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Veröffentlicht am 09.07.2021

ereignisreicher, gefühlvoller und gleichzeitig spannender dritter Band

Federn über London 3
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Achtung: dritter Band! Meine Rezension kann kleine Spoiler auf die ersten beiden Teile der Reihe enthalten. Vorwissen ist zum Lesen notwendig, die Handlung setzt ziemlich nahtlos am Ende des vorherigen ...

Achtung: dritter Band! Meine Rezension kann kleine Spoiler auf die ersten beiden Teile der Reihe enthalten. Vorwissen ist zum Lesen notwendig, die Handlung setzt ziemlich nahtlos am Ende des vorherigen Bandes an und es ist schon viel passiert, wovon man wissen sollte, um der Geschichte folgen zu können.

In London ist Chaos ausgebrochen: ein Krieg steht kurz bevor, ein schwerer Verrat muss verdaut werden und eine schnelle Lösung wird benötigt, um zu verhindern, was unvermeidlich scheint. Für die Engel in London brechen schwere Zeiten an, noch schwerere als ohnehin schon. Die Gefahr des dunklen Jägers der Unterwelt wächst und nun müssen auch noch die Wogen mit Lasallas geglättet werden, was wahrlich keine leichte Aufgabe ist. Und ganz nebenbei müssen die Schutz- und Todesengel auch das Durcheinander in ihrer Akademie sortieren und sich für die Zukunft wieder auf sichere Beine stellen. Große Herausforderungen, die auf alle zukommen und der Druck, der zunehmend größer wird, erleichtert die Situation nicht wirklich, denn es muss unbedingt verhindert werden, noch mehr Übersinnliche zu verlieren…

Nach dem turbulenten Ende von Band zwei war ich sehr neugierig, wie es nun mit den Engeln von London weitergehen wird. Die Ausgangslage ist geprägt von den erschütternden Ereignissen und Erkenntnissen, mit denen man zum Abschluss von „Irreführung“ konfrontiert wurde. Durch kleine Hinweise auf die vorausgegangene Handlung, die schön in die weiteren Entwicklungen eingeflochten sind, taucht man sofort wieder in die aufgeladene Stimmung ein. Die Anspannung aller Beteiligten ist gleich wieder greifbar, wodurch das Buch direkt spannend startet und man wieder mit den Charakteren mitfiebern kann. Die Rückblenden sind auch nicht zu ausschweifend, sondern aus meiner Sicht gut dosiert und an genau den richtigen Stellen eingearbeitet, damit man der Handlung optimal folgen kann, selbst wenn man nicht mehr selbst alle Erinnerungen parat hatte.

Der Schreibstil von Sabine Schulter ist wie gewohnt flüssig und von Beginn an mitnehmend. Ich habe mich direkt wieder wohl gefühlt in der Geschichte und hatte viel Freude dabei, die Figuren zu begleiten und zu erleben, was bei ihnen Neues passiert, welchen Problemen sie sich stellen müssen, wie sie mit all dem umgehen und wie sie sich entwickeln. Bildhafte Beschreibungen machen es dabei gut möglich, sich die einzelnen Charaktere, die Umgebung und Schauplätze und auch die Ereignisse an sich gut vorstellen zu können. Wie auch in den anderen Bänden zuvor wird die Geschichte aus vier Ich-Perspektiven geschildert. Mit Lance und Aura begleitet man weiterhin zwei der Schutzengel, Clear und Ease gehören zu den Todesengel. So begleitet man nicht nur vier für die Handlung sehr wichtige und interessante Figuren, sondern auch Vertreter der unterschiedlichen „Lager“ der Engel, zwischen denen es nach wie vor an einigen Stellen Unstimmigkeiten gibt. Die Perspektivwechsel sorgen für eine zusätzliche Dynamik in der Handlung und geben die Möglichkeit parallel laufende Ereignisse zu verfolgen oder auch die Empfindungen unterschiedlicher Figuren in der gleichen Situation zu erfahren.
Besonders schön fand ich, dass wir noch mehr über die einzelnen Protagonisten erfahren und teilweise auch Einblicke in die Vergangenheit bekommen, wodurch die Figuren noch mehr Tiefe bekommen und sich auch neue Zusammenhänge ergeben. Neben den vier Ich-Erzählern sind auch viele der anderen Engel, die wir bereits kennen, wieder mit dabei. So bleibt die abwechslungsreiche Figurenmischung bestehen, mit der es wahrlich nie langweilig wird. Dass die Charaktere facettenreich sind, hat man zwar auch in den vorherigen Bänden bereits mitbekommen, nun werden aber noch weitere Facetten präsentiert bzw. Motive und Absichten offenbart, die die Sicht auf manches noch mal verändert oder auch Erklärungen geben, wieso sich einiges so entwickelt hat, wie es ist.

