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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2020

Perfektes Lesefutter mit Suchtfaktor

Die Erben von Seydell - Das Gestüt
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Hinter „Sophie Martaler“ verbirgt sich ein erfahrenes Autorenduo, lässt uns der Verlag wissen. Und in der Tat, die Erzählweise, der Aufbau der Geschichte, die Ausgestaltung der Personen zeigt, dass die ...


Hinter „Sophie Martaler“ verbirgt sich ein erfahrenes Autorenduo, lässt uns der Verlag wissen. Und in der Tat, die Erzählweise, der Aufbau der Geschichte, die Ausgestaltung der Personen zeigt, dass die Autoren ihr Handwerk verstehen. Der Roman ist perfekt kombiniert, mit ausreichend Gefühl und sehr viel Spannung versehen und hat somit alles, um den Leser im Genre Unterhaltungsromane leicht und gut zu unterhalten.

Im Band 1 „Das Gestüt“ geht es um die junge Witwe Elisabeth Clarkwell, die 1947 von ihrem Onkel zur Hälfte das Pferdegestüt Seydell in der Lüneburger Heide erbt. Elisabeth benötigt dringend Geld, möchte ihre Hälfte des Erbes verkaufen, doch der unbekannte Miterbe in Spanien, dessen Zustimmung sie benötigt, lehnt jeglichen Kontakt rigoros ab. In Rückblicken bis ins Jahr 1889 erfahren wir, wie die beiden Brüder Ludwig und Alexander, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten, nach einem unüberwindlichen Zwist getrennte Wege gehen. Diese Wege, voll an Schicksalsschlägen, verfolgen wir mit Spannung…

Der Roman fesselt von Anfang an und legt im Verlauf der Geschichte immer mehr an Spannung zu. Obwohl die Szenerien und Ereignisse detailreich geschildert werden, gibt es keinen Moment der Langeweile beim Lesen, im Gegenteil. Die Geschichte ist reich an Gefühlen, aber auch an hochdramatischen Ereignissen. Die historischen Zeitbezüge sind, wie wir dem Nachwort entnehmen können, sorgfältig recherchiert. Die Protagonisten werden in ihren jeweiligen Persönlichkeiten psychologisch nachvollziehbar geschildert und lösen beim Leser intensive Gefühle der Abneigung oder Sympathie aus, was ein weiterer Pluspunkt des Buches ist.
Rundum: Ein Roman, der in seiner Lebendigkeit und Erzählfreude völlig gefangen nimmt und den Leser sehnsüchtig auf die Fortsetzung warten lässt.

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Veröffentlicht am 14.10.2020

Intelligent, bissig, kurzweilig

Das Tartarus-Projekt
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Der Autor war mir bislang unbekannt. Mir gefällt die kritische Intelligenz des Autors, mir gefällt, wie er mit den Klischees spielt und den Finger durchaus satirisch-humorvoll auf so manche Wunde legt. ...


Der Autor war mir bislang unbekannt. Mir gefällt die kritische Intelligenz des Autors, mir gefällt, wie er mit den Klischees spielt und den Finger durchaus satirisch-humorvoll auf so manche Wunde legt.

Es beginnt mit einer Nobelparty der Reichen und Schönen in Münchens Nobelvorort Grünwald, die mit einem entsetzlichen Mord am Gastgeber endet. Michael Landorff, Journalist und Autor, war völlig überraschend zu dieser Party eingeladen gewesen und beginnt nun zusammen mit der professionellen Pokerspielerin Alexandra Buschmann auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Die beiden stoßen auf ein schier undurchdringliches Geflecht von wirtschaftlichem und politischem Kalkül, von Geheimdienst-Aktivitäten und undurchsichtigen privaten Verstrickungen. Nicht nur Landorff und Buschmann geraten in Lebensgefahr, die ganze Welt ist einer ungeahnten Bedrohung ausgesetzt.

