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Veröffentlicht am 01.05.2026

Großer Familienspaß

Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat
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Dass mal jemand – meist ein Kind – auf einer längeren Autofahrt ins Auto kotzt, ist eine Erfahrung, die jeder kennt und jeder teilt. Dass dies aber auf so unterhaltsame Art passieren kann, ist etwas, was ...

Dass mal jemand – meist ein Kind – auf einer längeren Autofahrt ins Auto kotzt, ist eine Erfahrung, die jeder kennt und jeder teilt. Dass dies aber auf so unterhaltsame Art passieren kann, ist etwas, was einem erst Marc-Uwe Klings erneut wunderbar komisches Kinder – oder sollte man eher sagen Familien – buch erfahrbar macht.
Die Umstände, die dazu führen, dass Max gleich dreimal ins Auto kotzt, sind wieder einmal herrlich komisch und skurril und dabei zugleich so nachvollziehbar, dass diese eher unappetitliche Geschichte einen enormen Unterhaltungsfaktor nicht nur auf Autofahrten gewinnt. Die Figuren, bereits bekannt aus anderen Familienanekdoten aus der Feder Klings, sind wie immer liebenswert und lustig. Die Ereignisse bedürfen keiner großen Spezialeffekte, sondern der Autor vermag es, aus kleinen Alltagsdingen gute Unterhaltung zu machen, der man neugierig und gespannt folgt, bis man leider feststellen muss, dass die Geschichte schon zu Ende ist. Ich mag auch die Querverweise zu anderen von Klings Geschichten, weil man sich immer wieder gerne daran erinnert: Ach ja, das Klugscheisserchen, ach ja, das Känguru …
Auch diesmal wieder absolut klasse eingelesen vom Autor mit gut gesetzten Musikeffekten. Aber Achtung: Wer das Hörbuch über Kopfhörer in der Öffentlichkeit hört, sollte sich nicht wundern, wenn seine Umgebung ihn bisweilen verdutzt anschaut. Dann ist er vermutlich, von ihm selbst unbemerkt, in lautes Gelächter ausgebrochen.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Großartig gelesen

Abschied
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„Abschied“ ist eine wiederentdeckte Erzählung und insofern auch eine Entdeckung, weil man Haffners erzählerisches Talent zwar aus anderen Werken kennt, diese aber eher historische Darstellungen waren, ...

„Abschied“ ist eine wiederentdeckte Erzählung und insofern auch eine Entdeckung, weil man Haffners erzählerisches Talent zwar aus anderen Werken kennt, diese aber eher historische Darstellungen waren, keine erzählerische Fiktion.
Erzählen kann er auf jeden Fall. Und so erzählt er uns in „Abschied“ von einem eher bürgerlichen Rechtsreferendar, der während eines Kurztrips nach Paris – wie man heute sagen würde -, eintaucht in das bohemianhafte Leben, das diese Stadt demjenigen ermöglicht, der die Muße und das nötige Kleingeld hat. Oder der bereit ist, sich auch ohne Geld von einem solchen Moment des savoir vivre zum nächsten zu hangeln, wie es die Angebetete unseres jungen Referndars in Paris tut. Von ihr gilt es jetzt wieder Abschied zu nehmen und damit auch von einer besonderen Lebensweise, und diesen gilt es möglichst lang hinauszuzögern, um sich noch nicht der Lebenswirklichkeit stellen zu müssen, um die Geliebte nicht wieder sich selbst oder gar anderen Bewunderern überlassen zu müssen, um sich selbst um sie sorgen zu können, um dem spießbürgerlichen Leben nicht zu schnell wieder ins Gesicht schauen zu müssen, um Paris nicht zu schnell wieder den Rücken kehren zu müssen – wer weiß, bis wann.
Die Erzählung vermittelt wunderbar das Lebensgefühl in dieser schillernden Stadt, das genauso schillert zwischen Leichtigkeit und der Anstrengung, die zu viel gewollte Leichtigkeit mit sich bringen kann, sowie die Bedrückung durch den bevorstehenden Abschied. Dieser ist für mein Empfinden allerdings bisweilen sehr künstlich prolongiert worden, was auch ermüdend und ein wenig lächerlich wirken kann.
Letzteres mag auch dem naiven Ton neusachlicher Erzählkunst, an den die Geschichte auf jeden Fall erinnert, geschuldet sein.
Was man allerdings auf jeden Fall festhalten kann, ist, dass der Verlag eine absolut passende Erzählstimme für diesen Text gefunden hat, die genau den richtigen Ton trifft und von daher das Hören schon zu einem großartigen Erlebnis macht.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Ganz große Satire