Umso weiter das Buch voranschreitet, umso intensiver wird die Handlung. Es wird emotionaler und bewegender, durch die neuen Herausforderungen, die auf die Charaktere zukommen und ihnen immer wieder einiges abverlangen, aber auch spannender und turbulenter. Ich mag die Mischung aus persönlichen Entwicklungen und Verstrickungen und dem Fortgang der Gesamthandlung rundrum, die zwar eng mit den Charakteren verwoben ist, die aber noch von weiteren Aspekten beeinflusst wird.
Der Titel des Buches „Suche“ ist sehr passend, denn die Suche nach Hinweisen, Lösungen und Antworten beschäftigt die Engel und auch Lasallas das gesamte Buch, wenn auch in unterschiedlicher Intensität und möglicherweise mit unterschiedlichen Motiven. Durch die „Suche“ gibt es auch neue Informationen zu der Welt der Engel an sich bzw. der Vergangenheit und einigen Ereignissen, die die Welt der Übersinnlichen stark geprägt haben, was mir gut gefallen hat. Auch die Vellas sind wieder mit von der Partie und nehmen eine wichtige Rolle bei verschiedenen Herausforderungen ein. Die gefallenen Sterne finde ich nach wie vor sehr faszinierend und finde es spannend, wie ihre Energie für Unterschiedliches eingesetzt werden kann. Aber auch eine gewisse „Suche“ nach den wahren Gefühlen beschäftigt einen Teil der Charaktere in diesem Band und auch in dem Fall mochte ich die Entwicklungen unglaublich gern.

Auch wenn schon einiges passiert ist und sich im dritten Band neue Zusammenhänge offenbart und ergeben haben, bleiben weiterhin viele Fragen offen und auch einige der Figuren geben mir weiterhin Rätsel auf. Auf manches oder manchen hat sich die Sicht geändert durch die Dinge, die wir erfahren haben, sowohl in die positive, als auch in die negative oder eher skeptische Richtung. Ich bin wirklich gespannt, was da im Abschlussband der Reihe noch auf uns zukommen wird, wie sich alles auflöst und welche weiteren Turbulenzen es auf dem Weg dahin geben wird. Besonders hoch gehalten wird die Neugier durch den Cliffhanger, mit dem die Autorin uns aus dem dritten Band entlässt. Zum Glück ist die Wartezeit nicht so lang. ;)
Fazit

Ein abwechslungsreicher, spannender, sowie auch gefühlvoller dritter Band, in dem viel passiert ist und trotzdem auch noch vieles offen bleibt für den Abschlussband der Reihe. Ich mag die facettenreiche Mischung in der Handlung richtig gern. Es gibt sowohl Entwicklungen der Charaktere auf der persönlichen Ebene, als auch in Zusammenhang mit den anderen Figuren, interessante Offenbarungen und aufgedeckte Verstrickungen und Zusammenhänge, turbulente Passagen und emotionale Momente. Eine Kombination, bei der einem nie langweilig wird und man durch den tollen Schreibstil von Sabine Schulter immer sehr nah und intensiv am Geschehen ist. Ich bin sehr neugierig, was in „Überleben“ (Band 4) noch passieren wird und inwiefern der Name auch dort Programm sein wird.

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Veröffentlicht am 05.07.2021

ernste, emotionale Geschichte, die nachwirkt

Du und ich ein letztes Mal
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Vivi und Josh hatten eine wundervolle Zeit zusammen. Voller aufregender, abenteuerlicher Reisen, einprägsamer Momente und der Freiheit zu tun, wonach einem der Sinn steht. Doch es gab auch Schattenseiten, ...