Ein bisschen viel an Themen bringt der Autor in diesem Thriller unter. Die teilweise perversen Marketingaktionen der Buchbranche bekommen ihr Fett weg. Politische reale und aktuelle Geschehnisse werden in ihrer Brisanz benutzt, um fiktive Zukunftsideen zu entwickeln. Technikwahn, Menschenhybris, Schönheits- und Gesundheitsideale, und vor allen Dingen die Macht des Geldes, ach ja, nicht zu vergessen, die ewige Parkplatzsuche – in der Fülle der Themen blieb mir am eindrücklichsten die Entwicklung einer stechmückengroßen Drohne, die mit ihrem Stachel den Menschen gefährliche Viren appliziert... Ja, die Gefahren sind näher als wir glauben, das macht den Thriller besonders spannend. Die humorvoll-sezierende Schreibweise des Autors gefällt mir sehr gut. Er jongliert gekonnt mit geistreichen Gedanken. Allerdings blieben für mich der Protagonist Landorff und die weiteren Akteure im Buch sehr fern, weil sie nüchtern-distanziert und weitgehend emotionslos geschildert werden. Auch die Dialoge wirken mitunter hölzern und lebensfern. Dennoch in der Summe ein durchaus unterhaltsamer und lesenswerter Thriller.

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Veröffentlicht am 13.10.2020

Das hinreißendste Kinder-Erwachsenen-Buch seit langem

Memento Monstrum (Bd. 1)
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Graf Dracula ist 589 Jahre alt und muss zwei Tage lang seine Enkelkinder hüten. Das macht ihm gewaltige Angst, denn er ist zwar Opa, hat aber keine Ahnung von Kindern, den wahren Monstern, die immer nur ...


Graf Dracula ist 589 Jahre alt und muss zwei Tage lang seine Enkelkinder hüten. Das macht ihm gewaltige Angst, denn er ist zwar Opa, hat aber keine Ahnung von Kindern, den wahren Monstern, die immer nur Blödsinn im Sinn haben. Und außerdem: Wie lange muss sich überhaupt ein Vampirkind Zähne putzen? Doch mit einem Vorrat an Blutorangen-Tee und Blutgummibärchen wird es schon gut gehen. Und die Enkelkinder Globine, die Kleinste, sowie ihre Schwester Vira und Bruder Rhesus lassen sich gerne davon ablenken, Unsinn zu machen, wenn Graf Vlad Dracula Geschichten aus seinem Leben zum Besten gibt. Und diese Geschichten haben es in sich, glaubt es mir!

Der Coppenrath Verlag schafft es immer wieder zu beeindrucken mit großartig gestalteten, aus dem Rahmen des Üblichen herausstechenden Büchern. Da wird nicht billig produziert, sondern liebevoll ins Detail gehend die Einmaligkeit des jeweiligen Buches herausgearbeitet. Memento Monstrum wirkt wie ein Buch aus einer ganz, ganz alten Bibliothek, mit Ledereinband, mit Golddruck, mit Prägung, mit Stockflecken auf den Innenseiten. Und mit Illustrationen, die so unfassbar lebendig, mit beeindruckender Farbenfülle und Ausdrucksstärke gestaltet sind, dass auch die schrecklichsten Monster einen Niedlichkeitsfaktor haben, der nicht mehr zu überbieten ist. Wiebke Rauers, Illustratorin und Ideengeberin, hat sich da schlichtweg selbst übertroffen.
Die Geschichten in der Geschichte sind überraschend und enthalten unaufdringlich kluge Botschaften. Für kindliche Leser sind sie spannend, aufregend, lustig, herzanrührend. Für erwachsene Leser zeigen sich die Geschichten ideenreich, doppelbödig, mit zahlreichen literarischen Anspielungen und intelligentem Humor versehen. Ich könnte endlos weiter schwärmen, endlos viele geniale Details aufzählen, und würde dennoch dem Buch nicht in vollem Umfang gerecht werden können. Deshalb meine dringende Empfehlung: Nehmen Sie es selbst in die Hand!

Denn Memento Monstrum ist das schönste, das hinreißendste, das witzigste, das ideenreichste Buch, für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet, das ich seit langem in Händen hielt.

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Veröffentlicht am 03.10.2020

Unterhaltsam, aber nicht spannend

Eiskalte Provence
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Pierre Lagrange, französisch anmutendes Pseudonym von Sven Koch, war mir bislang unbekannt. Obwohl das vorliegende Buch Band 6 einer Reihe um Albin Leclerc ist, hatte ich keine Mühe, mich in die beschriebenen ...

