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Veröffentlicht am 02.02.2019

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Stream - Gehst du offline, ist sie tot
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Das Buch ist sehr gut aufgebaut: Gleich am Anfang lernt man das Team rund um Frank Banta kennen, das mitten in einem Einsatz steckt. So erfährt man, was sie eigentlich machen - nämlich gefährliche Missionen ...

Das Buch ist sehr gut aufgebaut: Gleich am Anfang lernt man das Team rund um Frank Banta kennen, das mitten in einem Einsatz steckt. So erfährt man, was sie eigentlich machen - nämlich gefährliche Missionen übernehmen, oft von Privatleuten angeheuert, und das ganze mit Unterstützung von ganz viel Technik,

Meine erste Befürchtung war, dass sehr viele technische Begriffe in den Raum geworfen werden, was auch so war. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, zu wenig zu verstehen. Es hat sich einfach gut eingefügt und zum Inhalt gepasst.

Die eigentliche Geschichte, die auch im Klappentext erwähnt hat, beginnt erst etwas später, steht dann aber im Mittelpunkt. Trotzdem hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass der Stream etwas zu kurz kommt - denn eigentlich geht es um die Handlung drumherum, um herauszufinden, wo Anna, Franks totgeglaubte Frau, gefangen gehalten wird.

Und hier passieren mir dann einfach zu viele Zufälle. Alles klappt verhältnismäßig reibungslos, auch wenn es nicht immer einfach ist, den Stream zu halten. Frank und sein Team sind dann viel unterwegs, die Ortswechsel haben mich teilweise etwas irritiert, vor allem weil es keine wirkliche Reisezeit zu geben scheint.

Gut gefallen hat mir, dass man eigentlich immer im Dunkeln tappt, wer hinter Annas Entführung und dem Stream steckt. Es werden vom Autor einige falsche Fährten gelegt, denen man als Leser nur zu gerne folgt - nur um dann zu erkennen, dass es doch ganz anders ist. Deswegen ist das Ende auch wirklich überraschend. Trotzdem konnte es mich nicht komplett überzeugen. Es bleiben einfach zu viele Fragen offen, wichtige Informationen werden nur angeschnitten und es wirkt mir zu konstruiert und nicht wirklich glaubwürdig. Zumindest konnte ich das Verhalten der handelnden Personen nicht nachvollziehen.

Insgesamt war es eine nette Unterhaltung mit guten Ansätzen, aber in meinen Augen auch einigen Schwächen, deswegen gibt es von mir 3 Sterne!

Veröffentlicht am 02.02.2019

Wer ist der Wanderer?

Tannenstein
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Der Thriller ist nichts für schwache Nerven, denn schon zu Beginn begegnen wir dem "Wanderer", der ohne die geringste Gefühlsregung elf Menschen erschießt. Aufgeklärt wird dieses Verbrechen aber nicht, ...

Der Thriller ist nichts für schwache Nerven, denn schon zu Beginn begegnen wir dem "Wanderer", der ohne die geringste Gefühlsregung elf Menschen erschießt. Aufgeklärt wird dieses Verbrechen aber nicht, der Wanderer bleibt ein Phantom.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht allerdings Alexander Born, der damals in diesem Fall ermittelt, aber mittlerweile die Seiten gewechselt hat und gerade aus dem Gefängnis entlassen wird. Sein einziger Antrieb ist jetzt Rache - denn der Wanderer hat seine Freundin getötet.

Spannung ist hier wirklich vorprogrammiert, vor allem weil die Story aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben ist, Mal schaut man dem Wanderer über die Schulter, mal driftet man ins Milieu der Russenmafia ab und dann ist da natürlich noch Alexander Born, der nun auf eigene Faust auf die Jagd geht.

Am Anfang ist alles etwas verwirrend, da sehr viele Orte und Personen auftauchen, doch durch die gute Strukturierung der Kapitel findet man sich schnell hinein.

Was mich aber am meisten begeistert, ist, dass es in diesem Buch nicht nur schwarz oder weiß gibt. Man kann seine Sympathien nicht wirklich verteilen, denn kaum eine Figur ist entweder gut oder schlecht. Ich war beim Lesen permanent hin- und hergerissen. Auch mein Vertrauen konnte keine der Personen schnell gewinnen, weil immer auch ein bisschen Skepsis mitgeschwungen ist. Wer also auf das klassische Gut oder Böse verzichtet kann, liegt mit diesem Buch richtig.

Allerdings ist es auch wirklich brutal. An einigen Stellen hätte ich am liebsten die Augen zu gemacht und eine Verfilmung wäre mir wahrscheinlich zu hart, denn die Russenmafia und ihre Killer haben Spaß am Foltern und Töten - und das wird eben auch beschrieben. Dass es solche Netzwerke wahrscheinlich wirklich gibt, ist wirklich gruselig.