Vivi und Josh hatten eine wundervolle Zeit zusammen. Voller aufregender, abenteuerlicher Reisen, einprägsamer Momente und der Freiheit zu tun, wonach einem der Sinn steht. Doch es gab auch Schattenseiten, düstere Stunden voller Schmerz und Einsamkeit. Als die beiden sich nun, zwei Jahre nach ihrer Trennung, wieder begegnen, werden sie von Empfindungen überrollt, die sie längst hinter sich gelassen geglaubt haben oder zumindest gut genug verdrängt. Um endlich loszulassen und zu verstehen, wieso ihre Gefühle füreinander nicht das große Glück bedeutet haben, beschließen Vivi und Josh Dinge, die die beiden in der gemeinsamen Zeit begleitet haben, noch ein letztes Mal zu tun.

Selten hat mich ein Buch emotional so mitgenommen und so intensiv fühlen lassen, wie dieses. Wer eine klassische Wohlfühl-Liebesgeschichte erwartet, der wird wohl nicht finden, was er sich erhofft. Denn die Geschichte von Vivi und Josh ist geprägt von aufwühlenden, nachdenklich stimmenden Wahrheiten, von Wut, Schmerz, Verzweiflung, aber auch von Sehnsucht, Liebe und Hoffnung. Immer wieder gibt es sehr schöne Augenblicke, in denen man spürt, wie glücklich die zwei als Paar in den Momenten waren, wie sie sich haben tragen lassen von ihren Gefühlen und den Erlebnissen. Darauf liegt jedoch nicht der eigentliche Fokus im Buch, zumindest nicht für mich. Was die beiden Protagonisten ausmacht, was für schwere, einschneidende Päckchen sie zu tragen haben und was daraus an Konsequenzen resultieren, für ihre eigenen Empfindungen, für ihre Lebenswege und für das Miteinander, stand deutlich mehr im Mittelpunkt. Was nicht heißt, dass die positiveren Passagen nicht trotzdem wunderschön waren und ich auch diese genossen habe, weil sie ebenso zu dem Weg der Protagonisten gehören, wie alles andere und weil sie zwischendurch auch die Möglichkeit geben, ein wenig durchzuatmen, bevor es erneut nachdenklicher und aufwühlender wird.

Im Buch gibt es sowohl die Ich-Perspektive von Vivi, als auch die von Josh, was es möglich macht, beide Hauptcharaktere, die auf mich durchweg authentisch wirkten, sehr intensiv zu begleiten und zu erleben, was in ihnen vorgeht, wie sie sich fühlen und entwickeln, was sie sich von ihrem Gegenüber wünschen und erhoffen, was sie zu geben bereit sind und was all das, was sie auf ihrer Reise erkennen, in ihnen bewirkt.
In der Geschichte befindet man sich immer wieder in unterschiedlichen Zeiten. Einerseits ist man in der Gegenwart und verfolgt, wie die Protagonisten ein letztes Mal verschiedene Dinge tun und dabei immer wieder Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit in ihr Gedächtnis holen, Empfindungen, die sie beim ersten Mal hatten, als sie diese Sachen gemacht oder erlebt haben. Dadurch ist man selbst in diesen Passagen auch immer wieder kurz in der Vergangenheit, die man in den anderen Kapiteln, die direkt dort spielen jedoch noch intensiver präsentiert bekommt. Dabei gibt es unterschiedliche Jahre, aus denen man etwas erfährt. Sowohl aus den Jahren, in denen sie zusammen waren, als auch aus der Zeit davor, in der sie prägende Erlebnisse hatten. Zur Orientierung stehen die Zeitsprünge, die man macht und auch der Charaktere, den man begleitet, jeweils über dem Kapitel.
Durch die Sprünge in den Zeiten und Perspektiven hat man gemerkt, wie viele der Ereignisse und Gedanken aufeinander aufbauen und sich beeinflussen. Stück für Stück verbinden sich die Gegenwart und die Vergangenheit zu einem Gesamtbild, das man auch erst dann komplett versteht, wenn man einige der Informationen und persönlichen Geheimnisse erfahren hat. Einige der Situationen habe ich danach noch einmal komplett neu bewertet, sie wurden in ein anderes Licht gerückt, haben einen neuen Sinn ergeben, andere Botschaften vermittelt und zusätzlich gezeigt, wie komplex der Weg von Vivi und Josh schon war, bevor sie einander in New York wiedergesehen haben. Mir hat das sehr gut gefallen und ich fühlte mich durchweg mitgenommen von dem gefühlsintensiven, bewegenden Schreibstil der Autorin. Immer wieder hat mich die Geschichte zu Tränen gerührt. Es wird melancholisch und traurig, bedrückend, nachdenklich stimmend, bewegend, aber stellenweise auch wunderschön, verträumt und hoffnungsvoll.

