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Veröffentlicht am 30.12.2016

Die Erinnerung rettet dein Leben

Das Gesicht meines Mörders
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„Das Wasser ist schwarzgrün. So dunkel, dass ich nicht weiß, wo oben und wo unten ist. Ich spüre es nur an dem Sog, der mich in die Tiefe zieht.“

Inhalt

Als Clara Winter vollkommen orientierungslos in ...

„Das Wasser ist schwarzgrün. So dunkel, dass ich nicht weiß, wo oben und wo unten ist. Ich spüre es nur an dem Sog, der mich in die Tiefe zieht.“

Inhalt

Als Clara Winter vollkommen orientierungslos in einem Krankenhauszimmer erwacht, fehlen ihr sämtliche Erinnerungen an ihre persönliche Vergangenheit. Sie erkennt weder ihren Mann, noch ihr Leben und ist gezwungen, alles was man ihr an Informationen mitteilt, für bahre Münze zu nehmen. Kein Arzt kann ihr sagen, ob sie die retrograde Amnesie, die Folge eines tätlichen Angriffs auf sie war, jemals überwinden wird. Clara beginnt in mühevoller Kleinarbeit die Ereignisse vor ihrem Gedächtnisverlust zu recherchieren, muss sich jedoch beeilen, denn ihr Mörder weiß, dass sie noch lebt und die Zeit läuft ihm davon. Will er beenden, was er begonnen hat, muss er Clara zuvorkommen …

Meinung

Bereits der Klappentext des Buches verspricht einen nervenaufreibenden Psychothriller, der sich intensiv mit der Dramatik eines verlorenen Erinnerungsvermögens auseinandersetzt und genau das bietet „Das Gesicht meines Mörders“ auch. Sophie Kendrick schafft mit ihrem Romandebüt eine ganz besonders ungewisse Ausgangssituation, in der sich der Leser durch die gewählte Ich-Perspektive vom ersten Augenblick an mit der Hauptprotagonistin identifiziert. Besonders gelungen wirkt der kontinuierlich ansteigende Spannungsbogen, denn immer wieder entdeckt man neue Puzzleteile aus Claras Vergangenheit und verdächtigt eine der potentiellen Personen. Auch die Nebencharaktere fügen sich problemlos und passend ins Gesamtbild ein, so dass ein temporeicher, durchaus realistischer Thriller mit klassischen Motiven entsteht.

Im zweiten Teil des Buches überschlagen sich die Ereignisse regelrecht, jeder aus Claras näherem Umfeld könnte nun der Mörder sein, doch bis zum Showdown behält sich die Autorin alle Optionen offen. Die Auflösung des Falles kommt mir fast etwas zu profan vor und das Ende nimmt für mich einen zu kleinen Part ein. Der sich gerne etwas umfassender hätte präsentieren können.

Fazit

Ich vergebe sehr gute 4 Lesesterne für einen rundherum gelungenen Spannungsroman mit minimalen Abstrichen, der für Nervenkitzel und Abwechslung sorgt und zum mitfiebern animiert. Definitiv eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 30.12.2016

Träume sind der Schlüssel zum Glück

Silber - Das dritte Buch der Träume
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„ Der Korridor mit seinen verschiedenfarbigen Türen und dem sanften Licht hätte heiter und friedlich wirken können, aber das tat er nicht. Die Stille hatte etwas Lauerndes, und es war nicht auszumachen, ...

„ Der Korridor mit seinen verschiedenfarbigen Türen und dem sanften Licht hätte heiter und friedlich wirken können, aber das tat er nicht. Die Stille hatte etwas Lauerndes, und es war nicht auszumachen, von wo das Licht überhaupt kam.“

Inhalt

Liv Silber und ihre Freunde haben eine magische Welt entdeckt, denn in ihren Träumen wandeln sie durch einen endlos scheinenden Flur voller Traumtüren, in denen sie sich gegenseitig besuchen können aber ebenso den anderen unerlaubter Weise ausspionieren können. Nichts ist wirklich ungefährlich und jede Traumhandlung sollte hinterfragt werden. Als Arthur Hamilton der irren Idee verfällt den „Fürst der Finsternis“ einen Dämon, den es in der Realität nicht gibt, heraufzubeschwören, um seine eigenen Ansprüche geltend zu machen, geraten Liv und die anderen in echte Gefahr. Denn Arthur ist es gelungen, sich in fremde Träume einzuschleichen und den Träumenden Aufträge zu erteilen, die sie dann ohne ihr Wissen in die Realität umsetzen.

