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Veröffentlicht am 14.08.2024

Schwächer als der Vorgänger

Windstärke 17
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Caroline Wahl hat letzten Sommer die Herzen im Sturm erobert. Mit ihrem Buch "22 Bahnen" hat sie offenbar genau den Nerv der Zeit oder zumindest der LeserInnen getroffen. Nun hat sie mit "Windstärke 17" ...

Caroline Wahl hat letzten Sommer die Herzen im Sturm erobert. Mit ihrem Buch "22 Bahnen" hat sie offenbar genau den Nerv der Zeit oder zumindest der LeserInnen getroffen. Nun hat sie mit "Windstärke 17" den zweiten Teil ihrer Geschichte um die Schwestern Tilda und Ida vorgelegt.

Idas und Tildas Mutter ist tot und da ihre große Schwester mittlerweile mit ihrer Familie in Hamburg wohnt, fühlt sich Ida mit allem allein gelassen. Kurzerhand nimmt sie den Zug nach Irgendwo, hauptsache weg und landet auf Rügen. Auch wenn sie eigentlich keine Gesellschaft sucht, kommt sie schnell bei Knut und Marianne unter und lernt Leif kennen.

Mehr will ich eigentlich gar nicht verraten, sonst kennt ihr schon den Inhalt des ganzen Buches. Wie bei seinem Vorgänger auch, geht es hier um Bewältigung, Bewältigung von Emotionen wie Trauer und Verlust, aber auch Überforderung und Einsamkeit. Allerdings erschien mir Tilda wesentlich charismatischer als Ida und der Erstling hatte mit der alkoholkranken Mutter einen spannenderen "Handlungstreiber".

"Windstärke 17" plätschert nicht gerade dahin, aber es ist mir zu ruhig. Idas Probleme oder ihre Haltung entwickelt sich nicht wirklich, sie dreht sich zu oft im Kreis.

Und auch der einfache Erzählstil, der das Buch grundsätzlich zu einem Pageturner macht, hilft mir nicht unbedingt dabei, am Ball zu bleiben. Er sorgt eher dafür, dass ich von Ida irgendwann genervt bin.

Was mich an Caroline Wahls Büchern grundsätzlich immer wieder stört, ist der laxe Umgang mit Drogen. Das hat mich bei Tilda schon gestört, mit Ida ist es genauso. Vor allem, dass es so unkommentiert stehen gelassen wird.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Enttäuschend

To Gaze Upon Wicked Gods – Falsche Götter
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Das Motto dieses Buches ist relativ schnell gefunden: Enttäuschend! Nicht nur, dass ich vom Buch enttäuscht bin. Auch unsere Protagonistin scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, alle zu enttäuschen.

Ruying ...

Das Motto dieses Buches ist relativ schnell gefunden: Enttäuschend! Nicht nur, dass ich vom Buch enttäuscht bin. Auch unsere Protagonistin scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, alle zu enttäuschen.

Ruying lebt in einer Stadt, die zweigeteilt ist, seitdem sich ein Portal geöffnet und die technisch weit entwickelten Römer in ihre Welt der Götter und Magie gespuckt hat. Seitdem besteht ein unsicherer Frieden, der dadurch gestört wird, dass die römischen Prinzen die Stadt mit der Droge Opian fluten und immer wieder magiebegabte Menschen wie Ru entführen, um sie für ihre Zwecke zu missbrauchen. Eines Tages findet sich auch Ruying in ihren Fängen wieder, zumindest in den Fängen von Prinz Antonius.

Das größte Problem, dass ich mit diesem Buch hatte, ist eigentlich ein generelles. Man nehme eigentlich noch junge, unerfahrene Protagonisten und stopfe sie mit den mächtigsten Kräften und den größten Erfahrungen voll, die man sich nur vorstellen kann. Alles ist eine Welt der Superlative. Was der Prinz mit seinen 20 Jahren alles schon erlebt und "durchgestanden" haben soll, passt kaum in das Leben eines doppelt so alten Mannes. Und auf der etwas jüngeren Ruying lasten gefühlt die Erwartungen und Sorgen ihrer ganzen Welt.

Dass sie also sowohl ihre Gegner als auch ihre verschiedenen Verwandten und Freunde enttäuscht ist nur logisch, ebenso wie sie die Erwartungen des Lesenden nur unterlaufen kann.

Das zweite Problem des Buches ist der Weltenbau und Schreibstil. Die Idee, die sich Molly X. Chang da überlegt hat, ist eigentlich gar nicht so übel. Unsere Welt durch ein Portal mit einer Welt der Magie zu verbinden, finde ich cool. Die Vorstellung, ob Wissenschaft über magische Fähigkeiten siegen kann, ist interessant.

Dass sie sich dabei einiger historischer Anleihen wie einer Droge namens Opian bedient, okay. Aber es ist insgesamt zu viel show und zu wenig tell. Sie versucht unheimlich viele Informationen in ihrer Geschichte unterzubringen, sodass es teilweise etwas hölzern wirkt.

Das merkt man vor allem in der Beziehung der Figuren untereinander. Emotionen haben hier keinen Platz, um sich nachvollziehbar zu entwickeln. So kommt zwischen Ruying und Antonius keine Chemie zustande, obwohl sie sich angeblich zueinander hingezogen fühlen sollen. Stattdessen ergeht sich Ruying in ständigen Heulkrämpfen und Selbstzweifeln, die sich permanent im Kreis drehen und mich damit langsam aber sicher in den Wahnsinn getrieben haben.

