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Veröffentlicht am 03.04.2025

Hamburger Neuanfänge

Elbnächte. Die Lichter über St. Pauli
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„Ihr Ehemann war berauschend, schön, einfallsreich, wagemutig, und ihr gemeinsames Leben war eines im Überfluss, sie reisten kreuz und quer durch Europa, verkehrten mit wichtigen Leuten, und ganz en passant ...

„Ihr Ehemann war berauschend, schön, einfallsreich, wagemutig, und ihr gemeinsames Leben war eines im Überfluss, sie reisten kreuz und quer durch Europa, verkehrten mit wichtigen Leuten, und ganz en passant gelangte sie so zu einer universellen Bildung. … Für nichts in der Welt hätte Louise ihr Leben eintauschen wollen.“ (S. 13) Louise stammt aus einem sehr guten Elternhaus, ist behütet und verwöhnt aufgewachsen. Seit ihrer Hochzeit vor 2 Jahren ist sie mit ihrem Mann Viktor unterwegs. Womit er sein Geld verdient, weiß sie nicht – oder besser gesagt, will es nicht wissen, denn natürlich ist ihr aufgefallen, dass er seine Zeit in Casinos und auf Rennbahnen verbringt, sie die Orte nach großen Gewinnen fluchtartig mit neuen Namen und Kleidern verlassen (müssen). Louise hält das für ein Spiel, bis er sie im Sommer 1913 allein in Hamburg zurücklässt. Sie erfährt, dass er überall Schulden hat und man von ihr erwartet, dass sie die begleicht. Also versteckt sie sich in einer billigen Pension, wo sie Ella kennenlernt. Die hat es geschafft, nach 7 Jahren endlich aus einem Bordell in Lemberg zu fliehen, wohin sie als ältestes von 11 Kindern von ihren Eltern unwissentlich verkauft worden war. Sie vermisst ihre Familie, weiß aber auch, dass sie nie zurückkehren kann, weil man sich an ihr und ihrer Familie rächen würde.
Die beiden ungleichen Frauen werden zu einer Schicksalsgemeinschaft und echten Freundinnen. Louise hat unter Viktors Papieren einen Schuldschein gefunden, lt. dem ihm die Hälfte von Mo´s, London Tavern in Hamburg gehört. Als sie sich dort umsehen, retten sie einen Jungen vor der Polizei, der einen Juwelier umgebracht haben soll, und lernen den ehemaligen Polizisten Paul kennen, der im Dienst verstümmelt wurde und sich an seinem Widersacher rächen will.

