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Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Arbeit eines Lebens

Zwischen den Meeren
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„Es ist die Arbeit eines Lebens, das Schlagen des menschlichen Herzens zu beobachten, zu benennen, was wir tun, und doch fähig zu sein, es zu tun.“
Ally und Tom Cavendish sind frisch verheiratet, als sich ...

„Es ist die Arbeit eines Lebens, das Schlagen des menschlichen Herzens zu beobachten, zu benennen, was wir tun, und doch fähig zu sein, es zu tun.“
Ally und Tom Cavendish sind frisch verheiratet, als sich abzeichnet, dass sie sich für die lange Zeit eines halben Jahres trennen müssen. Während Ally als Ärztin in einer Nervenheilanstalt ihren Dienst antritt, verschlägt es Tom nach Japan, wo er als Ingenieur am Bau von Leuchttürmen maßgeblich beteiligt sein wird. Diese aufgezwungene Distanz erscheint ihnen zunächst schwierig, entwickelt sich aber nach und nach zur neuen Beständigkeit ihres Lebens. Nun sind sie wieder zwei Menschen, die ihre Tage und Nächte allein verbringen und die ihre Gedanken, Ängste und Freuden nicht mehr miteinander teilen. Schon bald wächst Tom Japan derart ans Herz, dass er nicht mehr zurück möchte in sein „altes“ Leben und auch Ally erkennt, dass ihre Aufgabe nicht die einer liebevollen, aufopferungsbereiten Ehefrau ist. Gegensätzlicher könnte ihre Ansicht nicht mehr sein, doch ihre Ehe hat Bestand, um den bitteren Preis des verdrängten Glücks.
Dies war mein erster Roman der Autorin, die jedoch zu dem vorliegenden Roman bereits eine Vorgeschichte unter dem Titel „Wo Licht ist“ veröffentlicht hat. Zunächst war ich von der Erzählweise, der dichten, intensiven Sprache und den stimmungsvollen Bildern regelrecht begeistert. Eine besondere, sehr stimmungsvolle Szenerie und Sätze wie gemalt, machten das Lesen zum reinen Vergnügen. Dieses Schreibniveau bleibt im gesamten Roman konstant erhalten und lässt den Leser tief in die Schönheit der Sprache eintauchen. Auch die erhoffte Geschichte, über ein junges Ehepaar, welches mit einer unfreiwilligen Situation konfrontiert wird, fing sehr vielversprechend an.
Aber bereits ab der Mitte des Buches lässt sich erkennen, dass dieser Roman vielmehr auf zwei Individuen zugeschnitten ist als auf ein Paar. Die Hauptprotagonistin leidet unter ihrer dominanten Mutter, der sie sich auch im Erwachsenenleben unterordnet, wenn auch eher in Gedanken. Sie fühlt sich für nichts gut genug, versucht es krampfhaft allen Recht zu machen und wird immer mehr ein Schatten ihrer selbst, bis an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Sarah Moss skizziert ihre Protagonisten sehr lebensecht, eingebettet in den historischen Zeitgeist und sehr detailliert. Auf die Rolle der Frau und die Erwartungen der Gesellschaft wird ebenso Bezug genommen, wie zu dem Wunsch, das Leben sinnvoll und bedeutsam zu gestalten. Auch diese Selbstreflexion konnte mich begeistern.
Dennoch hinterlässt der Roman bei mir einen bitteren Nachgeschmack. Das liegt in erster Linie an meiner Erwartungshaltung: denn trotz der thematisierten Fernbeziehung habe ich mir ein Paar gewünscht, welches erkennbare Zuneigung füreinander empfindet. Ein Mann und eine Frau, die sich trotz der Distanz mehr Nähe wünschen, die wenigstens in Gedanken beieinander sind, die sich vermissen und nacheinander sehnen. Doch all diese elementaren Punkte, findet man hier nicht.
An erster Stelle steht in diesem Roman die Selbstverwirklichung, der Wunsch nach einem Leben, welches von persönlichen Vorlieben geprägt wird und in dem nur sehr wenig Platz für einen anderen Menschen bleibt. Meine Haltung als Leser schwankte dann zwischen der Hoffnung, dass sich doch noch etwas entwickelt und einer Art melancholischen Resignation, nachdem ich feststellen musste, dass die Geschichte diesen Gedanken nicht aufgreifen wird.
Fazit: Ich vergebe 3,5 Lesesterne (die ich hier auf Grund der o.g. Kritikpunkte auf 3 abrunde) für einen facettenreichen, intensiven Roman mit viel schriftstellerischen Fingerspitzengefühl. Sarah Moss entwirft eine stimmungsvolle Geschichte, sensibilisiert für die Schönheit einer fremden Kultur und gleichermaßen für die traurigen Aspekte in der geschichtlichen Entwicklung, die es vor allem dem weiblichen Geschlecht über Jahrhunderte hinweg unmöglich machte, gleichberechtigt zu sein. Meine persönlichen Hoffnungen an den Inhalt der Geschichte, konnte dieses Werk leider nur bedingt erfüllen, mir fehlte es an einer hoffnungsfrohen, optimistischen Grundhaltung und an dem Wunsch, für die Liebe zu leben.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Vom Verlust einer unbeschwerten Kindheit

