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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.06.2019

Mehr als ein Krimi

Ein perfider Plan
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Anthony Horowitz, bekannt durch seine Sherlock Holmes-Geschichten, hat mit diesem Buch ein interessantes Experiment gestartet: Eine auf True Crime getrimmte Kriminalgeschichte mit ihm selbst als Erzähler ...

Anthony Horowitz, bekannt durch seine Sherlock Holmes-Geschichten, hat mit diesem Buch ein interessantes Experiment gestartet: Eine auf True Crime getrimmte Kriminalgeschichte mit ihm selbst als Erzähler und Hauptfigur.

Er begleitet den Privatermittler Hawthorne bei seinen Ermittlungen zu dem Fall um die erdrosselte Witwe Cowper, die erst sechs Stunden vor ihrem gewaltsamen Tod ihre eigene Beerdigung geplant hatte.
Das Duo Hawthorne/ Horowitz erinnert dabei sehr stark an ihr literarisches Vorbild Holmes/ Watson, wobei ersterer genauso wortkarg und beobachtungsstark ist und zweiterer ebenso überflüssig für die Lösung des Falles scheint.

Als Leckerbissen serviert der Autor immer wieder Einschübe aus seinem Autorenleben; Begegnungen mit Stars der Literatur- und Cineastenszene ebenso wie Gespräche mit seiner Agentin und das Hadern mit seiner Rolle als stiller und zahlender Beobachter.

Fazit:
Mit persönlich hat die Mischung aus bodenständiger Mordermittlung a la cosy crime und Lifestyle-Bericht eines Sternchens am Unterhaltungsbranchen-Himmel gut gefallen. Die Erzählung ist unterhaltsam, kurzweilig und hat mir genau das geboten, was ich mir dank Cover und Klappentext erhofft habe.

Veröffentlicht am 10.06.2019

Viktorianische Fantasy

Die Spiegelreisende 1 - Die Verlobten des Winters
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Christelle Dabos ist es auf perfekte Art gelungen, ihre Fantasy ins viktorianische Zeitalter zu versetzen, ohne dass es an einen halbseidenen Groschenroman vom Bahnhofskiosk erinnert.

Die Erde wie wir ...

Christelle Dabos ist es auf perfekte Art gelungen, ihre Fantasy ins viktorianische Zeitalter zu versetzen, ohne dass es an einen halbseidenen Groschenroman vom Bahnhofskiosk erinnert.

Die Erde wie wir sie kennen existiert nicht mehr; seit dem Bruch leben die Menschen in ihren Familien auf verschiedenen Bruchstücken, den sogenannten Archen. Jede Familie verfügt über andere Kräfte, die mehr oder auch weniger stark ausgeprägt sind. Ophelia wächst behütet auf Anima auf, kann durch Spiegel reisen und dank ihrer magischen Hände die Geschichte von Objekten lesen. Als sie zwangsweise mit dem eiskalten Thorn verlobt wird, muss sie mit ihm zum Pol, seiner Heimatarche, reisen; dabei nur unterstützt durch ihre Patentante. Doch das Leben dort birgt nicht nur aufgrund des eisigen Klimas Schwierigkeiten, dank der Nähe zum Mondscheinpalast wimmelt es auch vor Intrigen und Machtspielchen.

In der ELLE wurde das Buch großspurig mit Harry Potter gleichgesetzt, was meiner Meinung nach völlig falsche Erwartungen schürt. Ich halte "Die Verlobten des Winters" für einen wirklich zauberhaften Reihenauftakt, seine Stärken liegen aber auf ganz anderem Gebiet als die (anfangs) doch noch recht kindlichen Zauberlehrlings-Bücher.

Christelle Dabos legt den Fokus mehr auf die historisch angehauchten Elemente: Intrigen bei Hofe, Machtkämpfe unter verfeindeten Familien, ebenso wie zwischen den Herrschaften und ihrer Dienerschaft, und alle möglichen Schwierigkeiten, die amouröse Verstrickungen so mit sich bringen können- und das alles unter dem potenzierenden Einfluss der Magie. Auch die Sprache hat sich dem Schreibstil mit einem doch etwas verstaubteren Wortschatz angepasst, was dem Buch aber ncoh zusätzliche Authetizität verleiht. Damit spricht sie doch schon ein etwas reiferes Publikum an als J.K. Rowling.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist die Entwicklung der Charaktere. Vor allem Ophelia wächst im Laufe des Buches von einer zurückgezogenen, grauen Maus zu einer starken jungen Frau heran, die ihre Interessen zu verfolgen weiß, ohne ihre Stärke dabei vor ihren Feinden zu offenbaren.

Fazit:
Mich konnte das Buch sehr schnell für sich gewinnen und ich kann es kaum erwarten, bis der nächste Band erscheint!

Veröffentlicht am 04.06.2019

Zeitreise nach Hollywood

Der blutrote Teppich
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Christof Weigold zeigt auch in seinem zweiten Band über Hardy Engel wieder seine Stärke:

Vor dem Hintergrund des gerade erblühenden Hollywoods lässt er den Exildeutschen Hardy in der Highsociety der Filmbranche ...

Christof Weigold zeigt auch in seinem zweiten Band über Hardy Engel wieder seine Stärke:

Vor dem Hintergrund des gerade erblühenden Hollywoods lässt er den Exildeutschen Hardy in der Highsociety der Filmbranche den rätselhaften Tod des bekannten Regisseurs William Desmond untersuchen.

