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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.06.2025

Verachtung und Hass

Aschesommer
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Ein Serienmörder tötet nach einem bizarren Muster in Anlehnung an die fünf Epochen der Erdgeschichte, in denen nahezu alles Leben ausgelöscht wurde – und sich danach neu gestaltete: Eis, Sauerstoffmangel, ...

Ein Serienmörder tötet nach einem bizarren Muster in Anlehnung an die fünf Epochen der Erdgeschichte, in denen nahezu alles Leben ausgelöscht wurde – und sich danach neu gestaltete: Eis, Sauerstoffmangel, Feuer, Wasser und eine durch einen Meteoriteneinschlag bedingte Aschewelle. Zur gleichen Zeit erlebt die Stadt eine noch nie dagewesene Hitzewelle. Jakob Krogh und Mila Weiss nehmen mit den restlichen Kollegen der Gruppe 4 die Ermittlungen auf. Sie stoßen auf eine Verbindung zu Jan Christian Bode, einem in der forensischen Psychiatrie inhaftierten Mehrfach-Mörder. Aber wen könnte er von dort aus mit den grausamen Morden beauftragt haben? Als eine junge Frau spurlos verschwindet, vermutlich das nächste Opfer, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Die im Buch vorherrschende Glutofenhitze ist so gut beschrieben, dass mir beim Lesen sehr warm geworden ist. Ich mag die einzelnen Mitglieder der illustren Gruppe 4 total gern: Den vom Schicksal gebeutelten Jakob und die taffe Mila, die quirlige IT-Expertin Lucy mit ihrem schweren Motorrad, den schweigsamen Finnen Tuure, den stinkstiefeligen Profiler Max und den für seine Gründlichkeit bekannten Ludger Palm.
Der Autor spendiert uns einen interessanten Einblick in die Paläontologie, den sogar ich verstehe. Mit jedem einzelnen Kapitel steigert sich die Spannung, und der Showdown beschert mir wohlige Schnappatmung. Das ist Dramatik pur. Glich schon „Krähentage“ eine Achterbahnfahrt, so toppt „Aschesommer“ dieses Leseerlebnis noch um Längen.

Benjamin Cors ist schlicht einer der besten Thriller-Autoren, die wir im Moment haben.

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Starke Fortsetzung der Küstenkrimi-Reihe um die Ostsee-Kommissare

Küstenmord: Spur ins Dunkel
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Luisa macht sich Sorgen um ihre langjährige Freundin Vanessa. Sie gibt eine Vermisstenanzeige bei der Polizeiinspektion Schleswig aus. Die Kommissare Katja Greve und Daniel Kowalski haben spontan ein mieses ...

Luisa macht sich Sorgen um ihre langjährige Freundin Vanessa. Sie gibt eine Vermisstenanzeige bei der Polizeiinspektion Schleswig aus. Die Kommissare Katja Greve und Daniel Kowalski haben spontan ein mieses Gefühl, aber dann dauert es doch eine nervenzermürbend lange Zeit, bis sie die Kripo-Chefin und die Staatsanwältin davon überzeugen können, die Ermittlungen zu dem Verschwinden aufzunehmen. Und während dieser ganzen Zeit kämpft Vanessa ums Überleben.

Obwohl ich die vier vorhergehenden Bände nicht kenne, kam ich sehr gut in diesen hochspannenden Kriminalfall hinein. Ein paar Mal hätte ich die Vorgesetzten der beiden Kommissare am liebsten beim Kragen gepackt und durchgeschüttelt, damit sie endlich etwas für die entführte Vanessa unternehmen, deren Überlebenschancen von Kapitel zu Kapitel geringer wurden. Die Spannung steigerte sich ins Unerträgliche.

Trotz der einen oder anderen offenen Frage hat mich dieser Krimi gepackt. Ich hätte mir ein wenig mehr Lokalkolorit gewünscht, einige Szenen hätte man straffen können, und die Figur des Entführers blieb lange Zeit nebelhaft. Dennoch finde ich entscheidend, dass die Kommissare durchweg sympathisch, authentisch und menschlich auftraten, und das Erscheinen einer faszinierenden Nebenfigur putschte die Nerven weiter auf.

