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Veröffentlicht am 26.09.2019

Jugendliebe - Über das Finden und sich wieder verlieren, das große Glück und den tiefen Fall

Den Himmel stürmen
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In Paolo Giordanos Roman "Den Himmel stürmen" besucht Teresa, wie jedes Jahr in den Sommerferien, ihre Oma in Apulien. Eigentlich ein sehr ruhiger Ort und für das Mädchen scheint das Leben dort oftmals ...

In Paolo Giordanos Roman "Den Himmel stürmen" besucht Teresa, wie jedes Jahr in den Sommerferien, ihre Oma in Apulien. Eigentlich ein sehr ruhiger Ort und für das Mädchen scheint das Leben dort oftmals still zu stehen. Doch dies soll sich schleunigst ändern, als sich Bern und Teresa erstmals in die Augen sehen. Bern, Tommaso und Nicola werden auf dem benachbarten Hof von Cesare und seiner Frau sehr isoliert, unter dem Schirm Gottes erzogen. Sie seien eine Art Sekte, so heißt es.

Als Teresa sie dann eines Abends im Pool ihrer Oma entdeckt, ist es um sie geschehen. Teresa wirkt fasziniert von den Jungs und möchte mehr über sie erfahren. Angezogen von Bern, besucht sie die Jungs nun beinahe täglich auf dem Hof. Zwischen den Vieren entwickelt sich zunächst eine Freundschaft und mit den nachfolgenden Sommern entfacht zwischen ihr und Bern auch die erste große Liebe. Als er dann im darauf folgenden Jahr nicht mehr da ist, möchte Teresa von Apulien nichts mehr wissen. Sie verlieren sich aus den Augen.
Als Teresas Oma verstirbt und ihr die Villa vermacht ist sie beinahe gezwungen zurückzukehren. Beim Begräbnis taucht Bern wieder auf, die Anziehung entfacht sich neu und es beginnt für Teresa ein neues, altes Abenteuer. Sie bricht ihr Studium ab, zieht zu Bern und seinen Freunden, die nach dem Verschwinden Cesares den Hof besetzt haben und nur im Einklang mit der Natur leben wollen. Am Rande der Legalität setzen sie sich für die Freiheit von Tieren und insbesondere für Olivenbäume ein. Doch alles scheint sich mehr und mehr zuzuspitzen bis Teresa am Ende beinahe alles verliert. Aus dem einstigen Abenteuer, wird ein Kampf um die Existenz, um Freundschaft und vor allem um Verständnis.

Dieses Buch nahm mich mit auf eine Reise. Eine Reise über 20 Jahre hinweg, in ein fremdes Leben, das ganz und gar nicht einfach erscheint und im Vergleich zu meinem gänzlich verschiedenen ist.Teresa und Bern, eine blinde Liebe, die normalerweise schöner nicht sein könnte, aber hier oftmals zur Genervtheit meinerseits führte. Gerade Teresas Naivität und das Hinterherlaufen mit der rosaroten Brille, die ihr ganzes Leben durcheinander bringt, fernab von Sinn und Verstand empfand ich häufig als sehr schwierig - nicht im Sinne vom Lesen und Verstehen, sondern vom Menschlichen aus betrachtet. Dennoch verursachten die Handlungen und Gespräche mit und um sie herum ein sehr emotionales Erlebnis aus Mitfreude, Hoffnung, Trauer, Frust und Wut. Giordano hat es geschafft im Rahmen dieser Geschichte ein Wechselspiel aus Sehnsucht, Nähe, Verlust, Angst, Vertrautheit und einen Hauch Glauben und Beständigkeit einzufangen, umgeben von der Weisheit und Liebe der Familie und der Großmutter Teresas. Die Aufs und Abs machen diese Geschichte so spannend möglich. Sie ist wie das Leben selbst. Für mich war hier kein Wort zu viel, keine Handlung zu wenig. Giordano hat mich mit seiner Geschichte in den Bann gezogen, denn wenn er etwas kann, dann Gefühle und Stärke in einzelne Worte und Umschreibungen zu packen, die manchmal erst etwas brauchen, bis sie ihre gesamte Wirkung entfalten und einen gänzlich aufwühlen.
Es ist ein Roman, für alle, die etwas mit Empathie, Gefühlen und Liebe anfangen können, fern ab von schnulzigen Happy Ends, mit großartigen Wendungen und einem großen Geheimnis.

