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Veröffentlicht am 05.04.2026

Krieg, Pest und Liebe in Seppenrade

Tage des Wandels
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Ich habe mich etwas schwer getan, den Einstieg in den zweiten Band der Kalmule-Reihe „Tage des Wandels“ von Ulrike Renk zu finden. Vielleicht lag es daran, dass ich noch zu sehr dem ersten Band verhaftet ...

Ich habe mich etwas schwer getan, den Einstieg in den zweiten Band der Kalmule-Reihe „Tage des Wandels“ von Ulrike Renk zu finden. Vielleicht lag es daran, dass ich noch zu sehr dem ersten Band verhaftet war mit seiner starken Protagonistin Elze.
Zu Beginn des zweiten Bandes nun hat der Leser einige Zeitsprünge zu verkraften. Elze ist alt. Sie wohnt auf der Burg Kakesbeck. Auf dem Hof Kalmule wächst eine neue Generation heran. Doch die Sterblichkeit ist hoch: der Krieg, die Pest fordern ihre Opfer. Adam und Eva sind die jüngsten der Geschwister, ein Zwillingspaar. Und Eva verzichtet zugunsten ihres Bruders auf ihr Erbrecht am Hof. Sie ist nun eine Leibfreie und kann gehen, wohin sie will. Doch als Frau muss sie erst einmal ihren Weg finden.
Es dauert ein wenig, bis Eva in Elzes Fußstapfen treten kann. Als Hauserin bei einem Pfarrer in Seppenrade. Doch spätestens hier ist man angekommen im gewohnt spannungs- und anschauungsreichen Erzählstil der Autorin, die sehr sorgfältig recherchiert und dem Leser auch hier wieder das Leben in dem kleinen Dorf Seppenrade vor Augen führen kann. Der Krieg kehrt wieder, und auch die Pest klopft erneut an die Türen. Das sorgt für Spannung. Hinzukommen die Herausforderungen, die kleine dörfliche Gemeinden zu bewältigen haben, die ganz dem Willen der Natur und der großen Herren in fernen Landen unterworfen sind. Doch die Seppenrader stehen füreinander ein. Die Dorfgemeinschaft ist wirklich beeindruckend. Und auch der neue Pfarrer, obwohl ein Anhänger des alten Glaubens, ist ein treusorgender Hirte für seine Schäfchen. Insbesondere Eva wächst mit ihrem aufgeweckten Verstand, ihrem Interesse an der Welt, ihrer Fähigkeit lesen und schreiben zu können. Die Liebesgeschichte, die sich da zwischen Pfarrer und Hauserin anbahnt, hält neben ein wenig Rührseligkeit auch viele überraschende Einsichten in die Anschauung der einfachen Leute bereit, wenn sie denn dem Zeitgeist entsprechen. In Seppenrade herrscht auf jeden Fall mehr der gesunde Menschenverstand als ein starrer religiöser Dogmatismus, was die Figuren sehr sympathisch macht.
Schlussendlich ist der zweite Band eine zunehmend gelungene Fortsetzung und macht neugierig auf den Abschluss der Trilogie.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 05.04.2026

Drachen in Gefahr

Die geheime Drachenschule - Die schwarze Bibliothek
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Im dritten Teil der Vorgeschichte „Der geheimen Drachenschule“ müssen die Freunde und Drachenreiter Jeremias, Ash und Buckel zum einen gegen die schwarze Bibliothek zu Felde ziehen, mit Hilfe derer die ...

Im dritten Teil der Vorgeschichte „Der geheimen Drachenschule“ müssen die Freunde und Drachenreiter Jeremias, Ash und Buckel zum einen gegen die schwarze Bibliothek zu Felde ziehen, mit Hilfe derer die grauen Brüder die Drachen vernichten wollen. Außerdem macht ihnen ihr Erzrivale Marcus das Leben schwer. Doch ganz unerwartet dreht sich das bereits verloren geglaubte Los der Drachen …
Die Geschichte hat genau die richtige Mischung aus Spannung, Grusel und witzigen Begebenheiten, sodass man sich nicht zu sehr gruselt und großen Spaß beim Zuhören hat. Nur zu gerne wären man mit den Freunden unterwegs, die für einander einstehen, die aber auch alle ihre Macken haben und sich damit manchmal in Schwierigkeiten bringen, aus denen sie nur mit Mühe, Not und kluger Raffinesse zu befreien vermögen.
Das Hörbuch ist hervorragend gelesen. Der Sprecher hat eine phantastische Lesestimme, die er sehr geschickt einsetzt, sodass es nie langatmig wird und man dem Vortrag gebannt folgen kann. Auch die akustische Untermalung bisweilen macht das Ganze zu einem großen Hörvergnügen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Sprecher
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 05.04.2026

Die dunklen Seiten der Geschichte

Adama
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Lavie Tidhar zeichnet ein düsteres Bild der Geschichte Israels, gekennzeichnet um Überlebenswillen, Rache, Gewalt, Korruption, Illegalität – sei es Mord oder Drogendealerei – und Leid.
Die Geschichte ...