Das ist beste Krimiunterhaltung.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Viel Blabla, wenig Nutzen

Die LET THEM Theorie
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Das Cover und der Klappentext versprechen eine phänomenal neue Methode, um den Widrigkeiten des Lebens entgegenzutreten. Die Autorin hat ein starkes Mitteilungsbedürfnis. In lockerem Plauderton teilt sie ...

Das Cover und der Klappentext versprechen eine phänomenal neue Methode, um den Widrigkeiten des Lebens entgegenzutreten. Die Autorin hat ein starkes Mitteilungsbedürfnis. In lockerem Plauderton teilt sie mit uns ihre zahlreichen einschlägigen Erlebnisse und entpuppt sich dabei als ausschweifend erzählende, dominierende Person. Kein Wunder, dass sie damit im zwischenmenschlichen Bereich auf Probleme stieß.

Die von Mel Robbins aufgeführten Beispiele haben wir sicher alle schon mal erlebt. Insofern ist es nicht verkehrt, Lösungsvorschläge zu bekommen, die man unmittelbar umsetzen kann, um im Alltag zu mehr Gelassenheit und Verständnis füreinander zu gelangen. Vielleicht. Allerdings kratzt die Autorin mit ihren Beispielen und Erkenntnissen nur an der Oberfläche. Es geht ihr in erster Linie um Harmonie und Anpassung um jeden Preis. Oft sucht sie die Schuld bei sich selbst und gibt sich damit zufrieden. Tiefergehende Probleme kann man damit schwerlich lösen.

Die Fülle dieses Buches täuscht darüber hinweg, dass auf den vielen, vielen Seiten nur sehr wenig Konkretes präsentiert wird. Es ist erstaunlich, wie man mit so vielen Worten immer wieder nur das gleiche aussagen kann. Um die Hälfte reduziert, wäre das Buch erträglicher gewesen. Schon nach einem Viertel verspürte ich den dringenden Wunsch, es zuzuklappen und wegzustellen. Aber ich habe bis zum Schluss durchgehalten in der Hoffnung, dass da vielleicht doch noch etwas Überraschendes herauskommt. Tatsächlich bietet dieser Ratgeber nur einen einzigen Tipp, mit dem ich etwas anfangen konnte. Alle anderen in epischer Breite dargestellten Probleme erschienen mir konstruiert und aufgeblasen. Das von der Autorin gleich einem Mantra heruntergebetete LASS SIE! und LASS MICH! ist zu banal, um bei echten Sorgen und Nöten eine Hilfe darzustellen.

Mein persönliches Fazit: Dieses Buch ist, wenn man viel Zeit hat, recht unterhaltsam. Es hält absolut keinem Vergleich mit dem Klassiker von Dale Carnegie stand. Vielmehr habe ich den Verdacht, dass die Autorin da eine Geschäftsidee entdeckt hat, mit der man viel Geld verdienen kann. Was ja offenbar auch funktioniert.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Aber, aber, mein Freund ... Wer wird denn gleich alles persönlich nehmen?!

Nimms nicht persönlich
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Lute, harmoniefreudiger Manager eines Pharmakonzerns, bekommt die unerquickliche Aufgabe, sämtliche Mitarbeiter seiner Abteilung dazu zu bewegen, von sich aus zu kündigen. Durch eine skurrile Begebenheit ...

Lute, harmoniefreudiger Manager eines Pharmakonzerns, bekommt die unerquickliche Aufgabe, sämtliche Mitarbeiter seiner Abteilung dazu zu bewegen, von sich aus zu kündigen. Durch eine skurrile Begebenheit macht er die Bekanntschaft des selbständigen Personalvermittlers Lombard, der ihm dieses Problem großmütig abnehmen will. Doch Lombards unorthodoxe Vorgehensweise bereitet ihm zunehmend Magenschmerzen.

Der Einstieg in diesen Roman fiel mir nicht schwer, denn der Autor geleitet den Leser mit leichter Hand in die immer abstruser werdende Entwicklung. Der Mittelteil dann zieht sich mit scheinbar zusammenhanglosen Rückblenden endlos hin, und ich wartete vergebens auf die im Klappentext versprochene Spannung und den durch die Coverillustration suggerierten schwarzen Humor. Einige Male war ich kurz davor, das hübsch gestaltete, elegante kleine Buch zuzuklappen und wegzustellen. Zum Glück habe ich das nicht getan, denn im letzten Drittel folgt ein Kracher dem nächsten. Und das finale Kapitel offenbart den tieferen Sinn des Prologs.

