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Veröffentlicht am 29.01.2024

See you later, allogator

Der Stich
13

Ein US-amerikanisches Unternehmen mit dem klangvollen Namen DNArtists hat genmanipulierte Steckmücken in den Florida Keys freigelassen, um nach eigenen Angaben die Population der für Menschen nicht ungefährlichen ...

Ein US-amerikanisches Unternehmen mit dem klangvollen Namen DNArtists hat genmanipulierte Steckmücken in den Florida Keys freigelassen, um nach eigenen Angaben die Population der für Menschen nicht ungefährlichen Insekten zu dezimieren. Das Experiment läuft aus dem Ruder, zahlreiche Opfer dieser Mückenstiche sterben innerhalb kürzester Zeit. Der aus Kuba stammende Student Quito Montezza ist der einzige, der die Gefahr erkennt, aber man hält seine Warnungen zunächst für Hirngespinste. Zur gleichen Zeit trifft die ebenfalls aus Kuba geflohene Inéz Barrera auf den Keys ein. Die beiden jungen Leute treffen unter dramatischen Umständen aufeinander, und es gelingt ihnen, Quitos Vater, den Deputy Chief des Monroe Countys, von der Wahrheit ihrer These zu überzeugen. Aber sie haben mächtige Gegner, und es entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod.

Wie schon in seinem letztjährigen Thriller „Der Riss“ kann der Autor die Spannung bis zur letzten Seite halten, meine Erwartungen wurden übertroffen. Es war für mich als Leser nicht schwer, in die Handlung hineinzukommen, schwer war es lediglich, das Buch zwischendrin aus der Hand zu legen. Schon der Einstieg in den Roman vibriert vor Action. In der Folge jagt eine Knaller-Szene die nächste, und die beiden Protagonisten Quito und Inéz kommen so sympathisch rüber, dass man sich am liebsten an ihre Fersen heften und sie bei diesem brandgefährlichen Actionabenteuer persönlich unterstützen möchte. Und immer, wenn man denkt, jetzt kann es nicht mehr ärger kommen, eskalieren die Ereignisse weiter. Das Grande Finale schließlich lässt in puncto Spannung keine Wünsche offen.
Wer bisher noch keinen Thriller von Thilo Winter gelesen hat, sollte das jetzt nachholen. Ich persönlich schätze den klaren Erzählstil des Autors und dass er auf blutige Details verzichtet. Bemängeln könnte ich allenfalls seine etwas unbeholfene Wortwahl bei den Liebesszenen und die eine oder andere inhaltliche Ungereimtheit.
Von mir gibt es für diesen Roman ganz klar fünf Sterne mit Auszeichnung.

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  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 27.11.2023

Rücksturz in die frühen 1960er Jahre

Commissario Tasso treibt den Winter aus
3

Was als fröhliches Volksfest beginnt, bei dem traditionell der Winter ausgetrieben wird, endet in einem Blutbad. Ein junger Mann stirbt nach einem brutalen Messerangriff, ein zweiter wird verletzt. Commissario ...

Was als fröhliches Volksfest beginnt, bei dem traditionell der Winter ausgetrieben wird, endet in einem Blutbad. Ein junger Mann stirbt nach einem brutalen Messerangriff, ein zweiter wird verletzt. Commissario Tasso, der eher unfreiwillig an dem Umzug mit den gruseligen Schnappviechern teilnimmt, ermittelt, seine ehemalige Praktikantin Mara Oberhöller steht ihm wieder tatkräftig zur Seite. Aber niemand scheint etwas gesehen zu haben, die Nachforschungen verlaufen zunächst ergebnislos. Noch dazu gibt es Rivalitäten zwischen der Polizia di Stato, zu der Tasso gehört, und den ortsansässigen Carabinieri, die keine Einmischung in ihren Fall dulden wollen.

Da ich die beiden vorherigen Bände um Commissario Tasso und Mara Oberhöller nicht kannte, fiel mir der Einstieg in diesen Krimi nicht ganz leicht. Die vielen Figuren, die einem als Leser dabei begegneten, waren für mich nicht ohne weiteres auseinanderzuhalten, weswegen ich immer mal wieder zurückblättern musste, um zu sehen, wer nun eigentlich gemeint war. Zudem wurde ich mit den beiden Protagonisten nicht wirklich warm, es kam keine rechte Nähe zu ihnen zustande. Das änderte sich erst ab der Mitte des Romans, dann wurde die Sache allmählich spannend, und zum Ende hin machte das Lesen und Mitfiebern richtig Spaß.

Die Autorin hat die Stimmung und Realitäten der 1960er Jahre sehr gut eingefangen, der Roman entwickelte einen eigenen Charme. Das geschmackvolle Coverbild spiegelt diese Epoche perfekt wider. Es ist ein stiller Krimi ohne Knalleffekte, der zum Nachdenken und Schmunzeln anregt.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 25.11.2023

Drama, Baby!

Ausgelöscht
0

Die Psychologin Lea Goldberg wird zu einem grotesk anmutenden Kriminalfall herangezogen. Zwei zunächst spurlos verschwundene Frauen tauchen nach Wochen zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten wieder auf ...