Meinung

Dieser letzte Band der Silber-Trilogie, konnte leider nicht an die gute Vorlage der ersten beiden Bände anknüpfen. Natürlich sind sowohl Schreibstil als auch Handlung altersgerecht und leicht lesbar gestaltet, doch leider bleibt hier die Spannung auf der Strecke, was wohl in erster Linie daran liegt, dass sich Kerstin Gier hier ganz auf die Befindlichkeiten der gewählten Zielgruppe einlässt und dabei die Fantasie zu kurz kommen lässt. Seltsamerweise stehen nun Themen wie die ersten Erfahrungen in der Liebe im Zentrum, oder die Bösartigkeit einiger Schülerinnen gegenüber anderen und so plätschert das traumhafte Geschehen im magischen Korridor nur vor sich hin. Auch die Charaktere gewinnen im dritten Teil nicht an Tiefe, sondern erscheinen lediglich wie gute Bekannte, von denen man schon alles weiß. Hinzu kommt die Tatsache, dass ich mir einen finalen Handlungsschwerpunkt gewünscht habe, der mich fesseln kann, doch darauf habe ich vergebens gewartet.

Fazit

Ich vergebe 3 Lesesterne für eine nette, doch vorhersehbare Geschichte für junge Menschen, die sich gerne in andere Welten hineinträumen und dort etwas über ihre Befindlichkeiten lesen möchten. Die ersten beiden Bücher sind aber definitiv interessanter und bringen mehr Spannung mit sich. Den Abschluss der Reihe kann man lesen, muss man aber nicht, sofern man weiß, dass es wie immer im Märchen ein Happy-End geben wird.

Veröffentlicht am 17.12.2016

Auch eine gute Idee hat ihre Konsequenzen

Widerfahrnis
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„Manchmal sind Dinge, die lange unmöglich erschienen, zeitlebens fast, plötzlich ganz leicht, wie sich selbst loszulassen oder, aus umgekehrter Sicht, von sich abzurücken und für jemanden da zu sein, nicht ...

„Manchmal sind Dinge, die lange unmöglich erschienen, zeitlebens fast, plötzlich ganz leicht, wie sich selbst loszulassen oder, aus umgekehrter Sicht, von sich abzurücken und für jemanden da zu sein, nicht irgendwann und irgendwo auch nicht in Gedanken, also später, sondern gleich.“

Inhalt

Julius Reither hat seinen unrentablen Verlag geschlossen, ebenso Leonie Palm ihren Hutladen, weil es keine Leute mehr gibt, die Hüte tragen. Und so begegnen sich zwei Menschen in der zweiten Hälfte ihres Lebens, die weder einen bestimmten Plan noch ein Ziel verfolgen. Gemeinsam ziehen sie mitten in der Nacht los, um ein wenig herumzufahren und dann noch ein Stück weiter, bis sie schließlich auf einer Route nach Italien sind und immer nur für den Moment leben, für die einfachen Dinge des Seins. Ihre Gespräche drehen sich um persönliche Erfahrungen, um missglückte Beziehungen und gescheiterte Existenzen, doch finden sie kurzfristig in der Nähe des Anderen wieder näher zu sich selbst. Als sich ihnen ein Flüchtlingsmädchen anschließt, die weder ihre Sprache spricht, noch einen Namen zu haben scheint, spitzt sich die Situation zu, denn Leonie und Reither wollen plötzlich nicht mehr dasselbe und bemerken, wie fremd sie sich doch eigentlich sind. Ihr Trip endet so, wie er begann: schicksalhaft aber einsam.

Meinung

An diesem Buch scheiden sich wohl die Geister, dieses Phänomen haben mir zumindest die stark schwankenden Lesermeinungen nahegelegt. Denn während einige in höchsten Tönen schwärmen, grenzt diese Novelle für andere an ein Fiasko. Schon allein deswegen wollte ich mir unbedingt eine eigene Meinung bilden. Leider konnte mich „Widerfahrnis“ nicht für sich einnehmen, da mir vieles zu vage und unbestimmt blieb und das in Kombination mit einer mäßig interessanten Handlung. Ganz besonders schade fand ich die unrealistische Verbindung zwischen beginnender Liebesgeschichte und einer unglücklich gewählten Flüchtlingsproblematik.

Bodo Kirchhoff schafft in diesem Roman zwei sehr eigenständige Protagonisten, die meines Erachtens so wenige Gemeinsamkeiten haben, dass ihre aufkeimenden Gefühle füreinander äußerst fremd wirken. Beim Lesen empfand ich den gemeinsamen Nenner als die Zigarette, die beide ununterbrochen in Kette rauchen und dabei ihre Gedanken wandern lassen. Von Nähe, Begeisterung und Lebensfreude spürt man so wenig, dass es fast schmerzt. Banale Dinge, wie das Einkaufe oder das „Frischmachen“ auf einer öffentlichen Toilette stellen zentrale Erzählinhalte dar und mir fehlt hier auf jeder Zeile der Blick fürs Große und Ganze.