Überzeugen konnte mich auch das Ende: Es ist total schlüssig, realistisch und weicht vom gern verwendeten Happy End ab. Trotzdem - oder gerade deswegen - fand ich es äußert passend.

Alexander Born habe ich während des Lesens wirklich schätzen gelernt, auch wenn ich es am Anfang nicht gedacht hätte. Deswegen würde ich mich sehr über einen neuen Fall freuen, in dem er seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden zeigen kann.

Von mir gibt es für diesen Lesespaß 5 Sterne!

Veröffentlicht am 15.01.2019

Die liebe Liebe

Für immer hält nicht nur bis morgen
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Angesprochen hat mich vor allem das Cover. Wie hübsch es aussieht, mit der goldenen Prägung, das kommt leider auf dem Foto gar nicht so heraus. Es ist ein echter Blickfang im Regal.

Inhaltlich habe ich ...

Angesprochen hat mich vor allem das Cover. Wie hübsch es aussieht, mit der goldenen Prägung, das kommt leider auf dem Foto gar nicht so heraus. Es ist ein echter Blickfang im Regal.

Inhaltlich habe ich nicht sooo viel erwartet, denn Frauenromane dieser Art sollen mich für ein paar Stunden in eine andere Welt entführen, müssen dafür aber nicht viel Tiefe haben. Wer also etwas lockeres für Zwischendurch lesen möchte, macht hier nichts verkehrt.

Trotzdem konnte mich der Roman nicht komplett überzeugen. Denn die Protagonistin Rae war mir von Anfang an nicht wirklich sympathisch. Sie verhält sich nicht gerade verantwortungsvoll - vor allem was ihren Beruf - sie ist Lehrerin - angeht. Dafür trinkt sie gern Alkohol und träumt von einem Durchbruch als Schriftstellerin. In der Liebe läuft es auch nicht. Sie ist geschieden und auf die Hochzeit ihrer Freundin möchte sie auch nicht gehen, zumindest nicht allein. Rae wirkt wie eine gescheiterte Persönlichkeit.

Und das hat mich mit der Zeit wirklich genervt. Ich kann ihr Handeln, egal ob im Beruf, beim Online-Dating oder ihren Freundinnen gegenüber, gar nicht nachvollziehen und hätte sie am liebsten geschüttelt. Wie eine Erwachsene handelt sie nicht wirklich, manchmal eher wie ein trotziges Kind.

Dass ich einen Protagonisten mag ist für mich schon entscheidet wenn es um den Lesegenuss geht. Da kann dann auch die Geschichte selbst nicht mehr sooo viel wett machen. Die fand ich ganz nett, auch wenn einige Stellen etwas "drüber" waren und das Ende nicht überraschend ist. Romantik kommt auf jeden Fall nicht zu kurz, auch wenn es bis dahin etwas dauert.

Es ist keine klassische Love Story und Rae teilweise ganz schön derb. Das ist gut als Abwechslung, aber man muss es mögen. Vom Cover her hätte ich etwas anderes erwartet.

Insgesamt war es ganz okay, aber es wird mir nicht lange im Gedächtnis bleiben und ich richtig überzeugt wurde ich auch nicht. Deswegen nur 2,5 Sterne!

Veröffentlicht am 15.01.2019

Reingehört ins Weiße Haus

BECOMING
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Am neugierigsten war ich natürlich - wie wahrscheinlich alle Leser bzw. Hörer - auf Michelle Obamas Zeit im Weißen Haus und ihr Leben als First Lady, auch wenn sie während dieser Zeit doch schon sehr im ...

Am neugierigsten war ich natürlich - wie wahrscheinlich alle Leser bzw. Hörer - auf Michelle Obamas Zeit im Weißen Haus und ihr Leben als First Lady, auch wenn sie während dieser Zeit doch schon sehr im Rampenlicht stand.

Nichtsdestotrotz muss man sich aber erstmal gedulden, denn nach dem Vorwort, das mir schon sehr gut gefallen hat, geht es erstmal mit Michelles Vergangenheit und Kindheit los. Das war sehr interessant und lässt sie so normal wirken, was sie wahrscheinlich auch ist. Man erfährt sehr viel Privates, nicht nur über sie selbst, sondern auch über ihre Familie. Dass ihr Vater an MS erkrankt war, wusste ich beispielsweise noch gar nicht. Einen kleinen Kritikpunkt gibt es hier für mich aber trotzdem: Ich fand es sehr lang und teilweise hat sich einiges wiederholt.