Vivi und Josh sind so randvoll mit einer Liebe, die trotzdem nicht ausreicht um einander glücklich zu machen, zumindest nicht so, wie es sein sollte. Ihr Schmerz vermischt sich mit ihren Sehnsüchten und Hoffnungen und doch müssen sie auf ihrem steinigen, aufwühlenden Weg erkennen, dass manchmal vielleicht nicht gehen kann, was man sich wünscht. Die Erkenntnisse und Entwicklungen, die sich daraus ergeben haben, haben mich sehr bewegt und werden bestimmt noch lange in mir nachklingen. Ob es für die beiden am Ende eine gemeinsame Zukunft geben kann?
Fazit

Eine sehr emotionale, aufwühlende und bewegende Geschichte, die geprägt ist von einer gewissen Düsternis, Schmerz, und Enttäuschung, die aber auch so randvoll ist mit Liebe, Zusammenhalt, Hoffnung und Selbsterkenntnis. Für mich hat das Konzept super gut funktioniert und ich fühlte mich mitgenommen von der Kombination aus Vergangenheit und Gegenwart, die gemeinsam Stück für Stück ein Gesamtbild ergeben, das alles wieder über den Haufen wirft, von den Elementen, die sich bedingen und beeinflussen, von den Ereignissen, die nachhallen und sich immer wieder ins Gedächtnis drängen und den Geschehnissen, die die Protagonisten tief geprägt haben oder sie für immer begleiten werden

Anmerkung nach dem zweiten Lesen:
Für mich ist dieses Buch etwas ganz Besonderes und das nicht nur, weil ich es im letzten Herbst bereits testlesen durfte. Die Geschichte von Vivi und Josh ist mir so extrem unter die Haut gegangen, dass sie noch lange in mir nachhallte und es nach dem erneuten Lesen wohl wieder für eine ordentliche Zeit tun wird. Da ich die Wendepunkte, vor denen die Figuren in ihrem Leben standen, bereits kannte, war es beim zweiten Erleben natürlich ein anderes Gefühl beim Lesen. Ich wurde nicht so überrollt von den überraschenden Entwicklungen und Erkenntnissen, die dafür sorgen, dass man viele Geschehnisse und ein Stück weit auch die eigenen Empfindungen neu überdenken muss, aber ich habe trotzdem genauso intensiv mit den Charakteren gefühlt und wieder zahlreiche Tränen vergossen, weil mich die Handlung einfach so extrem berührt und bewegt und auch nachdenklich macht. Von daher war es für mich bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich dieses Buch gelesen habe.

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Veröffentlicht am 29.06.2021

sommerlich-leichte Liebesgeschichte mit auch ernsten Themen

Kaputte Herzen kann man kleben
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Luisa ist alleinerziehend und voll berufstätig. Für sie ist es oft schwierig alles unter einen Hut zu bekommen und dabei noch das Gefühl zu haben, allem und jedem Gerecht zu werden. Als ihr Körper die ...