Einzig die Erzählweise, sehr still und sinnierend, voller formvollendeter Sätze und einer intensiven Auseinandersetzung mit den Feinheiten der Deutschen Sprache haben mir gefallen. Ein unaufgeregtes, wertungsfreies Schreiben, welches zugleich auffallend anders aber auch einprägsam wirkt.

Fazit

Die Bewertung fällt mir nicht leicht, weil ich zwar keine spezielle Erwartungshaltung hatte, aber während des Lesens fortwährend Enttäuschungen erlebte. Angefangen von unsympathischen Protagonisten über eine eher sinnfreie Reise bis hin zu äußert konstruierten Situationen haben mir das Verständnis, den Sinn der Erzählung immer fremder werden lassen. Ein Buch, welches mit zunehmender Seitenzahl an persönlichem Wert verloren hat und dessen Gesamturteil mit 2 Sternen ins untere Mittelfeld einzuordnen ist. Vielleicht kann man Julius Reither mögen, mir viel es einfach nur schwer …

Veröffentlicht am 14.12.2016

Herz aus Dunkelheit

Witch Hunter - Herz aus Dunkelheit
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„Ich bin nicht mehr die, die ich noch vor drei Monaten war. Damals war ich die meistgesuchte Person in ganz Anglia. Und unbesiegbar. Wer ich jetzt bin, weiß ich nicht.“
Die ausgebildete Hexenjägerin Elizabeth ...

„Ich bin nicht mehr die, die ich noch vor drei Monaten war. Damals war ich die meistgesuchte Person in ganz Anglia. Und unbesiegbar. Wer ich jetzt bin, weiß ich nicht.“
Die ausgebildete Hexenjägerin Elizabeth hat nur durch die Hilfe des Zauberers Nicholas überlebt und hat ihr Stigma, welches sie unverletzbar machte an den Heiler John übertragen. Nun ist sie auf die Hilfe ihrer neuen Freunde angewiesen, denn Blackwell, ihr Vorgesetzter und Vertrauter aus alten Tagen hat sie schändlich betrogen. Seine Mission ist nichts anderes als die Königskrone und dafür setzt er schwarze Magie ein, die ihm zum Erfolg verhelfen soll. Ohne ihr Stigma kann Elizabeth ihrem Gegner allerdings nicht gegenübertreten, denn genau dieses braucht er, um seinen bösen Zauber zu vollenden. So wird die junge Frau aus Anglia zur Gejagten und es braut sich ein Kampf zwischen den guten und bösen Mächten des Königreiches an. Wird es Elizabeth gelingen ihr Schicksal abzuwenden und welche Opfer muss sie dafür bringen?
Der erste Band dieser Jugendbuch Dilogie hat mich restlos begeistert, so dass ich auch den Folgeroman unbedingt kennenlernen wollte. Tatsächlich bildet dieser zweite Band einen gelungenen Abschluss und klärt alle Fragen zur vollsten Zufriedenheit, die Geschichte selbst ist nach wie vor eine gelungene Mischung aus Fantasy, Jugendbuch und Abenteuerroman gepaart mit historischen Schauplätzen und einem blutigen Schlachtgetümmel.
Die Autorin versteht es, magische Handlungen und fantastische Zaubertricks in einen historisch angelehnten Kontext zu verpacken, so dass sich der Leser in eine längst vergangene Epoche hineinversetzt fühlt, die durch alte Burgmauern, unterirdische Geheimgänge und gruselige Kellerverliese ein idealer Schauplatz für dunkle Magie ist. Gerade die geschilderte Atmosphäre macht dieses Buch zu einem Leckerbissen. Trotz einer Vielzahl handelnder Personen werden die Hauptprotagonisten detailliert herausgearbeitet, ihre Handlungsweisen schlüssig erklärt und in die Erzählung eingeflochten. Man trifft viele Charaktere aus dem ersten Band wieder und bekommt einen guten Überblick über die Zusammenhänge.
Fazit: Ich vergebe vier Lesesterne für diesen All-Age Jugendroman, der auch Erwachsene begeistern kann, weil er nicht nur eine Liebesgeschichte thematisiert, sondern in erster Linie den klassischen Machtkampf zwischen Gut und Böse. Hier findet man gleichermaßen Zauberei, Freundschaft, Treue und Verrat ebenso wie Aufopferung, Kampfbereitschaft und mysteriöse Umstände. Eine lesenswerte Buchreihe, die trotz eines eher handlungsarmen Verlaufs, ihre Schönheit entfalten kann.