Henrike Engel hatte mich schon mit ihrer Reihe über die Hafenärztin begeistert und auch Elbnächte ist wahnsinnig spannend und mitreißend. Sie überrascht nicht nur mit unerwarteten Wendungen, sondern lässt Personen aus der „Hafenärztin“ wieder auftreten und man erfährt, was in den letzten zwei Jahren passiert ist.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Louises, Ellas und Pauls Sicht erzählt, so dass man deren Erfahrungen und Entwicklung hautnah begleitet.
Louise ist zu Beginn eine verwöhnte Bürgerstochter, die dazu erzogen wurde, Hausfrau und Mutter zu sein. Viktor war ihre Fluchtmöglichkeit aus diesem Korsett. Er bot ihr ein mondänes Leben und umfassende Bildung, die sie sich auf den Reisen selbst angeeignet hat. Sie nimmt die wiederkehrende Fluchten vor den Gläubigern nicht ernst, kann sich nicht vorstellen, dass Viktor ein Hochstapler und Betrüger ist. Auf sich alleingestellt, ist sie erst einmal hilflos, aber dank Ella und der Erfahrungen, die sie macht, mausert sie sich schon bald zu einer unabhängigen, jungen Witwe, die sich eine Arbeit sucht und für sich selbst sorgt, und über Gleichberechtigung, Gleichstellung und das Wahlrecht von Frauen nachdenkt. Doch eigentlich will sie ihr unbeschwertes Leben und das Geld zurück, mit dem sie aufgewachsen ist. Ich bin gespannt, wie sie sich im 2. Band weiterentwickelt.
Ella stammt vom Land und hat ihre jüngeren Geschwister aufziehen müssen. Es war ein hartes, karges, einfaches, aber auch zufriedenes Leben, das sie nicht auf ihre Zeit im Bordell vorbereitet hat. Ihren Eltern wurde gesagt, dass sie eine gute Stelle als Dienstmädchen bekommt, und zu Diensten musste sie den Männern ja auch Tag und Nacht sein. Unter Lebensgefahr sammelt sie jahrelang Kleingeld und plant ihre Flucht. Als die ihr dann gelingt, will sie so weit wie möglich weg und landet in Hamburg. Ella mag zwar ungebildet sein, aber sie will und kann hart arbeiten und hat anscheinend vor nichts (mehr) Angst. Durch ihre freundliche, zugewandte, hilfsbereite und mitfühlende Art nimmt sie die Menschen für sich ein und knüpft schnell Freundschaften. Außerdem kann sie gut rechnen und weiß, wie man Geld spart und sich ein gemütliches Zuhause schafft. Am meisten beindruckt hat mich, dass sie von Bildung träumt und endlich die Schule nachholen will.
Louise und Ella eint der Traum nach einer unabhängigen, gesicherten Zukunft, in der sie genug Geld für ein Leben nach ihren Wünschen verdienen, unabhängig von Männern. Wobei sich Luise bereits wieder nach einer starken Schulter zum Anlehnen sehnt und einem Mann, der für sie entscheidet.
Paul ist ein gebrochener Mann. Der Unterweltboss Hinnerk Macke hat ihn bei seinem letzten Einsatz verstümmeln lassen. Mit seinem Arm hat Paul auch den Kampfgeist verloren. Nur die Rache hält ihn noch am Leben. Er will Hinnerk, den niemand kennt, weil er sich hinter Kinderbanden versteckt, zur Strecke bringen und gleichzeitig so viele Straßenjungen wie möglich vor dessen Bande retten.
In Mo´s Taverne treffen diese drei Schicksale aufeinander und werden miteinander verwoben.

Henrike Engels „Elbnächte. Die Lichter über St. Pauli“ hat alles, was ein Lesehighlight braucht – starke Frauen und verbissene Ermittler, Drama, Skandale, Spannung, Freundschaft, Liebe und Neuanfänge. Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Skurrile Ermittler mit interessantem Hobby auf Mörderjagd

Schräge Vögel – SOKO Neuntöter
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Jeden Sonntag treffen sich die Vogelbeobachter Katja, Harald, Thilo, Sabine und Frank um 6:30 Uhr auf dem Beobachtungsturm im Grabenstätter Moos am Chiemsee. Eines Sonntags können die anderen Frank nicht ...

Jeden Sonntag treffen sich die Vogelbeobachter Katja, Harald, Thilo, Sabine und Frank um 6:30 Uhr auf dem Beobachtungsturm im Grabenstätter Moos am Chiemsee. Eines Sonntags können die anderen Frank nicht finden, obwohl sein Auto bereits dasteht. Auf der Suche nach ihm entdecken sie das Nest eines seltenen Braunkehlchen-Pärchen – und die rote Pfütze ganz in der Nähe, in der der Tote liegt. Die Polizei ist sich sicher, dass Frank beim Beobachten der Vögel von einem Baum gestürzt ist. Doch Harald war früher Forensiker und ist überzeugt, dass Frank umgebracht wurde. Also beschließen die Birdwatcher, den Mord selbst aufklären.

„Schräge Vögel – Soko Neuntöter“ ist der Auftakt einer neuen Krimireihe von Anna Täuber. Hinter dem Pseudonym stecken Dorothea Böhme und Regine Bott, die als Charlotte Blum bereits die historische Krimireihe „Fräulein vom Amt“ geschrieben haben.