Luisa ist alleinerziehend und voll berufstätig. Für sie ist es oft schwierig alles unter einen Hut zu bekommen und dabei noch das Gefühl zu haben, allem und jedem Gerecht zu werden. Als ihr Körper die Notbremse zieht, ist sie gezwungen, sich eine Auszeit zu nehmen, sich zu regenerieren und dann hoffentlich mit neuer Kraft wieder einsteigen zu können. Gemeinsam mit ihrer Tochter Amelie fährt sie zu ihrer Tante Mimi nach St. Peter-Ording um dort den Sommer zu verbringen. Schon die frische Nordseeluft tut der abgespannten Hebamme unglaublich gut, doch das ist noch längst nicht alles, was der Trip in den Norden für sie bereit hält.

Protagonistin Luisa nimmt den Leser aus der Ich-Perspektive mit. So ist man sehr intensiv mit der 45jährigen unterwegs und erhält detaillierte Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, in denen sich im Verlauf der Geschichte so einiges tut. Ich fand es schön, die Entwicklung von Luisa mit zu verfolgen und zu erleben, wie sich Stück für Stück etwas in ihrem Kopf ändert, wie sie sich frei macht von einigen Zwängen der Gesellschaft und selbstauferlegten Pflichten, die gar nicht immer in der Form nötig sind. Dabei hilft ihr die neue Umgebung und die vielen tollen Menschen, die sie in St. Peter-Ording kennenlernt. All die Personen, die dazu kommen, lassen ein sehr buntes und abwechslungsreiches Figurenbild entstehen und es wird wahrlich niemals langweilig. Die Charaktere können sowohl Spaß miteinander haben, als auch über ernste Themen sprechen und sich gegenseitig auffangen. Manchmal mag man den Eindruck haben, die Fülle an „schrägen“ Charakteren ist recht groß, aber eigentlich sind sie alle nur mitten aus dem Leben gegriffen und man kann sich gut vorstellen, dass Luisa tatsächlich auf so eine aufgeweckte, lebhafte Truppe trifft, die sich genau deswegen gefunden hat und so gut versteht, weil sie zu einem gewissen Teil ähnlich Sorgen haben oder hatten und sich als Gemeinschaft sehen, die füreinander da sein und sich unterstützen wollen, damit die Probleme ein bisschen weniger schwer auf ihnen lasten. Auch wenn Luisa im Mittelpunkt der Handlung steht, erfährt man auch von den anderen, was sie umtreibt, mit was für Hürden sie zu kämpfen haben und wie sie versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen, ohne vollständig dabei auszubrennen. Dabei ist es okay, Fehler zu machen und es wieder zu versuchen, eine Einstellung, die ich sehr mochte.
Auch Luisas Tochter Amelie (8) mochte ich richtig gern. Man kann im Buch miterleben, wie sie aufblüht und selbstständiger wird, sich den Herausforderungen und Aufgaben auf dem Hof ihrer Großtante stellt und sichtlich Spaß dabei hat. Die ländlich geprägte Umgebung ist eben auch so ganz anders als die Großstadt München, in der sie aufwächst.
Schön fand ich auch, dass nicht immer alles war, wie es zunächst wirkte. Viele der Charaktere hatten noch mehr zu „bieten“ als man auf den ersten Blick sieht. Geheimnisse, Päckchen, die sie zu tragen haben, verletztes Vertrauen, Trauer, Wut und Frust spielen unter anderem eine Rolle. So fließen wie nebenbei ganz verschiedene Themen in die Handlung mit ein und waren, für mein Empfinden, gut in die Geschehnisse eingeflochten und zeigen, wie vielfältig das Leben ist. Es werden nicht nur die Sonnenscheinseiten betrachtet und wirkt damit einfach authentisch. Liebe, Freundschaft und Familie werden in unterschiedlicher Weise thematisiert, ebenso verschiedene Krankheiten, finanzielle Probleme, Homosexualität, Verantwortung, Erziehung und auch Dinge, die speziell und nur Luisa betreffen, wie ihren Job als Hebamme und ihre allgemeine Situation.

