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Veröffentlicht am 10.05.2026

Aberwitziger Mix aus Alice im Wunderland und der Addams Family

Mord in der Pension Möwennest
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England 1954. Die Ordensschwester Nora Breen tritt nach dreißig Jahren aus ihrem Kloster aus, um in dem malerisch gelegenen Küstenstädtchen Gore-on-Sea nach ihrer ehemaligen Novizin, der jungen Frieda ...

England 1954. Die Ordensschwester Nora Breen tritt nach dreißig Jahren aus ihrem Kloster aus, um in dem malerisch gelegenen Küstenstädtchen Gore-on-Sea nach ihrer ehemaligen Novizin, der jungen Frieda Brogan, zu sehen. Sie macht sich Sorgen um die Freundin, die sich nach einem regen Schriftverkehr plötzlich nicht mehr meldet. Nora bezieht deren Zimmer in der heruntergekommenen Pension Möwennest und beginnt ihre Nachforschungen. Sie erfährt, dass Frieda von einem Spaziergang nicht mehr zurückkehrte, aber keiner der anderen Pensionsgäste weiß etwas Näheres. Schon bald wird Nora klar, dass es sich bei ihnen um eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von schrägen Typen handelt. Und dann wird einer der Gäste tot aufgefunden. Nora ist empört, dass der zuständige Detective Inspector Rideout den Fall als Selbstmord abtut und Friedas Verschwinden nicht ernst nimmt. Sie stellt nun auf eigene Faust Ermittlungen an.

Der Einstieg in diesen Krimi fiel mir zunächst schwer, ich fand ihn zu melancholisch und nichtssagend. Erst als die Protagonistin Nora dem stoischen Constable im Polizeirevier ihre Stiefel um die Ohren wirft, nimmt die Handlung Fahrt auf. Mehr als einmal habe ich mich vor Lachen gekrümelt über die bildhaften Schilderungen und den großzügig eingestreuten Sprachwitz. Nora entpuppt sich als eigensinnige und durchsetzungsstarke Person, die dem D.I. gehörig Beine macht. Wie die beiden sich lauernd umkreisen, sich gegenseitig beschimpfen und doch so unübersehbar miteinander harmonieren, ist so feinfühlig beschrieben, dass es mir warm ums Herz wurde. Nora lässt sich nicht beirren, ermittelt auf die ihr eigene unkonventionelle Weise und erfährt so Dinge, die der Polizei niemals zu Ohren gekommen wären. Auch mit schweren Jungs wird sie spielend fertig, ein weiterer Angriff auf die Lachmuskeln der Leser. Die Autorin beschreibt die Dinge aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. Manche Szenen erinnern mich an Alice im Wunderland, bei andere diente wohl die Addams Family als Vorbild. Bis zum Schluss habe ich gerätselt, wer denn nun der heimtückische Mörder ist. Jeder der skurrilen Pensionsgäste sowie die Inhaberin nebst Tochter und deren Personal scheinen etwas zu verbergen.

Ich liebe diese Protagonistin. Nora ist lebensklug, sensibel, bezaubernd, warmherzig, von eigenen traumatischen Erlebnissen gebeutelt, immer zu vollem Einsatz bereit und geht für die, die sie liebt, durch jedes Feuer. Sie macht aus diesem Krimi ein Erlebnis. Von mir gibt es dafür fünf Sterne mit Auszeichnung.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Höllentrip im norwegischen Fjord

Der Fjord
3

Das letzte, was Amelia von ihrer jüngeren Schwester Rose gehört hat, ist, dass sie zu der alljährlich stattfindenden Party des schwerreichen Lawrence Fowley nach Norwegen eingeladen wurde. Sie kehrte nie ...

Das letzte, was Amelia von ihrer jüngeren Schwester Rose gehört hat, ist, dass sie zu der alljährlich stattfindenden Party des schwerreichen Lawrence Fowley nach Norwegen eingeladen wurde. Sie kehrte nie zurück. Weil niemand außer ihr sich für Roses Verschwinden interessiert, greift sie zur Selbsthilfe. Sie krempelt ihr Leben radikal um und macht sich mit Erfolg an Ford Fowley, Lawrences Cousin, heran. Beide werden ein Jahr nach Roses Verschwinden auf das feudale und grimmig bewachte Anwesen der Fowleys in den norwegischen Fjord eingeladen. Dort angekommen, will Amelia mithilfe eines sorgfältig ausgeklügelten Plans herausfinden, was mit ihrer Schwester geschehen ist. Sie ahnt nicht, dass sie sich damit kopfüber in eine Schlangengrube stürzt.