Mir haben besonders die skurrilen Protagonisten gefallen. Katja ist Altphilologin mit Problemen bei zwischenmenschlichen Interaktion (sie ist heimlich in ihre Kollegin verliebt) und beim Ausparken (leider fährt sie ihrem Nachbarn regelmäßig den Seitenspiegel ab). Außerdem ist sie eine begnadete Rechercheurin, so lange sie dazu nicht mit Menschen reden muss, und lässt ihr ungewöhnliches Haustier, ein Amrock-Huhn, nur ungern allein. Harald, der verschrobene Forensiker im Ruhestand, hat es nicht so mit moderner Technik, aber jahrzehntelange Erfahrung im Ermitteln und ein großes Herz, das er gut versteckt. Er ist überzeugt, dass sich Thilo, ein Maschinenbaustudent mit Talent für gute Fotos und leidenschaftlicher Rennradfahrer, bestens mit allem Neumodischen auskennt und mal eben ein iPhone knacken kann. Sabine pflegt nicht nur ihre krebskranke Mutter und zieht ihren Sohn allein groß, sondern kümmert sich auch die Hobbyornithologen. Sie hat immer ofenwarme Croissants und frischen Kaffee für alle dabei. Als Sachbearbeiterin einer Versicherung ist sie es gewöhnt, ihrem Gegenüber jede noch so kleine Information zu entlocken, was sich bei ihren Nachforschungen als sehr nützlich erweist.
Bisher hat sich die Gruppe nur zu den gemeinsamen Beobachtungen getroffen, aber die Ermittlungen zu Franks Tod schweißen sie zusammen und lassen sie zu echten Freunden werden. Sie sehen sich im Umfeld seiner Familie und seinem Büro um, und schauen sich die Fälle, die der Staatsanwalt bearbeitet hat, noch mal ganz genau an. Dabei stoßen sie auf verschiedene Motive und Verdächtige und machen sich einige Feinde.

Mir hat der erste Band der Reihe gut gefallen, auch wenn mir die Spannung an einigen Stellen zu Gunsten der Vorstellung der Ermittler noch etwas zu kurz kam und die Auflösung leicht überstürzt wirkte. Dafür fand ich die Fakten zu den heimischen Vögeln sehr interessant und mochte die Situationskomik.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Kann aus der gemeinsamen Liebe zu Büchern eine Liebe fürs Leben werden?

Die Bibliothek der geborgten Herzen
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„Schon immer war ich gut darin gewesen, die Schmutzarbeit zu erledigen, die sonst niemand übernehmen wollte.“ (S. 10) Dieser Satz beschreibt Chloes Leben perfekt. Nachdem ihre Mutter abgehauen war und ...

„Schon immer war ich gut darin gewesen, die Schmutzarbeit zu erledigen, die sonst niemand übernehmen wollte.“ (S. 10) Dieser Satz beschreibt Chloes Leben perfekt. Nachdem ihre Mutter abgehauen war und ihre drei jüngeren Geschwister zurückgelassen hatte, musste Chloe ihr Studium abbrechen und die Vormundschaft für sie übernehmen. Sie arbeitet als Mädchen für alles in der Colville Public Library und räumt das seit Jahrzehnten vollgestopfte Archiv leer. Dabei findet sie eine alte, zerfledderte Ausgabe vom „Wendekreis des Krebses“ aus den 1960ern als Imprint aus Mexiko, da das Buch damals in Amerika verboten war. Ihr ist sofort klar, dass das Exemplar trotz seines Zustandes auf eBay um die 1.000 $ wert ist, die sie dringend braucht. Doch dann entdecken sie, dass zwei Personen abwechselnd in das Buch geschrieben haben. Außerdem findet sie Hinweise und spürt weitere Bücher auf, in denen sich das Paar verewigt hat. Ihre Neugier ist geweckt, wer waren sie und was ist aus ihnen geworden? Und warum bietet ihr Jasper, ihr alter unfreundlicher Nachbar, so viel Geld für den „Wendekreis“?

„Die Bibliothek der geborgten Herzen“ ist ein wirklich tolles, tiefgründiges Buch, das mich sehr überrascht hat. Chloe ist mit Mitte 20 für ihre pubertären Geschwister verantwortlich, die alle drei etwas Besonderes und sehr intelligent, aber eben auch fast noch Kinder sind und sich streiten können wie die Kesselflicker. Chloe versucht, ihren Charakteristika gerecht zu werden, weiß aber nie, wie sie sie ordentlich ernähren und alle anfallenden Rechnungen bezahlen soll. Ihre beste Freundin Pepper und deren Familie würden ja gern helfen, aber Chloe will (oder kann) diese Hilfe nicht annehmen.
In einem parallelen Handlungsstrang erfährt man, wer sich da 1960 schreibt, wie sie sich kennenlernen und sich die Beziehung entwickelt. Catherine ist neu in der Stadt, ihr Vater wird von einer Militärbasis zur nächsten versetzt. Darum hat sie nie genug Zeit, Freunde zu finden, flüchtet sich in Bücher (und Bibliotheken). „Städte kamen und gingen, ebenso die Menschen in ihrem Leben, aber zwischen zwei Buchdeckeln fand sich immer ein Freund.“ (S. 55) Sie würde gern ein genauso selbstbestimmtes Leben führen wie ihr Vater, weiß aber, dass es für sie nur den Weg ihrer Mutter gibt und erwartet wird, dass sie einen Militärangehörigen heiratet. Der Flirt in den Bücher ist ihre Ausflucht aus diesem vorgezeichneten Gefängnis.

