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Veröffentlicht am 03.05.2022

Sehr außergewöhliche Ermittlungen

Florentine Blix (1). Tatort der Kuscheltiere
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Florentine ist 13 und ein besonderes Mädchen, das in der Schule wegen ihrer Art alle komisch finden. Zum Glück ist da ihre Freundin Maja, die zwar nicht auf dieselbe Schule geht, aber Florentine immer ...

Florentine ist 13 und ein besonderes Mädchen, das in der Schule wegen ihrer Art alle komisch finden. Zum Glück ist da ihre Freundin Maja, die zwar nicht auf dieselbe Schule geht, aber Florentine immer bei ihrem liebsten Hobby unterstützt: Sie löst Kriminalfälle, wenn auch bisher eher kleine. Das ändert sich, als ihre ausrangierten Kuschentiere plötzlich verschwinden und an den unmöglichsten Stellen wieder auftauchen. Und dann ist da noch der neue Mitschüler Bo, dessen Vetter Jesper verschwunden ist. Ob die clevere Florentine beide Fälle lösen kann?

Die Aufmachung dieses Kinderbuchs hat mir schon unheimlich gut gefallen. Das Cover erinnert an einen Aktendeckel und im Inneren sind die Blätter mittig mit gezeichneten Lochstanzungen und Ordnern versehen, so dass das Buch wirklich wirkt, wie eine Fallakte. Zudem sind zwischen der Geschichte, die Florentine erzählt auf grünen Kärtchen zusätzliche Informationen, Worterklärungen und kurze Gedächtnisprotokolle abgedruckt (die Schriftgröße finde ich etwas zu klein gewählt). Das Grün spielt für Florentine auch eine große Rolle, denn das ist ihre Lieblingsfarbe. Mit Grün ist alles gut, wohingegen Rot anzeigt, dass ihr etwas gar nicht gefällt.

Und das ist die Stelle, an der man wissen muss, dass Florentine besonders ist. Ich würde sagen, es sind authistische Züge, die anfangs, wenn man sie noch nicht so gut kennt, etwas gewöhnungsbedürftig sind. Das legt sich aber schnell, denn sie ist einfach ein tolles und cleveres Mädchen, dass es eben gern ordentlich hat, das nicht lügen kann und jedes Wort auf die Goldwaage legt. Redewendungen versteht sie nicht wirklich und mit Menschen hat sie es auch schwer, nur eben nicht mit ihrer Freundin Maja.

Durch den neuen Jungen Bo wird sie in einen Fall verwickelt, der größer ist, als alle vorherigen. Es wird recherchiert, beobachtet und natürlich geraten sie in die ein oder andere gefährliche Situation. Und dann gibt es da noch ein großes Geheimnis in diesem übernatürlichen Kinderkrimi, das die bodenständige Florentine zunächst mal ziemlich verblüfft, denn das geht weit über ihre geliebte Physik hinaus, passt aber in dem Fall hervorragend ins Gesamtbild.

Die Schreibweise ist auch durch die Zusatzinfos schön zu lesen und die Spannung steigert sich auch kontinuierlich. Zudem hält die Geschichte einige Überraschungen bereit, die ich so gar nicht erwartet habe und die mal so ganz andere Ideen reinbringen. Sehr gut gelungen finde ich das Setting zwischen Flensburg und Dänemark und das kleine Dänisch-Wörterbuch am Ende. Ein etwas anderer Krimi, den ich sehr gern geübten und ausdauernden Lesern ab 10 Jahren empfehle. Wer die Lotta-Leben-Reihe der Autorin kennt, muss sich auf etwas mehr Text einstellen. 4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 30.04.2022

Vorurteile in der Tierwelt

Keine bösen Tiere
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Raben bringen Unglück. Schwarze Katzen auch. Wölfe sind böse. Fledermäuse saugen Blut. Und Haie fressen Menschen. Wer hat nicht schon mal solche Vorurteile über böse Tiere gehört, in Märchen gelesen oder ...

Raben bringen Unglück. Schwarze Katzen auch. Wölfe sind böse. Fledermäuse saugen Blut. Und Haie fressen Menschen. Wer hat nicht schon mal solche Vorurteile über böse Tiere gehört, in Märchen gelesen oder in Filmen gesehen? Viele Tiere haben bei Menschen einen schlechten Ruf. Doch stimmt das alles wirklich oder ist es nur Gerede? Die Autorin des Buches greift 38 Tiere heraus, zu denen es in der Menschenwelt jede Menge Vorurteile gibt und begegnet diesen mit wissenschaftlichen Fakten. Dabei sind z. B. Motte, Kröte, Stier, Taube, Ratte und Spinne. Alle diese Tiere sind beim Menschen nicht sonderlich beliebt, was jedoch total unbegründet ist.

