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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.06.2018

Nicht so stark wie gewohnt

Die Frauen am Fluss
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England 1922: Irene flieht nach einer gescheiterten Affäre aus London in die Ehe mit Alistair und in den kleinen Ort Slaughterford. Dort lebt sie sich nur schwer ein, doch als ihr Ehemann brutal ermordet ...

England 1922: Irene flieht nach einer gescheiterten Affäre aus London in die Ehe mit Alistair und in den kleinen Ort Slaughterford. Dort lebt sie sich nur schwer ein, doch als ihr Ehemann brutal ermordet wird, sieht sie sich gezwungen, sich mit dem Dörfchen auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit dem Stallmädchen Pudding, deren Bruder des Mordes verdächtigt wird, macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Täter – und wühlt so auch die Vergangenheit vieler Dorfbewohner auf.
„Die Frauen am Fluss“ ist der neueste Roman der Erfolgsautorin Katherine Webb und meiner Meinung nach leider einer der schwächeren. Zwar ist die Geschichte an sich spannend, die Figuren waren mir jedoch zu flach und einfach nicht gut genug beschrieben, um sich mit ihnen identifizieren zu können. So blieb das Gefühl, völlig in die Geschichte eintauchen zu können und mitgerissen zu werden, leider aus. Die Auflösung fand ich zwar sehr überraschend, aber auch schwierig, denn man muss am Ende vieles einfach hinnehmen, was nicht mehr logisch erscheint. Mir persönlich war die ganze Geschichte mit diesem Schluss zu künstlich und nicht glaubwürdig. Die Figur der Irene hätte wahrscheinlich viel zu berichten und ihre Auseinandersetzungen mit Alistairs Tante Nancy hätten viel Potential geboten, um die Charaktere ausführlich darzustellen, doch die Chance hat die Autorin leider nicht genutzt. Viel zu oft enden die Dispute damit, dass eine Person nach wenigen Worten den Raum verlässt, ohne dass viel deutlich geworden ist.
Katherine Webbs Roman „Die Frauen am Fluss“ hat mir von der Idee und der Handlung ganz gut gefallen, die Charakterisierungen des Figuren ist aber auf der Strecke geblieben, dadurch konnte der Roman mich nicht so mitreißen wie andere Romane der Autorin.

Veröffentlicht am 05.06.2018

Locker und kurzweilig

Sommer in Bloomsbury
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Verity lebt über dem Buchladen, in dem sie arbeitet und der ihrer Freundin Posy gehört. Dort werden nur Liebesromane verkauft und Verity kann sich nichts Schöneres vorstellen, als in die Geschichten einzutauchen. ...

Verity lebt über dem Buchladen, in dem sie arbeitet und der ihrer Freundin Posy gehört. Dort werden nur Liebesromane verkauft und Verity kann sich nichts Schöneres vorstellen, als in die Geschichten einzutauchen. Denn selbst lebt sie sehr zurückgezogen, sie ist introvertiert und kann nicht gut mit Menschen umgehen, daher will sie auch keine Beziehung und hat beschlossen, Single zu bleiben. Bis sie Jonny kennenlernt, der ihr ein unfassbares Angebot macht: Da beide immer wieder Verkupplungsversuchen von Freunden ausgeliefert sind, soll sie seine Schein-Freundin spielen. Beide hätten ihre Ruhe und bei Hochzeiten und Geburtstagen immer eine Begleitung. Das klingt zu gut um wahr zu sein und so treffen die beiden auf viele Verwicklungen und Hindernisse.
Posy und Verity kennt der Leser schon aus Annie Darlings vorigen Roman „Der kleine Laden in Bloomsbury“, in dem Posys Kampf um die Buchhandlung ihrer Eltern im Mittelpunkt steht. Jetzt verschiebt die Autorin die Perspektive und in „Sommer in Bloomsbury“ lernen wir die menschenscheue Verity besser kennen, die mit zahlreichen Schwestern als Pfarrerstochter aufgewachsen ist, in einer liebenden aber auch lauten Familie. Das Konzept des „Wiederholungstäters“ geht in diesem Roman voll auf, man freut sich, alle Figuren wiederzutreffen, ohne dass es langweilig wird, da Posy jetzt nur eine Nebenrolle zukommt. Veritiy ist ein ganz anderer Charakter und das Verwirrspiel um ihren Schein-Freund äußerst unterhaltsam, auch wenn man von Anfang an ahnt, wo das alles hinführen wird. Doch das tut der kurzweiligen Lektüre keinen Abbruch. Die Figuren sind alle sehr unterschiedlich und man bekommt einen guten Einblick in ihr Leben und ihre Probleme, auch wenn Verity natürlich im Fokus steht.
„Sommer in Bloomsbury“ von Annie Darling ist ein leichter und unterhaltsamer Roman, perfekt für einen Strandtag oder einen Lesenachmittag auf dem Balkon, kurzweilig und mit sehr charmanten Figuren.