Die Geheimnisse der Welt
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„Es ist furchtbar, wenn man zu viel über jemanden weiß. Man kommt sich vor wie ein Lügner, weil man so tun muss, als wüsste man nichts, dabei weiß man alles, einfach alles.“

Inhalt

Michael Murray führte ...

„Es ist furchtbar, wenn man zu viel über jemanden weiß. Man kommt sich vor wie ein Lügner, weil man so tun muss, als wüsste man nichts, dabei weiß man alles, einfach alles.“

Inhalt

Michael Murray führte bisher ein recht normales Leben als 11-jähriger, geprägt von netten Freunden, nervigen Nachbarsmädchen und seiner großen Leidenschaft, dem Fußball spielen. Doch als seine Mutter zum Opfer eines Verbrechens wird, ändert sich seine kleine heile Welt elementar. Plötzlich wird er aus den Erwachsenengesprächen ausgeschlossen, obwohl er das Weinen der Mutter hört, die wütenden Ausbrüche des Vaters mitbekommt und die Hilflosigkeit seiner Eltern gegenüber der veränderten Situation. Alle schicken ihn weg und schließen ihn aus. Doch die Situation spitzt sich weiter zu, nachdem die Nachbarschaft das geschundene Gesicht seiner Mutter wahrgenommen hat und diese behauptet „gestürzt“ zu sein. Plötzlich glaubt alle Welt, sein Vater wäre der brutale Schläger, der seine Ehefrau misshandelt. Michael macht sich daran die Wahrheit herauszufinden und lernt dabei nicht nur etwas über die Kraft und die Verunsicherung einer Lüge, sondern auch über die Frage nach echter Schuld und bloßen Vorwürfen.

Meinung

Nach ihrem Debütroman „Bienensterben“, der mir bereits ausgesprochen gut gefallen hat, legt Lisa O`Donnell wieder einen emotional packenden Roman über die dunklen Seiten eines normalen Familienlebens vor. Dabei wählt sie eine sehr interessante Erzählperspektive und verwendet viel Zeit und Detailtreue darauf, sich auf die Ebene des Hauptprotagonisten einzulassen. So bekommt der Leser alles Wissen, sämtliche Vorfälle und auch deren Auswirkungen so geschildert, als hätte all dies tatsächlich ein heranwachsender Schuljunge erlebt. Gerade diese Sicht auf die Dinge macht das Buch so besonders und schenkt auch traurigen Situationen ein klitzekleines Stück Humor, weil man als Teenager anders tickt als später.

Sehr ansprechend und glaubwürdig wird die Rahmenhandlung in einer Kleinstadt mit ihren allzu neugierigen Bewohnern geschildert, die gerade am Leid anderer Menschen ihren Unterhaltungswert und das gesamte Weltbild festmachen. Klatsch und Tratsch sorgen dafür, dass auch ein Schicksalsschlag nicht im Geheimen bleiben wird und das die öffentliche Ächtung oder das kollektive Mitleid ganz wesentliche Faktoren im Leben sein können, denen man als Individuum erst einmal gewachsen sein muss.

