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Veröffentlicht am 22.05.2023

Lässt sich der Augenblick bestimmen, in dem sich ein Leben ändert?

Mothers
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Mothers stellt Figuren in den Mittelpunkt, die damit hadern zu sich selbst und/oder zu anderen eine Verbindung herzustellen. Es geht um eigene und fremde Erwartungen, zwiespältige Gefühle sowie Entscheidungen, ...

Mothers stellt Figuren in den Mittelpunkt, die damit hadern zu sich selbst und/oder zu anderen eine Verbindung herzustellen. Es geht um eigene und fremde Erwartungen, zwiespältige Gefühle sowie Entscheidungen, die alles oder aber nichts verändern könnten. Hierzu zählen zum Beispiel diese beiden im Klappentext angeteaserten Geschichten: „Auf einer Wanderung durch britisches Hügelland stellt ein frischverliebtes Paar fest, dass sie einander nicht genug mögen, um sich besser kennenlernen zu wollen. Eine Tochter kommt ihrer Mutter, die längst aus ihrem Leben verschwunden ist, nirgendwo so nahe wie in einem zerfledderten Reiseführer von Europa.“

Drei der insgesamt zehn Kurzgeschichten spiegeln einen Ausschnitt des Lebenswegs einer Person und ihrer Mitmenschen wieder, die anderen sind davon unabhängig. Rückblickend finde ich die zusammenhängenden Geschichten am interessantesten, vor allem, weil ich trotz Inhaltsverzeichnis nicht darüber gestolpert bin, dass die Teile eins ergeben. Erst als sich Namen gedoppelt haben, hat es „Klick“ gemacht. Man gönnt sich ja sonst keine Überraschungen. 😄

Thematisch war die Sammlung sehr interessant und einzelne Abschnitte haben mich durchaus zum Nachdenken angeregt (oder schlicht aufgeregt), allerdings kann ich nicht sagen, dass mich alle Geschichten noch nachwirkend länger beschäftigt hätten. Das könnte auch daran liegen, dass sich mir einige Teile nicht gänzlich erschlossen haben bzw. mich emotional nicht einfangen konnten. Allerdings ist das vielleicht auch gar nicht nötig. ☺️

„Könnte ich zu jenem Menschen zurückkehren und mit ihm reden, würde ich ihm sagen, öffne jede Tür, an die du kommst, solange du Gelegenheit dazu hast; es gibt nicht so viele, wie du denkst.“

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Veröffentlicht am 22.05.2023

Nicht mein Buch

Southern Gothic - Das Grauen wohnt nebenan
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Southern Gothic ist ein sehr eigenwilliges Buch. Ich hatte auf subtilen atmosphärischen Grusel gehofft, bekommen habe ich vorwiegend abstrusen Ekel im Vorstadt-Alltag mit traditionellen Geschlechterrollen ...

Southern Gothic ist ein sehr eigenwilliges Buch. Ich hatte auf subtilen atmosphärischen Grusel gehofft, bekommen habe ich vorwiegend abstrusen Ekel im Vorstadt-Alltag mit traditionellen Geschlechterrollen und Diskriminierung. 🍂

Ich konnte mich darauf nicht so recht einlassen, aber starten wir erstmal mit einem Aspekt, der mir gut gefallen hat: Der Buchclub! Der Wechsel von „Das muss man aber gelesen haben und gefallen muss es dir auch, das ist immerhin Weltliteratur!“ hin zu „Wir lesen, was uns gefällt“ hat mir direkt zu Beginn des Buches ausgesprochen gut gefallen und war ein schöner Reminder Bücher nicht nach Fremderwartungen auszuwählen. Lest, was ihr wollt. 🎊Außerdem bringt die Konstellation der Frauen eine gewisse Eigendynamik mit sich. Spätestens wenn sie in ihren Diskussionen zu einem Serienmörder erst eine Brücke zu Vegetarismus und dann zu Diktatoren schlagen, weiß man, dass man sich auf ein spezielles Buch eingelassen hat.

Nach ungefähr 2/3 des Buches habe ich mich allerdings geschlagen gegeben. 🏳️ Zum einen hat es mich nicht gepackt, weil für mich weder Atmosphäre noch Spannung aufkamen, zum anderen weil der Alltag der Figuren doch sehr langatmig war und mir der „privilegierte Hausfrau eilt zur Rettung der benachteiligten Bevölkerung“-Aspekt Unbehagen bereitet hat. Für mich war es außerdem erschlagend, dass die Männer entweder räumlich abwesend sind oder ihre Frauen kleinhalten, während diese sich wiederum ausschließlich um Haus- und Carearbeit kümmern und dabei von denjenigen unterstützt werden, die nicht weiß sind. Mir leuchtet ein, dass diese Verhältnisse nicht abwegig sind, aber wenn's schon um Vampire geht, ist vielleicht eine gewisse Flexibilität möglich.

