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Veröffentlicht am 29.09.2024

Sehr unterhaltsame Allgäuer Cosy Crime zum Schmunzeln und mit ernsten Zwischentönen

Lückenbüßer (Kluftinger-Krimis 13)
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Kluftinger, immer noch Interims-Polizeipräsident, kandidiert als Lückenfüller für die Liste seiner Partei im Gemeinderat von Altusried. Da trifft es sich halt grad schlecht, dass bei der Großübung "Alpenglühen", ...

Kluftinger, immer noch Interims-Polizeipräsident, kandidiert als Lückenfüller für die Liste seiner Partei im Gemeinderat von Altusried. Da trifft es sich halt grad schlecht, dass bei der Großübung "Alpenglühen", die unter seiner Leitung steht, ein toter Kollege am Ofterschwanger Horn gefunden wird. Was zunächst als Unfall eingestuft wird, mausert sich zu einem echten Verbrechen und Kluftingers Ausflug in die Politik wird zu einer ernsten Angelegenheit, als er erfährt, dass sein "Freund" Dr. Langhammer für die gegnerische Partei ebenfalls in den Gemeinderat gewählt werden will. Langhammers großspuriger Stimmenfang ist Klufti ein Dorn im Auge und so kämpft er gleich an zwei Fronten.

Das Allgäu ist schon eine wunderschöne Gegend, was uns vermutlich das Cover vermitteln soll. Der Klappentext hat mich erahnen lassen, dass es auch im dreizehnten Band der Reihe um den Allgäuer Kommissar Kluftinger wieder hoch her geht. Ein toter Polizist und Kluftinger als Kanditat für ein politischen Amt. Zefix, das kann nur Chaos, Spannung und einen Angriff auf die Bauchmuskeln ergeben. Tatsächlich war dieser Band für mich der, bei dem ich mich sofort in die Allgäuer Umgebung einfühlen konnte, da ich genau dort schon mehrfach Urlaub gemacht habe. Es war total super die im Buch erwähnten Orte vor dem geistigen Auge zu sehen und sich dann vorzustellen, wie Kluftinger dort mit seinem Team ermittelt. Sogar mein Urlaubsdomizil wird erwähnt. Das machte das Buch schon zu einem besonderen Erlebnis. Richtig spannend wurde es, als auch ein Phänomen, das mir dort in der Natur schon öfter aufgefallen ist, zum Thema bei der Ermittlung wird. Denn diese Urban Legend ist wirklich interessant, auch wenn anfangs nicht klar ist, ob da was dran ist. Das klärt sich aber, genau wie der Fall.

Jede Menge Raum, fast mehr als der Fall, nehmen auch Kluftingers lustige Versuche ein, sich als politisch gebildete Person zu geben, als es darum geht, seine Position in einem Wahlkampfflyer abzudrucken. Herrlich! Ich musste immer wieder laut lachen. Ebenso als ein Fotograf Fotos für Wahlplakate macht. Die junge Generation könnte Klufti als einen alten weißen Mann sehen, für mich ist er ein Original, und ich finde es gut, dass er nicht alles weiß, in viele Fettnäpfchen tritt und manchmal auch politisch nicht hyperkorrekt daherkommt. Denn man merkt, dass er sich bemüht. Richtig aktiv im Wahlkampf wird er erst, als er sieht, wie Konkurrent Dr. Langhammer auf Stimmenfang geht und laut Klufti Wählerstimmen kauft. Dabei belächelt er auch noch ihn als Lückenbüßer. Da kommt es nicht nur einmal zu "Gerangel" unter den beiden. Und wie soll es im Wahlkampf anders sein, kommen die Themen auf die Tapete, die die Menschen umtreiben, z. B. Überfremdung und Asylpolitik.

So kommt es - auch aufgrund der Ermittlungen - zu ernsteren Tönen und tiefergehenden Gesprächen über die wunden Punkte unserer heutigen Gesellschaft. Da waren die beiden Autoren Klüpfel und Kobr schon während des Schreibens am Puls der aktuellen Zeit und auch die jüngste Vergangenheit wird etwas aufgearbeitet. Mir gefiel diese Mischung richtig gut, weil ich vieles eben auch so oder ähnlich seh wie der Klufti. Ich hab das Buch echt gern gelesen und war fast traurig, dass es so schnell durch war. Der Schreibstil war halt wieder echt urig, das Lokalkolorit diesmal besonders gut eingebunden und das Ermittlerteam hat zwar seine Macken, ist aber aus keinem Klufti-Buch mehr wegzudenken. Die Auflösung des Falls war plausibel, aber gar nicht mehr so wichtig. Ich finde der Protagonist macht eine tolle Entwicklung durch, angeleitet von einem alternden Ex-Bundesminister, der ein Faible für Sperrmüll hat. Am Ende musste ich mir bei Kluftingers Rede vor den wahlberechtigten Bürgern von Altusried echt ein Tränchen verdrücken, denn da zeigt er seine wahre Größe. Dafür also meinen Applaus und 5 Sterne. Natürlich dürfen das andere Leser*innen das gern als Klamauk abtun, für mich war es jedoch ganz große Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 29.09.2024

