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Veröffentlicht am 10.07.2023

Interessante Welt, zu unbedachte Protagonistin

Almost a Fairy Tale - Verwunschen
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Strenge Überwachung, eingeschränkte Rechte von Magischen, anschwellende Konflikte und Parteien, die ihre ganz persönlichen Absichten verfolgen: In„Almost A Fairy Tale“ geht es nicht unbedingt idyllisch ...

Strenge Überwachung, eingeschränkte Rechte von Magischen, anschwellende Konflikte und Parteien, die ihre ganz persönlichen Absichten verfolgen: In„Almost A Fairy Tale“ geht es nicht unbedingt idyllisch zu.

Die Idee dystopische Elemente mit Märchen zu verknüpfen, hat mir richtig gut gefallen. In der Geschichte stecken neben z. B. Drachen, Hexen, Feen, Trollen und Riesen aber auch technische Aspekte, z. B. Laserwaffen, sowie chemische Experimente. Der Mix kam mir stellenweise etwas chaotisch oder zumindest nicht immer stimmig miteinander verbunden vor. Grundsätzlich waren aber coole Ansätze darunter.

Außerdem bekommen wir Einblicke in die Vorkommnisse abseits von Natalies Erlebnissen. Da eine Nebenfigur für mein Empfinden deutlich interessanter war, habe ich mich über die kurzen Unterbrechungen gefreut. Erwähnenswert ist hierbei vlt. noch, dass die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird.

Ein wenig schade finde ich, dass sich beim Lesen keine Bilder im Kopf einstellen wollten. Die Welt war vielversprechend, aber die Handlung nicht immer stimmig damit verbunden. Darunter hat die Atmosphäre für mich etwas gelitten, obwohl durchaus Spannung aufkommt.

Außerdem gibt es zwei allgemeine Punkte, mit denen ich Schwierigkeiten hatte. Zum einen werden häufiger geballt kopflose Entscheidungen getroffen, sodass klar ist, was als Nächstes passieren wird – nämlich das, was zum größten Drama führen wird. Hierzu zählt zu Beginn z. B.:

▫️ Die Existenz der Familie steht auf dem Spiel, die Presse ist involviert: Statt die Füße stillzuhalten, lieber einen Blogartikel schreiben, der ggf. Öl ins Feuer gießt.
▫️ Ein beunruhigender Anruf mit der Botschaft auf keinen Fall zurückzukommen: Am besten ohne Plan loslaufen.
▫️ Es kommt zu einem Unglück, die Täter:innen lungern noch in einem Van in der Nähe herum… Vielleicht ist das nicht geläufig, aber wenn ihr zum Zeitpunkt der Tat nur durch Zufall abwesend wart, ist es fragwürdig, loszurennen, um diese allein zur Rede zu stellen.
▫️ Eine verletzte Jugendliche zu einer Verfolgungsjagd mitnehmen? Logisch, was soll da schon passieren!

Zum anderen hat mir die Art, wie Informationen an die Leser:innen weitergegeben werden, zum Teil weniger zugesagt (= Gespräche, die die Charaktere eigentlich nicht führen dürften, weil ihnen die Informationen zumindest in ihren Grundzügen bekannt sein müssten) und die Logik ab und an geschwächelt.

Trotz dieser Einschränkungen hat mir das Buch durchaus Spaß gemacht! Es wurden einige interessante Stränge miteinander verwoben, die neugierig auf den zweiten Band machen. Außerdem möchte ich unbedingt wissen, wie es mit Jolly & Paige weitergeht. Die beiden haben die Geschichte für mich getragen. 🐍

Wenn ihr etwas abgedrehte Lektüre sucht und euch die Liebesgeschichte der Hauptfiguren weniger wichtig ist – es gibt aber ein interessantes Nebenfiguren-Paar –, solltet ihr euch die Dilogie mal näher anschauen.