(Die letzten Seiten habe ich zu einem späteren Zeitpunkt doch noch gelesen, gerettet hat es das Buch für mich aber nicht. Das letzte Drittel hat mich stattdessen nachhaltig verstört.)

Wenn man an ganz verrückten Geschichten Freude hat, dann sicher auch an diesem Buch. Ich war insgesamt vor allem verwirrt und unzufrieden.

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Veröffentlicht am 22.05.2023

Wiederholen sich Fehler ohne Erinnerungen an die Vergangenheit?

Die letzte Erzählerin
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2061: Es ist zu spät – die Erde kann nicht mehr gerettet werden. Ausgewählten Personen, darunter auch Forschende wie Petras Eltern, wird ein Ausweg angeboten: Eine dreihundert Jahre andauernde Reise in ...

2061: Es ist zu spät – die Erde kann nicht mehr gerettet werden. Ausgewählten Personen, darunter auch Forschende wie Petras Eltern, wird ein Ausweg angeboten: Eine dreihundert Jahre andauernde Reise in Stasekapseln zu einem erdähnlichen Planeten, der neu besiedelt werden soll.

Jahrhunderte später: Petra erwacht. Doch statt eines hoffnungsvollen Neuanfangs erwartet sie das Streben nach absoluter Gleichheit und blindem Gehorsam. Petra ist die Letzte, die sich an die Erde, die Erzählungen und ihre Familie erinnern kann...

Die Übersetzung war großartig und der Einbezug der verschiedenen Cuentos (Geschichten) wunderschön. Besonders der Aspekt, dass Petra die Geschichten zu ihren eigenen macht und sich als Erzählerin entscheidet, ob sie mit ihrer Geschichte den gleichen Weg einschlagen will, wie die Version, die sie gehört hat, hat mir gut gefallen. Nichts ist unumstößlich. Auch keine Geschichte.

Dass Petras Sehkraft durch eine Erkrankung eingeschränkt ist und sie sich dadurch bei einigen Abläufen, an die sehende Personen keine Gedanken verschwenden müssen, auf ihre Rettungsnetze verlassen oder alternative Möglichkeiten finden muss, hat mich sehr bewegt. Zum einen ist mir als Kind kaum ein Buch begegnet, in dem eine schlechtere Sehkraft eine größere Rolle gespielt hätte – außer dass z. B. Brillenträger:innen oft schlau und/oder Außenseiter:innen waren – und zum anderen zeigt Petra, dass sie ebenso mutig und einzigartig wie alle anderen ist. Ihre Einschränkung ist nicht der Grund ihrer Besonderheit, sondern ihre Leidenschaft fürs Erzählen. Solche Charaktere hätte ich früher gebraucht.

Das Einzige, das ich etwas bedaure, war das Tempo von Petras Entdeckungen. Die Erzählung war sehr gradlinig und nach kürzester Zeit sind Probleme behoben, Geheimnisse gelüftet und die abschließende Entscheidung getroffen.

Ich glaube, dass die Geschichte Leser:innen jedes Alters bewegt, wenn ggf. auch an unterschiedlichen Stellen. Mein jüngeres Ich hätte aufgrund der sensiblen Themen (z. B. Verlust) aber auch einigen Redebedarf.

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Veröffentlicht am 22.05.2023

Ruhiger und eindringlicher als erwartet

Liliths Töchter
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Tel Aviv. Kinderlose Frauen werden ermordet und nach ihrem Tod in Szene gesetzt: Eine Babypuppe zwischen die Hände geklebt, das Wort Mutter auf die Stirn geritzt. Sheila kennt die Toten: Ist sie selbst ...

Tel Aviv. Kinderlose Frauen werden ermordet und nach ihrem Tod in Szene gesetzt: Eine Babypuppe zwischen die Hände geklebt, das Wort Mutter auf die Stirn geritzt. Sheila kennt die Toten: Ist sie selbst die Nächste oder doch die Täterin?

"Letztendlich wollen wohl alle Mütter werden, das heißt, alle normalen Frauen wollen es. Was sagt das wohl über dich aus?"

Es geht um Erwartungen, nicht nur die eigenen, sondern auch die von anderen sowie gesellschaftliche Ideale. Unterstellter Egoismus, Unglauben, Missbilligung oder abfällige Bemerkungen werden ebenso thematisiert wie mögliche Selbstzweifel: Täuscht mich mein Gefühl doch? Werde ich meine Entscheidung später bereuen?