Veröffentlicht am 26.09.2019

Wenn Liebe versagt, Hass gezüchtet und Alkohol als Sieger hervorgeht...

Ich wollte Liebe und lernte hassen!
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Was würde passieren, wenn du eine furchtbare Kindheit hättest? Du warst Ewigkeiten krank und an dein Bett gefesselt. Was, wenn dich täglich Gedanken plagen, du könntest wieder etwas falsch gemacht haben? ...

Was würde passieren, wenn du eine furchtbare Kindheit hättest? Du warst Ewigkeiten krank und an dein Bett gefesselt. Was, wenn dich täglich Gedanken plagen, du könntest wieder etwas falsch gemacht haben? Ein falsches Wort und deine Eltern streiten sich wieder und du warst die Petze! Und was, wenn du statt Liebe nur Schläge und oft sogar Hass zu spüren bekommst? Die Arbeit bleibt nämlich an dir und deinen Geschwistern hängen. Und du wirst mit der Peitsche bestraft, wenn etwas nicht zufriedenstellend ist ...

Fritz Mertens erzählt in seinem Buch "Ich wollte Liebe und lernte hassen!" von genau diesen Ereignissen. Doch es ist nicht nur ein einfaches Buch, es ist ein Lebensbericht mit einem dramatischen Hintergrund. Denn der Mann, der sich hinter dem Pseudonym Fritz Mertens verbirgt, hat zwei Menschen auf dem Gewissen. Zweifacher Mord um genau zu sein. Zu diesem Zeitpunkt war er gerade einmal 20 Jahre alt. Der Auslöser? Er wurde wurde mit seiner Geliebten im Bett erwischt, von deren Freund. Fritz greift zum Messer, ersticht beide und zündet sie an.

Wie ein Mensch zu so etwas fähig ist, soll unter anderem der Gerichtspsychiater und gerichtliche Sachverständige Reinhart Lempp 1983 herausfinden. Er bittet den Angeklagten seine Geschichte zu notieren. Das Ergebnis: ein durch und durch aufwühlender Bericht über eine katastrophale Kindheit, fernab sozialer Bemühungen und Halt. Zwischen Krankheit und Misshandlung, Unverständnis und Peitschenschlägen. Man kann zur Geschichte selbst eigentlich gar nicht so viel sagen, außer:



"Ich wollte Liebe und lernte hassen!" ist ein dramatisches Beispiel, wie so ein junges Leben komplett aus der Bahn geraten und psychisch, wie physisch alle Beteiligten mit reinreißen kann. Wenn der Vater Alkoholiker ist, die Mutter jegliches Selbstbild verliert und mit sich und der Welt nicht klar kommt. Und das Schlimme ist: solche Eltern gibt es wirklich. Gänzlich überfordert und nur auf sich selbst bedacht, ohne Rücksicht auf ihre eigenen Kinder. Und alle Beobachter schweigen. Fritz Mertens erzählt so eindrucksvoll von seiner Kindheit und Schulzeit, dass es mir oftmals einfach komplett die Sprache verschlägt. Zu oft geht es mir sehr nah und wühlt mich auf. Man möchte diesem Jungen und seinen drei Geschwistern helfen. Ihn vor seinem Vater und seiner Mutter losreißen, schützen und ihn zeigen, dass alles viel besser sein könnte. Man könnte sich über das gesamte Verhältnis aufregen, man will ihn wachrütteln und zum Abhauen raten. Sich fragen, warum er dies mit sich machen lässt. Man möchte schreien, er möge doch bitte zurückschlagen, ihnen genauso gewaltig antworten und dann fällt einem wieder ein: er ist noch minderjährig, 15, in den wie ich finde schlimmsten Phasen, wobei man hier kaum zwischen schlimm und schlimmer unterscheiden kann. Und es sind seine Eltern, die ihn eigentlich schützen, lieben und erziehen sollen, ihm den Weg ebnen, für ein besseres Leben.

