Profilbild von jenvo82

jenvo82

Lesejury Star
offline

jenvo82 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit jenvo82 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Was Millie Bird genau weiss ...

Noch so eine Tatsache über die Welt
0

Dies ist eine Episode aus dem Leben dreier sehr unterschiedlicher Menschen, deren Gemeinsamkeit der Verlust geliebter Menschen ist. Die 7-jährige Millie Bird wird von ihrer Mutter im Kaufhaus zurückgelassen, ...

Dies ist eine Episode aus dem Leben dreier sehr unterschiedlicher Menschen, deren Gemeinsamkeit der Verlust geliebter Menschen ist. Die 7-jährige Millie Bird wird von ihrer Mutter im Kaufhaus zurückgelassen, nachdem ihr Vater gestorben ist. Der 87-jährige Karl fristet sein Dasein im Altersheim, nachdem seine geliebte Frau Evie verstorben ist und die 78-jährige Agatha Pantha, hat sich nach dem Tod ihres Mannes in ihrem Haus verbarrikadiert. Doch dank Millie wird alles anders: während sie versucht den Tod und das Leben zu verstehen, schenkt sie ganz nebenbei zwei einsamen, alten Menschen neuen Mut, stellt sie vor ungeahnte Herausforderungen und holt sie damit aus ihrer Lethargie heraus.

Den Roman kennzeichnet ein abwechslungsreicher, erfrischender Schreibstil der spielend die Perspektive, Schriftart und Zeitform wechselt, aber niemals in die Unverständlichkeit abgleitet. Vielmehr prallen hier Gegensätze aufeinander, die die Autorin geschickt einsetzt, um den Leser an die Geschichte hinter der Erzählung heranzuführen.

Während Millie auf der ersten Stufe ihres Lebensweges steht, befinden sich Karl und Agatha auf der letzten, so dass Naivität und Unerschrockenheit auf Erfahrungswerte und Lebensweisheit trifft. Alle drei Hauptprotagonisten treten eine Reise zum eigenen Selbst an: gestehen sich Fehler und Schwächen ein aber entdecken auch Hoffnungen und neue Wünsche. Das Buch appelliert an die Besonderheit kleiner aber bedeutender Glücksmomente im alltäglichen Leben und orientiert sich an dem Motto: „Carpe Diem“.

Fazit: Auf dieses Buch muss man sich einlassen, es weckt nicht unbedingt und kontinuierlich Sympathien beim Leser, schafft aber ein bezauberndes Szenario. Kleine Hänger in der Geschichte erscheinen durchaus gewollt und es bleibt ausreichend Raum zwischen den Zeilen, um sich über das geschriebene Wort Gedanken zu machen. Die grundlegende Romanidee ist schlicht und einfach sympathisch.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine unmögliche Entscheidung

Der Preis der Treue
0

Dies ist ein Roman über ein oft besprochenes, aller Orten bekanntes und doch immer wieder interessantes Thema: den Ehebruch. Diesmal erzählt der Mann selbst, von seinen Wünschen, Hoffnungen, Sehnsüchten, ...

Dies ist ein Roman über ein oft besprochenes, aller Orten bekanntes und doch immer wieder interessantes Thema: den Ehebruch. Diesmal erzählt der Mann selbst, von seinen Wünschen, Hoffnungen, Sehnsüchten, von zwei Frauen die kaum etwas gemeinsam haben, weder das Alter noch die Bedeutung in seinem Leben und die er dennoch beide zu lieben meint. Er ist sich seines persönlichen Dilemmas bewusst, er weiß, dass er die eine niemals dauerhaft glücklich machen kann und für die andere nicht mehr das empfindet, was einst war. Dennoch hält er verzweifelt an beiden Beziehungen fest und scheint sogar darauf zu hoffen, dass entweder seine Frau oder seine Geliebte der Farce ein Ende setzen, sozusagen die Entscheidung treffen, die er nicht zu treffen bereit ist.

Durch die Seiten dieses Romandebüts gelingt man schnell und problemlos, prägnante Sätze, oft mit philosophischen Einflechtungen und generell kurze Kapitel bilden einen flüssigen Schreibstil. Die Geschichte wird als Monolog des Mannes geführt, der eines Tages im Arbeitszimmer seines Hauses ernsthaft über seine Affäre nachdenkt – wie sie begann, was er an ihr liebte, warum er sie einging, wie sie sich verändert hat und wieso sie jetzt nicht mehr unbeschwert funktioniert.