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Veröffentlicht am 06.07.2023

Gebündelter Einstieg in True-Crime

stern Crime - Wahre Verbrechen
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„Unheimlich“, das Sommerbuch der stern Crime, bündelt insgesamt dreizehn Fälle und wurde mir von einer Kollegin empfohlen.

Es sind sowohl gelöste als auch ungelöste Fälle darunter, was mich überrascht ...

„Unheimlich“, das Sommerbuch der stern Crime, bündelt insgesamt dreizehn Fälle und wurde mir von einer Kollegin empfohlen.

Es sind sowohl gelöste als auch ungelöste Fälle darunter, was mich überrascht hat. Ich hatte – warum auch immer – erwartet, dass uns stets auch die Lösung des Falls präsentiert wird. 🔍

Einige Tathergänge waren für mich so überraschend, dass ich sie in einem Film als an den Haaren herbeigezogen abgetan hätte, das war z. B. bei „Was geschah mit meinem Mann? Es war schwer herauszufinden, wie Greg starb. Und noch schwerer, wer ihn tötete.“ der Fall. Gleichzeitig wird auch eine gewisse Fehleranfälligkeit der Ermittlungen gezeigt, wenn das mentale Modell der Tat schon feststeht. In anderen Fällen werden auch weitere strukturelle Probleme thematisiert. Bei „Lars: Vermisst“ ist der Bericht für mich ein einziges großes Fragezeichen, vor allem die letzten Anmerkungen. Dazu hätte ich gerne noch ein Statement gelesen. Zu „Der Wächter. Es schien das perfekte Heim für die Familie zu sein. Bis diese Briefe kamen.“ gibt es auf Netflix eine Serie, die sich eher lose an dem Fall orientiert. Ich habe sie noch nicht gesehen, werde aber auf jeden Fall reinschauen.

Die kurzen Beschreibungen aus den jeweiligen Fällen und den Ermittlungen in Kombination mit verschiedenen Fotos oder Aufzeichnungen sowie gesellschaftlichen Einordnungen waren sehr interessant. Vor allem bei den älteren Taten und den damit verbundenen eingeschränkten Ermittlungsmöglichkeiten bin ich generell oft erstaunt, wie Täter:innen überführt werden konnten und wie lange sich einige Ermittlungen ziehen. Ich hätte es allerdings begrüßt, wenn nicht beinahe alle Fälle Mordfälle gewesen wären. Aufgefallen sind mir außerdem die regelmäßigen Bezüge zu „Aktenzeichen XY… ungelöst“ – ist das üblich?

Bei Serien und Filmen, die sich historischen Fällen widmen, interessiert mich der Blick auf das „Warum“ der Tat. Die Zusammenstellung hat für mich nochmal unterstrichen, dass es manchmal vielleicht gar keinen Grund gibt.

Veröffentlicht am 27.06.2023

Überzeugend anders

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
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Während mich andere Neuerzählungen eher enttäuscht haben, konnte mich Stone Blind sehr begeistern. Eine der Szenen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist diese hier:

»Und wer bist du, zu ...

Während mich andere Neuerzählungen eher enttäuscht haben, konnte mich Stone Blind sehr begeistern. Eine der Szenen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist diese hier:

»Und wer bist du, zu entscheiden, wer ein Monster ist?« […] »Sie haben Schlangen als Haare!« »Schlangen sind keine Monster« »Und Stoßzähne.« »Wildschweine sind auch keine Monster.« »Und Flügel.« »Ich bin sicher, nicht einmal du glaubst, dass Vögel Monster sind.«

Allerdings gab es anfangs eine gewisse Lücke zwischen dem von mir erwarteten Inhalt und der tatsächlichen Geschichte. Ich dachte nicht, dass es um das große Ganze mit neuen Perspektiven geht, sondern eher um Medusas Sicht und ihre Gedanken sowie Gefühle. Letztendlich hat es mir in der Form aber vielleicht sogar besser gefallen. Mich haben nicht nur die Schicksale der beteiligten Frauen gepackt, sondern auch die vielen verschiedenen Handlungen, die einander überlappen und ergänzen. Medusas Schicksal wird so ein Zusammenspiel aus vielen kleineren Teilen und das Ergebnis unterschiedlicher Entscheidungen und Handlungen – kaum eine ist allerdings von ihr. Fest damit verbunden sind Themen wie Macht & Machtlosigkeit, Opferbereitschaft & Zusammenhalt sowie – zumindest für mich als Leserin – eine Portion Wut.