Richtig gut gefallen haben mir dafür dann die späteren Parts, als es auch um ihre Beziehung zu Barack und natürlich die Zeit im Weißen Haus geht. Dabei mischt sie persönliche Erlebnisse mit Politik, und irgendwie passt auch alles gut zusammen. Einiges war mir schon bekannt, denn ich habe die Klatschblätter gern verfolgt. Trotzdem wurde mir nicht langweilig, vor allem weil es im Hörbuch und direkt von Michelle einfach noch authentischer war.

Klar ist natürlich, dass es aus ihrer Sicht erzählt ist. Selbstkritik gibt es jetzt nicht wirklich, was aber auch verständlich ist. Gestört hat mich das aber nicht. Mir war die Botschaft wichtiger, die die ehemalige First Lady durch ihre Worte vermitteln möchte.

Gelesen wird das Hörbuch von Katrin Fröhlich. Die Stimme ist sehr angenehm, sodass man ihr auch über eine längere Zeit folgen kann.

Ich habe mir das Hörbuch als mp3-CD geholt, was schon fast altmodisch ist. Das lag aber daran, dass ich Hörbücher vor allem im Auto höre und ich zwar einen CD-Spieler, aber keinen Anschluss an das Handy habe. Das Hören hat sich dann allerdings doch als etwas problematisch herausgestellt, denn wenn man nur kurze Strecken fährt, lohnt es sich nicht. Noch ärgerlicher ist es, wenn man das Auto mal verleiht, die CD aber weiter läuft und man sich dann mühsam durch die Tracks klicken muss, um die richtige Stelle zu finden. Hierfür kann aber natürlich das Buch nichts.

Insgesamt war mein Ausflug in die Hörbuch-Welt eine schöne Abwechslung. Von mir gibt es 4 Sterne.

Veröffentlicht am 15.01.2019

Lesen!

Ihr Scheinheiligen!
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Das Buch ist eine Abrechnung. Eine Abrechnung der Autorin an die in Deutschland lebenden Türken, die sich nicht als Teil der Gesellschaft sehen. Das ist natürlich sehr provokativ und ich denke, wenn es ...

Das Buch ist eine Abrechnung. Eine Abrechnung der Autorin an die in Deutschland lebenden Türken, die sich nicht als Teil der Gesellschaft sehen. Das ist natürlich sehr provokativ und ich denke, wenn es nicht von einer "Betroffenen" geschrieben worden wäre, hätte ich es wahrscheinlich nicht angefasst. Denn schließlich will ich niemanden diskriminieren oder mir meine Meinung bilden, wenn ich nicht direkt dabei bin.

Umso interessanter war es, Tuba Saricas Eindrücke zu lesen. Sie schreibt sehr offen und ehrlich darüber, wie sie sich fühlt, zwischen den Kulturen zu stecken. Sie wächst in Deutschland auf, aber die Türkei ist immer präsent. Sie spricht von einer Parallelgesellschaft, die gern unter sich bleibt - und bestätigt damit natürlich auch Vorurteile, die man hat.

Deswegen habe ich das Buch etwas mit Magengrummeln gelesen. Trotzdem klingt vieles, was sie sagt, schlüssig: Warum dürfen junge deutsche Mädchen andere Sachen als türkische? Sie beschreibt den Einfluss, den die Community auf sie hatte: Nichts tun, was andere missbilligen könnten, auch wenn man dadurch selbst eingeschränkt wird. Sie untermauert das mit sehr vielen persönlichen Beispielen, die es sehr überzeugend wirken lassen. Ich kann mir vorstellen, dass sie damit manch einem auf die Füße getreten ist.

Die Autorin schreibt aber nicht nur das auf, was sie selbst erlebt hat, sondern gibt auch Fakten wieder. Etwas erschreckend war das für mich schon. Denn dadurch wird die "Doppelmoral" doch sehr greifbar.

Etwas zu kurz kommt mir aber die andere Seite, nämlich die ich auch aus der Familie meines Freundes kenne. Man darf trotz allem nicht vergessen, dass es auch anders geht.

Alles in allem hat mich das Buch sehr zum Nachdenken gebracht, vor allem darüber, was ich persönlich unternehmen kann, um das zu ändern. Die Erkenntnis: Nichts. Am Ende bin ich zwar schlauer, aber eine Lösung habe ich nicht gefunden. Die gibt auch die Autorin nicht - denn sie sagt, es muss von den Deutschtürken selbst kommen. Ob, wann und in welchem Maße das geschieht, steht in den Sternen.

Insgesamt ist es ein sehr interessantes Buch, das man lesen sollte - egal welcher Nationalität man angehört oder welcher Kultur man sich mehr zugehörig fühlt. Eine Bewertung in Sternen fällt trotzdem schwer. Da es aber eine Leseempfehlung ist: 5 Sterne!