Der Roman lässt viel Platz für eigene Gedanken, führt den Leser tief in die Gedankenwelt des Ehebrechers hinein und hinterlässt eine gewisse Leere, die ich äußerst treffend für die Erzählung finde. ER (der Mann ohne Namen, dessen Gedanken wir teilen) wird keine Entscheidung treffen, zumindest keine endgültige. Doch er bemüht sich angestrengt die Sache „im Sande“ verlaufen zu lassen. Mir drängen sich hier gewisse Parallelen zu dem Lied „Gaby wartet im Park“ von Udo Jürgens auf …

Fazit: Ein stiller, handlungsarmer Roman, der sich intensiv mit dem Thema Ehebruch auseinandersetzt und das von einer ganz anderen Perspektive, als die meisten Bücher mit diesem Schwerpunkt. Ein Buch von dem man möglicherweise andere Erwartungen hat, welches jedoch sehr überzeugend und ehrlich geschrieben ist. Mir hat es richtig gut gefallen, weil es nah am Leben dran ist und niemanden an den Pranger stellt – vielmehr kommt es ohne persönliche Wertung aus.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Seelenleben in Aufruhr

Nachruf auf den Mond
0

Die beiden Brüder Matthew und Simon sind ein gutes Team und halten zusammen, obwohl der ältere am Down-Syndrom leidet und der jüngere an Schizophrenie, haben sie sich eine eigene gemeinsame Welt aufgebaut, ...

Die beiden Brüder Matthew und Simon sind ein gutes Team und halten zusammen, obwohl der ältere am Down-Syndrom leidet und der jüngere an Schizophrenie, haben sie sich eine eigene gemeinsame Welt aufgebaut, die sie zu Freunden und Gleichgesinnten werden lässt. Als Simon mit elf Jahren während eines Campingurlaubs tödlich verunglückt, beginnt für Matthew eine schwere Zeit. Seine Krankheit übernimmt nun das Ruder in seinem Leben und er verlässt die Schule, später wird er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, die ihm sowohl die persönliche Freiheit raubt als auch seine Emotionen abstumpfen lässt. Lediglich die Geschichten, welche er auf einer Schreibmaschine tippt, bieten ihm einen Hoffnungsschimmer und natürlich die Gespräche mit Simon, der für ihn nicht wirklich tot ist …

Auf diesem Roman bin ich dank zahlreicher sehr positiver Kritiken aufmerksam geworden, so dass ich mir unbedingt selbst ein Bild davon machen wollte. Und meine Erwartungen wurden erfüllt. Die Lebensgeschichte der beiden Brüder geht zu Herzen, sie bietet viele Momentaufnahmen aus dem Leben zweier besonderer Menschen und sensibilisiert für eine psychische Krankheit, von der ich bisher nur wenig gelesen habe. Der Schreibstil ist holprig, stellenweise unlogisch und in wechselnden Schriftarten verfasst, zwischendrin findet man sogar Skizzen. An sich trifft das nicht ganz meinen Geschmack, passt aber zur Erzählung, denn Matthew schreibt als Ich-Erzähler.

Besonders faszinierend fand ich das menschliche Verhältnis der Geschwister zueinander, ihre Zuneigung, die keine Fragen stellt, ihre Hilfsbereitschaft, die keine Grenzen kennt und nicht zuletzt ihre tiefe seelische Verbundenheit, die keiner aus ihrem persönlichen Umfeld restlos nachvollziehen konnte. Aber auch die düsteren Begebenheiten im Klinikalltag, die Abhängigkeit von ungewollten Medikamenten und den Verlust des normalen gesellschaftlichen Status auf Grund einer Erkrankung wurden hervorragend herausgearbeitet.

Fazit: Dieser Roman bietet ein hohes Potential, er befasst sich mit verschiedenen Themen unter vollkommen unterschiedlichen Gesichtspunkten. Er stellt die Frage nach der Schuld und behandelt die einhergehende Reue – aber vor allem ist es ein Appell an die Menschlichkeit, die Verbundenheit und den Mut, Menschen zu lieben, die nicht der Norm entsprechen. Lesenswert!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Liebe auf den ersten Blick

Die Frau meines Lebens
0

Antoine begegnet in einem Pariser Café der Frau seines Lebens, für ihn ist es die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Und als ihm ebenjene junge Dame ihre Telefonnummer schenkt, befindet er sich auf Wolke ...