Ich liebe es, wie er es schafft, so viele historisch belegte Details mit seiner fiktiven Lösung dieses nie aufgeklärten Mordfalles zu verknüpfen. Allgemein spürt man auf jeder Seite die intensive Recherchearbeit, die hinter diesem Werk steckt. Mir gefällt die Detailverliebtheit, fühlt man sich do so fast selbst in diese Roaring Twenties zurückversetzt. Ich würde dieses Buch deshalb nicht als reinen Kriminalroman bezeichnen, sondern eher als ein akkurat gezeichnetes Gesellschaftsabbild mit kriminalistischen Einschüben.

Fazit:
Wer schon immer einmal das geheime Leben der Stummfilmstars und den langen Arm der mächtigsten Studiobosse entdecken wollte, ist hier goldrichtig. Es lohnt sich schon allein, einen Kaffee mit Charlie Chaplin trinken zu können.

Veröffentlicht am 04.06.2019

Was in jenem Sommer geschah

Das Leuchten jenes Sommers
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Der Sommer 1939 wird das Leben der beiden Schwestern Maddy und Georgiana für immer verändern. Wie sehr, das findet die junge Chloe 70 Jahre später heraus, als sie per Zufall das alte Familienanwesen Summerhill ...

Der Sommer 1939 wird das Leben der beiden Schwestern Maddy und Georgiana für immer verändern. Wie sehr, das findet die junge Chloe 70 Jahre später heraus, als sie per Zufall das alte Familienanwesen Summerhill entdeckt.

Dieser Roman erzählt auf wirklich sehr einfühlsame Weise von diesen drei jungen Frauen, die auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück sind. Von Anfang an bin ich in den Bann des sommerlichen Cornwalls gezogen worden. Dabei steht diese Leichtigkeit der Natur in krassem Kontrast einerseits zum drohenden Krieg und andererseits zu den widrigen Umständen, mit denen sowohl die beiden Schwestern als auch Chloe zu kämpfen haben.

"Das Leuchten jenes Sommers" ist zwar ein Familiendrama mit spannenden Krimielementen, in erster Linie zeigt es aber, dass Liebe nicht immer die Erfüllung bringt, die man sich vielleicht davon erhofft. Es zeichnet das Bild von drei starken Frauen, die sich ihren Weg erkämpfen, ohne dass die Geschichte dabei in KItsch und schwülstige Phrasen abgleitet.

Fazit:
Es fällt mir schwer, dieses Buch in eine Kategorie einzuordnen. Alles was ich dazu sagen kann, ist, dass es unbedingt lesenswert ist!

Veröffentlicht am 31.05.2019

Handwerklich verbesserungswürdig

Was uns erinnern lässt
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Wie sehr habe ich diesem Buch entgegen gefiebert, behandelt es doch mit der DDR für mich literarisches Neuland und spielt zudem auch noch in meiner Heimat.

Beleuchtet wird die Geschichte der Familie Dressel ...

Wie sehr habe ich diesem Buch entgegen gefiebert, behandelt es doch mit der DDR für mich literarisches Neuland und spielt zudem auch noch in meiner Heimat.

Beleuchtet wird die Geschichte der Familie Dressel und ihres Hotels Waldeshöh am Rennsteig, die dank eines Ereignisses in ein Davor und Danach gespalten ist:
Ab Ende des Zweiten Weltkrieges begleiten wir die ersten beiden Generationen der Dressels, die um den Erhalt ihres Hotels kämpfen.
Gleichzeitig in der Gegenwart ist die junge Mutter Milla auf der Suche nach "Lost Places" im Thüringer Wald unterwegs und entdeckt die Überreste des Hotels. Um mehr darüber zu erfahren, sucht sie den Kontakt zu den letzten Familienmitgliedern der Dressels.

Die Geschichte an sich finde ich schön umgesetzt, abwechselnd erfährt bekommt man Informationshäppchen aus beiden Epochen zugeworfen und kann so das Schicksal dieses stellvertretend für die ganze DDR-Bevölkerung stehenden Hauses verfolgen. Allerdings gefällt mir der in der Vergangenheit verlaufende Erzählstrang wesentlich besser.

Das liegt zum großen Teil an der auf mich vollkommen unsympathisch wirkenden Milla. Nicht nur, dass ich mich frage, wie es diese Frau ohne Durvchsetzungsvermögen geschafft hat, ihren Sohn alleine großzuziehen. Ich finde es auch vollkommen unmöglich, wie sie sich, nur auf der Suche nach einer guten Story für ihren Instagram-Account, in das Leben einer fremden Familie drängt und das, obwohl sie ganz klar merkt, dass das gar nicht erwünscht ist. Zudem wirken die Dialoge seltsam hölzern und der ganze Plot etwas zu konstruiert, was dazu führt, dass das ganze Buch seltsam distanziert bleibt. Ich vermisse das Einfühlungsvermögen, dass es braucht, um solch ein Familienschicksal glaubhaft zu erzählen.

Fazit:
Ich wollte dieses Buch so sehr mögen und habe ihm immer wieder eine Chance gegeben, aber sowohl die unmögliche Protagonistin als auch der Erzählstil haben das immer wieder versaut.