Grandioser Thriller, erschreckend real

VIEWS
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Die 16-jährige Lena Palmer wird als vermisst gemeldet, kurze Zeit später taucht im Netz das Video eines widerwärtigen Verbrechens an ihr auf, das Wasser auf die Mühlen der rechten Parteien und Gruppierungen ...

Die 16-jährige Lena Palmer wird als vermisst gemeldet, kurze Zeit später taucht im Netz das Video eines widerwärtigen Verbrechens an ihr auf, das Wasser auf die Mühlen der rechten Parteien und Gruppierungen ist. Passen die Täter doch genau in deren Weltbild. Nicht ohne Hintergedanken betraut das BKA Kommissarin Yasira Saad mit dem explosiven Fall. Sie soll die Täter identifizieren und für Gerechtigkeit sorgen, bevor der wütende Mob auf die Barrikaden geht. Es dauert nicht lange, da bildet sich die Gruppe "Aktiver Heimatschutz" und bekommt täglich mehr Zulauf. Dann wird ein weiteres Video veröffentlicht und eine gewalttätige Demo lässt die Situation außer Kontrolle geraten. Schafft es Yasira den Fall zu lösen, bevor sie selbst ins Fadenkreuz gerät?

Den Autor Marc-Uwe Kling kennt man vor allem durch seine Känguru-Chroniken, die mich nicht so interessieren und die lustigen Bilderbücher vom Neinhorn. Mit diesem Thriller verlässt der Autor aber komplett die eher witzige Schreibe und begibt sich in ein schwieriges Terrain. Es reizte mich ungemein zu erfahren, wie gut ihm das gelingt. Das Cover fand ich eher wenig aussagekräftig und ich denke, dahinter steckt Absicht. Der Titel Views deutet schon an, dass es hier auch um Social Media und Klicks geht, etwas, was in der heutigen Zeit oft mehr Wert ist, als echte Kontakte und persönliche Worte. Das Buch hat nicht allzu viele Seiten, so dass es immer fraglich ist, ob man in der kurzen Zeit in die Handlung hineinfindet und eine Verbindung zu den Protagonist*innen aufnehmen kann. Schon nach kurzer Zeit waren alle meine Bedenken wie weggeblasen. Und das wörtlich: This thriller blew my mind! Er ist mehr am Puls der Zeit, als alles, was ich bisher gelesen habe und hallt immer noch nach.

Schon zu Beginn wurde bei mit Mitgefühl ausgelöst für die verschwundene 16-Jährige, denn man ahnt schon, dass ihr etwas Schreckliches zugestoßen sein muss. Geschickt spielt der Autor mit diesem Gefühl und verwandelt es in Schrecken und Wut, nicht nur auf die Täter im Video, sondern auch auf die Menschen, die von einigen wenigen auf alle Menschen schließen und den Fall als willkommene Begründung für Hass und Hetze nutzen. Mittendrin in dem ganzen Chaos, das durch das Video ausgelöst wird, steht Yasira Saad mit ihrem Team, die aus einem ganz bestimmten Grund für die Ermittlung ausgewählt wurde. Die Ereignisse spitzen sich derart zu, dass mir oft einfach der Mund offen stehen geblieben ist und ich das Atmen vergessen habe. Genauso würde ein solcher Fall vermutlich in der Realität ablaufen und der weitere Verlauf ist mehr als aufrüttelnd und lässt mich mit Fragen zurück, wie wir in Zukunft mit jeglicher Art von Informationen umgehen sollen.