Pierre Lagrange, französisch anmutendes Pseudonym von Sven Koch, war mir bislang unbekannt. Obwohl das vorliegende Buch Band 6 einer Reihe um Albin Leclerc ist, hatte ich keine Mühe, mich in die beschriebenen Szenarien hineinzufinden und mich mit den Protagonisten bekannt zu machen. Dank der großen Schrift war das Buch unangestrengt zu lesen.
Vorweihnachtszeit in der Provence. Eine junge Frau wird tot aufgefunden, gekleidet und geschmückt wie eine Braut, entsetzlich verstümmelt. Albin Leclerc, der Ex-Kommissar, wird von seinen ehemaligen Kollegen um Hilfe gebeten und ist froh, so den anstrengenden Weihnachtsvorbereitungen zu Hause entkommen zu können. Doch seine Nachforschungen, die ihn direkt zu einer brandgefährlichen Sekte führen, kosten ihn beinahe das Leben…
Der Plot als solcher ist gut durchdacht und erschließt sich dem Leser in seinen Zusammenhängen erst nach und nach, was den Leser durchaus zum Weiterlesen animiert. Allerdings konnte ich mich mit keinem der Protagonisten wirklich anfreunden, denn sie blieben emotional zu wenig greifbar und wurden psychologisch recht klischeehaft gezeichnet. Zwar gibt es einen temporeichen Showdown, der trotz seiner Unglaubwürdigkeit spannend zu lesen ist. Aber generell fehlt es dem Buch an Spannung. Zu viele breit ausgeschmückte Nebensächlichkeiten bremsen den Fortgang der Geschichte. Die winterliche Provence atmosphärisch zu erleben, gefiel mir gut. Schade nur, dass das Ende so in Kitsch abgleitet. Das hat Tyson, der Mops, nicht verdient.

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Veröffentlicht am 29.09.2020

Vielleicht eher eine Männerlektüre

Final Control
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Wenn ein Autor Hochschulprofessor und Redner für Corporate Storytelling ist, überhaupt einen beeindruckenden Lebenslauf vorweist, zudem mit einer Rechtsmedizinerin verheiratet ist, kann man davon ausgehen, ...


Wenn ein Autor Hochschulprofessor und Redner für Corporate Storytelling ist, überhaupt einen beeindruckenden Lebenslauf vorweist, zudem mit einer Rechtsmedizinerin verheiratet ist, kann man davon ausgehen, dass seine Bücher reichlich mit Hintergrundwissen gefüttert und strategisch raffiniert konstruiert sind. Und so besticht auch in diesem Buch wiederum gründliche Recherche kombiniert mit persönlicher Erfahrung, in Form gebracht in einer spannenden Erzählweise.

Im vorliegenden Politthriller, der uns inhaltlich näher rückt als wir es wollen, geht es letztlich um die totale digitale Überwachung. Da ist der Milliardär Dairon Arakis, und da ist Tom, der dringend einen Investor braucht. Während die Welt schier vor die Hunde geht, insbesondere Europa direkt vor einem Bürgerkrieg steht, bietet Arakis die scheinbar einzige Lösung an, nämlich eine chinesische Sicherheitstechnologie. Doch hieße das nicht, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben?

Als durchschnittlich gebildete Leserin kann ich nicht abschätzen, ob die Bilder, die Veit Etzold hier entwirft, nicht allzu klischeehaft skizziert sind. Zumindest muten sie mich so an. Ist Europa wirklich im Vergleich zur chinesischen Macht so träge-dummdöselig? Und wieso wird ein Bodyguard mit schier überirdischen Karate-Kräften so einfach ausgetrickst? Dies nur zwei kleine Beispiele von Szenen, die mich im Buch nicht überzeugen konnten. Davon gab es etliche. Was mich außerdem nervte, war die Überflutung von Insider-Fachwörtern wie „Non-Disclosure-Agreements“ oder „Pitch“ oder „Heatmaps“ und viele andere. Ich hatte keine Lust, ständig zu googeln, was damit gemeint ist. Der Autor mit dem beeindruckenden Wissenshintergrund hält sich im Buch mit diesem vielfältigen Wissen nicht zurück. Das macht das Buch besonders, denn es gibt nicht nur Thrillerspannung mit einem Schuss Science Fiction, mit politischer Brisanz garniert. Sondern wir lernen auch zum Beispiel, wie, wo und warum das Buch „Frankenstein“ von Mary Shelley entstanden ist. Also kurz gefasst: Es gibt allerlei Klischees, unglaubwürdige Szenen, sich wiederholende Bonmots, viele Fachwörter und Wissensüberladung. Aber es gibt durchaus auch realitätsnahe Spannung. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass Veit Etzold eher für männliche Leser schreibt…

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