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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.03.2026

Superkraft

Nachteule
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Dem Leser wird hier eine nahezu perfekte Familie präsentiert. Gut situierte Eltern, die mit ihrer Adoptivtochter in einem großen Haus mit Garten in ruhiger Umgebung wohnen. Die Tochter Luisa ist 15 Jahre ...

Dem Leser wird hier eine nahezu perfekte Familie präsentiert. Gut situierte Eltern, die mit ihrer Adoptivtochter in einem großen Haus mit Garten in ruhiger Umgebung wohnen. Die Tochter Luisa ist 15 Jahre alt, artig und strebsam. Doch sie hat eine Superkraft. Sie kann im Dunkeln sehen. Leider weiß sie nichts über ihre genetische Familie aus Peru, spekuliert aber über ihre Geschichte. Auf einem ihrer Streifzüge durch den nahe gelegenen Wald trifft sie den Obdachlosen Tim. Was als harmlose Bekanntschaft beginnt, entwickelt sich bald zu einer gefährlichen Verstrickung, denn Tim versucht Luisa immer mehr in seine Machenschaften zu ziehen. Auch Luisas heiles, perfektes Familienleben beginnt zu bröckeln. Und so beginnt eine Abwärtsspirale, die den Leser in Atemlosigkeit versetzt. Ich bin einfach immer wieder total begeistert, wie Ingrid Noll mit ihren Figuren spielt. Wie sie es schafft Mord, Intrigen und Kriminalität als etwas ganz Selbstverständliches in die bürgerlichsten Familien zu integrieren. Selbst ihre noch so perfekten Protagonisten, zeigen plötzlich ganz dunkle ungeahnte Seiten. Und alles fließt so ganz nebenbei, als wäre es ganz normal, dass da eben mal die verhasste Nachbarin dran glauben muss. Auch in ihrem neuen Buch, liefert uns Ingrid Noll wieder grandios gestrickte Protagonisten, viel Spannung und Gänsehautmomente. Mich hat dieses Buch sehr begeistert. Ich kann es euch nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Still und nachhaltig

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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Wer waren unsere Großeltern eigentlich? Wie haben sie die Zeit des Nationalsozialismus erlebt? Judith Hermann begibt sich auf die Spuren ihres Großvaters. Er war damals im polnischen Radom stationiert. ...

Wer waren unsere Großeltern eigentlich? Wie haben sie die Zeit des Nationalsozialismus erlebt? Judith Hermann begibt sich auf die Spuren ihres Großvaters. Er war damals im polnischen Radom stationiert. Sein Tattoo, das Erkennungszeichen, hat er sich, nie entfernen lassen. Aber um seine Geschichte herrscht großes Schweigen. Die Autorin besucht den Ort, an dem er stationiert war, versucht sich in sein damaliges Leben einzufühlen. Reist dann zu ihrer Schwester nach Italien und trifft auch dort auf die Schatten der düsteren Vergangenheit. Wir kennen sehr viele Geschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Doch hauptsächlich die der Opfer. Um die Geschichten der Täter ist es sehr still geworden. Und dennoch sind sie ja da. Die Täter leben in unseren Familien oder in den Erinnerungen unserer Familienmitglieder. Aber um die Schuld und die Taten ist es ganz still geworden. Doch was geht tief in einem Menschen vor, der dazugehörte? Ohne dem Buch hier vorzugreifen, auch die Autorin wird in diese Stille getaucht. Und gerade durch diese Geschichte, die nicht erzählt wird, wurde mir erst bewusst, wie mächtig und elementar dieses Schweigen noch immer ist. Ich liebe die Romane von Judith Hermann seit meiner Schulzeit. Aber es waren nie Geschichten, die sofort beim Lesen eine starke Wirkung auf mich hatten. Vielmehr setzte sich alles eher langsam in mir, lies mich nicht mehr los, brachte mich zum Nachdenken und wirkte so anhaltend. So ist es auch mit diesem Buch. Still und nachhaltig.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Halt in der Literatur

Das Alphabet bis S
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„Das Alphabet bis S“ von Navid Kermani
Sie ist Schriftstellerin, in ihren Vierzigern, verheiratet und Mutter eines Teenagers, als ihre Welt zu zerbrechen droht. Ihre iranischen Eltern leben schon lange ...