Nach dem Inhaltsverzeichnis gibt es eine kurze Einführung, dann folgen je Tier zwei Doppelseiten. Die erste ist jeweils komplett illustriert und zeigt das Tier in einer immer ziemlich gruselig oder ekelig anmutenden Szene, wobei gängige Vorurteile in Sprechblasen abgedruckt sind. Auf der folgenden Doppelseite ist das Tier dann "normal" abgebildet. Hier werden Eigenschaften, körperliche Merkmale oder besondere Verhaltensweisen des Tieres näher erklärt, so dass man es besser kennenlernt. Dazu sind in einem schwarzen Kasten noch einmal wichtige Fakten aufgezählt, die die Vorurteile ganz schnell entkräften, ja manchmal sogar etwas ins Lächerliche ziehen, das sie einfach aus der Luft gegriffen sind. Viele der Tiere sind sogar besonders klug und/oder nützlich. Ganz am Ende des Buches werden noch schwierige Begriffe erklärt.

Wir finden das Buch einfach nur toll. Allein die Idee, dass man mit tierischen Vorurteilen aufräumt ist schon genial, die Umsetzung aber noch viel besser. Vor allem die düsteren Seiten mit den Vorurteilen sind so aufbereitet, dass Kinder gleich merken, dass etwas Ironie darin steckt und dass das alles gar keine haltbaren Anschuldigungen sind. Die Zeichnungen sind richtig schön, so dass man das Buch immer wieder gern anschaut. Die Infotexte sind kurz gehalten, aber trotzdem auch für Kinder gut verständlich. So werden nicht nur Vorurteile, sondern vielleicht auch Ängste genommen und das Verständnis für die Tiere wächst. Ein super Buch für ein faires Miteinander von Mensch und Tier.

5 Sterne

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Veröffentlicht am 30.04.2022

Warmherzige Geschichte über Freundschaft, Mut und Achtsamkeit

Doppel-Galoppel 2. Zwei und das Wassergespenst
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Opa Valdi erzählt seinen streitlustigen Enkeln Fanndis und Jon eine weitere Geschichte über die beiden isländischen Fohlen-Freunde Kappi und Skoppa, während er ihnen eine Besonderheit der Natur Islands ...

Opa Valdi erzählt seinen streitlustigen Enkeln Fanndis und Jon eine weitere Geschichte über die beiden isländischen Fohlen-Freunde Kappi und Skoppa, während er ihnen eine Besonderheit der Natur Islands zeigt. In dieser Geschichte wird das leider noch etwas klein geratene Island-Fohlen Kappi von den größeren Fohlen Dreki und Bokki geärgert und weil sie nicht aufpassen sogar verletzt. Kappi hat aber keine Lust mehr, sich ständig von seiner Freundin Skoppa verteidigen zu lassen. Bei einem Spaziergang müssen sie dann nicht nur einem Lämmchen helfen, sonder bekommen es auch mit waschechten Gespenstern zu tun. Die perfekte Gelegenheit für das kleinen Fohlen, Mut und Stärke zu beweisen.

Wir haben kurz zuvor den ersten Band der Reihe gelesen, der uns schon total gut gefallen hat und so haben wir uns sehr über das schnelle Wiedersehen mit Kappi und Skoppa, aber auch mit Opa Valdi und den Enkeln Fanndis und Jon gefreut. Zu Beginn hat uns Kappi total leid getan, weil er wegen seiner geringen Körpergröße gehänselt wird. Meine Tochter konnt sich total gut in die Handlung hineinversetzen, da ihr das ähnlich geht. Doch dann wird es richtig spannend, denn ein Lämmchen berichtet sogar gleich von zwei Begegnungen mit Geistern. Beim Lamm und seiner Spraahaaache mussten wir richtig lachen und gleichzeitig war das so niedlich. Es hat richtig Spaß gemacht mit den Dreien ein Abenteuer zu erleben. Und noch lustiger fanden wir, dass die beiden rücksichtslosen großen Fohlen am Ende sogar einen Dämpfer erhalten. Auch Fanndis und Jon raufen sich zusammen und machen am Ende noch eine interessante Entdeckung. Ganz nebenbei haben wir noch etwas über das Naturschauspiel Geysire gelernt.