Veröffentlicht am 05.06.2018

Geniale Modernisierung von Othello

Der Neue
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Es sind die 70er Jahre und Osei, genannt O, ist nicht nur der Neue auf dem Schulhof in Washington, er ist der einzige Schwarze in der gesamten Schule. Nicht nur die Mitschüler reagieren skeptisch, auch ...

Es sind die 70er Jahre und Osei, genannt O, ist nicht nur der Neue auf dem Schulhof in Washington, er ist der einzige Schwarze in der gesamten Schule. Nicht nur die Mitschüler reagieren skeptisch, auch die Lehrer schwanken zwischen Toleranz und Vorurteilen. Nur das beliebteste Mädchen der Klasse, Dee, freundet sich sofort mit ihm an. Doch das sorgt in ihrem Umfeld für Misstrauen und Ränkespiele, von denen sie nichts ahnt und die von Intrigant Ian initiiert werden. Innerhalb kürzester Zeit wird die Rollenverteilung auf dem Schulhof auf den Kopf gestellt.
Tracey Chevalier hat Shakespeares „Othello“ für das Hogarth Shakespeare Projekt neu überarbeitet und mit „Der Neue“ einen unglaublich spannenden und atmosphärischen Roman über Amerika in den 70er Jahren geschrieben. Geschickt verdichtet sie die Handlung auf einen Schultag, an dem sich zwischen den Unterrichtsstunden das ganze Drama anbahnt, bis es unweigerlich in eine Katastrophe führt. Mit großer Spannung verfolgt man als Leser jede Entwicklung, betont wird dies noch durch Perspektivwechsel, die teilweise die gleichen Begebenheiten von unterschiedlichen Personen erzählen lassen und für den Leser so die gesamte Struktur ausgiebig entwickeln. Schon früh ahnt man, wohin alles führen wird und ist dennoch gefesselt und entsetzt zu gleich, während sich beim Lesen das Netz immer enger im Osei zuzieht und er sich am Ende genauso verhält, wie es alle erwartet haben – allerdings hervorgerufen durch den Druck von außen.
„Der Neue“ ist auch ohne Shakespeare-Bezug ein großartiger und psychologisch dichter Roman, der einen als Leser packt und aufzeigt, wie Gesellschaften Menschen in vorgefertigte Rollen pressen und sie manipulieren, bis sie eben diesem Rollenklischee entsprechen. Dies auf den kleinen Bezugsort eines Schulhofes zu reduzieren ist eine großartige Idee und bringt einem den Stoff so nah wie nur möglich. Ein wirklich herausragendes Buch, das perfekt aufzeigt, wie aktuell Shakespeares Stoffe noch immer sind.

Veröffentlicht am 17.05.2018

Unterhaltsam und spannend

Pannfisch für den Paten
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In Fredenbüll ist einfach immer etwas los: Nach einer Schießerei flieht der New Yorker Mafioso Tony Luciano mit seiner Familie nach Nordfriesland, um unterzutauchen. Gleichzeitig teilt sich Fredenbüll ...

