Wenn das Herz die falsche Abzweigung nimmt
The Night We MetHach Abby, was machst du nur mit meinem Herzen? Ich sitze hier gerade mit einer leeren Packung Taschentücher und versuche zu begreifen, wie ein einzelnes Buch mich gleichzeitig so zum Lachen bringen und ...
Hach Abby, was machst du nur mit meinem Herzen? Ich sitze hier gerade mit einer leeren Packung Taschentücher und versuche zu begreifen, wie ein einzelnes Buch mich gleichzeitig so zum Lachen bringen und dann wieder komplett in tausend Teile zerlegen konnte.
In "The Night We Met" geht es um diesen einen, winzigen Moment, der einfach alles verändert.
Stellt euch vor, ihr steht nach einem Konzert da und müsst euch entscheiden, bei wem ihr ins Auto steigt. Larissa entscheidet sich für Mike, sie werden ein Paar, und eigentlich scheint alles okay zu sein. Aber da ist eben auch Chris, Mikes bester Freund. Und je mehr Zeit vergeht, desto lauter wird dieses quälende "Was wäre wenn" in ihrem Kopf. Es ist die Geschichte einer Liebe, die eigentlich gar nicht sein darf, und von der schmerzhaften Erkenntnis, dass man die falsche Abzweigung genommen hat, während das Leben unaufhaltsam weiterrollt.
Was mich an diesem Buch so unfassbar abgeholt hat, ist diese Ehrlichkeit. Das ist keine glattpolierte Liebesgeschichte, sondern sie ist "messy", kompliziert und tut manchmal richtig weh.
Abby Jimenez schreibt Charaktere, die sich so echt anfühlen, dass man sie am liebsten an den Schultern schütteln oder ganz fest in den Arm nehmen möchte. Besonders Chris hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen bekommen. Die Art, wie er Larissa sieht, wie er sie wertschätzt und beschützt, das ist pures Gänsehaut-Material. Ich habe so sehr mitgelitten, als ich gesehen habe, wie diese jahrelange Freundschaft zwischen Mike und Chris Risse bekommt, weil sich das Leben und die Gefühle dazwischenschieben.
Die Autorin schafft es meisterhaft, diese zuckersüßen, fast magischen Momente mit richtig harten Themen wie toxischen Beziehungen, Depressionen und finanziellen Sorgen zu verweben, ohne dass es sich deplatziert anfühlt. Man lacht über die typischen, humorvollen Abby-Anekdoten und im nächsten Moment schnürt es einem die Kehle zu, weil die Panikattacken oder die Alkoholsucht so greifbar und respektvoll thematisiert werden.
Wenn ich überhaupt etwas kritisieren müsste, dann vielleicht nur, dass mein Herz am Ende so strapaziert war, dass ich zwischendurch kurz eine Pause brauchte, um wieder durchzuatmen. Es ist definitiv kein Buch für zwischendurch, man muss bereit sein, sich emotional voll darauf einzulassen.
Für mich ist dieses Buch ein absolutes Highlight und ein Must-read. Wer Geschichten liebt, in denen es um echte Menschen mit echten Fehlern geht und wer kein Problem damit hat, dass ein Happy End manchmal einen sehr steinigen Weg hat, wird "The Night We Met" lieben. Es ist ein wunderschönes, trauriges und hoffnungsvolles Buch darüber, dass es nie zu spät ist, die richtige Entscheidung zu treffen, auch wenn man zuerst die falsche genommen hat. Bitte lest es, aber haltet die Taschentücher bereit, ihr werdet sie brauchen.