Die Illustrationen von Iris Hardt sind auch beim zweiten Band wieder so entzückend. Das Cover gibt schon einen kleinen Vorgeschmack darauf. Viele Bilder passen hervorragend zur Situationskomik im Text und es hat uns gar nicht gestört, dass man Vieles nur "von hinten" sieht. Bei den dargestellten Landschaften bekommt man einfach Fernweh.

Eine warmherzige Geschichte für Kinder über das Sich-Vertragen, Achtsamkeit und darüber, dass Mut und Stärke nichts mit der Körpergröße zu tun haben. Denn mit Sicherheit werden die Kleinsten die Größten sein. Wir möchten Euch dieses Buch unbedingt ans Herz legen. 5 Sterne

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Veröffentlicht am 22.04.2022

Keine trügerisch schöne Liebesgeschichte

Schallplattensommer
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Die sechzehnjährige Maserati lebt zusammen mit ihrer zeitweise senilen Oma auf dem Lande, wo sie ein Gasthaus betreiben. Maserati ist das einzige Mädchen unter 50 im Umkreis, daher wird sie oft angesprochen. ...

Die sechzehnjährige Maserati lebt zusammen mit ihrer zeitweise senilen Oma auf dem Lande, wo sie ein Gasthaus betreiben. Maserati ist das einzige Mädchen unter 50 im Umkreis, daher wird sie oft angesprochen. Lieber hätte sie aber ihre Ruhe. Als am Anfang des Sommers eine Familie die verfallene Villa im Ort bezieht und renoviert, lernt sie den depressiven Sohn Theo kennen, der meint, Maserati auf einem alten Plattencover zu erkennen, und seinen schlagfertigen Cousin Caspar, der ihr näher kommt, als ihr lieb ist.

Die Beschreibung auf dem Umschlag des Buches mutet sehr geheimnisvoll an, weshalb mich die Geschichte sehr angesprochen hat. Ich habe einen typischen Bronsky erwartet, deren Romane meist prompt in die Handlung einsteigen und doch eher Alltägliches darstellen. Das ist hier so gar nicht der Fall. Schon der Name Maserati deutet darauf hin, dass die Protagonistin kein normales Mädchen ist. Sie wirkt in der Geschichte in sich gekehrt und unnahbar. Klar ist nur, dass in ihrer Vergangenheit so einiges schief gelaufen zu sein scheint. Im Gasthaus ihrer senilen Oma schuftet sie ohne Pause und hat die Schule nach der 10. Klasse abgehakt, obwohl sie sehr intelligent ist.

Auch die Charaktere Theo und Caspar sind für mich irgendwie befremdlich und passen so gar nicht ins Dorf oder zu Maserati. Sehr nervig ist zum Beispiel, dass Caspar Maserati immer mit anderen Automarkennamen anspricht. Beim ersten Mal ist es noch ganz witzig, aber andauernd dann doch zu viel. Auch die Oma, Theos Mutter und Maseratis taubstummer "Freund" Georg sind mir zu übertrieben gezeichnet. Handlung gibt es nicht viel, eine Liebesgeschichte ist für mich kaum zu erkennen, Maseratis Familie und Umfeld wirken für mich konstruiert und von der schönen Sommerlektüre bleibt nur eine für meine Lebenswelt ziemlich belanglose Story. Einzig der Schreibstil, der eine tolle Sommeratmosphäre erzeugt, ist mir sehr positiv aufgefallen. Das ist mir aber von einer Alina Bronsky definitiv zu wenig.

Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht.

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Veröffentlicht am 18.04.2022

Spannung ist hier eher eine Illusion

Schwarzlicht
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Eine junge Frau wird brutal ermordet. Das Tatwerkzeug ist ein Schwertkasten, wie ihn Magier als Trick in ihren Zaubervorstellungen verwenden. Das Stockholmer Spezialteam, zu dem auch die unnahbar wirkende ...

Eine junge Frau wird brutal ermordet. Das Tatwerkzeug ist ein Schwertkasten, wie ihn Magier als Trick in ihren Zaubervorstellungen verwenden. Das Stockholmer Spezialteam, zu dem auch die unnahbar wirkende Mina Dabiri gehört, soll in dem Fall ermitteln. Durch einen Tipp von außerhalb suchen sie Rat bei dem Mentalisten Vincent Walder, der zwar im Umgang mit Menschen nicht besonders fähig ist, dafür aber umso besser darin, sie zu lesen und zu manipulieren. Von ihm erhoffen sie sich Informationen über die Psyche des Täters. Bald wird klar, dass es sich um einen Serienmörder handeln muss. Je weiter die Ermittlungen fortschreiten, umso wahrscheinlicher wird, dass die Verbrechen etwas mit dem Mentalisten zu tun haben.