Also, nein: Ich wollte das Buch gerne mögen, Ruying hat mir aber keine Chance gelassen.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Shiny Hollywood

Eve
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Wer einen kleinen Ausflug ins vermeintlich strahlende Hollywood der 30er Jahre unternehmen möchte, sollte sich an Eve halten. Sie weiß, wos abgeht.

Eve ist eine blonde, geheimnisvolle Frau und sitzt im ...

Wer einen kleinen Ausflug ins vermeintlich strahlende Hollywood der 30er Jahre unternehmen möchte, sollte sich an Eve halten. Sie weiß, wos abgeht.

Eve ist eine blonde, geheimnisvolle Frau und sitzt im Zug auf dem Weg in ein neues Leben. Dank einer zufälligen Begegnung verschlägt es sie nach LA und in die Leben verschiedener anderer Menschen und sorgt dabei für mächtig Trubel.

Amor Towles hat ein Händchen für Geschichten, noch mehr aber für Figuren. Denn dieses Buch handelt nicht nur von Eve. Vielmehr ist es eine Sammlung verschiedener Schicksale und Charaktere, die alle versuchen ihren Weg durch den dunklen Morast des schimmernden Hollywoods zu finden.

Dabei lässt er sie alle abwechselnd zu Wort kommen und zeichnet so ein kaleidoskopartiges Bild dieser einzigartigen Epoche.

Die Sprache, die er dafür wählt, trägt unheimmlich gut zur Stimmung bei. Einerseits unaufgeregt, andereseits aber so bildhaft, dass man den Glamour beinahe spüren kann- ebenso wie die Abgründe, die hinter der Fassade lauern.

Man merkt schon, ich bin ein Fan dieses Autors! Wer sich mit seinen Büchern auskennt, wird feststellen, dass uns Eve nicht zum ersten Mal begegnet. Allen anderen möchte ich "Eine Frage der Höflichkeit" ans Herz legen, sie aber gleichzeitig auch beruhigen. Man muss das Buch nicht kennen, um "Eve" vollkommen genießen zu können.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Vierter Streich

Relight My Fire
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Streiche können humorvoll sein, manchmal treffen sie einen eher dunklen Humor. Genauso ist es, ein Buch von C.K. McDonnell zu lesen. Sein unübertroffender Wortwitz entführt uns nun schon zum vierten Mal ...

Streiche können humorvoll sein, manchmal treffen sie einen eher dunklen Humor. Genauso ist es, ein Buch von C.K. McDonnell zu lesen. Sein unübertroffender Wortwitz entführt uns nun schon zum vierten Mal nach Manchester in die heiligen Hallen der Stranger Times.

Nach den Abenteuern des letzten Bandes hat sich das Team eigentlich eine Verschnaufpause verdient, doch leider hat die Welt andere Pläne. Stella darf endlich an der Uni studieren, stolpert aber schon bald in den ersten skurrilen Unfall. Währenddessen wird Banecorft von einem geheimnisvollen Pilger verfolgt. Und schon bald finden sich alle im nächsten großen Abenteuer wieder.

Man fragt sich, wo der Autor seine sprühenden Ideen her nimmt, aber beten wir einfach darum, dass sie ihm nie ausgehen mögen! Und dass ihn sein Talent für gelungenen schwarzen Humor nie verlassen mag. Wobei die Zusammenarbeit des irischen Autors mit seinem deutschen Übersetzer Andre Mumot entscheidend dazu beiträgt.

Und auch die Geschichte an sich kann wieder voll überzeugen. Neue Figuren, die man schneller als gedacht ins Herz schließt- und andere, denen man immer mehr den Tod oder doch zumindest ein möglichst schlimmes Schicksal an den Hals wünscht. Dazu ein paar lieb gewonnene Figuren, die nach vergangenen Bänden ihr Comeback feiern.

Dazu Hinweise und Szenensprünge, die die Spannung hochhalten und dafür sorgen, dass die
560 Seiten wie im Flug vergehen. Das Ende legt die Vermutung nahe, dass wir die Stranger Times schon bald in einer nächsten Ausgabe wiederlesen werden und ich kann es kaum erwarten!

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Veröffentlicht am 30.06.2024

Mystische Reise

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
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Wer bei diesem wunderschönen Cover mit dem sehr kreativen Titel einen historischen Roman erwartet, könnte eventuell etwas enttäuscht werden.

Denn die Fahrt mit dem Transsibirienexpress von Peking nach ...

Wer bei diesem wunderschönen Cover mit dem sehr kreativen Titel einen historischen Roman erwartet, könnte eventuell etwas enttäuscht werden.

Denn die Fahrt mit dem Transsibirienexpress von Peking nach Sankt Petersburg führt den vorsichtigen Reisenden nicht nur durch das von einer hohen Mauer umgrenzte Ödland, sondern auch in die Tiefen der Fantasie und des Mystischen.

Im Zug trifft man nicht nur auf die betuchten Reisenden der ersten Klasse wie die geheimnisvolle Maria oder einen in Ungnade gefallenen Forscher, sondern auch auf das Personal des Zuges, die die Strecke und ihren Zug in und auswendig kennen. Und doch wird diese Fahrt einige Überraschungen für alle mit sich bringen- denn jeder scheint Geheimnisse zu haben.

Die Mischung aus Realismus, Historie und mystischen Elementen ist erstklassig gelungen. Die Spannung wird hochgehalten und die blumige Sprache zaubert wuderschöne, wenn auch düstere Bilder.

Weder die Passagiere noch der Lesende können zu Beginn erahnen, wohin die Reise gehen wird und was einen unterwegs erwartet und werden von deren Ende wahrlich überrascht sein.

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