Veröffentlicht am 11.12.2016

Auf dem Weg nach Nirgendwo

Anna und der Schwalbenmann
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„Ich weiß, dass eine Tochter in diesen Zeiten nicht ohne Vater sein sollte. Aber ist es nicht genauso schlimm für einen Vater, ohne Tochter zu sein?“

Inhalt

1939 ist für Anna ein dunkles Jahr, denn nachdem ...

„Ich weiß, dass eine Tochter in diesen Zeiten nicht ohne Vater sein sollte. Aber ist es nicht genauso schlimm für einen Vater, ohne Tochter zu sein?“

Inhalt

1939 ist für Anna ein dunkles Jahr, denn nachdem ihr Vater von den Deutschen verhaftet wurde, steht sie als Waise ganz alleine da, ohne Obdach, ohne Essen und ohne Schutz. Verzweifelt treibt sie sich in den Straßen von Krakau herum und versucht irgendwie zu Überleben. Eines Tages begegnet ihr ein hagerer, intelligenter Mann, der weder einen Namen noch eine Geschichte zu haben scheint dafür aber fließend alle möglichen Sprachen spricht. „Der Schwalbenmann“ nimmt Anna zu sich und beginnt mit ihr eine Flucht durch die endlose, winterlich Welt Polens, um sie nach Danzig zu bringen. Auf dem gemeinsamen Weg werden sie so unscheinbar wie ein paar Vögel am Himmel, doch für Anna verändert sich damit ihre ganze kleine Welt.

Meinung

Dieser Jugendroman hebt sich durchaus von der klassischen Jugendliteratur zum Thema 2. Weltkrieg ab, denn diesmal geht es nicht um ein besonderes Menschenleben, welches vernichtet wird, sondern eher um eine Parabel, die von den Kriegsschrecken und Veränderung ganz am Rande erzählt. Eine stille, dennoch fesselnde Geschichte, die durch ihre gekonnt gewählte Erzählperspektive tiefe Einblicke in den Kopf eines Kindes gewährt.

Zunächst begegnet der Leser zwei einsamen, verzweifelten Menschen, einem naiven Kind und einem irgendwie geheimnisvollen Fremden. Ihre Wanderung durch die Wälder und entlang von Flüssen, verändert den Blickwinkel, denn immer wieder findet sich Güte, Zuneigung und Akzeptanz in den winzigen Dingen des Alltags. Das geteilte Essen, der improvisierte Unterstand mit Hilfe eines Regenschirms und die Gespräche über das Wissen, den Intellekt und die Unabdingbarkeit ihrer Wanderung. Nur wer in Bewegung bleibt, kann Überleben und nur wer überlebt, kann dieser unmenschlichen, kriegsgetrübten Welt entkommen. Selbst als Anna auf einen Juden trifft, der entgegen aller Vorsichtsmaßnahmen handelt, lässt sie der Schwalbenmann gewähren. Stellt Zuneigung und Menschlichkeit über die persönlichen Nöte und wird dennoch von der eigenen Unzulänglichkeit eingeholt.

Besondern gut gelungen empfand ich die ausgewogene Verteilung der Stellungsverhältnisse innerhalb der kleinen Gruppe, keiner wollte um jeden Preis seinen Willen durchsetzen, keiner trägt die Verantwortung allein und nur gemeinsam sind sie wirklich so stark, wie sie sein müssen, um nicht unterzugehen in ihrem unwirtlichen, lebensunwürdigen Alltag. Am Rande vermittelt der junge amerikanische Autor wichtige charakterliche Voraussetzungen, die den Menschen vom Unmenschen trennen und zeigt, wie es trotz der ständigen Bedrohung durch Hunger, Verfolgung und Krieg gelingen kann, die eigene Integrität zu wahren.

Fazit

Ich vergebe 4 Lesesterne für diesen ungewöhnlichen, stillen Jugendroman der sich auf besondere Art und Weise mit dem Thema Krieg auseinandersetzt und virtuos eine Geschichte entwirft, die fast einer traurigen Melodie ähnelt. Punktabzug gibt es für den vagen, sehr ungewissen Ausgang der Erzählung, der einfach zu viele Fragen offenlässt und die endgültige Aussage des Buches irgendwie verwässert. Wer gerne Bücher über den Krieg aus der Sicht eines Kindes liest, wird hier auf seine Kosten kommen und eine melancholisch, intensive Reise mit Anna und ihren Weggefährten erleben.