Der Klappentext klingt total reizvoll, weil mit dem Mentalisten eine neue Komponente zum normalen Krimi hinzukommt, die etwas Besonderes ist und Spannung verspricht. Schon die ersten Seiten ließen mir das Blut in den Adern gefrieren. Die Beschreibung des Mordes war brutal und ging sprichwörtlich unter die Haut. Auch die sehr speziellen Charaktere von Mina und Vincent, die man dann kennenlernt, sind interessant, vielleicht auch etwas übertrieben konzipiert. Denn hier treffen zwei Menschen zusammen, die nicht nur Probleme mit anderen Menschen haben, sondern ausgewachsene Neurosen. Diese nehmen sehr viel Raum in dem Buch ein, vor allem Minas Waschzwang, der ihr eigentlich gar nicht ermöglichen würde zu ermitteln. Trotzdem überwindet sie ihn an den nötigen Stellen.

Auch der Rest des Team besteht aus bunt zusammengewürfelten Köpfen, vom frisch gebackenen und dauernd einnickenden Drillingsvater über einen einsamen Wolf bis hin zum absoluten Machoman. Das alles unter der Führung einer Frau mit bisher unerfülltem Kinderwunsch. Die Vielfältigkeit sorgt hier natürlich für die ein oder andere komische Situation.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr solide und routiniert, die Kommunikation ist manchmal, wie in nordischen Romanen fast üblich, etwas derb. Der Fall selbst beschäftigt sich mit Illusionen, die jeder von Zaubershows kennt. Das Magische nimmt aber weniger Raum ein, als man vermuten könnte. Das ein oder andere Mal habe ich mich gefragt, ob hier wirklich ein Mentalist nötig ist, um den Täter zu schnappen, denn außer ein paar Infos zum Schwertkasten und zu einer Verschlüsselung kommt da eigentlich gar nicht so viel. Sehr häufig hilft der Zufall den Ermittlern auf die Sprünge und Hinweise werden viel zu spät entdeckt oder erkannt.

Und so ist nach dem brutal guten Anfang die Spannung erstmal lange Zeit wie weggezaubert. Viel mehr geht es um die beiden Protagonisten, die langsam ein Vertrauensverhältnis zueinander aufbauen, weil sie als Neurotiker den jeweils anderen verstehen, ihre Familien und Geheimnisse. Sehr nervig ist hier die fehlgeleitete Kommunikation zwischen Vincent und seiner krankhaft eifersüchtigen Frau Maria. Und immer wieder wird Minas Abneigung gegen Keime, Staub, Schweiß, Haare und alle anderen kleinen Partikel viel zu oft zum Hauptthema. Klar kann man sich so gut in die Person hineinversetzen, aber das alles ist so übermächtig, dass es die ganze Spannung nimmt.

Neben der Haupthandlung gibt es immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit eines Jungen, der irgendwie in das Geschehen verwickelt zu sein scheint. Hier wird eine bedrohliche Stimmung aufgebaut, die neugierig macht. Doch im Prinzip gibt es kaum Möglichkeiten zum Miträtseln, kaum Verdächtige und auch kaum eine Überraschung. Jeder geübte Krimileser dürfte die Zusammenhänge ab einem gewissen Punkt leicht durchschauen, weil es zur Lösung einfach kaum Alternativen gibt. Zudem hätte es dem Buch gut getan, wenn es etliche Seiten weniger gehabt hätte.

Am Ende bleibt ein Showdown, der irgendwie auch nur eine Illusion von Spannung vorgaukelt, weil man eigentlich genau weiß, was passiert und ein Geheimnis Minas, das dafür sorgen soll, den Leser bei der Stange zu halten. Warum jetzt das Buch im Deutschen Schwarzlicht heißt, bleibt auch ein Rätsel, da selbiges in der Geschichte überhaupt nicht vorkommt. Der Originaltitel "Box" wäre hier wesentlich aussagekräftiger.

Fazit: Ich habe die Ermittler wirklich gut kennengelernt und finde sie mitsamt ihren Neurosen interessant, vielleicht sogar sympathisch, doch 600 Seiten sind einfach zu viel für das etwas dürftige Maß an Spannung. Zudem für mich alles ziemlich vorhersehbar. Der Titel ist schlichtweg unpassend.

3 Sterne

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