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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Es ist - noch einmal - wieder da: das Känguru, der Erfolgsgarant aus Marc-Uwe Klings ersten großen Bucherfolgen. Diesmal mit dem erklärten Ziel der Rebellion gegen die Verhältnisse. Und wer wäre dafür ...

Es ist - noch einmal - wieder da: das Känguru, der Erfolgsgarant aus Marc-Uwe Klings ersten großen Bucherfolgen. Diesmal mit dem erklärten Ziel der Rebellion gegen die Verhältnisse. Und wer wäre dafür besser geeignet als das Känguru in seiner Kaltschnäuzigkeit, mit seinem riesen Ego, wenigen Skrupeln und seinen bissigen Kommentaren.
Dabei sind seine – wie gewohnt - kurzen Episoden geprägt von einer beeindruckenden Wissensfülle und, wenn es das denn heute überhaupt noch geben kann, einem klarsichtigen Einblick in die Lage der Welt heute. Verblüffend ist dabei, dass die Lösung der angesprochenen Probleme – insbesondere Klimakrise und Rechtsruck in der Gesellschaft, auf die sich das Känguru zum Schluss dann doch ein wenig zu mantraartig einschießt – bisweilen so einfach sein könnte, aber von persönlichen Interessen einzelner blockiert wird.
Wie immer liest dieser Autor sein Werk am besten selbst. Der Vortrag könnte anders nicht lebendiger, mitreißender und witziger sein.
Insgesamt bin ich beeindruckt von diesem Exoten höchst intelligenter, intellektueller, kompetenter und wirklich böskomischer Satire in tucholskyscher Tradition im Dschungel all dieser Blödelcomedians. Und hier erfüllt für mich ein Anglizismus auf jeden Fall mal einen guten Zweck: die Möglichkeit zwischen Satire und Comedy zu unter- und sich für Satire und gegen Comedy entscheiden zu können.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Den Faden verloren

Die Straße
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Seethaler porträtiert in seinem gleichnamigen Roman eine beliebige Straße in einer Stadt. Es gibt eine Bäckerei, ein Antiquariat, ein Lokal, eine Arztpraxis, eine Art Heilanstalt und verschiedene Wohnungen, ...

Seethaler porträtiert in seinem gleichnamigen Roman eine beliebige Straße in einer Stadt. Es gibt eine Bäckerei, ein Antiquariat, ein Lokal, eine Arztpraxis, eine Art Heilanstalt und verschiedene Wohnungen, die je für den verschiedenen sozialen Status ihrer Bewohner stehen. Wir verfolgen des vielgesichtige Schicksal der Anwohner dieser Straße über ein Jahr kaleidoskopartig und episodenhaft. Der Autor springt – häufig personal oder neutral in Form wörtlicher Rede erzählt – von Schicksal zu Schicksal, bisweilen montageartig aneinander gereiht, bisweilen nur als kurzes Intermezzo von Sätzen oder Ausrufen.
Das ganze wird von der expressiven Erzählstimme Lars Brandts eingelesen, der er es für mich aber auch nicht zu verhindern vermag, dass ich schon bald die Orientierung darüber, wer gerade was sagt, und damit den roten Faden verloren habe. Ich habe weitergehört, aber schon recht bald nicht gewusst, wo das Ganze hinführen soll. Manche Erzählstränge habe ich für längere Zeit aus den Augen verloren, manche tauchen wieder auf, aber für mich war es dann schwierig, an das vorher Gehörte anzuknüpfen. Ich habe – trotz großartiger Beschreibungen: die Sprache ist für mich das Überzeugendste an dem Buch – kein Gefühl und schon gar keine Bilder für die Figuren und für die Zeit, in der das ganze Straßenleben spielt, entwickeln können.
Vielleicht mag das besser gelingen, wenn man den Roman liest statt ihn zu hören. Vom Hörbuch würde ich eher abraten.