Der Schreibstil von Kristina Günak hat mir wieder gut gefallen. Sie hat eine tolle Art zu schreiben und einen mit durch die Geschichte zu nehmen. Das Buch hat sich sehr zügig und flüssig lesen lassen und trotz der vielen ernsten Themen, die in der Handlung enthalten waren und die Stimmung dadurch auch mal gedrückt haben, wurde eine gewisse Leichtigkeit erhalten. Die tollen Beschreibungen der Umgebung haben ein schönes Bild in meinem Kopf entstehen lassen. Das Meer ist einfach ein toller Ort, an dem man gut die Seele baumeln und ebenso gut nachdenken und sich irgendwie erden kann.
Bis auf ganz kleine Kritikpunkte mochte ich die Entwicklung in der Handlung richtig gern. Es wirkte stimmig und passte auch zu den Charakteren, ihren Vorstellungen und Wünschen, aber auch zu ihren Schwierigkeiten. Es gab zahlreiche wundervolle Augenblicke und auch Aspekte und Gespräche, die einen zum Nachdenken bringen oder in denen man sich evtl. selbst wiederfinden kann.
Zum Ende hin ging es mir dann allerdings fast etwas schnell. Da hätte ich gern noch mehr Einblicke gehabt und etwas intensiver erfahren, wie es für Luisa und die anderen weiterging, welche Steine sie noch aus dem Weg räumen mussten und so weiter. So wirkte es unproblematischer und beschleunigter, als es höchstwahrscheinlich gewesen sein wird. Trotzdem hat mich der Abschluss des Buches zufriedengestellt, auch wenn sich ein Großteil des Weges im Verlauf abgezeichnet hat.
Fazit

Eine wirklich schöne Geschichte, die sich sehr schnell hat lesen lassen. Mir hat die die Kombination aus der Ernsthaftigkeit und dem sommerlichen Feeling gut gefallen. Die Entwicklungen sind nicht alle überraschend, aber das ist es in Liebesgeschichten ja auch eher selten, trotzdem mochte ich den Weg zum Ziel sehr gern. Es gab einige Stolpersteine, aber auch viele tolle Momente, in denen Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe es für die Charaktere erträglicher und hoffnungsvoller gemacht hat.

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Veröffentlicht am 21.06.2021

offene und ehrliche Einblicke, sehr angenehm zu lesen, macht nachdenklich und hat beeindruckt

Freiheit in mir
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Für Gil Ofarim lief wahrlich nicht alles nach Plan in seinem Leben. Als Teenager ist er musikalisch durchgestartet, doch der einstige Erfolg war nicht von Dauer. Es folgten harte Zeiten mit zahlreichen ...