Fritz Mertens reißt einen hinein, in sein Leben, teilt Gefühle, Gedanken und Erlebnisse. Auch wenn es vielleicht nicht die hochliterarischte Form eines Buches ist, ist es vor allem eins: so verstörend und erschütternd nahbar.

Veröffentlicht am 26.09.2019

Der Wunsch nach Veränderung - Im Bann eines fremden Lebens

Farben der Nacht
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"Farben der Nacht" von Davit Gabunia ist ein Roman der mich sehr stark beeindruckt hat. Nicht aufgrund seiner Länge oder Geschichte als solches, eher durch das erschaffene Abbild einer ganzen Gesellschaft. ...

"Farben der Nacht" von Davit Gabunia ist ein Roman der mich sehr stark beeindruckt hat. Nicht aufgrund seiner Länge oder Geschichte als solches, eher durch das erschaffene Abbild einer ganzen Gesellschaft. Grob gesagt geht es in dem Roman nämlich um fünf Menschen auf der Suche nach ihrem Glück, für das sie im Endeffekt alles aufs Spiel setzen - ihr Leben, ihren Glauben und alles um sie herum. Über ein Land im Aufbruch und Wandel, über Aufstände und Machtwechsel, Chancen und Veränderung.

Surab, ein eigentlich glücklicher Mann und Vater zweier Kinder, hat vor einer Weile seinen Job verloren und wird zum Hausmann degradiert. Seine Frau geht arbeiten und er? Er versinkt bekümmert in der Wohnung eines trostlosen Wohnblocks und soll nun auf die Kinder aufpassen, mit ihnen 'blöde' Spiele spielen und sich langweilen. Statt nach einer neuen Arbeit zu suchen, vegetiert er auch noch spät nachts auf dem Sofa vor sich hin und beginnt irgendwann den neuen Nachbar von gegenüber mit seinem roten Alfa Romeo zu beobachten. Auch spät in der Nacht sind die Fenster des Nachbarn noch hell erleuchtet. Surab starrt gebannt auf das fremde Leben und beobachtet das bunte Treiben der Männer auf der anderen Seite. Fast regelmäßig erscheint in dessen Wohnung ein höherer Beamter im Anzug und Surab beobachtet durch das Fenster das homosexuelle Liebesspiel der beiden.

Von Irrsin, Faszination und Aufregung getrieben, beginnt Surab die beiden zu observieren, Fotos zu schießen und diese säuberlich auf dem Rechner abzuspeichern. Er geht auf in der Rolle des Spitzels und sein ganzes Leben scheint sich nur noch darum zu drehen. Eines Tages beobachtet Surab einen furchtbaren Streit zwischen den beiden. Eine Vase fliegt, der Beamte verlässt schnellstens die Wohnung und Surab wittert seine Chance. Eine Chance auf ein besseres Leben. Eine Chance auf Veränderung. Doch nicht nur sein Leben bewegt sich in eine ganz andere Richtung ...

Gabunia erschafft mit seinem Buch ein sehr eindrucksvolles Bild einer Gesellschaft im Wandel. Es ist der Sommer 2012 in dem die Menschen auf die Straße gehen. Ein Sommer, der die Regierung zum Sturz bringt. Es entstehen neue Chancen, Möglichkeiten und Hoffnungen. Surab und seine Familie stehen für mich sinnbildlich für die Perspektivlosigkeit, fernab aller Hoffnung, die aufgrund dramatischer Ereignisse und Veränderungen, neue Möglichkeiten erlangen. Es ist ein literarisch sehr starkes, raffiniertes und spannendes Abbild, dessen Ende ungewiss bleibt.
Was soll ich anderes sagen? Mich hat dieser Roman sehr mitgerissen, bewegt und irgendwie auch betrübt. Gerade diese stets mitschwingende trostlose Vegetation und Schwere, die ich bereits bei "Das Birnenfeld" oder "Das achte Leben (für Brilka)" erlebt habe, macht diesen Roman so wahnsinnig intensiv und faszinierend. Es ist diese Vielschichtigkeit innerhalb dieser Geschichte, die zunächst mit einem Ende beginnt und dann Schritt für Schritt die Beobachtungen, Gedanken und Erlebnisse der Protagonisten schildert.