„Das Alphabet bis S“ von Navid Kermani
Sie ist Schriftstellerin, in ihren Vierzigern, verheiratet und Mutter eines Teenagers, als ihre Welt zu zerbrechen droht. Ihre iranischen Eltern leben schon lange in Deutschland, so dass die Protagonistin zwischen zwei Kulturen aufwuchs. Nun ist ihre Mutter gestorben. Ihre eigene Ehe steht vor dem Aus, als plötzlich der geliebte Sohn schwer krank wird. Alles schlägt über ihr zusammen und erschüttert sie zutiefst. Zwischen alltäglichen Handlungen und den Schrecken, die Trauer und Krankheit mit sich bringen sucht sie verzweifelt einen Rettungsanker und findet diesen in der Literatur. In ihrer Lesegruft warten viele ungelesene Bücher auf sie. So beginnt sie diese nach Autoren alphabetisch zu ordnen und zu lesen. Neben ihrer eigenen Geschichte taucht der Leser so auch in die weite Welt der Literatur ab. Navid Kermani nimmt uns mit durch Klassiker von Hermann Hesse, Ringelnatz oder Péter Nádas, aber auch durch die persische und deutsche Kultur. Dieses Buch war für mich keine leichte Kost. Mehrere Monate habe ich immer wieder darin gelesen und es dann für einige Zeit wieder weggelegt. Die Sprache empfand ich als poetisch und dennoch am Puls der Zeit. Eine Mutter die Angst um ihren Sohn hat. Eine Frau mit Lebenserfahrung und dennoch erschüttert von Krisen, die meinen alle gleichzeitig über ihr hereinbrechen zu müssen. Also das Leben wie es ist, manchmal einfach grausam und dennoch die Literatur als Schönheit des Lebens mit allen Facetten, die durch Krisen trägt und als ein Halteseil zum Leben dient. Ich denke für jeden Literaturbegeisterten ist dieses Buch eine Hommage an die Kunst des Wortes. Und Navid Kermani hat es uns vorgemacht: Egal wie wild das Leben auch tobt, sucht den Halt im Wort.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Ein Aha-Erlebniss

Das Kind in dir muss Heimat finden
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Warum rastet der eine bei Belanglosigkeiten plötzlich aus? Warum hat ein anderer keinen Antrieb sein Leben selbst in die Hand zu nehmen? Und warum gelingt dem anderen scheinbar alles mühelos? Stefanie ...

Warum rastet der eine bei Belanglosigkeiten plötzlich aus? Warum hat ein anderer keinen Antrieb sein Leben selbst in die Hand zu nehmen? Und warum gelingt dem anderen scheinbar alles mühelos? Stefanie Stahl macht uns mit unserem Schattenkind und Sonnenkind vertraut. Also die Teile unserer Persönlichkeit die in unserer Kindheit von den Bezugspersonen geprägt wurden. Das Schattenkind hat dabei durch Erfahrungen bestimmte negative Glaubensätze erworben, auf die wir als Erwachsene mit erlernten Strategien reagieren. Sich genau dieser Glaubensätze und Strategien bewusst zu machen, ist Gegenstand dieses Buches. Dazu gibt es sehr gute, leicht verständliche Erklärungen mit Beispielen und Übungen, um sich aus erlernten Strategien zu befreien. Ich denke jeder wird sich in diesem Buch wiederfinden. Auch ich hatte einige sehr interessante Aha-Erlebnisse. Ob die Lektüre Nachhaltig war, kann ich noch nicht sagen. Einige Übungen werde ich jedoch bestimmt wiederholen und verfestigen. Ein sehr interessantes Buch, dass bei mir Eindruck gemacht hat.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

In den Topf gucken

Richtig gutes Essen
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Schauplatz dieser Geschichte ist eine Firma in Japan nicht weit von Tokyo. Die Angestellten der Firma verbringen den ganzen Tag in ihrer Abteilung. Ihre Arbeit wird fast nur vom Essen unterbrochen. Doch ...

Schauplatz dieser Geschichte ist eine Firma in Japan nicht weit von Tokyo. Die Angestellten der Firma verbringen den ganzen Tag in ihrer Abteilung. Ihre Arbeit wird fast nur vom Essen unterbrochen. Doch das zelebrieren sie gerne auch gemeinsam. Nitani hasst es mit seinen Kollegen und Kolleginnen essen zu gehen. Er mag weder die belanglosen Gespräche noch die Lobhudelei über das Essen. Er möchte am liebsten nur Instantnudeln essen. Mit seiner Kollegin Ashikawa pflegt er eine lockere Beziehung. Sie liebt es zu kochen und zu backen. Für ihn völlig überflüssig und dennoch anziehend auf sehr skurrile Weise. „Richtig gutes Essen“ ist ein richtig gutes Buch! Die Abteilung zelebriert die natürliche Handlung der Nahrungsaufnahme in kaum ermesslicher Art und versteckt dahinter viele Missstände und Ungerechtigkeiten. Falsches Spiel wird weggewischt, indem die lieben Kollegen gefüttert werden. Neid und Hass werden durch Gebäck und Gedünstetes verschleiert. Wer für uns kocht, der kümmert sich um uns und dem müssen wir ja wohl etwas bedeuten?! Ganz toll fand ich auch die wechselnde Erzählweise dieses Romans. Ich habe noch nie erlebt, dass zwischen der Ich-Perspektive und der dritten Person permanent gewechselt wurde. Am Anfang hat mich dies etwas irritiert, aber später fand ich es genial gelöst. Dieses Eintauchen in die japanische Kultur war für mich ein tolles Erlebnis. Ein sehr schmackhaftes und empfehlenswertes Buch.

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