Antoine begegnet in einem Pariser Café der Frau seines Lebens, für ihn ist es die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Und als ihm ebenjene junge Dame ihre Telefonnummer schenkt, befindet er sich auf Wolke sieben. Doch seine Euphorie verschwindet umgehend, als er die letzte Ziffer auf dem Zettel nicht mehr lesen kann …

Der Roman ist kurz aber sehr beschwingt, eine Parodie auf die Liebe, voller Lebensfreude und Humor. Innerhalb einer Zeitspanne von 24 Stunden durchlebt der Protagonist alle Facetten einer ungewöhnlichen Liebe. Große Euphorie, Zuversicht auf ein gutes Ende, ein unerschütterliche Glaube an das Gute aber auch die dumpfe, alles überschattende Enttäuschung. Sehr lebensnah und dennoch ganz besonders.

Fazit: Ein lesenswerter Liebesroman, der das zauberhafte Flair der Stadt Paris und die Lebenslust eines verliebten jungen Mannes einfängt. Kurzweilige, sympathische Sommerlektüre.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Odyssee eines Lebens

Die Sommer mit Lulu
0

„Immer halte Ithaka im Sinn. Dort anzukommen ist dir vorbestimmt. Doch beeile nur nicht deine Reise. Besser ist, sie dauert viele Jahre.“
Ausgangspunkt für den Roman ist ein tödlicher Unfall, der sich ...

„Immer halte Ithaka im Sinn. Dort anzukommen ist dir vorbestimmt. Doch beeile nur nicht deine Reise. Besser ist, sie dauert viele Jahre.“
Ausgangspunkt für den Roman ist ein tödlicher Unfall, der sich auf den gefährlichen Klippen von Cala Marsopa ereignet und zwei Menschenleben auslöscht. Lulu Davenport und ihr erster Mann Gerald Rutledge stürzen im Streit in die tiefe Bucht hinab und hinterlassen jeweils einen Sohn und eine Tochter. Diese beiden kennen sich bereits ihr ganzes Leben, denn sie sind in der Nachbarschaft aufgewachsen und wissen auch um die Beziehung ihres jeweiligen Elternteils zu dem des anderen. Doch ähnlich wie bei Lulu und Gerald scheinen auch die Gefühle zwischen den Kindern Luc und Aegina keineswegs gleichgültig zu sein. Und so wiederholt sich das Drama einer Lebensgeschichte auch in zweiter Generation. Warum finden sich die Liebenden nicht? Und welche Kluft existiert zwischen ihren Welten tatsächlich? Eine weitere Odyssee beginnt …
Zugegebenermaßen bin ich mit hohen Erwartungen an diese Erzählung herangetreten, weil mich die Leseprobe überzeugt hat und eine Geschichte, die beginnend von der Gegenwart rückwärts beschrieben wird, einen besonderen Reiz ausübt. Wie interessant kann es doch sein, wenn man als Leser schon die Zukunft kennt, nicht aber die Vergangenheit mit ihren vielfältigen Ursachen.
Doch schon bald habe ich das Interesse an dem Roman verloren, was größtenteils daran lag, dass mir der rote Faden gefehlt hat. David Nichols bedient sich einer literarisch ansprechenden Sprache, formt schöne Sätze und beschwört auf ganz phantastische Weise das Leben auf den eher ruhigen Orten der wunderschönen Urlaubsinsel Mallorca herauf. Die Landschaftsbeschreibungen gepaart mit den Schilderungen über die Seefahrt gehören für mich zu den schönsten Stellen der Erzählung, denn sie vermitteln ein Gefühl von Weite, von Sehnsucht und Ruhe und von der Schönheit des Augenblicks. Dennoch bilden sie nur den Rahmen für die eigentliche Geschichte. Und diese weist mir zu viele Schwächen auf. Angefangen von den Charakterisierungen der Hauptprotagonisten, die so dermaßen andere Lebenseinstellungen haben, dass ich mich frage, warum sie überhaupt zueinander gefunden haben bis hin zum sporadischen Rückwärtslauf durch ein Menschenleben, geprägt von dunklen Ereignissen und fragwürdigen Handlungen. Größtenteils erzeugte die Erzählung bei mir Langeweile, die dann wieder jäh durch Dramatik unterbrochen wurde, deren genaue Hintergründe aber niemals sofort geklärt wurden. Auch die immer wiederkehrenden Passagen über sexuelle Handlungen, die sehr detailliert beschrieben werden, konnten mir nur ein Kopfschütteln entlocken.
Fazit: Ich vergebe 2,5 Sterne (wohlwollend aufgerundet auf 3 Sterne) für einen Roman der mich zwiegespalten und enttäuscht zurücklässt, weil er nicht die erhoffte Wirkung erzielte und sich in vielen Nebenhandlungen verlor. Sowohl die Menschen als auch ihr Leben sind mir fremd geblieben und so waren es in erster Linie die grandiosen Landschaftsbeschreibungen, die für mich den Wert des Buches ausgemacht haben.