Fazit

Ich vergebe 4,5 Sterne für diesen unterhaltsamen, nachdenklich stimmenden Roman, der mich oft zum Lachen gebracht hat und gleichzeitig eine subtile Art der Beklemmung zurückließ. Empfehlenswert ist das Buch auch für jüngere Leser, die sich in den Gedanken des Ich-Erzählers vielleicht sogar wiedererkennen. Ein wichtiges Buch über den Zusammenhalt einer Familie und ihren Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Berührend, einprägsam und erfrischend anders.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Das goldene Garn und die Bande der Liebe

Reckless 3. Das goldene Garn
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„Ob Pflanze, Tier oder Mensch – das Leben zwang jeden, zu lernen und zu wachsen. Je öfter man davor davonlief, desto schwerer wurde der Weg. Und gehen musste man ihn trotzdem.“

Inhalt

Jacob Reckless ...

„Ob Pflanze, Tier oder Mensch – das Leben zwang jeden, zu lernen und zu wachsen. Je öfter man davor davonlief, desto schwerer wurde der Weg. Und gehen musste man ihn trotzdem.“

Inhalt

Jacob Reckless und sein Bruder Will erleben auch im dritten Band der Reckless-Reihe von Cornelia Funke viele magische Abenteuer in der zauberhaften Welt hinten dem Spiegel. Während der jüngere Bruder Will sich in die Spur setzt, um die Dunkle Fee, die verschmähte Geliebte des Königs zu töten. Verfolgt der ältere beharrlich seinen Bruder um genau das zu verhindern. Doch beide müssen auf ihrem Weg mit zahlreichen Unterbrechungen und unliebsamen Überraschungen rechnen. Und dann erfahren sie mehr über das goldene Garn, ein magisches Mittel, welches eine Spinne webt, um ein Band aus Liebe und ewiger Zuneigung zu schaffen. Will und Jacob werden die Spielfiguren in den Händen eines berechnenden Magiers, dessen wahre Ziele sie erst sehr spät durchschauen.

Meinung

Cornelia Funke entführt den Leser wieder in ihre zauberhafte Märchenwelt, mit den düsteren Landschaften, den geheimen Wesen und den dunklen Mächten. In wunderschönen Bildern entwirft sie eine einmalige, magische Landschaft mit sehr speziellen Wesen und mutigen Protagonisten, die sich den schwierigen Herausforderungen stellen und voller Herzblut für Gerechtigkeit, Liebe und das Gute kämpfen. Bemerkenswert ist in erster Linie die Erzählweise, die sprachlich direkt dort angesiedelt ist, wo die Geschichte spielt, in den Tiefen einer besonderen Welt. Dadurch fühlt sich der Leser direkt in die Geschichte hineinversetzt und reist gemeinsam mit den Brüdern Reckless durch ihre Spiegelwelt.

Leider konnte mich die Geschichte nur bedingt fesseln, da sie einfach sehr handlungsarm ist. Die tatsächlichen Ereignisse beschränken sich auf ein Minimum und benötigen viel Zeit, um überhaupt in Schwung zu kommen. Fragen die zu Anfang des Buches aufkommen, werden bis zum Schluss nicht geklärt und die Beweggründe der handelnden Personen erscheinen sehr schwammig. Mal ist es die Liebe, mal die Suche nach Schätzen, dann wieder der Wunsch nach Rache, doch egal wer welchen Grund angibt, keiner scheint die letzte Konsequenz zu ziehen. Dadurch verliert sich die Erzählung in unnötigen Längen und verliert an Reiz. Das offene Ende des Buches lässt auch Platz für die Vermutung, dass es einen weiteren Band der Reckless-Reihe geben wird.