Alles in allem hätte ich mich geärgert, wenn ich das Buch nicht zu Ende gelesen hätte. Einige Schlussszenen sind ziemlich makaber, sogar von brutaler Gewalt geprägt, aber der Autor vermittelt das Gefühl, dass diese Absurdität durchaus normal ist. Man darf halt nicht alles persönlich nehmen und sollte das Geschäftliche vom Privaten trennen. Alles klar, oder?!

Auch wenn ich die überschwänglichen Kritiken auf dem Cover und im Klappentext nicht teile, finde ich das Buch lesenswert.

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Veröffentlicht am 06.05.2025

Extrem gruseliger Psychothriller

Die Lektorin - Ich schreibe dein Ende!
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Auf dem Schreibtisch der Lektorin Lilli landet ein Manuskript, das ihr Literaturagent als dringlich eingestuft hat. Sie beginnt zu lesen und stellt fest, dass dieser Text von einem Autor stammt, der sie ...

Auf dem Schreibtisch der Lektorin Lilli landet ein Manuskript, das ihr Literaturagent als dringlich eingestuft hat. Sie beginnt zu lesen und stellt fest, dass dieser Text von einem Autor stammt, der sie selbst auf Schritt und Tritt und sogar in ihren eigenen vier Wänden permanent beobachtet und unter massiven Druck setzt. Er droht, ihre beiden Kinder und ihren Ex-Mann zu töten, wenn sie nicht exakt seinen perfiden Anweisungen folgt. Lilli wendet sich an die Polizei. Kurz darauf bricht ihr Ex-Mann auf einer öffentlichen Veranstaltung zusammen und überlebt nur knapp. Er wurde vergiftet. Für Lilli beginnt ein gnadenloser Höllentrip.

Das ist einer der gruseligsten Thriller, die ich bisher gelesen habe. Man braucht starke Nerven, um diese Geschehnisse zusammen mit der Protagonistin durchzustehen. Einige Szenen sind einfach WOW! Darüber hinaus verlangt das Buch dem Leser einiges an Konzentration ab. Einige Male stolperte ich über ein Ereignis, bei dem ich mir dachte: Hoppla! Habe ich da vorher was überlesen? Um später zu merken: Nein, habe ich nicht. Der entsprechende Hintergrund wird dem Leser erst im Nachhinein präsentiert. Ein raffinierter Schachzug des Autors. Dann wieder überlas ich einen scheinbar sekundären Hinweis, der sich später als wesentlich erwies und musste zurückblättern, um die Zusammenhänge zu begreifen. Der Autor stiftet Verwirrung. Mit voller Absicht. Bis zum Ende des Buches gibt es eine ganze Reihe von Verdächtigen, die Verwirrung ist perfekt.
Leider finde ich bis auf zwei Ausnahmen alle Charaktere unsympathisch. Ab der zweiten Hälfte gleitet die Handlung immer mehr ins Surreale ab. Okay, Lilli steht durch den Psychoterror, dem sie da ausgesetzt ist, völlig neben sich und kann kaum noch klar denken, sie ist einzig darauf konzentriert, ihre Kinder und ihren Ex-Mann zu retten und scheut nicht davor zurück, dabei ihr eigenes Leben zu riskieren.

Das Finale enttäuscht mich. Zwar hatte ich den wahren Stalker durchaus kurz im Verdacht, aber sein Motiv kann ich nicht nachvollziehen.

Alles in allem ist der Hintergrund dieser Geschichte düster und hoffnungslos. Lediglich die Plänkeleien zwischen Lilli und ihrer Jugendliebe Kasper lockern ein wenig auf, aber auch letzteren kann ich nicht wirklich als sympathisch bezeichnen. Im Nachhinein wird mir klar, was mich an der Geschichte am meisten irritiert: Es ist der Mangel an Empathie zwischen den Figuren.
Und der Anfang hat eine andere Entwicklung vorgegaukelt, als das Ende bereithält. Dazu kommt, dass mir die Kapitel zu lang und unübersichtlich sind, das ermüdet beim Lesen. Der Schluss letztendlich wirkt abgehackt.

Trotz der genannten Schwachpunkte bietet dieser Thriller einen raffiniert eingefädelten Psychotrip, der den Leser aus seinem Alltagstrott herausreißt. So soll es sein.

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