In Fredenbüll ist einfach immer etwas los: Nach einer Schießerei flieht der New Yorker Mafioso Tony Luciano mit seiner Familie nach Nordfriesland, um unterzutauchen. Gleichzeitig teilt sich Fredenbüll in zwei Lager: Befürworter und Gegner der geplanten Windkrafträder, die der Rotbauchunke ihres natürlichen Lebensraums berauben würde. Als dann auch noch eine Leiche im Beton des Fundaments der Windkrafträder auftaucht, ist Dorfpolizist Thies endgültig aufgescheucht. Kollegin Nicole aus Kiel muss her, um bei den Ermittlungen zu helfen. Denn Thies ist sich sicher: das internationale organisierte Verbrechen hat seinen Sitz nach Fredenbüll verlegt.
Die Regionalkrimis von Krischan Koch aus Fredenbüll zeichnen sich besonders durch das großartige Personal aus. Dorfpolizist Thies ist ebenso wichtig für die Dramaturgie wie die örtlichen Anwohner, die sich im Imbiss „De hidde Kist“ regelmäßig treffen, um die Fälle zu analysieren und auch schon mal mit dem ein oder anderen Tipp zu glänzen. Die Zwillinge von Thies, Telje und Tadje, sind inzwischen zu Teenagern mit eigenen Meinungen herangewachsen und aktiv als Naturschützerinnen. Das Eintreffen der Mafiosi gibt der Geschichte eine unterhaltsame Wendung und bringt die Fredenbüller ordentlich auf Trab. Besonders gut gefällt mir, dass Koch in jedem Roman einen neuen Schwerpunkt legt und man so Stück für Stück immer neue Anwohner besonders gut kennenlernt und später in weiteren Büchern wiederfindet. Spannend am aktuellen Krimi ist hierbei, dass Thies - ohne es zu wissen- eigentlich zwei Fälle gleichzeitig lösen muss, denn Naturschützer und Mafiosi scheinen in einem ähnlichen Umfeld zu handeln – und zu morden.
Mit „Pannfisch für den Paten“ ist Krischan Koch wieder ein runder und ebenso lustiger wie spannender Regionalkrimi aus Fredenbüll gelungen. Wer sich darauf einlassen mag, wird seinen Spaß daran haben.

Veröffentlicht am 15.05.2018

Sehr prägnant beschrieben

Die Sünde der Frau
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Connie Palmen hat einen äußerst scharfen Blick auf die Menschen, die sie in ihrem Buch „Die Sünde der Frau“ beschreibt. Marilyn Monroe, Marguerite Duras, Jane Bowles und Patricia Highsmith sind Frauen, ...

Connie Palmen hat einen äußerst scharfen Blick auf die Menschen, die sie in ihrem Buch „Die Sünde der Frau“ beschreibt. Marilyn Monroe, Marguerite Duras, Jane Bowles und Patricia Highsmith sind Frauen, die weltweit bekannt sind, für ihre Kunst aber oft auch für ihre Exzentrik. Sie waren nicht bereit, sich in das Rollenklischee ihrer Zeit zu fügen und haben so immer wieder Menschen vor den Kopf gestoßen – aber auch beeindruckt. Palmen zeigt beeindruckend prägnant, dass hinter den öffentlichen Persönlichkeiten viele Ängste und Probleme verborgen sind, sie zahlen einen hohen Preis dafür, zu sein, wer sie sind.
Mit ihrem Roman „Du sagst es“, einer fiktiven Biographie von Silvia Plath und Ted Hughes, hat Connie Palmen mich völlig gefesselt und das setzt sie mit diesem kleinen Band fort. Sprachlich unglaublich fein und immer genau auf den Punkt gebracht, schildert sie das Leben der vier Frauen mit all ihren Abgründen, ohne zu urteilen oder gar zu verurteilen. Sie ist Beobachterin und Chronistin, nicht Richterin der Frauen, was die Texte so wunderbar macht. Auch wenn die Biographien, wenn man sie so nennen will, immer nur kurz sind, schaffen sie einen Einblick in das Leben und Denken der Personen, regen zu Mitgefühl an, ohne Mitleid zu heucheln.
„Die Sünde der Frau“ ist ein wunderbares Buch. Connie Palmen ist es auf großartige Art und Weise gelungen, das Leben von vier Frauen zu beschreiben, ihre Persönlichkeiten aufzuzeigen und den Leser auf diese Reise mitzunehmen. Dazu ist die optische Aufmachung des Büchleins vom Diogenes wunderschön gemacht, ein Schmuckstück im Bücherregal.