Die Ermittlerin selbst gefällt mir sehr gut, sie ist sehr tough, manchmal vielleicht auch etwas zu waghalsig, um zu beweisen, dass gewisse Vorurteile ihr gegenüber keinesfalls zutreffen. Sie vertritt gleich mehrere sogenannte Minderheiten und der Blick auf sie ist für mich daher sehr interessant. Zeitweise fühlte ich mich bei Views, als stünde ich als zur Untätigkeit verurteilter Beobachter dabei, während um mich herum die Welt aus ihren Angeln gerissen wird. Sowohl die Hintergründe des Falls als auch das Ende haben mich einfach umgehauen, nicht nur weil sie so real wirken und so brutal sind, sondern weil man sich angesichts dessen einfach machtlos fühlt. Der Thriller bietet so viel Stoff für Gespräche und an einigen Details werde ich wohl noch länger zu knabbern haben. Man traut sich fast nicht zu sagen, dass das Buch unterhaltsam war, denn dafür war es einfach zu heftig. Trotzdem hab ichs verschlungen und empfehle es dauernd weiter, vor allem auch an Menschen, die gern die modernste Technik verwenden und sich mehr Digitalisierung wünschen. Views sind in dem Fall nicht alles und schon gar nicht positiv. 5 Sterne

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Veröffentlicht am 26.09.2024

Fesselnde Fantasy mit tollen magischen Elementen

Crown of Light and Darkness
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In Lavandria leben die Menschen in von Mondlicht beschienener Dunkelheit, seit der Krieg mit den Sidhe, einem Volk von Hochelfen endete. Nur einmal im Jahr ist es den Sterblichen gestattet auf die helle ...

In Lavandria leben die Menschen in von Mondlicht beschienener Dunkelheit, seit der Krieg mit den Sidhe, einem Volk von Hochelfen endete. Nur einmal im Jahr ist es den Sterblichen gestattet auf die helle Seite zu wechseln, wo wenige Auserwählte in einem Arenakampf das Licht zurückgewinnen können. Astoria, die dort Schreckliches erlebt und Rache geschworen hat, ist fest entschlossen an diesem Kampf teilzunehmen und die Sonnenkrone des Sidhe-Herrschers zu gewinnen. Als der König zögert, sie zu töten, taucht ein Unbekannter auf und durchkreuzt Astorias Pläne. Plötzlich stehen sie und König Ronas auf derselben Seite.

Ich lese zwar nicht so oft Fantasy-Bücher, aber mittlerweile sind es doch einige gewesen. Oft gefallen sie mir besonders gut, wenn sie etwas Besonderes haben, sei es beim Worldbuilding oder beim Magiesystem. Auch besondere Protagonistinnen können mich packen. Hier kommen alle drei Faktoren zusammen und ich war nach kurzer Zeit sehr gefesselt von Lavandria. Die Idee, dass die Sieger eines Krieges dem unterlegenen Gegner das Sonnenlicht wegnehmen, fand ich faszinierend. Was für eine Strafe, das ganze Jahr im Dunklen ausharren zu müssen, nur beschienen von Mondlicht. Die Autorin Jana Schikorra schildert plausibel, wie sich das für die Sterblichen anfühlt und wie sie zwar nicht leben, aber überleben können. Hinzu kommt bei der Protagonistin Astoria noch ein unglaublich großer Rachedurst dem Herrscher der Sidhe gegenüber. Warum sie diese unbändige Wut verspürt, wird nach und nach offenbart. Auch die lichte Seite Lavandrias ist faszinierend, doch nur zum Ludiem ist es den Menschen erlaubt, die Sonnenseite zu betreten. Dafür müssen Freiwillige gegen Sidhe in der Arena kämpfen. Ein ungleicher Kampf, denn die Sidhe haben einige Vorteile. Die ganzen Beschreibungen und Erklärungen, die zum Worldbuilding gehören, fand ich absolut schlüssig und ziemlich durchdacht.

Das Buch hat auch einen romantischen Anteil, ist also nicht nur Fantasy, sondern teilweise Romantasy, wobei ich diesen Teil nicht so übertrieben fand, wie bei manch anderen Fantasybüchern. Das lag vielleicht auch daran, dass Astoria vor hat, Sidhe-König Ronas zu töten und nur unfreiwillig zu seiner Verbündeten wird. Das verzögert die Entwicklung von Gefühlen natürlich. Die Wortgefechte und der Schlagabtausch zwischen den beiden ist richtig unterhaltsam. Beide sind nicht auf den Mund gefallen. Für mich als Leser
in stellte sich bald die Vermutung ein, dass wir nicht alles wissen, sondern dass es viele Geheimnisse gibt, die Astoria erst noch aufdecken muss. Für Spannung sorgt eine dunkle Macht, die nicht nur Astorias Pläne durchkreuzt, sondern auch ganz Lavandria bedroht. Der Großteil des Buches ist eine Reise oder Suche durch das ganze Land, in dem es viele verschiedene, faszinierende Landschaften gibt. die gut, aber nicht zu ausschweifend beschrieben werden. Das einzige, was mir nicht so zugesagt hat, war, dass die sonst so starke Astoria in spicy Szenen etwas zu unterwürfig war. Das ist zwar irgendwie hot, passt aber nicht so gut zu ihr.