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Veröffentlicht am 11.04.2026

Unruhige Zeiten

Blankenese - Zwei Familien
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Einen spannenden Zeitabschnitt hat die Autorin Michaela Grünig für den Abschlussband ihrer Familientrilogie in Blankenese ausgewählt: Beginnend mit den Studentenunruhen im Jahr 1968 bis hin zum Höhepunkt ...

Einen spannenden Zeitabschnitt hat die Autorin Michaela Grünig für den Abschlussband ihrer Familientrilogie in Blankenese ausgewählt: Beginnend mit den Studentenunruhen im Jahr 1968 bis hin zum Höhepunkt des deutschen Terrors im Herbst 1973 schildert sie die Lebenswege der verschiedenen Generationen der Reedereifamilie Casparius und dem jüdischen Teil der Verwandtschaft, der Familie Jacobson. Da sind einmal die beiden Schwestern Ulrike und Sabine, die auf ihrer Suche nach ihrem Weg in Kontakt kommen mit den Studenten, die eine Aufarbeitung der Nazi-Zeit und eine gesellschaftliche Erneuerung fordern. Auf der anderen Seite kämpft auch Kurt Jacobson als Staatsanwalt für die Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen und den Erhalt der jungen Demokratie in Deutschland.
Die Darstellung dieser Zeit ist sehr spannend und lebendig und gibt einen guten Einblick in die dichten Geschehenisse von der Erschießung Benno Ohnesorgs über Beate Klarsfelds Nazi-Jagd, das Attentat während der olympischen Spiele in München bis hin zu den Befreiungsversuchen der RAF-Anführer aus ihrer Haft in Stammheim. Die Hintergründe sind sehr gut recherchiert und sehr detailliert dargestellt, doch zugleich auch so, dass jeder, ob er sich in der Zeit nun auskennt oder nicht, gut und gerne folgen kann und mag. Die allgemeine Zeitgeschichte ist stimmig mit den Entwicklungen im Leben der Protagonisten verwoben. Mit ihnen erhält die Zeit ein Gesicht. Das ist der Vorteil gegenüber der reinen Schilderung historischer Abläufe. Geschichtsunterricht mit hohem Unterhaltungsfaktor.
Besonders gut gelungen, finde ich die Diskussionen der Figuren über die drängenden Fragen der Zeit: Umgang mit Schuld und Verantwortung, Frage nach Opfer und Täter, Umgang mit Isreal und Antisemitismus, die Frage nach den Grundsätzen eines demokratischen Staates, insbesondere im Umgang mit dem Terror, der seine Autorität untergräbt und seine Grundsätze in Frage stellt.
Das alles sind aktuelle Themen, die hier äußerst differenziert und beeindruckend klar diskutiert werden, ohne dass es dabei langweilig würde oder die Gespräche gekünstelt wirkten. Das ist für einen Unterhaltungsroman ein hoher Anspruch, der sehr gelungen umgesetzt wurde.
Einzig ein wenig störend empfand ich die bisweilen sehr emotionale Ausgestaltung der Figuren wie z. B. Sabine oder Michael, den „Jungen aus dem KZ“. Die Figurenzeichnung gerät hier zum Teil ein wenig einseitig und übertrieben.
Aber insgesamt ist der Roman gemäß seinem Titel, „Zeitensturm“, so spannend zu lesen, dass man ihn stellenweise gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

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