Lavie Tidhar zeichnet ein düsteres Bild der Geschichte Israels, gekennzeichnet um Überlebenswillen, Rache, Gewalt, Korruption, Illegalität – sei es Mord oder Drogendealerei – und Leid.
Die Geschichte beginnt mit einem vermeintlichen Selbstmord und führt zurück in die Zeit, in der die junge Ruth aus Ungarn beschließt, sich auf den Weg nach Israel zu machen, weil sie sich der Bewegung zugehörig fühlt, die einen eigenen Staat und eine Gemeinschaft im Sinne der Kibbuz aufbauen will. Sie ist eine der wenigen Figuren, die ungebrochen an diese Gemeinschaft glaubt und bereit ist, alles dafür zu tun, diese zu gründen und am Leben zu erhalten. Sie ist eine starke junge Frau mit eisernem Willen, Waffenschmugglerin, Geliebte und Mutter. Sowohl ihre eigenen Geschwister als auch ihre Kinder sowie ihre Enkel scheinen mehr durch das Schicksal und die Geburt in die Gemeinschaft hineingezwungen. Einigen von ihnen gelingt die Flucht, doch eingeholt werden sie von der Geschichte des Ganzen immer irgendwie.
Es ist ein hartes, entbehrungsreiches, ein gewalttätiges Leben in dem Kibbuz, das einen hohen Preis bezahlt, für den es wenig bekommt. Und das Ideal des gemeinschaftlichen Lebens bleibt weit hinter der Realität zurück, scheitert am Menschsein der anderen, mit ihren Gefühlen, Leidenschaften, persönlichen Motiven.
Wer im Dreck wühlt, wird Dreck finden. Es gibt in dem Roman keine Figur, die mir wirklich durchgängig sympathisch ist. Jeder hat seine Träume, für die er bereit ist, ob bewusst oder unbewusst, andere bezahlen zu lassen. Es bleibt wenig übrig von der Geschichte eines Volkes, das über Jahrtausende hinweg verfolgt und in alle Winde zersprengt wird, und sich an einem Flecken sammelt, das ihnen nichts schenkt, dem sie alles mit hartem Willen abringen, dem nackten Stein, dem kahlen Fels, der feindlichen Umgebung, die seine Existenz beharrlich negiert. Dies schwingt immer mal wieder mit, wird aber immer wieder verschüttet von der Darstellung der schlechten Seiten, auch wenn sie aus dem Wunsch nach dem Guten entspringen mögen: so z. B. Ruths Gefühlskälte, mit der sie bereit ist, dem Überleben des Kibbuz alles zu opfern, die Unfähigkeit der Kinder und Enkel ein Leben, unter dem sie offensichtlich leiden, in etwas Positives zu verkehren.
Wer die Geschichte Israels kaum kennt, erhält – meiner Ansicht nach – ein ziemlich einseitiges Bild, die Brutalität der Siedler gegenüber der arabischen Bevölkerung, die Bereitschaft zu Drogenhandel und Mord, um den Kibbuz zu finanzieren und zu erhalten, die Gemeinschaft des Kibbuz, in der die Kinder schon als Säuglinge den Eltern entfremdet werden, um dann von einem Nachtwächter missbraucht zu werden.
Den Schattenseiten der Geschichte fehlen die Lichtmomente, aus denen überhaupt erst Schatten entsteht. So bleibt letztlich vieles im Dunkeln, wie Nathan Deutsch im Kellerverließ von Ruth, da er einst ihre Eltern und ihre Schwester an die Deutschen verriet. Und ewig: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2026

Für Fans von Caroline Wahl

Little Hollywood
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Die Geschichte von Leo, ihrem kleinen Bruder Ben, ihrem Freund Jo und ihrer depressiven Mutter erinnert stark an den Debütroman von Caroline Wahl. Alle, die von ihrem 3. Band eher enttäuscht waren, weil ...