Die taffe Protagonistin taumelt auf ihrer Mission von einer brenzligen Situation in die nächste. Und dann gibt es den ersten Toten auf der Party. War es wirklich ein Unfall? Und wo ist Rose? Amelia glaubt, dass sie irgendwo auf dem Anwesen gefangen gehalten wird und setzt ihre waghalsige Suche fort. Welche Rolle spielen die einzelnen Mitglieder des Fowley-Clans? Wem kann Amelia trauen? Mit jedem neuen Kapitel werden die Nerven der Leser mehr strapaziert. Zum Schluss hin ist die Spannung kaum noch zu ertragen.
Der Showdown und die Auflösung des Rätsels kommen für mich absolut überraschend. Das hätte ich niemals so erwartet. Dann setzt die Autorin noch einen drauf und präsentiert uns den genialsten Twist auf den allerletzten Seiten. Fantastisch!

Mich hat dieser Thriller von der ersten Seite an überzeugt. Das ist feinste Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Heimat ist nicht nur ein Wort

Ein kleines Dorf in den österreichischen Alpen
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In diesem biografischen Sachbuch.plaudert die Autorin in der ihr eigenen bildhaften Sprache über ihr Leben in ihrer österreichischen Heimat, die sie kennt wie wohl kaum ein anderer. Der Fokus dabei liegt ...

In diesem biografischen Sachbuch.plaudert die Autorin in der ihr eigenen bildhaften Sprache über ihr Leben in ihrer österreichischen Heimat, die sie kennt wie wohl kaum ein anderer. Der Fokus dabei liegt auf dem Wunsch zum Erhalt der kleinbäuerlichen und kleinbetrieblichen Kultur und dem pfleglichen Miteinander von Mensch, Tier und Umwelt. Man spürt auf jeder Seite ihre innige Verbundenheit zu ländlichen Traditionen. Für den Leser bietet dieses Buch einzigartige Einblicke in Kultur und Denkweise unserer österreichischen Nachbarn.

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Nicht mein Ding

Der Gourmet
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Wegen Washington Poes hartnäckigen Ermittlungen wurde vor sechs Jahren der berühmte Sterne-Koch Jared Keaton wegen Mordes an seiner Tochter Elizabeth zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Nun taucht ...

Wegen Washington Poes hartnäckigen Ermittlungen wurde vor sechs Jahren der berühmte Sterne-Koch Jared Keaton wegen Mordes an seiner Tochter Elizabeth zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Nun taucht Elizabeth plötzlich auf, und alles deutet darauf hin, dass sie während der ganzen Zeit gefangen gehalten und unter Drogen missbraucht wurden. DS Poe weiß nicht mehr, was er glauben soll. Hat er sich wirklich so sehr geirrt? Oder wurde hier in großem Ziel manipuliert, und die junge Frau ist in Wahrheit jemand ganz anderes?

Dieser Band hat mich sehr enttäuscht. Zum einen zieht er sich endlos in die Länge, ohne dass etwas Nennenswertes geschieht, zum anderen finde ich die Thematik einfach nur abstoßend. Auch fehlt das spritzige Geplänkel zwischen Poe und seiner brillanten Mitarbeiterin Tilly. Es sieht aus, als sei dem Autor vorübergehend die Luft ausgegangen. Schade. Das war wohl nix.

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Extrem grausame Morde, aber sprachlich vom Feinsten

Der Zögling
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Ein Serienmörder hinterlässt seine mit außergewöhnlicher Grausamkeit hingerichteten Opfer in jeweils einem der vielen Steinkreise in Cumbria. Der zuvor suspendierte DS Washington Poe wird wieder in den ...

Ein Serienmörder hinterlässt seine mit außergewöhnlicher Grausamkeit hingerichteten Opfer in jeweils einem der vielen Steinkreise in Cumbria. Der zuvor suspendierte DS Washington Poe wird wieder in den Dienst der britischen Serious Crime Analysis Section gestellt, um zusammen mit der neu hinzugezogenen Analystin Tilly Bradshaw den Täter zu finden. Tilly erweist sich als hochbegabte Mathematikerin, der es jedoch an sozialer Kompetenz mangelt. Aber irgendwie schaffen sie und Poe es, sich miteinander zu arrangieren. Tilly ist es schließlich, die anhand ihrer brillanten Methoden entdeckt, dass einem der Opfer der Name Washington Poe in die Haut eingeritzt wurde. Und sie vermutet, dass er als nächstes Opfer vorgesehen ist.

Dieser erste Band der mit Recht preisgekrönten britischen Krimiserie ist der absolute Hammer. Wenn man mal von den extrem horrormäßigen Morden absieht, ist es ein reines Vergnügen, Poe und Tilly dabei zu beobachten, wie sie sich trotz ihrer gegensätzlichen Charaktere einander annähern. Der Sprachwitz des Autors ist legendär, ich hätte mich stellenweise vor Lachen kringeln können. Der Spannungsaufbau ist zwar nicht überwältigend, und mir war ziemlich von Anfang an klar, wer sich hinter dem „Brandopferer“ verbirgt, aber das tut dem Lesegenuss keinen Abbruch.

Neben dem „Botaniker“ ist dieser Band für mich das absolute Highlight dieser Reihe.

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