Gelungen, wenn auch manchmal irritierend, fand ich den Umstand, dass ich Sheilas Einstellungen nicht immer festmachen konnte. Hat sie Entscheidungen bewusst getroffen? Hätte sie einige davon gerne rückgängig gemacht? Im Kontext des Buches habe ich diese Ambivalenz als mögliche Sichtbarmachung der Verzahnung von eigenen und fremden Wünschen empfunden, möglicherweise ist sie aber auch nur ein etwas anstrengender Charakter. 😬

Zudem werden Religion und Feminismus gemeinsam thematisiert, wobei die Interpretationen von Frauenfiguren (bzw. Mutterschaft und ihr Platz in der Gesellschaft) eine größere Rolle spielen. Für mich war dieser Aspekt sehr interessant und hätte gerne noch mehr Platz einnehmen dürfen.

Dass sich die recht überspitzt dargestellten Frauentypen nicht über den Weg trauen, einander nicht nur im Stillen bewerten, sich übertrumpfen und ausstechen wollen, hat zu der Art der Geschichte gepasst, wenigstens eine echte Verbindung hätte ich allerdings gerne gesehen. Gleichzeitig zeigt es aber auch, wie viel Macht jeden Tag in unseren Händen liegt.

Letztendlich hat mir die Idee wahnsinnig gut gefallen, auch wenn mir die Botschaften nicht immer eindeutig waren. Aufgrund der fehlenden Vertrautheit mit Israels Kultur und Gesellschaft kann ich mir z. B. gut vorstellen, dass mir einige wohlüberlegte Feinheiten verborgen geblieben sind. Eine Leserunde wäre super hilfreich gewesen!

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Veröffentlicht am 22.05.2023

Die Sprache der Blumen

Vanitas - Schwarz wie Erde
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Geheime Botschaften und verborgene Hinweise: Wie würdet ihr eine Nachricht verschlüsseln, die kein Aufsehen erregen darf?

"Immer, wenn die Angst zurückkehrt, sehe ich mir Fotos meiner eigenen Beerdigung ...

Geheime Botschaften und verborgene Hinweise: Wie würdet ihr eine Nachricht verschlüsseln, die kein Aufsehen erregen darf?

"Immer, wenn die Angst zurückkehrt, sehe ich mir Fotos meiner eigenen Beerdigung an."

Für Carolin, deren Name bis vor einem Jahr noch ein anderer war, ist jeder Tag ein Spießrutenlauf, nachdem ihre Tarnung aufgeflogen und die Inszenierung ihrer eigenen Beerdigung nötig war. Inzwischen arbeitet sie in einem Blumenladen am Zentralfriedhof in Wien und setzt alles daran, unsichtbar zu bleiben. Sie scheint vorerst sicher zu sein – bis jemand eine Nachricht vor ihrer Tür hinterlässt: Eine einzelne Narzisse und Distel, zusammengebunden mit Paketschnur. Es ist eine Drohung und sie weiß, von wem sie kommt.

Der Einstieg in die Geschichte ist eher gemächlich und in Kombination mit der verängstigten Protagonistin war es für mich anfangs etwas zäh. Während mir einige Entscheidungen und Verhaltensmuster einleuchtend erschienen, konnte ich anderen nicht so recht folgen. Carolin kam mir stellenweise deutlich zu unüberlegt vor, wobei einige (Übersprungs-)Handlungen ggf. auch auf ihre traumatischen Erlebnisse zurückzuführen sind.

Die „Blumengrüße“ haben leider einen kleineren Anteil an der Geschichte ausgemacht als ich es gehofft hätte. Es war trotzdem ein sehr interessanter Ansatz, den ich in Thrillern so noch nicht gesehen habe. Auch ein paar andere Geheimnisse haben mir ziemlich gut gefallen. Eines habe ich recht spät entdeckt & mich gewundert, wie mir das entgehen konnte. Sowas liebe ich!

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Geschichte gleichzeitig zu langsam und zu schnell war. Stellenweise passiert sehr viel auf wenigen Seiten, was im ersten Moment nichts zur Handlung beiträgt, während einige Puzzleteile mehrmals zum Greifen nah waren. Das Ende war voller Auflösungen, für meinen Geschmack etwas zu geballt.

Falls ihr euch nun direkt ans Werk machen wollt (liebe) Botschaften zu überbringen: Denkt daran, dass nicht nur die Blume, sondern auch ihre Farbe eine Rolle spielt.

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