Die Geschichte von Leo, ihrem kleinen Bruder Ben, ihrem Freund Jo und ihrer depressiven Mutter erinnert stark an den Debütroman von Caroline Wahl. Alle, die von ihrem 3. Band eher enttäuscht waren, weil die Story darin etwas anders ausgerichtet war, dürften mit dem Roman „Little Hollywood“ einen passenden Ausgleich finden.
Leo hat grad ihr Abi gemacht, sie treibt ein wenig ziellos durch den Sommer. Ihre Mutter leidet unter depressiven Episoden und Angst vor dem gewalttätigen Vater, der die Familie verließ, als Leo noch klein war. Leo kümmert sich derweil um ihren kleinen Bruder Ben. Ansonsten verbringt sie ihre Zeit mit Arbeiten in dem Café, in dem auch ihre Mutter arbeitet, mit Besuchen am Waldsee und mit ihren Freunden. Ihre Leidenschaft sind Videofilme, die sie sich in der kleinen Videothek „Little Hollywood“ ausleiht. Dabei nervt sie das Spiel „Wahrheit oder Pflicht“, das Jo, ebenfalls aus ihrem Jahrgang und Jobber in der Videothek, mit ihr spielt, wenn sie eine DVD ausleiht. Doch bald stellt Leo fest, dass Jo keinesfalls nervig, sondern vielmehr recht interessant ist. Und dann ist da auch noch ihr Vater, der immer mal wieder wie ein drohender Schatten auftaucht.
Das Buch nimmt einen gleich mit in die Story. Leo ist eine sympathische Heldin, deren Gefühlsleben sich gut nachvollziehen lässt. Der Ton der Erzählung ist überwiegend leise und lässt dem Leser Raum für eigene Emotionen. Lediglich der Schluss ist etwas überdramatisiert. Die Beziehung zwischen den Figuren sehr unterschiedlich. Leo und Ben verbindet eine innige Geschwisterliebe, auch wohl bedingt durch das schwierige Verhältnis zur Mutter, das zwischen Unnahbarkeit und purer Aggression schwankt bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit. Die Beziehung zu Jo entwickelt sich ganz vorsichtig.
Was der Roman gut transportiert ist die Sommerstimmung zwischen Unsicherheit und Aufbruch in etwas Neues. Er lässt Raum für – bisweilen ganz simple, aber – schöne Momente, die immer wieder getrübt werden von den Schatten der Vergangenheit und dem fehlenden Vertrauen auf eine bessere Zukunft. Erwachsenwerden ist nicht einfach, besonders dann, wenn die Erwachsenen es einem so schwer machen. Dabei weiß man gar nicht ganz genau, was nun eigentlich vorgefallen ist zwischen Leos Eltern. Man weiß um die Gewalttätigkeiten des Vaters, aber auch um die Aggressionen der Mutter. Der Vater fordert immer mal wieder Einlass in das Leben der Kinder, die Mutter sucht, ihn zu verbannen. Für den Leser ist das nicht richtig nachvollziehbar. Das lässt einen kleinen Wermutstropfen zurück. Er kann sich kein Urteil bilden und fühlt sich vom Verhalten der Mutter auch häufig ein wenig schockiert.
Der Roman ist auf jeden Fall gut zu lesen, er wirkt allerdings oft auch wie ein Remake von „22 Bahnen“. Nur ist hier nicht das Schwimmen das Leitmotiv, sondern die Leidenschaft für Videofilme. Das allerdings ist eine wirklich gelungene Idee, denn daraus ergeben sich viele Ansatzpunkte für die Handlung.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Familiengeschichte(n)

Wie Schiffe auf stürmischer See
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Grace kümmert sich um ihren dementen Vater. Der braucht seine Routinen, z. B. zum Einschlafen das Abspielen eines alten Seewetterberichts. Diese werden gefährlich aus der Reihe gebracht mit dem Auftauchen ...

Grace kümmert sich um ihren dementen Vater. Der braucht seine Routinen, z. B. zum Einschlafen das Abspielen eines alten Seewetterberichts. Diese werden gefährlich aus der Reihe gebracht mit dem Auftauchen eines jungen Mädchens, das behauptet die Tochter des auf See vermissten Bruders von Grace zu sein. Im Gepäck ein Photo, auf dessen Rückseite ein Datum steht, das er nach dem Untergang des Schiffes ihres Bruders liegt. Kann das möglich sein? Grace setzt sich mit Vater und vermeintliche Nichte in deren alten Bulli und macht sich auf die Suche.
Der Einstieg in den Roman gelingt gut, denn man findet sich schnell in Grace‘s schwieriger Situation ein: die Ehe gescheitert, einen Brotberuf mit Mühe in Übereinstimmung gebracht mit der Pflege des dementen Vaters, die so manche Herausforderung für Grace mit sich bringt, keine große Perspektive, immer zu wenig Zeit, zu wenig Geld und zu viel Erschöpfung.
Die Reise auf der Suche nach dem verschollenen Bruder, mit der die Perspektiven zwischen Grace und ihrem Bruder wechseln und die Story auf zwei Ebenen erzählt wird, macht die Geschichte auch spannend zu lesen. Denn natürlich will man wissen, ob es eine Chance gibt, dass der Bruder noch lebt, und wie es sein kann, dass er sich zu Hause nie gemeldet hat.
Grace und ihre bunt zusammengewürfelte Familie erleben dabei so einige Abenteuer, die sich dann allerdings zu wiederholen beginnen, weil sie zumeist mit der Demenz des Vaters und den damit verbundenen Schwierigkeiten zu tun haben. Daraus ergibt sich bisweilen eine Situationskomik, die ich der Ernsthaftigkeit des Themas nicht immer ganz angemessen finde, weil sie eher klamaukig als erheiternd wirkt. Eine nebenbei festgestellte Schwangerschaft soll kurz die Dramatik erhöhen. Aber das Ende finde ich dann ein wenig platt: zu viele Zufälle oder zu überbemühte Schicksalhaftigkeit lösen alles in eine Art Wohlgefallen aus. Und wenn es der eine Märchenprinz nicht wird, dann eben ein anderer. Selbst die Demenz scheint am Ende fast in Vergessenheit geraten zu sein.

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