sich nicht bewegen zu können, sich nicht mitteilen zu können. Ein sehr beklemmendes Gefühl hat sich dabei auf mich übertragen und ich fand es stellenweise sehr schrecklich, was West mitmachen muss und wie mit ihm umgegangen wird.

Olivia dagegen empfand ich zu Beginn als sehr undurchsichtig und ich habe eine Weile gebraucht, um mich an ihre forsche und freche Art zu gewöhnen. Aber als diese Hürde genommen war, mochte ich sie ebenfalls sehr gerne, auch wenn sie ihre Macken und Fehler hat. Aber sie tut West und diesem Buch so gut! Genauso wie unsere gemeinsame Lieblingskrankenschwester.

Neben der eigentlichen Handlung des Buches, die davon erzählt, wie West und Olivia sich im Krankenhaus kennenlernen und anfreunden, gibt es da noch diese merkwürdigen Träume, die West jede Nacht heimsuchen. Es sind ganz verschiedene Sachen, die West träumt, aber irgendwie scheint es dennoch einen Zusammenhang zwischen ihnen zu geben. Und irgendetwas wollen die Träume ihm mitteilen. Natürlich dauert es fast bis zum Ende des Buches, bis diese Sache aufgeklärt wird, aber das hat unterschwellig für extrem viel Spannung gesorgt, denn natürlich will man als Leser unbedingt wissen, was es mit diesen Träumen auf sich hat. Mich hat diese Frage fast am allermeisten beschäftigt.

Überhaupt ist “Wo immer du bist” ein Buch, das viele Fragen aufwirft und eine gewisse Unruhe in mir ausgelöst hat, weil ich teilweise das Gefühl hatte, nicht ganz zu verstehen, was die Autorin mir mitteilen möchte. Man tappt als Leser etwas im Dunkeln, stellt Vermutungen an, sucht Antworten auf seine Fragen. Was für Fragen das sind, kann ich hier leider nicht genauer ausführen, um euch nicht die Spannung zu nehmen, falls ihr das Buch auch irgendwann lest. Die Autorin spielt ein wenig mit den Lesern und darauf muss man sich einfach einlassen.

Für mich hatte das zur Folge, dass irgendwann der Moment kam, an dem ich aus allen Wolken gefallen bin. Ich hatte mir meine eigene Erklärung zurechtgelegt, um dann festzustellen, dass ich komplett daneben lag. Dadurch hat die Handlung eine Wende genommen, die ich nicht vorhergesehen hatte und ich war einfach nur völlig verblüfft, fasziniert und schockiert in Einem.

Ich hatte nicht erwartet, dass mich dieses Buch so begeistern würde. Und vor allem hatte ich nicht gedacht, dass es der Autorin gelingen würde, auf wenigen Seiten so viel unterzubringen, mich so zu packen, zu verwirren und zu begeistern, so plastische Figuren zu zeichnen und eine Handlung zu konstruieren, die so ernst, gefühlvoll, witzig und überwältigend zugleich ist.

Mein Fazit

In diesem dünnen Büchlein steckt so viel Handlung und Gefühl – unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 12.10.2019

herrlich unterhaltsam

Sannah & Ham
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“Sannah & Ham” – schon allein den Titel des Buches finde ich total genial. Im Buch selbst erklärt sich auch, warum es diesen deutschen Titel bekommen hat, der so passend ist. Die Geschichte dazu ist vielleicht ...

“Sannah & Ham” – schon allein den Titel des Buches finde ich total genial. Im Buch selbst erklärt sich auch, warum es diesen deutschen Titel bekommen hat, der so passend ist. Die Geschichte dazu ist vielleicht nicht sonderlich originell, aber einfach süß. Wobei der Originaltitel auch hervorragend zum Buch passt, aber dazu verrate ich jetzt nicht mehr, denn da müsste ich schon weiter ausholen, aber ihr sollt mal schön selbst herausfinden, wie das Original zu seinem Namen kam.

Nicht nur der deutsche Titel des Buches ist originell, sondern auch seine Aufmachung. Denn um den Wechsel zwischen den beiden Ich-Erzählern Hannah und Sam deutlich zu machen, hat der Carlsen Verlag einfach mal den Text jeweils links- oder rechtsbündig gedruckt. Eine klasse Idee, finde ich, die ich so auch noch nicht gesehen habe.