Fazit

Trotz zahlreicher, begeisterter Rezensionen vergebe ich leider nur drei Lesesterne, denn für mich handelt es sich hier um ein eher durchschnittliches Leseerlebnis. Positiv hervorheben möchte ich die Erzählkunst der Autorin, der es zu verdanken ist, dass mich das Buch in fremde, fantastische Welten entführen konnte. Deshalb möchte ich unbedingt noch ein weiteres Werk von Frau Funke kennenlernen. Ich empfehle diesen Fantasy-/ Jugendroman für Leser, die Märchen lieben und Interesse an Geschichten haben, die viel Freiraum für eigene Phantasien lassen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Britt-Marie erobert Borg

Britt-Marie war hier
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„Es ist schwer, sein altes Leben nicht zurückhaben zu wollen, wenn man begriffen hat, was es einem Menschen abverlangt, die Kraft für ein neues Leben aufzubringen.“

Inhalt

Jahrelang hat Britt-Marie ein ...

„Es ist schwer, sein altes Leben nicht zurückhaben zu wollen, wenn man begriffen hat, was es einem Menschen abverlangt, die Kraft für ein neues Leben aufzubringen.“

Inhalt

Jahrelang hat Britt-Marie ein bescheidenes Leben an der Seite ihres Mannes Kent verbracht, immer für ihn da, aber unauffällig mindestens einen Schritt hinter ihm und vollkommen abhängig von seinen Ansichten und Lebensentwürfen. Doch Kent hat eine Geliebte und Britt versucht nun erstmals auf eigenen Beinen zu stehen und sich ein Leben jenseits der ehelichen Verpflichtungen aufzubauen. Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, in ihr „altes“, geordnetes Leben zurückzukehren und der Aussicht nun endlich einen anderen Lebenssinn zu finden. Und dann kommt sie nach Borg, einem winzigen Dorf mit sehr speziellen Einwohnern und einer allumfassenden Passion – dem Fußball. Entgegen aller Erwartungen findet Britt-Marie Zugang zu den Menschen in Borg, eine ungewöhnliche neue Beschäftigung und erstmals in ihrem Leben Freunde. Doch vollkommen unerwartet steht Kent vor der Tür und bietet ihr an, zurückzukehren, zurück in ein Leben voller Abhängigkeiten. Welchen Weg wird Britt-Marie wählen?

Meinung

Dies ist mein dritter Roman des schwedischen Bestseller-Autors Fredrik Backman, der mich wieder ganz weit in das Lager seiner Fans ziehen konnte. Britt-Marie ist ebenso schräg und skurril wie herzlich und zupackend. Als Hauptprotagonistin echt anstrengend und doch wunderbar komisch. Der Autor schafft es mit diesem Roman nahtlos an die Vorgänger anzuschließen und entwickelt sich mit seinem eigenen, humorvoll-satirischem Erzählton zur Marke. Gerade dieser Wiedererkennungswert gefällt mir sehr gut, denn der Leser bekommt hier genau das geboten, was er erwartet. Liebevoll und detailliert verpackt Backman wichtige Lebensweisheiten in ganz alltäglichen Situationen, spielt virtuos mit vielen Protagonisten, die man dennoch hervorragend auseinanderhalten kann. Auch dieses Buch könnte ich mir sofort als Verfilmung vorstellen, weil sämtliche Szenen ausgesprochen bildhaft und chronologisch beschrieben werden. Auch das zentrale Thema Fußball, auf dem hier der Fokus liegt, wird genau als das gekennzeichnet, was es ist: Ein Spiel, für das man sich begeistern kann, weil es immer wieder weitergeht, unabhängig davon, wie erfolgreich eine Mannschaft spielt, die nächste Saison kommt gewiss, ebenso wie die Möglichkeit, das eigene Leben zu erneuern, immer und jederzeit. Und so siegt trotz zahlreicher Fehlschläge das Gute.

Fazit

Ich vergebe 5 Lesesterne für diesen sympathischen, herzlichen Roman, der die Lachmuskeln trainiert und das Leserherz erobert. Ein locker, leichter Lesegenuss mit einem tiefgreifenden Hintergrund, der sich erst im Laufe der Erzählung entwickelt und das Buch zu einem All-Age-Roman macht. Für Fans von Fredrik Backman und all jene, die es noch werden wollen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Bürde jahrelanger Tradition

Die Eismacher
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Die beiden Söhne der traditionsreichen Eismacherfamilie Talamini könnten unterschiedlicher nicht sein. Während der ältere Giovanni sein Herz der Poesie und Dichtkunst geschenkt hat, opfert sich der jüngere ...