Wer eigentlich der Böse in der Geschichte ist, bleibt lange im Dunklen, denn immer wieder werden Zweifel geschürt. Dies zusammen mit der tollen Welt und der Magie der Sidhe, die sich in vielen verschiedenen Formen zeigt, macht Crown of Light und Darkness für mich zu einem tollen, abwechslungreichen und unvorhersehbaren Fantasybuch. 4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 26.09.2024

Perfekte Freundschaftsgeschichte für alle, die Halloween und Streiche mögen

Süßes und Saures mit Juli
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Seit jedes Mitglied der Bande ein eigenes Tier hat, unternehmen Paul, Max und Anna seltener etwas miteinander. Vor allem Max ist genervt davon, dass Anna sich nur noch um Julis Fohlen Juno kümmert und ...

Seit jedes Mitglied der Bande ein eigenes Tier hat, unternehmen Paul, Max und Anna seltener etwas miteinander. Vor allem Max ist genervt davon, dass Anna sich nur noch um Julis Fohlen Juno kümmert und sich ständig Sorgen macht. Da kommt ihnen der Halloween-Abend gerade recht. Die drei beschließen, nachts zusammen um die Häuser zu ziehen und Süßes zu sammeln. Paul ist sich sicher, dass sie auch einiges an Saures erwartet, denn Anna und Max haben eine Wette am Laufen. Anna behauptet, dass Max es nicht schaffen könnte, sie zu erschrecken. Paul aber weiß, dass sich Max bei Streichen so richtig ins Zeug legt. Kann das gut gehen? Und ist es ratsam, die Tier zum Ausflug mitzunehmen?

Wir haben uns richtig gefreut, dass jetzt im Herbst ein neues Abenteuer mit Juli erschienen ist. Das Cover passt super zu den restlichen Titeln der Reihe und zeigt auch gleich durch die verkleideten Kinder auf dem Cover, dass es in der Geschichte um das immer beliebter werdende Halloween-Fest geht. Der Titel lässt nicht unbedingt nur Gutes erwarten. Meine Tochter war ganz begeistert von Band 1 der Reihe mit Juli, dem Pferd, dass zufällig bei Paul landet und das er zunächst gar nicht leiden kann, so dass wir diesen hier jetzt passend zur Jahreszeit unbedingt lesen mussten. Zwar ist es nicht unbedingt notwendig, die weiteren Bände zu kennen, um die Geschichte zu verstehen, wir empfehlen aber trotzdem die anderen vorher zu lesen, dann kennt man einfach schon die Hintergründe. Juno kannten wir z.B. aus dem ersten Band noch nicht und meine Tochter war ganz entzückt über das Fohlen von Juli. Mindestens so wie Anna, die von Max kritisiert wird, weil sie sich ständig um das Junge sorgt.

Da beginnt auch schon der kleine Konflikt, der zu einer Wette zwischen Max und Anna führt. Als Leser*in wird gleich klar, dass da einiges passieren wird. Wir fanden allein schon die Ideen rund um die Verkleidungen total gelungen und witzig. Außerdem war alles so bildlich beschrieben und wunderbar illustriert, dass wir sehr oft schmunzeln mussten. Es ist einfach genial, wie die Handlung hier farbig in Szene gesetzt wird. Spannend war der Verlauf der Geschichte auch, denn man rechnete immer damit, dass etwas Gruseliges passiert und Anna erschreckt wird. Die Streiche verraten wir nicht, nur dass sie echt kreativ waren und auch ein bisschen für Gänsehautmomente bei meiner Tochter sorgten. Die Dosis war für uns genau richtig. Wir lieben vor allem das pfiffige Fohlen Juno, das ganz nach seiner Mutter kommt, aber auch Watson der Hund ist toll. Neben der spannenden und lustigen Handlung gibt es auch viele Momente, die zeigen, worauf es bei einer guten Freundschaft ankommt.