Die Psychologin Lea Goldberg wird zu einem grotesk anmutenden Kriminalfall herangezogen. Zwei zunächst spurlos verschwundene Frauen tauchen nach Wochen zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten wieder auf und sind überzeugt davon, nur ein paar Tage weg gewesen zu sein. Woran sie sich erinnern können, ist identisch, aber logisch nicht nachvollziehbar. Dann eskalieren die Ereignisse.

Ein dramaturgisch perfekter und hochspannend geschriebener Roman mit mehreren Handlungsfäden, die zunächst nicht zusammenzupassen scheinen. Was ist Wahrheit und was manipulierte Erinnerung? Ein Psychothriller par excellence mit einem passablen Grande Finale. Dennoch bin ich beim Lesen mit der Protagonistin nicht warm geworden, die Handlung gleitet für meinen Geschmack zu sehr ins Düstere und Unglaubwürdige ab. Da ist zu viel inszeniertes Drama, als dass ich mich in die Figuren hätte hineinversetzen können.

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Veröffentlicht am 08.11.2023

Jane Austen wäre begeistert

Secrets of the Campbell Sisters, Band 1 - April & May. Der Skandal
0

April und May, die beiden ältesten Campbell-Töchter, nehmen an der Londoner-Ballsaison teil. Um ihre Familie vor dem finanziellen Ruin zu retten, ist April gezwungen, sich einen Ehemann zu erobern. Doch ...

April und May, die beiden ältesten Campbell-Töchter, nehmen an der Londoner-Ballsaison teil. Um ihre Familie vor dem finanziellen Ruin zu retten, ist April gezwungen, sich einen Ehemann zu erobern. Doch ihr Herz liegt seit dem unverzeihlichen Verrat ihres Angebeteten, Nathaniel Pembroke, in Trümmern, ihr Glaube an die wahre Liebe ist erschüttert. Zu allem Unglück läuft ihr der junge Mann fortwährend über den Weg und verschlimmert dadurch ihre Pein. Wieder droht ihr ein gesellschaftlicher Skandal. Ihre Schwester May versucht sie mit dem liebenswürdigen Lord Talbot zu verkuppeln. Wie wird April mit dieser desaströsen Situation fertig werden?

Eigentlich habe ich mit derlei romantischen Geschichten gar nichts am Hut, ich bekam das Buch durch einen netten Zufall in die Hände und fühlte mich verpflichtet, es zu lesen. Aber schon nach wenigen Seiten wurde ich in den Bann dieser Herz-Schmerz-Affäre aus der Regency-Zeit gezogen. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet, alle Details passen zusammen, und der Sprachstil entspricht der damaligen Zeit. Einige Passagen fand ich umwerfend komisch und habe mich gekringelt vor Lachen. Okay, das gesamte Buch hätte ohne weiteres um ein Drittel gekürzt werden können, ohne dass dadurch etwas Wesentliches weggefallen wäre. Einige Gedankengänge der beiden Protagonistinnen wiederholten sich ständig. Dennoch habe ich das Buch in vollen Zügen genossen, und der Ausblick auf den Folgeband im nächsten Jahr verspricht genauso interessant und aufregend zu werden. Ich habe ihn mir bereits vorgemerkt.
Der langen Rede kurzer Sinn: Die Autorin hat ein sicheres Händchen für diese Dekade britischer Geschichte. Diesem Buch keine Beachtung zu schenken, wäre in höchstem Maße verwerflich.

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Veröffentlicht am 02.11.2023

Viel Action, wenig Handlung

Deep Sleep, Band 1 - Codename: White Knight
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Wer ist John? Der 17jährige kann sich nicht an seine Vergangenheit erinnern. Eine Amnesie? Er wurde von dem gutmütigen Karussell-Besitzer James McMastersen, genannt Big Fly, eines Tages verwundet auf der ...

Wer ist John? Der 17jährige kann sich nicht an seine Vergangenheit erinnern. Eine Amnesie? Er wurde von dem gutmütigen Karussell-Besitzer James McMastersen, genannt Big Fly, eines Tages verwundet auf der Straße aufgelesen und lebt seitdem bei ihm in San Francisco. Als die junge Influencerin Alicia von einer Gruppe Krawallbrüder angegriffen wird, eilt er ihr zu Hilfe und entpuppt sich dabei als regelrechte Kampfmaschine. Wo wurde ihm das antrainiert? Und was hat es mit den mörderischen Albtäumen auf sich, die ihn nachts überfallen?

Der Autor beweist nicht nur seine Sprachgewandtheit, sondern brilliert auch mit profunden Kenntnissen im Bereich Geheimdienste. Eine rasante Actionszene reiht sich an die nächste, und manchmal hat man Zweifel, ob John sich da überhaupt wieder herauswinden kann. Er kann. Bei all dieser Dramatik bleibt allerdings die Handlung auf der Strecke. Genau genommen geht es nur um Angriffe, Verteidigung und Gegenaktionen. Aber die haben es in sich. Langweile kommt in keinem Augenblick auf, echte Spannung allerdings auch nicht. Das Ende hat mich ein wenig enttäuscht. Dennoch fand ich diesen Roman aufregend und erfrischend neu und originell.

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