Die beiden Söhne der traditionsreichen Eismacherfamilie Talamini könnten unterschiedlicher nicht sein. Während der ältere Giovanni sein Herz der Poesie und Dichtkunst geschenkt hat, opfert sich der jüngere Luca im elterlichen Eiscafé auf, um immer wieder neue, schmackhafte Eiskreationen herzustellen und damit das Geschäft rentabel zu halten. Doch gerade diese gegensätzlichen Lebensentwürfe treiben nicht nur einen emotionalen Keil zwischen die beiden Brüder, sondern spalten die gesamte Familie. Gebunden an die jahrelange Verpflichtung, die im Erbe inbegriffen scheint, engagieren sich die Söhne der Familie normalerweise in der Eisherstellung und als es der erste Talamini-Nachfahre wagt, neue Wege zu beschreiten, wird er zum schwarzen Schaf. Doch eines Tages ergibt sich für Giovanni die Möglichkeit, seine Verfehlungen zu minimieren, indem er seinem jüngeren Bruder hilft, den Stammbaum weiterzuführen.

Meinung

Dies war mein erster Roman von Ernest van der Kwast, der mich in weiten Teilen absolut überzeugen konnte, weil er sehr gekonnt und umfassend die verschiedenen Belange und Wünsche von diversen Familienmitglieder einfängt, von ihren Interaktionen miteinander oder auch dem Fehlen eines echten Gesprächspartners. Familie wirkt hier wie ein lebendiges Gebilde, welches Stärken und Schwächen des Einzelnen auffangen kann oder erst vermag sie zu offenbaren. Der Autor verwendet eine poetische Sprache, die dennoch recht schnörkellos aufgenommen werden kann. Auch den großen Rahmen den er schafft, begonnen mit der Errungenschaft des Urgroßvaters bis hin zum derzeitigen Eismacher konnte mich begeistern. Weil die Sichtweise des Einzelnen voll und ganz zur Geltung kommt, weil es Söhne gibt, die mit Herzblut bei der Sache sind und solche, die sich für ihr Leben etwas Anderes vorstellen können und der ständigen zeitlichen und räumlichen Gebundenheit, die die Eisherstellung erfordert, am liebsten entrinnen möchten.

Ein weiteres Plus des Buches: Es handelt sich nicht um eine einfache Familiengeschichte, sondern auch über die Frage danach, was braucht man um glücklich zu sein, wie wirkt sich die persönliche Lebensweise auf eine Familie aus, welche Verfehlungen sind entschuldbar und welche Dinge rückt auch die Zeit nicht mehr ins rechte Lot. Gerade diese umfassende Betrachtungsweise hat mir sehr gut gefallen, weil sie lebensecht und stets präsent scheint.

Meine Kritikpunkte fallen hier kaum ins Gewicht, denn mich haben lediglich die längeren Ausflüge Giovannis in sein Leben zwischen Künstlern, Hotels und poetischen Dichtern gelangweilt, die sich doch häufen, ohne jemals ein Ende zu finden. Giovanni als Mann von Welt, der an die wahre Liebe glaubt und dessen Herz die Talaminis nie verlässt, obwohl er diese zeitweise aus seinem Leben ausschließt. Auch die eingeflochtenen Verse und Gedichtfetzen empfand ich überflüssig und habe an entsprechenden Stellen quergelesen.

Fazit

Ich vergebe 4 Lesesterne und eine Leseempfehlung für diesen gelungenen, zeitlosen Roman, der geprägt von Liebe und Verantwortung diverse Lebenswege und Entwürfe thematisiert und ein umfassendes, stilles, unprätentiöses Familienportrait schafft, welches Platz für Wünsche, Geheimnisse, Sehnsüchte und Kompromisse der Beteiligten lässt. Ehrlich, beständig und realitätsnah – die Kernaussage des Buches ist wie aus dem Leben gegriffen.