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Veröffentlicht am 21.10.2024

Alltägliches Familienschicksal?

Cascadia
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Dass dieses Buch mehr ist als eine Alltagsgeschichte, zeigen schon die ersten Zeilen, die das Märchen "Schneeweißchen und Rosenrot" der Gebrüder Grimm zitieren. Und doch erkennt man schnell bekannte Beziehungsmuster ...

Dass dieses Buch mehr ist als eine Alltagsgeschichte, zeigen schon die ersten Zeilen, die das Märchen "Schneeweißchen und Rosenrot" der Gebrüder Grimm zitieren. Und doch erkennt man schnell bekannte Beziehungsmuster und -strukturen wieder.

Sam und ihre Schwester Elena kümmern sich seit Jahren um ihre krebskranke Mutter. Jeder Cent, den sie verdienen, geht für Medikamente und den Lebensunterhalt raus. Ihre Jobs im Golfclub und auf der Fähre halten sie gerade so über Wasser, ebenso wie der gemeinsame Traum, irgendwann endlich die Heimatinsel zu verlassen und die Welt zu entdecken.

Die Autorin schafft es auf interessante Art, die Stimmung auf dieser Inselgruppe im Nordwesten der USA einzufangen. Die Natur beschreibt sie besonders stimmungsvoll (da sie auch einen Großteil der Geschichte bestimmt).

Ebenso schafft sie es, einen spannenden Einblick ins Gesundheitssystem der USA zu werfen, sowie die Zwänge und Nöte darzustellen, die durch die horrenden Versorgungskosten entstehen. So spielt sie mit den Ängsten und Nöten der beiden Schwestern.

Trotzdem schafft sie es leider nicht, diese gewisse Distanz zu überbrücken, die zwischen den Figuren und dem Lesenden besteht. So erreichen mich die Emotionen der beiden kaum und ich fühle mich mehr und mehr wie eine unbeteiligte Beobachterin.

Auf die Spitze treibt sie es dann mit dem Ende des Buches, welches mich komplett verliert und leider nicht überzeugen kann.

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Veröffentlicht am 02.10.2024

Inbegriff von Gemütlich

Spellshop
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Das Cover drückt die Grundstimmung dieses Buches eigentlich schon ganz perfekt aus. Es ist gemütlich, es geht um Natur und hüllt den Leser in eine nach Marmelade duftende Leseswolke ein.

Kiela ist Bibliothekarin ...

Das Cover drückt die Grundstimmung dieses Buches eigentlich schon ganz perfekt aus. Es ist gemütlich, es geht um Natur und hüllt den Leser in eine nach Marmelade duftende Leseswolke ein.

Kiela ist Bibliothekarin in der großen Hauptstadt und mit ihrem zurückgezogenen, ruhigen Leben abslout zufrieden, bis ihr die Revolution einen Strich durch die Rechnung macht. Als Rebellen Feuer in der Bibliothek legen, flieht sie und rettet ihre liebsten Bücher und ihren besten Freund Caz, eine sprechende Pflanze. Als einziger Rückzugsort bleibt ihr das alte Familiencottage auf ihrer Heimatinsel, so weit wie möglich entfernt von allen Unruhen. Doch auch dort wird es bald aufregender als sie sich erhofft hat.

Das Buch bezaubert durch seinen ruhigen Erzählstil. Dabei legt die Autorin besonders viel Augenmerk auf die Beschreibung dieser Welt und vor allem ihrer (tierischen) Bewohner. Jedes einzelne Detail ist zauberhaft!

So schafft sie eine überaus fantastische Welt, die ohne Blutvergießen und Krieg auskommt (kaum zu glauben, läuft hier doch eigentlich im Hintergrund eine Revolution). Auch die "menschlichen" Figuren passen ins Setting und sind freundlich und aufgeschlossen. Manchmal hat man das Gefühl, dass die Tiere mehr Facetten aufweisen als ihre menschlichen Begleiter.

Alles hätte schön sein können, hätte die Autorin nicht offensichtlich das Gefühl gehabt, im letzten Drittel des Buches noch alles an Spannung aufzufahren, was ihr so einfiel. Die Gemütlichkeit wird plötzlich durch unnötige, unpassend wirkende Hast ersetzt und eine (teilweise unglaubwürdige) Handlung reiht sich an die nächste.

Das hätte nicht sein müssen, zerstört den Eindruck des Buches aber zum Glück nicht so sehr, dass es mir nicht trotzdem gefallen hätte.

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Veröffentlicht am 02.10.2024

Freundschaft extrem

Die Sache mit Rachel
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ja, was ist denn nun diese Sache mit Rachel, die uns so begeistern soll?

Rachel trifft James und stürzt sich Hals über Kopf in diese Freundschaft. Der charismatische James wird ihr Leitlicht, gemeinsam ...

ja, was ist denn nun diese Sache mit Rachel, die uns so begeistern soll?