Veröffentlicht am 26.09.2019

Der Rausch des Überstehens

Goldregenrausch
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Es gibt Bücher, die einen bewegen; von der ersten Seite an mitreißen und den Leser in eine Geschichte ziehen können, die einen beschäftigt, berührt und begeistert. "Goldregenrausch" von Claudia Schreiber ...

Es gibt Bücher, die einen bewegen; von der ersten Seite an mitreißen und den Leser in eine Geschichte ziehen können, die einen beschäftigt, berührt und begeistert. "Goldregenrausch" von Claudia Schreiber hat mich in einen Rausch versetzt, in den Bann gezogen, der erst mit dem letzten Satz allmählich verschwand.

Marie Lenz wird als 5. Kind in eine Bauernfamilie hineingeboren. Als erstes Mädchen nach 4 Brüdern, soll sie nun die gleiche trostlose Zukunft erwarten "Feldarbeit mit Hacke, Wochenmarkt, heiraten und es flutschen lassen." Doch gleich am ersten Tag ihres Lebens stirbt sie mehrere Tode und wird stets aufs Neue gerettet. Sie ist ein ganz besonderes Kind, welches gar nicht in diese Familie zu passen scheint. Denn Marie machte ihre Mutter förmlich zur Melkmaschine, die sich dies teuer bezahlen lies. Sie pumpte fleißig Muttermilch ab und verkaufte diese um so für sich selbst etwas Geld für eine mögliche Flucht in eine bessere Zukunft zur Seite zu schafften. Kaum versiegte der letzte Tropfen, wurde Marie dann auch schon weggeschoben, in einen kleinen Stall im Garten der Tante gepackt und sich dort selbst überlassen, während die Familie hinaus aufs Feld zog. Greta, die menschenscheue Seele, die seit dem Tod ihrer Mutter keinen mehr berührt, noch mit jemandem gesprochen hat, kümmert sich einzig um ihren Garten, lässt Marie links liegen und beobachtet sie nur aus sicherer Entfernung. Doch nach und nach beginnt ihre harte Schale zu bröckeln und auch sie erwacht zu neuem Leben. Sie stellen sich gemeinsam den Schikanen ihrer herzlosen Verwandtschaft, aus denen sie manchmal nur noch der Rausch des Goldregens zu retten vermag ...



Auch wenn es optisch recht unscheinbar, etwas dünn und filigran aussehen mag, verbirgt sich im Inneren ein literarischer Schatz. Nun gut, natürlich klein klassisch, pompös ausgeschmücktes und mit zahlreichen Schnörkeln versehenes Schauspiel der Geschichte. Es ist etwas leiser, viel feiner und teilweise doch sehr direkt und kräftig. Es war für mich ein Wechselspiel aus Lachen bzw. bei mir ja eher Schmunzeln, Mitleid, Faszination, Spannung, Entsetzen und Rausch. Claudia Schreiber schafft es mich voll und ganz mit ihrem Buch zu begeistern und gerade das macht es zu meinem aktuellen Lieblingsbuch. Es erinnerte mich komischerweise an Mariana Leky mit "Was man von hier aus sehen kann", obwohl die beiden von ihrer Art recht unterschiedlich sind, kann ich's emotional eindeutig hiermit vergleichen. Thematisch geht es auch um eine ganz besondere Familie /Beziehung /Zuneigung /Liebe /Freundschaft, die allerdings oder besser zum Glück fern ab von Kitsch und Weichspülerei thematisiert wird. So lande ich dann auch hier bei "Es ist ein großartiges Buch zum Verschenken und Selbstbehalten", zumindest möchte ich es nicht wieder hergeben und es wird definitiv auch nicht das letzte Buch sein, das ich von Claudia Schreiber gelesen habe.

Veröffentlicht am 23.09.2019

Drei Frauen. Ein Mann. Ein Schicksal?