Ich bin nur so durch das Buch geflogen und fand es spannend, wie die Geschichte der als Liebesbrief benutzten Romane von 2 Seiten aufgerollt wird. Lucy Gilmore schreibt einfach toll. Ich mag, wie sich ihre Figuren weiterentwickeln, Beziehungen sich verändern. Am meisten hat mich Jasper beeindruckt. Der Griesgram vom Anfang hat nichts mit dem netten Nachbarn zu tun, der er am Ende ist (und eigentlich auch früher schon war, aber versteckt hat). Zudem mag ich die Querverbindungen in der Geschichte, fand es witzig, dass Catherines Freundin damals die Großmutter von Pepper ist, und die vielen überraschende Wendungen, die man wirklich nicht erahnen konnte

Chloes und Peppers Spurensuche ist gleichzeitig ein kleiner Einblick in die Weltliteratur. Da alle Protagonisten sehr belesen sind, werden viele Bücher erwähnt, die man nicht gelesen haben muss, um die Handlung zu verstehen, danach aber sicher noch lesen will.

5 Sterne und meine Leseempfehlung für dieses charmante Herzensbuch

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Veröffentlicht am 19.03.2025

Herzerwärmende Feelgood-Geschichte mit traurigem Hintergrund

Luzie in den Wolken
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„Verlier nie den Glauben, denn er ist die Stimme deines Herzens.“ (S. 111)
Luzie ist 7 Jahre alt und hat vor 3 Jahren ihren Papa durch einem Unfall verloren. Als sie für einen Wettbewerb im Spielzeugladen ...

„Verlier nie den Glauben, denn er ist die Stimme deines Herzens.“ (S. 111)
Luzie ist 7 Jahre alt und hat vor 3 Jahren ihren Papa durch einem Unfall verloren. Als sie für einen Wettbewerb im Spielzeugladen einen Ballon mit einem Wunsch losschicken darf, wünscht sie sich einen neuen Papa. Der Ballon fliegt leider nicht besonders weit, sondern landet vor Gabriels Füßen. Der Bestsellerautor mit Schreibblockade will gerade alles hinschmeißen, als mit der Karte die Idee für seinen nächsten Roman direkt in seinen Schoß flattert. Er kann nicht widerstehen, er will Luzie kennenlernen – und lernt so auch ihre Mutter Miriam kennen. Bald stolpert er von einer Notlüge in die nächste, weil er ihnen nahe sein und sein Buch schreiben will, ohne dass sie erfahren, wer und wie er in Wirklichkeit ist. „Ich halte es ja mit mir selbst fast nicht aus, da kann ich mich kaum einem anderen Menschen zumuten.“ (S. 30)

„Luzie in den Wolken“ ist eine wirklich herzerwärmende Geschichte mit sehr sympathischen Figuren. Luzie kann sich kaum noch an ihren Papa erinnern und hat Angst, auch noch ihre Mama zu verlieren. Davon abgesehen ist sie ein normales kleines Mädchen, das sehr gekonnt ihren Kopf durchsetzt und gewaltige Wutanfälle bekommt, wenn das mal nicht klappt. Miriam ist noch nicht über den Tod ihres Partners hinweg. Außerdem hat sie Existenzängste, weil ihr Laden für gebrauchte Kindermode, den sie vor einem halben Jahr einen eröffnet hat, nicht gut läuft. Wenn sich das nicht bald ändert, muss sie ihn aufgeben. Zum Glück ist ihre beste Freundin Becka immer an ihrer Seite, auch wenn die etwas abgedreht ist und gern alles mit Astrologie regeln will. Einig sind sie sich allerdings darin, dass Luzie eine männliche Identifikationsfigur braucht – und da stolpert Gabriel in den Laden und ihr Leben.