Wie beim ersten Band ist auch hier wieder die abwechslungsreiche, pfiffige Textgestaltung mit verschiedenen Schriftarten, Rahmen und Sprechblasen, Unterstreichungen und Pfeilen das Tüpfelchen auf dem i. Die Outtakes, ein Fehlersuchbild und ein Rezept für Monster-Cookies am Ende des Buches sind tolle, zusätzliche Angebote. Wir werden uns auf jeden Fall noch weitere Juli-Abenteuer besorgen. Ganz große Empfehlung! 5 Sterne

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Veröffentlicht am 16.09.2024

Gut gemixter Lesecocktail - sinnlich und spannend

The Lies We Hide (Brouwen Dynasty 1)
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Leenard Brouwer will mit seinem Vater und dessen bekanntem Gin-Unternehmen nichts zu tun haben und lebt deshalb in London. Doch dann passiert etwas und er muss sofort zurück nach Amsterdam, wo die Familie ...

Leenard Brouwer will mit seinem Vater und dessen bekanntem Gin-Unternehmen nichts zu tun haben und lebt deshalb in London. Doch dann passiert etwas und er muss sofort zurück nach Amsterdam, wo die Familie in einem großen Schloss lebt. Leen hasst alles daran und kann mit der Vergangenheit einfach nicht abschließen. Jetzt soll er auch noch die Firma übernehmen, die in finanzielle Bedrängnis geraten ist. Helfen soll ihm dabei die bekannte Gin-Fluencerin Miss Cocktailery. Für Nika, die hinter diesem Account steht ist das die Chance. Allerdings weiß Leen, der früher ihr bester Freund war, nicht, dass sie es ist. Für die beiden entsteht eine Zwickmühle als klar wird, dass die Gefühle von damals trotz allem nicht verschwunden sind.

Fand das Cover schon so toll und die dazugehörige Idee, die ganze Geschichte in der Welt des Gin spielen zu lassen. Das Setting in und um Amsterdam ist super beschrieben und man fühlt sich sofort als Reisender in dieser schönen Stadt. Das liegt vor allem auch daran, dass Nikas Hausgemeinschaft das Lebensgefühl ihrer Straße so authentisch transportieren. Die Nebencharaktere wurden wirklich mit viel Liebe ausgestaltet und sorgen für ein heimeliges Gefühl der Geborgenheit, das vor allem Nika auffängt, wenn es ihr nicht so gut geht.

Nika ist eine offene, selbstbewusste Frau, die allerdings Leens damalige Abweisung nie ganz verwunden hat. Sie arbeitet in einer Old-School-Bar, kreiert jedoch im Netz ihre eigenen modernen Gin-Cocktails und ist damit sehr erfolgreich. Leen hingegen schleppt die Probleme seiner Kindheit und Jugend immer noch mit sich herum. Vor allem die Abneigung seines Vaters ihm gegenüber und ein traumatisches Erlebnis hat er nie verwunden. Dementsprechend negativ und grumpy ist er manchmal, bis hin zur Aggressivität, die ihm wenigstens ein bisschen das Gefühl gibt, lebendig zu sein. Es passt ihm gar nicht, dass er nach Hause zurückkehren muss. Allerdings gab es ein Verbrechen und er ist seiner Familie, vor allem seiner Schwester und seinem verschwundenen Bruder immer noch verbunden. Das Aufeinandertreffen zwischen Leen und Nika wühlt viele Erinnerungen an die Vergangenheit wieder auf und ist wie ein Tanz auf Messers Schneide. Beide wissen nicht so recht, wie sie agieren sollen. Es knistert gewaltig, doch beide sind unsicher, ob es hier noch etwas zu retten oder einen Neubeginn geben kann.

Das Buch ist ein wirklich toller, aufregend neuer Cocktail aus bekannten Zutaten, die allerdings perfekt gemixt sind. Viele Probleme, jede Menge Tiefgang und Gefühl, eine Prise gut geschriebener Spice, gewürzt mit einem Schuss Crime und garniert mit tollen Nebencharakteren, die man einfach mögen muss, ist "The Lies We Hide" ein lesenswerter erster Band der Bouwen Dynasty Reihe. Und wie bei Cocktails ist ein Band hier nicht genug, denn am Ende warten ein paar überraschenden Wendungen und ein Cliffhanger, die dafür sorgen, dass man sofort das nächste Glas bestellen möchte. Richtig kreativ fand ich auch die Kapitelanfänge, die alle den Titel selbstkreierter Cocktails trugen. Leider wurden nur die Zutaten aufgezählt und nicht die Mengen, sonst hätte man zu jedem Abschnitt den passenden Drink genießen können. 4,5 Sterne

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