Für Gil Ofarim lief wahrlich nicht alles nach Plan in seinem Leben. Als Teenager ist er musikalisch durchgestartet, doch der einstige Erfolg war nicht von Dauer. Es folgten harte Zeiten mit zahlreichen Rückschlägen, neuen Versuchen, anderen Projekten, Zweifeln, Hoffnungen und mit verschiedenen Menschen, die ihn inspiriert, motiviert und unterstützt haben. Und selbst wenn man im ersten Moment vielleicht denkt „sein Leben ist so ganz anders als das eigene“ so wird man beim Lesen der Biographie dann vielleicht doch immer wieder merken, wie viele Parallelen es möglicherweise doch gibt bzw. wie viele Dinge übertragbar sind und dass er am Ende auch nur ein Mensch mit Stärken und Schwächen und Ecken und Kanten ist und mit einem Weg, der nicht immer geradlinig verläuft, auf dem er sich aber dennoch selbst gefunden hat.
Mir hat der Schreibstil richtig gut gefallen. Ich fühlte mich durchweg gut mitgenommen und es wurde niemals langatmig, obwohl es in einer Biographie ja nicht den klassischen Spannungsbogen gibt, den man in anderen Geschichten hat. Ich hatte den Eindruck Gil Ofarim erzählt sehr ehrlich von den Dingen, die ihm passiert sind, die er erlebt hat, die ihn haben straucheln lassen und auch von den Sachen, die ihm geholfen haben, wieder aufzustehen, sich zu erden und weiter zu machen. Er wirkte auf mich dabei authentisch, was mir richtig gut gefallen hat. Es gibt Augenblicke zum Schmunzeln, aber auch Passagen, in denen Schmerz oder Nachdenklichkeit dominieren.
Natürlich berichtet Gil von den „Sonnenseiten“, von erfolgreichen Momenten und dem Rausch auf der Bühne, aber genauso offen schildert er auch, wie schwierig es zwischendurch war und geht dabei sowohl mit seinen eigenen Entscheidungen als auch mit denen von anderen kritisch um. Fehlentscheidungen einzugestehen, ist nicht leicht, aber wichtig, um wieder nach vorn schauen zu können, sich neu zu finden und weiter zu machen. Man erhält Einblicke in die ehrgeizige und disziplinierte Arbeit des Musikers und Schauspielers, der sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt und bei denen dann Aufgeben keine Option ist. Aber man kann auch hinter die Mauern blicken und bekommt sehr persönliche Eindrücke von dem Menschen abseits der Öffentlichkeit, von Selbstzweifeln und privaten Schwierigkeiten und Hürden, von traurigen Augenblicken und motivierenden Erlebnissen.
Ich hatte nie das Gefühl, dass er mit irgendwem „abrechnet“, es wirkte eher wie ein ehrliches Aufzeigen von Schwierigkeiten und Sachen, die nicht optimal gelaufen sind. Eine Rolle spielte dabei zum Beispiel der Druck, den die Presse teilweise ausübt und den man aushalten muss, die Fehlmeldungen, die Probleme, die dabei dann auch im Privatleben entstehen. Eine gewisse Frustration und eine große Portion Unverständnis schwingt dabei mit – verständlicherweise – aber dennoch empfand ich es als nicht künstlich aufgeputscht oder überdramatisiert. Es muss unglaublich erschütternd, verletzend und auch einengend sein, wenn man auf Schritt und Tritt verfolgt wird und jeder sich dabei zusammenreimt, was ihm gutes Geld mit den Artikeln einbringt, egal ob es der Wahrheit entspricht oder nicht. Und trotzdem wirkte die Art, wie Gil Ofarim das beschreibt und versucht damit umzugehen, respektvoll, aber nicht beschönigt. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen all der Dinge, die er erlebt hat, hat er tolle Werte, die im Buch immer wieder zu spüren sind, die er auch zeitweise thematisiert und die er auch an seine Kinder weitergibt – einfach toll! Die Menschen, denen wir begegnen, die uns in unserem Leben begleiten, die uns nah sind, aber auch die, die sich von uns abwenden, uns etwas neiden oder obwohl sie uns gar nicht kennen, eine Meinung von uns haben, prägen uns und unsere Entwicklung. Eine Tatsache, die ihm bewusst ist und die immer wieder in unterschiedlicher Form aufgegriffen wird. Schön und berührend fand ich auch, wie er verschiedenen Menschen dafür dankt, wie sie ihn unterstützt haben, wie sie da waren, egal wie es ihm ging.
Gil Ofarim lobt sich selbst nicht in den Himmel, er geht durchaus kritisch mit sich und seinen Entscheidungen um, gesteht sich Dinge ein, die man sonst vielleicht lieber von sich wegschieben wollen würde. Es hat mich tief beeindruckt, wie offen er mit gewissen Aspekten umgeht und wie er immer wieder Worte findet, die einen abholen und mitnehmen und eben zeigen, dass er auch nur ein Mensch ist und manches gar nicht so anders ist, als bei einem selbst. So wurde ich auch immer wieder zum Nachdenken und Selbstreflektieren angeregt und ich schätze, viele Leser können aus diesem Buch etwas für sich mitnehmen. Am Ende muss natürlich jeder seinen eigenen Weg gehen und finden und einen eigenen Zugang zu gewissen Dingen entwickeln, aber möglicherweise können die Denkanstöße, die man erhält und die Art und Weise, die er damit umgegangen ist und einen Weg für sich gefunden hat, auch für andere funktionieren.
Fazit