Drei
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"Drei" von Dror Mishani ist eigentlich ein Roman über den man so gar nichts verraten darf. Das Problem besteht nämlich darin, dass winzige Informationen, die Faszination wie eine Seifenblase zerplatzen ...

"Drei" von Dror Mishani ist eigentlich ein Roman über den man so gar nichts verraten darf. Das Problem besteht nämlich darin, dass winzige Informationen, die Faszination wie eine Seifenblase zerplatzen lassen könnten. Und doch möchte ich nun darüber reden, "Drei" enthält und kann dann doch vieles, hat mich allerdings so gar nicht begeistert.

Im Großen und Ganzen ist es die Geschichte dreier Frauen. Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können und doch etwas gemein haben. Sie alle haben gerade ein Schicksal zu verkraften, eine Wendung im Leben hinter sich gelassen oder Angst vor dem was kommt.
Und gerade für ihr Leben, ihre Gefühlswelt und ihre Bedenken hat Mishani großartige Welten geschaffen, die ihre Persönlichkeit mit jeder Seite weiter aufblühen lassen. Orna und Emilia fühlen sich einsam, haben einiges aufgegeben oder auch verloren. Und dann gibt es da auch noch die andere Orna, die ihrem Bauchgefühl folgt und alles in eine neue Richtung lenkt. Der Rechtsanwalt Gil taucht in ihrem Leben auf, fordert jede für sich heraus und lockt sie aus ihrer Komfortzone. Doch was sie alle nicht wissen, er sagt ihnen nicht die Wahrheit... doch auch er weiß nicht alles, was er zu wissen glaubt.

Ja, Mishani hat es geschafft bei vielen Menschen mit diesem Roman Gänsehaut hervorzurufen. Er hat es mit ihm geschafft einen Sensationsbestseller in Israel zu landen. Und auch wenn dieses Buch von vielen unendlich gelobt wird, so kann ich's so gar nicht nachvollziehen. Dror Mishani ist als Autor einiger Kriminalromane bekannt, daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es sich hier um einen Detektivroman handelt. Leider, kann diese Info nun die ganze Erwartungshaltung so heraufsetzen, dass das Buch, dem einfach nicht mehr gerecht wird. Und so war es dann tatsächlich auch bei mir. Es gibt insgesamt drei Abschnitte und es passiert nicht sonderlich viel. Das Leben von Orna wird zunähst sehr ausführlich dargestellt und man wartet sehnlichst darauf, dass die Geschichte Fahrt aufnimmt und etwas passiert, doch dann ist es innerhalb weniger Seiten auch schon passiert und eine neue, ähnliche Geschichte beginnt. Das machte es für mich dann tatsächlich zu einem sehr langweiligen Buch. Einzig die letzten 40 Seiten konnten noch einmal etwas an Tempo zulegen, aber das macht es für mich dann einfach zu keinem großartigen Roman. So groß waren vorher die Lücken und die Ähnlichkeit. Vielleicht hätte es dem Ganzen auch gut getan, wenn die einzelnen Abschnitte mehr miteinander verwoben gewesen wären und sich am Ende alles aufdröselt, aber so ist es einfach nur eine vorhersehbare Aneinanderreihung. Fragen werden aufgeworfen, teilweise beantwortet, doch einiges bleibt unklar. Gil wird großteils nur angerissen und bleibt bis zur letzten Seite schemenhaft. Und das Einzige, was dann wirklich toll ist, sind die emotionalen Welten der Frauen. Und dann? Dann gibt es da auch noch Mishanis Gedanken über den Roman: "...für mich ist Drei kein Roman über Verbrechen. Er handelt von anderen Dingen, von unserer Pflicht, die Menschen um uns herum und ihre Leben zu sehen, wahrzunehmen. Es ist vor allem ein Roman über unsere Verantwortung gegenüber den Lebenden und gegenüber den Toten, die immer noch bei uns, >im Leben< sind." Und das stimmt mich dann am Ende tatsächlich wieder etwas versöhnlich, aber eine wirkliche Empfehlung kann ich hier leider nicht aussprechen.