Charlotte Lucas erzählt die Geschichte abwechselnd aus Gabriels und Miriams Sicht. So ist man immer ganz nah an ihnen dran und bekommt einen guten Einblick in ihre Gedanken und Gefühle. Bei Miriam drehen die sich vor allem um Luzie und ihr Geschäft, dass sich Gabriel in sie verguckt hat, wie Becka sagt, kann und will sie sich nicht vorstellen. Gabriel hingegen findet sich selbst nicht besonders liebenswert und verstrickt sich schnell in so viele Lügen, dass nicht mehr weiß, wie er da je wieder rauskommen soll. Dazu kommen noch einige Missverständnisse und (Familien-)Geheimnisse, und das Chaos ist perfekt.

Man hofft natürlich von Beginn, am Ende alles gut ausgeht, kann aber dank einiger Überraschungen wunderbar mitfiebern und bangen.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Loveboat

Neues Glück auf dem kleinen Bücherschiff
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Lilly ist Mitte 20, gelernte Hotelfachfrau und macht Work and Travel in verschiedenen Ressorts auf der ganzen Welt. Nach jeder Saison geht sie in ein neues Land, um so viel wie möglich zu erleben. Zu ihrer ...

Lilly ist Mitte 20, gelernte Hotelfachfrau und macht Work and Travel in verschiedenen Ressorts auf der ganzen Welt. Nach jeder Saison geht sie in ein neues Land, um so viel wie möglich zu erleben. Zu ihrer Familie hat sie außer zu Großtante Floriane keinen Kontakt. Als die betagte Dame sie wegen gesundheitlicher Probleme um Hilfe bittet, reist Lilly sofort nach Hamburg. Natürlich nimmt Floriane sie mit zu ihrem Lieblingsort, dem kleinen Bücherschiff im Museumshafen. Dort ist sie Stammgast und fast schon so etwas wie ein Maskottchen ist, weil sie jeden Tag zum Lesen hinkommt. Lilly freundet sich sofort mit dem Team der Buchhandlung an und hilft aus, wenn ihre Großtante sie nicht braucht. Und sie hat auch nichts gegen einen Flirt mit Pablo, dem neue Teilhaber des Bücherschiffs.

„Sicherheit kann der niemand geben, außer du selbst.“ (S. 235)
Lilly konnte sich nie auf ihre Eltern und Großeltern verlassen, darum kann sie schlecht Vertrauen zu anderen aufbauen. Ihre Freiheit und Unabhängigkeit ist ihr höchstes Gut. Genauso wenig, wie sie sich an einen Ort binden will, hält es mit ihren Partnern. Sie möchte keine feste Bindung, sondern jederzeit verschwinden oder mit jemand anderem zusammen sein können, das macht sie den Männern von vornherein klar. Auch Pablo scheint zumindest zu Beginn keine Probleme mit einer Freundschaft Plus zu haben, will aber bald schon mehr. Er ist 15 Jahre älter als sie und bereit, sesshaft zu werden. Das kann sich Lilly allerdings (noch) nicht vorstellen. Da hilft es auch nicht, dass sowohl das Personal des Bücherschiffs als auch Floriane die beiden immer wieder zueinander hin schubsen, damit sie endlich zusammenkommen.

„Neues Glück auf dem Bücherschiff“ ist der dritte und letzte Band der Reihe. Man muss die Vorgänger zwar nicht zwingend gelesen haben, aber ich würde es zum besseren Verständnis aller Zusammenhänge trotzdem empfehlen.
Alle Personen inkl. Schiffskater Stampi tauchen noch mal auf und man erfährt, wie es mit dem schwimmenden Buchladen, Katja und Mathis, Miriam und Henning sowie den WG-Mitgliedern weitergeht.
Tessa Hansen erzählt die Geschichte mit viel Herz, Romantik, einigen dramatischen Entwicklungen. Mir war nur das Hin und Her zwischen Lilly und Pablo manchmal etwas zu viel.
Sie versteht es, das Aussehen und die Besonderheiten des Bücherschiffs, seiner „Besatzung“ und Kunden durch ihre plastischen Beschreibungen lebendig werden zu lassen. Außerdem freue ich mich, wenn ich die erwähnten Bücher und Schriftsteller kenne.

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