Wenn ihr in griechischer Mythologie nicht so fit seid, ist das hier übrigens überhaupt kein Problem! Ich kann mir allerdings vorstellen, dass der oft weniger blumige Schreibstil für einige gewöhnungsbedürftig sein könnte – ich habe die Art des Erzählens aber als passend empfunden. Auch die Darstellung der Göttinnen und Götter kam mir authentisch vor.

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Veröffentlicht am 22.06.2023

Witzige Idee, aber nicht mein Fall

The Unhoneymooners – Sie können sich nicht ausstehen und fliegen gemeinsam in die Flitterwochen
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Fehlende Kommunikation und gehäufte Zufälle – stört ihr euch daran?

The Unhoneymooners liest sich wie ein typischer Film, der bei der Ladies Night im Kino läuft. Allerdings hätten sowohl das Drama durch ...

Fehlende Kommunikation und gehäufte Zufälle – stört ihr euch daran?

The Unhoneymooners liest sich wie ein typischer Film, der bei der Ladies Night im Kino läuft. Allerdings hätten sowohl das Drama durch fehlende Kommunikation als auch die sich häufenden Zufälle, die Schwung in die Geschichte bringen sollten, etwas durchdachter sein können.

Der ganze Plot wäre nicht möglich gewesen, wenn nur eine der beteiligten Personen wenigstens ein Konfliktthema angesprochen hätte. Zeit genug wäre gewesen: Die Probleme ziehen sich nicht schon seit Tagen oder Wochen, sondern seit 2,5 Jahren! Ungeklärte Missverständnisse und „Ein eigenes Bild mache ich mir einfach mal nicht“ sind für mich als Ausgangspunkt für Enemies-to-Lovers eher nichts – ich brauche für beide Teile plausible Gründe. Hier sind es bloß Käsebällchen und fehlendes Rückgrat.

Olive ist zurückhaltend, tollpatschig und redet zu viel, wenn sie nervös ist. Außerdem werden ihre formidablen Brüste betont. Ethan ist hingegen vermeintlich unnahbar und zynisch. Je näher wir ihn kennenlernen, desto stärker waren meine Daumen im Geheimen für kein Happy End gedrückt – bzw. eines bei dem er nicht beteiligt ist. So ein kleiner Tauchunfall…

Ein paar Szenen waren schmunzelwürdig, die Referenzen fand ich tendenziell weniger gelungen:

„ᴇᴛʜᴀɴ, ɪᴄʜ ʙɪɴ ᴇɪɴᴇ sᴄʜʀᴇᴄᴋʟɪᴄʜᴇ ʟüɢɴᴇʀɪɴ.“ „ᴡɪʀᴋʟɪᴄʜ? ᴅᴀs ʜᴀsᴛ ᴅᴜ ᴀʙᴇʀ ɢᴜᴛ üʙᴇʀsᴘɪᴇʟᴛ.“ „ᴅᴀs ᴡᴀʀ ɴᴏᴄʜ ɴɪᴇ ᴍᴇɪɴᴇ sᴛäʀᴋᴇ, ᴏᴋᴀʏ? ᴅɪᴇᴊᴇɴɪɢᴇɴ ᴜɴᴛᴇʀ ᴜɴs, ᴅɪᴇ ɴɪᴄʜᴛ ᴅᴀs ᴅᴜɴᴋʟᴇ ᴍᴀʟ ᴇɪɴᴛäᴛᴏᴡɪᴇʀᴛ ʜᴀʙᴇɴ, ɴᴇɴɴᴇɴ ᴇʜʀʟɪᴄʜᴋᴇɪᴛ ᴇɪɴᴇ ᴛᴜɢᴇɴᴅ.“

Auch die Anziehung zwischen den beiden konnte ich überwiegend nicht nachempfinden, sodass die Geschichte bei mir auf recht verlorenem Posten stand.