Eine wirklich schöne Biographie, die auf mich sehr offen und authentisch wirkte. Man erhält Einblicke in die musikalische Entwicklung mit all den Höhen und Tiefen, ebenso aber auch in die persönlichen Bereiche, die den Menschen betreffen, der nicht auf der Bühne steht. Gil Ofarim musste einige harte Phasen und Rückschläge einstecken und doch hat er sich immer wieder aufgerappelt, hochgekämpft, seinen Weg gefunden, auch wenn er dabei vielleicht ab und an falsch abgebogen ist und sich neu orientieren musste. Einige Passagen haben mich sehr berührt, andere nachdenklich gestimmt, ich fühlte mich aber in jedem Fall durchweg mitgenommen von der angenehmen, lebensnahen Art, wie er schildert, was ihm widerfahren ist. Besonders schön finde ich seine Werte und Einstellungen, die er sich trotz all der Dinge, die er erlebt hat, erhalten hat und die ihm wichtig sind. Mit einigen seiner Aussagen und Herangehensweisen hat er mich beeindruckt und ich kann mir gut vorstellen, einige Passagen aus seiner Biographie erneut zu lesen. Das folgende Zitat aus dem Buch fand ich sehr treffend und möchte es als Abschluss meiner Rezension nutzen:

>>Du musst nicht immer perfekt sein; sei doch einfach nur der beste Gil, der du am heutigen Tag sein kannst.<<

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Veröffentlicht am 10.06.2021

informatives, toll gemachtes Erstleserbuch

Wieso? Weshalb? Warum? Erstleser, Band 1 - Dinosaurier
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Was gab es für Dinosaurier? Wo haben sie gelebt? Was haben sie gefressen? Und wieso gibt es sie heute eigentlich nicht mehr? Diese und ähnliche Fragen stellt vermutlich fast jedes Kind irgendwann mal. ...

Was gab es für Dinosaurier? Wo haben sie gelebt? Was haben sie gefressen? Und wieso gibt es sie heute eigentlich nicht mehr? Diese und ähnliche Fragen stellt vermutlich fast jedes Kind irgendwann mal. Die längst ausgestorbenen Reptilien sind vielseitig und interessant, nicht nur für Grundschüler. In diesem toll gestalteten Sachbuch wird das Thema Dinosaurier anschaulich und gut verständlich für Erstleser präsentiert.

Die Gestaltung des Buches ist richtig toll. Illustrationen und Fotos unterstützen die Informationen und lassen alles sehr anschaulich werden. Die Schrift hat für Erstleser eine gute Größe, Überschriften und Gliederung sind farblich hervorgehoben und stechen sofort ins Auge. Dabei hat jedes Themengebiet eine eigene Farbe, die im Inhaltsverzeichnis schon ersichtlich ist. Damit kann man sich im Buch schnell zurechtfinden und orientieren, falls man einen bestimmten Bereich suchen sollte. Die Buchseiten sind ansprechend, interessant und trotzdem übersichtlich gestaltet. Die Textabschnitte sind nicht zu lang und trotzdem informativ, so wird man nicht vom Wissen erschlagen und wird nicht zu überreizt, kann aber trotzdem immer etwas mitnehmen. Teilweise sind die Abbildungen noch gesondert beschriftet, so dass man sich auch dort gut zurechtfinden kann.
Dass die Namen der Dinosaurier und die Zeitalter, in denen sie lebten, nicht unkompliziert sind, liegt eben am Thema selbst, rundrum ist das Buch jedoch sprachlich einfach gehalten und damit gut verständlich. Besonders schön finde ich auch die verschiedenen Leserätsel und Extras, die integriert sind. Zum einen lockern diese die Informationen etwas auf, zum anderen können die Kinder ihr Wissen damit auf spielerische Weise testen und aktiv werden.
Sehr niedlich ist auch der kleine Dino, der einen durch das gesamte Buch begleitet und alles sofort noch ein bisschen kindgerechter erscheinen lässt. Das kleine Kerlchen kann nämlich auch noch einiges entdecken und lernen auf seiner Reise durch das Sachbuch.
Fazit

Ein schön gegliedertes, informatives Sachbuch, das bestimmt jedem dinointeressierten Erstleser Spaß machen wird und gleichzeitig die Möglichkeit gibt zu verschiedenen Themen in Bezug auf die Reptilien etwas zu lernen. Besonders gelungen finde ich die Kombination aus anschaulichen Abbildungen, gut verständlichen, lehrreichen Texten und den Rätseln und Extras.

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