Rachel trifft James und stürzt sich Hals über Kopf in diese Freundschaft. Der charismatische James wird ihr Leitlicht, gemeinsam arbeiten sie im Buchladen und organisieren eine Lesung, damit Rachel endlich ihrem Professor näher kommen kann. Wer ihm stattdessen bedeutend näher kommt, ist James, der sich sein Schwulsein nicht eingestehen will.

So beginnt ein Hin und Her, zwischen einer alles überschattenden Freundschaft, der sich alle amourösen Beziehungen, die beide jeweils eingehen, überschatten.

Dabei bleiben die Figuren mehr oder weniger unliebsam, keinen kann ich so wirklich leiden.

Zudem wird das Studentenleben bestimmt von Partys, Alkohol und Drogen- Themen, die mir sowohl belanglos als auch zu nebensächlich erscheinen, um den Verlauf eines ganzen Buches zu bestimmen. Ernstere Themen wie die Finanzkrise in Irland erscheinen daneben klein und unbedeutend.

Insgesamt macht mir das Buch einfach viel zu wenig Spaß um es zu beenden. Und so breche ich nach guten 150 Seiten ab.

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Veröffentlicht am 26.09.2024

Unnötige Fortsetzung

Das erste Licht des Sommers
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Den ersten Roman über die Familie Casadio "An den Ufern von Stellata" habe ich verschlungen. Die Schicksale der einzelnen Familienmitglieder hatten mich in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. ...

Den ersten Roman über die Familie Casadio "An den Ufern von Stellata" habe ich verschlungen. Die Schicksale der einzelnen Familienmitglieder hatten mich in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Umso schöner war die Verheißung, zu ihnen zurückkehren und sie weiter begleiten zu dürfen.

Doch irgendwie hat es diesmal nicht so richtig gefunkt. Vielleicht, weil sich die Autorin zu sehr mit Norma beschäftigt und auseinandergesetzt hat. das hin und herfließen zwischen den Generationen, was mir im ersten Band so gut gefallen hat, geht hier etwas unter. Auch wenn sie mit den zwei Zeitebenen einen interessanten neuen Twist eingebaut hat, bleibt das Ganze etwas bemüht und lässt die schwere Leichtigkeit (besser kann ich es einfach nicht beschreiben) vermissen.

Die Sprache jedoch ist gewohnt bezaubernd und gleichzeitig kraftvoll. Sie hat nichts von ihrer Power verloren. Wer also Stellata geliebt hat, kann dem Sommer gerne eine Chance geben.

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Veröffentlicht am 15.09.2024

Zu wütend

Drei Kameradinnen
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Dass es in einem Buch, das sich den Alltagsrassismus in Deutschland zu Thema gemacht hat, nicht nur sonnig und freundlich zugeht, war mir von Vornherein klar.

Die erfolgreich promovierte und trotzdem ...

Dass es in einem Buch, das sich den Alltagsrassismus in Deutschland zu Thema gemacht hat, nicht nur sonnig und freundlich zugeht, war mir von Vornherein klar.

Die erfolgreich promovierte und trotzdem Hartz IV empfangende Kasih erzählt aus ihrer Sicht, wie sich das Leben in einer anonymen deutschen Großstadt für sie und ihre beiden Freundinnen Saya und Hani anfühlt.

Alle drei stammen aus sogenannten Flüchtlingsstaaten, sind ungewollte Einwanderer, die mit täglicher Ungleichbehandlung konfrontiert werden und darauf auf unterschiedliche Weise arrangieren.

Dass keine der drei damit glücklich wird, ist mir klar. Auch fand ich die Beschreibungen der teilweise doch sehr subjektiv wahrgenommenen Alltagssituationen drastisch und einleuchtend beschrieben. Ich habe dabei sehr viel gelernt, auch über mein eigenes Verhalten und wie gegensätzlich es bei meinem Gegenüber ankommen kann.

Allerdings vermittelt das Buch eine dermaßen unbequeme Daueraggressivität, die ich mir einfach nicht als real vorstellen kann und möchte. Dass die drei auch im gemeinsamen Beisammensein keine Ruhe, Entspannung oder Freude empfinden können, erscheint nur schwer vorstellbar.

Shida Bazyar möchte unserer Gesellschaft mit ihrem Buch einen Spiegel vorhalten, uns zum Nach- und Umdenken bewegen. Das funktioniert meiner Meinung nach aber nicht mit dieser Knüppel-Methode. Ihre Darstellung wirkt zu überspitzt und wenig feinfühlig um wirklich anzukommen.

Zudem ist der Erzählstil über weite Strecken einfach viel zu unstrukturiert, es fehlt der rote Faden (oder er blitzt zu selten auf). Es strengt an, am Ball zu bleiben, die Gedanken nicht abschweifen zu lassen.

Fazit:
So wie es für die drei Freundinnen ein Kampf ist, in Deutschland zu leben, hat es sich für mich auf jeder Seite angefühlt. Es war ein Kampf, bis zum Ende durchzuhalten.

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