Das riesige „Es könnte alles zerstören“-Drama am Ende war für mich vor dem Hintergrund aufgedeckter Probleme absolut unverständlich.

Für mich war's leider nichts, dafür hat es anderen ganz wunderbar gefallen.

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Veröffentlicht am 22.06.2023

Sonnenmagie & Found Family

Rayana und die Sonnenkinder von Sol-Dhana
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𝘝𝘦𝘳𝘨𝘪𝘴𝘴 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵: 𝘋𝘢𝘴 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘪𝘴𝘵 𝘯𝘪𝘦𝘮𝘢𝘭𝘴 𝘨𝘦𝘳𝘦𝘤𝘩𝘵.

Rayana hat zum letzten Mal die Chance sich als „wahres Sonnenkind“ zu beweisen, um als Sol-Soldatin ausgebildet zu werden. Doch während ihr bester Freund ...

𝘝𝘦𝘳𝘨𝘪𝘴𝘴 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵: 𝘋𝘢𝘴 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘪𝘴𝘵 𝘯𝘪𝘦𝘮𝘢𝘭𝘴 𝘨𝘦𝘳𝘦𝘤𝘩𝘵.

Rayana hat zum letzten Mal die Chance sich als „wahres Sonnenkind“ zu beweisen, um als Sol-Soldatin ausgebildet zu werden. Doch während ihr bester Freund einen Platz an der Akademie bekommt und das Waisenhaus verlässt, wird sie als unbeschienen klassifiziert. Plötzlich auf sich allein gestellt, sucht sie nach Möglichkeiten, um ihren Traum trotz aller Widerstände wahr werden zu lassen.

Das Leben in Sol-Dhana dreht sich nahezu vollständig um die Sonne. ☀️ Sonnenzyklen und -verläufe werden als Zeiteinheiten genutzt, es gibt verpflichtende Sonnengebete und auch die Redewendungen fußen auf Licht und Schatten. Außerdem ist die Gesellschaft gemäß der Affinität zur Sonnenmagie unterteilt. Unbeschienene machen zwar rund die Hälfte der Bevölkerung aus, müssen jedoch zahlreiche Einschränkungen hinnehmen. Zusätzlich gibt es einige Regeln und Verbote. So ist es z. B. untersagt, sich vor Sonnenaufgang draußen aufzuhalten.
Obwohl ich die ganzheitliche Ausrichtung einer Stadt auf die Sonne sehr spannend finde, war der Einstieg in die Gebräuche und Abläufe etwas schwerfällig. Gerade zu Beginn habe ich mich z. B. gewundert, wie sich die Stadt versorgt, wenn sämtliche Wetterphänomene ferngehalten werden. (Geduld ist eine Tugend – viele offene Fragen werden im Verlauf beantwortet. 🤫 Und ein Glossar gibt es auch!)

Die Geschichte ist mit einer ordentlichen Portion Glück bzw. anderen Menschen, die Rayana großzügig Starthilfe geben, verbunden. Ich hätte mir etwas mehr Eigenleistung gewünscht – das gilt auch für die Auflösung eines der größeren (recht offensichtlichen) Geheimnisse. Die Freundschaften kamen mir zwar vorschnell getroffen vor, es war aber schön zu beobachten, wie Rayana zunehmend aufblüht. 🫶🏻 Ich glaube, dass sie gerade für jüngere Leser:innen sehr nahbar ist.

Insgesamt eine interessante Jugendfantasy, die Dystopieherzen erfreuen dürfte. Mir haben vor allem die actionreichen Szenen der letzten 10% gut gefallen!

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