Aber noch viel wichtiger ist, dass ich nicht nur Titel und Aufmachung des Buches klasse fand, sondern auch seinen Inhalt. Zusammen mit Hannah und Sam war ich selbst noch einmal eine Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsensein und habe die typischen Probleme, vor denen man dabei steht, zusammen mit den beiden Hauptfiguren erlebt. Das größte Thema ist dabei tatsächlich das Erste Mal. Die Gedanken von Hannah und Sam kreisen unermüdlich um diese Lebensaufgabe. Irgendwie wollen sie es ganz schnell hinter sich bringen, um endlich nicht mehr die letzte lebende Jungfrau auf Erden zu sein (hier wird teilweise echt ganz schön dramatisiert…) Aber andererseits wissen beide auch, dass man das Erste Mal nur einmal erlebt, und deswegen soll es irgendwie schon auch etwas besonderes sein.

Und so beginnt ein manchmal urkomisches, manchmal zur Verzweiflung bringendes und manchmal einfach nur wunderschönes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Hannah und Sam versuchen, sich endlich füreinander zu gewinnen, bei dem sich aber immer neue Missverständnisse und Schwierigkeiten auftun. Mal ist es die beste Freundin, die alles durcheinander bringt, manchmal ist es der Alkohol, der für schlechte Stimmung sorgt, mal sind es Eifersüchteleien, die alles kaputt machen.

Und während man Hannah und Sam dabei beobachtet, wie sie sich finden und sich verlieren, sich suchen, sich wiederfinden und wieder verlieren (es ist ein Teufelskreis), merkt man, dass Erwachsenwerden nicht nur bedeutet, das Erste Mal hinter sich zu bringen. Der Alltag ist voll mit Problemen: Stress mit der besten Freundin, nervige Familienmitglieder, Angst vor den Prüfungsergebnissen, die über die Zukunft entscheiden werden. Den beiden Autoren gelingt es wirklich hervorragend, das Chaos perfekt zu machen. Es ist nur ein Sommer, den Sannah und Ham gerade durchleben, aber er verändert alles. Die Handlung ist dabei nicht besonders originell, sondern spiegelt wirklich nur die typischen Probleme eines jungen Erwachsenen wider. Aber dennoch konnte mich die Handlung begeistern, weil sie so authentisch und lebendig war. Festivals, ein Kurz-Urlaub in Griechenland, Partys, Partys, Partys – und immer die komplette Clique mit dabei. Mehr braucht es nicht, um den Alltag von Hannah und Sam zu beschreiben. Für mich hat sich dabei die Handlung an einigen wenigen Stellen zu schnell entwickelt, wo ich mir gerne noch ein paar mehr Details gewünscht hätte.

Der Erzählstil von Tom Ellen und Lucy Ivison ist herrlich lebendig, witzig und mitreißend. Ich habe es so genossen, dieses Buch zu lesen. Es ist total kurzweilig geschrieben und ich musste so häufig lachen, weil die Autoren mit ihren Darstellungen einfach den Nagel auf den Kopf treffen. Sie haben einfach einen Blick für kleine Details, die dem Buch das besondere Etwas verleihen. Ich habe mich teilweise selbst in den Figuren wiedererkannt und konnte mich daher total gut in ihre Situation hineinversetzen.

Besonders toll ist, dass man durch die beiden Ich-Erzähler die Ereignisse sowohl aus Jungs- als auch aus Mädchensicht präsentiert bekommt und dadurch sieht, wie ähnlich doch die beiden Geschlechter in manchen Situationen ticken. Gleichzeitig gibt es aber auch Situationen, die total unterschiedlich wahrgenommen werden, wobei es mir als weiblicher Leserin sogar hervorragend gelungen ist, mich in Sam und seine Wahrnehmung hineinzuversetzen. Und ich denke, auch männlichen Lesern könnte es gelingen, sich mit Hannah und ihren Gefühlen und Gedanken auseinanderzusetzen, denn lebendig genug ist der Schreibstil dafür. Stellenweise war er mir allerdings etwas zu derb. Passend zum großen Thema “Erstes Mal” wurden entsprechend viele Ausdrücke verwendet, die irgendwie nicht zum sonstigen Erzählstil gepasst haben.

Mein Fazit

Ein herrlich unterhaltsames Buch mit tollen Charakteren und urkomischen Szenen und Dialogen, bei dem sich fast alles um das Erste Mal dreht.